Ausgabe 
12.7.1916 Erstes Blatt
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Nr. M

Der L«-ech«

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Erster Blatt 166. Jahrgang § Mittwoch, 12. Juli 1916

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Hotatt<m$6nj<! imtz Verlag der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Sejchaftsftelle und Druckerei: Schuistr. 7.

Bezugspreis: monatl. 90 Pf., viertel- jährl. Mt. 2.65'. durch Abhole- u. Zweigstellen n'.onatl. 80 Pf.: durch diePost Mt.2.45 viertel- jährl. ausschl. Be stetig. Zeileilpreis: lotallöPf., austv. 20 Pf. Haupt- jchriftleiter: Aug. Goey. Verantwortlich für den politischen Teil und das Heuilletou: Aug.'Goetz; für Stadt und Lanh Derunschtes und Ge- richtssaal: Fr.R.Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich m Gießen,

Siegreiche Abwehr in West und Ost.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 11. Juli. (Amtlich.)

Weftlicher Kriegsschauplatz.

Zwischen Aucre und Somme setzten die Engländer nach- mittags und nachts starke Kräfte zum Angriff in breiter Front beiderseits der Straße BapaumeAl­bert an. Nordwestlich der Straße wurden sie zusammen- geschoffen, ehe es zum Nab lamp f kam. Oestlich der Straße entspannen sich heftige Kämpfe im Südrande des Dorfes Contalmaison und des Waldes von Mametz. Die wiederbnften Versuche des Feindes, das Wäldchen von Tro- neS wieder in die Hand zu bekommen, scheiterten un­ter großen blutigen V c r l n st c n für ihn und un­ter Einbuße von etwa hundert Gefangenen. Südlich der Somme ttuirifc der Ansturm von Negerfranzosen ge­gen die Hohe von La Mai so nette mit überwältigendem Feuer empfangen. Einzelne Neger, die bis zu unseren Linien vordrangcn. fielen unter den deutschen Baionetten oder wur­den gefangen genommen. Bei dem gestern berichteten Gegen­angriff auf Barleur blieben fünf Offiziere, einhundertsieden- undvierzjg Mann gefangen in unserer Hand. T\c Artil­lerietätigkeit war im ganzen Kampfabschnitt bedeutend. Unser Sperrfeuer unterband alle Angriftsabsichten des Feindes zwischen Bellon und Soyecourt.

Im Maosgcbiet fanden sehr lebhafte Artilleriekämpfe

stark.

Auf der übrigen Front stellenweise gesteigertes Feuer und mehrere ergebnislose feindliche Gasangriffe. Patrouil­len und Erkundungsabteilungen unserer Gegner zeigten große Rührigkeit: sie wurden überall abgewiesen.

Bei Leintrey (Lothringen) drang-eine deutsche Abtei­jung nach umfangreicher Sprengung in die stark beschädigte französisch? Stellung ein und nahm sechzig Mann gefangen, südlich von Lussc wurden von einer Patrouille Gefangene eingebracht.

*

Bei sehr reger Fliegertätigkeit ist es zu zahl­reichen Luftgefechten gekommen, in denen der Feind an der Somme und westlich von Pouziers ie zwei Flugzeuge verlor. Außerdem ist ein englischer Doppeldecker bei Coureelette (an der Straße BapnumeAlbert) durch Abwehrfeuer herun­tergeholt.

Oeftlicher Kriegsschauplatz.

An der Front von der Küste bis P i n s f keine beson­deren Ereignisse.

Bei Pinsk Ruhe. Die russische Veröffentlichung über v,e Räumung der Stadt ist frei erfunden.

Gegen die Stochodlinie lief der Gegner an vielen Stellen vergeblich an. mit stärkeren Kräften bei Czerewiszcze. Hulewicze, Korspni. Janowka und beiderseits der Bahn Ko- wel-Rowno. Bei Hulewicze wurde er durch kräftigen GegenstoßüberseineStellunghinauszurück- geworfen. Er büßte in diesen Kämpfen über siGben- hundert Gefangene und drei Maschinengewehre ein.

*

Unsere Fliegergeschwader haben Truppenaus- ladungen bei Horodzieia (Straße BaraiwwitschiMinsk) ausgiebig mit Bomben belegt und ihre Angriffe auf russische Unterkunftsorte östlich des Stochod wiederholt. Im Luft- famps wurde \t ein feindliches Flugzeug bei Worontscha «westlich von Zinn) und westlich Okonsk abgeschossen.

Bei der

Armee des Generals Grafen von Bothmer hatte ein Jagdkommando ein g ü n st i g e s G c f e ch t südlich des Waldes von Burkanow und hat einige Dutzend Ge­fangene cingebracht.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

* * . *

V 4 *

..Der Kn eg hat auch seine Ehre, der Beherrscher des Menschengeschlechts"; er entfesselt zwar unermeßliche Trauer, zahllose Klagen und verdüstert uns das Lebeil mit ewigen, bitteren Wahrheiten - - aber er verwandelt doch auch das Bild unseres Strebens und erhebt uns auf die Gipfel un­seres Könnens. Wie viel hat uns der Krieg gelehrt! Er hat das deutsche Volkstum neu geschmiedet. Das wäre noch kein vollgültiger Trost für all das vergossene Blut, für die in Schutt und Staub erstickten höchsten Lebensrechte, wenn er nicht gerade uns Deutschen zu einem Offenbarer gewor­den wäre. Ungerufen, von unserem Kaiser und seinen Räten mit aller Sorgfalt gemieden, ist er über uns hereingebrochen, so daß uns ein Grauen übersiel bei der Durchmusterung der uns feindlichen Welt. Dann aber wurde der Bann der Sorge, der auf uns gelastet hatte, gebrochen. Wir crfochteit un­geahnte Siege. Die politischen und philosophischen Sitten­prediger. die in den Vorjahren eine Fäulnis an unserer Kultur hatten r'vahrnehmen wollen, wurden eines Besseren belehrt. Von einigen welken Blättern abgesehen, hatte der deutsche Baum gesunde Wurzeln. Er entfaltete sich zu

vollem Wachstum und Gedeihen: vom Sturme durchschüttelt sielen die weifen Blätter ab, und Früchte reiften, wie nie zuvor in Friedensjahren. Treue und Tüchtigkeit des Volkes .stellten sich an die Seite genialen, sicheren Führungsgeistes, wir lernten Männer kennen, be^ bereit Namen uns das Herz höher schlägt: H'.ndenburg, Falkenhayir, Mackensen, um nur tvcnige'zu trennen. Aber auch aus der weniger ausgezeich­neten Masse des Volkes heraus erwuchsen uns Männer und Geister, von unvergeßlichem Ruhm gekrönt: das waren die kühnen Führer unserer Unterseeboote, unserer Luftschiffe und Flugzeuge. Deutschland übernahm in diesem Kriege die füh­rende Rolle itl der Anwendung und Vervollkommnung'aller Technik. Der deutsche Gcist^triumphiertc über die Eitelkeit und deil alteingcwurzelten <-tolz der.Großen Nation" und Altenglands; der dicke Lügennebel, der um uns verbreitet ivurde, lichtete sich allmählich und zeigte Deutschland im Glanze^ der vollen Wahrheit, seiner Macht und Fähigkeit. Neue Freunde gewannen wir. meint auch vererbte Jnteressen- rechnungen und zehrender Neid unseren Gegnern immer noch die Mehrheit der Menschheit ins Lager führten. Deutscher Erfindungsgeist triumphierte. Wir wußten zu organisieren, verborgeite Hilfsquellen zu eröffnen. Das von fast allen G<."- .e n her überfallene Land drang mit Proben feiner Kühn­heit, mit Wundern seiner Unternehmungskrast trotz Albions Flottenmacht weit über die Meere. Unsere Unterseeboote un­terstützten und begeisterten die osmanischen Bundesgenossen. Welche Enttäuschungen aber überfielen das in seiner Meeres­abgeschlossenheit sich so sicher fühlende feindliche Jnselland! Im Wasser und in der Luft wußten wir es zu treffen, seine zahlenmäßige Uebermacht mußte uns die Siege überlassen.

Und in zuneh-mendem Maße verstummen draußen die nrißgünstigen Neutralen, langsam erstehen uns die Bewun­derer in der Welt. Das ist das Wichtigste für uns. Wir wollen !üns nicht iki eigenem Rühme sonnen, sondern die Stimme der Gerechtigkeit erwecken. Der herrlichen Fahrt eines deutschen Tauchbootes nach Cartagena ist die Ankunft eines deutschen U-Bootes in Baltimore gefolgt. Ein neues An klopfen bei Amerika, wo schon die kühnen Fahrer auf derAppam" Erstaunen hervorgernfen hatten. Und wir kommen Herrn Wilson diesmal wirklrch mit dem schönsten Friedenszweig! Der Kapitän König erklärt dem Hafen- konrmandanten, daß er und sein Schiff gekommen sei, um mit Amerika Handel zu treiben! Ein schönes, die Seele bewegendes Wort, und ein feiner Humor obendrein. Alle Welt feiert diese deutsche Tat.

Wir aber wollen uns freuen darüber mitten in diesem grausamen Kriege. Denn wir glauben die Welt heute schon überzeugt zu haben, daß ein Volk wie das deutsche sich seine Zukunft selber baut, daß die alten Schranken, die uns ein- engen sollten, nicht mehr gehalten werden können.

* * *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 11. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautvart: 11. Juli 1916.

R u f f i f ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

In der B u k o w i n a keine besonderen Ereignisse.

Bei Zabie am Czeremosz wiesen unsere Truppen russische Vorstöße zurück. Weiter nördlich bis an den oberen Stochod dauert, von erfolgreichen Unternehmungen unserer Jagdkommandos bei Burkanow abgesehen, die Kampf­pause an.

Bei Sokul brachen überlegene russische Angriffe vor unseren Hindernissen zusammen Vergeblich bemühte sich der Feind, seine zurückflutenden Massen durch das Feuer seiner Geschütze und Maschinengewehre zum Stehen zu bringen.

Bei Hulewicze am Stochod wurde der Gegner durch deutsche und österreichisch-ungarische Kräfte nach erbitterten und wechselvollen Kämpfen geworfen. Auch verschiedene an­dere Vorstöße, die der Feind im Stochod-Gebiet unternahm scheiterten völlig.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Gestern fanden keine Jnfanteriekämpfe von Bedeutung statt. Zahlreiche feindliche Uederläufer bestätigen die beson­ders schweren Verluste der Italiener bei ihren Angriffen im Raume östlich der Eima Dieci.

Unsere Seeflugzenge belegten militärische Anlagen und den Bahnhof von Latisana ausgiebig mit Bomben, dic mehrere große Brände verursachten. Feindliche Flieger war­fen in den Judicarien auf Tionc Bomben ab.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Außer zeitweiligem Geplänkel an der uklteren Bojuse nichts von Belang.

Der Stellvertreter des Ehefs des Generalstabs v. Hofer, Feldmarschallcutnant.

Der französische Bericht.

Paris, 10. Juli. 3 Uhr nachmittags. Südlich der So mmt haben die Franzosen in Fortsetzung ihrer Erfolge cm Lause der Nacht in der Gcgerä) von Barteux eine Schüyengrabenliniq zwischen diesem Tors intt> dem Weiler Maisonnette getrommen. Dic Zahl der in diesem Abschnitt gestern unb im Verlauf der Nackt gemachten irnvcrwundeten Gefangenen beträgt 930. Nörd­lich der Somme ruhige Nacht. In der Champagne gelangen zwei Handstreiche südöstlich unb westlich von Ta hur e. Die Franzosen nahmen außerdem deutsche Schützengräben im Westen der Butte de Mesnil, bauten sie aus einer Front von 500 Meter ans nnd machten etwa 10 Gefangene.

In den Argon nen drang eine französische Erkundungs- abteilung im Fvnr de Paris in einen deutschen Graben ein, den sic mittels der Handgranaten säuberte. 2lus der Front nördlich von Berdun nimmt das Bombardement in der Gegend von Chattancourt, von Fleury und von La Laufsc seinen Fortgang. Nordöstlich von Fleury wurde eine starke derttsche Patrouille durch unsere Handgranatenmörscr zerstreut. #

In^den Vogesen griffen deutsche Mteiürngen die franzö­sischen Stellungen au) fünf verschiedenen Punkten der Gegend von Chapelotte an. Von unseren Mineniversern unter Feuer genom­men, wurden sie vollständig zuri'ickgeschlagen.

11 Uhr abends. Nördlich der Sv m me ruhiger Tag. Südlich der Somme machten wir im Lause des Tages einige Fortschritte in der Gegend zwischen Biaches und Barleur und in der Umgebung dieser letzteren Dörfer. Am Rande von Biaches nahmen wir ein kleines Vorwerk. wo sich noch eine feindliche illbieitung dielt. Wir brachten 113 Gefangene ein. dartmter 10 Offiziere. Südöstlich von Biaches konnten wir dank einem glänzenden tum uns unternommenen Angriffe am die Höhe 9 7, die den Fluß beherrscht, diese vom Feinde gehaltene Höhe erobern, sowie die ans dem Gipfel gelegene Ferme M a i s o n e t t c. Wir bemächtigten uns eines kleinen Gehölzes nördlich von Maisonette. Einige sernd- licke Abteilungen leisten noch in einem am Rande dieses Gehölzes gelegenen Vorwerk Widerstand. Im Norden von Verdun bom­bardierte dic feindliche Artillerie, der die unsrigc energisch er­forderte, mit äußerster Heftigkeit die Gegenden von ..Kalte Erde", Fleurv und des Waldes von Fumin. Kein bedeutendes Ereignis au) der übrigen Front.

Flugwesen. In der Gegend der Somme griffen unsere Kampfflugzeuge gestern zahlreiche deutsche Flugzeuge an. Vier derselben wurden über den feindlichen Linien zum dlbsturz gebrack):. In der Nacht vom 9. ans 10. Juli warf eines unserer Bombar- dieruugsgeschwadcr zahlreiche Bomben aus die Bahnhöfe virn Ham und Polaneourt ab.

Ter englische Bericht.

London, 10. Juli. 9 Uhr abends. Den Deutschen ge­lang es,' nach sechs Gegenangriffen, in den Trvnes-Wald einzudringen um den Preis sehr beträchtlicher Verluste. Der Kampf im Walde dauert fort. Etwas weiter westlich konnten wir Fuß fassen im Walde von Maimetz,, wo uns der Feind bis jetzt einen sehr erbitterten Widerstand entgegengesetzt I>attc. Wir erzielten auch Fortschritte östlich von OvillerS und La Boiselle. Unsere Flieger attachnwten gestern mehrere /Perlade bahn Höfe, mehrere Mnnitionsdepots und einen Flugplatz. Es fanden zahlreiche Luit- kämpfe statt. Ein deutsches Flugzeug wurde abgeschossen. Mehrere andere wurden gezwungen, mit Havarien zu landen.

Der russische Bericht.

Petersburg 10. Juli. 2Uhr nachmittags:

Westfront: Im Süden der Sümpfe von Pinsk treiben utn sere Truppen den Feind zurück und fahren fort, den Stochod an mehreren Punkten kämpfend zu überschreiten. Der Gegner ließ auf seinem Rückzüge dic meisten Brücken in die Luft stiegen. Bei den Ortschaften Swidniki nnd Alt und Neu Moschok,Mosör?' auf dem linken Stochod-Ufer ist ein erbitterter Kampf im Gange. Wir machten hier Deutsche zu Gefangenen. Zwisäien Kisielm und Zubilno schlugen wir den Feind durch einen überraschenden Handstreich in die Flucht. Die Truppen des Generals Caledin nahmen vom 4. bis zum 7. Juli 331 Offiziere imd 914.'» nnver- NUndele Soldaten gefangen. Sie erbmtoten ferner 10 Gesct'üi e. 48 MaschinengeU'ehre, 10 Bvmhmwerscr und Minenivcrfer . >

Gewehre, 62 gefüllte Munitionsmagen, Sckieinlverfer und einiges Weniematerial. Dazu kommt noch die tnt Bericht vom 8. Juli er­wähnte Beute von 300 Offizieren, 12 000 Soldaten, 45 Feuer- schlüirden usw.

Aus der ga l i zi sch cn Frv u t heftiges Artillerieduell im Abschnitte der beiden Ufer des Dnjestr.

opr D ünabur g hat der Feind südlich des Slvem.cn Sees die Offensive ergriffen, Er wurde »uruckgeschlugen und ging in