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24.7.1916 Erstes Blatt
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Erstes Blatt

M. Zahrgang

Montag, 24. ZuN (W

RstLÜsusdnur und Verlag der vrühl'schen Umo.vuch- Md äteinörüÄerei R. Lange. 5chrrstieituna, Geschäftsstelle und Druckerei: §chu!str.7.

Bezugspreis: monatl. 90 Ps., oiertel- jäyrl. Mk. 2.65'. durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.; durch diePost Rck.2.15 viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausio. 20 Pf. Haupt­schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge­richtssaal: Fr.R.Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen,

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wertere eng!

(WTB.) Großes Hauptquartier. 22. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz

Im S 0 m m e g e b i ? t haben unsere Gegner nach ihrer verlustreichen Niederlage des vorhergehenden Tages gestern auf größere einheitliche Angriffe verzichten müssen. Einzelne Teilvorstöße find mühelos abgewiesen oder schon im Entstehen unterdrückt worden. Bei Säube­rung eines Englündernestes im Foureaur-Wäldchcn mach ten wir einige Dutzend Gefangene und erbeuteten neun Maschinengewehre. Die lebhaften Artilleriekampse wurden mir Unterbrechungen fortgesetzt.

Nordlick von Massiges (Champagne) blieb heute in der Frühe ein französischer Angriff auf schmaler Front ohne Erfolg.

Beiderseits der Maas steigerte sich die Artillerielätig- keit zeitweise zu größerer Heftigkeit. Gestern früh und heute nacht scheiterten feindliche Angriffe im Frontabschnitt von Fleury.

Eine unserer Patrouillen nahm in der französischen Stellung nordöstlich von St. Die vierzehn Mann gefangen.

*

Der Flugdienst war Tag und Nacht beiderseits sehr tätig. Mehrfache feindliche Bombenangriffe haben nur ge­ringen militärischen Schaden augerichtet, teilweise aber un­ter der Bevölkerung gefordert, so in Laon, wo eine Fron schwer verletzt und drei .Ander getötet wurden. Unsere 'Gegner verloren sieben Flugzeuge im Luft- kampf und zwar vier südlich von Bapaume und se eines südöstlich von Arrris,*westlich von Combles und bei Rohe. Leutnant Wintgens har seinen zehnten und elften. Leut­nant Höhndorf seinen zehnten Gegner außer Gefecht ge­setzt. Seine Majestät der Kaiser hat seiner Anerkennung für die Leistung des Oberleutnants Freiherrn von Althaus, der bei Rone Sieger über einen französischen Doppeldecker blieb, durch Verleihung des Ordens Pour le Merite Ausdruck verliehen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Beiderseits der Straße E k a uK e k k a u trotzten bran- denburgifche Regimenter weiter den starken russischen Massenangriffen, die am Nachmittag wieder aus­genommen und bis spät in die Nacht fortgcführt wurden; sie sind sämtlich unter den schwersten Verlusten für den Feind zusammengebrochen.

Von der übrigen Front sind Ereignisse besonderer Be­deutung nicht zu berichten.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

(WTB.) Großes Hauptquartier. 23. Juli. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Zwischen dem Meere und der Ancre haben in einzelnen Abschnitten lebhaftere Feuerkämpfe stattgefunden: in der Ge­gend von Richebourg ist eine stärkere feindliche Erkun­dungsabteilung abgewiesen worden.

Zwischen Ancre und Somme kam es nach tagsüber ge­steigerter Artillerietätigkeit abends und nachts erneut zu Jn- fanteriekämpfen an der Front Thicpval-Guillcmont. Die hier angesetzten cnglischen Angriffc blieben trotz rücksichts­losen Einsatzes an Menschen erfolglos, bei und westlich von Pozieres. am Foureaur-Wäldchen und am Westrandc von Longucval führten sie zu heftigen Nahkämpfen.. Zwischen Guillcmonl mw der Sonnne wurden Angriffsversuche des Gegners bereits in den Ausgangsgräben durch Sperrfeuer erstickt. Südlich derSomme folgten dem zeitweise sehr starken, von uns in gleicher Weise erwiderten Feuer nur vereinzelt französische Vorstöße, die mißlangen. Es sind über hundert Gefangene eingebracht, darunter einige Offiziere.

Im Maasgebiet Artilleriekämpfe von mehrfach großer Stärke. Oestlich des Flusses wurden im Abschnitte von Fleurp feindliche Handgranatentrupps. im Bergwalde (nördlich der Feste Tavannes» Erkundungsabteilungen ab­gewiesen. Südlich von Damloup gewannen wir in Rich­tung des Gehöftes Dicourt Gelände, machten Gefangene und Beute.

Die Stadt Mülheim in Baden und in der Höhe gelegene Dörfer wurden gestern von einem französischen Ge­schwader mit Bomben belegt. Wir haben zwei der feind­lichen Flugzeuge im Luftkampfc abgeschossen und den An­griff sofort mitschweremFeueraufdieStadtBcl- fortbeantwortet.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Südöstlich von Riga wurde spät abends ein feind- ltcher Angriff im Sperrfeuer zum Scheitern gebracht.

Uebergangsversuchc der Russen über den Styr bei Za- hatka (südwestlich von Berestcczko) wurden durch deutsche Batterien verhindert.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts Mms

Oberste Heeresleitung.

Nach den großen Känrpsen am Donnerstag haben die Gegner erst am. Samstag sich wieder zu neuen Angriffen aufzuraffen vermocht, die aber sämtlich von unseren Truppen erfolgreich abgeschlagen worden sind. Besonders im eng­lischen Kampfabschnitt Thiepval-Guillemont wurde trotz rück­sichtslosen Einsatzes an Menschen von General Haig abso­lut nichts erreicht. Südlich von Guillemont bis zur Somme, also in dem Abschnitt, wo die französischen Angriffe zunächst einige Erfolge erzielt hatten, waren ebenfalls neue Angriffe vorbereitet. Aber während sie auf dein nördlichen Abschnitt wenigstens stellenweise, so bei Pozisres und am Westrand von Longueval, zu erbitterten, wenn auch vergeblichen Nah­kämpfen gediehen, vermochte der Gegner südlich von Guille­mont seine Sturinkolonnen nicht einmal aus den Gräben herauszubringen, da jeder Versuch dazu schon durch unser Sperrfeuer erstickt wurde. Bei Verdun ist dagegen der deutsche Angriff wieder ein Stück fortgeschritten, und zwar südlich von Damloup in der Richtung des Gehöftes Dicourt, nordöstlich der Batteriestellung von La Lausee.

/ Auf der L st front haben sich die großen russischen Stürme ebenfalls gebrochen, und die Brussilowsche Offensive erreicht nicht, was sie mir lautem Munde angekündigt hatte. In der südlichen Bukowina haben sich Einzeltämpse. entwickelt: der Angriff Kuropatkins im Norden hat Linden^ bürg feinen Augenblick zum Wanken gebracht. 'Ser Berner Bund" stellt über die strategische Lage in seiner Sonntags­nummer folgende Betrachtungen an:

Hat die Offensive Brussylows durch das erfolgreiche Ver­treiben . der .Flügel mit doppelter Zange in das Gefüge der Vertcidigimgssront gegriffen und so zu einer Konkaven Gestaltung der russischen Front genährt, so ist im Westen unter räumlich viel bescheideneren Verhältnissen, aber bei nicht weniger intensiver Kampfhaudlnng eine andersgeartete Gestaltung der Angriffsfront erfolgt, indem dort durch Bortreiben des Z e u trum s und Zurück­bleiben der Flügel eine konvexe Angriffsfront zustande kam. Muß im Osten die Zentrumsgruppc Bölml-Ermolli und Bothm'er durch Gegenstöße gegen die inneren Flanken der russischen Angriffs­flügel zu wirken suchen, die ihr mit Umfassung drohen, so sind die Deutschen im Westen mrn in der Lage, den Gegendruck kon­zentrisch wirken zu lassen.

Tic mächtige Artillerievorbereitung, die sich am 17. Jull wieder abzuzeichnen begann, dauert in riesenhafter Steigerung fort. Im großen ganzen ist die französisch-englische Offensive lumte noch nicht über eine Festigung der bis zum 17. Juli erzielten taktischen Erfolge hinausgelangt: das strategische Ergebnis bleibt mehr als fraglich. Selbst ein Durchbruch zwischen Po.ihres und Guillemont würde vernmtlich nur ein weiteres .Heraustreiben des Zentrums bedeuten^und die zu rück hängenden Flügel, den französischen in der Gegend Soyccourt. den englischen in der Gegend Thiepval, unter stärkeren Druck stellet: und vielleicht sogar einen breiter und allge­meiner^ gurkenden konzentrischen ^Gegenangriff aus lösen, als er jetzt bei Longueval geübt wird. Das strategische Interesse hastet daher am Raume Chaulnes. Auf beiden Seiten fließen fortgesetzt Verstärkungen zu.

Im Raume Verdun führt die Artillerie das Wort und sind Veränderungen seit dem 17. Juli nicht mehr nachweisbar' geworden. An den anderen Frontabschnitten sind, abgesehen von der stärkeren Aktion von Fromelles, keine größeren Kämpfe in die Erscheinung getreten.

* . *

Herr Sasonow, der Künder großer russischer Ziele, die sich nicht haben verwirklichen lassen, der ironische Beschöni- ger russischer Niederlagen, hat sich verhältnismäßig lange in seinem Amte halten können. Andere im Rate des Zaren, Heerführer und Kriegsminifter, sind gegangen undge­gangen worden", aber er, dessen Name ein Programm be­deutete, da er sich nun einmal zum Träger der allslawischen Politik gemacht hatte, überdauerte in seinem Amte den großen Abbau, den Hindenburg und Mackensen am west­lichen Rußland Vornahmen. Warum geht er jetzt? .Gesund­heitsrücksichten werden uns angegeben, aber an derlei glaubt man nur halb. Hat Rußland trotz seiner noch im Gange gebliebenen allgemeinen Offensive doch schon zu der großen Wende in seiner Politik sich entschlossen, zu der es durch das Ergebnis dieses Krieges getrieben wird? Bor wenigen Wochen ist der neue russisch-japanische Vertrag abgeschlossen worden, dessen öffentlich bekannter Teil wie ein Schutz- und Trutzbündnis sich ausnimmt. Aber Rußland hat gegeben, und Japan hat genommen. Japan arbeitet unablässig daran, seine Vormacht im östlichen Asien sicherzustellen Es er­greift im wesentlichen Besitz von China, erweitert seinen Handel, baut Eisenbahnen, y*tb der russische Säbel liefert die nötige Ueberwachung. Niemand darf Japan angreifen, lveirn es diese Ziele verwirklicht, und es scheint, als ob es diesen Vertrag von dem Petersburger Kabinett, das in tau­send Nöten steht, sich erzwungen habe. Die in den Geheim­akten stehenden russischen Zugeständnisse sind dann vielleicht eine Gegenleistung für die Lieferung japanischer Munition und für die Zufuhr vieler anderer notwendiger Dinge, deren Mangel das russische Reich in Verlegenheit gebracht haben. In London und Paris hat man dem Vertrage zugestimmt, weil es keine andere Lösung gab, weil Rußland muß, auch wenn es nicht will, und weil der kleine, gelbe Erpresser' seine Wünsche nicht aufschieben wollte. Das Maß Sasonows war voll. Sein Name lag wie ein Schatten auf Rußland. Ob die Sonne des alten Boris Wladimirowitsch Stürmer an der Westgrcnze iwch eine Kriegssaat reisen lassen kann? Wir glauben nicht: aber vielleicht leuchtet sie einem beschleunigten Frieden entgegen.

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien. 22. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart; 22. Juli 1916.

Russischer Kriegsschauplatz.

Von gestern auf heute keine Aenderung.

In der Bukowina blieben die Anstrengungen des Fein­des, sich des Berges Cap ul zu bemächtigen, abermals er­folglos. Die vom Gegner vorübergehend besetzte Höhe Ma- gura bei Tatarow wurde durch unsere Truppen zurück- g ew 0 nuc n.

Im Raume von Obertyn entwickeln feindliche Er- lundungsabteilungen erhöhte Tätigkeit. Bei Barysz vertrieb ein Honved-Jagdtommando einen mit Maschinengewehren ausgerüsteten russischen Hauptposten. Die neuen Stellungen südwestlich von Bcrcsteczko sind bezogen. Der stellenweise nachdrängende Gegner wurde abgcwiesen.

Westlich von Luck und am Stochod nichts von Be­lang.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Mehrere Abschnitte der Tiroler West- und Ostfront stan­den gestern unter lebhaftem feindlichem Geschützfeuer. Auf den Höhen westlich der Posina nahmen unsere Truppen einen Beobachtungspunkt in Besitz und wiesen einen starken italie­nischen Gegenangriff ab.

Im Vorfelde der Befestigungen von Panevcggie wur­den Angriffe einzelner italienischer Bataillone abgewiesen. Südlich des Rolle-Passes gelang cs dem Feinde, einen zu Beobachtungszwecken vorgeschobenen Stützpunkt zu nehmen.

An der Jsonzo-Front stellenweise lebhafter Artillerie knmpf.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

An der unteren Vojusa Geplänkel.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r. Feldmarsch alleutnant.

Wien. 23. Juli. (WTB. Nichtamtlich ) Amtlich wird verlautbarti 23.Juli 1916.

Russischer Kriegsschauplatz.

Südöstlich von Tatarow durch einen starken russischen Vorstoß bedrohe, nahmen wir die auf der Magora kämp­fenden Truppen gegen den Karpathen-Hauptkamm zurück.

Sonst bei unveränderter Lage nichts Neues.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Nach einigen Tagen einer den Verhältnissen entsprechen­den Ruhe kam cs gestern an der Front südlich des Val S u g a n a wieder zu sehr heftigen Kämpfen. Durch an­dauerndes Artilleriefeuer äußerster Stärke unterstützt, grif­fen die Italiener an mehreren Stellen wiederholt an. Sie wurden überall unter den schwersten Verlusten zurückgeschta- gen. Das Jägerbataillon Nr. 7 und Teile des Infanterie- Regiments Nr. 17. gegen deren Stellungen sich der Haupt­ansturm des Findes richtete, zeichneten sich in diesen Kämp­fen ganz besonders aus.

Auch im Raume von Pancveggio nahmen die Kämpfe an Ausdehnung zu. Der Angriff einer italienischen Brigade gegen die Höhen südwestlich von Pancveggio wurde blutig abgenftescn. Auf den Höhen nördlich des Ortes schei­terte gleichzeitig der Vorstoß eines feindlichen Bataillons. Abschnitte unserer Tiroler Front, in denen gestern nicht ge­kämpft wurde, standen zumeist unter heftigem feindlichen Ge­schützfeuer.

An der Jsonzo-Front wurde der Monte San Michele stark beschossen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Hofer. Feldmarichalleutnant.

* . *

Der Rücktritt Sasonows.

Petersburg, 23. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Mel­dung der Petersburger Telegraphenagentur. Ministerpräsi­dent Minister des Innern Stürmer ist znm Mi­nister des Auswärtigen ernannt worden und behält den Vorsitz im Ministerrat. Justizminister CH wo stow wurde zum Minister des Innern, der ehemalige Minister des Innern Makarow zum Justizminister ernannt. Dein Mi­nister des Auswärtigen Sasonow wurde der Rücktritt in Genehmigung seines Gesuches bewilligt.

Berlin, 24. Juli. Zun: Rücktritt Sasonows sagt die Vossische Zeitung": Was der letzte Anstoß zu Sasono^ws Kaltstellung war, wird erst noch aufgeklärt werden müssen. Wieder verschwindet einer jener Männer, au deren Person sich die Abnrachungen zwischen imseren Gegnern knüpfen. DasBer­liner Tageblatt" schreibt: Sasonow hat sein Amt faft_6 Jckhre

bekleidet und schien gerade in jüngster Zeit fest int Sattel zu sitzen. So kommt die Nachricht rwn seinem Rücktritt überraschend. Mer das russisch-japanische A b k 0 m in e n sei für Ruß- land ein ungeheuer 0 p f e r r e i d; r r V e r t r a g, der Japan mit einem Schlage die Vormacht in Ostasien sichere. Das Ver­hältnis zu Schweden habe sich neuerdings durch die lieber- griffe der russischen Flotte sehr zugespitzt und über die Behand­lung Rumäniens sei man in russischen leitenden Kreisen schwerlich einer Meinung.