Ausgabe 
24.7.1916 Zweites Blatt
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m. \X\ SWettes Blatt M. Jahrgang

Lrjchem: rägtich mit Ausrraho^e des SoanlagS.

DieGietzener ZomiliendUttBrr" werden dem

,3tnze,qer" viermal wöchentlich beigelegt. das

..Xreisdlatt für den Breis Siegen" zweimal wöchentlich. DieLankoirtschaflliche,, Sett- tr«gen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger sür Gberhejjen

Montag, 2g. Zuli m

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichea llniversitäts -- Blich- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul» straße7.Geschäitsst-tle u.Berlag:^^51, Schrift« leitung: S^1I2. Adresse sür Drahtnachttchtew Anzeiger Gießern

Zum Anbau von W'mterraps und Winterrübsen.

Me Erfahrungen des verflossenen Wirtschaftsjahres haben ge­lehrt, daß eine möglichst starke Vermehrung des ver­fügbaren Bestandes an Fett mit die wichtigste Auf­gabe der Kriegslvirtschaft darstcllt. Eines der wirksamsten Mittel ;ur Erreichung dieses Zieles ist der o e r m e h r t e Anbau der O e l srüchl e , namentlich des Winterraps cs und Winter- rübsens, deren Anssaat unmittelbar bevorstehl. Der Buildes^ rat hat für die Oelftüchtc im Wirtschaftsjahr 1916 mit unbedeuten­den Aenderirngen die im Jahre 1915 gültigen Preise wie folgt fest­gesetzt: Raps «Winter- und Sommer-) 60 Mt., Rübsen (Winter- und Somnier-) 57,50 Mt., Hederich und Ravison 10 Mk., Dotter 40 Mk., Mohn 85 Mk., Leinsamen 50 Mk., Hanfsamen. 10 Mk., Sonnenblumenkertle 15 Mk., Senssaat 50 Mk. Ferner l-at der Bundesrat bestimmt, daß icdem Oelsaatanbauer von 100 Kilogranrin abgelieserter «Saat ans Verlangen 35 Kilogvcünnr der aus dem Samen geworrnenen Oelkuchen zu den für letztere festgesetzten Preisen zurückgeliesctt werden müssen. Außerdem verbleiben die Oele, Oel­kuchen und Oehlmchle, die aus den den Erzeugern belassenen Oel saarmengen ansallen, den Erzeugern. Dies trifft zu bei allen Oeft srüchten, sofern die Gesamtvorrätc in einer Land nicht mehr als 10 Kilogramm ausmachen: bei Setnfame*: darf der Erzeuger bis zu 5 Doppelzentnern zurückbehalten, bei Mohn die zur Herstellung von Nahrungsmitteln in der eigenen Hauswirtschaft erforderlichen! Vorräte.

In derselben Verordnung ist bestimmt warben, daß für die Oelsaaten der Ernte 1917 die Preise um ein Sechstel erhöht werben und es ist dafür gesorgt ivorden, daß diese Preise auch dann bezahlt werden, wenn die Verwertung der 1917er Oelsruchternte in die F r i e d c n s z e i t fällt; auch steht auf Anordnung des Bundesrats bereits fest, daß die Bestimmungen wegen der Rückgabe von 35 Kilogramm Oelkuchen aus 100 Kilo­gramm abgelieferte Saat und wegen der zurückzubehaltcudeu kleinen» Mengen bestehen Reiben. Es ist also für Winterölfruchtsaat der! Ernte 1917 ein Preis von 7 0 M k. für je 100 Kilogramm bei Raps und von rund 6 7 M k f il r R üb s e n gewährleistet, außerdem wird dem! Anbauer reichlich die Hälfte der erzielten Oel­kuchen zurückgegeben.

Damit verspricht der Winterölfruchtbau eine völlig ausreichende Rente, und es darf erwartet werden, daß die Landwirte, die bisher schon Oel- f rächte gebaut haben, den Anbau wesentlich stei­gern, sowie daß andere Landwirte, die über ge- eignetcBödenoerfügen,den Oelfruchtban wieder aufnebmcn. Der Ge'winn ist dem Getreide und den übrigen landwirtschaftlichen Kulturpflanzen gegenüber ein so hoher, daß ein erweiterter Anbau erwartet werden kamr, trotz der Erschwerniffe, die mit dem Anbau namentlich zu Kriegszeiten verbunden sind.

Die Oelfrüchte gedeihen am besten aus mit Stallmist gedüngtem Lande, der Aufwand für die Stallmistdüngung ist in Kriegszeiten! beträchtlich höher als im Frieden und ein Teil der Stallmistdün­gung, die nach dem Wirtschaftsplau anderen Früchten zugedacht war^ wird iur die Oelfruchtschlägc in Anspruch genommen werden müssen. Die Winterölftiichte erfordern eine Bodenbearbeitung ähn- lich wie die Hackfrüchte, die Saaten sind schon im Aussaatjahr durch Erdflöhe, während der Blüte durch Rapskäser gefährdet, die Ernte ist umständlich und wegen des leichten Ansspringens der Hülsen bei schlechtem Erntewetter oder mangelnder Sorgfalt mit Verlusten verbunden. Aber alle diese Nachteile werden durch die! nunmehr zugesicherten hohen Roherträge um so mehr ausgewogen^ als der Winteröl saatbau auch große wirtschaftlichc.Vor- teile bietet. Bekanntlich fällt sowohl die Saat als die Ernte in solche Jahreszeiten, in denen andere dringliche Arbeiten im land­wirtschaftlichen Betriebe nicht vorliegen. Die Winterölfriichte sind aus gezeichnetc Borfruchbe, und da sie srühtzertm abgerundet werden, bleibt hinreichend Zeit fru den Bestclbungs arbeiten für das nach­folgende Wftrtergetreibe. Weim die deutschen Larrdwirte im drin­gendsten Interesse der Gesamtwftttschaft eine wesentliche Er­weiterung des Winter- Oelfruchtbaues eintreten lassen, so besteht deshalb keinerlei Gefahr für die Brot- versorgung. Bor dem Kriege sind im Deutschen Reiche schätzungsweise 70 000 Tonnen Raps- und Rübsensaat aus einer Fläche von rund 10000 Hektar geerntet worden. Die mit Getreide und Hülsensrüchtcn angebaute Fläche bezifferte sich im Jahre 1913 auf 16 250 000 Hektar. Die A n ba u f l ä ch e der Wfttter-Oelfrüchte beträgt also rund 0,21 Prozent der dem Getreide- und Hülsenfrucht­anbau eingeräumten Fläche. Daraus geht hervor, daß auch eine sehr

beträchltichc Vermehrung des Oelfruchtbaues für die Brotversorgung! gänzlich belanglos ist, daß sie dagegen in der wirksamsten Weise dem Fettmangel abhilft. . _

Hriegsbriefe aus dem westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Der große Angriff abgeschlagen.

Großes Hauptquartier, 21. Juli.

Nach ausgiebiger Artillerievorbereitung, die in den letzten Tagen gemeldet wurde, begannen die Engländer und Franzosen gestern den Generalstnwn auf breiter Front. Sie bekannten diesmal mit gewaltigen, tief gestaffelten Massen die ganze Kampflinie. Auf dieser beinahe vierzig Kilonieter laugen Schlachtfront handelte es sich um un­unterbrochene Angriffe im ganz großen Stil, die un­geachtet aller Verluste mit der äußersten Zähigkeit wieder­holt wurden. Immer frische Massen folgten sich an den Stellen, wo eben ein Massensturm sich an der heldenhaft verteidigten deutschen Linie gebrochen hatte,, und alles^ ließ erkennen, daß die feindlichen Heeresleistungen kein Opfer scheuten, um eitblid) die deutsche Front zu zerbrechen. An vielen Stellen haben die Feinde den Massensturm zehnmal wiederholt, so zwischen Hardecourt und Hem, wo sie endlich den verschwindenden Gewinn erzielten, das Gelände zwi­schen der Landstraße und der neben ihr herlanfenden ehe­maligen Kleinbahn zu erobern. In das eine vorspringende Ecke unserer Stellung bildende sogenannte Sternwäldchen südlich von Soyeconrt bei Vernrandovillers sind die Fran­zosen sogar erst beim elften Ansturm eingedrungen. Die Engländer haben nicht einmal solche minrmalen Erfolge gehabt, sondern sind nirgends vorgekonmen. Vielfach haben sich unsere Truppen nicht mit der Abwehr der Uebermacht begnügt, sondern deren Anfluten durch schneidige Gegen­stöße gebrochen. So wurden die Franzosen ans der von ihnen besetzten Monacu-Ferme hinausgeworfen. Anderwärts sind unsere Stellungen vorgeschoben und gegenüber ihrem Verlaufe vor dem Niesen sturm verbessert worden. Der Feind hat den abermaligen Versuch, mit dichten tiefen Massen unsere Verteidigungslinien zu überwältigen, durch Verluste gebüßt, die seinen gewaltigen Menschen ei ns ätzen entsprechen, namentlich dort, wo die anslutenden Massen von unserem Maschinengewehrfeuer gemäht werden konn­ten. Die englische Reiterei, die beim Fonrnaux-Walde gegen deutsche Schützengräben und Maschinengewehre Attacke reiten wollte, wurde völlig zusammengeschossen. Der 20. Juli sollte eine große Wendung zugunsten unserer Feiu.de bringen: sie haben Die deutsche Westfront nicht zerbrochen' Diese Massenschlacht, die zu den größten der Geschichte gehört, ist für uns durchaus glücklich und erfolg­reich verlaufen dank dem Heldengeist unserer Truppen, der unvergleichlich war.

W. Scheu ermann, Kriegsberichterstatter.

Nach dem Scheitern des Riesenfturmes.

Großes Hauptquartier, den 22. Juli.

Der fast vierzig Kilometer breite, vorgestrige Ansturm gegen unsere Somme-Front war das gewaltigste Unterneh­men, welches die Engländer und Franzosen seit dem Beginn der Offensive am 1. Juli versucht haben. An artilleristischer Vorbereitung und an Ausdehnung der Front hat der 20. Juli den ersten Schlachttag noch übertrofsen. Die verbündeten Feinde haben einen Menscheneinsatz in der Kamps geworfen, der annähernd die Friedensstärke des preußischen Heeres er­reicht. Daß sic damit keinen Erfolg erzielt haben, kennzeich­net die Bedeutung und den Umfang unseres Sieges. Seine

ungeheuren Verluste haben den Feind genötigt, entgegen der von ihm angekündigten Taktik gestern eine Erholungspause nach dem Mißlingen dieses Hauvttchlages einzulegen. Viel­fach waren die Truppen, die dem verheerenden Nahkmnpfe vor den deutschen Linien entronnen waren, so nieder­gebrochen, daß sie sich nicht zu einer Erneuerung des An­griffes bewegen ließen. Der Feind muß seine Verbände auf­füllen und teilweise durch frische ersetzen, ehe er 'zu einer Wiederholung des Angriffes aus breiter Front schretten kann.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Aus dem Reiche.

Von der Sozialdemokratie.

Berlin, 23. Juli. (WTB.' DerVorwärts" veröffent­licht eine Mitteilung des sozialdemokratischen Pressebureaus, nach der der Parteiausschnß beschlossen hat, dem Parteivorstand statt eines Parteitages tue Einberufung einer Konferenz der Parteiorgani- fat io neu zu empfehlen, um der fortschreitenden Zer­rüttung der Partei vorzubeugen.

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München, 23. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Die Korre­spondenz Hofftuanu meldet amtlich: Seine Majestät der König hat Seine Königliche Hoheit den Kronprinzen heute zum Generalfeldmarschall ernannt urtb ihm hiervon in einem herzlichen Telegramm Mitteilung gemacht.

Univevsttäts-Nachrtehteri.

[] Marburg, 22. Juli. Der ordentliche Professor der juristischen Fakultät. Tr. Franz Leonhard, wurde sür das Amts- jahr 1916/17 zun: Rektor der Universität Marburg gewählt.

bl. Marburg, 24. Juli. Ter Direktor der medizinischen W,nk in Greifswald, Professor Dr. M o r a w i tz, hat den an ihn ergangenen Ruf als Nachfolger von Geh. Rat Matthes abgelehnt. Nunmehr erhielt Professor Dr. Gustav von Bergmann, Direktor des städtischen Krankenhauses in Altona, eine Berufung nach Marburg. ^ .

Frankfurt a. M, 23. Juli. Au der Universität habi­litierten sich in der medizinischen Fakultät Dr. med. Hugo B r a u n für Hygiene und Dr. wed. Ernst Schmitz sür vegetative Pbaßolo-ne.

Müller'sche Badeanstalt.

Wasserwärme der Lahn am 24. Juli 16° R.

Meteorologische Beo bachtungen der Station Gietzen.

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Sonnenschein

Höchste Temperatur am 23. bis 28. Juli 1918: -ft 22,2° 0. Niedrigste . 22. . 23. 1916: + 12,2*0.

Niederschlag 0,0 mm.

Die GoldankmlMe

ist morgen von 3 bis 5 Uhr geöffnet!

heimattlänge an der Westfront.

Aus dem Felde wird uns geschrieben: Vor einigst Wochen Mars. Ta saßen wir mit mehreren Kameraden in einem engen! Stübchen gemütlich beieinander. Einer aus unserer Mitte hatte eine Dekoration bekommen. Fröhlich kreisten die Becher in der /Runde, man planderte, erzählte dies und jenes, und schließlich kam auch das deutsche Lied zu seinem Rechte, (ftner stimmte an und alle sangens gar bald mit:

Nach der Heimat möcht ich wieder.

Nach dem teuren Vaterott,

Wo man singt die frohen Lieder,

Wo nran spricht manch trautes Wort-

Verklungen war das Lied. Eine nachdenkliche Stille ruhte über uns allen. Bis einer ganz unvermittelt fragte:Kenn? Ihr den Dichter und Komponisten dieses Liedes?" Die verschiedenartigsten Antworten schwirrten durcheinander,Nein!"Das ist doch ein altes Volkslied!"Ter ist wohl schon einige hundert Jahre rot?" Niemand kannte ihn. Ter Frager aber entgegnete:Der Mann, der Schöpfer dieses in ganz Deutschland gesungenen wunder­schönen Liedes, denkt noch gar nicht ans Sterben. Er lebt immer­noch ganz vergnügt, singt, dichtet und komponiert immer noch und weilt gegenwärtig in Lille!" Wlgemeine Ucbcrraschnng.Un­möglich!"Tu willst uns uzen!" Der Kundige aber berichtete werter:Es ist so, wie ich sage. Carl Kromer heißt der Mann, er ist Mitglied des Stuttgarter Hoftheaters und ist hier jetzt in Lille. .." Do wie cs uns allen da draußen in einen: kleines Stübchen an der Westfront erging, so wird cs wohl auch bei vielen in der Heimat sein: die wenigsten, die das Lied singen, werden etwas von denr Komponisten und Dichter wissen. Die meisten werden das Lied siir ein altes Volkslied halten. Und es ist wahr­lich der Mühe ivcrt, dieser Ansicht entgegenzutreten, damit der Name dieses Mannes nicht der Vergessenheit anheimfällt, ivic das schon so häufig geschehen ist. Und wenn ein Feldgrauer das unternimmt, so möge man in der Heimat daraus ersehen, daß wir über dem rauhen Waffenhandwerk den Sinn für das Schöne, für Kunst und Wissenschaft nicht verlernt haben. Schon am andern Tage hatte id* Earl Kromer ausgesucht. Ick) fand einen in der Vollkraft des Lebens stehenden Mann er hat die 50 noch nicht erreicht der mich sogleich durch die Einfachheit und Schlicht- heit seines Wesens fesselte.Ich war etwa 20 Jahre altt" so er­zählte er mir,als nrein Vater, der in einem kleinen Städtchen in Baden wohnte, starb. Ich besuchte damals 1888 in Frankfurt a. M. das Konservatorium. Durch den Todesfall kam ichl wieder in meine Heimat, die ich so lange nicht gesehen hatte. Als ich dann wieder im Eisenbahnzuge saß, da überlnannten mich die Erinnerungen, die so lange bekämpfte -Sehnsucht kam doppelt

wieder. Und wie unter einen: Zwange griff ich zum Schreibstift und schrieb die Worte des Liedes nieder. In Frankfurt liattc ich auch gleich die Melodie. Merkwürdig: zuerst glaubte ich, ich hätte sie abgeschrieben!"Das'kann ich mir denken," entgegnete ich,das Sieb ist eben echt volksliedmäßig, ohne jede Künstelei. Dos Be­kanntwerden des Liedes ging aber wohl rasch vor sich?"Das -nun eigentlich nicht," suht Carl Kromer fort,ich bot das Lied euren: großen Musikverlage in einer rheinischen <r>tat>t an. Der Verleger holte das Urteil eines Sachverständigen ein es war ein Dirigent eines der ersten Gesangvcveine, und dieser Sach­verständige meinte, das Lied sei durchaus unwirksam! Ich packte es also wieder ein und vergrub es. Da kam ich 1889 in das Stutt­garter Hoftheater. Hier wurde ich mit den: Hofschauspieler und Liederkomponisten Walbach bekannt, dem ich das Lied vorspielte. Der sagte so sott:Das Lied ist wmrderbccr! Gehe:: Sic unver­züglich zum Zumsteg!" Das ist der Inhaber eines angesehenen Musikverlages in Stuttgart, übrigens ein Enkel dieses Zumsteg, der mit Schiller die Karlsschule besuchte.Zumsteg nahn: die Kom­position an. Wie er sagt, ist es sein bestes Litt) gewesen, das er je im Verlage hatte!. . ." Das Lied ist dam: wie jeder weiß, auch Allgemeingut des deutsch«: Volkes geivorden. Ucberall wird es gesungen. Und dein Komponisten, der seither noch viele andere Lieder vertont hat, ist mit diesem ein echtes Volkslied gelungen. Bon der mächtigen Wirkung möge folgende kleine Episode zeugen: Ein Urlauberzug gelangt bei Herbesthal, der bekannten Grenz­station, an. Einer der Urlauber, der sich bislang während der stundenlangen Fahrt schweigsam verhalten hat in all den: Tumult seiner Kameraden, blickt durch das Fenster. Er sieht wieder deutsche Landsleute aus den: Bahnhofe. Zivilisten, Frauen und Männer. Ta steigt heiße Sehnsucht in*ihn: empor, er, der Schweigsame, beginnt plötzliche zu singen:Nach der Heimat möcht ich wieder . . ." Das Lied pflanzt sich fort von Abteil zu Abteil. Aus allen Fenstern schauen die Soldaten heraus und singen, die leuchtenden Blicke zur Heimat gewandt: ...teure Heimat, sei gegrüßt, in der Ferne sei gegrüßt!" Es singens alle mit, auch die, die auf dem Bähnhofe stehen. Wie ein brausendes Gebet steigt cs in den blauen Abendhimmel empor:Teure Heimat, sei gegrüßt!" Einer der Urlauber hats mir erzählt und dabe: binzugeftigt: Ich war :wch nie so ergriffen, wie in diesem Augenblicke unter dem Banne des schönen Liedes!.. .

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Eine indrsche Franc nun iversität. Unmittelbar an die Gründung der Universität für indische Männer in Benares schließt sich jetzt die Gründung einer Universität für indische Frauen in Poona. Der Begründer dieser Frauenuniversität, Pro­fessor K a r v 6, hat bereits, wie die in dNadras erscheinende New Indra" verrät, seit zwei Jahrzehnten ein Heim für indische

Wittven gtteitet, ft: dem Wittven aller Massen und jeden dklters mit ein oder mehreren Zttndern Aufnahme fanden. Sie wurden hier gut ernährt, gut gekleidet und vor allem gut erzogen, indem man :hnen nüiglichst eine höhere Büdung zugänglich machte. Alle hier im Internat lebenden Frmren und Kftcher lernt«: auch Haus- lwltungssührung und eine Kunst oder ein Haiwwerk, wie Nähen, Sticken, Stricken oder Webei:. Dieses segensreiche Unveruehirren wuchs fick unter seinem verständnisvollen Leiter immer mehr aus, und die in ihrem Zusammenhang nnterlMrene etwa unserer höheren Töchterschule cntjpred)e:rde Erziehungsanstalt wird den Ueberyang zu der indisd^en Frauenuniversität darstellen. Professor Karves Bestreben geht vor allem dahin, durch private Nnterstünungen die ftir llniversftät nollvendigen Geldmittel zu erlang«:, damit er fiel}, freie Hmü> der Regierung gegenüber bewahren kann. Tie Unterrichtssprackw auf dieser Frauenunivcrsität soll eben die in- dische uird rächt die englische sein, wie sie natürlich in einen: von der Regierung unterstützten Ilnternechnen geforder: würde. Mle indischen Frauen, die die Zeit, das Geld und die Neigung haben, sollen dem Studinn: obliegen können, ohne ihre Muttersprache zu verlengmn. Professor Karve geht von dem Gr'nndsatz aus, daß der Plan der Franenuiriversftät durchaus auf die Eigeimtt der Frau zngeschuitten sein und nicht sklavisch das Vorbild der Männer- Universität nachahmen soll.

W i e der Fernsprecher die Tiefe des Meeres ermittelt. Ein elektrisches Lot, das mit Hilfe des Fernsprechers die Tiefe des Meeresbodens ermittelt, hat unlängst, wie der Prometheus" erfährt, N. B. Gilson angegeben. Dieses Lot be­steht aus einem birnenförmigen, starftoandigen Hohlkörper aus Gußeisen, in dessen Hohlraum ein Köri:ermikrovhon^anlwbracht ist, das durch zlvei Leitungen mit einem an Bord des Schiffes befind­lichen Fernhörer in Verbindung steht. Tie beiden Leitungen sind in einen: eisen bewehrten, biegsamen Kabel eingeschlossen, das am Lotkörper befestigt ist und zngleick: als Lotleine dient. Wenn das Lot bei der Fahrt ficf> frei durchs Wasser bewegt, ist im Fern­hörer nur etn schwaches Summen vernehmlich: sobald aber der Grui:d berührt wird, hört man ein kurzes, kräftiges Knacken, das durd: das Aufftoßer: des Lotes ans den Boden ^icrvorgerufen >vrrd und sich wiederholt, solange das Lot über den Boden geschleift wird. Die Länge des abgerollten Kabelteits läßt sich in der übliche:: Weise äblesen, und die Wassertiefe ist bam:,_ da während der Fahrt das Kabel schräg in: Wasser liegt, mit Hilfe der Fahrt­geschwindigkeit rechnerisch zu ermitteln. Dieses Fernsprecherlot har zwei Vorteile: cs kann ununterbrochen gelotet weften und cs lassen sich mehrere Fernlchrer euii'dialten, )'o gleichzeitig mehrere Beobachter tätig sein können, wodurch die Sicherheit der Beobach­tungen erhöht wird