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Zweiter Blatt
§66° Jahrgang
Erscheint täglich Mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gletzener KamIkenbMtter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ..Breisblatt für den Ureis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zettfrage«" erscbeinen monatlich zweimal.
General-Anzeiger für Oberhesjen
DiMZtag. lZ. Zuur M6
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der Brühl'jchen Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
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Der Rücktritt des Rabinetts Salandra.
Ro»AL, 10. (WTB.) Meldung der Agenzia Stefmri. Während der Diskussion in der Kammer üd^r die provisorischen Budgetzwölftel hielt Ministerpräsident Salandra eine Rede, in der er die internationale und die militärische Lage cnrseiinrndersetzte und über die Politik der Regierung (Erklärungen ab gab. Nach seiner Rede erklärte sich Salandra mit der Tagesordnung Luciani einverstanden, die lautete: Die Kammer fiat Vertrauen zu den Maßnnhmeir der s^egierung und bewilligt die provisorischen Midgetzwölstel. Salandra bat, hierüber namentlich abzustimnren. Noch mehreren Erklärungen über die Abstinunnng lehnte die Kanrnrer in namentlicher Ab stimmung mi t 19 7 158 Sdim-men den ersten Teil der Dages- ordn«wg „Die Kammer hat Vertrauen zu den Maßnahmen der Regierung" ab.
Bern, 11. Juni. (WTB'H Meldung der AgenziaStefan:. „Messagero" berichtet: Unmittelbar nach der gestrigen Karmnersitznng berief Salandra die Minister zusammen. Nach krwzem MeinurrgsmrstiLusch wurde man sich über die Demission des Kabinetts schlüssig. Salandra wird die Demission am Montag der Kammer und am Dienstag dem Senat bekanntgeden. 9Lach dem Ministerrat verfaßte Salandra eine lange Depesche an den König, der heute abend oder morgen früh in Rom eintveffen wird, um die üblichen Bespvechurlgen zu beginnen.
DK Mde Saümdrrrs
Ro m , 14. J»7n. (WTB.) Im Laufe der Beratung über die provisorischen B u d g e t z w ö l fte l erklärte der Ministerpräsident Salandra:
Dee VerHandüMyM über die p ävv ffott sthen Budgetziwölftel des FrmMMch-res 1916/17 umfassen die ganze Politik der Regierung uiib beanspruchen eine einzigartige Wichtigkeit in Anbetracht des Ernstes des geschichtlichen Augenblickes, den wir erleben. Ter 7^inmrzminister wird über die außerordentlichen Finanzmaßnahmen stir den .f^rvog und über die fiskalischen Maßregeln sprechen, die! erfolgreich lwt b evettet worden sind, um unseren Kredit in einein Slugenblick aufrecht zu erhalten, in dem das Land seiner am dringendste,: bedarf. Tie zuständigen Minister foerden auch aus andere Fragen wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Art antworten, die ^stellt werde:: körrnen. Aber die Regierung gibt sich Rechenschaft von der berechtigten Erwartung der Kammer und hält es für augezeigt, im Gegensatz zu dem üblichen Verfahren der Beratung als Ernlettmrg ernüfe Erklärungen über die intern nationale und militäris«che La-ge vvroustzuschicken, das heißt Wer zwei-Gegenstände, in denen gaaiz uatürllch die besorgte Erwartung des Landes und des Parlaments zustrmment reffen. Vor zwei Monaten lcht die Ka mm er mit sehr großer Mehrheit ih-r« Zustimmung.-Eden Richtlinien unserer internationalen Politik gegeben, die vom Minister des Aeußern dangelegt wurden. Diese Richtlinien Haber: sich nicht verändert. Es hat sich nichts Neues ereignet, was.sie hätte ändern körm-en. Wir können indessen fest versichern, daß die loyale und tätige Solidarität mit unseren Alliierten in dieser kürzen Zeitspcovs: Veranlassung, und Gelegen- heit gehabt hat. sich in der vokltzvvnsesor llebevemstimmung der Zicke z u beßest ige,^. die stch im beSünLsgen sZ^samm smft r ün der Kräfte knndgStt. Der Krieg ist lang: und ha rt. aber gerecht, so daß niemand Unter denen, die für die Unabhängigkeit der zivilisierten Nationen kämpfen, «3 bereuen kann, in ihn eirrgetreten zu sein. Er legt uns, um den Sieg zu erringen, eine Emigkett dev Gesinnung und Kriegführung ans, die täglich vollständiger wird. Wir müssen haben und wir haben mit tmseren Alliierten eine Gemeinsamkeit in Freud und Leid. Wr müssen haben und wir haben, was wett mehr wert ist, gemeinsam bestimmte nähere und :vettere Ziele. Wir haben mtt wchhselseitiger Berettwilligkett jede mögliche Hilfe an Kriegsmaterial, dessen Verbrauch jede menschliche Voraussicht übertrifft, gewährt imfo erhalten. Die sta r ke Offensive, die der Feind gegen uns unterUommeir hat, und in der er einen so gvoßen Teil seiner Kräfte festgeLgt hat, hat de:: siegreichen Ansturm irnserer mächtigen Alliierten etteichtert. Wir
können daher erwarten, daß es diesmal dem Feinde nicht gelingen, :oird, aus dem Vorteil seiner zentralen Lage in überraschende.".! Weise dtntzen zu ziehen. Ebenso wie die Ereignisse die höchste und dauernde Notwendigkeit jener Solidarität zeigen, die sich stets mehr vervollständigt, so muß diese sch auch in den weniger hervortretenden, aber sehr wichtigen Maßnahme,: wirtschaftlicher u:ü> finanzieller Art äußern. Tenn die Widerstandsfähigkeit der Armeen hängt von der Widerstandsfähigkeit der nationale:: Organismen ab.
Unter diesen Gesichtspunkten ivird die italienische Regierung ans der Konferenz, die sich nach geeigneter Vorbereitung und Meinungsaustausch in Paris versammeln wird, durch ihren Finanz- minister vertreten sein. Dort werden endgültige 'Abmachungen über die wirtschaftlichen Maßnahmen internationaler Art getrogen werden, und wenn es sich als unmittelbar nützlich während des Krieges erweist, wird dort die wirtschaftliche Regelung für die Zukunft _ vorgenommen lverden, wobei übrigens keine endgültige Verpflichtung übernommen werde:: kann, da die Zustimmung hierzu dem Parlament Vorbehalten bleiben muß. Die Re- gierung, die es für ihre Pflicht hält, den Geist des Landes zu erhalten und zu heben, und dem Lande volles Vertrauen zu sich selbst und zu seinen Streitkcästen zu Wasser und zu Lande einzu- slößen, die zu. seiner Verteidigung und zum Angriff auf den Feind vorbereitet sind, erkennt zugleich, daß es der schlechteste Weg wäre, ihm Illusionen über die schicksalsschweren Wechsel- sälle eines so großen Krieges zu machen und ihm nicht die militärische Lage so darzustellen, wie sic in Wirklichkeit ist. Nur so kann man die, selbst lvenn sie unbewußt ist, verbrecherische .Handlungsweise derer vereiteln, die plötzliche Al arm gerächte u n d d ü st e r e Vermut nu g e n ausstreuen, und die umso leichter den Maßregeln, die dies verhindern und bestrafen sollen, entgehen. So schmerzlich es auch ist, dies festzustelleii, ilyce Tätigkeit macht sich nicht nur inmttten des Volkes, sondern sel b st in den höchsten sozialen und politischen Schichten bemerkbar, wo sic eigentlich durch sofortige und kräftige Gegenwirkung ihrer Kreise richtiggestellt und zurückgewiesen werden sollte. Während sich unsere größte militärische Anstrengung gegen Osten richtete, um den Sähen Widerstand zu überwinden, den die natürlichen Hindernisse und die seit langem eingerichteten Verteidigungsanlagen unserem Willen entgegensetzten, die territorialen Ziele zu erreichen, die in direkter Beziehung z:: den letzten Zielen des Krieges stehen, hat der Feind eine Pause an -den anderen Fronten beirutzt, eine starke Angriffsbewegung gegen uns vorbereitet und in einer Ecke des Trcntino zahlreiche aus gewählte Truppen und eine ungeheure: Menge Artillerie zusammerlgezogen. Der Feind hat für seinen Angriff die Linie des Lagarinatales und der Brcntahoch ebenen gewählt, sei es, weil im Trentino die feindliche Offensive eine kräftige Unterstützung in den vorbereiteten vorgeschobenen Besestigungen und in dem umgebenden G-elände finden mußte, sei es mit Rücksicht auf die weniger große Widerstandskraft unserer Verteidigungsstellungen in den Bergen, die er zu durchschreiten hatte, so daß er möglicherweise die Ebene an deren Fuße bedrohen konnte. Dies war der verwundbarste Punkt unserer Grenze, die im Jahre 1866 so gezogen worden ist, daß sie die Türen zu Unserem Hanse dem Gutdünken unseres Erbfeindes offen ließ. Diese ungünstigen Umstände machten die e r st e n u n l e u g b a r e n Erfolge der feindliche:: Offensive möglich. Es muß jedoch mit männlicher Offenheit zugegeben werden, daß eine besser vorbereitete Verteidigung ihn wenigstens länger und weiter von dem Rand des Vergbrndes aufgehalten haben würde.
So erklärt es sich, daß es auf das Land einen schmerzlichen Eindruck Mächte, als es vernahm, daß nach einen: Kriegsjahve es dem! lFeinde gelungen :var, seinen Fuß auf ein Stück vaterländischen Gebiets zu setzen, klein ohne Zweifel, aber heilig wie jedes Stück des Gebiets der Nation. Aber wir stehe:: jetzt in der vierten Woche seit Beginn des erbitterten Kcunjpfes, und es ist gelungen, den eindringenden Massen dos Feindes Widerstand zu leiste:: derart, dajß er nach seinem! ersten und zu leicht erru:rgenen Erfolg nur eine sehr kleine Strecke weiter Vordringen konnte. Es wäre kühn, sagen zu wollen, daß der kritische Augenblick vorüber seß da der Feind, durch heroischen Widerstand auf den Flügeln aufgehalten, ganz gewaltige Anstrengungen gegen unsere Mittelstellungen Macht. dlber wir können dem En dausgang mit gleichmütigem Vertrauen entgegenfehen. Der Eindringling wird nichts gegen die zahlreichen urtb gut ausgerüsteten Truppen ausrichten
kö:men, die wir ihm! entgegengesteltt haben. Der unbezwingbare Mut unserer Soldaten, ihre Widerstandsfähigkeit gegen Entbehrungen, ihre Furchtlosigkeit gegenüber der Gefahr gleiche:: die natürlichen Mängel der Stellungen aus, in denen wir uns verteidigen. Diejenigen von.Ihnen, meine Herren, die sich in das Kampfgebiet begebe:: wollen, wo sick die nächsten militärischen Ereignisse abspielen werden, werden sicherlich ebenso wie ich selbst, einen beruhigenden Eindruck zurückbringen. Sie werden mit festerem und zuversichtlicherem Herzen zurückkehven und im Lande den Funke:: rvi-e- der entfack-en, der den Geist der Entschlossenheit, der Opferwillig- keit und des Vertrauens beleben wird, von dem die Söhne des La:ü>es, Führer wie Soldaten, seine besten Kinder, die, welche kämpfen und die, rvelche sterben, beseelt sind. Wenn Sie von uns andere Auskünfte, genauere Erläuterungen und andere Zukunft«' betrachtungen verlangen, so wird die Regierung sie Ihnen mit vollständiger Aufrichtigkeit geben, ohne je an der Wahrheit etwas zu ändern, aber freilich nur in dem Mäße, als dies nach ihrem Urteil den Interessen des Landes nicht schaden wird. Im übrige:: können Sie ja auch selbst nicht wollen, daß durch unsere Besprechungen dem Lande ein Schaden verursacht oder seine moralische Kraft irgend tvie gemindert )vird, die ich uns erhalten müß und die Sie zweifellos auch selbst erhalten wollen, wie Sie es au anderen Parlamenten sehe::, die gewiß ihrem Vaterlande nicht ergebener sind als unsere KaMMer. Unseren Besprechungen müssen Grenzen gezogen sein. Auf der anderen Seite ist Ihr Recht auf Kritik unbegrenzt, ebenso roie Sie, wenn Sie wollen, auch die Möglichkeit haben, die Handlungsweise der Regierung zu verurteile::. Aber wenn Sie ei ne solche Verurteil ungaus sprechen Müssen, so mö ge es mit Würde und kurz geschehe::. Der gegenwärtige Augenblick verlangt Taten und nicht Worte. Die Rcgiermrg Muß ohne Rast mit allen Kräften arbeiten, uM dem Heere uud der Flotte die unentbehrliche:: Mittel wm. Schutze des Landes in dieser harten Prüfung zu geben. Wenn Sie die Regierung heute ihrer Aufgabe nicht gewachse:: glauben, so müssen. Sie diese Aufgabe solchen Männern anverttaucn, welche in der Lage sind, sie zu vertteten. Niemand aber wird uns diesen einzigen Ehrgeiz absprechen können, daß wir mit völliger Ergebenheit und Llusrichtigkeit dem Vaterlande alle unsere geistiger und moralischen Kräfte gewidmet haben.
Die Aussprache.
Rom, 11. Juni. (WTB.) Kammer. Im weitere:: Verlauf der Sitzung griff der Sozialist Grazicrdei jdas Ministerium sckMrf an uud sprach dre Ueber^euguug aus, daß das Land die gegenwärtige Krise, so ernst dieselbe sei, über- stehen-werde. Auch der Republikaner Pirol: n i bekämpfte das Kabinett ltnb erklärte, daß das italienische Volk nicht besiegt werden könne und forderte die Sozialisten auf, ihre Opposition gegen,,den Krieg aufzugebeu. Tu ra th(Sozialist erklärte, daß seine Freunde gegen die Regierrrng stimme:: werden rrnd ihren Glauben an die Kraft des Sozialismits unversehrt bewahren. Der Radikale Ale s s i o führte cms, er sei der Regierung schts freu:rdlich gesinnt gewesen, aber heute sei die Lage eine andere. Die Rogierrrng müsse ihre Politik vor den: Parlament veruntworten. „In diesem Augenblick, schloß der Redner, braucheu Wir eine RegiEng, welche die gesamten Kräfte der Nation in sich saßt." Sa landra erwiderte, er habe seinen ErWrungen nichts hinzuzufügen. Die Regierung rrehme die TagesordtErg Luciani an und verlange die gesortt>erte Abftmrmuug über die beiden Absätze. Jetzt sei keine Zeit für zweideutige Hal- ttcngen. Die Regierirng werde ihre Haltung nach dem Ergebnis der Abstimmung richten. Hierauf begründeten verschiedene Deputierte im Namen ihrer Parteien ihre Abstim- :nung, darunter erklärten Giardini für die Radikalen, Leonardo Bianchi für die konstitutionellen Demokraten, Medici für die Nationalisten gegen die Regierung stinrmen zu wollen. Med a (Katholik) fithrte im Nainen seiner Gesinnungsgenossen aus, daß er für die Regierung stimme:: werde, weil er eine Krisis als unzeitgemäß cmsehe. 5pierauf wurde zur Abstimmung geschritten, deren Ergebnis bereits gemeldet ist. Schließlich wurde entsprechend
Annst, Wissenschaft nnd Ceben.
— Wieder Hagelschlag auf die Pflanzen wirkt. Wenn ein gewaltiger Hagelschlag niedergeht, rüemt man, die Kraft der niedersansenden Körner, die doch im Gesicht empfindlick>e: Schmerzen venrrsachen, :nüffe alle Blätter und Blüten vollständig zerschmettern. Allein das ist durchaus nicht der Fall. Je nach dem Bau bleiben manche Pflanzen bei stärkstem Hagelschlage fast unversehrt, während andere den schwersten Schaden er lüden. Eine cmßewrdentlick> fesselnde wissenschaftliche Beobachtung hierüber teilt Dr. Thilo Rumbach im nächsten Hefte der von Dr. Berliner und Prof. Putter herausgegebenen „Naturwissenschaften" mit. Er hat die Wirkung des^ gewaltigen Hagelschlages vom 4. März d. I. auf dem Botanischen Garten von Rovi-gno an der Adria genau untessucht. Das Unwetter hielt über eine Stunde an, und es sind dabei 5)agelkörner bis zu 28 Millimetern Durchmesser beobachtet toorden. Nach dem Hagel war der Ganten von einer 3 Zentimeter dicken Eiskörnerdecke eingehüllt, und darauf lagen die Blätter, Blüten, Früchte und Zweige, die dem Hagel zum Opfer gefallen waren. Schwer bettoffen waren die Erdbeerbäume. Unter diesen immergrünen fsttacchieirsträuchern lag Blatt neben Blatt, glatt am Grunde des Stieles abgeschlagen, und zwischen ihnen fanden sich Triebe von zwei, drei und mehr Jahren. Dagegen war den nach unten hängenden 'Fruchtstände:: nichts geschehen. Der Lorbeer hatte gerade in den mit dicken Blütenknospen schwer beladenen Sprossen die stärksten Verluste erlitten, wcihrend seine ebenfalls lederigen Blätter in etwas geringerer Zahl zu Boden geschlagen waren. Der imnter- grüne Kreurzdorn l>atte viele von seinen kleinen Zweigen verlöre::; finger- und handlange Blütenzweige lagen am Boden, und viele der abgeschlagenen Blätter zeigten Riffe vorm Rande senkveckst bis zunr Mttelnerven. Der immergrüne Schnecbail hatte wegen seiner Elastizität außer ein paar Blättern nur einige Döldchen aus seinen Blütenschirmen verloren; dem Liguster, der Mptthe, den widerstandsfähigen Steineichen und Korkeichen hatte das Uruvetter kaum ein paar Blätter genommen, während die Steinlinde so Mt wie ganz ohne Schaden davongekominen war. Auch den Ranken, wie dem Smilar und dem sttauchigen Spargel Mit ihren schwanken Stengeln war nicht das geringste geschehen. Der Besenginster hatte viele seiner saftigen Jungtriebe eingebüßt, wahrend der Harnstrauch, ein Strauch von ähnlicher Wuchsform, die Hagelstöße elastisch hatte parieren können und darum keine Verletzurrg aufwies. Die Pflanzen des somMergrünen Buschwaldes^ waren nur wenig mitgenoMmen; die Geißblattarten hatten einige fingerlange Zweige hergeben müssen, von der flamnigen Eiche waren ein paar vertrocknete, vorjährige Blätter abgersssen, und ähnlich hatte der Jichasbahn einige seiner alten trockenen Schoten eingebüßt. In der Karstheide hat der Hagel stärker gewrrkt. Von den Cistusröschen hat er die meisten jungen Triebe zu Boden geschmettert, von Ruta graveolens hat er ganze Ae,te abgeriffen, von den Wolfsmilcharten die Blütenstände geknickt oder Blattreihen wegraftert, und zatte Blüten, wie Tricho- nema, Pulsatilla, Anemonia und Viola niedergeschlagen und zer
malmt. Orchisblätter sind zerquetscht und merkwürdigerweise ein paar Jrisblätter geknickt. Bei Rosa oenttfolia, die gerade aiffs neue erblühte, waren einige Blütenstiele geknickt, doch nichts gebrochen. Halvia- und Artemisier-Sttäucher hccken süh äts ebenso unverwüstlich erwiesen wie die Gräser. De:: Pflanzen des' Salinenbodens und de:: Strandpflanzen ist so gut wie nichts geschehen. Asphodelus und Juncus haben einfach tue Hagelkörner in die Blatt'winkel hineinrollen lassen und damit jeden Schaden abgewehrt. Der Alant hat alte trockene Blätter und einige junge Trrebe verloren. Bon allen Pflanzen am schwersten hat der MarchelbauM gelitten; die jungen Blätter, die Blüte::- :md 'Fruchtansätze und selbst die noch dransitzenden alten Früchte hat der Hagel abgeschlagen? Der Oel- baum hat sich Mt gelzälten und nur weinige der mit den Spitzen nach oben gerichtete:: Blattbüschel verloren. An den Orangenfträu- chern sind die Blätter, die der Hügel nicht zu Blühen >xerissen bat, vollständig zerschlitzt und zerrissen. Unter den Zierpflanzen hat der Oleander kränkelnde Zweige und viele Blätter verlöre:: und aus manchen Blätter:: sind Stücke herausgerissen. Die Zypresse:: haben Zweige verloren, namentlich solche mit Knospenähre::, und ebenso ist üs der Thuja und Pinus Strobns ergangen. Der Essig- baum hat einige alte 'Fruchtstände verloren, bei den Passifloren sind die Blätter senkrecht vom Rande her eingerissen; der Bambus hat handlange Zweige ein gebüßt, der PaternofterbauM einige vorjährige Früchte. Die Agavenblätter haben SchraMMen und Schürfungen der Oberhaut erlitten, sofern sie nicht ganz senkrecht standen; von Päonia arborea sind die an den Spitzen mit jungen Blütenknospen beschwerten Triebe abgeschlagen und schlieUich sind beim Feigenkaktus die wagerecht stehenden Zweigstücke mft Quetschungen übersät, wie von Daumeneindrücken und teilweise sogar die Ränder der Zweige ausgebrochen.
— „Ungarische Rhapsodie" im Feldlager. Die L:ebe zur Musik, die den Ungarn mehr als jedem andere:: Volke angeboren ist und bei fang und alt, arm icnd reich gleich lebhaften Ausdruck findet, ist Mch für die ungattschen Soldaten chiarakteristisch, die sich selbst im vordersten Kampfgebiet nicht von ihre:: Natianalinstrumenten zu ttennen vermögen. Ein kleines SttnuNungsbild, das in knapper, aber eindrucksvoller Form die Mlffikalischen^ Freuden in einen: mrgarischeu Feldlager schildert, entwirft (Ernst Szöp im nächsten Heft der Schaubühne. Eine Truppe ungarischer Soldaten ist nach heißem Kampftag und anstrengendem Marsch in ihr Feldlager heimgekehtt, der Abend senkt sich auf das Land herab, und dies ist die Sttucke, in der die Liebe zur Heimat in nationalen Weisen sehnsüchtigen Ausdruck findet: „Ein Korporal hat seinen Tarogavo, die alle wrgarische HirterrfÄte, mitgenommen und spielt bei Anbruch der Abenddämmerung stets Ku- rutzenlieder. Ein Soldat ist im Besitz einer Mundharmonika, der er im Schützengraben die Wessen des Alföldos enttockt. Dem Leutnant B. trägt das Gepäckpferd ans dem Rücken eine Geige nach. . . Abends spielen im Lager Zuweilen drei oder vier Streichinstru- mente gleichzeitig... Ein Landftürmler bläst die Schalmei. Ein anderer Soldat versteht ffch-darauf, seinen langen B^ssttft als Mn-
Nkinstrument zu benützen. Er Mt ihn mit der linken Hand au die Zähne, beklopft ihn mit der rechten und :oeiß dieserart jedes Lied hervorzubrrngeu. Im Quartier der Kraftfahrer befindet sich ein P:ano, 'das niemals ruht. Der Hairptmann hat sogar irgendwo einen schönen kleinen Werkelkasten erstanden, den er nun dreht Manch.inal roird trompetet oder die Trommel geschlagen. Dann ertönt ein Horn. Soldaten begleiten die Rindmherde des Regiments. Die Sirenen der Kraftwagen kreischen. Die Leucknartts und Wachtmeister pfeifen. Die Fohlen läuten mit ihren Glöckä-en. Alle Mui:k des Lebens ist hier versamnE, erinnert, sehnt sich und ttaumt."
.yumiturvinu imil u aus ver jrrono-örg. Wer gegenwärtig Gelegenheit hat, die Kwnborg bei Helsingvr zu beftrchen, bemerkt in der Nähe des einen der Torwege, die durch dir dicken alten Festungsmauern führen, .Holzgerüste. Mau ist nämlich, Kopenhagen berichtet wird, augenblicNich damit beschäftigt, hier eine Bühne im Freien zu errichten, auf der Shakespeares Hamlet ungefähr an der Stelle Mfgefühtt werden wird, au der er tatsächlich zu spiele:: hat. Die Vorstellung wird mnt- mavlich in der letzten oder vorletzten Juniwoche stcrttfinden Die Bühneneinrichtung, die mtt dec Fesllmgsmauer zu emer lKnheit zu verschmelzen ist, ist von Carl Lund entworfeu. Bei einige:: bet Bühnenbilder, nämlich bei den im Freien spielenden, muß sie sehr gut wirken, denn der Zuschauer kann im Hintergründe das Schloß mit dem hohen Turme über die Mauer ragen sehen; wie sich die Bühnenleitung mit den Bildern abfindet, die in geschlossenen Räumen spielen, ist nach de:: vorliegenden Mitteilungen nicht ersichtlich.
— O och r ite scheeme Jejend? Vor einem JahÄhnndert am 11. Inn: 1816, starb der RapolevnMe Märschall Augeroan der 1757 zu Paris als Sohn eines Fruchthändlers geboren lvar und es b:S zum Herzog von Castiglioni und Patt von Frankreich gebracht lfrt. Wenig bekannt ist, daß dieser Fekcherr, allerdings ganz, unfreiwillig, der Anlaß zu der Beniner Redensart: „Ooch 'ne ickieene Jejend?" wurde. Augereau war von Napoleon dazu ausersehen, in Berlrn:m Jahre-1812 has XI. Mmeekorps^ zu bilden, und war im 'Februar 1813 Gouverneur von Berlin geworden. Als dann die Schlacht bei Gwßbeeren geschlagen ward, und die Berliner den Tag über von wett her beu Kannonendv nner hörten, des Abends aber ms SchanMeLhäus liefen, um Neues zu erfahren, nahm der Komiker Unzelmann, der eine große Aehnlichkeit mit Augereau hatte, die Nachricht vom Siege bei Gooßbeeren zuni Anlaß folgenden Bühnenscherzes. Er bettat plötzlich die Szene in seiner Dienerrvlle, die er in dem Stücke des Mends hatte, und meldete der „Mädigen Frau", daß die Verbündeten einen Sieg über die Franzosen bei Großbeeren errungen, dann setzte er sich einen Hut auf, den er nach der Form: der Hüte der ftanzösifchen Marschälle gebogen, nahm die Stellung Augereous an, so daß in: Publikum alle sofort den Namen des ihnen woMekannte:: Mar- schalls riefen und sagte ins Publikum hineiu: „Wir haben uns nach Trebbin zurückjezogen! Ooch 'ne scheene Jejend?"


