Nr. 153 Zrvettes Blatt M. Zahrgang
Lrjcheuu lsgtich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Stetzener Zamt1ie«dlat1el" werden dem
„Anzeiger" viermal wöchctttlich beigelegt, das
..Lreisblalt für den Meis Gießen'' zweimal ivöchentlich. Die ..Landwirtjchasllichen seitfragen" erscheinen Monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Oderhesftn
Montag, ». ZuU Mb
Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'jchea Universitäts-Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen,
Schristleitung,Geschäftsstelle u.Druckerer: Schul» straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:Sr8Aö1,Schr:st» Leitung: ^ZA112. Adresse für Drahtnachruftteru Anzeiger Gießen.
Die Seeschlacht vor dem Skagerrak
am 5P Mai-P Juni IM
auf Grund amtlichen Materials.
IN.
D:ese Ueb?rgangsphase des zweiten Abschnittes zum dritten ist infolge vielfacher ineinandergreifeuder Ginzelhandlangen ::nd überraschender Wendungen in ihrem Aufbart episodenhaft und eini-, germaßen verwickelt.
Suchte ctrrhrruzer
Jnyinaüie
+.£/jcfifrü:c<f t /'—fcneerkreuzer lnqi kleiner Hefence
ceuifr
3 fiep*
. JS^eooied Masse | ^JiiHahiile 8*5
i '
r->
fein(Sh cPe Sir e tky fte_
Kleine Kreuzer j'ra^J^ Panzerkreuzer
icuO Queen flizaaerh-Oirfsion \ t onu(e- Gros (Linienschiffe) |rn-> 3 Schischtkreuzer jj > Torpedoboote
euere Panzerkreuzer
6msflinienschfffk) j] vernichtet
mrtBKf
Etwa 7 Uhr 45 Minuten nachmittags lösen sich die bis dahin in der Nähe des englischen Schlachtkveuzergeschwaders stehenden kleinen englischen Kreuzer und Zerstörer von diesen los uick wenden sich in schnellem Angriff gegen unsere Panzerkreuzer, die den aut sie abgeseuerten ToÄÄ'os durch Abwenden ausweichen. WLl;re.nd iich unsere Klanen Kveuzer mit den bei ihnen stehende:: Flottillen, diesem M: griff cntgegenwerfen, erhalten sie überraschend Feuer aus schwerem Gestlpitz aus nordöstlicher Richtung. Aus der den nördlichen mrd nordöstlichen Horizont überlagernden schmutzigen Dunstschicht treuen schattenhaft einzelne Schiffskrümpfe feindlicher Schlachtschiffe kiervor. Da der Angriff der feindlichen leichten L-treitkräfte varrert ist und das schwere Feuer schnell an Heftigkeit zunimmt, drehen unsere Kleinen .Kreuzer den Panzerkreuzern nach. Sie erhalten dabei schwere Treffer. Wiesbaden wird durch einen Schutz in die Maschine manövrierimfähig mtb nrutz stoppen. Teile unserer Flottillen gehen, die Gefahr der sich plötzlich enthüllenden Lage erkennend, unverzüglich zum Dorpedoangrifs gegen die neu auftreterrden Linienschiffe vor. Im Anlaufe näher kommend, erkennen sie eine lange Linie von mindestens 25 Schlachtschiffen- die zunächst aus nochwestlichem bis westlichem Kurse Vereinigung mit ihren Schlachtkreuzern und mit der Queen Elizabeth-Division suchen, dam: aber kehrt machen und einen östlichen bis südöstlichen Kurs ausnehm-en. Der Angriff wird unter schwerem Feuer an die feindliche Linie heran getragen. Der alle diese Bewegungen verursachende, bereits erwähnte, unter vollem Einsatz ausgeführte Borstoß der leichten feindlichen Streitkräfte gegen unsere Panzerkreuzer ist von englischer Seite anscheinend unter dem Eindruck unternommen loorden, daß sich unsere Stveitkräste in die Lücke zwischen ihrem Gros und die zur Zeit noch westlich unserer Panzerkreuzer stehende Queen Ekizabcth-Twisior: lffnein schieben und diese vom Gvos abdrängen konnten. Die feindlichen Schlachtkreuzer! waren wohl nicht mehr in der Lage, diese Lücke zu schließen. Bon der Queen Elizabeth-Division ist unterdessen ein 'Schiss ausgefallen, das sich etwa 7 Uhr 20 Minuten mit geringer Fahrt und stark überliegeird aus der Lllrie entfernt. Um die seit 8 Uhr in. schwerem Feuer stilliegende Wiesbaden entspinnt sich sofort ein heißes Ringen. Ein Versuch der Schwesterkreuzer und Torpedoboote, sie aus ihrer hilflosen Lage zu befreie):, mutz aufgegeöeü
werden, da er angesichts des schweren Feuers aussichtslos ist und nur zu neuen Verlusten hätte führen müssen. Der Gegner macht verzweifelte Anstrengung, ihr den Todesstoß zu versetzen, indem er ein Geschwader älterer Panzerkreuzer vorschickt, deren Angriff, wie später gezeigt werden wird, völlig znsammenbricht. Schließlich sucht auch der Flottenchef die Brave durch die Bewegungen des Gros zu decken, muß aber in höherem Interesse mit Rücksicht auf die allgemeine Lage von ihr ab'lassen. Das tapfere Schiss treibt^ zwar unrettbar, aber unbesiegt auf dem Schlachtfelde weiter und sinkt dann mit wehender Flagge.
Die hier geschilderten Kampfhandlungen reiche:: zum Teil schon in den nächsten Abschnitt der Schlacht hinein, dessen Beginn man ettva aus 8 Uhr nachmittags festsetzen kann.
(Siehe Skizze 3.)
Es war bereits gesagt, daß eine unserer Flottillen bei ihrem Angriff gegen die im Nordosten gesichteten feindlichen Linien-' schisse die Phalanx der englischest .Hauptmacht entdeckt. Danach kann bei unserer Flottenleitung kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß wir _ der vollzählig versammelten englischen Flottenmacht gegenüberstehen. Die weltgeschichtlich^ Entscheidung, ob Deill'ch- lands junge Flotte den Kamps mit der fast doppelt überlegenen Seemacht Englands ansnehmeu soll, ist auf des Messers Schneide gestellt. Die Zeit türmt sich Minuten erweitern sich zu ewiger Bedeutung. Ein Völkerschicksat ist in die Hand des Führers ger legt. Der Augenblick fordert den Entschluß. Der ihn faßte, kannte Waffen und Streiter. Er lautet: Au griff: Da die feindlichen Linienschisssgeschwader den nach dem Angriff ablausende'n Booten in der sie umlagernden Tunstwolke wieder aus Sicht kommen, hält unser Liniensckiffsgros zunächst aus diese Dunstwolke und die mttben in schweren Einschlägen liegende Wiesbaden zu. Unser Torpedoboots-Angriff aus die im NO gesichteten Linienschiffe trifft auch auf feintckich Zerstörer, die unter Führung eines kleinen Kreuzers nach Westen durchzubrechen versuchen. In ben: sich entspinnenden Artillerie g es eckt lverdei: 2 Zerstörer, darunter einer mit der Be- Bezeichnung 04* zum Sinken gebracht. Der kleine Kreuzer und zwei weitere Zerstörer werden schver beschädigt. Unsere Panzerkreuzer haben sich vor die Spitze unseres Gros gesetzt. Im weiteren Vo^ausen stoßen sie auf die aus der Qualmwand erneut aus- tauchende feindliche Linie, mit der sie nach Süden abbiegend sofort in ein ungleiches sehr heftiges Artillerieduell verwickelt werden.. Ein in..dieser Zeitspanne wohl vom englischen Goos aus in der Richtung der treibenden Wiesbaden angesetzter schneidig durchgeführter Angriff kleiner Kreuzer und Zerstörer, der durch ein vom feindlichen Giros her in Richtung der treibenden Wiesbaden vorbrechendes Geschwader von 5 Panzerkreuzern der Minotaur-, Ackilles- und Duke of Edinburgh-Klasse gestützt wird, trifft, wohl infolge des Dunstes, überraschend aus unsere Panzerkreuzer und aus das Gros. Bon den kleinen Kreuzen: wird durch Schisse des Spitzen-Geschwaders einer versenkt, ein anderer schwer beschädigt. Der Rest entkommt. Der Stoß der feindlichen Panzerkreuzer bricht unter schweren Verlusten zusammen. Desence und Black Prince werden rauft heftigen durch Treffer hervorgerufenen Explosionen bewegungsunfähig und sinken. Ter Panzerkreuzer Warrior erreicht als Wrack noch die eigene Linie und muß. später ausgegeben werden.
Die Handlungen des dritten Abschnittes entwickeln^sich zu ihrer ersten Hauptphase. Der schwere Artilleriekampf der Spitze gegen die gewaltige Front des feindlichen Gros pflanzt sich von unseren Panzerkreuzern durch das vorderste Geschwader von Schiff zu Schiff weiter fort, wahrend das folgende Geschwader die nördlich stehende Queen Elizabeth-Division unter Feuer nimmt. Aus englischer Seite sind über 50 38-Zentimeter-Geschütze und je etwa 120 34,3- und 30,5-Zcntimeter-Geschütze in voller Tättgkeit. An beiden Enden der englischen Haupttinie, die sich aus drei Geschwadern zu je etwa acht Schiffen, also ungefähr 24 Großkampfschissen zu- sammcnsetzt,.stehen schnelle Divisionen, aus dem nördlichen Flügel drei Schlachtkreuzer des Jnvincible-TyPs, aus dem südlichen drei der eben fertiggcstellten Rohal Sovereign-Klasse.
Unsere Panzerkreuzer und der vordere Teil unserer Linie verschwinden zeitweise in Wassersäulen und Sprengwokken. Aber auch beim Feiil.de wird gute Wirkung beobachtet. Alls unseren Schissen kommen alle Waffen zum Tragen. Besonders zwischen 8 Uhr 20 Minuten und 8 Uhr 30 Minuten werden viele Trester, zum Teil von mächtigen Stichflammenerscheinungen und Explosionen begleitet, deutlich gesehen. Bon mehreren Stellen wird einwandfrei beobachtet, daß 8 Uhr 30 Minuten ein. Schiff der Queen Elizabeth-Klasse unter ganz ähnlichen Synrptomen in die Lust fliegt wie vorher Queen Mary. Ferner sinkt in biefer Phase der Schlachtkreuzer Jn- vincible schwer getroffen in die Tiefe. Ein Schiss der Iran Tuke-
*) Anm. Die Bezeichnungen sind unter den Gefechtsverhält- nffsen nicht imnrer durchaus sicher erkannt.
yg ww i m m ranw r .rnnfa ' mmmmmmmmtyts |
Klasse hat schon vorher einen Torpedotreffer erhalten, eins der Queen Elizabeth-Klasse :st airscheinend in die Rudereinrichtung getroffen, es fährt einen Kreis und ferne Artillerie schweigt. Auf unserer Seite vermag von 8 Uhr 45 Minuten an der Panzerkreuzer Lützow seinen Platz in der Linie nicht mehr zil behaupte::. Nach wenigstens 15 schweren Treffern muß er Fahrt vermindern, bleibt aber bcwegungs- und schwimmsähig und zieht sich aus dem Gefecht. Der Befehlshaber der Ausklärungsstreitkräfte Vizeadmiral .Hipper schifft sich in schwerem Feuer au Bord eines Torpedoboots auf einen anderen Panzerkreuzer um. Etwa um diese Zeit loerden Telle unserer Flottillen aus das feindliche Gros zum Angriff ge-'
bracht mtb kommen gut zu Schuß. Detonationen werden gehört. Eine Flottille verliert eins ihrer Boote durch schweren Treffer. Ein feindlicher Zerstörer wird, durch einen Torp^o getroffen, sinkend gesehen.
Nach diesem heftigen Stotze mitten rn den überlegenen Feind hinein verlieren die Gegner einander in Rauch und Pulverqucllm aus Sicht. Als das Artilleriegefecht dabei kurze Zeit vollkommen verstummt, setzt der Flottenchef alle zur Verfügung stehenden Kräfte zu einem neuen Stoße an.
Den Panzerkreuzern, die mit Flottillen-Geleit-Kreuzern und Torpedoboote:: wieder an der Spitze stehen, schlägt bald nach 9. Uhr aus dem Dunstschleier erneut heftiges ^ Feuer ^entgegen, das sich kurz daraus auch wieder auf die vorderste Division des Spitzenge- schwaders legt. Die Panzerkreuzer, die während der Umschiffuirg des Lldmirals Hipper vorübergehend vom Kommandanten des Dorfsliuger geführt werden, werfen sich jetzt mll rücksichtslosem Einsatz, höchste Fahrt lausend, zum Heraubringen der Torpedoboote aus die feindliche Linie. Ein dichter Geschoßhagel überschüttet sie auf ihrem ganzen Wege vorwärts.
Ter Sturm wird bis auf 6000 Meter herangetrageu. Mehrere Flottislen brecheii zunr Torpedoangriss vor und verschwiiiden bald in dichtem Qualm. Sie kommen zu Schuß und kehrm, trotz schwerster Gegenwirkung, mit dem Verluste wur eines Bootes zu ihreni Geleittreuzer zurück.
Nach diesem zweiten louchtigeir Stoße reißt in der von Geschützaualm und Ranchaualm erfüllten Luft der erbitterte Feuer- kamps abermals ab.
Ter ersten Angriffswelle unserer Torpedoboote folgt wenig später ehte zweite. Sie durchbricht die Qualmwolke nick) findet das das feirrdliche Gros nicht mehr vor. Nur in nordöstlicher Richtung rverden noch eine große Zahl kleiner Kreuzer und Zerstöoer bemerkt. Auch als der Flottench.ef die Kanipflinie etwa in gleicher Ordckung auf südlichem und südwesttickem Kurse, auf dem der Feind zrlletzt gesehen worden ist, eutivickelt und heranführt, wird der Gegner nicht mehr angetroffen. Wohin er vor dem vorbereiteten dritten Stoße ausgewichen ist, kamr nicht festgestellt werden.
Mit dem Verstuuunen der Geschütze um 9 kthr 30 Minuten abends kamr man die Tagschlacht als beendet ansehen. Das ma-
Der s00. Geburtstag der Monument« Germauiae.
100 Jahre sind in diesem (Juni versloss-en, seit der Gedanke zu der gewalttgen, in der Weltwissenschaft einzig dastehendeil Sammlung deutscher Geschichtsquellen, zu deir Monumcirta Germaniae hiswrica, gefaßt wurde, und paar war cs der Freiherr vom Stein, der aus seinem persönlichen >Bedürfnis lxraus diesen großzügigen Plan enttvarf. Der genialeiResormator des preußischen Staates hatte sich nach dersBoendigung des Wiener Kongresses und der endgülttgen Besiegung Napoleons auf sein Schloß zu ^Nassau zurückgezogen, und irr dieser Zeit der Aöuße versenkte er sich aus dem fwhen BewuAsein heraus, in Seinern in Ehre uni> Kraft wieder- auferftandenen Batcrlande zu leben, in die deutsche Geschichte. Ta ihm die vvrhandeiren Darstellungen nicht genügten, suchte er aus den Geschichtsguellen selbst zu schöpfen und stieß dabei toegeu ihrer Unzugänglichkeit und ihres verwahrlosten Zustandes auf mmber- wllchliche Schwierigkeiterl. Es tvar nicht seine Art, durch solche Hindernisse sich abschrecken zu lassen: vielmehr trat er sogleich mit der ganzen Energie seines starken Geistes cm den Plan heran, eine umfassende und kritisch bearbeitete Sammlung der deutschen Geschichtsquelleri zu veranstalten. „Als ihm.ein erster Ruhetag des getümmelvollen Lebens -erschienen war," sagt Arndt, „sann er soglerch auf eine recht tüchttge deutsche Tat". Als ihn Gneisenau im Juli 1816 besuchte, fand er ihn mit diesen Ideen beschästtgt, und zum erstenmal sprach sich Stein über diese Ausgabe aus, an derer: Zustandekommen er von nun an urrermüdlich arbeitete. Die neue Ausgabe sollte zugleick> billig^und handlichi sein, um unter allen Gebildeten der Nation nach Steins Wunsch „derr Geschmack an deutscher Geschichte zu beleben, ihr gründliches Studium zu erleichtern und hierdurch pr Erlwltung der Liebe zunr gemeinsamen Vaterland nnd dein Gedächtnis nns^eror großen Vorfahren berMtragen". Um Hllfe und Unterstützung wandte sich der Freiherr an den Manrr, irr dessen Gestalt das Geistesleben Deutschlands damals gleichsam verkörpert war und dem er erst vor kurzem persönlich nahe getreten war, an Goethe. Goethe rviederum bat die Brü>der Grimm um ein Gutachten, das diese Kenner des dentscheir Alterttims in vorzüglicher Weise erstatteten, ur^d bat lll einem Brief vom 2. Oktober 1816 feinen GroHherzo <7 um die Erlaubnis, an diesenr Nationalwert initwrrken zu dürfen. „Es kann und wird immer etwas Gutes daraus entstellen," schreibt er da, „sobald sich irge^tv-o ein tätif er SRittelpunkt festsetzt, andere zur Nacksolge reizt und mehrere solche Lebenspunkte sich in Rapport setzen. Und so würde sich nach und nach eine Gesellschaft organi-, sieren, welche letzt, aus vielen, aber zerstreuten Mitgkiedevn be
stehend, rrur eine unsichtbare Kirche macht." Karl August, der in seiner eigenhändigen Erwiderung es für sehr wünschenswert hielt, „daß Du teil an dieser rrützlichen Anstalt nähmest, der ich gerne das beste Gelingen wünsche," war der erste und lange Zeit einzige deutsche Fürst, der sich dafür interessierte. Sonst stieß das Unternehmen gerade bei den Regierungen auf starken Widerstand. In Berlin war man gleichgültig, in Wien mißtrauisch. „Nach der Richtung, welche die Tätigkeit unserer Regierungen und Akademien nimurt, zu urteilen," meint Stein ärgerlich, ..die Naterr- geschichte Brasiliens oder Nubiens, die Affen, Kolibris und Gazellen haben ein größeres Nattonalinteresse als vaterländische Geschichte". Auch nrit dem „reizbaren unvernünftigen Volk der Gelehrten" hatte er viel Aerger, bis er in Portz und Böhmer die geeigneten Mitarbeiter fand. Er selbst lioß sich durch nichts in seinem Sttebebeirren: er führte „einen mannigfaltigsten well- lämtigsten Briestvechsel," opferte große Geldmittel, gründete eine vc'rbereitende Zeitschrift und zog selbst in Rom die Handschrrften- karaloge der oattkanischen Bibliothek aus. „Stell', ist beinahe 70 Jahre alt." so schilderte ihn damals Bölrmer, ,,aber,voll dNut und Kraft wie ein Jüngling: ein echter deutfch.w Edelmann, feines nralteir Geschlechtes l^etzter. In seinem Schlosse zu Nassau hat er fick einen hohen altdeutschen Turm mit der Inschrift ..Eine feste Burg ist unser Gatt" erbauen lassen: er hat die Gesellschaft für. ältere deutsche Gefchichte gestiftet und kennt selbst die Geschichte wie wenige Professoren." Am 20. Iarrnar 1819 trat diese Gesellschaft privater Geschichtsfreunde zu Frankfurt a. M. zusammen: der endgülttge Plan des ganzer: Werkes, der ir: seinen großer:' Grundzüger: auch heute noch gilt, wurde 1824 veröffentlickU, und 1826 erscftier: der erste Band, die karolingischer: Annalen ent-, haltend. Erst ltatft Steins Tode entschlossen sich die Regierungen, das nationale Werk zu unterstützen. In der: fftßmrnmenta wurden die Texte der mittelalterlicher: Schriftsteller zurr: nifrumd mit der selber: Genauigkeit und Kritik behandelt, wie sie bisher nur den Klassikern zugetvandt worden waren: gute Uebersetzungen sollten nach einem Wunsch Steins für ihre weiteste Verbreitung sorgen. Sein grade vor 100 Jahre:: gefaßter Gedanke roar der erste bedeutungsvolle Keim, d:n:ch> den die Entwicklnrm der deutschen Geschichtsforschung in einer Weife befruchtet wurde:: ist, wie laum durchi.einer: andern.
*
— Der .Heldv orrck!hlum. Irr: derSchlackü-bei Koniggrätz, am 3. Juli 1866, bildete Ehlum den Schüsselpuirkt der österreichischen Aufstellung, und hier leistete die vom sväteren Feldzeugmeister Baron Rosenzweig geführte Truppe befonders heftigen Widerstand
der Armee des preußischen Kronprinzen. Ms der Feldz^eugmeister etwa ein Viertcljahrhnndert später —> in: Jahre 1890 —, sich im Bade Gasten: aufhielt, wo er alljährlich die Kur zu gebrauchen pflegte, and eines Tages an einem Tische in einem Hotel Platz nahm, wo mehrere Generale und Herren vom Zivil bereits saßen, ergriff nach den gegenseitigen Vorstellungen einer der Herren vom Zivil das Glas und sprach folgende!:: Toast: „Es drängt mich> einige Worte an die Herren zu richten. Soeben rourde Mir die Ehre zuteil, nrit jenem tapferen österreichischen General Bekanntschaft zu Machen, von dessen Heldenmut und Bravour ich Augenzeuge war, als er an der Spitze seine: Truppen wiederholt die Höhen bei Ehlum mit unbeschreiblicher Tapferkeit erkänrpfte. Auf dessen Wohl leere ich mein Glas. Es ist Fetdzeugmeister Baron Rosen- zweig!" Gerührt schüttelten sich darauf der Angetoaste m:d der Redner die Hand: es war der vormalige Preußische Kriegsminister v. Verdi) du Vernois.
— Das Opernbabel in Amerika. Die Berufung der berühmtesten Sänger und Sängerinnen aller Nationen nach Amerika bat rarchgerade zu einer Jnter.rativnalität bei den dortigen großen Opernvorstellungen geführt, die manchmal an das Sprack>engem:sch in: einstigen Babel erinnert. So berichtet der amerikanische Tenor Maclennan von einer Aufführung des Waguerschen Ringes in Chicago, bei der fast sämtliche größeren Nationen au: der Bühne vereinigt waren. Neben kleineren Rollern die von Amerikanern verkörpert wurden, trat als Mime in „Siegfried" ein Deutscher auf, der Mime in „Rheingold" war ein Belgier, Donar ein Franzose, Fafner ein Italiener, Alberich ein Belgier, Brünhilde eine Schtzvedin. Der Kapellmeister :oar ein Deutscher, der Direktor des lluternehmens der Italiener Eampaniui. der geschäftliche Leiter ein Deutscher, während die Darstellung selbst von einem Derttschen, einem Amerikaner, einem Franzosen und einem Italiener in ihren einzelnen Teilen einsttckiert wurde. Ter Ballettmeister endlich war ein Franzose und der Regisseur ein Schotte. Es ist demnach nicht vcrivnnderlich, daß die Leitung dieser Gasffpielvper ihre Mitglieder bat, sich nach Möglichkeit eiirer Erörterung des Krieges zu enthalten, damit die Einheitlichkeit der Gesamtaufführung nicht unliebsam gestört werde.
--- Frankfurt a. M., 2. Juli. Ter Regisseur der Ham- burg-Altonaer Stadttheater, Walter^ B r ü gm atiit, mürbe vom Herbst 1917 ab von Geheimrat Zeitz für die vereinigten Frankfurter Stadttheater als Oberregisseur berufe::.
X Groß-Steinheim, l. Juli. Im Alter von 56 Jahren ist dahier der bekannte Bildhauer Jakob Busch, Inhaber eines WerkstÄte für kirchliche Kunst gestorben.


