Ausgabe 
13.7.1916 Erstes Blatt
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Jüt>ertteTT, Vre nach dem Unterricht im Fahrstuhl herunter- fahren wollte, wurde getötet. Weitere Opfer gab es nicht. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Eine italienische Munitionsfabrik in die Luft geflogen.

Berlin, 13. Juli. DieBasler Nachrichten" melden nach demBerliner Lokalanzeiger" (ms Mailand, daß die in der italienischen Presse nur ganz kurz erwähnte Explo- sionskatastrophe von Spezia viele Hunderte von Opfern gefordert hat. In Wirklichkeit ist nicht eine Kiste Pulver, sondern eine große Munitionsfabrik in die Luft ge­flogen und von ihren 480 Arbeitern ist kein einziger am Leben geblieben. Außerdem wurden von den am Strande badenden Personen mehr als 300 getötet. Die Beschreibung des Ortes läßt auf Ruggiano bei Spezia schließen.

Schwedische Ausfuhrverbote.

, Sko ck ho l m , 13. Jüli. (WTB. Nichtamtlich.) Tie schwedische Regierung hat ein Ausfuhrverbot für g et rock ne te n u n d ge­räucherten Fisch, Fischtonserven und Tee erlassen.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 12.Juli. (WTB.) Das Hauptquartier teilt mit:

AnderJrakfront keine Veränderung.

Kaukasusfront: Auf dem rechten Flügels kein wichtiges Ereignis. Im Zentrum wiederholte der Feind gestern seine An- . griffe gegen unsere Stellungen südlich des T s ch o r o k, er konnte aber trotz seiner ungeheuren Verluste kein merkliches Ergebnis er­zielen. Südlich des Tschorok örtliche FcuerkäMpfe.

Ter bulgarische Bericht.

Sofia, 12. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bul­garischen Telegraphen-Agentur. Das Hauptquartier berich­tet: In der Lage an der mazedonischen Front ist keine Verände­rung zu verzeichnen. Die schwache beiderseitige Artillerietätigl- keit und häufige Scharmützel zwischen Patrouillen und E.kundungs- abteilungen dauern fort. Am 9. Juli versuchte eine französische Abteilung einen Beobachtungsvosten im Süden des Toiran-Sees anzugreifen. Ter Posten empfing den Feind aus geringer Entser- nrmg mit heftigem Jnfanteriefeuer und Handgranaten und zwang ihn, in Unordnung die Flucht zu ergreifen unter Zurücklassung von vier Toten, vielen Gelvehren, Ausrüstungs- und Bewaffnungs- gegenstäuden. Der Feind ist hartnäckig darauf erpicht, die^Früchte der Arbeit der friedlichen Bevölkerung in dem unteren Tale des Mesto zu zerstören, indem er täglich Brandbomben wirst, um die schon abgemähterr Felder in Brand zu stecken. Infolge der mm uns ergriffenen wirksamen Maßregeln erzielt er aber kein Qtgefmi3. Die von unseren Fliegern entfaltete Erkundungstätig- fest nimmt täglich zu. Sie legen Proben lobenswerter Rührig­keit ab.

Die französische Anleihe in Amerika.

New Dort, 7. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Funkspruch von dem Vertreter des WTB. Die bereits gemeldeten Ver­einbarungen für die 1 00-Mill io n e n- Anleihe (Dollar) bei amerikanischen Bankfirmen für Frantteich sind .Tmtmvefyv tatsächlich zum Abschluß gekommen, Rach den Ab- iinaämtv^m hat die französische Regierung bei einer Zwecks > Dlurchführung der Anleihe gebildeten amerikanischen Ge- j sellschast ein Unterpfand zum Marktwerte von 125 Millionen Dollars zu Hinperlegen. Dieses Unterpfand hat aus Schuld­verschreibungen neutraler Länder zu bestehen, wie Spaniens) der Schweiz, Schwedens, Dänemarks, Norwegens und einiger südanrerikanischer Republiken. Frankreich hat zu allen Zeiten den Marktwert des Unterpfandes fiir die An- beche auf 125 Millionen Dollars aufrechtzuerhalten.

DieDeutschland" in Baltimore.

Köln, 12. JNli. (WTB.) DieKölnische Zeitung" berichtet -Äus Baltimore vom 10. Juli: Nach dem Bericht des Kapitäns .König hat sich dieDeutschland" 10 Tage bei Helgoland anfgehalten und die Reise am 23. Juni angetreten. Das Schiff nahm seinen Weg durch den Kanal. In der Nacht des...vierten Tages tauchte es wegen nebeligen Wetters unter und blieb die ganze Nacht ans'dem Boden des Kanals. Dann fuhr i-es ohne Zwischenfall in den -Ozean hinaus, ohne von seinem Kurs ; äbzuweichen. Bis zu den Azoren legte es nur 150 Kilometer unter ! Wasser zurück. Das Schiff kann von niemand betreten werden; es wird streng betracht.

Bei Lloyds sind viele Anfragen um Farbstoffe zu jedem Preis eingelaufen.

Washington, 11. Jüli. (WTB.) Meldung des Reuter- schen Bureaus. Das Schatzdepartement teilte dem Staatsdeparte­ment mit, daß dieDeutschland" ein unbewaffnetes! Frachtschiff sei, das nicht ohne weitgehende Blenderungen in der Konstruktion für Offensivzwecke verwendet werden könne.

Britische und französische Vorstellungen.

W a s h-im gto n , 12. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung , des Reuterschen Bureaus. Tie britische und die französische Botschaft haben bei dem Staatsdepartement tvegen des Unter- -| seebootesDeutschland" Vo r st e l l u n ge n erhoben. Sie machen geltend, daß ein Unterseeboot, selbst wenn es für Handels- , zwecke gebaut ist, doch potentiell ein Kriegsschiff sei.

Londoii 12. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) DerDaily News" wird aus Washington gemeldet, daß die anrerikanische Regierung die Entscheidung des Zolleinnehmers in Baltimore, daß !dieDeutschland" als ein Handelsschiff zu betrachten sei, vermut­lich nicht ohne weiteres annehmen, sondern eine genauere Unter­suchung anftellen wird. Die Ente n teregieru-n gen müssen - in dieser Sache sehr ernste Beschwerden erhoben habe» ,nnd namentlich Englano soll sich weigern, das U-Boot als Handelsschiff anzuerkennen. England wartet nur die Entscheidung des Staatssekretärs Lansing ab, ehe es weitere Schritte in dieser Angelegenheit tut. Bon Seiten der Entente wird geltend gemacht, daß das U-Boot, wenn es irgendwie bewaffnet ist. vor den gewöhnlichen Handelsschiffen den Vorteil voraus hat, daß es tauchen, in der Nähe eines feindlichen Schiffes an die Ober­fläche kommen und es ohne Warnung versenken kann.

Englische Aeußerungen über die Fahrt derDeutschland".

DieTimes" enthält einen 'kurzen Leitaussatz über das Er­eignis, das sie als interessant bezeichnet, jedoch fürs erste mehr als geeignet, den Rechtskundigen und Diplomaten Stoff zu geben, als den Kausleuten und Reedern. Das Blatt erwartet nicht, daß ein voller Bericht über die Reise herausgegeben werden werde. Es beschäftigt sich alsdann mit den vorliegenden, einander noch widersprendenden Einzelheiten der Fahrt und hebt besonders her­vor, daß dieDeutschland" ein eigenhändiges Schreiben des Kaisers an den Präsidenten Wilson überreicht habe, wovon in dem Telegramm des Washingtoner Berichterstatters der Kölnischen Zeitung allerdings keine Rede sei. Weiter legt dieTimes" an­scheinend Gewicht daraus, daß eine Anzahl Reisende, deren Name und Ziel nicht angegeben würden, aut derDeutschland" ein- getroifen seien. Die Deutschen in den Vereinigter: Staaten, erwähnt auch der New Porter Berichterstatter dieses Blattes, legten Gewicht daraut, daß das Tauchboot als Kauffahrteischiff und nicht anders behandelt werde. Gras Bernstorfs habe erklärt, in der ganzen Sachte 'habe er nur düsen Punkt int Auge zu behalten. Tie Times»" bemerkt dazu, .die Anerkennung des Verhältnisses als Kauffahrteischiff dürfte sich als unmöglich erweisen, wenn man der Sache näher ans den tKrurw gehe und die Folgen erwähne, die sich aus irriger Entscheidung ergebe:: könnten. Auch ivenn der Anspruchs des Tauchbsotes aus Behandlung als Kauffahrteischiff nach nutzen bestehe, dürfe man nicht gläd) annehmen, daß die

ganze Frage gelöst sei. Es sei allgemein bekannt, daß heutzutage auch gewöhnlichste Lnriendampfer binnen kürzeper Zeit in Kttiegs- schifse umgewandelt wetten könnten. Schließlich inacht das Blatt die Ansicht des englischer: Bölkerrechtslehrers Holland geltend, der daraus verweist, daß es sich um eine derzahlreichen geschickten britenfeindlicher: Erfindungen handle"; dies dürfe man der den kommenden Erörterungen nicht vergessen.

TieDaily Mail" sucht den Eindruck von der Fahrt der Deutschland" insofern zu dämpfen, als sie tzervorhebt, daß, eine Anzahl britischer Unterseeboote, die in Kanada erbaut worden seien, mit Bemannungen von der britischen Flotte in den ersten Zeiten des Krieges durch den Atlantischen Ozean gefahren seien. Aller­dings sei dieDeutschland" das erste <xhifs seiner Art, das mit einer Güterladung eine Ozeanreise vollbracht I-abe. Sie dürfe als spar Ansatz zu künftigen Unterseelinien von Kaussahrtei- schiffe gelten. Zunächst komme sie hauptsächlich als eine Selbst- anzeignng für Deutschland in Betracht. Sie erscheine geeignet, die Aufmerksamkeit des deutschen Volkes von unangenehmen heimischen Angelegenheiten abzulenken. Immerhin müsse man im Auge be­halten, daß es sich um mehr als ein einfaches Ereignis handle. Man dürfe die Suche nicht verkleinern. Ter Fall sei demjenigen des Fliegers Bleriot, der im Juli 1909 über den Kanal flog, zu vergleichen. So wie diese Tatsache eine neue Wendung bedeutet habe, fei auch die Fahrt derDeutschland" geeignet, die Tinge für die Zukunft zu bestimmen. Tie Spötter behielten Unrecht gegen Bleriot, als sie behaupteten, die Menschheit würde die Frage des Schwerpunktes in der Lust niemals lösen. Trotzdem sei man jetzt dahin gelangt, daß jeder Heerführer suche, die Herrschaft in der Luft zu gewinnen. Es sei außer Frage^daß, so wie Deutsch­land gezwungen worden sei, eine Art von Schiffen zu verwenden, die gewiß zweimal so teuer zu stehen komme und wahrscheinlich dreimal so langsam fahre, wie ein gewöhnlicher Ueberseedampfer, die Leistung keinen beträchtlichen 'wirtschaftlichen Wert darbiete. England sei nicht genötigt gewesen, zu einem solchen Hilfsinittel zu greifen. Weiter beschäftigt sich das Blatt mit einigen Einzel­heiten. Es behauptet, wohl sei es möglich, Wertpapiere und Farb­stoffe unter See zu befördern. Indes müsse die Angabe, daß die Teritschland" 1000 Tonnen Ware ansnehmen könne, erst nach- geprüft werden. Wenn jedoch Tauchboote in genügender Zahl und Umfang gebaut würden, was sehr wohl möglich sei, so liege auf der Hand, daß sie den Verkehr trotz aller Seesperre durchführen könnten, wenn auch in kostspieliger Weise. , Damit würde der Wert der Seegeltnng zum guten Teil ausgeglichen. Freilich ließen sich wohl Mittel finden, um solche Schiffe zu bekämpfen, indes sei dies bis jetzt noch nicht mittels anderer Unterseeboote möglich gewesen, und den Uebersecbooten entkämen Tauchboote mit Leichtigkeit. In einigen Jahren könnte wohl ein Tauchboot von beliebiger Größe jede. Fahrt unternehmen. In dem gegenwärtigen Kriege aber ließen sich, die Tauchboote bewältigen, weil sie an bestimmte Raumgrenzen gebunden seien, in denen die kleinen britischen Kriegssahrzeuge sich gegen Tauchboote betätigen könnten. Anders würden die Tinge sich gestalten, wenn der Krieg unter See nach fernen Meeren hingezogen würde. Wenn eine kleine Macht in der Folge Deutschlands Beispiel nachahme, wiirde sie eine furchtbare Waffe in der Hand 1>aben. So wie die Entwicklung der Luftfahrt die Sicherheit des Landes verminderte, habe der Fortschritt des Tauchbootes sie aus dem Meere beschnitten.

Berlin, 12. Juli. sWTB.) Reichstagspräsident Tr. Kämpf hat an Herrn Alfred Lohmann, den Vorsitzenden des Ausfichtsrates der Deutschen Ozean-Reederei, Bremen, folgendes Glückwunschlelegramm gerichtet:

__ Sie und Ihre Gesellschaft haben einen grpßen Erfolg errungen. Durch den Bau und die kühne Fahrt des ersten deutschen Han­dels-Unterseebootes nach Amerika ist dem Vaterland und der ganzen neutralen Welt ein unermeßlicher Dienst geleistet. Deutsche Technik und deutscher Wagemut feiern einen bahnbrechen­den Triumph. Herzlichen Tank. Bewunderung und Anerkennung zollt Ihnen und den kühnen Offizieren und Mannschaften Ihrer Handelsflotte das ganze Volk. Tr. Kämpf, Reichslagspräsident.

ve? seckrieg.

Tauchbooterfolge im Juni.

Berlin, 12. Juli. (WTB. Amtlich.) Im Monat Juni wuröen 61 feindliche Handelsschiffe mit rund 101 000 Bruttoregistertonuen durch Unterseeboote der Mittelmächte versenkt, oder sind durch Minen verloren gegangen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

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Haag, 12. Juli, (zs.) Reuter meldet aus London offiziell: Um Vs 11 Uhr erschien gestern ein deutsches Tauchboot vor dem kleinen unbefestigten Hafen Seaham (Grafschaft Turham) rmd feuerte aus einige 100 Meter Abstand 3*0 Sch ü s s e° ab. Eine Frau wurde schwer verwundet und starb heute morgen, während ein Haus durch eine Granate getroffen wurde. Im übrigen keine Verluste und kein Schaden.

London, 12.Juli. lWTB.) Lloyds Agentur meldet: Das FischerbootSlaffa" ist durch ein deutsches Unterseeboot ver­senkt worden. Die Besatzung wurde gerettet.

Kristiania, 12.Juli. (WTB.) Meldung des Ritzanschen Bureaus. Der de u t s ch e T a m p f e r ,.A n n e L i e s e" ist gestern nachmittag hier angekommen. Der Kapitän erzählte, daß der Dampfer vorgestern in den schwedischen Territorialgewässern von einem englischen Unterseeboot verfolgt worden ist, wel­ches signalisierte, der Dampfer sollte nmkehren, da es sonst schießen ivürde. Da dieAnne Liese" zrvischen zwei schwedische Inseln geriet, gab das Unterseeboot die Verfolgung auf und kehrte um, ohne ge­schossen zu haben.

Stockholm, 12. Juli. (WTB.) Wie die Blätter aus SKellestia melden, hat die Wegnahm'e der deutschen Dampfer Lissabon" undWnrrns" aus schwedischem See­gebiete stvttgefimden. Vergangene Nacht halb 1 Uhr zeigten sich zwei russische Torpedoboote mittlerer Größe.'Es wurde ein Schuß abgegeben. DieLissabon" erhielt Befehl, ostwärts zu ltenern. Der Käptdän derLissabon" machte energisch daraus aufmerksam, daß der Dampfer sich weit innerhalb der schwedischer: Hoheitsgrenze befand. Die Russen nahmen aber von dem Einspruch keine Notiz. DieWorms" erhielt ebenfalls den Befehl, ostwärts zu steuern. Die Besatzungen der beiden Dampfer mußten in die Boote gehen, ohne ihr Eigentum mitnehmen zu können. Das größte vor: den zwei Booten derWorms", in welchem sich 24 Mann be­fanden, verschwand; es ist wahrscheinlich von den Russen ausgehalten worden. Tie übrigen Boote nmrden von den Torpedobooten be­schossen, doch« niemand verletzt. Die Mannschaften sind in DLlleftta eingetrofsen.

. Die po!M Spaniens.

Bern, 12. Juli. >WTB. Nichtamtlich.) Ter Madrider Be­richterstatter derHnmanite" hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Graf Romanones. Einleitend sagt der Be­richterstatter: Außer der sehr schweren wirtschaftlichen Krise infolge der Teuerung und der beunruhigenden Mißstiminnng in der.Arbeiterschaft machen die Agitation der katalornsch-nationa­listischer: Partei sowie gewisse Schwierigkeiten internationaler Art der Regierung ernste Sorgen, lieber Spamiens Neutrali- t ä t sagte Romaniynes, sie stehe außerhalb jeder Debatte. Selbst wenn wir aus ihr l-eranstreten wollten, würden wir nicht können, denn die innere Lage des Landes sowie Fragen anderer' Art, die sofortige Lösung erheischen, würden uns daran ländern. Ich bin vor: der Notwendigkeit unserer Neutralität so überzeugt, daß ich keinen Augenblick im Amte bliebe, lvenn die Politik meines Kabi­netts sie in Gefahr brächte." Tie Beziehungen zu Portugal bezeich- nete Romanoncs als vertrauensvoll und von größter Herzlichkeit, ebenso betonte er in den marokkanischen Fragen die hohe Freund­schaft m den spanffch-sranzoseschen Beziehungen..

Aus dem Reiche.

Die Regelung der Ernährungsfragen.

Berlin, 12. Juli. Der Verrat des Kr:egs- ernährn n gs a m t es ist gestern in: Reichstag zu seiner ersten Sitzung zusammeugetteten. Der erste Gegenstand, der ihn beschäftigte, bettas die einheitliche Verteilung der Butter, Fett- und Oeibestände durch das ganze-Reich. Ein­stimmig wurde die Einführung einer Reichsbntter- t arte verlangt; soweit s:ch übersehen läßt, sollen ungefähr vom September ab für jede Person in der Woche 90 Gramm Bretter, Margarine oder Speisefett in Bettacht kommen. Der Erzeugerpreis für Kartoffeln wird voraussichtlich auf Grund der Besprechungen d<?s Beirats vor: 2.85 Mk. auf 4 Mk. heraufgesetzt werden. Es ist weiter in Aussicht genom­men, auch die Verteilung der Eier einheitlich zu gestalten, irwem durch Ausgabe von Eierkarten jede Person zwei Eier die Woche erhalten soll. (Frkf. Ztg.)

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Berlin, 13. Juli. Nach dem BerlinerLokalanz." hielt der Frauen bei rat des Krieasernährnngs- amtes, der von Exzellenz v. Batocki berufen worden ist, gestern seine erste Sitzung ab. Es wurde den Damen ein Bericht über die bisherige Tättgkeit des Kriegsernäh-rungs-- amtes erstattet, dem eine Besprechung folgte. Es wurde auch beschlossen, ein besonderes S e k r e t a r i a t zu er­richten, daß eine ständige Verbindung zwischen dem Kriegs­ernährungsamt und dem Frauenbeirat aewährleisten soll.

Berlin, 12. Juli. (Priv.-Tel.) DasBerl. Tagebl." meldet aus Stuttgart: Geger: den Kriminalkommissar für politische Angelegenheiten bei der hiesigen Polizeidirektion ist heute nacht gegen 1 llhr ein Revolverattentat verübt worden, das aber rnißglückte. Der Täter ist nach Zurücklassung der Schußwaffe entkommen.

A«S Stadt und Cand.

Gießen, 13. Juli 1916.

** Von der Goldankaufs st eile ivird uns ge- schrieben: Wie schon früher bekanntgegeben, ist in Aussicht genommen, jedem Einlieferer von Goldgegenständen.im Werte von 5 Mark eine eiserne Erinnerungsplakette zu überlassen. Mit der .Herstellung dieser Medaillen ist be­gonnen, sie nimmt jedoch bei der großen Zahl, die zur Ver­sorgung aller Goldanlcnlssstellen erforderlich wird, natnr- gemäß längere Zeit in Anspritch. Zuni erstenmal ist jetz^ der hiesigen Goldankaufsstelle eine kleine Anzahl davon zu­gegangen,.die jedoch bei iveitem nicht ausreicht, um allen Personen, die bereits Gold ein geliefert haben, die Plakette auszuhändigen. Es steht zu hoffen, daß weitere Sendungen bald eintteffen. Diejenigen Einlieferer von Goldgegenstän- den, die daher die Plakette bis jetzt noch nicht bekommen konnten, werden gebeten, sich noch ttrrze Zeit zu gedulden.- Die Nachlieferung erfolgt sobald als möglich.

** Die Butterversorgung im Großherzog- tum Hess en. Tie Land esvert eilungs stelle für Butter in Tarmftadt hat die Versorgung der Bevötternffg des Großherzogtums mit Butter insoweit einheitlich zu regeln, als eine Verteilung der in: Großherzogtum her- gestellten und der von außerhalb eingeführten Butter auf die Bedarfs gemeinden erfolgt. Unter Bedarfsgemeinden find, wie dieTarrnst. Ztg." schreibt, solche zu. verstehen, die sich nicht selbst mit Lutter versorgen können. Es sind dies gegenwärtig 102 Gemeinden mit rund 650 000 Ein­wohnern. Unter diesen befinden sich nur rund 62 000 Per­sonen, die sich durch Selbsterzeugung oder ans sonstige Werse mit Butter versehen können, so daß sich die Zahl der Bersor- gungsberechtigteil auf rund 588 000 beläuft. Wollte die Landesverteilungsstelle jeder dieser Personer: nur Vs Pfund Butter wöchentlich zuweisen, so müßte sie über 735 Zentner Butter wöchentlich verfügen. Sie erhält nun von der Reichs­stelle, der Zenttal-Einkanfsgesellschaft in Berlin, 370 Zentner und kann außerdem aus 250 Zentner rech­nen, die ihr die hessischen Molkereien nach den rlenesten Reichsbestimmnngen zu liefern haben (50 Proz. ihrer Bnttererzeugung). Dem Wochenbedarf von 735 Zentnern steht also eine Buttermenge von nur 620^ent- nern gegenüber; es fehlen demnach 115 Zentner wöchentlich Daraus folgt, daß es, wenn die zu Gebote stehenden Bntter- mengen gleichmäßig auf die Versorgungsberechtigten verteilt wiirden, nicht möglich wäre, jeder Person V 8 Pfund Butter wöchentlich oder % Pfund monatlich zuzuweisen. Noch ungünstiger würde sich die Verteilung gestaltet:, wenn sich die Zahl der Bcdarfsgenteinden vermehrte. Die Landes­verteilungsstelle muß deshalb jede weitere Llusnahme von Gemeinden in ihre Bedarfsregelung ablehnen, sofern nicht! ganz triftige Gründe für die Aufnahme geltend gemacht werdei: können. Die Landbutter ist bis jetzt nock) nicht zur Bedarfsregelung mit herangezögen worden. Es wird sich jedoch auch hierfür ein Weg finden lassen, der für Erzeuger lind Verbraucher gangbar ist. Solange dies nicht geschehe:: ist, ist es auch nicht möglich, die Molkereien zu veranlassen, mehr als die 5)älfte ihrer Erzeugung, wie gesetzlich vorge­schrieben, der Landesverteilungsstelle zur Verfügung zu stellen.^ Die Verteilung der übrigen Speisefette (Marga­rine, Schweir:eschmalz, Speisefette und Speiseöle) erfolgt durch die -Einkaufsgesellschast für das Großherzogtum Hessen in Mainz.

** Ausstellung der Kriegsbeschädigten- Fürsorge Gießen. Der Kreis- und Ortsausschuß» Gießen für die Kriegsbeschüdigten-Fürsorge, an dessen Spitze Oberbürgermeister Keller steht, hat im vergangenen Jahre Werkstätteneinrichtungen und ilnterrichtsgelegenheiten für die Weiterbildung und Umschulung Kriegsbeschädigter ein-> gerichtet. Diese llnterrichtsgelegenheiten sind seit Mnfang Dezember im neuen Gewerbehanse. Kirchsttaße lb, in Be­trieb und haben in der kurzen Zeit schon sehr erfreulick-e Er­gebnisse gezeitigt. Um allen Kreisen einen Einblick in die Tätigkeit der Fürsorge zu geben, ist, wie wir schon berichte­ten, im rrenen Gewerbehause eine kleine Ausstellung von Arbeiten der Kriegsbeschädigten veranstaltet, die Sonntags vor: 116 Uhr, Werktags von 912 urtd 36 Uhr unent­geltlich geöffnet ist. Die Ausstellung umfaßt zwei Gruppen von Arbeiten: solck>e die die Weitcrblldunq im früheren Be­ruf, besonders durch theoretische Fortbildung, namentlich Zeichner:, zeigen, und solche, die beim Neuer lerne:: eines! Berufes von den Unterrichtsteilnehmern hergestellt worden sind. Es sind recht gefällige Gegenstände entstanden, die es sich wohl verlohnt, anzusehen, meist Gebrauchsgegenstände: Körbe, Kästen, eisengedrehte Leuchter, Briefbeschwerer usw. Dinge, die käuflich und zu:n großen Teile schon verkauft sind. Spatcmstiele und Rechen wer-den sogar in kleineren Lieferungen für hiesige Firmen angesertigt, wodurch sich die Arbeiten der Kriegsbeschädigter: auch bezahlt machen. Wenn auch nur im Reberrerwerb der eine oder aüdere Teilnehmer für sich Nützliches basteln lernte, so wäre schon viel Gutes erreicht. Die Bestrebungen der Kriegsbeschüdigten-Fürsorge gehen aber weiter, geben den Teilnehmer:: die theoretische