Sr. 162
Ävettes Blatt
16b. Jahrgang
Erscheint tigk ch mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Eietzener ZMNilienvlätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „tkeirdlatt für den Breis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zett- fra-en" erscheinen monatlich zweimal.
Gkhener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheßen
Donnerstag, 13. Juli Wb
Rotationsdruck und Verlag der Brühllchea Universitäts - Bttch- und Steindruckerei.
R. Lange. Gießen.
Schriftleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schuld straße?. Geschäftsstelle «.Verlag: Schrift»
leilung: ^-^112. Adresse für Trahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.
5iegesglaube.
ÄuZ dem Größen Haup tquar ti er wird uns geschrieben?:
Seit den, Tagen des Kriegsb-eginns, da Feinde von allen Seiten gegen uns erstanden, Milliorrenhrere heranschwollen auts allen vier Himmelsrichtungen — seitdem haben die WZei langen Kriegssahre keine so heiß erregnden Tage mchr gebracht als die, irr denen wir stoben. Die „Einheit der Front" — unsere Feinde hatten sie seit langem eifervoll vorbereitet und zu gegenseitiger Aufrichtung in prahlerischen Ergüssen angekündigt. Immer wieder haben unsere unerwarteten Angriffe diesen kühn gedachten Plan in der Entwicklung gestört, seine Stoßkraft zersplittert. Aber nun ist endlich doch etwas zustande gekommen, das wenigstens einen Teil der Absichten unserer Feinde verwirklicht. Alle ihre Kräfte suchen die Gegner zusammeuzuraffen zu gleichzeitigem ^lnprall. Den Sieg, der ihnen aus allen ^Kriegsschauplatz en versagt war — ent gemeinsamer Änsturm gegen die Schutzmauer aus unserm edelsten Blut soll ihn erzwingen. Die Eisemnassen, welche die halbe Welt ihnen zurichtete, schleudern sie tagelang wider unsere Tapsern, um ihre Willenskraft zu zerreiben, und rennen dann in dichten Massen an, Weiße, Gelbe, Braune und Schwarze.
Nie hat die Welt so Ungeheures erlebt. Me haben Heere getrotzt, lvie die unseren trotzen.
Mrt dem Feldzug der Waffen verbinden unsere Feinde den Hungerkrieg und der: Lügenfeldzug. Beides zielt nach Kopf und Herzen der Heimat. Den Hungerfeldzug werden sie verlieren.- Das mühselige und dornenvolle Werk der planmäßigen Verwaltung und gerechten Verteilung unserer Lebensmittel ist der Vollendung nahe. Und aus den Fluren der Heimat reift verheißungsvolle Ernte.
'Dem Lügenfeldzug unserer Feinde haben wir selber den Weg zum Ohr und Herzen unseres Volkes gebahnt. Vom ersten Tage des Krieges haben wir, als einzige von allen känrpfanden Nationen, die Heeresberichte unserer sämtlichen Gegner ohne jede Kürzung veröffentlicht. Demi 'grenzenlos ist unser Vertrauen in die Standhaftigkeit der Daheimgebliebenen. Aber unsere Feinde haben sich dieses Vertrauen zunutze gemacht. Mehrmals am Tage funken sie ihre Heeresberichte in die Welt hinaus, ja die Engländer versenden seit Beginn ihrer Offensive sogar alle zwei Stunden eine Depesche. Jede einzelne dieser Beröffent- lichungen hat einen Umfang, doppelt und dreifach größer als unser einmaliger Tagesbericht. Und alle sind sie in einem Stil geschrieen, der nichts mit militärischer Knappheit und Schlichtheit gemein hat. Das ist nicht inehr die Sprache des Soldaten, das sind phantastische Siegeshynrnen, und ihr Schwelgen in Namen eroberter Dörfer und Wälder, erstürmter Stellungen, in Zahlen erbeuteter Geschütze und abgeschleppter Zehntausende von Gefangenen treibt mit der Wahrl^rt Spott.
Warum das alles? Nur um die ermattende Siegeszuversicht der eigenen Heere und Völker, das wankende Vertrauen der Bundesgenossen wieder aufzurichten? Nur um das scharf beobachtende Auge der Neutralen zu blenden? Nein: diese Sündflut von Telegrammen soll durch die Kanäle, die wir selber den Feinden geöffnet haben, gegen das Herz des deutschen Volkes anprallen, soll unsere Standhaftigkeit unterwühlen und hinwegschwemmen?
Aber auch dies schändliche Spiel wird nicht geliitgcn. Wie unsere herrlichen Kämpfer draußen an der Front sich
vielfacher Uebermacht siegreich erwehren, so wird das deutsche Volk dem anbrandenden Schwall der feindlichen Reklametelegramme eine Stirn des Trotzes und des Hohns entgegensetzen. Es wird sich erinnern/daß die deutschen Heeresberichte ihm und der Welt zuweilen iticht alles sagen' durften, daß sic aber nie ein Wort gesprochen haben, das nicht der strengsten Prüfung der Wahrheit standgehalten hätte. Ju stolzem Vertrauen auf die knappe und herbe, doch unbedingt zuverlässige Aufklärung, die es von der eigenen Heeresleitung erhält, wird Deutschland dies Massenaufgebot der feindlichen Meldungen als das anerkennen, was es ist: als den boshaft ausgeklügelten Versuch, ihm die Ruhe, Besonnenheit und Zuversicht zu rauben, die der Soldat im Rücken fühlen muß, wenn er zunt Schutze der Heimat freudig sein Alles entsetzen soll. So werden die Lügenlegionen des Feindes zerschellen an dem erzenen Wall unseres Glaubens. Unsere Krieger trotzen dem Eisen und dem Feuer — die Heimat wird sich auch durch den Ozean bedruckten Papiers nicht erschüttern lassen. Volk und .Heer sind eins im Siegerwillen und Sieges gl au den.
Kriegsbriefe öus dem Westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten^
Andauerndes Stocken der feindlichen Offensive.
Großes Hauptquartier, 11. Juli.
Die furchtbaren englischen Verluste.
Der Dom von St. Quentin in schwerer Gefahr.
Das Ergebnis auch des gestrigen Kampftages ist, daß es weder den Franzosen gelang, die Spitze des schmalen Teiles ihrer Stellungen gegen Peronne vorzutreiben, noch daß es ihnen weiter südlich oder ihren englischen Bundesgenossen weiter nördlich gelang, den Keil durch heftige Angriffsunternehmungen zu verbreitern und die jetzt sehr schwierige .Haltbarkeit der Stellungen zu erleichtern'. Mle englischen Angriffe nördlich der Straße Albert—Peronne scheiterten glatt. Südlich dieser Straße drangen englische Kräfte bis in den Südrand des Dorfes Contalmaison und bis in den Rand des Waldes von Mametz ein. Dort dauern die Kämpfe an. Andere englische Kräfte, die bis tu das Troneswäldcheu gelangt waren, wurden aus diesem sehr schnell wieder hinausgeworfen. Die Franzosen trieben Schwarze zum Sturme auf die .Höhe 97 vor, aus welcher sich die Maisonettc Ferme erhebt. Die an sich geringe Höhe ist wichtig, weil sie die benachbarte Sommeslußrinnc beherrscht und einen Ausblick bis nach dem jenseits gelegenen Peronne gewährt. Die Neger stürmten wie wahnsinnig an. wurden haufenweise niedergemäht — ein ganzes Bataillon wurde fast bis auf den letzteti Mann aufgeciebeu — und die wenigen, die bis in unsere Gräben gelangten, wurden dort im Nahkampfe erledigt. Der ganze Angriff wurde restlos aögewiesen.
Die gefangenen Engländer bestätigen die furchtbaren Verluste, welche sie allenthalben dank der fabelhaften Widerstandskraft der deutschen Infanterie erlitten haben. So hat eine englische Kompagnie nördlich des Ancrebaches schon vor dem eigentlichen Sturm durch das deutsche Artillcrie- feucr solche Verluste erlitten, daß mir 90 Mann twch zum Sturme antraten. Nach diesem war die Kompagnie vernichtet, wenige Ueberlebende befanden sich als Gefangene in deutscher Hand. Die Hölle von Gallipoli war nach der
Meinung Gefattgener, die dort mitgefochten hatten, ein Kinderspiel gegen die Somme.
Die Franzosen, welche die Beschädigung des Reimser Domes der deutschen Barbarei in die Schuhe schieben, haben begonnen, eine ihrer berühmtesten Kathedralen ganz sinn- und zwecklos zu vernichten. Französische Flieger warfen dieser Tage schwere Bomben über St. Quentin ab. Militärischen Schaden haben sie kaum angerichtct, dagegen an der Kathedrale des heiligen Quentinus ein Unheil verübt, welches im vollen Umfange noch nicht zu übersehen ist. Wie manche dieser mittelalterlichen Dome hatte auch die großenteils aus dein 13. Jahrhundert stammende Basilika, welche über der Grabstätte des heiligen Quentinus und seiner Gefährten errichtet worden ist, durch die Vernachlässigung in späteren Jahrhunderten bedeutende Schädigungen erlitten. Die Strebepfeiler hielten den Druck des 40 Meter hohen Gewölbes nicht mehr aus und waren zur Seite gedrückt worden. Um die Einsturzgefahr zu beseitigen, hatte man das Gewölbe mit Eisenverspannungen zusammengehalten und vor dem Kriege begonnen, die Seitenpfeiler durch neue zu ersetzet:. Diese Arbeiten wurden unter deutscher Herrschaft lebhaft gefördert. Durch die ungeheuere Erschüt- teriutg der Bombenabwürfe ist nicht nur ein großer Teil der wertvollen Glassenster vernichtet worden, sondern das Hauptgewölbe ist teilweise eingestürzt. Die Teile des Schisses bedecken den Boden, der die berühmte Trojaburg, ein aut den Sonnenkult zurückgehendes Labyrinth aus zweifarbigen Marmorplatten enthielt. Weitere Einstürze, die möglicherweise den Untergang der ganzen Kathedrale herbeifübren werden, sind stündlich zu erwarten. Daher ist der Dom abgesperrt worden. W. S ch e u e r m a n n, Kriegsberichterstatter.
UrnversrtLts-Nachrichten.
Ulc In M ü n di e n starb plötzlich infolge eines Herzschlages der Professor an der Luitpold-Kreis-Necrlschule daselbst Studienrat Dr. Arthur Ludwig Stiesel im 3(ltec von 64 Jahren. Ter Gelehrte, der im Jahre 1907 von der Universität Gießen zum Df. phil hon. causa ernannt wurde, war aus den Gebieten der germanischen, englischen uiid romanischen Philologie literarisch tätig.
Briefkasten Sek Redaktion.
lAuouymc Anfragen bleiben unberücksichtigt.»
!H. 3. £. Wer über hinreichend Futter verfügt, züchte belgische Riesenkaiiinchen, andernfalls kleinere deutsche Rassen, lieber Bezugsquellen gibt der Anzeigenteil der „Tierbörse", Berlin, Auskunft. — Die Zeichen bedeuten: 18 Hysterie, Neurasthenie, Ischias; 59 Fehler an beit Gliedmaßen.
Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen.
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Höchste Temperatur am 11. bis 12. Juli 1915: -f- 18,0* J. Niedrigste „ . 11. . 12. „ 1916: ch 12,7*0.
Niederschlag 0,3 mm.
peronne.
Peronne — das ist augenblicklich das eingestandcne Ziel des französischen Offensivstoßes, der nach wenigen Tagen an dem deutschen Wall von Eisen und Feuer abgeebl ist. ohne erheblich über die frühere Stellung hinausgelangt zu sein. Die Geschosse deH gewaltigen Kampfes im Westen fallen freilich auch uad) Peronne hinein und setzen die Zerstörung fort, die bei den mächtigen Kämpfen in dieser Gegend im September tmd Oktober des ersten 'Kriegsjahres begonnen hat. Links von der großen Römerstraße, die von Amiens nach Peronne fast schnurgerade verlaust, haben die Franzosen sich besonders hartnäckig bemüht, Raum zu gewinnen: allein sie sind nicht einmal bis zu der Stelle gelangt, wo die alte, zum großen Teile von schönen Bäumen eingefaßte Straße twch Nordosten umbiegt. Folgt inän ihr, so hat man zunächst neben sich die geringen Höhen von Barleux, man sieht zur Rechten die Teiche und die Flußarme der Somme glitzern, bald ist man int Bereich der alten Festungswerke, inan durchschreitet pittoreske Ausfalltore, man geht über Zugbrücken, man kommt in einen langestrcckten, langweiligen Vorort, dann geht es wieder an Teichen vorbei, aus denen jetzt wohl die Wasserrosen blühet», und schließlich ist man iit der Hauptstraße Peronnes, die auf ?den großen Platz führt. Der große Platz ist, wie bei so vielen mittleren und kleineren Städten dieser Gegend, die einzige Stelle, wo Leben herrscht: hier sind die großen Läden, die Kaffees, selbstverständlich auch das Stadthaus, und hier spielt sich das ganze Leben der Stadt ab. Peronne ist nämlich eine Ackerbürgerstadt von etwa 4 000 Einwohnern, und da sie seit langem keine Rolle mehr im Leben Frankreichs spielt, ist an ihr nichts Besonderes zu sehen. Das einzige bedeutende und wirklich sel>cnswerte Gebäude vst das hoch über dem Gewirr der engen alten Gassen rronende Schloß, das seit langem als Kaserne und Militär- magazin dient. So mancherlei Erinnerungen knüpfen sich an dieses alte Gebäude an: in seinen Mauern stecken noch die Kugeln des letzten DeuLsch-französischcn Krieges, und wenn man seine Gemächer durchstreift, wird so nranche Erinnerung an das alte Frankreich und die alten französisch-burgundischen Kämpfe wieder wachgerufcn: vm Burgverließe ist Karl der Einfältige Hungers gcstorbett, und hier hat auch .Karl der Kühne den abenteuerlichen Ludwig XI. gefangen gehalten. Hier auf diesem Schlosse bat eine Bürgerin der Stadt, Katharina von Peix, deren Denkmal aus dem Marktplätze steht, im Jahre 1536 die Stabt gegen Karl V. verteidigt. Ersteigt man den Söller des Schlosses, so bietet sich dem Auge eine tvette Fernsicht dar. In der Nähe überschaut man die allen Festungswerke und das Gelättde der Somme utrd begreift, daß Peronne wegen seiner günstigen Lage am Flusse im Kriege 1870 eine Festung war, deren Eroberung unseren Truppen einige Zeit kostete. Fast ncrch allen Sellen ist das Latrd ziemlich eintönig: Peronne ist der Hauptsitz der Zuckerindustrie Frankreichs, und in weiter Runde sieht man zahllose Zuckerrübcnfelder. Während voran das sumpftgc, torsige Gelände der Somme und ihrer Nebenflüsse der Gegend ihren Charakter verleiht, gleitet das Auge in größerem Abstand über die Felder, man überschaut die ganze Picardie bis zu den Kreidehöhen an der Grenze gegen die Grafschaft Artois und ab uno zu sieht man auch ein kleines Gehölz.
Größere Wälder sind nicht vorhanden, und die kleinen Gehölzchen, die mmt sieht, sind eigentlich nichts, als dürftige Baumbestände — hauptsächlich aus Ulmen bestehend — um die vielen kleinen Dörfer herum. Erhöbe sich nicht dann und wann ein spitzer Kirchtum aus dem Grün, so würde man die Dörfer überhaupt kaum bemerken.
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— Ein Frauenbund zur Förderung deutscher bildender Kunst. Ein Frauenbund zur Förderung deutscher blldender Kunst ist mit dem Sitze in Hamburg begründet worden; in allen größeren Städten Deutschlands sollen Ortsgruppen gebildet werden. Die Mitglieder bezahlen cllten Jahresbeitrag von mindestens 20 Mk. oder einen einnraligen Beitrag von mindestens 300 Mk. lieber die Aufgaben, die sich die treue Gesellschaft gestellt hat, berichtet Dr. Rosa Schapivc, die gemeinsam mit Frau Rrchard Dehmel und einigen anderen Frauen den Hauptvorstand bildet im „Cicerone", daß der Frauenbund Brücken zwischen Schassenden, Genießenden und Museen zu schlagen beabsichtigt. Er will der offiziell noch nicht anerkannten ringenden Kunst der Gegenwart Heimstätten in Museen schaffen. Die Kunstwerke, die aus den Mitteln des Bundes erworben werden, werden deutschen Museen als Geschenke ange- boten, alle außerkünstlerischen Nebenzwecke, svwie auch srcnrenrecht lerische Tendenzen liegen der Gesellschaft fern. So lobenswert diese Grundsätze sind, so stiwjmt es doch bedenklich, daß. wie in dem Berichte hervorgehoben wird, der neue Frauenbund sich bewußt aus den Boden des Expression isnrus zu stellen gedenkt. Wenn der Buttd auch nicht blind jeder Mödenarrheit zu folgen gedenkt, so bleibt doch die Schwierigkeit bestehen, daß die Kunstrichtung, die sich den Namen Expressionismus gegeben hat, selbst tvenn man allermildest über sie urteilt, noch so ungeklärt, unfertig und uneinheitlich ist, daß eine vorzeitige Ueberführung Von Werken dieser Kunstrichtung in die deutschen Museen nicht als int Interesse einer gesunden Museumspolitik liegend bezeichnet werden kann. Bei der AuÄvahl expressionistischer Kunstwerke, die Ar Museen gestiftet werden sollen, müßte jedenfalls der allergrößte Takt walten, und ob der nette Frauenbund diesen Takt besitzen wird, bleibt bei der Scktzirse, mit der tFrau Dr. Schapire sich gegen die Feinde der Fremdländerei in der deutschen Kunst wendet, doch noch recht zweifelhaft. Die Unterstützung lebender, ringender Künstler sie komme, von welcher Selle sie wolle, ist inrm-er ein löbliches Ziel: was aber unsere Riüseen anbetrifft, so kann nicht dringend gemrg daran erinnert werden, daß sie nur durch die allergrößte Beschränkung in der Zahl und die aller strengste Auswahl in der Qualität der Samin- limgs gegenstände ihren'Wert behaupten können.
— Eine O thello - Bor stellu. n g von Negern. Seitdem der Mulatte Jra Aldridqe in der Rolle des Othello neben Kean als Jago erfolgreich als Shakespearedarsteller ansgetreten' ist, hat wvhl kein Schiwarzer aut einer Buhne des Abendlattdes eine klassische. Rolle gespielt. Die Dreihundertjahrfeier des Todestages Shakespeares h<chen aber in den Bereinigten Staaten auch die Neger gefeiert, und dabei hat ein ganzer Trupp von Negern den Othello aufgeführt und zwar gut aufgeführt, wie von vornherein angegeben werden mag. Das Lafayette-Theater in New iyork war es, an dem die Othello-Vvrstellung, bei der atnssthÜLßkcy Neger
ntittvirkten, aufgeführt worden ist. Ein Neger namens Wright der „Negrc Lovers of Shakespeare", wie sich die Schauspieleinrnppe nannte, spielte den Othello. Ein Berichterstatter der New Porter „Tribüne", der anscheinend die Vorstellung vollständig angesehen hatte, gibt att. das Spiel aller Neger sei außergewöhnlich gewesen: da es sich außerdem um Leute handelte, die vorher nie die Bühne betreten hatten, und es sich doch um ein ziemlich schweres Stück handelte, zollt er den Schwarzen als Schauspielern tmemgeschränktes Lob, ja bei einzelnen Szanen war die Darstellung so, wie man sie von einem erstklassigen Theater von Berussschmq'piolern und zwar weißen, auch nicht besser verlangen comttc! Trotz alledem hatte die Negervorstelllmg des Ottzellv doch ihren Haken: so gut die Neger 'auf der Büchte ihre Lache machten, so chenig gewachsen Zeigten sich die Zuschauer deni Otl>ello. Es tvaren nämlich lauter Neger, und weitaus die Mehrheit unter ihnen chatte von Lhakesveare und Othello keine Zeile gelesen oder kannte Schrkespeare überhaupt. So faßten die Zuschauer vieles falsch auf: sie tvaren bereit, jeden Augenblick ztt lachen, tmd taten dies auch bei Stellen, die eigentlich mehr zum Weinen angetan tvaren; zudem hatte der Neger Ramsev, der den Jago gab, eine recht merknrürdrge. langlocktge Perücke gewählt und trug dazu einen gewaltigen Schnurrbart, so daß sein bloßer Anblick die 9keger säwn zum Lachen reizte, von hinten sah er etwa aus, ivie ellt Neufundländer, der mit den Ohren klappt — das verzeichnet der Kritiker der „Tribüne" als seinen Eindruck. Weiter sprach Desdemona ständig mit zlltcrnder Stimme, tvas den lächerlichen Eindruck noch erhöhte, und da die Zuschauer an das Kino oder allenfalls an die Pofsenbühne gewohnt waren, lachten sie auch weidlich über den blutigen Kampf zwischen Eoseio und Rodrigv. Ter letzte Akt brachte den Höhepunkt der Heiterkeit im Zuschauerraum hervor: in der Mordszene kvnttte keiner der Zuschauer das Lachen verbeißen, und während des Restes des Aktes war die Galerie in einem solchen Lachtaumcl, daß überhaupt kaum twch etwas von der Bühne zu verstehen war. Emilia war es, die den Ajkt rettete: als sie stn daÄ Bett ihrer tohtt Herrin trat, errang sie ungeteilten Beifall des ganzen Hauses.
— Gustav F re v t a g und der Ring. In seiner Autobiographie erzählt Gustav Freylag von einer Begegnung mll Richard Wagner und einer Aeußertmg des Meisters, die in bezug aut tue Entstehung des Nibelungenringes sehr bemerkenswert ist. Freytag wurde mll Wagner m einer größeren Gesellschaft in Tresdey im Herbst 1848 bekannt. Ta erzählte Wagner, daß ilm die Idee \n einer großen Ol>er beschäftige, die in der qermanisckten Gotterwelt spielen solle. „Ter Inhalt." st> berichtet Freytag. „stand ihm twch nicht fest, aber was iljat für die Idee begeisterte, war ein Chor der laHrrn, die auf ihren Rossen durch) die Luft reiten. Diese Wirkittlg schilderte er mit großem Feuer. „Warum >vollen Sie die armen Mädchen an Stricke hängen, sie werden Ihnen in der Holte vor Angst schlecht singen." Llber das Schweben in der Luft und der Gesang aus der Höhe loiajr für ihn gerade das Lockende, tvas ihrtt die Stoffe aus dieser Götterwelt zuerst vertraut machte." Fron - tag bemerft hierzu: „Nun ist für einen Schaffenden nichts so ch-arak° teristisch als das Et, aus welchem fein Vogel herauÄllegt Die Freude an unerhörten Dekorationswirkungen ist mir immer als der Gruudzug und das stille .LertmotiV" seines Schadens erschienen."


