Ausgabe 
18.5.1916 Zweites Blatt
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Die ^AdcheBer §a«Mr«»N»- mm&m tarn

»Anzeiger* viermal wocherrtttch betgekr-t, da« ^«reirbkatt für den KrtU Kr-err- gwmoA wöchentlich. Die ^La«öwir1st^Mche« frage«" erscheinen mona^ich fOMiumL

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LTG Jahrgang

Donnerstag, 18 . Mai UND

Rotationsdruck und Verlag der Br strichen Universität^ - Buch- und Sleindruckereu R. Lange, Gießen.

Schrittleitimg,Geschäftsstelle u.Druckerek: Schul- strotze?. Geschäftsstelle u.Verlagi^TAöl, Schrift­leitung: «-^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

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Mb. Deutscher Reichstag.

4 8. Sitzung. Mittwoch, !« * 17. M« i 1918.

Am BundcSratStisch Dr. Helsserich, Wackerzapf.

Präsident Dr. KaemOf eröffnet die Sitzung raa 3 Uhr 16 Mm.

Der Gal für das DÄrtzchhehsÄ.

Die Aussprache wurde schon in ern<r früheren Sr^irny beschlossen. TS sind nur noch Abstimmungen oorzunelrmen. Für die Vollendung und Ausstattung des Hause» auf dem Grund- stück Biktoriastratze 34 r, Berlin, da» früher vom Militärkabinett in Anspruch genommen wvrde. «rrd um daS lebhafte Au Schnarcher sich nngen im Reichstage staltfandem. werden zur Beschaffung von Geschäftsräumen sLr die Reichs- entschädigungSkommisfion 600000 S^ark be­willigt, aber mit dem ausdrücklichen Vermerk, daß die spätere Verwendung Vorbehalten bleibt.

Angenommen wird eine Entschließung, die den Reichskanzler ersucht. der Abienuny Jöki derfürsorge d e S Roten Kreuze.S* anS zur Verfügung steheichen Fonds eine « n g e m e s s e n e II n t e r st u tz u n g zu gewähren

Ser Gal für Lev NeHrrimshof des Reichs.

Lbg. Freiherr v,n Gamp (Dtsch. Fraktt) regt eine Vereinfachung deS Rechnungswesens und der RechnungSk an trolle an.

Staatssekretär Dr Hekfferich erklärt, daß den Anregungen Rechnung getragen werden sül.

Der altzemeine Venfionsfovds.

Abg. Mcyer-Herford (natl.)

empffeM eine Entschließung des HaaptauSsckusseS, dem ReichSanS- fchuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge einen ange- messcnen Zuschuß auS Reichs Mitteln zu gewähren.

Der Etat loird ohne Erörterung cmgenonrmen, ebenso die Entschließung des Ausschusses.

Der EiÄ des RelchseisevLah rsmls

Wird ohne Aussprache erledigt.

EM der RLNveiiMg der Leichseisellbchnen.

Abg. Fuchs (Soz.): --

Die VerkesirSernschränkungen auf den elsaß.lothringischen Eisenbahnen gel>en weit über daS dinoarS, was durch die Interessen der.Heeresverwaltung geboten erscheint. DaS erregt bei der ohne­hin schon erbitterten Bevölkerung neue Mißstimmung. Man muß versuchen, hier Wandel zu schaffen, sowohl im Interesse der Be­völkerung wie im Interesse der NeichSfinanzen. Auch die Beamten und Arbeiter haben mancherlei Klagen, namentlich über' die un- zureichenden Teuerungszulagen.

Abg. Rnefer (Fortschr-. Vg.)

bringt gleichfalls Wünsche der Angestellten vor. Namentlich die Bezüge der W c r k f ü h r e r bedürfen einer Aufbesserung.

Abg. Jckler (Nall.)r

Die Bezüge der Angestellten sind bei den beutigen TeuerungS- verhällnlssen nicht ausreichend. Eine Erhöhung der Einnahmen darf aber nicht in Form von Uebeestunden erfolgen. Die Arbeiter sind lange nicht in dem guten Gesundheitszustand wie in Friedens- zecken. Ein Uebcrmaß von Ueberstunden vermehrt nur dre In- Validität der Arbeiter und führt zu einer weiteren Belastung der PensionSkasseu, die ohnehin jetzt stark in Anspruch genommen sein werden.

Abg. Haegh (Elsässer)

bringt ebenfalls Klagen aus dem Elsaß vor. Die Zulagen sind nicht einheitlich geregelt. Die Kindcrzuiage ist unzureichend.

Chef der Reichseisenbahnen Preußischer Minister v. Brrttenbach:

Die Verkehrshemmungen, die in den Reichslanden sich geltend machen, unterstehen nicht meiner Gewalt, sondern werden auS- schließlich unter militärischem Gesichtspunkt behandelt. Es trifft zu, dag die W e r k f ü h r e r, die ausschließlich aus dem Arbetter-

v vr ssäk kwS in da« DearntenverbälkniS hincinwachfen. in vielen Fallen cm niedrigere» MindcSgehalt haben, als der Lohn der Arbeiterklasse war, auS der stq he war g n^en. In Erkenntnis dessen bat die Verwaltung bereits häufig mit reckst erheblichen Ausgleichsbeträgen cingegriffen. Wie das Mißver­hältnis künftig zu regeln fein wird, lasse ich dahingestellt, ich kann aber feststellen. daß ich wünsche, cS endgültig beseitigt zu scheu. Die Sage der Arbeiter und Beamten beschäftigt die Ber- walluug auf das lebhafteste. Der Krieg bat außerordentliche An- spräche an das Personal gestellt, das ihnen mit voller Hingebung Genüge geleistet hat. was von allen Seiten anerkannt worden ist. Damit eS seine Lebenshaltung den schwierigen Lebensverhältuissen an passen kann, sind bereits in vielen Fällen Lohnaufbesserungen vorgenommen und K rieg »geh a l tsz n l age n gch-ährt worden. DaS wird weiter in steigendem Maße geschehen. Für 1010 ist der-Betrag über daS Doppelte höher als 1015.

Ich kann nur mit der Versicherung schließen, daß ich als Chef der Verwaltung der Reichseisenbahnen der schwierigen Lage des Personals Rechnung zu tragen bereit bin und Rechnung tragen werde. (Beifall.)

Die Aussprache schließt. Die Abstimmung soll bei der dritten Lesung erfaigen.

Gal für die Reichspofl- und TeleZraPhennmyÄluug.

Eine Entschließung de» HauShaltSauSschusscS verlangt Erhöhung der Bezüge der nicht etatsmäßig angestellten Post, und Telegraphemstfisteuten, der nicht etatsmäßig augestellten Post- und Telegraphengehiffinnen und der Postboten sowie der Vergütungen der Gehilfinnen bei Postämtern TT; eine andere Entschließung verlangt Löschung von Disziplinärst ras. vermerken in den Personalakten nach Ablauf einer angemesse- neo Frist.

Bemchkerstakier Meyer-Herford (Natl.):

Die Klagen über die Feldpost, die ja anfangs recht leb­haft waren, sind jetzt verstummt. DaS deutsche Volk dankt der Postverwaltuirg für die Art und Weise, wie sic jetzt diesen Zweig ihrer Tätigkeit geregelt hat. (Beifall.) Auch in der Verleihung von Auszeichnungen kommt dies zum Ausdruck. 1226 Eiserne Kreuze und über 400 andere KriegSvrden sind an Airgestellte der Feldpost bisher verliehen worden. Die Leistungen der Feldpost reihen sich tvürdig den Verdiensten anderer Organisationen im Kriege an. Die deutsche Feldpost in Belgien wird stets ein Ruhmesblatt der Postverwaltung bleiben. Besondere Arrerkennung verdient eine Dame, die während des RusseneinfnllS in Memel auf ihrem Posten ausharrle und unserer Heeresverwaltung große Dienste leistete.

Staatssekretär des Reicbspastamts Kroetke:

Dem Herrn Berichterstatter danke ich für die warme Anerken­nung. die er den Reichspost, und Telcgraphenbeamten ausgesprochen hat. Die Beamten haben allen Anforderungen entsprochen, die an sie gestellt werden konnten. In der ersten Zeit sind allerdings den Beamten Aufgaben ^»gemessen Norden, denen sie eintach nicht gewachsen waren. Von oen etwa 220 000 Beamten der Reichspost sing etwa 87 000 eingezogen. ES wird Ihnen allen verständlich sein, daß infolge der in der ersten Zeit vielfach recht mangelhaften Ersatzträfte au die Beamten in der Heimat ganz besonders hohe Anforderungen herantraten. Während des Krieges sind die Beförderungsverhältnisse nicht in dem gleichen Maße wie im Frieden vorgeschritten. Wenn erst wieder ruhige Verhältnisse eingetreten sind, werden wir versuchen, die Nachteile, die hier entstanden sind, zu mildern.

Was die Entschl,esmng Ihres Ausschusses über die Per- sonalokten anlaugt, so Rn rch persönlich auch dafür, daß die Strafen gelöscht werde,!. Ein Unterschied in der Auffassung besteht nur insofern, als e» eben praktisch unmöglich ist, die 220 000 Personalakten darauf drirchgi sehen. wo etwa mit einem Vermerk ans diese Strafen znrnckgekonnnen ist. Eine solche Arbeit würde einfach unausführbar sein. ES müßte Ihnen daher ge- nügen, wenn der Chef der Verwaltung schon ungeordnet hat, daß m Personalakten leichte Bestrafungen überhaupt nicht eingetragen werden und daß. wenn innerhalb 6 Jahren nichts vorgekommeu ist, die Strafvermerkc in den Akten in Wirk­lichkett gelöscht werden, so daß nicht mehr auf sie znruckgekommen werden kann. Wenn höhere Verwaltungsbehörden anfragen. so ist die Behörde aber verpflichtet, Auskunft zu erteilen. Weiter können wir nicht gehen.

Abg. Nacken (Zentr.)k

Auch die Beamten der ;ÜeicbS-Post- und Telegraphenverwal­tung haben Vorzügliches gelcrstet, wobei zu bedenken ist. daß die Arloit zum Teil mit ungeschultem Personal aufrcchterhakten werden mußte. Viele Wünsche sind nirs geäußert worden. Die Br­am t e n können sicher sein, daß sic bei uns williges Gehör und eifrige Fürsprache finden. Der Reichslag bat wiederholt in Anträgen Erhöhung«, der Gehälter beantragt. Man sollte ihnen jetzt, unbeschadet einer kommenden allgemeinen BesoldnnySordnung. schon Rechnung tragen. Namentlich die Landbriefträgcr sind l^sserzustellen. Auch die nichtetatsmäßigen Assistenten und Gehilfen können angesichlS der schwierigen LcbenSverhältniffe nicht länger unberücksichtigt gelassen werden.

Die Unternehmer, welche für die Postderwakkung Lieferungs- Verträge für Bekleidung der Beamten abgeschlossen hatten, haben durch die Verteuerrrng der Tuche vielfach erhebliche Verluste er- lttten. WünschenSnori ist auch, daß die Arbeitszeit verkürzt und namentlich, daß die Sonntagsruhe eingehalten wird.

Staatssekretär teS Reichspostain tes Kraetke:

Dir Lieferanten von Bekleidungen für die Beamten sind, so- wett wir die Verhältnisse beurteilen können, gar nicht in der Lage gewesen, die Stoffe zu verwenden, zu denen sie vertragsmäßig ver­pflichtet waren. 29enn sie aber Ersatzstoffe liefern, so müssen wir mit ihnen neu verhandeln, denn für diese Ersatzstoffe müssen andere Preise zugrunde gelegt werden. Nach der Richtung der Entlastung bcr Beamten ist schon alles mögliche gescheiten. Schon im Dezember v. Js. erging eine Verfügung, welche den Oberpost- direktionen Anhaltspunkte gab, Nne sie den Dienst so viel als möglich einschränken könnten. Die Schalterdienststunden sind um 23 bis 24 Prozent verkürzt worden, im OrtSbcstclldieust ist eine Vernrindcrtlng von 17 Prozent der Bestellungen eingetreten, un Landbcstclldicnst sind 22 Prozent der Bestellungen ausgefallen. Auch am Sonrstag soll die 3ttrhezeit möglichst beolochtet werden.

Nbg. Tanbadel (Soz.):

Wir erckennen gern au, daß unsere Postbeamten im Felde und daheim Vorzügliches geleistet lwbcn. AuS den Kreisen gerade die­ser Beamten gehen alor dem Reick>Stagc dauernd Klagen über mangelhafte Bczahlirng Beförderung zu. DaS war schon im Frieden so. Jetzt sind TernTrungSzulagen unbedingt gelolcn, die nach der Kinderzahl der Familien abgestust sein können. Die ?lushilfSbemnten der Post werden durchaus ungenügend bezahlt. Wegen der unzweckmäßigen Portogrenzen für Fcldvostpalete haben Soldaten vielfach ihre Wäs<i>estücke zertrennen müssen, um sie rvoblfeil nach Hause schicken zu könnon. Die Verletzungen de-s Bri-efgeherm-nisis^^ beklagen wir. Der Reichstag sollte arrfs Schärfste da.^egen Widerspruch erheben. Unser Ansehen im Ausland wird dadurch nicht gehoben.

Abg. Hubrich (Fortschr. Vp.):

DaS ungünstige finanzielle Ergebnis der Reichspost erklärt sich zwanglos auS dem Kriegszustand. Die Aufgabensteigcrung ist ans die Vermehrung deö Personals durch Aushilfskräfte zurück^ zuführcn. Ob eS bereckstigt ist, auch allen Offizieredes Heeres und der Marine Portofrei heit zu gewähren, möckste ich bestreiten. Diese Generosität paßt wenig zu der jetzt sonst gehandl)abten Pfennigfuchserei. Sehr zu Unrecht wurde zu Anfang des Krieges das angebliche Versagen der F e l d p o st getadelt, obwohl ev auf militäriscko Maßnahmen zurückzuführen war. In einer Woche leistet sie so viel wie 1870/71 im ganzen Kriege. (Beifall.) Ausgezeichnet find die Leistungen der Tele- graphcnarbettcr im Felde. DaS ständige Personal mrch ohne be^ sondere Vergütung erheblick^c Ueberstunden machen. D i c bleierne Sorge um die Ernährung ihrer Famüien beeiuträcht^t die Dienstfreudigkeit der Beamten.

Die Verschlechterung der Dienstzeit bat z»- genommen. Der Staat erschwert seinen Beamten die Grün­dung einer Familie. Ein Postbote wird 31 Jahre, bis er fest, aber immer noch kündbar, angestcllt wird. Weitere e t a t. nlätzige Stellen müssen geschaffen werden. Die verspätete An­stellung schiebt auch den PensionSansprnch hinaus und beeinträchtigt ihn dadurch. Auch die Einschränkung hat ein Ende, wenn daS Ge­halt schon in FricdenSzettcn zur Einschränkung nöttgt. Viele Be­amte leiden bereits an Unterernährung.

DaS Haus vertagt die Wetterberatnng auf Donnerstag 2 Uhr.

Schluß 6 Uhr,

Die neue tüttische ,?rau.

Das Erwachen der türkischen Frau ans dm- Unbewealirbkeit, Tn der tlrr Geist unb Leben jahrhunoertelang verharrt haben, steht unmittelbar mit dem nationalen Aufschwünge der modernen Türkei nn Znsanrmeirhang. Bey O g h l n, der in diesen Tagen im Delvhttt-Verlage in München ein fessetnedes und inhallreiches Buch . über türusche Frauev veröffentlicht, lwbt hervor, daß schon der Kanonendianner von Tripolis ein Echv int Harenk fand. Hinter den hol',vergitterten F-enstern wurde es lebendig, und die Hanums, die bisher allen Ereignissen der großen Welt fern und teilnalimsbvs gegen übergestanden liatten, besannen sich darauf, daß auch sie deni L>aterlande nützlich sein tonnten. Do<b> die trivolrtanische Tragödie spielte sich iit weiter Ferne ab. Die Hauptstadt selbst blieb davon unberührt. Als dann aber der Donner der Geschütze von Tscha- taldschr nach der Hauptstadt herrüberrollte, als die venvundeten Soldaten nach der Stadt gebracht wurden, da ließ auch die scl^euc Hanuin sich nicht mehr z-urückhalten. Sie besuchte öffentliche Frmlenv-crsa'nml'ung'cn, in denen patriotifche Rc^den gehalten tvur-- den, trug ihre Schmucksach^l hin zum Besten der Verwundeten ^d ging selber im .Kleid der Krmrkenschwesden durch die Säle der Hospitäler. Die Not des Landes brachte chr Beffeinng. Und tr>er da glaubte, dieser freie Zug iverde nach den kriegeristhien Ereignissen langsam wieder ein schlafen, der konnte siiclii täglich von de,- Irrig- lcrt dieser B^einung überzeugen. Frauenvereine sehossan wie Pilz-e aus der Erde. Frauenz-eitschriften hielten die Bewegung fest, die ermnal eingesetzt hatte, und trugen die neuen Gedanken twn Haus M Haus. Der nationale Geist f<Md den Weg auch Ku den Fi'auen, ore rund um sich^'fxw, bei den Kindern angefarrgen, eine neue Welt crueljeii sahen. Die Frauen griffen selbst zur Feder und diejenigen unter ihnen, deren Nam'en über die Grenzen der Türke: bekannt wurden so besonders Nikiar .Hanu-m und Halide Edib Hanum gaben den Berveis erbracht, das die Entnnclelung der türkistben Eranunh! nur von der Entschleierung abhängt.

,. .crue Errnngnffchaft der inodenren Fcnurubewegung muß dre Gründung des e r st e n t ü r k i s ch e n F r a u e n F l u b s erwähnt werden, damals faßen die Hanums zum crsüm. Male im Speise- laale ernes inodern en Kon stau tinopeler Gasthoses, konnten Trink- Ipruche ausbrrügen und die türkische Frauenbetoeguilg hochleben lAlcm . vlcht mit Champagner natürlich, sondei'n mit Eiran.

ist eur Getränk, das ails saurer Milch und Wasser hergestellt lD , tyßj önraiff folgte ein Empfang der Frauenklubs in der amertta in scheu Botschaft, wo noch etioas ganz Besonderes sich er- Begegnung zwischen iiirftfdvc-n Damen und Herren, ärunt Tnl solchen aus der pevotischen Gesellschaft. Die Ziele der

neuen Bewv<Mrg sind im galten nrahvoll und besonnen zu nennen Es ist nicht z-u befürchten, daß die Türkei Wahlrechtsweiber nach mglischein Kulturmuster erhält. Was die neue türkische Frau verlang:, ist enw nationale Erziehung, die nach ihren eigenen Wünschen von darr Männern selbst geleitat w-erden soll, ^brchl in rechtlicher Hinsicht tritt di-e junge türkische Frallumbtivegung keines- wegs etwa revolutionär ailf. Eine nn,deine Hanoim, die die tür­kische Franwrbeivagnng fördert, koirnte ln^cichneiideiNnisr das Pro grmniii anfstellen:Wir innlangair nichts, als was uns der Koran erlaubt." Der Besuch des Hotels DokatliMt und das Zusainmen- treffen türkischer Frauen mit Herrerr aus dar eirropäischrn Gesell schaft hat sich- nicht wiederholt: selbst der Versuch eures Wohltätig keitsbaz-ars, den von türkischem Daniien veranstaltet worden war und zu denr die Herrenwelt Eintritt hatte, ist nicht wiederholt worden. Die türkisch« Frau ist geirügfani. Sie wird zufrieden und danklmr s-eili, ioemr ilir die nerve Zeit Sttilulen bringt, in denen olles Komwanda vorbereitet werden kcum.

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Eine ostpreußis che Ko r bflecht schu l e. Sv man­cher nuferer Krieger, dein das l-arte Schicksal des Krieges

die voll-e Erwei-bsfälTigkett geraubt 1*U, nruß sich nach einem Hand werk umtzehen, das nicht zu hohe Anforderinigen au ihn stellt und ikchi doch den Segen der Arbeit, sowie einen beschndeueu Lebens unterhalt gttvälxrt. Da bietet, sich die Kvrbchchterei als eine Be schäftiguug dar, in der sich stül-c Sorgfalt und ein angebe>nmeu Schönbeitsfinn entfalten lönnen. Korbslechtschnl^m werden nwhl hie Ed da entstehen, und da mag als -ein Vorbild ein segensreiclues, tt-efslüh heran ge blüh chs Unternehmen dienen, das die kürzlich irr storbene Gräfin Marie von M i r backi-Sor g ni tt en ins Leben gerufen hat. Es ist die Korb f l echt schiule zu Geh land in Ostpreußen, von der Maria Schade in der von Eduard Kenkel gut geleiteten Zeitschrift für die Gesamtinteressen dc^s Ost PreußentumsOstpreußische Heimat" eine fesselnde Schilderung entwirft. Durch -einen Zufall kam die Gräfin, eine loerktätige N'censchcufreundin, auf den Gedanken. In Sorguitten trieb sich eilt Landstreicher und ehemaliger Zuchthäusler lwrnm. der aber ein Näeifter- im Korbflechten war, und ihm solltt ein Feld der Tätigkeit geschaffen werden, um ihn an Seßhaftigkeit und nütz licke Arbeit zu gewöhnen. So entstand aus kleinen Anfängen her aus im Jahre 1884 die Korbflechtschule, deren Arbeiten lieut weit über Deutschland hinaus einen guten Ruf besitzen. Es ist ein stat! lich.es Haus in denl malerisch zwischen Wald wld Scw gelegenen Dörfchen Gehland bei Sorguitten, in denr sie heut ihre Stätte Hot Während zu Anfang nur alte und schlvache Leitte, Arme und

ß. rrippel hier hier Brot twrdienten, besuchen ietzt auch junge cp" Uinde Lelwlinge die Schnl-e, nur hier eine Ausbildung in lalpwndrr Xrttttrfoit zir erhalten. Nach dreijähriöror Lehrzeit legen sie eine Prüfung ab und gellen dann als Geiallan mit tüchtigen Kennt« nisten in die Welt, um dankbar das zu verwerten, lvos sie in denr friedlichem Hans anl Seeabhange gelernt Iiaben. Geleitet wird die Schule von einem rlMinländiscinm Korbslechtmeister, der durch sein reu4.es Können und seine lirngen Ersalwungen hier eine hob- Blüte der bescheidenen Kunst geschaffen bol. Segensreich erivres sich das Unternehmen zunächst ffff die Bewohner ix^ umliegenden Landes, denn sie fairden bier im Winter, der sonst eine Zeit der Not und Entbehrung gewr-fen war,, gute Arbeit. Die Arnien konnten sich an^ch das Flechten der Binsen, die mr den masurischen Seen ge­wonnen wurden, ernähren, rnrd für Aufträge war gesorgt, da die Anstalt Bcsenlieserungen an die Eisenbahn übcrrio in irren hatte. Auch dre Anferttgimg twn ßrobrmatten nmrde zur .Heimarbeit ver geben: danach n>ar immer Nachffage. nwil sie zu Gipsdecken ver lvertet n>erdeu, mrd Rxchr ;vben die masurischen Seen reichlich her. Bald aber wagte man sich amh an bessere und knnstpollere Sa>4m. Da kvnrden Reise-- und Waschkorbe her ge stellt, und besondere Ans Mertsamkeit wandte man den Korbmöbeln zu. Heute i-aben die S v r g n i t te r Kor b m ö be l einen guten Ruf und genießen hohes Ansehen auf denr Markte.Denn gar schöne und liiusl volle Sachen werden zu Gehland gefertigt, die eine Zierde sind sür (tzartensäle und Balkone und auch sür nranches herrschaftliche Zimmer. Machte doch die Gräffn mit eigener Hand Enttvürfe, die aufs Beste von denr trefflichen Meister ausgeführt lonrdeu Der grase Farbensinn, der ihr eigen war, hüllte diese Möbel in ein geschmackvolles Gellend. Und so war es kein Wunder daß so mancher nur in einem Mirbachsessel sich auSruhen uwllt'e." Für solche Arbeiten Ivanen edlere Ralwarten vonnöten, und so führte denn die Grjisin die Kultur der edlen Korbweide iir Ostprenlwn em. Ans Pacht!äirdcrn baute sie die Bandstockioeive (salix vimnialisl und die Fleckstimäde (anwgdalinal an Dadurch erhielten wieder viele Leaste Arbeit. Ancli ausländische Rohre werden viel verlvendet, und so kanien nach dem fernen Masuren! Teestauden. Lvngoaichen und Peddigrohre. Während deo Krieges haben Invaliden und Verwundete in der ttUlstnuder Kubflecht- schule Ausnahme und Arbeit gefunden. Mancher li.st ein Glied seines .Wrpers hergeben müssen, aber die Kraft und Geschicklich­keit seiner Hände ist ihm geblieben, und so findet ep liier eine stille, fwundlichr, friedliche Tätigkeit nach den blutigen Wirren des Krieges.