Ausgabe 
23.5.1916 Zweites Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

Ipucbe reidjf der HhpothekenVesih Mitleidenschaft gezogen »verden können, wodurch die Ersparnisse von Witwen und Waisen än Gefahr kämen. Es handelt sich da um Milliarden. Deshalb Lnuß Beihilfe geleistet werden. Auch das Baugewerbe ist tzu beleben, weil damit die Lebensfähigkeit zahlreicher Jndustrie- izweige zu' mmcnhängt. Eine Hhpothekenstundung ist kein 'Drocalormw. Beim Hausbesitz ist zu beachten, daß er besondere öffentliche Lasten trägt, wodurch seine Einnahmen eingeschränkt sind. Die Grundsteuern werden erhoben, auch wenn keine Ein- hrahme eingcht. Die Unkündbarkeit der Hypothek liegt auch im Vorteil des Gläubigers, weil so daS Objekt den vollen Wert behält. Der Hypotheken schuldner ist feinem Gläubiger aus Gnade und Angnade überlaffen. Zum Teil ist eine himmelschreiende Be- tvucherung erfolgt. Selbst öffentlich-rechtliche Körperschaften haben Las Kündigungsrecht mißbraucht. Während der Unkündbarkeit Muffen positive Maßregeln zum Ausbau des Immobiliarkredits ergriffen werden.

MinisierülldirekLor Dr. Lewaldr Der Bericht der Wohnungskommission legt zutreffend dar, in belchcr Weise sich bisher die Tätigkeit des Reichstags ans die Woh- inungSsürforge erstreckte. Auf alle Einzelheiten der Ausführungen der Vorredner kann ich hier nicht eingehen. Ein besonderes Wort des Dankes verdienen die Baugenossenschaften. Allen Befürchtungen zum Trotz ffnü) sie gut. stark und fest durch den Krieg hindurchgegangen. Verluste haben nur die ostpreußi- 5chen Baugenossenschaften gehabt in den Orten, wo die Kkuffen ihren gesamten Besitz zerstört haben.

Die Wohnungsfürsorge für die Neichsbediensteten hat auch eine mittelbare wohltätige Wirkung auf anbexe Kreise. Wenn in Orten, wo starker Mangel an Kleinwohnungen hervorgetreten war, eine Baugenoffessthaft begründet wurde, trat dann bald auch das Private Baugewerbe schon aus Wettbewerbsgründen an den Bau von Kleinwohnungen heran.

Die vorliegenden Anträge wollen den angeblich zu ! engen Rahmen der Wohnungssürsorge des Reiches in großem 'Maßstab erweitern. Ich kann dazu heute keinerlei Erklärungen 1 abgeben. wie sich die verbündeten Negierungen stellen, auch kann !ich den Standpunkt der Rerchsleitung nicht Vorträgen, da heute oder morgen ein Wechsel ein treten wird. Ich kann nur sagen, welche Bedenken der bisherige Staatssekretär des Innern gehabt hat.

Bisher haben wir auf dem Sboben gestanden, daß dem Reich, abgesehen von der finanziellen Tragweite, die für eine erspricß-

Ache Kontrolle unerläßliche Organisation fehle. Wir verkennen micht, daß der Krieg die Wohnungsprobleme außerordentlich stark sin den Vordergrund geschoben hat, und daß der Bedarf an guten und gesunden Wohnungen groß sem wird. Jeder möchte gern dazu beitragen, daß die heimkehrenden Krieger möglichst gute und gesunde Wohnungen vorfinden. Wie denkt man sich aber die Kampfansage an die Mietskasernen? Was soll denn aus den darin angelegten Milliarden werden?

Die 250 Millionen für Bürgschaften hat man schmackhaft zu machen gesucht, indem man sagte, es würde keine Barzahlung verlangt. Wenn ein Privatmann viele Bürgschaften übernimmt, 'so wird sein Kredit erschüttert. In Deutschland erfordert die Herstellung neuer Wohnungen alljährlich 1Z4 Milliarden Mark. Geht man aus diesem Wege den ersten Schritt, so werden.bald viele Hunderte bau Millionen Nachkommen. Wer die Neichs-- ftnanzen gesund und stark erhalten will, kann derartiges nicht vertreten.

Ein- Besserung und Regelung des Grundkre­dits muß nach dem Kriege allerdings erfolgen. Zu gegebener Zeit und Gelegenheit wird auf den Rat der im Grundkreditaus­schuß venreleneu Sachverständigen znrückzugreifen sein. Der Abgeordnete Gühre hat es so dargestellt, als wenn auf dem Ge­biete des Wohnungswesens zwischen Preußen und dem Reich ein Wettkampf ftattsindet. Er verkennt offenbar die Beziehungen zwischen Preußen und der Reichsverwaltung vollkommen.

Auf dem Gebiet der Heimstätten für die Verteidiger unseres Vaterlandes wird im wesentlichen das erreicht werden, was von den Befürwortern verlangt wird. Gerade hier muß man vorpchtig sein, um nicht übertriebene Hoffnungen zu erwecken, die nicht erfüllt werden können. Die Gründe, die für eine rerchs- gesetzliche Regelung angeführt wurden, hält die Regierung nicht -für überzeugend. Am besten läßt man die Sachen weiter in der Hand von Siedlungsgesellschaften.

Die Rerchsregrerung wird die vorliegenden Enffchließungen eingehend beraten und tun, was irgend möglich ist. Jedenfalls hat die Entwickttrug des KlernwohnungAvesens in dem letzten Jahrzehnt in keinem Land so vorbildliche ausgezeichnete Lesungen aufzuweisen wie in Deutschland. Aus diesem Gebiet wird die Regierung gern mit dem Reichstag weiter arbeiten.

>g. Cohn (Soz. A.-G.)t

GÄviß besteht für die Hausbesitzer ein Notstand, aber noch viel mehr für die Mieter. Ihre Jnteveffeu müssen daher W erster Linie berücksichtigt werde«.

Abg. Gotting (natl.):

Die größte Gefahr für den Hausbesitz ist die Möglichkeit, daß das Privatkapital sich vom .Grundstücksmarkt gänzlich zurückzieht. Das gilt auch für den Kleinwohnungsbau. Wenn das Privatkapital sich auch nur vorübergehend hier zurück- zieht, muß das Reich eintreten. Wird das Bedürfnis nach Klein­wohnungen wirklich so groß werden? Alle Vermögensverhältniffe sind durcheinander geschüttelt, daß man nichts genaues Voraus­sagen kann, und nicht weiß, wo das Bedürfnis hervortritt. Wir wollen darauf hinaus: Das Wohnungswesen ist so wichtig für die Gesundheit des ganzen Volkes, daß es Reichssache sein muß. Diese Ueberzeugung muß der Reichstag dem Bundesrate durch möglichst einstimmige Annahme der Entschließungen des Ausschußes berbringen. Es wird auch nicht ohne Bereitstellung von Mitteln des Reichs abgehen können.

Auch staatsrechtliche-juristische Schwierigkeiten sind leicht zu beheben. Schließlich genügt es, wenn man dem Reichsfürsorge- sonds den Charakter als juristische Person gibt. Die technischen Schwierigkeiten für die Bürgschaften des Reichs zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen muffen zu überwinden sein. Die Sparkassen, die dem Verbände angeschlossen sind, zu dem ich in Beziehungen stehe, haben keine Hypotheken gekündigt, sollte das doch der Fall sein, bitte ich, mir das mitzuteilen. Allerdings sind manche Sparkassen durch die Zeichnungen ihrer Sparer auf die Kriegsanleihen in eine etwas schwierige Lage in bezug auf ihre Geldflüffigkeit gekommen. >

Abg. Frommer (kons.):

Wir haben eine Pflicht der Dankbarkeit gegen die Kriegs­teilnehmer zu erfüllen. Hausbesitzer und Mieter brauchen Schutz. Die Heimstätten sind ein konservativer Gedanke. Wir hoffen, daß die Entschließungen von der Regierung in die richtigen praktischen Wege geleitet werden.

Abg. Mumm (Dtsch. Frakt.)

spricht zu Gunsten der Kriegerheimstätten. Der neue Herr sollte den Baugenossenschaften mehr Geld zu billigem Zinsfuß geben. Der Redner gedenkr der Heimstätten des Pastors Bodel- schwingh in Bethel bei Bielefeld.

Nächste Sitzung Mittwoch, 1 Uhr. Zensur.

Schluß 6y x Uhr.

Der SdjrcÄen von ZMlrol.

Aus Lugano, 21. Mai, schreibt uns ein gelegentlicher Mitarbeiter:

Die politische Wirkung der gewaltigen Offensive Oester­reichs in Südtirol auf den ja so veizbaren italienischen Volksgeist ist bereits zu verspüven. Die scheinbare Ruhe des Oberkommandos und die journalistischen Tricks, mit denen die offizielle Presse arbeitet, um die gute Laune zu retten und die Aufmerksamkeit von den derzeitigen Schlappen ans zu erwartende Hilfsosfensiven der Verbündeten abzu- lenken, versagen völlig. Der Italiener glanbt nicht mehr an den Sieg, und die Zeitungen, auch die weiter vom Kriegsschauplatz entfernten, die sich bisher noch irgendwie herauszulügen suchten, geben keine .Hoffnung mehr. Aus der Katerstimmung des Jahresjubiläums droht eine all­gemeine Gärung jju werden. Anklagen und Vorwürfe er­tönen ans jeder Spalte der Blätter. Verlustlisten werden bekanntlich immer noch nicht ausgegeben. Das Verlustthema darf überhaupt öffentlich nicht erörtert werden. Die Ver­wundeten werden ausschließlich nachts eingebracht, damit sie niemand sieht. Die Folgen dieser .Heimlichtuerei siiid natürlich, daß das Volk von hunderttaiisenden von Toten und entsprechend mehr Verwundeten und Kranken spricht. Wo die Leute sich unbeobachtet glauben, laufen die wildesten Gerüchte um. Es heißt, daß ganze 'Regimenter aufgerieben seien. Von einem Regiment seien nur noch 45 Mann mit einem Offizier übrig. Fast so schlimm wie die Hiobs­botschafterl aus Südtirol, ja vielleicht noch niever- drückerrder wirkt das wirtschaftliche Elend, das sich über das Land und die Städte auszubreiten beginnt. Streiks, Mißernte, das Fehlen der arbeitsamen Er­nährer zahlloser Familien, das Versagen des das städtische Leben Venedigs, Roms, Florenz', Neapels usw. befruchtenden Fremdenstromes, zumal aus Deutschland, wodurch eine undenkliche Menge kleiner und mittlerer Gewerbetreibender, vom Hotelgewerbe ganz abgesehen, schwer geschädigt, ja rui­niert wurde das alles hat eine Stimmung hervorgerufen, die das gerade Gegenteil des Rausches vom Mai vorigen ^ 5 ^s ist Inmitten dieser Woge allgemeiner Unzufrieden- hert, die sich leicht, und zwar vielleicht noch früher als in Ruß-

laiid, zur offenen Umwälzung auswachsen kann, hält sich die Regierung lediglich durch ein unerhörtes System des Schreckens aufrecht. Jede öffentliche Kritik, ja, jede Kritik der Regierungspolitik überhaupt, ist aufs strengste verboten. Wer auf der Straße ein lautes Wärt sagt, das sich auf den Krieg bezieht, es sei denn chauvinistische Bewunderung für das Heer und den König, insbesondere aber für die Herren Salandra und Sonnino, der wird verhaftet. Denn alle Straßen wimmeln von Denunzianten und Geheimpolizisten. Das Publikum in den Restaurants, Cafes, Theatern ist über­wacht, und auf diese Weise ist es den Behörden tatsächlich gelungen, einen Zustand der Dinge herbeizuführen, der an das Polizeiregiment unter päpftlicherherrschaft erinnert. Alle Hoteliers, Restaurateure und Kasfeewirte Roms sind polizei­lich angewiesen, die Tischgespräche ihrer Gäste zu überwachen. Sobald die Gäste die Regierungspolitik oder den Krteg kriti­sieren, müssen die Wirte an die Polizei telephonieren und den Polizeikommissar rufen. Der Wirt, der dies unterläßt, wird mit Entziehung der Konzession und Gefängnis bestraft. Wer der Kritik, überwiesen ist, wird als Spion und Hoch­verräter aus den Armen seiner Familie gerissen, als Polizei- gefangener nach Sardinien abgeschoben und geschäftlich ruiniert. Obschon zum Jammer der von der Fremdem n- dustrie lebend!en Geschäfüwelt weit und breit keinFore- stiero" zu sehen ist, halten die Gasthäusbesitzer ihre Hotels dennoch offen, und zwar geschieht dies aus Angst, die Hotels von der Militärbehörde mit Beschlag belegtund in Lazarette verwandelt zu sehen. Merkwürdigerweise scheint trotz hei­ßer Bemühung der im,wer noch auf Bestellung arbeitenden Hetzpresse der törichte Haß g e g e n D e u t s ch l a n d n ä ch­zen lassen. Man hört im großen Publikum nur selten Schmähworte gegen diedeutschen Barbaren". Vielmehr ist Deutschlands militärisches und politisches Ansehen merklich gestiegen, und mit tiefer Besorgnis erörtert man die Mög­lichkeit, daß auch deutsche Truppen, zumal die gefürchteten Bayern, an der italienischen Grenze erscheinen könnten. Man sähe die Deutschen lieber wieder >als genußfrohe, kauf­kräftige Gäste in Rom und erinnert sich mit Wehmut, daß erst jene alljährlicheteutonische" Einwarrdernng die römi­sche Frühlings- und Ostersaison befruchtete. Man fragt nun besorgt, ob jene jgoldenen Zeiten jemals wiederkehren wer­den? Ich konnte meinem italienischen Gewährsmann dar­auf nur erwidern, daß es für dieses Fahr sicher zu spät ist, daß lab er auch für die nächsten Jahre nichts zu fyoffert sei, selbst wenn seine Landsleute die große Fremidlichkeit Mitten, den angedrohten Ktieg an Deutschland. schließlich doch nicht zu erklären. Der deutsche Erfütdungs'geist hübe eine ganze Reihe von Ersatzmitteln für die Genuß- und Luxusware Italien" geschaffen, und man fühle sich ganz wohl dabei.

.... ^.. e , r n ' 22. Mai. (WTB.) Das italienische Amtsblatt ver­öffentlicht ein Dekret, nach dem weitere 200 Millionen für Kriegszwecke ausgeworfen werden.

Bern, 22. M!ai. (WTB.) Mäilcnider Blätter weisen in lan­gen Ausführungen aus die Unzuträglichkeiten hin, die von der ver- Ipäteteu Ve r ö sfent l i.chin n.g der italienischenheeres- b e r i ch t e int Auslande Hst rühren.Secolo" verlangt künftig zwei tägliche Heeresberichte.Tribuna" hält es für zweckmä^g, der italienischen Oeffentlichkeit die österreichischen Heeresberichte nicht länger vorzuenthalten.

Bern 22. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Aus den tiefen Eindruck, den der österreichische Vorstoß in Südtirol in Italien gemacht hat und ans die Beunruhigung, welche er bet dem Verband hervorrief, laßt das sehr unffangrerck-e Expose detz Agenzta Stefam schließen, das insbesondere die ungeheuren Vor­bereitungen der Oesterveicher hervorhebt und darauf hinweist, daß du Zentralmächte in der Herstellung von Kanonen und insbe­sondere großkalibrigen Geschützen über rechliche Mittel verfügen, die sie verschwendend amoenden. Die Oesterreicher hätten gegen die vorgeschobenen italienischen Linien eine starke Feuerkonzentrierung gerichtet. Sodann spricht die Agenzia Stefan i diesen Linien einen dauernden Charakter-ab mrd erklärt sre seien infolgedessen bei dem starken feindlichen Borfwß nach angemessener Verwendung zu räumen gewesen Schließlich heißt es: Bekannt ist der gewaltige Reichtum der Zen­tralmächte an Schießbedarf, her ihnen gestattet, ihre Artille­rie derartig spielen zu lassen, daß es zuweilen ans Phantastische grenzt. Den gewaltigen österreichischen Anstren­gungen gegenüber kämpft unser Heer mit wech­selndem Glück, aber mit Vertrauen und Festigkeit Unser Land teilt jetzt mit Frankreich die Ehre und Last der drückenden Militärmacht der Zentral- w ä ch t e, welche die Drohung vereiteln wollen, die für sie in der eiiiigenden Aktion des Verbandes besteht, und die Initiative an sich zu reißen suchen.

wiGewschaft « Cc&ca.

r Ein sranz ösische r Aesthetrker über das Er­lebnis des Schützengrabens. In der Schlacht bei N«l- vDe-St. Vaaft am 25. September vorigen Jahres ist ein be- gabrer jüngerer französischer Aesthetiker gefallen. Dies ist Am6- r a rd, der durch seine Abhandlung über dieBerufung oes Dichters" sich den phllofophffchen Dok^rgrad erworben und Ee tüchtige Abhandlung überVictor Hugo rmd Virgil" veroff-entlrcht hatte. Er jvar vom Staate als Lehrer angesteM . mt °. batte ein besonderes Interesse für die Ueberreste von All-Paris, in denen er^ gern den Führer machte. Guiard hat ein Kriegstagebuckz hinterlafsen, dessen AUfzeichnungen von Wert sind, mfosern sie ein Zeugnis davon ablegen, wie der Schützeugraben- fneg auf diesen feinsinnigen ötngen Gelehrte» gewirkt hat. Die Andrücke, die er mederschrieb, smd voll tmti hem Gefühle des (zn<mz\i£.Was man bei einem Ausfälle ans dem Schützengraberi graben erlebt," so sagt er,das ist unbesäueiblich und für jede iemere 'und empfindsamere Natur empiwerch. Man tritt auf Leichen und anstatt als Christ niederzuknien und für die Seele des Ge- mllenen ein Gebet zu beten, tritt man weiter in Blut, das einen brs hinauf'M den Ohren beff«ützt, und stampft- scher abgerissene Glie­der, die eine Granate über das Schlachtfeld verstreut hat. Das sind so blutige und furchtbare Eindrücke, daß selbst wenn man, wie ich, über den Tod und-desten Brutalität -mancherlei nachgedacht Hot, man sich doch nvnnaltz eine Mörherei wie diese hat vorstellen können. Und sichst wenn man, wie ich, die Tragödie zu seinem Studium gemacht hat nnd mit einem tragischen Konflikte und seiner Lösung völlig vertraut ist, hat man sich dxh nicht sv etwas Gransaimess und Entsetzliches gedacht. Vicwr Hugo und die Ronrantiker müssen glatt auf gegeben rvecken. Shakespeare allein ist es. der der Wirk- lichkeit nahe kommt, Bevor ich in den Krieg kam, war ich immer oer yjlemung, daß die Todesfälle bei Shakespeare sich sv merffvü'rdig brutal undunbegründet" ereigneten, ganz wie infolge einer zu- rattwat Laune: so Thbalts inRomeo und Julia", Emnas der der Kinder inMacbetls^. (Beilausig bemerkt, eine Auffassung, die für die Denkweffe französischer Aesthetik bezeichnend ist. . Aber das Genie hat das Richtige gefunden. Der Krieg hat mich gelehrt, daß die Sache gerade sv vor sich geht. Gerade so grundlos und jäh tritt der Dod ein. Eine Schildwache tritt an die Schiewcharte und blickt hinaus. Sie teilt mit, daß die Vorposten deo .velndes ffgendwv draußen im Gelände liegen, und kaum l>at der Mann seine Mitteilung vollendet, da sinkt er, von einem herzschussi getroffen, tot um. Ein Offizier springt auf einest Lchanzkorb und setzt das Glas ans Auge. Wir rufen ihm zu: Vorsicht? Vorsicht?" und schon ist es zu spät. Von einer Kugel rn öi? rttwn getroffen, taumelt er rückwärts und ist tot &o Kchrs die ganze Zell, heute du, morgen ich. Und das Schwerste von allem, das Sterbe::, scheint mit einemmale so einfach, so ge­radezu und so natürlich." Neberr Shakespeare hielt für Guiard

im Grauen des - Schützengrabens nür noch eine literarische Erinr rung stand: das war die an die Worte des Reueii Testamentes, ferne Mahnung, immer zu wachen imd sich bereit zu halten: u wenn 'er an Shakespeares bitteres Wott dachte, das wir alle Scha sprel-er seien und jeder nur seine Rolle, kurz oder lang, wie sie eb ist. zu sprelen habe, so beugte er sich demüttg vor dem (Zsidankc daß hinter den rtülissen Einer stehe, der größer als die Rolle u großer als der Verfasser ist und der darüber entscheidet, wai unser- klirre Rolle »u Ende «esvielt sein soll. Zehn Tage, nal dem der Philosoph und Aestethiker seine Betrachtungen über d Ertebms des Schützengrabens niedergeschrieben hatte, fiel er selb Er war ohne Begeisterung, >aber mit männlicher Fassung ins Fe gegangen und litt furchtbar unter den Schrecknissen, die er tägli erleme Seinen Tod fand er übrigeiis bei dem tapsiren Versnck me -welche eines gefallenen Feindes mitten im Kugelregen zu be aen. Auch von den anderen längeren Schriftstellern und Forscher me mtt AmW^e Guurrd zusaminen einen eigenen Kreis von Schö' geisterii m Paris bitbeten, ist die Mehrzahl inzwischeit bereits de Zcrrege zwn Opfer gefallen.

Sttraßenbilder. Das folgende anschaulic ^mld vom tätlichen Leben im besetzten Lodz findet sich in dem unt dem Ticel Von Sarajewo bis Lodz" bei Georg Müller erscheine- i>tm Ätregsbuche ms ungarischen Berichterstatters Ceza hercze Eigen Grandhotel in Lodz, das im Zentrum d fetabt liegt imb das früher nur russische Mlllivuäre und qeschmink Ta men zu Stammgästen hatte, steht jetzt ein deutscher Osftzie der urrs erwattet und jedem einen Quartierzettel überreicht V dem Hotel steht ein sächsischer Landsturmmann Posten; sein Schi derhaus ist schwarz-weiß-rot gestrichen. In der Halle tteffen w noch den alten russischen Portier . . . Die Petrikauer-Strqße in Lo> ist so übervoll von Menschen, wie vielleicht die Kärtnersttaße i Wien >oder die Friedrichstraße in Berlin. Ich gAe dem Potti' nrernWi Quartterzettel, aus deni ich meinen Namen, die Zimme nummer nnd deri StempelKgl. Deutsches Gouvernement" les Tezllfche straft und deittsche Energie habeit ans Lodz ein llein« -wrlin gemacht. Mit dem gleichen Ordwmgssinn, mit dem sie m schmutzige polnische Stadt in eine saubere deutsche verwandet mit derselberl Kraft wid Errergic gewinnen sie auch die Schlachtci Dieselbe deuts.che Energie hat Lodzer Einwohner zu Wächtern g. macht. Sre gehen auf und ab aus deir Straßen und sorgen ft Owuuiig, als ob sie ihr ganzes Leben lang nichts anderes geta hatten. S« sind an einer blauen Armbinde kennllich. Man sa- mrr, die Lodzer Bürgerwachc funMoniere ausgezerchiiet. Die Art, Polizei zu schaffen, gibt sehr viele Soldatenkräste frei. ab -und zu sieht nian einen berittenen deutschen Sotdateii durch b Straßen reiten. Alle große Fabriken arbeiten. Ueberall, wo d Leiter der Fabriken geflohen sllrd, lverden sie durch Deuffche ei etzt. Die elektrischen Straßenbahnen verkehren in voller Ovdnun und werden von deutschen Soldaten bedient, die zu hMse eberi

falls Wagenführer und Schaffner sind. Mn iitteresiaittestjen sind dre Sttaßen mit ihrem reg«i, bunten Verkehr. Sehr viele Di-enst- mwmn und noch mehr Bettler, die sofort den Frenzen erkennen Der Schlachtruf der ZertuNgstrager erschallt in den Straßen- Lodzer Zeitting!" . . . Schutzleute steh^ii ans den Straßen wie in Berlm, London und Paris an den großen Kceuzungspunkten Mit einem kleinen Stöckchen stehen sie in dem dichten Getümmel, unbeweglich wie^ <L>änl«k. Während ferne die schweren Geschütze donnerii und die Maschinengewehre tacken, kommandieren diese deuffcken Schutzleute mit dem richigsteu und natürlichsten Ton der Welt:REs halten?". . . . ,Li.gckfts halten?" sagen sie, als ob in dieseni Moment nichts wichtiger wäre aus der Welt, als daß sich ? = EU Lodzer Korso die geschminkten Damen, die Lodzer Herren, das Volk und die deutschen Osftziere rechts halten.

. ^größte Bild der Weltt^. Wie berichtet wurde,

Haider bekannte Maler Professor Hugo Vogel jetzt ein 19 Meter langes 'mtb 8 Meter hohes WaiidgemäldePronretheus bringt den Merffchlen das Feuer" in der Berliner Charite vollendet, das das größte Wandgemälde ist, das die deutsche Reichshauptstadt überhaupt besitzt. Aus diesem Anlaß schreibt wis ein Mitarbeiter: T^nt ^ahre 1910 vollendete der französische Maler Malo-Nord ein o00 Quadratmeter umfassendes Bild, womit er das PariserHotel de vrllc" (Rathaus) schmückte, ^nnd ob schön oder nicht, die herreii Fvaiizosen vermeinten, sie hätten ldanlltdas größtö Bild.der Wett". Gegen diese Behauptung wurde aber lxild in deutschen Zeitungen Einspruch ^erhoben. Zuerst meldete sich Würzvurg. Dort hat bereits im Jahre 1753 der Maler Giovanni Battista Tiepolo im Auf­träge des damaligen Fürstbischofs Karl Philipp v Greifenllau ein fast >doppel1 so großes, nämlich rund 550 Quadratmeter messendes Deckeiigemälde in der Königlichen Residenz ferttggestellt. das die den ganzen Erdkreis umspannende und beherrschende Macht der Kirche versinnbildlicht. Aber auch dieses Gemälde kann nicht den Ruhm des größten Bildes der Wett für sich in Anspruch nehmen Denn die Außenwaird des Stallhofgebäudes des Königlichen Resi- denzschtosses zu Dresden schmückte in den Jahren 1873 bis 1876 der er ft vor wenig Jahren verstorbene Maler Ad. Wilhelm Wglther mit seinem berühmtenFürstenzug des .Hauses Wetttn", und der fft so lang, wie die ganze Anguststtaße (hinter derBrühlschen Terrasse"), an der er hängt. 100 Meter lang und 10 Meter hoch (der eigentliche Füxstenzug 4 Meter hoch), das ganze Gemälde also dreimal so groß, wie das Pariser und doppelt so groß lvie das Würzburger RiesenviL. Neuerdings hat man übrigens das alte Walthersche Bild, dessen Sgvaffllotechnik sich nicht wetterhart genug erwies, durch Porzellarrfliesen ersetzt; dazu wurdeii in den Jahren 1905 und 1906 in der Königlicheii Porzellanmwinfattur Meißen nickst weniger als 2o 000 einzelne Platten gemalt und gebrannt, und dann in Dresden sorgsältig an derselben Wand über dem alten Gemälde befestigt.