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8.7.1916 Erstes Blatt
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schen Schützengraben in bex Gegen- von Burnhaupt ein. Sie fand ih« rntt Leichen angefüNt.

Belgischer Bericht vom 7. Juli: Die deutsche Artil- l erre w ar an der Front der belgischen Armee wenig tätig, ausge­nommen in der Gegend von Steenstrante, wo unser Zerstörungs- fei**, das mit Erfolg fortgesetzt wurde, einen Arrilleriekamps hervorrref, der zu urrserem Vorteile endete.

Der englische Bericht.

London, 7. Juli. Nachmittags 1 Uhr. Bei Thiepval rückten wir leicht vor. Wir Machten einige Gefangene. Südlich des Kanals von La Bassee führten wir, nachdem wir Gas vorgetrieben hatten. Mehrere glückliche Vorstöße in die erste feindliche Linie aus. Wir brachten 40 Gefangene, ein Maschinengewehr und einen Grabenmörser zurück. Jan Lause eines anderen Vorstoßes bei Hnl- l u ch drangen rvir in die feindlichen Gräben ein und zerstörten einen Mcrfchiuengewehrunterftand, töteten zahlreiche Deutsche und machten effttge Gefangerre.

-kikolajewitsch wieder Höchftkommandierender?

Berlin, 8. Juli. DemBerliner Lokalanzeiger" zufolge fin­den sich irr russischen Blättern Andeutungen, als ob Groß­tür st Nikolai Nikolai e witsch wieder Hoch st- kommandierender werden solle.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 7. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Bon der Front im I r a k und im Iran keine neuen Nachrichten.

An der Kautasussront auf dem rechten Flügel kein Ereignis außer Patvouill-engefechten.' Im Zentrum Patvouillengefechte und örtliche Feuerkämpfe. Im Tschorokgebiet griffen unsere Truppen den Feind, dem es gelung-en war, eine in den nach Osten gekcgrnen Stellungen gelegene Höhe zu besetzen, an, nahmen die Höhe wieder, verfolgten den Feind bis in seine alten Stellungen und besetzten einen Teil dieses Geländes. Einen vom Feinde versuchten Ueberfall in dem Abschnitt, der sich nördlich von Tschorok in der Richtung auf das Meer ausdehnt, wiesen wir mühelos ab und nahmen dem Feind Maschinengewehre ab. Aus dein 'linken Flügel erneuerte der Feind seine gewohnten Ueberfälle. Im Laufe dieser Gefechte zer­störten und sprengten wir ein Geschütz und ein Schießbedarfslager des Fenides.

^ In den Gewässern von Smyrna beschossen einige feindliche Schiffe die Küste ohne Wirkung tznd zogen sich wieder zurück. Ein französisches Flugzeugmutterschiff erschien vor Hcrlfa und ließ zwer Flugzeuge mrfsteigen. Eins davon fiel ins Meer, Flieger und Beobachter wurden von dem andern gerettet. Wir aber jwgeit das unbeschädigte Flugzeug ans Land imb erbeutete die darin befind­lichen Bomben und Maschinengewehre mtt Schießbedarf.

Der Fliegerangriff aus Karlsruhe.

Berlin, 7. Juli. (WTB. Amtlich.) Tie Ermittelungen über den letzten Fliegerangriff auf Karlsruhe find nunmehr abgeschlossen. ^ erschütternden Einzelheiten des französischen Ver­brechens gegen die friedliche badische Hauptstadt sollen daher dem deutschen Volke nicht länger vorenthalten bleiben. Es war offenbar kein Zufall, daß die Franzosen gerade den Fronleich­namstag für den Ueberfall anserwählten. Sie rckußten genau, daß an diesem hohen katholischen Kirchenseft, das Heller Sonnenschein verschönte, ein Strom von luft- und lichtbedürftigen Menschen über die Straßen und Plätze fluten werde, und auf Menschen­leben hatten sie es abgesehen, das beweist die Art der benutzten Abwurfgeschosse. Brandbomben wurden gar nicht, schwere zur Sachzerftörung bestimmte Geschosse nur in sehr geringer Zahl ver­wendet. .Die weitaus meisten Bomben hatten nur ein kleines Kali­ber, dafür aber eine Füllung, deren besonders starke Sprengkraft die auf lebende Ziele berechnete Splitterwirkung erhöhen und obendrein auch vergiftete Gase entwickeln sollte. Vorbereitungen

Absicht entsprach der Erfolg nur allzusehr. Ans dem Karls­ruher Feirplatz, wo Hagenbecks Tierschau die Zelte aufgesch tagen hatte, wogte am Nachmittag des 22. Juni eine festlich gekleidete Menge durcheinander. Fröhliches Krnderlachen mischte sich mit den Klängen der Musik. Da plötzlich traf die Meldung ettk, daß feindliche Flieger nahten. Noch ehe es möglich war, die Be­völkerung in Sicherheit zu bringen, saugen beretts die ersten Geschosse ein. In großer Höhe kreisten, durch den leichten Dunst fast ganz der Sicht entrückt, die verderbenbringenden Send­boten feindlicher Mordlnst über der friedlichen Stadt. Schlag auf Schlag zerbarst ietzl mit dröhnendem Krachen Bombe aus Bombe Ein Teil der Geschosse traf ein Stadtviertel, wo kleine Bürger und Arbetter wohnten. Auch nahe beim Schloß, wo die Kö­nigin von Schweden aus dem Krankenbette lag, schlugen einzelne Bomben ein. Tie schlimmsten Verheerungen aber richtete der Feind in der Nähe des Festplatzes unter den kurz vorher noch so fröhlichen, schuldlosen Kindern an. Ms die französischen Flieger nach einer Viertelstunde wieder verschwanden, konnten sie sich des traurigen Erfolges rühmen, daß sie 117 wehrlosen Menschen, dar­unter 30 Männern, fünf Frauen und 82 Kindern mitten heraus aus dem blühenden Leben einen schrecklichen Tod bereitet hatten und daß wettere 140 Unglückliche, darunter 48 Männer, 20 Frauen und 72 Kinder verwundet in ihrem Blute lagen. Jammernd irrten verzweifelte Mütter unter den schrecklich, verstümmelten Leichen umher, um ihre getöteten Lieblinge zu suchen. Drei blühende Knaben hatte eine von ihnen verloren; eine andere, die Witwe eines gefallenen Kriegers, ihren einzigen Soh. Soldaten selbst, die draußen selbst kein Schrecken des Kampfes erschütterte, be­sannen. daß ihnen nie zuvor so Furchtbares vor Augen gekommen sei. Die französische Nation, die sich so gern als ritterlich und vornehm dünkt, kann in ihrer Geschichte ein neues Heldenstück verzeichnen. 154 deutsche Kinder mußten bluten und 82 von ihnen sterben, damit die Flieger des stolzen Frankreich sich eines Trium­phes rühmen konnten, der ihnen im Kampf mit den wehrhaften deutschen Beherrschern der Luft versagt geblieben ist. Und das deutsche Volk? Wird lähmender Schreck seinem ferneren Kampfes- mut Eintrag tun? Die Franzosen kennen uns schlecht, wenn sie .das erwarten. Aus dem innigen Mitleid mtt den klagenden Müt­tern wird unserem festen Willen zum Siege nur neue und zornige .Kraft erstehen. Auch die schuldlosen Opfer, die auf dem Friedas in Karrnlshe frischer Rajen deckt, sind nicht umsonst für das Vaterland gefallen. Wie wir selbst, so wird auch Frankreich ihrer noch lange und schmerzlich gedenken.

Die Verpflegung der englischen Zivilgesangenen.

London, 7. Juli. (WTB.) Ce eil teilte gestern im Unterhause mtt, daß er durch Pie amerikanische Botschaft einen wetteren Bericht über die Verpflegung im Lager Rüh­le ben erhalten habe. Der Bericht zeige, daß die Deutschen die Verpflegungsrationen ans weniger als die Hälfte des erforderlichen Bettages absichtlich herabgesetzt hätten, während sie gleichzeitig zwischen 60 000 und 200 000 Mark Geld angesammelt hätten, das für die Rationen hatte verwendet werden sollen. Die britische Regierung habe demzufolge telegraphisch eine Note an die deutsche Regierung durch Vermittelung des amerikanischen Botschafters gerichtet, ttr der betont werde, daß es Pflicht der Deutschen sei, die Gefangenen, wenn sie sie nicht angemessen ernähren könnten, srei zugeben. Wir haben an unteren Vorschlag erinnert, Zivil­personen über 50 Jahre oder die Kriegsuntauglichen (?) über 45 Jahre freizugeben.oder auKzutauschen (?) und haben zum Schluß vorgeschlagen, daß alle britischen in Ruhleben internierten Zivil­personen in Austausch gegen eine gleiche Anzahl gefangener deut­scher Zivilpersonen ftergegeben werden möchten. Endlich haben wir erklärt, wenn Deutschland diesen Vorschlag nicht binnen einer Woche annehme, würden wir gezwungen sein, zu erwägen, welcher Weg hinsichtlich der Berpslegungsrativnen mit Bezug auf dre hier befindlichen deutschen Zivilpersonen etngeschlagen werden müßte. (Lauter Verfall.)

Dazu wird amtlich bemerkt: Die Voraussetzungen Englands sind gänzlich unzuttesfend, da in Deutschland die Zivilgefangenen gmau so wie die .Kriegsgefangenen und zwar nach erprobten Grund- 'ätzen ausreichend ertuttjrt werden. Ter britischen Regierung ist bereits ein dahingehender Bescheid erteilt worden, so daß die eng- Irschen Drohungen dadurch gegenstandslos werden. Der Austausch-

Vorschlag ist in der von England angeregten Form sür Deutschland unannehmbar, dagegen schweben zurzeit Verhandlungen, die den Austausch von Zivilgefangenen auf anderer Grundlage zum Ziele haben.

Ein englisch-schwedisches Abkommen.

_ Kopenhagen, 7. Juli. (WTB.)Politiken" meldet aus iL>tockyolmn Gestern ist zwischen England und Schweden ein wichtiges Handelsabkommen über die Regelung der schwedischen Ein- Mhr Flitter zeichnet worden. Die englische Negierung hatte sich lange geweigert, die Bürgschaften, die das neue schwedisch Kriegshandels­gesetz gegen die Wiederausfuhr eingeführter Waren bietet, anzuer- kennen, und verlangt, daß die schwedischen Kansleute ähnliche Er- fufrttTtgot abgeben, wie die KNusleute anderer neuttaler Länder. Durch das Abkommen erkennt England nunmehr diese Bürgschaften an. Die unmittelbare Folge des Abkommens ist die Freigabe großer Warenmengen, die in letzter Zeit in Schiveden eingettosfen, aber zurückgehalten worden waren.

Ein russisch-japanischer Vertrag.

Haag, 7. Juli, (zf.) Reuter berichtet aus Petersburg: Ern russijch-,apanicher politischer Vertrag mtt zwer Artikeln wurde gestern durch Sasonöw urcd Motoiw unterzeichnet. Ter Vertrag hat den Zweck, die Arbeit beider Länder zur Aufrechter Hal­tung eines dauerhaften Friedens im fernen O st en Zu vereinigen. Ter erste Arttkel bezieht sich aus ein politisches Ab­kommen oder eine Kombination, die gegen die eine oder andere der verttagschlreßenden Parteien gerichtet ist. Der zweite Artikel lagt, daß, lvenn territoriale Rechte oder besondere Interessen der einen Partei im fernen Osten bedroht sind nnd zwar solche Rechte und besonderen Interessen, die durch die andere Partei anerkannt worden find, Rußland und Japan Übereinkommen, Maßregeln zn treffen, um diese Rechte und Interessen aufrecht zu erhalten und zu verteidigen und sich hierbei gegenseitig zu uitterstützen und Bestand zn verleihen.

Der Seekrieg.

Berlin, 7. Juli. (WTB. Amtlich.) Nach einer Reuter­meldung aus London vom 6. oder 7. Juli soll Admiral Jellieoe in lcrnem Bericht die Ve r l u ste der Deutschen in der See­schlacht vor dem Skagerak tote folgt geschätzt haben:Drei Linien­schiffe desDreadnoughts"-Typs, ein Linienschiff derTeutsch- taNd"-K1asfe, fünf leichte Kreuzer, 6 Torpedobootsjäger und ein U-Boot, die man sämtlich untergeben sah. Weiter waren zwei Linienschiffe, ein Linienschiff desTreadnoughts"-Tyvs und drei Torr-edoboote sichtlich so schwer beschädigt, daß es fraglich war, ob sie ihre Häsen erreichen würden/' Am 4. Juni berichtet die englische ^Admiralität dagegen:Somit waren die britische Verluste schwer, die Verluste des Feindes ernst. Zum minderen ein Schlachtkreuzer wurde vernichtet und eurer ernstlich beschädigt: von einem Schlachtkreuzer wurde berichtet, daß er wäh­rend des Nachtgefechtes durch unsere Zerstörer versenkt wurde, zwei leichte Kreuzer wurden außer Gefecht gesetzt, sie sind wahrscheinlich gesunken. Tie genaue Zahl der feindlichen Zerstörer, die während der Schlacht außer Gefecht gesetzt wurden, kann mit Sicherheit nicht angegeben werden, aber sie muß groß sein." Tatsächlich be­trug der Gesamtverlust der deutschen Hochseestrettkräfte während der Kämpfe am 31. Mai und 1. Juni sowie in der darauf folgenden Zett bekanntlich: ein .Schlachtkreuzer, ein älteres Linienschiff, 4 kleine Kreuzer und 5 Torpedoboote.

Berlin, 8.Juli. Der holländische FifchdampferThery M. 164" hat nach Meldung derBossischen Zeittmg" auf 55,55 Grad nördlicher Breite und 6,10 Grad östlicher Länge in der Nordsee im Netz Teile der drahtlosen Telegraph eneinrich- tung und eine Flagge des englischen Kreuzers C a r y s f o r d" a n fge f i s ch t. Dieser Kreuzer ist 3800 Tonnen groß, seine Besatzuttg etwa 400 Mann stark. Nach den geographi­schen Angaben würde es sich auch bei diesem Kreuzer um ein Opfer der Seeschlacht am .Skagerak handeln.

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London, 7. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agentur Meldet aus Sunderland: Das englische SchiffH e r o m" (885 Bnittoregistertonnerr) ist von einem U-Boot versenkt worden.

London, 7. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agentur meldet: Der britische rmbewafsnete DampferGannst" (1127 Tonnen) ist versen kt worden.

Stavanger, 7. Juli. (WTB. Nichtamllich.) Der nvr- ivegische DampferPruhelle" ist am Montag, den 3. Juli, in der Nähe des Kap Lindesnee in der Entfernung von einer Seemeile von der norwegischen Küste von einem U-Boot an­gegriffen und beschossen worden. Der Dampfer stoppte nicht, weil er sich innerhalb der Territorialgrenze befand. Norwegische Torpedoboote machten Jagd auf das U-Boot, das untertauchenZ nach Westen fortlief. Man nimmt an, daß es sich um ein eng­lisches U-Boot handelt.

Roosevelt und die Präsidentenwahl.

New Dork, 3. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) Funk­spruch von dem Vertreter des WTB. Nach einer Meldung aus Chicago tritt Roosevelt in seinen: Briefe an den Nationalausschuß der Fortschrittlichen Partei über seine Gründe für die Ablehnung seiner Aufstellung für die Präsi­dentenwahl dem Ausspruch Hughes bei, daß unter den augen­blicklichen Verhältnissen die Aufstellung eines dritten Wahl­bewerbers lediglich eine Schwächung zugunsten der Wahl Wilsons sein würde und sagt: Hughes ist unvergleichlich besser zum Präsidenten geeignet als Wilson, und es würde ein schwerer Schade für das Land sein, wenn letzterer wie­der gewählt würde. Ueber die ,.,Bindestrich"-Amerikaner sagt Roosevelt: Man hat gegen Hughes geltend gemacht, daß er durch verschiedene, sogernrnnte deutsch-amerikanische Vereini­gungen unterstützt worden sei. Ich glaube aber, daß die Hal- tung dieser gewerbsmäßigen Deutsch-Amerikaner am aller­wenigsten ihrer Liebe zu Hughes entsprungen ist, vielmehr allein ihrem Gegensätze gegen mich. Sie waren verpflich­tet, mich bei Ernennung der Wahlbewerber zu Fall zu bringen. Diese Lente haben nichts mit dem großen Volks- körper der Amerikaner gemeinsam, gibt es darin doch Leute von unvermischtem oder gemischtem deutschen Blute, welche genau so gute Amerikaner sind, als die von irgend einer anderen Herkunft. Nie und nnmner hat es in unserem Lande bessere Bürger gegeben, als die große Masse von Männern und 'Frauen deutscher Geburt oder Herkunft, welche ganz in unsere gemeinsame amerikanische Nationalität untergetaucht sind, oder noch untertauchen. Kein guter Amerikaner, wel­ches auch seine Herkunft oder Konfession sei, kann etwas anderes für diese gewerbsmäßigen Deutsch-Amerikaner emp­finden, welche ihren amerikanischen Präsidenten zum Zwecke des Sieges des deutschen Kaisers auszuwählen suchen, als Verachtung und Abscheu. Die gewerbsmäßigen Deutsch-Ame- rakaner dieser Art handeln lediglich im wohlverstandenen Interesse Deutschlands. Sie haben eine eifrige Bereitschaft gezeigt, das Interesse der Vereinigten Staaten zu opfern, so oft es mit Deutschlands Interessen zusanrmen stößt. Hughes Charakter und die ganze Art seines Wesens in öffentlichen Angelegenherten rechtfertigen die sichere Ueber- Mrgung, daß jene Leute, die ihn ihrer eigenen Interessen wegen unterstützt haben, in keiner Form oder Art seine öfsentlichen Handlungen vor oder nach der Wahl beein­flussen werden. Dafür bürgt sein ganzes öffentliches Leben.

Die Lage in Mexito.

London, 7. Juli. (WTB.) Daj^Y Telegraph meldet ans New Bork vom 5. Juli: Die Lage inMexiko gewinnt mehr und mehr ein friedliches Aussehen. Die Ursache davon

ist zum Teil, daß General Pershing seink Truppen bevettS 200 Meilen näher an die anrerikanische Grenze zurückgezogen hat und daß, wie man ern-artet, er bald in El Paso zurück sein lrnrb, wo er eine dringende Forderung Carranzas erfüllt haben wird. Pershing ist bereits zum Kommandeur der Truppen in Texas ernannt worden. Tie Idee, daß die öffentliche Meinung in den Bereinigten Staaten die Zurückziehung der Tnrppen nicht ge­statten würde, ehe sie ihr Ziel erreichten, weir durchaus trügerisch. Außerdem wird man sich immer klarer darüber, daß das Ein­dringen und die Besetzung Mexikos eine Aufgabe ist. Per die Ver­einigten Staaten durchaus Nicht gewachsen sind. Diese Emt^ findung wird durch tägliche neue Enthüllmrgen über den Mangel an Ausrüstmrg und Ausbildung der Milizen bcttächtlich gestärtt.

Au§ dem Reiche.

' Der Reichskanzler und das Volksvertrauen.

Berlin, 7. Juli. (WTB.) TieNorddeutsche Allgemeine :3ettung" schreibt: Ter Vorsitzende der nationalllberalen Landes- organisatton Sachsens, Geheimer Hoftat Professor Branden­burg, veröffentlicht imLeipziger Tagblatt" eine Erklärung, in der er die Ansicht verttitt, daß es voreilig, vielleicht unheilvoll sei, dem Reichskanzler Vertrauen zu schenken, bevor man lveis, wie er über den künftigen Frieden derrkt. Erst müsse der Reiä-skanzler die Karten anfdecken und klipp und klar verkünden, was er wolle. Tann sei die Zeit, sich zn überlegen, ob man seine Politik imterstützen solle oder nicht. Professor Brandenburg saßt die Vertrauensfrage am* verkehrten Ende an. Wtt beftnden uns im Krieg, und noch ist der endgültige Sieg nicht errungen. Wäh­rend unsere Söhne und Brüder draußen im Felde und auf dem Meere kämpfen und bluteir, und wir daheim, Mann, Frau und Kind, vom ersten bis . zum letzten, alle physischen und moralischen Kräfte aufs höchste anspannen, um den Krieg zu überwinden, dient es da schon dem Ganzen, gegenüber der polttisckien Leitung des Reiches Vorsicht und krittsche Zurückhaltung zu empfehlen, weil sie nicht tut, was ihr für den Augenblick el-ementarische und politische Klugheit verbietet? Gilt ^sonst der Spruch: Erst wägen, dann wagen!, so heißt es hier: Erst schlagen, dann fragen! Aufs Heute kommt es an, nicht aufs Ncbernrorgen. Wer für heilte nttß- traut, weil er für überuwrgen Vorbehalte hat, schwächt die eigene innere Stärke, und die ist eine Forderung des Tages.

*

München, 7. Juli. (WTB.) Auf der Reffe durch Deutschland trafen hier am Mittwoch abend di-e Mili­tärattaches der neutralen Staaten ein, nach­dem sic vorher den Städten Rorhenburg an der Tauber und Nürnberg einen Besuch abgestattet hatten. Sie werden in München eine Anzahl von industriellen llnternehmungeu besichtigen: außerdem ist die Besichtigung von militärischen Einrichtungen, wie Artilleriewerkstätten, dann von Ein­richtungen zur Lebensmittelversorgung und von hervor­ragenden Sehcnswürdigkeiteii in Aussicht getrommen. Am Sonntag gedenken die Attaches als Abschluß des Münchener Aufenthalts einen Ausflug nach Berchtesgaden zu unter­nehmen. Dft Militärattachss gehören folgenden Staaten an: Argentinien, Rumänien. Spanien, Schweden, Chile, Vereinigten Staaten von Nordamerika, Dänemark und Peru.

Aus rri-d Lsnd.

Gießen, 8. Juli 1916.

SorrnLagsgedankerr.

Bei unseren Gefangenen ttr Feindesland weiten unsere Gedanken in diesen Tagen.

Der Sturm braust in Ost und West. Der Krieg ist auf einenr Höhepunkt angetangt, der alles noch übersteigt, was wir bisher schon an Großem, Erschütterndem erlebt haben. Und dennoch, kein wirkliches Bangen um das Ganze über* kommt uns. Wir wissen es in sicherster Hut. Schöner, reicher, stolzer kann kein Volk seinem Heer Vertrauen be» weisen, als mir es tun. Das Fell>grau, die bescheidene Farbe, die niemand blenden will und kann, hat eianen Jnneu- glanz empfangen. Es wird in die Airgen semhten, wie schimmernde Ritterswehr, solange man von diesem Kriege singen und sagen wird. Wo diese lebendige Rüstung mn oas Reich steht, da kennen wir kein Bangen mn seinen Bestand, kein Zagen um den Krieg, den das mächtige fr'chrt.

Mer mn die Einzelnen, die nach Millionen zahlen, kami dennoch Sorge unser Herz beschleichen. Wie werden sie diese Tage und Wocl)en überstehen? Me werde»r sie aus den wildeir Känrpfen hervorgehen, in denen fie jetzt um Entscheidung ringen?

Zwei Kriegsjahrc haben uns reich gemacht an schmerz­licher Erfalrrung und Llnschauung, auch-lvenn der unmittel­bare Anblick des Kampfes, des Schlachtfeldes, verroüsteten .Kriegsgebiets urrs entzogen blieb. Biele urtter uns haben in das bleiche Angesicht jugerrdlicher Toter geblickt, wir haben an ihren Gräbern gestanden, einen ätzten Gruß ihnen nachgerufen: der Schmerz blieb, aber mn sie sorgen konnten wir nicht mehr. Alle haben wir Verwundete ehr­furchtsvoll gegrüßt, wenn die Heimat sie wieder empfing: wie hat ihre Liebe sie pflegen, ihre Kunst sich glücklich um sie bemühen dürfen. Wir sorgten um sie, aber wie schön war es, daß wir für sie sorgen konnten. Von unseren Ge­fangenen, die der Uebermacht erlagen, können wir uns am schwersten ein Bild ihres Lebens und Leidens, ihres dauernden inneren Kanrpfes machen. Spärlich ist die Kunde, die von ihnen zu N7rs dringt. Und die spärliche, die die wenigen Ausaetauschten, unsichere Berichte, ihre eignen kurzen Briefe und Karten uns bringen, lautet unerfreulich genug. Wir trösten uns wohl mit der Gewißheit, daß ihr Leben uns erhalten blieb. Auch dieser Trost aber will wankerrd werden, wenn wir der Verwundeten und Kranken unter ihnen gedenken. Und wie Biele, denen ungewohntes Klima und fremde Lebensweise Gefahr für Gesriudheit und Leben briirgt. .Aber was sie innerlich gelitten hab'en und ford- dauernd leiden, davon können sie uns kaum auch nur ein Weniges sagen. Erschütternd, denken wir uns, müssen ihnen die ersten Stunden und Tage der Gefangenschaft gewesen sein. Sie finden sich in der Gewalt des Feindes, den sie bisher siegreich bestanden haben. Sie wissen nicht um den Fortgang des Kampfes. Wie ein schwerer Traum mag es auf ihnen liegen. Aber wenn sie zu erwachen meinen, stehen sie vor der herben Wirklichkeit: wehrlos sie, denen die Waffe zu führen Pflicht und Leben war; verhöhnt und beschimpft sie, denen der letzte Ehrenplatz beim Ab schied aus der Heimat, denen der eigne und der Kameraden sieghafter Kampfruf noch im Ohre klingt! Welchem ungewissen Schick­sal gehen sie entgegen? roelches Los unter welchen Vor­gesetzten wartet ihrer? Was so in den ersten Tagen durch ihre Seele geht, das legt sich dann dumpf und schwer durch lange, endlos lange Monate auf ihre Seele. Wir nwllen es uns nicht auszumalen suchen. Wir denken, es sind deutsche Jünglinge und deutsche Männer. Sie werden wissen, daß sie auch dies harte Los für ihr geliebtes Vaterland tragen. Dies Bewußtsein wird sie aufrecht erhalten in sclnversten Stunden, ihre Seele vor Verzweiflung beivahrer-. Und ein Himmel leuck,tet dennoch über uns uird ihnen, ein Gott wacht über ihrem wie unserm Leben.

Bei unseren Gefangenen weiten uiffcre Gedanken in diesen Tagen. Wenn die wohlbekcmntMi Büchsen sich diesmal