Ausgabe 
28.7.1916 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

Hl J75

Z«eües BM

|66. Jahrgang

mit »«Smchu« des So»m1agL.

2* *«fet<fier SfflrffieuWätttr 44 werden dem pSUt&iQti* viermal wöchentlich beigelegt. das ULeiEr sSr de« llreir Stttzen " zweonal wöcheutlLch. DieQmöwrttschaftllchen Zeit, frage«" erscheinen monatlich zmrrnmü

Gießener LZetzer

Srnerat-Anzeiger für Gderhejien

zrertag. 28 . Inli lW

Rotationsdruck und Verlag der Brühtlchea llniversttäks - Buch- und Steüidruckecei.

R. Lange, Gießen.

Schrsttlettung, Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» ftraße?. Geschäftsstelle u. VerlagSchrift« letturrg: ^K I12. Adreffe für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.

Messdriefe arr§ dem Wchen.

KrÄZALLrchrerftLttrr.

^Lchdrmk, «rch re^otrs,)

Englische Gefangene aus der Lommeschlacht.

Großes Hauptquartier, im Juli 1916

schärfer, als wir das bei^unserem Volksheere gewohnt find, MtLr^cherden sich die englffchen Soldaten in zwei Klassen. in Leute ver wohl habenden und gebildeten Stände und in Angehörige der mwttmtteucn Mehrheit. Vergleicht man beide, so bar man oft de» 'Öldruck, als ob diese Leute nichts gemeinsam hätten als die <o^ache. die übrigens auch sehr erhebliche Spielarten auiweist. Sie -alle Glieder des Volkskörpers einigende Kraft der deutschen <vchannldung fehlt den Engländern in einem Maße, daß uns schon ^ */£? eit ' ° urc ^ Zufall der Schlacht vereinigten Gruppen von (vesangeneu die klaffenden, unüberbrückbaren Gegensätze zwi­lchen dem Manne aus dem Volke und dem Gehobenen, der Wohl- sta^und Bildung gemeßt, in die Augen springen. Es ist mir schon srüher beim Besuche von Gesängen cmsammel stellen und jetzt wieder ausgefallen, daß so wenige Engländer die lange müßige Zeit, die j rc E dieser ^.age habm. zum Lesen von Büchern verwenden? D aE xn. wundert man sich um so mehr, wenn man aus deutschen Schützengraben kommt und gesehen har, nne viele und gute Bücher Inqtxc tückstigen Feldbuchhandlungen in die Unterstände schicken und wre eifrig dort gelesen wird. Fragt man dann ernen Feld- .gTttiim, m desfen Händen nran den ,/Faust" oder einen Band Jean Bmck steht, was er im Friedensberuse sei, so erhält man wohl die L^wrt: Mundharmonikaarbeiter in irgendeinem thüringischer Elld^rfc. Dergleichen erlebt man bei uns alltäglich, aber es HJP fvohl nur bei uns möglich. Ich erwähne das nicht zwällig, son- ^deruwerlunter den Dinger, welche die Engländer an uns nach­denk lich stimmen und die sie unter den eigentlichen Kriegsursachen anführen. die Macht des derrtschen Geisteslebens wiederholt als be- fonderd Gefahr für England hervorgehoben wird.

©n Engländer^, hat mir einmal gesagt, der deutsche Hochmut sQ ^rerträglrch, werl jeder Deutsche sich für einen Beiter von GoÄche halte. ^ch antwortete ibm:Nennen Sic es nicht Vetter,

; sondern Landsmann, und nicht .Hochmut, sondern Stolz und fragen fSJL-Jr*' warum dieser Stolz nicht hindert, daß bei uns ^Mpeare brs rn der Wohnstube des Fabrikarbeiters gelesen, !datz er ber uns mehr aufgeführt wird als in England." Daraus ent- gegnete er übellaunig:Ja, derr werden Sie uns auch noch weg- Mehmen/ Das rft eine echt englische Auffassung. Unter den Ge­sungenen der ^ommeschlacht befindet sich ein Marrn, der in Eng­land eine sehr bedeutende Stellung einnimmt. Er hat den bezeich­nenden Ausspruch getan, gerade weil er jahrelang in Deutsch­land gelebt habe und das deutsche Geistesleben genau kenne, wisse -« welche Gefahr es für die englische Weltherrschaft bedeute. Er !Pabe erkannt, datz es kerne andere Möglichkeit gäbe, cs zu be- .K.s SU dem Schwerte zu greifen, und darum habe er >frch sretwillig zum 'Kriegsdienst gemeldet. Solche politisch durch - gebildete Engländer sagen auch, es sei müßig, zu fragen, ob Eng­land den Krrcg habe herbeiführen oder vermeiden wollen. Denn der Krieg hätte mit der Notwendigkeit eines Naturereignisses kom- men müssen, da eines Tages die Frage entschieden werden mußte M England das Imperium, die Weltherrschaft, unbestritten be­halten oder sich unverlebens von dem deutschen Imperium über­flügeln lassen woltte. England hätte deshalb diesen Krieg viel­leicht schon eher anfangen sollen, um Deutschland nicht so stark werden zu lassen.

. Die kleinen Leute" sind sich nicht so klar darüber. warum sie in den Krieg gezogen sind, so weit sie nicht aus Arbeitslosigkeit dazu gezwungen waren, sich anwerben zu lassen oder durch recht Unsanften Truck genötigt waren, sich derfreiwilligen" Rekru- tterung zu unterziehen. Sehr genau wissen sie jedenfalls, daß es sich für England nicht darum gehandelt hat, noch handelt, die Neutralität Belgiens zu schützen noch wiederherzustellcu. Die Bel­gier, d. t) die nach London gelangten Flüchtlinge, haben sich wre man bei dieser Gelegenheit erfährt, in England durch ihr

anspruchsvolles Wesen sehr unbeliebt gemacht. Manche englischen Gefangenen betonen, daß sie persönlich keinen Haß gcgeu die Tmtjcheii hatten. Das tagte mir z. B. ein kleiner Kaufmann, der Mer >.afre lang in Hannover gelernt hatte und angab, viele Freunde in dieser Stadt zu besitzen. Ein anderer Gefangener, em stattlicher Kerl, mit emem verbitterten Gesicht, der ausge- zeichnet deutsch spricht, sagte, mir :Warmn sollte ich die Deutschen yasten . v sd" war bis zum Kriegsausbruchs Angestellter bei Siemens und Halste inIZohannisburg und habe den Hererokrieg als Fahrer auf deutscher ^eite mitgemacht." Fragt man soiäie Leute, warum tte nch haben auwerben lassen, so geben sie außer wirtschaftlichen Gründen Folgendes an: Deutschland sei der Konkurrent Englands auf der ganzen Welt. Jeder Engländer habe den deutschen'Wett­bewerb gespürt. 9!un solle Deutschland als Konkurrent kaputt gemacht ^werden, da sei es die Pflicht jedes Engländers, mitzu- ^er deutsche Handel, die deutsche Industrie müßten überall von den Markten verschwenden, die England für sich allein haben wolle, ^ann könne ja Deutschland ruhig weiterbesteheu.

Sehr auffchlutzreich ist das Verhältnis zwischen den Engländern und den Franzosen. Wenn die Gefangenen aus ihren Unterkunsts- raumen gelassen werden, um sich im Freien zu ergehen, so sonoern sich Engländer und Franzosen sofort in zwei möglichst weit von­einander getrennte Gruppen. Die Engländer haben zunächst das Bedürfnis, sich Bewegung zu machen; sie rennen mit langen Schrit- ten auf und nieder, wie die Tiere im Käfig, einzelne schlenkern die Arme dabei und machen Freiübungen. Die Franzosen hocken und lagern sich in einem sonnigen Winkel und verspüren kein Bedürf­nis, sichdie Beäne zu vertteten". Der Frauzche, auch der Mann aus den niedersten Ständen, hat fast, stets eine gewisse äußere Haltung und eine angenehme Art im Verkehr: sieht er einen! seiner Vorgesetzten, so benimmt er sich militärisch, und auch deni d.entfchen Offizier oder Unteroffiz kt gegenüber wahrt er meist ein acmungsvolles, aus seiner militärischen Erziehung sich zwanglos ergebendes Betragen. Der Engländer macht auf uns, aber ebenso auch aus seine französischen Verbündeten, fast ausnahmslos einen unmilitärrsckren und flegelhaften Eindruck. Er benimmt sich stößig" gegeii den deutschen Gefangenenaufseher, tut es aber genau so gegen seine eigenen Kameraden urrd gegen seine Offiziere ^as scheint so zum üblichen Tone im englischen Heere zu gehören üie eiigkischen Soldaten selbst haben offenbar keinr Empfinden dafür, wie ungezogen ihr Auftreten wirkt.Tie englische Uniform macht noch keinen Soldaten," sagten mir Franzosen, das sei im ranOsischen .Heere die allgemeine Meinung. Die Engländer ihrer- sefts hegen keine Vorliebe für die Franzosen. Einer, der iw Aegypten gegen die Araber mitgefochten hätte, sagte mir, ero habe sich dort viel wohler geUhlt, als wahrend der fünf Monate die er rn Frankreichs gelebt hatte. Die französische Bevölkerung habe die Engländer Imnrer so behandelt, als ob sic ihre Ver- bündelciipflicht nicht voll erfüllten. Tie Geschäftsleute Hütten höhere Preise von den englischen Soldaten als von anderen Kunden ge­fordert und ihnen ins Gesicht gesagt: für die En^ander sei alles teurer. Die Stimmung der LaiLbevölterung in Dörfern wo sie zuletzt im -Quartier gelegen hätten, ser fast feindselig gewesen In einenr Dorfe hatte ein Bauer den Pumvenschweugel versteckt, damit lich die durstigen Engländer an seinem Brunnen die Feld^ flaschen nicht Allen konnten. In dem Gefanqenenftrmmellager, welches ich zwletzt besucht habe, hatten Franzosen den Kaffee für sämtliche Gefangenen gesoßt. Sic stellten den Engländern ihren Kessel hrn. ohne ihre Verbündeten eines Mickes zu würdigeir Nachdem sie sich entfernt hatten, kamen die Engländer heran und holten jttB ihren Kaffee. Beide Gruftpen vermieden geflissentlich fed-en Verkehr auch in den unverbindlichsten äußeren Grenzen Englische Offiziere bitten, nicht mit französischen zusammengelcgt oder abtranspvrtiert zu weiden und umgekehrt. Die Eugläiider kennen auch iruter sich die Kameradschaft in unserem Sinne nickt, eine Tatsache, die den Franzosen ebenfalls selch ausgefallen ist' In einem Verwundetenlager dicht hinter der Front wurde nach den ersten -Osfensivtagen Folgendes beobachtet: Der Andrang war jo grotz,^daß die Leichtverwundeten einen Teil der Pflegerdienste an beit schwer verwundeten mit übernehmen grüßten. Da wurde festgestellt, daß die englischen Leichtverwundeten sich gar wicht

- _

rarum kümmerten, wenn.ein Verblutender um ein Glas Wasser stek-w. Ein Vorgang, der bet deutschen und auch bei sranzösrscken Soldaten undenkbar wäre. Doch soll der Gwechtigken halber auch '.'ure Ausnahme mitgeteilt werden. Ein lEnglander, ein ganz un- 'ckeinbarer kleiner Mann, wurde im Gefangenenlager mit augen- 'chemlwwr Bevorzugung und Vergünstigung behandelt. Er war dabei gefangen genommen worden, wie er einen deutschen Ver­wundeten verband. H'Äte er sich dabei nicht aufgehalten, so wäre er vielleicht entkommen.

Tw Engiander, die ich sprach, wollten nicht gern ihr Urteil über tne soldatische Tüchtigkeit der französischen Mitkämpfer sagen. ^.Lb. gute Soldaten, nicht schlecht," das war so ziemlich alles, J. te die Lippen brachten, wälwend ich erivartel hätte, oap Iw du außerordentlichen Leistungen der Franzosen bei dem .r^idernande vor Verdun und bei der L-ommeoffenftve freimütig würden. Dies schien mir um so selbstverständlicher, als dre^ Engländer fast durchweg ihre Bewunderung für den deut- jchen Ensanterijtcn in einer Unbefangewh^ft ausdrürkteu, die er- Itaunlich ist, mrt Nedewenduilgen. wie man von einem Nennreiter oder enwm Meisterschaststennisspieler spricht, den man neidlos bewundern kann, weil man gar nicht daran denkt, sich mit ihm or ^gleichen- Alle englischen Gefangenen ivaren übrigens voller Anerkenmmg für die gute ^Handlung, die sie von dem Augen­blicke an erfahren hatten, wo sie die Waffen streckten.Das war die größte Ueberrajchung meines Lebens". Selbst Offtziere hatten nack den Schilderungen der englischen Presse erwartet, daß sic nnichaudelt werden würden. Statt dessen bot man ihnen in den Unttr,tanven wo Jte zuerst bleiben mußten, Betten an. Auch wunderten ruf englische Verwundete, daß die deutschen Sanitäter hatten^ großer Lebensgefahr" aus dem Feuer geholt

Das Fehlschlageu der sorgfältig vorbereiteten Offensive und ihre ^wattigen Verluste haben auf die Eugläiider tiefen Eindruck gemacht.. Aber es war dennoch wohl kaunt einer unter ihnen der nicht fest davon überzeugt war. daß der Krieg dennoch weiter gehen und mit dem orege Englands endigen müsse.Der Gedanke En^astd dveien .Krieg verlieren könne, geht in kein eng- lisches Hirn , sagen ,re. Allerdings' verttauen sie me^: darauf, datz es gelingen werbe, durch die Blockade Deuftchland auszu- hungern, alv durch Warfen jernc Männer zu besiegen, obwohl einzelne zugeben, daß dieser Gedanke für sie als Soldaten sehr vejchamend fei.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Aus Stodt und kund.

Gießen, 28. Juli 1916.

Goldbestand urrd Wirtschaftskraft.

Wir brauchen Gold für Austa n dsza hl u n q e n, namentlich nie die BezaWrng wichtiger Einfuhrwaren jetzt und spä t e r!

Wir brauchen Gobd als starken Vorrat für die Unterlage von Banknoten, fälls späterhin Industrie, Handel und Verkehr wettere Zcchkmittel nötig haben.

Wir brauchen aber airch Gold, um der Wirkung auf das Ausland willen.

Tie ununterbrochene Steigerung des Goldbestandes der Reichs- bank war etwas, was sich> die Feinde nicht erklären konnttn. Tie Hofftrung der Gegner auf ein Nachtl^sen muß zerstört werden Gerade die Freiwilligkeit der Ablieferung ist das, was dem Ans- land gegeiiüber von ganz besonderem Werte war und weiterhin sem loll.

Wer Gold gegenstände besitzt, kann durch Verkauf an die G o l d a n k a u f st e l l c dazu beitragen, daß die Goldunterlage unseres Geldwesens immer weiter erstarb unb daß vor gesorgt ist >nr die kunsttgen Bedürfnisse an Zahlmitteln. Selbst wenn wir Mutzten, datz der bargeldlose Verkehr immer mehr die Regel werde, mußteii rmr Wert daraus legen, daß die Geldeingänge andaucrn,

emmal wegen der Wirkung auf das Ausland und zum andern.

Bilder mi$ Dämsch-westindten.

Es war im Jahre 1494.am Tage der elftausend heiligen Jungfrauen", als das Schiff des Kolumbus in dem tiefblauen in den Buchten smaragdgrün leuttpenden Antillenmeere die zahl­losen grünen Eilande und weißschimmernden Kalkktippen einer weit perstreuten Inselgruppe in Sicht bekam, der er zu Ehren des Tages Den Namen der ^.Jüngferninseln" beilegte. Sehr wechülvoll ist i Po- ^ ötcrc Besiedelungsgeschichte dieser Eilande gewesen. Erst 16_5 wurden sie vorübergehend von Europäern besiedelt Hollauoer und Engländer folgten dann einander, bis 1671 die Dänisch-Westindische Gesellschaft hier Fuß faßte, und dies wurde der Ursprung des kleinen dänischen Kolonialreiches, das jetzt durch den Verkam der Inseln St. Thomas, Santa Cruz und St. John sem Ende gesunden hat. Denn nur diese drei Inseln der ganzen Gruppe sind dänisch geblieben, während der Rest in die Hand der Briten ubergegangen ist. Es sind vulkanische Bildungen, aus alteren und jüngeren Eruptivgesteinen bestehend, und wie ihr geologiicker Ban gleichartig ist, so bietet auch die Landsckmft der dvei daniicken Antillen verwandte Bilder. Sie zeigt Mäßig hohe ^Hügel, dm lich an den Küsten steil aufbäumen. Früher waren chie einmal ganz bewaldet, jetzt jedoch sind fte irur noch mit mäßiger 'Vegetation bestanden. Tie Entwaldung hat besonders St. Thomas büßen,, wo cs an dauernd fließenden stärkeren Quellen und -Bachen fast gänzlich fehlt: das Triitzkwasser ist auf der Insel knavv 'ünd gegen Ende der trockenen Iahres.zeit müssen die Bewohner von > Charlotte-Llmalia, der Haiwtstadt von St. Thomas, sicki aus dem benachbatten L-anta Eruz sogar ba<§ nötige Trinkwasser kommen ._^ Qn ^ a §^az ist unter den drei dänischen Jungfern in seln her Grotze und Vollszahl nach die bedeutendste, doch ist St. Tbonkäs Xai ^ erbaltnis Mm Umfange bedeutend volksreicher als Santa Cruz. <-anta Cruz ist schon seit langer Zeit in Bedeuttmgslosigkeit persunken, nnd zwar imirde der Niedergang der Insel durch die Ablchaffung der Sklaverei verursacht. Negeraufftände. Auswan- 'de«mg. Zer'plttterung der großen Zuckerpflanzungen und eme ^beträchtliche Abnahme ihrer Erträge waren die Folge und so ging 'die Jniel mehr und mehr zunick. Wenn St. Thomas dieses Schick- Acll erspart geblieben ist. so dankt es dies dem Vorteil seiner natür­lichen ^aae. Es bildet gleichsam den natürlichen Eingang zuni ganzen Antillenmeere und einst, in den Seiten der Segstschjffahrt. vernu!telle der Frcnhaseii Charlotte-'Amaliv fast allein'den Handel mit den Merlcnchern des Karaibischen Meeres. Diese goldenen Tage von Thomas sind nun dahin und ivas die Dampfschiff- fahrt anbrtrurt, fo haben btc Engländer sie. fowrif ihre Linien itrt Betrack ' komnreu, in Barbados konzentriert. Ten Mckhalt von <-t. Thomas dagegen bildete und bildet die deutsche Schiff­fahrt: die Hamburg-Amerika-Linie hat St. Thomas zuni Mittel- 'punkkc ihrer lämtlichen nrrttelamerikanischen Linieu gemacht und so wjl denn vor allem du Arbeit ftrr die ein- und auslaufendeu Schifw. von der sich die Bevölkerung der Insel ernährt. Freilich arbeiten die Neger von Charlotte-Amalia. die. wie alle ivest- rudischen Lckwarzcn, Nachkommen ehemaliger afrikanischer Sklaven lind, stach der alten Gewobnheft ihrer Rasse nur io viel, wie sie eben muisen: im übrigen genießen sie ihr Leben auis beste, und sic können mtt ihrer Heimat wohl zufrieden sein.

C ^ 1T lchvnes Bild, das dein Reffenden sich bietet, wenn er &t. Thonras sich nähert. Im Hintergründe der blauen Wasser­fläche baut sich die Stadt Charbotte-Amalia an den Hängen dreier neben einander vorfpringender Gebrrgsvseiler empor. Betritt ma.is üit Stadt selbst, so bleibt der angenehme Eindruck: Palmen und großblumige Laubbäume so schN>ert Dr. Georg Wegener das ~ wiegen sich am Sttande uird auf den gut gehaltenen Plätzen; mit dänischer Sauberkeff und Zierlichkeit such die Häuschen gebaut. Mit ihren votgestrickenen Dächern, ihren weißen Wänden und den, grünen Rolläden geben sie ein farbiges Gesamtbild Land hau, er liegen aus luftiger .Höhe in grünen Gärten, mit Bor hallen und Säulengängen versehen. Zwei jahrhundertalte Trutz tsttme geger^die FlibUstrerslotten überragen heute als Aussickts ttirme die Stadt. Unten am Hafen liäst ein kleines dänisches Fort mit votangestrichmen Zürnen inr Grün öffentlicher Anlagen- rn sauberer Uniform halt der dänische 'Losten davor Schildwachc. Des Morgens um 5 Uhr und des Wends um 8 Uhr kracht cm Kanonenschuß, der das Zeichen zum Begürue und zum Ende des Tagesarbeit gibt, und dann strÄuen in gemächlicher Eile bk Schwarzen herbei, von denen besonders das weibliche Elenrent ins Auge fällt: die zum Teil hochgewachsenen Negerschönen, die durch verwegenste Toilettenkünste ihren Reizen nachtzuhelfen suchen und rn grellgesärbten Kleidern, Hütchen. Schleiern, ffiegenden Seiden­bändern und Stöckelschichen vrangen und dann wieder zer­rst senen Fetzen oder nacüen Füßen einher gehen.

Das Innere von St. Thomas aber fft unerfreulich: wasserlos, dürr und mager, verfallen und verlassen, verarmt und ungepflegt.

*

Aufdeckung eines römischen Theaters.

--Mainz, 26. Juli. Durch ausgedehnte Ausgrabuligeii des hiesigen Altertumsvereins wurde am Südbahnhof das Theater des römischen Mainz fteigelegl. Zwar wurden die umfang­reichen Bauten schon bei Anlage des Bahrchojs 1884 entdeckt nnd planmäßig aus Karten festgelegt, doch ftclen die nreisten Mmierreste bem Bahnbau zum Opfer. Erst vor zwei Jahren schnitt man bei Kanaliittionsarbeittn die Mauerblöcke ivieder an. Vergleiche mit beit Plänen und Skizzen von 1884 ließen zuerst die Vermutung auffommcn, daß man cs mit den Resten eines Theaters zu hnt habe. Unter Leitung des Dr. D r e x c l vom Kaiserlich Archäologi­schen Instituts zu Frankfurt a. M. wurden wettere Grabungen vvr- genommen, die in diesen Tagev zum 'Ilbschluß kamen. In einer Diese von 6 Metern stieß man auf die ersten Mauerresre der Orchestra und des Zuschauerraums. Die Bühne hatte ebte Länge von 41 Metern und eine Tiefe von 812 Metern.. An sie stießen rechts, und lttrks schmale gewölbte Flügelbauten. Vor die ÄKn^

nu ^ eines Hügels genau im HaMreis der

Zuschauerraum mtt seinen stufenförmig ansteigenden Sitzrechen, im- Mittelbar vor der Bühne lag im Halbkreis die Orchestta. Der Zuschauerraum hatte einen Durchmesser von 125 Metern. Das Theater war ein Biihnentheater. keüi Amphittliecttcr, und ist das c r st eBühncntheatcr, das auf dem Boden des- Mischcn GermauienS s e ,'tg-e st e l l t wurdc. Auf Grund der früheren und vor allenr der jetzt gemachten Funde können ferne

Größenverhältnisse und seine Grundritzanlagen genau bis in die hinein festgelegt werden Das Theater stimmt, wie

Drexel mtttrnstt, ui scnnen Grundrissen mit dem römischen Thea ter m Arles (Frankreich) überein.

*

~ 1 g Saloniki. Eine ziemlich mclancho^

Usch gcsttmmle ,Schilderung der in Saloniki angekommenen Reste

tm , Gegensatz Zu anderen rranzösffchm Berichten hier, nicht gerade als besonders kraftvolle Kampfttuvve gezeigt w^d, findet sich in einem nächtlichen Stimmungsbild des

Journal":In denr dichten Duakel der .j^cht, da-.' das Lächeln des Mondes noch nicht erbleichen ließ herrscht eme ernste Ettstle, die von den Sternen der Nacht herab- zusallen scheint, ^te Stadt Saloniki schtäst, das Meer ist tot kein Segeh kern Schffssmast ist zu erblicken. Es ist eine warme Nacht nn Orie nt. Plötzlich wird ein Geräusch hörbar, es ist wie der dumpfe Lautakkord emes seruen Gewässers. Wir horchen aus und blicken äuf die Sttaße. Immer näher kormnt der Lärin, immer deutticher m feinem Rhythmus erkenubar, und nun wissen wir, daß eine Truppe am dem Marsch sich nähert, und bald können wir auch die ersten Dcanuer erblicken. Voran zwei Offiziere zu Pferde, hinter ihnen cme lauge, stumme Kott,nne, ihre Silhouetten schwanken seltsam m der Nacht, als jeien es Traumnguren einer traurigen Legende. Ein Bataillon nach dem arrderu zieht vorbei. Infanterie Kavallerie, dann Eüiheintffche. mit Gepäck beladen, und jchließlich em Trotz von Lastwagen aller Art. Es fft eine serbffche Division, che an che Grenze, zieht. Gewöhnlich singen che Serben, wenn sie masckneren. In dieser Nacht aber, unter diesen mit geseiikteii Köpfen einherschrettenden Leuten singt kein einziger. Sie ,'ind stumm' Und nichts ist hörbar als das Schleiseu ihrer Stiefeln und Sandalen auf der Sttaße. Wahrhaftig, so sieht eine Armee von Geisterii aus <;etzt sollte ich sicherlich eine lange Beschreibung folgen lassen über che Vegeffteruiig der geretteten serbischen Armee, ich sollte noch ein­mal m llirischen Worten diese librig gebliebenen serbffcheu Truppen rererin Loch ich will iveingec legeudenreich und poetiick- 'ein mrd lieber eine lvahre Schilderung geben, die darum kein^ivegs ,veni«rer ergreifend, ist. Den Mick zu Boden gerichtet, schreiten diese emher, niedergedrücki von schmerzlicher Erinnerung und dumpfer Müchgkeit, mechanisch, mit schleppenden Füßen wie Verbrecher die zu einem nrmmermchr endenden Weg der Verbannung v^'rurteilt sind. Es ist, als schliefe eine ung heure dunkle Traurngkett in ihnen. Manchmal trttt ein Maitn aus der Reihe, setzt sich einen Augeiiblick auf den Stt^fteiirand nieder, als wollte er aus irgend eme übermenschliche Hilfe warten. Unter allen Bäumen sieht man solche Unglücklichen, die minutenlang Rast halten. Das Herz zieht svb vor Mitleid zusanrmen. inenn mau dies-e Leute steht, die h<kr gri mmige Feind aus chrer Heintat vertrieben hat. Wenn wtt auäi gbrnven. daß die serbffcheu Soldaten mit ihrmi Heldenmut mithelfeii werden, damit wir bald den Tag des Sieges mit seiner ganzen Größe erreicheii. so soll doch auch daran erinnert werden, daß diese Mämier heute beretts an der Grenze ihrer Kräfte sind. Die Kranken sind zwar geheckt, die Erschöpften wieder aui- genchtet. aber ihr Organismus hat schlweve, nicht nneder gut- zumachende Wunden erlitten, .