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26.7.1916 Erstes Blatt
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Elftes Matt

Ter «r nschenrt iäqtüt), archer SorintagH. - Beilagen: ö>er,nal wöchentlich Scktze«rKouckijenbrätter; ».vevnal wöchentl.lttLiL- blaitfvr-caArets Gießen sTienstag u»ü)Freitagl.- zwennal monatl. LoRd-

vttrhchaftkche Seckftagen

(»emsprech - ^brschlüsst: ssirdieSchricklettruigllL vertag,Geschäitssleiieol Ad reffe lür Drah:Nach­richten: Anzeiger Gieße«. Annahme von Anzeige« tt'ir die Tagesnunimer bis zum Abend vorher.

ldü. Jahrgang

Mittwoch, 26. Juli <<9*6

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Rotaüoiwönkf uh* Vertag -er Sr»h«',chen llinv. Luch- mb 8tei«*r«rerei B. Lange. Schriftlettnug, Erschastsftette und Drucker«: schulftr.- Mr >-n Az^geni-ll: &

L-czu gs> rei > rnonatl. 90 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.65; durch Abhole- u. Zweigßellen monatl. 80 Pf.; ourch diePost Atk.2.45 viertel- jährt. ausfchl. Befteüg. Zeilenpreis: lokallbPft ausiv. 20 Pf. Haupt- jchriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feichilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge- richtssaal: Fr.R.Zenz;

Beck, säintlich in Gießen

Neue Angriffe der Kinde in West und Oft abgeschlagen.

MTB.) Grvtzes Hauptguartier, 25. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich der Somme wurden nach dem gescheiterten englischen Angriff vom 22. Juli gestern die englisch- französischen Kräfte auf der Front Poziöres- Maurepas zu entscheidendem Stotz zusammengepackt. Er ist wieder zusLMmengebrochen. meist schon im Feuer, an einzelnen Stellen nach scharfem Nahkampf, so öst­lich von Pozieres, am Foureaunvüldchen. vor Longucval und bei Guillenumt. Wiüstr haben sich die brandenburgischen Grenadiere und die tapferen Sachsen vom 104. Reserve-Regi­ment glänzend bewährt.

Südlich der Somme führten gleichzeitig die Franzosen smrke Kräfte im Abschnitt Est re es Soyecourt zum Sturm, der nur südlich von Eftrses vorübergehend Boden gewann, sonst aber unter schwersten blutigen Ver­tu sten für den Gegner zerschellte.

Im Maasyetnel zeitweise heftige Artitteriekänmse. Links des Flussts kam es zu unbedertteirden Handgranatenkämpfen; rechts desselben wiederholte der Feind mehrmals seine Wie- dererobcrungsversuche am Rücken Kalte Erde. Er rrmrde im Sperrfeuer abgewiestn.

Nördlich von Balschweilcr (Elsah) brachte eine un­serer Patrouillen dreißig Gefangene aus der französischen Stellung zurück.

-a

Leutnant Baldamus schotz südlich von Binarvijle einen französischen Doppeldecker ab und hat damit seinen vierten Gegner autzer Gefecht gesetzt.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Vorstotze schwächerer russischer Abteilungen südöstlich von Riga und Patrouillen an der Düna winden ab­gewiesen.

Beider

Heeresgruppe des Generals von Linsingen

sind feindliche Angriffe an der Stonowka-Frortt. südlich von B e r e st e c z k o . in geringer Breite bis in die vorderste Ver­teidigungslinie gelairgt.

Westlich von Burkanow wurde ein russisches Flug­zeug rckrge schossen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Kerne wesentlichen Ereignisse.

Oberste Heeresleitung.

Es ist immer wieder hervorstechend, daß Englands Krregsleista.na.en so gar nichts Heldenhaftes aufwersen, son­dern an die Schlange erinnern, die ihre Gegner und Opfer durch den Druck ihres Körpers zu eravürgen'sucht. Das gibt denn gar oft ein widriges Schauspiel für die Menschheit, deren oberster Vertreter, Präsident Wilson, solche Metho­den in gewisser Hinsicht begünstigt hat. Ein schlecht aus- gebildctcs Mittionenheer hat beim Angriff auf unsere West­front auch noch keine Heldentaten aufzuweisen gehabt. Da­gegen gebärden sich die englischen Ringer und Kämpfer gar- laut mit Worten und Reden. Da Herr Churchill, der den Ehrentitel als englischer Oberschwatznreister erhalten sollte, die Regierung, der er mcht mehr-angehört, getadelt hat, sie hätte nickst genug geredet, mährend in Flandern mrd Frankreich ge- tampft wird, hat der jetzige Dekali der englischen Schwatz- fakultat schnell und eifrig das Wort ergriffen. Lobsprüche auf die ,,Erfolge" prasselten hernieder, und wieder, wie so hausig, wird Deutschland in Worten ganz irnd gar auf- gesressen. Schaffung des englischen Heeres war zweifel­los ein tüchtiges Stück Arbeit, und es hat.Herrn Churchill gewurmt, das; wegen des Ausbleibens der erhofften Siege zunr Lobe dieses neuen Reises am englischen Baume so gar mchts gesagt werden sollte. Das war auch die Meinung Lloyd Georges. Alle Besorgnisse, so sagte er, die man hegen mußte, ,ind zerstreut. Und dieHelden", die vor unserer Westgrenze keuchend zusammengebrochen fxnb, erhalten die gewünschte und rwtige Aufmunterung. ..Die numerische Ucberlegenheit und alle anderen Hilfsmittel sind auf Seiten Enoland^" Das ist em trügerischer Trost, wie die zweijährige Geschichte der russischen Bemühungen in diesem Kriege dartun. AberLlohd George hat vielleicht mehr Nachdruck auf dieanderenHilfs- gelegt als auf die numerische Ueberlegenheit. Und aus dieje Hilfsmittel kann wirklich garnicht genug hinqcwiesen werden. '

England hat 60 friedliche holländische Fischdampfer ein- fach aus dein Felde ihr^r Tätigkeit fortgenommen und sie an der lchottrschen Küste versteckt, damit die Deutschen vom freren Fuchfang in der Nordsee nichts profitieren. Es hat noch mehr getan. Fünf Millionen Gulden hat es für den ^all angeboren, daß die Holländer auf beu freien Fischfang Verzicht leisten. Aber die Holländer haben dieses Sünden- geld entrüstet zurückgewiesen, und nicht nur die biederen Mcher, sondern auch die holländische Presse kehrt sich mit

Ingrimm gegen diese Sceräuberei der Briten und verlangt

von der eigenen Regierung geeignete Abwehrmaß­regeln. Und rn der Tat, wenn in den bisher

im holländischen Hause von englischen Agenten geübten Anmaßungen noch nicht der Gipfel der Dreistigkeit er­reicht worden nmre in jenem Reuterfcheiy Elaborat, das lvir nachstehend mitveröffentlichen, würde er sicherlich er­reicht sein.Die britische Regierung erkennt an, daß ihre MatznaHmen einige Härten enthalten." Und sie will, das wird natürlich in anders gewählte Woaste gesetzt, den Fischern dafür ein Trrrrkgeld airbieten.

Auch das System derschwarzen Listen" Englands in den Vereinigten Staaten Amerikas gehört in das widrige Bild der Schlange, die ihr Opfer erwürgen will. Und diese Schlange hat die besondere Eigentüutlichtett, nicht nur auf ihre Gegner, sondern auch auf andere atemberaubend zu drücken. Liegt es in der rechtlichen Weltordnung, von der Herr Wilson so oft gesprochen hat, wirklich begründet, daß ein solches Ungetüm die Schöpfung verunstaltet? Auch hierzu liegt heute von England eine Beschwichtigungsnote vor. Lord Robert Cecil hat im Unterhause alles, was an geharnischten Protesten vorgebracht worden ist, fürMiß­verstand nisie^' erklärt. Wer ungerechteriveise rn die Listen ausgenommen worden sei, der werde wieder davon ab- gesetzt werden. Ob es auch daber stille Provisionen gibt, darüber ließ sich nicht laut rederi. Und es wird wohl zu­nächst alles beim alten bleiben . . .

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 25. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlauttzan: 25. Juli 1016-

Russischer Kriegsschauplatz.

Südlich des Dnjestr, westlich vsu Oberthn, brach gestern ein Angriff in unserem Feuer zusammen. Russische Erftrndungsvorstötzc, südwestlich von Lubaczowka. wurden abgewiesen. Sonst verlief der Tag ruhig.

Seil heute nwrgen entwickeln sich Kampfe südlich von Beresteczko.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Südlich des Val Sugana setzt der Feind immer wie­der zu neuen Vorstößen an.

Aus der Gegend der Cima Maora ging vormittags starke italienische Infanterie dreimal vor. Sie wurde jedes­mal, zum Teil im Handgemenge, blutig abgewicscn.

Im Raume des Monte Zebio erfolgte nachmittags ein neuer starker Angriff. Dem Feinde gelang es, in einen un­serer Gräben einzudringen, er wurde jedoch wieder vollstän­dig hinausgcworfen.

Zum wiederholten Male greifen die Italiener mit rischen, ausgeruhten Truppen in diesem Gebietsabschnitt des Grazer Korps an. Die schon in den vergangenen Kümpfen unvergleichlich tapfere Haltung der Truppen dieses Korps macht jede feindliche Anstrengung vergebens. Das italienische Artilleriefeuer steigerte sich bei den Angriffen zu ungewöhn­licher Kraft; alles umsonst. Die feindlichen Verluste sind täg­lich außerordentlich schwer.

Am Stilffer Joch wurde der Angriff einer Alpini-

kompagnic auf die Nagler-Spitze abgcwiesen. Auf den Höhen südöstlich Borgo scheiterten zwei italienische Nachtangriffe.

Im Gebiete des Rolle-Passes flaute die Gefechtsrälig- kcit nach den italienischen Mißerfolgen der letzten Tage merk­lich ab.

An der Jfonzoftont schwerstes Geschützfeuer gegen St. Luzia und die Brückenschanze südlich von Podgora. Feind­liche Angriffe gegen unsere Stellungen am Monfalcone- Rücken wurden abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unverändert.

Ter Stellvertreter des Chefs des Generalstabs o. Hofer, Feldmarschalleutnant.

Lloyd George über die militärische Lage.

London, 25. Juli >WTB.) Im Unterh'ausebemängelte Churchill, daß Asauckh in seiner Rede keinen Ueöerblick über die militärische Lage gegeben habe. Lloyd George bemerkte, da,; cs unmöglich sei, sich n-ährend der Mitte der Schlucht über die militärischen Aussichten zu verbreiten. Diese seien aber gut. Tie englischen Generäle seien mehr als befriedigt mit den erzielten Fortschritten. Tie neuen Bürgerarmeen würden den ge- waltigen Feind zurückdrängen, der seine geistigen Kräfte während zweier Mensrl>enaltcr der Kriegswissenschaft gewidmet habe. Was sich auch in dieser oder auch einer anderen Schlacht ereignen möge, er habe keinen Zweifel und hege volles Vertrauen, daß der Sieg gesichert sei. Ein Umstand habe ihm und den leckenden Männern Besorgnis eingeflößt. *Sie hätten gewußt, daß die Ausrüstrurg in einer Zeitdauer geliefert sei, in der keine Armee der Welt vorher ausgerüstet worden sei. Die Frage sei aber die gewesen, ob Leute mit einer nur sechsmonatigen Ausbildungs­zeit die i'tusrnstung auzuwcuden wüßten und imstande wären, die vorzüglichen Geschütze ckc solcher Weife zu bedienen, daß sie kleine Ziele aus drei oder vier Meilen Entfernung treffen konnten Und dies haben sie getan. Jetzt sei bewiesen, daß die euglrMm Soldaten ihre gesamten Geistes- und Willenskräfte aufgeboten Ilätten, um ihre ' Geschicklichkeit so zu vervollkowm- nen, daß sie den Sieg für ihr Land erstreiten könnten. Ties sei cs, was ihm Vertrauen einfföße. Tck. Ueberzahl und alle anderen Hilfsquellen seien aus ifrrer Seite. Tie einzige Besorgnis sei gnoesen, daß die Jahre bex Ausbildung und Vorbereitung seitens einer großen Mckitärmacht nicht zu über­winden wären. Tie britischen Soldaten hätten aber gezeigt, daß dies nicht so sei, und daß die britische (Änvaudcheit in der Er'- schließung von Hilfsquellen und geistige Beweglichkeck in wenigen Monaten imstande sein würden, einem Gegner den Sieg .zu ent­reißen, der zu einem Zeitpunkt iuniberwindlich erschienen wäre.

(Beifall, f Tic Lehr ein dieser Schlackst seien, txrß die Engländer mit allem .Hilfsmaterial, das ihnen zu Gebote stehe, «regen den Feiick drücken müssten. Dann loürde der Sieg ihnen gehören. (Beifall.'

DerDankdesKaisers an die wirr ttcmbcrgischenTruppen^

Stuttgart, 25. Juli. (Prio.-Tcl.) Dem König von Württemberg ist, wie derLtacusanzerger" meldet, aus dem Großen Hauptquartier folgendes Handschreiben des Kaisers vom 23. Juli zugegangen.