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14.6.1916 Zweites Blatt
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiehener ZamillenblStter" werden dem

Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Ureisblatt für den Ureis Sichen" zweimal Ivüchenltich. DieLendwirLschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

$6. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch. R. Jift chch

Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schea Universitäts - Buch- und Stemdruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul- straße 7. Geschäftsstelle u.Berlag: ^zD51, Schritt' leitung: e=^H2. Adresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.

AmgZbriese aus dem Osten.

Von unserein zmn Oslheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, euch «Sp l DSwei se, verböte»^

Von Domesnees bis Luck.

Ostfront, Anfang Juni.

Oben an der Nordspitze von Kurland haben im vergangenen Frühherbst die russischen Schifisgranaten den hundertjährigen Wald z-erbisseu. Die Stämme fielen wie sterbende Riesen durchein­ander. die Fischerdörfer südlich vom Kap Domesnees wurden zer­trümmert, die kleine?!. Boote und Kutter an der Küste fräst das Granatfeuer. 'Da wurde aus der Kurländischen Küste ein Teil der Front. Es wurde Kap Domesnees der nördlichste Punkt der Riesen- front im Osten, die dann bei Schlock die Mste verläßt, in leichten Bogen die Düna erreicht, ihr folgt und von Dünaburg an in der bekannten graden nord-südlichen Linie bis etwa Buczacz läuft, um im letzten kurzen Teil leicht vorwärts zu schlvenken von Nord- Westen nach Südosten bis zur rumänischen Grenze.

De Vorstellungskraft reicht kaum aus, diese fast ununter­brochene Schützen graben linie lebendig zu begreifen: sie zieht durch Sumpsland und gräbt sich in Hügelreihen, die Ostsee liegt vor ihr und die ungeheuere Ebene der Rvkitnosümpfe, mächtige Wälder durchquert die eiserne Linie und Felder, die grün im Svmmerwind wehen,, ungeheuere Einöde und bebautes Land, Flecken und Dörfer sind von dem Graben mit der Brustwehr und den Stacheldraht- rcihen davor in den Brennpunkt des Krieges gestellt worden. Sommerwolken werfen Schatten über das Stückchen Land, auf dem so viele deutsche Menschen Monat für Monat atmen, denken, leiden, glühen, Regenschauer schlagen darüber, Sonnenglnt glänzt an dem gleichen Tage über das Riesenwesen. Denn immer ist mir diese atmende und kämpfende Linie wie ein ungeheures Lebewesen erschienen, dessen Gedanken von Millionen Köpfen gedacht worden, dessen 5)erzschlag Millionen Herzen stark ist, und die Leiden des Einzelnen vergehen vor der Not. wemr ein Teil des ungeheuren Leibes in starker Bedrängnis steht, und die Freude schwillt durch den ganzen starken Körper, lvenn sich, irgendwo die Linie siegreich vvrbäumt oder die Leichenhügel derer, die gemeinsam ihr Feind sind, vor sich auftürmt.

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Bis Luck habe ich den größten Teil dieser Front in wichtigen Ausschnitten gesehen. Jeder Frontabschnitt hat seine Geschichte, wie jede Division ihre ruhmreiche Kriegschronik hat. Oft fällt die Geschichte des Abschnittes mit der der ihn haltenden Truppen zusammen, aber fast noch, öfter sitzen sie im Land, das andere erkämpft haben, während sie anderswo siegten und litten. Trotz­dem haben sie in dem langen Stellungskrieg geradeihre Front"' natürliche besonders im Gedanken. Es ist klar, daß alle die Arbeit, die in den Gräben, den Unterstanden, den Fuchslöchern, den Wegen, den Blockhäusern, den Waldlagern, den Entlausungsstätten, den Pionierparks, den Bahühvfsanlagen, den Schlächtereien, den Säge­werken, den ' Zementfabriken, den Räucherhallen, den Badewagen, den Kasinoräumen steckt es ist klar, daß diese viele Arbeit vieler Tage und Nächte mit dem Gebiet verbindet, daß jeder besonders stolz gerade aufseinen" Abschnitt ist. Es hat, wenn man näher zniieht, auch jede Stelle der Front ihre Besonderheit. Gewiß, Schützengraben ist Schützengraben und Pionierpark bleibt Pionier­park, aber die Mannigfaltigkeit, mit der die Hilfsmittel des Landes und die von der Armee gelieferten Dinge ausgenutzt Iverden, ist erstaunlich, groß. Eines aber kamt man aus diesem bunten Bild als Gemeinsames herauskesen, an jeder Stelle, da deutsche Soldaten leben: die Gewohnheit znr Sauberkeit, die Liebe zur Natur und die Freude an dem kleinen Schmuck des Lebens. Blumenbeete, Gemüseländereien, Holzarbeit von ausgezeichnetem Geschmack, rüh­rende Bastelarbeit finden sich überall. Dinge, von denen inan annahm, daß sie eben erst langsam im Werden seien, wie die Gc- schmacksbildnng bei der Inneneinrichtung, zeigen sich tief ins allgemeine Bewußtsein gedrungen. So einen Pionierstuhl könnte Bruno Paul entworfen haben, und so einen Offiziersunterstand könnte Riemerschmied oft nicht besser einrichten. Es ist ja viel­

leicht schon oft genug gesagt worden, und mit dem Wort ist genug Schindluder getrieben worden, aber es bleibt so, bleibt beim lieber- blick immer gleich ergreifend: wer die Kulturhöhc dieses deutschen Volkes geradezu greifbar vor sich sehen will, muß cs bei seiner Arbeit, seinem Leben, seinen Freuden uud Nöten im Schützengraben sehen, muß diese gleichmäßige, herrliche, lebendige Linie oben von Domesnees an vor Augen haben.

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Dem nördlichsten Frontteil gibt das Meer sein Gepräge In den Dinen sind die verborgenen Arttlleriebeobachtungsstände, und rheinische Augen sehen mit scharfer Spannung, ob an der Kimmung Nicht che grauen Schatten, die schwarzen Striche, die den Feind bedeitten, auftauchen. Tann kommt ein Stück Graben, das von der See noch zu fassen ist, das aber die Langrohrc der Schifss- geschütze doch nie recht in wirkungsvolles Feuer bekommen können, und dann liegt in sanftem Bvgen die Linie den Tirul-Sumpf entlang. Als ich. tm Winter dort war, hitte das Sumpfwasser noch die Oberhand, manischen haben wir längst über das Wasser gesregt. De schnnrgrade Pvovinzstraßss zeigt nach Riga, man könnte sich gegenseitig jede Mlösung, jede heransahrende Feldküche ab- sehen, lvenn nicht die breite schöne Straße mit dichten Tannen­reihen verblendet ivärc.

Nach. Plukanen biegt die Linie herüber zur Misse-Fvont, der die Russen im Herbst keinen Tag Ruhe gönnten, und erreicht dann die Düna.

Das lange Stück der Dünaftont ist natürlich völlig von dem breiten Strom', der uns von den Russen trennt, beherrscht. Lehmige Erde auf den Höhen an der Düna Mächte die Arbeit in den Gräben nicht gerade leicht, bei Regengüssen meinte man den ganzen Graben an seinem.Körper mit fortzutuagen. Es' gibt auch dagegen Mittel, und die Dsi'itna i|t ein so breites und sich wes Hindernis, daß man Zeit Hütte, diese Mittel im Ausbau in Ruhe anzuweudcn. Die Ver­suche, sich mit kleinen Bootsunternehmungen gegenseitig das Leben schwer zu Machen, waren zu der Zeit, als ich dort an der Front war, gänzlich eingestellt lvorden. Ein paar durchlöcherte Ruderboote trieben in den Hellen Nächten auf dem aufschimmernden Strom in Richtung Riga, das war alles. De Tannenwaldüngen gestatten leichte Amiäherung. Das Land ist von großer und besonderer Schönheit.

Vor Jakobstadt halten wir die Hügel, so daß Jakobstadt eine tote Stadt in den .Händen der Russen ist, wie vorher Fciedrichstadt in unserer Hand ohiie Leben bleiben Muß. weil auf den Höhen die Artillerien die Städtchen beherrschen. Die schweren russischen An­griffe im M ärz aus dem Raume um Jakobstadt heraus sind bekannt, bekannt auch ihr blutiges Zusammenbrechen.

Um Dünaburg umspannt unser eiserner Halbkreis fast drei Viertel Jahr den Brückenkopf. Nach den heftigen Angriffen im Spätherbst, die in der Hauptsache auf die Seenenge zwischen Swen- ten- und Jlsensee zielten, ist es zu gleich hefttgen Versuchen der Russen, den Ring zu^ durchbrechen, nicht Mehr gekommen. Der Schloßiberg und das Städtchen Jlluxt sind jedoch immer noch int Brennpunkt der Artillerien. Die russischen Stellungen sind stark, ihre Lage, unterstützt durch die ziemlich weitblickenden Hügelreihen des rechten Dünaufers, ist an sich nicht ungünstig, wenn nicht der Hälbkreis, in dem tvir stehen, die Möglichkeit konzentrischen Ar- tilleriewirkens jederzeit offen ließe.

Die Front vom Dryswjaty-See bis Smorgvn ist von der großen russischen März^ffensive her neu in der Erinnerung. Sie hat ihren besonderen Charatter durch die vielen Seen, die zum Teil in die Linie einbezvgen sind, zum Teil Flankenschutz gewähren.

Die Front UM Smorgvn selbst springt ein wenig zurück, da dcA tiefer gelegene StiLtchen von irnA iM Herbst nicht in die Linie einbezogen wurde, weil es sinnlos gewesen wäre, seine Stellungen und seine Quartiere den russischen Kanonen auf den überragenden Höhen östlich bou Smorgvn auszusetzen. Daß Smorgvn gerade kein begehrenswerter Besitz ist, haben die Russen in dem langen Winter oft genug erfahren müssen.

Bon Smorgvn südlich beginnt ein Abschnitt, in dem' augenblick­lich starke Unruhe herrscht, es ist der Teil der Nordfront, in dem wohl die zahlreichsten Patrouillennnternehmungen, Vorstöße, Er­

Kttttft, WiffcnjdjaH und Leben.

Wieder Hamster hamstert. Der Hamster ist in der letzten Zeit zu einer der volkstümlichsten Tierfignren geworden, wenn es auch nicht gerade ein schmeichelhafter Zusammenhang ist, in dem er genannt wird. Sein Name wird jenen menschlichen Hamstern" beigelegt, die ihr Pfund vergraben, anstatt es der All­gemeinheit zu öffnen, die überflüssige und schädliche Vorräte auf­stapeln. In einer seiner anziehenden naturwissenschaftlichen Plau­dereien, die die bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart er­scheinende ZeitschriftUcber Land und Meer" veröffentlicht, plau­dert Wilhelm Bölsche von diesem Urbild alles Aufspeicherns, dem der Instinkt schon in ferner Vorzeit, als die Menschen noch von der Hand in den Mund lebten, sorgliches Sammeln für die Zukunft mit aus den Lebensweg gab. Der Hamster ist ein -Eindringling aus dem Osten, der von RuWand her in zunehntendem Maße bei uns ein­drang und seit 50 Jahren auf seinemZug nach dem Westen" über die Vogesen hinaus bis nach Paris vorgedrungen ist. Er ist ein Schädling für unsere Landwirtschaft, ein frecher Kerl, der sich seit Jahrtausenden mit seinemHamstern" im Recht fühlt und wohl gar von dem Menschen glaubt, er mache ihm einen urangestam'mten Besitz streitig, wenn er die Früchte des Feldes für sich beansprucht. Aber wemr er auch stiehlt, so Muß man ihm doch lassen, daß er elegant stiehlt". Solch ein richtig bestellter Hamsterbau ist ein kleines Schmuckstück von Akkuratesse und vorsorgender Klugheit. Mitten im Felde schlagt der Hamster einen tiefen Schacht, wühlt nicht etwa bloß an der Oberfläche herum, sondern stattet seine unter­irdische^ Scheuer vortrefflich aus, in die er dann einen Zentner bester 'Frucht einfährt, um sich zwischen längeren Schlaspauscn be­haglich zu mästen, wenn der Winterwind über die Stoppeln pfeift. Ganz wundervoll ist solch ein Bau eingerichtet:Bis zu zlvei Meter tief liegt der Betrieb iM Grunde. Ein senkrechtes Falloch führt m einen kurzen Korridor vor der kleinen Wohnstube. Zwischen den wrgsam geglätteten Wänden, möchte mans hoinerisch beschreiben, liegt dort das reinlichste, weichste Strohlager. Ein zweiter, ver- nstckelterer Schlupfgang lenkt dann nochmals von hier ins Freie, andere Atollen aber Spünden in die Vorratskammern, falls deren, wie bet alten Hamsterherren, mehrere vorhanden sind. Das sind nun RäuMe wie große Rindsblasen, bis zum Rande nach der Somtrner- und Herbsttracht mit allen! Guten gefüllt. Je nach der Reife einzeln gehäuft und aufs sorglichste von solchen älteren Onkeln geschichtet, liegt da die durchweg enthülste, sozusagen fertig aus- gedroschene Frucht in Erstqualität, der Weizen, der Hafer, der Roggen, die Gerste, dann die besonders beliebten Erbsen, die Puff­bohnen, geschrotete Möhren, Kleewurzeln, Leinknoten, alles blitz­blank und ein Muster von Ordnung. Selbst eine kleine Bequem lich- keit,-cinKlöstcrli", i«t daneben in Gestalt einer besonderen Schacht - Nische nicht vergessen." Auch die Methode, mit der der Hamster seine Ernte einfährt, i\t sehr sinnreich: mit den Pfötchen biegt er die hohen Kornhalme, mit den langen Vorderzähnen schneidet er die Aehren wie Mit einer scharfen Sense ab, dann entkörnt er sie und trägt die Körner in den großen Backcntaschcn als in seinen natür­lichen Säcken zu seinem Loch. Man sieht also: der Naturhamstcr ist in manchem dem Mensck>enhaMster überlegen, und auch hier be- v wahrheitct sich Mephistos Wort:Der häßliche Mensch ist tierischer als ledes Tier".

Goethe unddic Krüppelfürsorge. Tausende von hilfreichen Frauen widnien sich heute der segensreichen Aufgabe, den Kriegs geschädigten zu helfen, ihnen den Weg zu einen! neuen Beruf und zu einer neuen Lebensfreude zu erleichtern. Goethe, der in seinem Werk wohl fast alle Verhältnisse des menschlichen Lebens beobachtet und mit tiefer Seelenlnn.de geschildert hat, hat auch be­reits diese Ausgabe der Frau dichterisch dargcstellt. In denWahl­verwandtschaften" schildert er, wie Luciane, eine Dame aus den höheren Gesellschaftskreisen, sich eines einarmigen Kriegsbeschädigten annimmt und ihn ermutigt, das Linksschreiben zu lernen.Durch nichts aber vlwmchrtc sie so sehr ihren Beruf," heißt es im Roman, als durch ein auffallendes, gutes, beharrliches Beuehmen gegen einen unglücklichen jungen Mann, der die Gesellschaft floh, weil er, übrigens schön und wohlgebildet, seine rechte Hand, obgleich rühm­lich, in der Schlacht verloren hatte. Dese Verstümmelung erregte ihm einen solchen Meßmut, es war ihn! so verdrießlich, daß jede neue Bekanntschaft sich auch immer mit seinem Unfall bekanntmachen sollte, daß er sich lieber versteckte, sich dem Lesen und anderen Studien ergab und ein für allemal mit der Gesellschaft nichts wollte zu schaffen haben. Das Dasein dieses jungen Mannes blieb ihr nickt verborgen. Er mußte herbei, erst in kleiner Gesellschaft, dann in größerer, dann in der größten. Sie benahm sich anmuttgcr gegen ihn als gegen irgend einen andern, besonders wußte sie durch zu­dringliche Tienstfertigkeit ihm seinen Verlust wert zu machen, in­dem sie geschäftig war, ihn zu ersetzen. Bei Tafel nrußte er neben ihr seinen Platz nehmen, sie schnitt ihm vor, so daß er nur die Gabel gebrauchen durfte. Nahinen Äeltere, Vornehmere ihm ihre Nach­barschaft weg, .so erstreckte sie ihre Aufmerksamkeit über die ganze Tafel hin, und die eilenden Bedienten mußten das ersetzen, lvas ihm die Entfernung zn rauben drohte. Zuletzt munterte sie ihn auf, mit der linken Hand zu schreiben; er nrußte alle seine Versuche an sie richten, und so stand sie, entfernt oder nah, immer mit ihm im Ver­hältnis. Ter junge Mann wußte nicht, wie ihm geworden war, und wirklich fing er von diesem Augenblick ein neues Leben an."

Eine Gießerei au f dem Meere. Zur Erhöhung der Vertvendungssähigkeit der Unabhängigkeit von einer Basis werden die niiodernen Kriegsschiffe immer mehr darauf eingerichtet, Repara­turen mtöglichst selbst auf offener See ausführen zu können. Eigen­artig erscheint in diesem Zusammenhang der Gedanke, eine voll­ständig ausgebaute Gießerei mit allem Drmn und Dran dauernd auf das Meer hinauszuverlegen, wie dies von der Kriegsmarine der Vereinigten Staaten, einem Bericht desPrometheus" zufolge, für den Atlantischen Ozean und neuerdings auch den Stillen Ozean geschehen ist. Das erste der zur Gießerei ausgebauten Schiffe, Bester", war ursprünglich ein Kohlenschlepper von 12 865 Tonnen Wasserverdrängung, der eine Geschwindigkeit von 16 Knoten zu entwickelst vermochte. Die eigentliche Gießhalle wurde in das Hinterschiff eingebaut. Ihre Ausdehnung mlit 15,5 Meter Länge und 14,25 Meter Breite beweist allein schon den Mäßstab, der an das Unternehmen gelegt wurde. De verschiede,tsten Bauarten und Größen von Oefeu, wie der Kupolofen, der Stahlofen und der Kipp­tiegelofen sollen den weitgehendsten Ansprüchen noch genügen: es kann auf diese Weise Grauguß, Tiegelstahlguß, Bronzeguß, Messing­guß und Weißgnß hergestellt werden. Unter der Gießhalle fanden Lagerräume für Modelle, Gußformen, Geräte und Rohstoffe Platz, wodurch das nötige Material schnell in die Arbeitsstätte geschafft werden kann. Neben der Gießhalle ist noch auf dem Hinterdeck eine

l'undniigen stattfinden, diese Unruhe erstreckt sich auch Wer Krewo, einem ehemaligen Städtchen, das bis auf wenige Reste in per Linie verschwunden isl. (Den Westrand des Städtchens halten wir, den Ostrand die Russen, die zerschossene orthodoxe Kirche steht ant unserer Seite, die Trümmer des katholischen Gotteshauses ans der russischen.)

Immer stärker wirken Sumpf und ^versumpfte Flußläufe auf die Gestaltung der Front ein. Beresina, Serwetsch-Bach sind für die Linienführung mitbestimmend. Immer noch hat dabei das Land oft den leicht hügeligen Charakter, der nur in der Ebene um Smor- gon einmal völlig anssetzt.

Der wichtige Bahnknotenpunkt Baranowitschi ist bekanntlich in unserer .Hand. Doch ist Wohl anzunclMen, daß die Russen versucht haben, die nützliche Nord-Süoverbindung hinter ihrer Front da­durch wieder möglich zu machen, daß sie eine Pionierbahn zwischen die beiden Dahnschenkel Minsk-Baranoivitschi und Barauowitschi- Rowno gelegt haben. Immerhin haben ihre wiederholten Versuche, auf Baranvwitschi vorzudringen, gezeigt, wie unangenehm ihnen der fehlende KveuzungsPunkt blieb.

Die schnurgerade Linie des Oginski-Kanals, in dessen Bö­schungen unsere Stellungen ausgezeichnet eingebaut sind (Bö­schungen, die gleichzeitig aus Meilen die höchsten Erhebungen des flachen Sumpflandes sind), ist das bemerkenswerteste Zeichen für den ersten Teil der Linie, die das Gebiet des Rokitno-Sumpses durchquert. Pinsk, die Staat in der Front, beherrscht den nächsten Teil der Rokitno-Front, dip sich hier Peilartig auf der festen Landzunge vovschiebt.

Die Stellungen am Stijr, im Styrbogen, hinüber nach Luck, haben dann alle das fast gleiche Gepräge: entweder, sie mußten dem Sumpf im harten, kaum imnier gleichmäßig erfolgreichen Kampfe abgewonnen werden, oder sie lehnten sich an die Sanddiinen an, die unregelmäßig und ohne Uebergang aus dem Sumpfgelände emporwachsen.

^ DieFestung" Luck hat dabei niemals den Charakter einer Festung gehabt. Ein paar elende Erdwerke hatten die Russen der Stadt gegeben, das war alles.

Die Schwierigkeiten im Raume von Luck waren in den Winter- monaten, als ich dort an der österreichischen Front war, sehr erheb - lich; ein ungarisches Regiment, das übrigens viel rumänischen Ersatz hatte, nrußte unzählige Kilometer Knüppeldämme bauen, um überhaupt die Verpflegung in der voroeren Linie möglich zu machen. Freilich waren die Bedingungen im Styr-Bogen und bei Kolki auch kaum günstiger.

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Aus der Geschichte der Kämpfe bei Luck im vergangenen Herbst sei die Lage vom Sevtember wiederholt: Ende September hatte sich die österreichische Armee in schnellem Vorrücken über Luck hin­aus gegen Rowno vorgeschoben: aus ihrem südlichen Flügel hatte sie Derazno erreicht, als ein starker rujsischer Gegenstoß es rötlich erscheinen ließ, die durch stetige Märsche und Kämpfe ermüdeten Truppen b^is Luck und über Luck hinaus zurückzunehmen. Mitten durch das Sumpfgebiet >vurde ein deutscher Stoß in die Flanke der Russen -angesetzt. Die Lage war so, daß, die Oesterreichec im all­gemeinen das linke Styr-Ufer hielten und von Kokki ab die rus­sische Front weit nach Westen einsprang. De Trockenheit'hatte den Sumpf passierbar gemacht, so daß es möglich war, trotz aller Hin­dernisse die deutschen Kräfte von Norden l>er herunterzu schieben und über Kolli fast senkrecht aus die russische Flanke anzusetzen. Als die Russen schließlich die deutsche Absicht mertten, gingeu sie in fluchtartigen Märschen zurück, 10 000 Gefangene, darunter 50 Offiziere, waren der Gewinn der Operation, die außerdem jeden Ofsensivgedanken der Russen zunächst erstickte. Bis zur Puttlowka ging der Südflügel der Russen zurück; die österreichisch-ungarische Armee folgte. Im Zentrum stürmten deutsche Truppen Czernhsz und Berecsiany, die, aus Sandinseln im Sunrpf gelegen, be­herrschende Stützpunkte für den Uebergang zum Stellungskrieg ab geben sollten . . .

So kennt der Raum um Luck schon schwere Kämpfe und ein­schneidende'Bewegungen. die im ganz großen Rahmen doch eben nur als Episoden des Weltkrieges zn betrachten sind Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Modelltischlerei und die Kernmacherei eingerichtet, damit ft* mit der Gußarbeit Haird in Hand arbeitet. De übrigen Schiffsräume, soiveit sie nicht von den SckxiffAmiaschinen und den Mannschafts­räumen beansprucht n>erdeu, dienen als Reparaturwerkstätten.

Die Engländer auf der Jagd nach Kriegs- erinucrungen. Die Sammelwut, die ja zu allen Zeiten in> England besonders auAgebildet nmr, erreicht im gegenwärtigen Kriege eine Höhe, die den glücklichen Besitzern der sog.Trophäen des Schlachtfeldes" unerwartete Kriegsgcwinne bringt. Man sam^ melt alles, tvas irgendwie mit dem Krieg zusammenhängt und heute oder späterhin als Erinnerung an die Gegenwart gelten könnte. Aber neben der Industrie, die sich mit der Herstellung von Kriegsandenken, Photographien volkstümlicher Männer, Kriegs­talismanen, Gebenknrünzen usw. beschäftigt, gibt es noch die Menge derechten" Kriegsandenken, nämlich verschiedener Gerätschasteii Waffen, Uniformstticke, Mützen, ja seW Schuhe und Flaschen, die iml Bereiche der Schützengräben gesunden und nach Paris befördert werden, das als das ZenttuM dieses aktuellen Handels betrachtet werden kann. Da die Engländer nicht auf eigenem Boden kämpfen, müssen sie nach Frankreich reisen, um derartiger Kriegserinnerung.m habhaft zu werdeu, und die Franzosen, die in dieser Beziehüng nicht soidealistisch" veranlagt zu sein scheinen wie ihre Bundes­genossen jenieits des Kanals, haben ein bluh.ndes Expartqcschäf^ Kriegserinnerungen eingerichtet, über das ein Bericht des Pariser Mitarbeiters derDaily Mail" mancherlei interessante Ansklärnn- gen gibt.Fast täglich kommen aus London Anfragen nach Paris, und die Zahl der B c st c l l u n g c n aus im Frontbereich gesammelte Gegenstände häuft sich immer mehr. Ich habe in Paris bereits mehrere Ausstellungen von Kriegstrvphäen gesehen, die englische Käufer anlocken und diesen allcrmodcrnften Geschäfts­verkehr rege erhallen. Eine der reichhaltigsten dieser Ausstel­lungen befindet sich in den Empsangsräumen des ,/Echo de Pari^ ' Man sieht hier Helme, die deutschen Gefangenen abgenomnlen wur­den, deutsck>e Bajonette, Körbe, in denen die Granaten ausbewahrt werden, ja selbst ein deutsches Kartenspiel, das aus dein Kamyfplan aufgelesen wurde. Die Engländer sind mit sportlichem Eifer auf der Jagd nach diesen Kriegserinnerungen, und deutsche Uniform- fetzen, Ausrüstungsgegcnstände jeder Art. selbst gewöhnlich' Trink­becher und Feldflaschen wandern zu guten Preisen über ven Kana! Auch in den Hotels werden den Reisenden solche .Kriegserinneningcu zuni Kant angeboren, und es kann sehr wohl gei'chehen. daß einem der Portier des Gasthvfs, in dem man wohnt, einen deutschen Mützenknops oder ein Fahrrad aus der Kümpfzone anbietet Ob­wohl es selbjtverständlich keine festen Preise in diesem merkwürdigen Handel gibt, läßt sich doch nach dem Durchschnitt der verlangten und bezahlten Summen eine Art Tarif für diese Kriegsermnerungcn aufstellen.Der Helm eines deutschen Offiziers kostet 600 Mark, ein Jnsanteristenhelm! kann für 280 Mark erstanden rverden, er­höht sich aber iml Preis, wenn er von mehr als einer Kugel durch­bohrt ist. Ein Unifornrrock konunt aus 140160 Mark und steigt im Preise nach dem Umfang der Blntspnren, die er anfiveist. Eiii halbes Dutzend Kiiegsdo kn mente -schriftliche Befehle, AufzeiÜMun- gen, Proviantzettel usw.) kann kaum unter dem ansehnlickien Preis voic 400 Mark erstanden werden. Silberne Achselklappen kosten 60 Mark, solche aus Stofs sind billiger. Ein Granatenkorb kann bereits für 16 Mark erivorben werden, und am billigsten find Ge- schoßsplitter, deren Prelle sich zwischen 4 und 12 Mark bew^en."