Ausgabe 
13.6.1916 Zweites Blatt
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tatt ArrtvaHe Shrifrhtt das prsviforrsche Buttg^tzwö-Iftel fLr 'den D^onat Juki bewilligt und die Sitznng geschlossen.

Rom, 12 . Juni. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der 'AgenKia Stefami. Kammer. Alle Minister, außer Danso, sind zugegen. Salandra teilt mit, daß das Ministerium infolge der Abstimmnng vom Samstag dem König ein fftüdtxi ttsgesnch eing-eveicht fyafo. Dieser bemalte 1 icf) die Priifnng der Lage vor. Das Ministerium bleibe zur Erledigung der lmtferiden Geschäfte und zur Wahrung der öffentlichen Ordnung im Amte. Es werde von allen Vollmachten Gebrauch machen und jede Verant­wortung für alles, was zur siegreichen Fortsetzung des Krieges notwendig werden könne, übernehmen. Salandra ersuchte die Kammer, sich bis nach Lösung der Krise 3 vertagen. Die Sitzung wurde ausgehoben.

Im Senat gab Salandra dieselben Erklärungen ab.

Der König ist heute früh nach Rom zurückgekehrt. Wie -Miornale d'Jtalia" berichtet, wird der König Salandra Mr Entgegennahme -des Rücktrittsgesuches empfangen und später die Präsidenten der Kammer mrd des Senats berufen.

Uriegsbriefe aus dem westen.

Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^

Der Sturm auf Fort Vrmr.

Großes Hauptquartier, den 8 . Juni.

Den entscheidenden Eveignissen, welche Fort Vaux fest in un­sere Hmid gebracht haben, konnte ich beim Stabe der dort fech- $t£xvöcn Truppen während der letzten Tage beiwohnen. Die Panzer- isefte Vaux war wiederholt mit schwerstem Geschütz bearbeitet wor- ibeu, so daß ihre oberoänschen Teile ein wüstes Chaos bildeten. !Dlas ganze Umgelände war von Gnanattrichtern wieder und wie- si>er rmrgewühlt, aber den überaus starken Panzertürmen hatte Beschie^mg verhältnismäßig wenig anzuhaben vermocht. sEüenfo wurden die unteren Geschosse der in mehreren Stockwerken lübereinanderliegenden, in den gewachsenen Felsen gesprengten -Kasematten von den Gnschkägen nicht erreicht. Ich habe

zahlreiche Gefangene gesprochen, welche während der Beschießung 'in diesen unterirdischen Labyrnrthen gesessen haben. Sic be­kundeten alle, daß der Aufenthalt fürchterlich war, und daß sie 'sich wunderten, nicht alle wahn-sinnig geworden zu sein. Unter jden ständigen Explosionen schienen Fels und Mauergewölbe zu lschwanken ^ nnTnevfsrt erloschen die Lichter. Oft war der Luft- >druck, der vom Platzen eines Geschosses durch die Luftschächts drang, derart, daß die Gegenstände und Menschen durcheinander' geschlendert wurden. Das fortdauernde Hämmern der Granaten .chatte die Luft mit einem durchdringenden Kalkstaub erfüllt, der .in - Nase und Schlund dvang, so daß die Besatzung von Husten- ckrümpfen geschüttelt wurde. Dabei fehlte es an Wasser, da die Wasser- und Essenholer wegen des ununterbrochenen Sperrfeuers die Gewölbe nicht verlassen konnten. Man mußte kalte Konserven essen, und die imheizbaren Räume waren frostig wie Eiskeller. tDennoeb dachte die mutige Besatzung unter ihrem entschlossene!» stKommandeur Raynal nicht an Uebergabe. Sie glaubte, daß ihre -Kameraden inzwischen - den Douaumont. wieder in französischen 'Besitz gebracht hätten, und hoffte auf Entsatz, der ihnen bestimmt versprochen worden war. Noch nach der vollständigen Abschneidung Morr der französischen Front stand die Fortbesatzmrg mit den fran­zösischen Befehlsstellen in Verbindung, sei es durch Brieftauben,, ffei es durch unterirdische Drahtleitungen. Als die Deutschen sich Hchon des oberirdischen Teiles des Forts bemächtigt hatten, suchte .Joffre die Widerstandskraft Rapnals noch zum Aeußersten an­zupeitschen, indem er ihn durch einen drahtlosen Funkspruch zum '.Kommemdanten der Ehrenlegion ernannte. Während die Arttllerie sim gleichen Tgmpo wie sonst um diese Zeit schoß, traten in früher Morgenstunde noch vor Tagesgranen die Paderborner Jn- Wanterie und die zwanziger Reserve-Pioniere, die in der vor­dersten Schnmrmlinie wirksam mitarbeiteten, zum Sturnre an. 'Sprung aus Sprung folgten sie unmittelbar unseren Arttllerieein- sichlägen, die Schritt für Schritt weiter vorverlegt wurden, mrd arbeiteten sich so tarn der Deckung eines GrauatentriHters zum »nächsten bis dicht vor das Fort heran. Ein Zug stteß östlich bis sin gewisse Entfernung über das Fort hinaus vor, um französö- -schen Gegenangriffen begegnen zu können; ein anderer drang -westlick vior, umging das Fort bis zu der Stelle, wo ein Volk- itreffer eine Bresche in die Kehlseibe geschlagen hatte, erledigte ^glücklich das MaschinengÄvehr. welches diese Bresche unter Feuer flfielt, mb drang in das Innere ein. Die merkwürdige Lage war iJiioi, daß der obere Teil des Forts in unserer Hand war, wäh­lend in den unteren Kasematten noch ftarke französische Teile Ovaren, ohne daß man sich gegenseitig viel anhaben konnte: Aus- lbruchs versuche der Franzosen wurden nrit Maschinengewehrseuev ,und Handgranaten vereitelt. Aber die eingeschlossene Besatzung ,hoffte bestimmt auf einen Gegenangriff der Ihrigen, um dann die «Deutschen zwischen z-vei Feuer nehmen zu können. Inzwischen sbesttenten die Franzosen das Fort, ohne die mindeste Rücksicht -auf ihre eigenen Leute, mit einem Tvonnnetsener von 28 Zenti- Meter-Granaten. Aber unsere tapferen Sturmtruppen wichen nicht, iFortwährende wilde Angriffe der Franzosen, die unter rasenden 'Verlusten das verlorene Fort um jeden Preis zuruckMnehmen jhofften. wurden abgeschlagen: darunter zwei nächtliche Massen- iangriffe von Schwarzen. Inzwischen war gleichzeitig mit Fort iBmrx das zerschossene Weinbauerndorf Damloup ecktürmt, die ^deutsche Linie südwärts bis in den Chapitre- mrd Fuminwald vor- k'gedrückt. womit für sie die Hoffnung schwand, von hier die Berbin- ltmng mit dem Fort Vaux wiederherzustellen. Die eigenartige Be­itagerung der eingeschlossenen Fortsbesatzung dauerte vom Morgen jdes 2. bis in die Nacht vom 6./7. Juni an. Nur zwei abgetrenntg ''Kasematten waren inzwischen eingenommen wordm. Ein Versuch, !den Hauptteil der Kasematten durch Sprengung zu öffnen, erwies »Ach als ungangbar. Unter den siegreichen Sturnttruppen herrschte -über das glückliche Gelingen des kühnen Wagnisses helle Be­geisterung.

W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.

Jm ftlüt

erwarten unferc Angehörigen üen regelmäßigen Eingang des Heimat- Blattes. Um eine Unterüreömng in der 2ufiellung )u vermeiden, wolle man

den feidposi-Berng

des Bießener Anzeigers fürs 3. üicrteli.

schon jetzi erneuern

Tille Poftamter neßmen die Beftellung entgegen, öer merterjäßrl. Be?ug bc> trägt Mk. 3.65 einschiießiich der Um­schlag-Sebiitzr. Außerdem vermittelt die Bestellungen wie bisher auch die

öeschaslssteiie des Bießener Anzeigers

Kriegsbrfefß an s dem Osten.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten §briegsberichterstatterS, (Unberechtigter Nachdruck, auch «msxngsweise, verboten.)

Erfolgreicher Vorstoß bei .Mrewo.

Ostfront, am 11. Fmri.

Die llnterbrechungen südlich Smor^on haben sich bei Kierewo zu heftigen Minenkänrpfen ausgewachsen. Die Mtffen hatten vor einiger Zeit von ihnen gesprengte Minentrichter Au festen Zmischenstetlungen ctusgÄaut und lffchienen Weitersprengungen zu beabsiHtgen. In: Abend- .Lmnkel des 10 . Jmri lpurd-e deshalb die russische Trichter-- ^stelkmrg Kwisihen den Linien Ogorodmki durch Mei- .stündiges Tronmvelfeuer emgeebnet, gleichzeitig wurde die russische Hanptstellung sturmreif geschossen und Sttrrm- jkmnpagnien gingen über das drrrch zahlreiche Mmenspren- qgMlgen Zerrissene Gelände zum Sturm vor. Sie drangen in feie Hkrnptstellunff ein. Die Besatzung wurde im Nahtampfe Erledigt, ein -Offizier, 1O0 Mmrn gefcnrgen. Die genommenen Geltungen wurden durchsucht, dabei der Eingang zu zwei freuen Minenstollen gesunden, von denen einer bereits ge- Uladen war. Minenstollen und Stellung wirrden gesprengt, rbit GefanqeNen, ein Maschinengewehr, reichliches Materral '^Wurden zurückgebracht. Die blutigen russischen Verluste stvaren erheblich. Wieder war der Beweis erbracht," daß ßchsere Stnrmtrupp-en jederzeit in die russische Hauptstelluna Mino ringen können.

NolfBrandt, Kriogsberrchterstatter.

Gießeuer Strafkammer.

th. Gießen, 9. Juni.

In der heutigen Sitzung der Strafkammer gab es eine recht bunte und abwechslungsreiche Reihe von Sttaffällen.

Ein Hammeldieb soll der 50 Jahre alte, schon vorbestrafte Korbmacher Hch. K. von Gießen sein. Derselbe gehört zum sogenannten fahrenden Volk, und wurde beschuldigt, einem Pferch bei Garbenteich nachts einen feisten Hammel gegriffen und, wie die Anklage behauptet, das Tier geschlachtet und verzehrt zu haben. Der Gerichtshof hielt aber trotz vorliegenden Indizien den Beweis der Täterschaft für nicht ausreichend erbracht imd sprach den Angeklagten frei.

Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde der 26 Jahre alte Luxemburgische Staatsbürger Nikolaus P. wegen Notzucht zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt.

Ein junger Jägersmann ist der 16 jährige Tarmstädter Gymnasiast Rud. W. Er war in den Ferien auf dem väterlichen Gut zum Besuch und hatte die väterliche Jagd an der Nidda brav abgepürscht, rvobei er eine Ente schloß, die aber über die Grenze abging und auf dem Revier des Nachbars verendete. Ter junge Jäger wollte die Beute natür­lich nicht fahren lassen, hing sein Jagdgewehr über die Schulter, ging an der Nidda entlang über eine Eisenba'hnbrücke, und kanr so in das Revier des Jagdnachbars, wo er die Ente einheimste. Das Schöffengericht sprach den jungen Jägersmann wegen des Jagdvergehens frei, verrrrtellte ihn 'aber zu einer Geldsttafe von 3 Mark, hilfsweise 1 Tag Gefängnis, weil er den Eisenbahn­körper betreten hat. Tie Staatsbehörde verfolgte gegen den Frei­spruch Berufung. Die Strafkammer verwarf die Berufung und legte die Kosten der Staatskasse auf.

Er will den Pflegesvhn nicht bestraft haben, sv erllärte der Landtoirt K. von Wetterfeld, dem ein Zwangszög­ling die Geldschublade erbrochen hat, um einen Geldbetrag von 65 Mark zu stehlen. Der 16jährige Gg. R. aus Worms ist seit seinem 9. Jahr bei K. in Wetterfetd in Zwangserziehung. Der Angeklagte gibt den begangenen Diebstahl zu. Er habe mit dem Geld in die Stadt gewollt, um in einer Fabrik ein Unterkommen zu suchen. Wegen mangelndem Strafantrag wird aus Antrag des Staatsanwalts das Verfahren eingestellt.

Ein Feldpostmarder

ist nach seinem Geständnis der 19jährige bisher unbestvafte Hllfs- postbote Karl B. von Bad Nauheini. Ihm wird zur Last gelegt, daß er als Beamter des Pvstantts Bad Nauheim 3 Briefe unterschlageir, geöffnet und vernichtet, rrachdem er in zweieic Beträge von 5 bis 10 Mark gefunden hat, die er für sich verbrauchte. Ferner gcht B. zu, 8 Fckkrpostpäckchen an sich genommen z-u hcchen, er hat die­selben geöffnet und die Verpackung beiseite geschafft, den Inhalt, Butter. Wurst, Marmelade aber verkauft und teilweise selber ver­braucht. Die Strafkammer war der Ansicht, daß der Angeklagte gemein gehandelt hat, er wußte, daß die Sendungen an Leute im Felde bestimmt waren, die mit Sehnsucht aus diese Päckchen und die darin von ihren Angehörigen enthaltenen Nachrichten warten. Obgleich der Angeklagte unbestraft ist und auch ein offenes Ge­ständnis abgelegt hat, habe der Gerichtshof doch über die Mininral- strafe auf 6 Monate Gefängnis erkannt.

Gin rückfälliger Betrüger ist der Reisende PH. H. M. von Garnbach, der in Frankfurt a. M. seinen Wohnsitz hat. Gr kam im Lijerbst v. Js. in feine HeiTnat zu einem ihm bekannten Wirt, der zirka 200 Zentner Aepfel liegen hatte, und redete demselben zu, das Obst für 7 Mk. pro Zentner einem Gastwirt in Isenburg telephonisch zuM Kauf anzubieten, der dasselbe gerade gebrauchen könne. Der Landsmann des M. ver­sprach diesem eine Provision, wemr der Handel gemacht würde und ließ durch seine Ehefrau die Aepfel telephvnrsch anbieteu. Der An­geklagte M. sprach ebenfalls Mit dem angeblichen Muser in Isen­burg und versprach die alsbaldige Verladung der Ware. Er ist dann in Isenburg nicht als Vermittler, sondern als der Mann auf- getteten, der das Obst geliefert hat und eihielt von dem Empfänger auch den Betrag in Hjöhe von 600 Mik., wobon er die HAfte an den eigentlichen Verkäufer ablieferte, den Rest aber verbrauchte er für sich. Die SttafkaMmer verurteilte den Augellagten zu 6 Mona­ten Gefängnis'.

Er ist nicht erschienen,

nämlich der Jak. Wilh. Sch. von Groß-Felda, den das Schöffen­gericht wegen Diebstahl und Forstfrevel verurteilt hcck, womit der Mann aber nicht einverstanden tvar. Die Strafkammer verwarf, da der Angeklagte nicht Mr Stelle war, beide Berufungen.

Die nächste Sttafkammersitzung findet wegen der Pfiugstfeiertage am 23. Juni d. I. statt. _

Ktrcfoc «nv Scbttl«.

r 4- Darm ftadt, 13. Juni. Die Land^sshnvde der hessischen evangelische-n Landeskirche tritt in der kommenden Trinitatiswoche auf mehrere Tage zu einer ordenb, lichen Tagung in Darmstadt zusammen. Bon den der Synode zur Beratung zugegangeneu Vorlagen ist vor allen Dingen ein vom Großh. Oberkvnsfftorium vorgelegter Ldttrag bemerkenswert, nach! dem in Zukunft solchen hessischen oder außertzesfffchen Theologen, die ihr Examen nicht in Gießen, sondern vor einer anderen! staatlich angeordneten PvüfungMihörde innerhalb des deutschen Reiches abgelegt haben, dieses vom Oberkousiswrium der Prüfnng vor der theologischen Fakultät der L-andestinriverfftät in Gießen gleichgeachtet werden kann. ^,wenn und insoweit jene Prüfung nach! den für den betteffenden Staat gelteichen Bestimmung als Vorbedingung ftir den Eintritt in den Dienst der evangUischen Kirche angesehen wird." Mit diesem Antrag kommt die oberste Kirchenbehörde einem schon lange von weiten Kreisen der Landes^ ttvche geäußerten Wunsch errtgegen.

vermischte».

* analogen" und ^Sanagen". Tie beispiellose Art der Geschästspraktlken, deren man sich in England unter dem Schutz der gegenwärtigen KriegsvM[hältnisse befleißigt, ist ein für allemal vereivigt durch die Geschichte desSanatogeir", das sich in ,Sa- nagen" verwandelte. Zivar handelt es sich äußerlich nur um die Entfernung der zwei Buchstaben t und o, aber nichts verrnag die englische Geschästsmoral deutlicher zu illustrieren, als diese schein­bare Geringfügigkeit. Schon seit langenr störte es das patriotische englische Gemüt, daß es noch immer in Großbritannien Leute gab, die das bekannte deutsche Nervenstärkungsmittel Sanatogen ge­brauchten. Mehrere englische Unternehrner bemühten sich, diesem »Skandal" ein Ende zu machen, trotzdem sie gut ivnßten, daß das Geld nicht ins Ausland wandern konnte und daß überdies der Sanatogenvertrieb in Großbritannien in englischen Händen lag. Aber die Gel-egenheit, ein gutes Geschäft an sich zu reißen, war nun enunal da, und mmi ließ nicht locker, bis es sogar zu fast politischen Sanatogen-Debatten kam. Der Erfolg zeigt sich in ebenso überraschenden wie schamlosen Reklameanzeigen: ans diesen Anzeigen wird nämlich in großer Schrift das ^englische Nerven- mittel Sanagen" angepriesen. Um aber über den Wert dieses Aiittels keinen Zweifel anskonnnen zu lqssen, sind zwei Verpackungs­arten nebeneinander abgebildet, die eine mit der AufschriftSana­togen-. die andere mit der AufschriftSanagen-, und beide Packungen gleichen sich wie ein Ei dem andern. Zum Ueberfluß wird von ärztlichen Sachverständigen beglaubigt, daß dasSa­nagen" dieselbe Zusammeilsetzung und genau dieselbe Wirkung habe, wie das nun endlich aus dem Lande getriebene deutsche Fabrikat. Es genügt also in England, zwei harmlose Buchstaben ivegzulassen, um aus einer deutschen Erfindung ein gesetzlich ge­schütztesenglisches" Präparat zu machen und eine schon lange beneidete Konkurrenz wenigstens während des Krieges an sich zu reißen.

' Der französische BureaukratismuS und die e n g l i s ch e n Zündhölzchen. Die Engherzigkeit der fran­zösischen Zollbehörden, die sich unter keiner Bedingung den besou- deren Umständen der Kriegszeit anpassen wollen, ruft neuerdings eine Unzahl von Beschwerdeii in den Kreiseti der französischen Be­völkerung hervor. Trotzdem man in jeder Weise mit allem nur möglichen Phrasenauswand die Jiinigkert des englisch-sranzösischeii Bündnisses zu betonet, sucht, die alle Grenzen zwischen den beiden Ländern entfernt habe, beharrt der BureaukratismuS auf seinen alten Rechten und auf den Staatsmonopolen, zu denen, wie man weiß, auch die Erzeugung und der Vertrieb der Streichhölzchen in ganz Frankreich gehört. Da aber in der ganzen Welt nichts schlechter und tvertloser ist als das französische Nationalstreichholz, dgs nur in seltenen Ausnahmefällen Lust zeigt, anzubretmen, kaufen die französischen Reisenden in England reichliche Mengen der eng­lischen Wachszündhölzchen ein, um auf diese Weise auch ihren sicht­baren Anteil an der englischen Freunoschast zu haben. Wie es jedoch einem derart mit englischen Zündhölzchen versehenen fran- zosischen Reisenden an der Grenze ergeht, erzählt dasPerit Jour­nal" :Wenn die Reisenden mit dem Schiff aus Englarrd an- kommen, werden sie gleich nach der Paßrevision darauf untersucht, ob sie etwa staatsverräterischerweise englische Zündhölzchen bei sich führen. Und selbst, wenn sie die Schachteln freiwillig vorzeigen und versteuern wollen, kennen die Behörden keiu Erbarmen. Man weist jeden Steuerbetrag zurück und konfisziert die Schachteln auf der Stelle. Niin würde wohl jeder glauben, daß diese Streichhölzer wenigstens von Staatstvegen praktische Verwendung finden. Doch was geschieht in Wirklichkeit? Man schichtet sie aus dem Hafenkai zu Hausen und verbrennt sie vor den Augen der Reffenden, die mit Recht-die Regierung für blödsinnig halten muffen, di« erstens keine Steuer annehmen will und zweitens einen Gebraiichsarttkel nutzlos verbrennt, den sie itn eigenen Lande nicht mit derselben Vollkommenheit zu erzeugen vermag.

* Der Kriegszustand d^r Londoner Straßen. Nichts läßt die Verwirrung, unter der die englische Organisativn während des Krieges leidet, deutlicher erkennen, als die Art und Weise, auf die der vielbesprochene nationale Sparsamkeitsfeidzug betrieben wird. Seit es der Regierung durch Aufwand einer Un­zahl von Veröffentlichungen belehrender und patriotischer Art und n,it Hilfe einer Unmasse tendenziöser Zeitungsartikel gelungen ist, den Begriff der Kriegssvarsamkeit zu einem populären «Lchlagwort zu machen, wetteifern Behörden und Private in einer Auslegung dieses Gebotes, die alles weniger ais vorteilhaft ist. Während die reichen Leute »rngehemmt dem gewohnten Luxus ftöhnen, unter den, Vorwand, daß hierdurch der Geldumlaiif rege erhalten werde, sucht man überall dort z,l sparen, wo es am ivetligsten am Platze ist. So verstieg sich der Bürgermeister von Brighton zu dem bis­her allerdürgs nicht angeuornmen«r Vorschlags man möge alle Mrffeen und öffentlichen Sehranstatten auf Knegsdauer schließen, da tnan das hierdurch erfvarte Geld sicherlich zu wichtigeren Zwecken verbrauchen könnte. Ueber den neuesten Fehlgriff der Behörden, der aus ein völliges Mißverstehen des Sparsamkettsseldzugs z,lrück° zusühren ist, wird gegenwärtig in sämtlichen engliscyen Blättern lartte Klage geführt. Trotzdem beß Einsetzen der warmen Jahres­zeit die Staubenlwickkung in de« verkehrsreichen Straßen Londons auf gesundheitsschädigende Weise beMinstigt, wurde das Sprengen des Asphalts völlig eingestellt, ivsdurch die Londoner Straßen sich in einer Art Kriegszustand befinden, der in anderen Wektstädtetl wohl vergeblich seinesgleichen sucht. »Ist es'möglüh," fragen dieDaily News",daß wirklich ein mcht ganz verblödeter Mensch darin eine Sparstunkett erblicken kann, daß die Straßen \n und um London m diesem Sommer vollkommen vernachlässigt werden? Bei näherer Untersuchung wird man hingegen feststellen ntüffen, daß dies eine unverzeihliche Verfchwenoung bedeutet, da die öffentliche Gesundheit verschlechtert und das Leber: der Kinder zarten Alters aus die leichtfertigste Werse aufs Spiel gesetzt wird." Taffächtlich haben die auf die Staubentnncklung zurückzuführenden Erkrankungen unter den Kinder« in Loudon erschreckend zuge­nommen, und es ist eine mehr ats merkwiirdige Sparsamkeit, die 'Me britische Hauptstadt unweigerlich zur bazillenrerchfttn Stadt Europas macht.

Meteoroiogische veodachtungm der Station Gietzen.

Juni

1916

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Wetter

Höchste Temperatur am 11. bis 12. Juni 1&13: Niedrigste * , 11. , 12. , ISIS:

Niederschlag 15,3 mm.

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Bw. HmüRezen Bed.

Regen

-f 15,6*0.

+ 8 , 0 * 0 .