Ausgabe 
11.7.1916 Zweites Blatt
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Ar. M Zmettez Slatt

M. Zahlgang

Erscheün-Nch mit Ausnahme LeS SonndagS.

DieOvchener c«mKevdI«ttrr* werden dem »A«zejger^ vicrnral wöchentlich beigelegt. tag Jteisblaü fvk de, Kreis S'retzev - gtocimol wochciUlich. Di« .^«l-wirtschaftlichrn Zelt- fragre erscheinen monatlich zweimal.

General-Anzeiger für Oberheßen

Virxrtag. «. Juli Mb

Rotationsdrrrck und Verlag der Brühl'schea Universitäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schrütleitnng,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schul» ^ Üraße7.Gejchättsstelle mBerlag:^E51, Schrift» leitung: e^^!12. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen«

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Ausfuhrverbote.

Von» Präsidenten bfä Kricggcrnährungsanrtes von Vatocki.

Die Forderung, die am schärfsten von den verschieden­sten Seiten an das neugegründete Kriegsernährungsamt ge­stellt wurde und deren bisherige Nichterfüllung am meisten lAnlatz zu abfälliger Kritik gegeben hat, ist die Beseiti­gung der bestehenden A u s f uh r ve r b o t e und Ausfuhrbeschränkungen. Das ist kein Wunder. Der Zollverein 'ging der Gründung des Deutschen Reiches voraus und beseitigte, noch ehe wir ein einiges Deutschland hatten, die immer unerträglicher gewordener! Grenzsperren der einzelnen Staaten zugunsten der Freiheit des Handels und Verkehrs. Jetzt im Kriege, wo das deutsche Volk in Waffen ein ganz besonders stolzes Bild der Einheit und Einigkeit gewährt, muß es die öffentliche Meinung ganz besonders er­bittern, wenn sre, ohne den volkswirtschaftlichen Zusammen­chang zu erkennen, sieht, wie Ausfdhrbeschränkungen in .immer vermehrter Zahl und Buntscheckigkeit nicht nur zwischen den Bundesstaaten, sondern sogar zwischen Kreisen , und Städten errichtet worden sind.

Das Kriegsernährungsamt denkt keineswegs daran, diese Schranken für die Kriegsdauer weiter bestehen zu lassen. Es kann aber ebensowenig, wenn das auch von vielen gefordert wird, Maßnahmen, die sich während zweier Kriegsjahre entwickelt hatten, ohne Prüfung der Verhält­nisse und Gründe plötzlich wegdekretieren. Die Folge wäre eine Verwirrung und Unordnung, die niemand 'verantworten könnte. Die Vorarbeiten zur Besserung haben schon in den ersten Tagen nach der Gründung des Kriegs- ernährungsamtes eingesetzt. Es galt zunächst eine genaue Uebersicht über den Stand der Dinge, über alle bestehenden, von den verschiedenen Militär-, Staats-, Kreis- und Orts­behörden erlassenen Ausfuhrbeschränkungen zu gewinnen. 'Einstweilen ist es nützlich, sich die Entstehung und die Ge­schichte der Ausfuhrbeschränkungen klar zu machen.

Den Anfang bildeten die Höchstpreise. Sie zer­rissen das Friedenssystem der Handelsfreiheit, welche die Ware von selbst crn den Ort brachte, wo sie am nötigsten ge­braucht und deswegen am höchsten bezahlt wurde. Handels­freiheit ist mit Preisbindung unvereinbar. Das anfängliche Herumtasten unter Einführung örtlich ganz verschiedener Höchstpreise für einzelne Waren führte dazu, daß der Handel mit diesen augenblicklich den Markt mit den günstigsten Höchstpreisen aufsuchte und andere Bezirke von solchen Waren entblößte. Das hier und da versuchte gegenseitige- Ueberbieten bei der Festsetzung von Höchstpreisen führte jelbstverständlich zu Unmöglichkeiten., und man versuchte, in den einzelnen Bezirken sich durch Ausfuhrverbote genügende Waren zu erträglichen Preisen zu sichern. Das ging, nachdem die Vorräte des Handels verbraucht waren, natürlich nur in Bezirken mit verhältnismäßig reichlicher Erzeugung und geringer Bevölkerung, also im allgemeinen zum Nachteil der Großstädte und Jnoustwieb^rrke. Die Zu­stände blieben im ersten Kriegsjahr mit seiner reichlichen Ernte und den erheblichen vom Handel an gesammelten Vor­räten noch halbwegs erträglich. Fm zweiten Kriegsjahr,

, wo die Mißernte des Herbstes 1*915 die Knappheit immer i größer werden ließ, wurden die Absperrmaßregeln allmäh­lich als unerträglich empfunden und der Schrei nach ihrer radikalen Beseitigung wurde immer lauter. Die zu er­hoffende viel bessere diesjährige Ernte wird diesen Miß- lstanden etwas, aber nicht annähernd in genügendem Maße 'abhelfen. Die Klage bezieht sich, das gibt den besten Finger­zeig für die Beurteilung der ganzen Frage, nicht int min­desten aus diejenigen Waren, die am allernotwendigsten sind und die den allecschärssten Beschränkungen der freien Ausfuhr unterliegen, das Brotgetreide und Mehl. Hier ist jede Ortschaft, ja jedes Gehöft mit Ausfuhrschranken um­geben. Es darf nur dahin ausführen, wohin die Zentral­stelle es befiehlt. Jeder freie Hattdel ist völlig beseitigt, und doch läuft die Versorgung im allgemeinen zur Zufriedenheit, weil für diese Ware nicht nur der freie Handel und Verkehr beseitigt, sondern eine einheitliche Bewirtschaftung und Ver­keilung im ganzen Reiche durchgeführt ist.

Die Frage, ob solch tiefgehender Eingriff in das Wirt­schaftsleben überhaupt nötig war, ob es nicht, wie manche behaupten, richtiger gewesen tväre, auch während der Kriegs­zeit den freien Handel und Verkehr allgemein walten zu

lassen, die Preisbildung ihm zu überlassen und durch hohe Besteuerung der Krieasgewinne und reichliche Unterstützung aller Minder'bemitteÜen den nötigen Ausgleich zu schaf­fen diese Frage muß, so bedeutsam sie für die Zukunft ist, bei der Gegenwartsarbeit des Kriegsernährungsamtes völlig ausscheiden. Hat man sich einmal zum System der Höchstpreise And als dessen Folge der Zwangslieferung und Zwangsverteilung für die wichtigsten Lebensmittel ent­schlossen, so kann man dieses System während des Krieges unmöglich wieder über den Haufen werfen, sondern muß es im Gegenteil, da .Halbheiten in schwierigen Zeiten am aller- schlimmsten und verhängnisvollsten sind, mit Energie uitb ohne Rücksicht auf entstehende Widerstände und Schwierig­keiten so weit ausbauen, daß die gesamte Volksernährung auf diesem Wege, soweit cs die Verhältnisse erlauben, ge­sichert wird. Die spätere Ueberführung der Lebensmittel­versorgung aus dem Kriegs- in den Friedenszustand ist eine weitere schwierige Ausgabe, die aber im jetzigen Sta­dium ^zwar erwogen und vorbereitet, aber noch nicht^durchl- gesührt werden kann.

Für die meisten anderen Waren als Brotfrucht und Mehl hat man sich zu einer solchen durchgreifenden Ord­nung von Reichs wegen bisher nicht entschlossen, sondern die Ordnung den Bundesstaaten oder engeren Bezirken über­lassen. Manche von diesen haben für ihr Gebiet bei vielen Warengattungen ein auf sorgsamer Verteilung und Preis­bemessung beruhendes System durchgesührt, das jedem den Bezug der Ware in einer dem Gesamrvorrat ent­sprechenden Menge zu einem angemessenen Preise er­möglicht. Dieses System, das u. a. mit infolge der Gunst der Lage und der letzten Ernte im Königreich Bayern besonders gründlich und erfolgreich durchgesührt ist, erfor­dert unbedingt einen Abschluß des Gebietes durch Ausfuhr­beschränkungen, wenn nicht durch Eindringen des freien Han­dels und Fortführung der Ware nach anderen Bezirken mit größerer Kaufkraft und höheren Preisen das ganze mühsam aufgebaute System über den Haufen geworfen werden soll. Daß die Nachbarn eines so geregelten Gebietes diese Absper­rung als Härte und Rücksichtslosigkeit empfinden, zumal wenn sie sehen, wie gut es verhältnismäßig mit Versorgung und Preis jenseits der Grenze aussieht, ist selbstverständlich. Wollte man aber ihrer Forderung entsprechen und diese Grenzbeschränkungen aufheben, so würde man nach einer kurzen angenehmen kleb erg an gszeit, wo dieWcrre den bisher abgeschlossenen Nachbarbezirken zuskrvmt, einen Zustand all­gemeiner Unordnung haben, der diesen nichts nützt, den anderen aber schweren Schaden bringt.

Trotzdem muß es das Ziel sein, auch diese Ausfuhr­schranken zu beseitigen. Das Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn vorher durch Ordnung der Lieferung, des Ver­brauches und des Preises, etwa nach dem Vorbild unserer Getreideversorgung, für das ganze Reichsgebiet die nötigen Vorkehrungen getroffen sind. Für die Kartoffel-, Fleisch-, Milch- und Fettversorgung sind die Vorarbeiten hierzu vom Kriegsernährungscmrt nahezu beendet. Bei der Schwierigkeit des Stoffes mußten sie, um neue schwere Fehler zu vermeiden, bei aller Beschleunigung mit Vorsicht und Sorgfalt durchgesührt werden.

Für Zucker und gewisse andere Gegenstände ist eine ähnliche Regelung im Werke. Bei einer Reihe von anderen Waren ist sie wegen der Natur der Waren nicht möglich. Hier können örtliche Ausfuhrbeschränkungen nur durch ein richtig abgestuftes System der Höchstpreise entbehrlich ge­macht werden, wenn man nicht Ne bisher durch Ausfuhr­verbote geschützten Bezirke der Gefahr völliger Entblößung von Waren ausjetzcn will. Auch in dieser Hinsicht sind die Vorarbeiten im Kricgsernährungsanrt schon weit gediehen und in mehreren Punkten sind durchgreifende Verbesse­rungen alsbald zu erwarten. Ein allzu lebhaftes Drängen aber, das in manchen mir zugehenden Zuschriften die seltsamsten Formen angenommen hat, kann die Sache nicht fördern. Unberechtigter Widerstand ist bisher totsächlich nicht hervorgetreten, und wo er hervortreten sollte, würden sich Mittel und Wege finden, um ihn zu brechen. Sachliche Be­denken gegen plötzliche, ungenügend überlegte Eingriffe, und die Notwendigkeit, bestehende, von ernzäneu Bezirken geschaffene nützliche Einrichtungen so lcnrge zu erhalten, bis allgemein Brauchbares an ihre Stelle gesetzt werden kann, sind der einzige Grund, der uns, auf die Gesahr hin,

damit das Mißfallen der Oeffentlichkeit zu erregen, zu vorsichtigem Vorgehen veranlaßt.

Miegshriefe aus dem westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Der Stillstand hält an.

Großes Hauptquartier, am 9. Juli.

Die Verbündeten hatten gestern den Hauptdruck ihrer Anstrengungen an die Linie Longueval-Curku verlegt, wo die Flügel der englischen und der ftanzösischeu Armee sich berühren. Bei Dorf Hardecourt gelang es den Franzosen, in unsere Stellungen einzudringen, dagegen scheiterten alle Stürme gegen unsere Linie Ovillers-Wald von Mametz ebenso blutig, lvie das wiederholte Anrennen gegen das südlich von Longneval gelegene Troneswäldchen. Die Grabennase bei La Boisselle, wo die Engländer vorgestern eingedruugen waren, mußten sie gestern wieder räumen. Verschiedentlich schienen die Angriffe an ihrer bisherigen Kraft verloren zu haben. Südlich der Somme setzten die Franzosen das Trommelfeuer gegen unsere Stellungen fort.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Megsbriese aus dem Osten.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Weitere russische Teilangriffe gegen die Hindenburg-Front

Armee Eichhorn, 7. Juli.

An vielen Stellen der Nordfront haben die Russen oft wieder mit großem artilleristischen Aufwand ihre Be- schäftigungsvorstöße von der Front südöstlich Riga bis Wischnew fortgesetzt. Die meisten dieser Vorstöße brachen wiederum schon im deutschen Sperrfeuer zusammen. Hefti­gere Anstrengung inachten die Russen gegen den brücken­kopfähnlich vorspringenden Frontteil an der Woronez-Enge, dem östlichsten Punkt der deutschen Front, Nach einer Be­schießung von über 15000 Schuß kam die vorbrechende Infanterie nicht bis zum Hindernis. Am stärksten waren die Angriffe aber wiederum gegen die vielumstrittene Landzunge südlich des Narocz--Sees. Gegen die Linie Zana- rocze-Stachowce und die Fronteinbuchtung bei Zelesniki wurden nach mehrstündigem Trommelfeuer, das ern mäch­tiges Julrgewitter überdröhnte, zwei der besten sibirischen Divisionen oriErtsgeworfen. Nach sehr schweren Ver­lusten der Stürmenden kam es zum .Hand-gemenge, in dem die Sibirer im heftigen Kampf mit Bajonett, Handgra­naten und Pionierkeulen geworfen wurden. Sie ließen 170 Gefangene zurück. Ihre blutigen Verluste waren stark.

Bei Spiaglia nördlich Wisniew-See kam es zu schwächeren Vorstößen, die mühelos abgewiesen wurden, ebenso die Lbrrgriffsversucke auf der Front zwischen Sd»r- und Kvewo. Hier nahmen die russischen^ ckeberlärrfer, sachlich Kirgisen, die kein Wort russisch sprechen konnten, zu.

In Znsammenfassnng ist festzustellen, daß die bisheri­gen Tcilvorstöße gegen die Hindenburg-Front, ohne Zu­sammenhang geführt, nur die Verlustziffern der russischen Armee erhöht haben.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Meteorologische Beobachtungen der Station Siehe«.

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Höchste Temperatur am 9. bis 10. Juli 1913: -st 20,7'C. Niedrigste . . 9. , 10. . 1913: 13,2*0.

Niederschlag 5,1 mm.

Uttnst, Wissenschaft und Leben.

Ein neuentdecktes Originalmvdell ßtoitar* dos d a Vinci zum Trivulziod-enkmal. Das Museum für bildende Künste in Budapest hat im Frühjahr 1914 eine Samm­lung von Bronzestatuetten erworben, die seit Jahren in Kisten verpackt eines Käufers harrte. Der ungarische Bildhauer Stefan Ferenrzy, ein Schüler Canovas und Thorwaldsens, hat diese Samm­lung 1818 bis 1824 in Rom zusammengebracht. Sie enthält erst­klassige Werke der italienischen Bronzeplastik des 15. und 16. Jahr­hunderts: ihr unzweifelhaftes Hauptstück aber bildet die Bronze eines Reiters auf einein sich bäumenden Pferde. Der volle.Wert dieser Erwerbung des Budapester Museums wird nun durch.eine Abhandlung Simon Mellers in dem soeben bei G. Grote in Berlin erscheinenden jüngsten Hefte des Jahrbuches der Kgl. Preußischen Kunstsammlungen ins Licht gestellt, worin der Nach­weis erbracht wird, daß wir in dieser Schöpfung ein Original­modell Lionardos da Vinci zu dem Reiterdenkmale des Trivulzio besitzen. Ter Auftrag zu diesem Denknutte ist dem Meister gegen das Jahr 1506 erteilt worden und hat seine'Phantasie, wie aus zahl­reichen erhaltenen Zeichnungen von seiner Hand hervorgeht, so­gleich lebhaft beschäftigt. 9luch einen ausftihrlichen Kostenanschlag hat er.Eigenhändig entworfen aber es ist dann mit diesem Aufträge nicht viel besser ergangen, als zwanzig Jahre früher mit dem Sforza-Monumente; beide sind unausgeführt geblieben. Tie Budapester Bronze stellt einen frei sich anfbäumenden Hengst von mächtigen Formen rnit breit auseinander gespreizten, scharf ge­knickten Hinterbeinen dar. Der Reiter in enganliegendem, nur skizzenhaft angedeuteten Rock und mit Drachenhelm, streckt mit der Linken einen Schild vor, während er in der etwas zurück- gebogenen Rechten ein (fehlendes) Schwert ge Hallen zu haben, scheint. Er beugt sich mit dem Schilde nach links porivärts, wäh­rend das Roß den Kops nach der entgegengesetzten Seite wendet. Infolge dieser konstrasticrenoen Bewegungen bietet die Gruppe vog allen Seiten, auch von vorn und hinten, abwechslungsreiche Ansichten. Das Pferd weist alle charakteristischen Merkmale der Lionardoschen Spätforni auf, und ähnlich stetst es mit der ge­sondert modellierten und gegossenen Rettcrsigur, deren Gesicht, obwohl nur in kleinen Maßstäben leicht skizziert, von ernstem

energischen Ausdrucke erfüllt ist und die nächste Blutsverwandtschaft mit den Typen auf Lionardos berühmtem Karton der Anghiari- Schlacht aufweist. Das Pferd ist als Träger eines jähen Schreckens gebildet, während die entgegengesetzte Bewegung des Reiters un- beirrten Mut ausdrückt> eine überaus geistvolle, echt lronardo- fche Erfindung, durch die der Meister in den Stand gesetzt wurde, im strengen Rahmen des Denkmals einen rmerfchöpflichen Reichtum formaler und geistiger Aäotive zu entwickeln. Meller führt den überzeugenden Nackilweis, daß das Werk ein eigenhändiges Studien modell Lionardos zu dem geplanten Trivulzio-Dcnkmale darstellt. Dafür spricht auch die Ausführung der Bronze. Die Modellierung ist die einer eindringlichen Studie: Formen und Ausdruck sind vollkom men klar gelegt, auf alle kleinlichen Einzelheiten dagegen ist verzichtet. Tie Modellierung zeigt die wunderbare Freiheit und Sickrerheit eines Meisters: natürlich kann sich die Eigenhändig­keit zunächst nur aus das Wachsmodell des BAdwcrkes beziehen, während es nicht festzustellen und übrigens auch ohne Belang ist, ob die mechanische Arbeft des Ausgießens durch Leonardo selbst oder durch irgend einen Bronzcgicßer bewerkstelligt worden ist. Das meisterliche Modell muß übrigens seinerzeit bekannt und berühmt gewesen sein, denn Raffael benutzte es zum göttlichen Retter in seinem Heliodor und Fra BartolomWeo hat die Statuette in einer in Weimar liegenden Kreidezeichnung aus der Eriuneruug abgebildet.

Prv fessor Garners Affen lernen Englisch! Wenn Affen überhaupt sprechen krnen, warum sollten sie dann nicht Englisch lernen? Englisch ist gewiß eine der am leichtesten zu erlernenden Sprachen! Professor Garn er, der als Erforscher der Affensprache auch bei uns wohl bekannt ist ist doch sein Buck? über die Affensprache ins Deutsche übersetzt worden hat gegenwärtig sein amerikanisches Heim Wischer mit dem Aufenthalte in der Wildnis Afrikas vertmächt, Mid studiert dort diesesmak nicht nur die Affensprache, sondern unterrichtet die Affen im SprväKM so wenigstens teilt er in seinem jüngsten vorläuftgen Berttlite mtt. den er in seine Hettaat geschickt hat.Es ist nttr tatsäckilich gelungen, einigen Assen ein paar englffche Worte bei- zubringeu, die sie richtig für gewisse Gegenstände anwendeu, die nian ihnen vorlegt," so schreibt er. Ein paar Affen erkennen einen roten Ball, den man ihnen vorlegt, und bezeichnen ihn darrni

englisch alsred ball", wobei sie freüich die zwei Worte zu einem Msammeuzichen, berichtet Garncr. Garner will zwar nicht so iveit gehen, daß er behauptet, seine Affen könnten ein ausge­dehntes Gespräch führen, weil dazu ihr Gehirn zu unvollkommen fft, aber er behauptet steif und fest, er werde dich es mal nach ben Vereinigten Staaten wenigstens sechs Menschenasfeir l>auptsäch­lich Schimpansen nrttbringen. die einige englische Wörter be­herrschen. Er hat sie dabei nach seinem Berichte so unterrichtet, wie man zurückgebliebene Kinder zu unterrichten pflogt, nach einer ArtKindergartenmethode", wie er selber sagt. Die Affen bauen aus farbigen Holzivürfeln Pyramiden, wie kleine Kinder, und sie brauchen dafür die Bezeichnungenwood" (Holz), block (Klotz), red (rot), white (weißh ivobei ihnen ftettich manche Lertte, der Anlaut von white Schwierigketten beretten. Garncr stelll eine ausführliche Abhandlung über seine sprechenden Affen für die Zett nach seiner Rückkehr in Aussicht.

Neues vom Schweizer Nationalpark Aus demGeschäftsberichte der eidgenössischen Inspektion für Forst­wesen, I-agd und Fischerei" entnimntt dieNaturwissenschaftliche Wochenschrift" einige Angaben, aus denen zu ersehen ist. daß Ticrc. wie Pftanzen m dem Graubündeiier d^ationalschuitzparke, der mit Unterstützung der schweizerischen Bundesregierung eingerichtet ist, vortrefflich gedeihen. Auf dem 20 Quadratkilometer großen Gebiete un Bat Ckusza, das auf 99 Jahre gepachtet ist, rnlxm Land- und Forftwirffchaftsbetrreb völlig, Fischerei, Jagd und Vogelfang sind verboten. Gemsen, Rehe und Aftirmeltiere haben sich im vorigen Jahre, aus das sich der Bericht bezieht, Mißorordentlick vermehrt, der Hirsch kann als eiugebürgerl bezeichnet werden, und der Bär, der bereits im Oktober 1914 Mtt freier Wildbahn bestätigt wurde, ist auch neuerdings tvreder beobachtet ioorden Zahlrrick)e Fischotter- baue finden sich längs dem Spoel: der Hasenbestand ist durch Raubzeug aller Art und diirch die schlechten Wrttcrungsverhältnissk niedrig gehalten. Ter Steinadler hat vier Horste bezogen. Tic Pflanzenwelt hat sich prächtig entwickelt, und besonders das Edel­weiß bildet stellemveise ganze Teppiche.

Berlin, 10. Juli. DemBerlins L-oval-dlnzeigeff" zufolge ist als ddichsolger von Exzelleiiz Ehrlich zrur Leitung des Frank furter Instituts für experttmnttelle HeMmde Prchoftar Wilhelm Kolke in A«Ss«ht genommen.