Ausgabe 
22.7.1916 Erstes Blatt
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tjegflptte Zentner Kraftfutter, dir wir ütt Giäedcn auS dem Auslände bezöge,', durch das Erzeugnis der eigenen Scholle zu ersetzen haben.

Landkreis Gießen.

e. Oppenrod, 22. Juli. Wehrmann Ludwig Rüster vom jJnfMrterie-Regiiment 353, seil Anfang des .Krieges im Felde und vor einigen Monaten mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, hat jetzt mich^dic Hessisck)e Tapferkeitsmedaille erhalten.

e. S t e i n b a ch, 22. Juli. Ten Heldentod starb Sanitäts­soldat Philipp Horn von hier. Er erlag seinen an der Westfront erlittenen Verwundungen im Kriegslazarett. Horn hinterläßt eine Witwe mit zwei kleinen Kindern.

Kreis Büdingen.

dn. Büdingen, 22. Juli. Die Haussammlung für bie deutschen Gefangenen im feindlichen Ausland ergab hier rund 1000 Mark.

e. ü i n g e n, 22. Juli. Vor einiger Zeit brachten wir die Nachricht, in Büdingen sei der Brotpreis um 2 Psg. herabgesetzt worden. Die Gießener Backerinnung iveranlaßte uns unter Vorlegung einer Mitteilung ihres Fachblattes unsere Nachricht dahin zu berichtigen, der Brot- preis sei um 2 Psg. erhöht worden. Nunmehr geht uns vom Kreisamt Biidingen folgendes Schreiben zu:Ihre Mittei­lung ans Büdingen" im'heutigen Blatte ist unrichtig. Wirer-, suchen ergebenst mn Richtigstellung Ungefähr in folgender Weise: Der Brotpreis in Büdingen betrug nach amtlicher Auskunft vor 3 Wochen 68 Psg. für den Vierpfünder und !wurde infolge der Bereitstellung von Weizcnschrot als Bei­mischung statt des teuren Kartoffelmehls auf 66 Pfg. herab- 'gesetzt." Der Brotpreis in Büdingen, auf de:: sich die Gießener Bäckermeister beriefen, um gleichfalls eine Brot­preiserhöhung in Gießen durchzusetzen, ist also doch herab­gesetzt worden.

4- Ortenberg, 22. Juli. Schon wieder ttaf unser fürst­liches Haus ein Unheil. Kaum war Prinz Hans von Stol- Perg-Roßla-O rtenbergvon der Beisetzung seines Bruders', des Fürsten Jost Christian zu Stolberg-Roßla zurückkommend wieder an der Front eingetroffen, als er nach einer Nachricht seines Regimentsführers durch Schenkel schuß ver:omck>et wurde. As ist bereits das zweitemal, daß der Prinz verwundet ist. rötto Bra un, Schütze bei einer Maschinengewehrabteilung, der ickwn einmal verwundet war, wird seit den schweren Kämpfen im Dsten vermißt, doch besteht Hoffnung, daß er sich in russischer Gefangenschaft befindet. Der Vizefeldwebel August Werner erhielt wegen besonderer Auszeichnung in den Kämpfe:: vor Verdun das Eiserne Kreuz 2. Kl.

Kreis Alsfeld.

oz. Groß-Felda, 22. Juli. Dem auf dem westlichen Kriegsschauplatz befindlichen Artilleristen Karl Müller von hier, der seit Kriegsbeqinn im Felde steht, wurde die Hessische Tapfer- keitsmedaille verliehen.

Kreis Lauterbach.

rr. Schlitz, 22. Juli. Auf Anregung von Stadtpfar­rer B o e ck n e r haben sich in den benachbarten kleinen Dör­fern Uetzhausen, Nieder-Stoll, Bernshausen 15 Bauern- familieu bereit erklärt, bedürftige Bolksschüler aus Offenbach a. M., deren Väter im Felde stehen, während der Ferien unentgeltlich in Verpflegung zu nehmen. Diesem guten Beispiel sind einige Familien im nahen Willofs ge­folgt. Wenn rechtzeitig von den größeren Städten aus die nötigen Schritte getan werden, so könnte zweifellos in den SeptemberOktober-Ferien unter bereitwilliger Mithilfe der Pfarrer und Lehrer noch viel mehr bedürftigen Stadt­kindern die Wohltat eines unentgeltlichen Landaufenthalts verschafft inerden, als es diesmal in Hessen der Fall sein dürfte. Vorbildlich bann hierin das Vorgehen der Stadt Kassel sein, der es gelungen ist, 2500 Volksschüler während der Ferien auf dem Land unterzubringen. Für die Klüegs- gefangenenspende gingen im Schlitzerland rund 1600 Mk. ein. Kreis Schotten.

* Stumpertenrod, 22. Juli. Musketier Heinrich M c v t'e l von hier, im Reserve-Regiment Nr. 224, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

U l r t ch st e i n, 22. Juli. Die Zeit der Abhaltung des .hiesigen weit und breit bekannten Ulrichsteiner Jakobimarktes kommt heran. Er dauert jedes Jahr 3 Tage. Kommenden Dienstag, den 25. Juli, findet Schweinemarkt statt. Ter alljähr­liche Rindviehmarkt am 24. und 25. Juli d. Js. wird diesmal nicht aögehalten. Mittwoch, den 26., ist Krä,netmarkt. Der Unteroffizier und Offiziersaspirant Ferdinand Psnnnstiel, Sohn des Ferdiiiand Pfannstiel, Besitzer des Tarmstädter Hofes, ist in den letzten schweren Kämpfeii verwundet worden. Er liegt jetzt in Aurich a. d. Nordsee 'in: Lazarett.

« Kreis Friedberg.

nt. Friedberg-Fauerbach, 22. Juli. Dem Pionier Bernhard Meyer von hier, in der 30. Baukourpagnie, wurde das Kriegs-Ehrenzeichen verliehen.

bz. O st h e i nt, 22. Juli. Der hiesige Landwirt Karl Räder verkaufte der hiesigen Gemeinde einen 13wöchigen Ziegenbock für den seltener: Preis voti 140 Mark.

nt. S1 a m m h e i m, 22. Juli. Unteroffizier Heinrich Jakobi aus Stammhttm, Kreis Friedberg, welcher dein 5. Land- Wehr-Jnfantette-Bataillon Darmstadl angehört, und mit ihm iu's Feld rückte, trat dott als Gefreiter ein, wurde zum Unteroffizier befördert und jetzt .mit der Hessischen Tapferkeilsmedaille aus­gezeichnet.

o-o Vilbel, 22. Juli. Dem Pionier-Gefreiten Gottfried Lehr von hier, bei einer Minemverferkompagnie, wurde die Hessische TapserkütsMedaille verliehen. Bei dem am ergangenen Som:tag unter Beteiligung von etwa 4800 Jmrgmaunschaften auf dem Fe/dberg abgehaltenen Wetturnen wurden vom hiesigen Turnverein in der Oberstufe 4 Mann und in der Unterstufe 2 Mann Sieger. Der Voranschlag für unser Städtchen für 1916 balanciert mit 407 114,76 Mark Einnahme und Ausgabe. Die zu erhebenden Umlagen nlußten um 8000 Mark erhöht werden und betragen für 1916 128 000 Mark -- 178 Prozent. An Kriegs­kosten mußten bis jetzt 177 000 Mark verausgabt werden. Zur Bekämpfung des in bedenklicher Weise zunehmenden Feldfrevels dahier mußten zwei weitere Flurschützen bis zum 15. Oktober l. I. angenommen werden.

Kreis Wetzlar.

Wa. Wetzlar, 22. Juli. In der letzten Kreistags­sitzung, an welcher außer dem Vorsitzenden, Landrat Tr. Sar­torius und dem Kreisansschuß-Obersekretär Wieser als Protokoll- sichrer 20 Kreistagsabgeordnete tellnahmen, wurde beschlossen, die Rechnung der Kreiskommunalkasse für das Rechnungsjahr 1914 in Einnahme auf 625 324,26 Mk., in Ausgabe auf 619 484,87 Mk., der Kasse der Herberge zur Heimat für das Rechnungsjahr 1914 in Einnahme und Ausgabe auf 5265,96 Mk. festzustellen und zu entlaste::: den Kreis Haushaltsplan für das Rechnungsjahr 1916

in Einnahme und Ausgabe auf 873 500 Mk., den Haushaltsplan der Herberge zur Heirnat für das Rechnungsjahr 1916 in Ein­nahme und Ausgabe auf 4700 Mk. festzustellei:; der Handels­kammer für den Kreis Wetzlar die bisher gezahlte Beihilfe von 1000 Mk. auch für das Rechnungsjahr 1916 zu bewilligen: die Pauschalvercrütung für Untersuchungen in dem staatlichen Medi­zinaluntersuchungsamt zu Koblenz auch für das Rechnungsjahr 1916 zu zahlen. i

Hessen-Nassau.

0 Fronhausen, 22. Juli. Bei dein gestrigen Gewitter fuhr ein sog. kalter Schlag in das Wohnhatls des Bahnarbeiters H o ß, z e r t r ü m in e r t c das Dach und richtete auch sonst großen Schaden an.

[] Marburg, 22. Juli. Heute früh fand ein Bahnwärter in der Nähe von Sarnau bei seinem Strcckenbegat:g auf dem Schienetiwege ein neugeborenes Kind. Der Mann fuhr mit dem nächsten Zuge hierher und brachte feinen Fund in die Uni­versitäts-Frauenklinik zur Aufnahme in das Sänglingsheint.

][ Marburg, 21. Juli. Ein Gerücht, daß in den Kellern des Landgrafenschlosses aus früherer Zeit. stammende herrenlose Weinvorräte lagetten, veranlaßtc eine Anzahl jimge Burschen, dieser Sache auf den Grund zu gehen. Sie gerieten dabei in den Weinkeller eines hiesigen Einwohners und benutzten die Geleg enhett, sich bei mehreren Besuchen dort an dem Weine gütlich zu tun. Die heimlichen. Zecher hatten auch garster:: wieder eine Zusammenkunft und zwar diesmal nicht im Burgkeller sondern im Gerichtssaal, wo sie über chr T:mr Auskunft geben mußten. Der Hauptübeltäter er­hielt einen Tag Gefängnis, fünf kamen n:it einem Verweis davon und drei erzielten Freisprechung.> Auf Veranlassirng des Kauf­männischen Verein werdeU von: Montag, den 24. Juli ab bis zum 30. November die offenen Verkaufs st ellen, mtt Ausnahme Sonnabends, um 71/ 2 Uhr geschlossen.

hl. Treysa, 22. Juli. Die Metzger hier haben aus freien Stücken den Kalbfleischpreis um 30 Pfg., auf 1,50 Mark, herabgesetzt.

Frankfurt a. M., 21. Juli. Mit Unterstützung des Kriegsministeriums findet im Holzhanseupark von Mitte August eine Kriegsaus st ellung größeren Utnfanges statt. Die Rein­einnahmen sind für das Rote Krem», das Veranstalterin der Aus­stellung ist, bestimmt. Der Frankfurter KriegshilfSverein für den Kreis Lätzen überwies dem Institut für ostpreußische Wirt­schaft in Königsberg 8000 Mk.

X H a >i a n, 22. Jiili. Auf dem Main bei Dietesheim ging das vom Obermain kommende, mit 5000 Zentnern Bohnen be^ ladene SchiffM a i n g o l 5" unter. Der entstandene Schaden ist beträchtlich, da ein Teil der kostbaren Ladung verloren sein dürfte. Baggerinascbinen finb daran, die Bohnen aus dem Schiff zu baggern. (Zens. Frkft. a. M)

g. Fulda, 22. Juli. Der 18 jährige Bahnarbeiter M i h m aus dem ^benachbarten Rhöndorfe Hofbieber fuhr gestern in einem rasenden Tempo mit seinem Fahrrad eine steile Böschung hinab. Er kam hierbei zu Fall und flog in hohem Bogen auf die Hörner eines im Gespann entgegenkommenden Ochsen. Der Be­dauernswerte wurde a u f g c s p i e ß t und verschied nach kurzer Zeit.

g. Melsunge n a. d. Fulda, 21. Juli. In einer unweit der Stadt befiiidlichen Lehmgrlibe wurden gestern der 40jährige Fahr­bursche Riemenschneider tnid ein Weißbinderlehrling von hier beim Herausschaufeln des Lehms durch eine plötzlicü einstürzende Lehm- w a ii d v e r s ch ü t t e t. Während der Lehrling mit qcrinqeit Ver­letzungen davon kam, erlitt Riemenschneider eine schwere Kops- verlctzimg und fand deii Erstickungstod. Er war verheiratet und hinterläßt eine Witwe und sechs unmündige Kiiider.

oz. Berfa, 22. Juli. Von ;ben Schülern der hiesigen Schicke wurde Kriegstee gesammelt, bestehend.aus Heidclbeer-, Brom­beer-, Himbeer- und Erdbeerblättcrn, sowie Waldmeister. Die sorg­fältig getrockneten Blätter ergaben die schöne Meinte von 54 Pfund, die in 5 Säcken an die Firma Schneider u. Gottfried in Kassel ein gesandt wurden. Tie Firma zahlte den fleißigen Sammlern pro Pfund 30 Psg., in Summa 16,20 Mark.

was Dr. heim in Berlin erlebte.

Der bayerische Bauernführer Dr. Heim hat au Herrn von Batocki einen mit dem Untertitel:Quo usgue tandem" ver­sehenen Attikel gerichtet, dem folgende Einzelheiten zu entnehmen sind:

Ich war im Laufe der Kriegsjahre wiederholt in Berlin. Ich ttank in meinem Stammkasiee einen Kaffee nicht mtt ge­streckter kondensierter Milch wie in München, sondern mit Voll­milch. Ich meine Butterstulle ohne Butterkarte. Mein Nachbar, ein bayer. Stadtoberhaupt, leifttte sich drei 'Eier ohne Eierkarte. Das ist in Bayern die Ration für 1V 3 Wochen. (In Berlin eben­falls. T. Red.) In meinem Stcrmmkaffee in München erhalte ich ein Stückchen Zucker; in Berlin hätte sich n:ein Gaumen, wenn er das Süße liebte, wieder einn:al erfreuen können. Man ißt dann in Berlin Geflügel unb Wild ohne Fleischkarte. Die Stadt Berlin hat fiir sich die Fleischtatte wohl eingeführt,' aber mit weit weniger Einschränkungen als wie Bayer::. Wild und Geflügel ist frei, ebenso eine ganze Reihe von Fleischteilen, Zunge, Kopf­fleisch, Wilrstwaren kann man kaufen ohne Fleischkarte. Dabei ist aber Berlin noch ein Ort strengerer Observanz, dem: im übri­gen Königreich Preuße:: kennt man keine Fleischkarte. Eine ganz eigene Fleischgattung aus den Speisekarten ist iinportierles Fleisch, z. B. Pökelfleisch, angeblich amerikanischer Herkunft. Mlerdings muß man ja'in unserer jetzigen Zeit mtt außerordentlichen tech­nischen Fortschritten rechne::, denn sonst hätte ich in meiner Naivität angenommen, daß dieses Fleisch erst jüngst eingepökelt w:rrde. Selbstverständlich zahlt nran derartig N^either ko mmen de Produkte mit entsprechend höherer Trangabe von Bargeld, und es wäre fast zu vermuten, daß die Umwandlung von inländischem Schweinefleisch in derattige Anslandsprovenienzen, die sich ja rascb vollziehen läßt, für manchen ein lohnendes Geschäft sein könne.

Was kann man in Norddeutschland noch erleben? In Dres­den erhält man Brot mit oder ohne Brotkarte. Ter Unterschied besteht darin, daß das Brot mit Brotkatte 3 Pfg. kostet und schlecht und klein ist. Man erhält aber auch Brot ohne Brvttatte. Da kostet die Semmel 15 Pfg. und ist vorzüglich. Das Ostseebad Binz, Insel Rügen, ladet zum Besuch ein mit dem Bemerken, jeder Kur­gast erhalte ftir die Woche ein Kilo = 1000 Gramm Fleisch. Wenn der Fremde an der Nordgrenze von Bayern an der Rhön, im nächsten preußischen Städtchen, ist, kann er im .Hotel essen, daß er glaubt, es wäre kettr Krieg. Vier Stunden jeusetts der Grenze, im bayerischen Städtchen Bischofsheim, da beginnt die Einschränkung/'

Daß Tium in Berlin nur 200 Gramm Fleisch pro Nase und Woche zugeteilt bekommt, daß n:an Wild und Geflügel hier nur vom Hörensagen kennt, scheint, so bemerkt derLokal-Anzeiger" zu dem Brief, Herr Dr. Heim nicht zu wissen.

Zum Schluß sagt Tr. Heim:Wir haben Einschränkungen aus cfllen Gebieten und haben nicht diesen Ueberfluß, von dem der Norden träumt. Bereits geht dieser Traum in die Brüche. Ein Mitglied des Beirats in Berlin, ein liebenswürdiger Hamburger, hat mir gesagt, daß seine Frau über ihren Sommerausenthalt in Bayern sehr enttäuscht sei und ihm nach Hause berichtet habe, er habe recht gehabt, als er sagte:Bleibe im Lande und ernähre

dich redlich," daß er recht gehabt habe mtt der Bchmrptung, daß man noch eher m Hamburg als in Bayern sich noch etwas ver­schonen:me; und so liegen die Dinge."

vermischte».

* Naumburg a. d. Saale, 21. Juli. (WTB.) Gestern nach- tnittag hat der vor einigen Tagen von dem Landwirt Schöppel entlassene Knecht K a m y f e k dessen Schwester, die Frau dec Schmiedemeisters Priese in Flemmingen, und die Magd Klara Rottau, mit der er ein Liebesverhältnis unterhielt, diirch Beilhiebe anscheinend aus Rache ermordet. Der Mörder ist noch nicht ergriffe»:.

* Was ein Kitchener-Wort wert ist. Der seit einen: Monat zum öffentlichen Verkauf ausgeletzte Brief von Lord Kitchener, in dem er dreihunderttausend Mann für neue Armeen verlangte, ist jetzt, wie dieTimes" melden, endgültig für die Summe von 120 000 Mt., die in die Kaffe des Roten Kreuzes fließt, verkauft worden. Da der Brief imgefähr 70 Wörter enthalt, so wurde jedes Wort von Lord Kitchener mit über 1700 Mk. bezahlt. Die 'letzten Augenblicke der Versteigerung, der ungefähr 50 Leute beiwohnten, wäre:: recht spannend. Es war festgesetzt worden, daß derjenige de,: Brief haben sollte, der am 30. Juni, noch ehe die Uhr sechs schliig, das letzte Angebot machen werde. Fünf Minuten vor 6 war der Brief noch für 60 000 Mk. feil, stieg rasch auf 80 000 und schien sich dann bei 112 000 gn halten, als gerade in dem Augenblick, in bent Uhr zum Schlage 6 ansehte, ein Mr. Harrison rlnter dem großen Beifall der Anwesenden 120 000 Mk. bot. Derglückliche" Be>ltzer des Kitchener-Brieses hat erklärt, daß er dieses geschichtlich interessante Schriftstück der englischen Nation schenken wolle, unb daß es im ganzen Lande, immer zum Besten des Roten Kreuzes, gezeigt werden würde.

Gerichtssaal.

Fc. Wiesbaden, 22. J^li. In der Nacht vom 3. aus 4. April tvurdc aus dem Gehöft des Tircttor Dücker in Niederjosback eine hochträchtigeKuhgestohlen. Der Besitzer hatte eirren Wächtev in dem Stall, doch dieser schlief so fest, baß, als er crns- wachte, der Stall leer war. Dags braus fand bie Gendarmerie die Kuh im nahen Walde abg.es chlachtet vor. Vorbetteil, Haut und das so seh^lichst ermattete Kalb waren da, das ganze Httttettefl jedoch war verschwunden. Der Verdacht lenkte sich sofort mtt Hilfe des Polizeihundes auf den mtt Zuchthaus erheblich vorbestraften Küfer Johann Kvrbay, von diesem auf die Maurer Johann Morgenstern und Peter Widmann alle aus Bremthal. Kein-er von den dreien ist Metzger, es kommt also noch dazu, daß die .Kuh auf ganz brutale Weise von ihnen getötet und zerschnitten nn:rde. Das Uttell lautet: Kordav, der als Anstifter in Betracht kommt und schwer belastet ist. wird sreigesprochen, da sich seine physische Mittäterschaft incht ncnb- weiscn läßt, ähnlich steht es bei Widmann, dagegen gilt Morgenstern üverstihtt als Schlächter und Täter. Wegen schweren Diebstahls wurde auf ein Jahr Gefängnis erkannt.

F. C. Aus Niederhessen, 21. Juli. Wegen Milch­verwässerung wurde die Haushälterin Brüne aus Ober­vellmar iinter Annahme iottgesetzter, vorsätzlicher Nahrungsmittel verfälschiinq zu eint all send Mark Geldstrafe verurteilt. Der Landwirt Regenbogen, in dessen Betrieb sich die Mckchvantschereier ereignet hatten, kam wegen fahrlässiger NahrungSmittelverfälschunc mit einer Geldstrafe von 350 Mk. davon. Die Milch war mil 8 10 Prozent Wasser vermischt.

Sptelplait des Grotzh Nurhavschealers Sad-Narihelm.

Sonntag, den 23. Juli:Der Gatte des Fräuleins." Diontag. den 24. Juli: »Zwei Wappen." Mittwoch, den 26. Juli: »Herr­schaftlicher Diener gesucht." Freitag, den 28. Juki:Unter der

blühenden Linde " (Neuheit!) Ein fröhliches Spiel in 3 Akten von Kästner und Tesmar. Musik von Fr. Geliert. Sonntag, den 30. Jiili:Der Bnrsche des Herrn Oberst."

Spielplan des «öNgi. Rurcheaterr Bad-Ems.

Dieiistag, den 25. Juli: Gastspiel von Mitgttedern des Neuen Theaters Frailksurt a.M.:Die Schulreiterin."Der dritte Kopf." Die Hasenpsote." Samstag, den 29. Juli:Unter der blüherBden Liiide."

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentlicher Wette-rdienA- Gießen Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 23. Juli ISIS:

Heiter, trocken, ivarm.

Letzte Rachricht«.

Ein deutscher Gegenstoß im Westen.

Kopenhagen, 22. Juli.National Tidende" meLdtt aus Patts: Die Deutschen waren aus den neuen gemeinsamen französisch-englischen Angriff gut vorbereitet, der vor- gestenr nachmittag mtt vorbertttendem Attillettejeuer entgleitet wurde. Seit gestern früh, wirkte auch bie Infanterie mtt. T^e!^t- scheffttts kam man dem neuen Vorstoß ber Alliietten zuvor daburch, daß man einen heftigen Angriff gegen den rechten Flügel der Engländer rrchtete. Die Angttffsstelle war Mlßerst klug gewählt, da sich dott die Verbindung zwischen der französischen und englischen Linie befindet. Der Angttff der Deutschen erfolgte nur auf einer Front von zwei Kilometer mit mächtigem Artillettefeuer. Das Ergebnis war, daß bie Eng­länder sich wieder zurückziehen mußten, aber btt Deutschen außer­stande waren, ihren Vormarsch fottzusehen.

Heftiger Artilleriekmnpf bei Mga.

Basel, 22. Juli. Ein Telegramm aus Riga an btt Peters­burger Börsenztttung besagt: Sttt 8 Ulw morgens.ist dtt ganz e ruslsische Front von ttnem heftigen Artillerie- feuer belebt. Die Stadt zittert förmlich.

Die russische Offensive.

Bon der russischen Grenze, 22. Juki. In den letzten Tagen trafen laut Bettchjten von der russischen Front zahlreiche Ersatzformationen aus sibirischen Depots bei den Armee:: Kuropatkins, Ewerts und Brussilows ein. Es haben sich lairt Ausiuf des Kriegsmftttstettums sofort sämtliche noch vor-- haube::ei: Wehrpflichtigen der Jahrgänge 1872, 1873, 1898 unb 1899 an ihren Gestellungsotten einzusinben. Sämtliche Truppen, die in Depots in der Krim und Kaukasien aus gebildet werden, sind zum türkischen Kttegsscharrplatz abgegangen, nur btt tatattschen Formationen wrcrben zum erheblichsten Teil neuerdings zum Krttgs- Ichairplatz in der Bukowina gebracht. Lluch ttr den letzten Kampfe, vornehmlich in der Gegend von Luck und ttn Styr-Abschnitt waren die russischen Verluste toieder ungeheuer. Nach dem AuÄveis der Listen des Zentral-Erkennungsdienstes in Kielv sind neuerdings^ wieder zwei Korpstommcmdeure schwer vettmrndet worden, ferner sind 5 Tivisions- und Bttgadebefehlshaber als tot oder ver-^ wunbet aufgefühtt. Die Zahl der nunmehr gefallenen und vor- wrmdtten Generale ist auf insgesamt 29 geftiegen. Die Lüsten weisen bis zum dlbschluß nrnd 348 800 Mann und Offnere aus.

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