Ausgabe 
8.5.1916 Zweites Blatt
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m. P?

Erscheint lagllch \mt ?lu?n<chn,e des Sonntags.

Tie(Netzen« §amr!ie«v!Ltter" werden dein »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Arefidlatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeit- - fragen" erscheinen monatlich zweimal.

M. Zahrgang

General-Anzeiger für

Mont«, 8. Mat M»

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts - Bllch- mtb Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schristleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle ».Verlag: e^A51,Schrift« leitung: ^W I12. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Aus dem Reiche.

AirtrLye Zttgvnften der Postsngestrllte«.

Berlin, 6. Mut. <Priv.-Tel.) Im Hauptausschuß des Reichstages ist zuim Etat für die Reichsvost- und Tele- 6 r a p h e n v e r m c 11 u n g folgender gemeinsamer Antrag eingebracht worden: Ter Reichstag wolle beschließen:

I. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen

1. die für die Bewilligung von Kriegsbeihüfen festgesetzte Einromniensgreuze von 2100 Mark für Beamte ans 3000 Mark und von 2400 Mar? für nn Bertragsverhältuis stehende Ange­stellte ans 3300 Mark zu erhöhen.

2. Tie KricgöbeihÄfen ans die Postagenten crusKudehnen, deren Einkommen vorwiegend in der Vergütung für Wahrnehmung der Bostd«mstgeschäfte besteht.

3. Den RuhegehallÄaupfwagern rrnd den Hinterbliebenen von ReichZbecrmten inr Kalle der Bedürftigkeit entsprechende Unter­stützungen zu gewähren.

' 4. Durch einen Nachtragsetat die Mittel für Gewährung von

Kriegsteuernngszulagen an untere und mittlere Reichsbeamte ein­schließlich der nicht etatsmaßig Angestellten und cur im Vertrags- Verhältnis stehende Angestellte mid -Arbeiter, soweit sie jährlich nicht mckhr als 2400 Mk. Gehalt oder 2700 Mk. Vergütung bezw. Lohn beziehen, anzufordern. AusFuschließcu von den Teuerungs­zulagen sind die Beamten, Angeßelltm und Arbeiter, die beim Heere oder der Flotte Dienst tun, die Beamten, die bei der Militär- oder Marineverwaltung oder bei den Verwaltungen in den besetzt ge- ^haltenenfeindlichen Gebietsteilen beschäftigt werden und über ihre Jriedensdezüge hinaus bereits Zulagen erhalten, die im Sanitäts­dienst tätigen Beamten usw.

TL. Ten Herrn Reichskanzler zn ersuchen, den Entwurf einer «dritten Ergckizung des Besoldunigsgesetzes in der vom Reichstage am 18. Man 1914 beschlossenen Fassung möglichst bald wieder ein-

zubrrngen.

^ III. Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, eine Erhöhung der - ^eMge der nichderckatsmäßig mrgestellten Vost- und Telegraphen- avüteuten. der nichtetats mäßig angestellten Post- icib Telegraphen- gehikfimren mtb der Postbotinnen, sowie der Vergütungen der Ge­hilfinnen be: Postänitern III. Klasse möglichst bald durchzuführen.

Vom Beimt für Volksernährung.

Berlin, 6. Mai. (WTB. Amtlich;,,) In der heutigen Sitzung des Beirats für Voltsernäbung wurde zunnächst die Dersorgunc^er Landnürtsckmft mit Bindegarn besprochen. Sodann beschästigie oich der Beirat mit der verstärkten Ausnutzung der Wildüestände zur Volkseruähruug. Zum Schluß wurde die Verwer­tung Und Erhaltung der diesiährigen Obst- und Gemüseerntc er­örtert.

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Berlin, 6. Mai. (WTB.) Verbot des Bestreich-ens der Brotlaibe mit Oel. Bon dem Krivgsaus schuß für Oel und Fickte wird uns mitgeteilt:

Tu'ch die Bundesratsverordimug vom 1. Mai 1916 ist ver­boten, in den gewerblichen Betrieben die Brotlaibe v^r dem Ausbacken mit Fett zu bestreichen. Tie Maßregel wurde notwendig werl rmimer noch m einzelnen Teilen Deutschlands die Brotlaibe vor den: Einschieben in den Backofen des besseren Aussehens wegen g** hder Fett^ bestrichen wurden und aut diese Weise kostbare ^hmanrialien. die dem Bolle Zu Genußzwecken anderweitig zu- gängrg gemacht werden konnten, nutzlos verloren gingen Bereits vorher war in den meisten Gebenden Deutschlands das Bestreichen der- Bwtlcn.be mrt Oel uicO[t mehr üblich. Tie Trennung unter­einander und auch von dein Backbleck) erfolgte meist rnit soge­nanntem Streumehl, das in Deutschland von den versckiÄxmsten. Fabriken in einwandfreier Qualität in den Harcdel gebracht wird Dch sämtlichen Militär- und MarinebBwrden haben schon seit Krre^sveginn die Verwendung von Oel Und Fetten zum Bestreichen ^r Brotlaibe verboten. Tie Bevölkerung) die bisber gewohnt war, Bwt zu erhalten, das durch äußere Verwendung von Oel und Fett ern glanzendes Ausfehen hatte, tvird daher darani aufmerksam gemacht, daß die Verwendung von Streumehl durchaus sachgemäß tst, und daß _bic notwendig gewordwe Aenderung in dem Back- pvctzetz berücksichtigt werden muh. Nach den neuen Gesetzes­bestimmungen dürfen Bäcker Brote, Icke in der bisherigen Weise gegacken waren, nicht mehr herstelle;:, und verkaufen.

Aus Hessen.

Anordnung von Polizeitreibjagden auf Schwarzwild im hinteren Odmrrrald.

Der Aba. Lang stellte in der Zweiten Kammer folgen­den dringlichen Antrag:

Im hinteren Odenwald 'im oberen Telle des Kreises Erbach rechts der Vtümling) Schöllenbach, Bullau, Hesselbach, Hetzbach usw. sind in diesem Frühjahr die W i l d s ch w e i n e so schlimm, daß che ^agdpächter der Gemeindejagden ihrer nicht Herr werden, da diese Schwarzkittel meistens nur des Nachts auf die Felder aus­brechen und Schaden anrichten, namentlich auf den Kornfeldern, wo im vergangenen Jahr Kartoffeln gepflanzt wurden, wühlen sie AUA durch, so kam es) daß in Hesselbach auf einigen Aeckern 17 Wildschweine hausten und einen Wildschaden von ca. 250 Mk. ver­ursachten, wenn die Jagdpächter dann diesen Schwarzkitteln nach­stellen, sind sie wieder in einer anderen Jagd, weshalb es sich emp­fiehlt, in verschiedenen Gemeinden Polizeijagden zu veranstalten, da die Landwirtschaft gerade in Kriegsjahren diesen Wildschaden Nicht ertragen kann.

Ich beantrage: Tie Kammer wolle Großherzogliche Regierung ersuckew alsbald zu veranlassen, in den Gemeinden, wo Wildschaden durch Wildschweine sestgestellt worden ist, Polizeitrellchagden Unter Auf,ick t des Forstpersonals abzuhalten, daß diesem Uebel stand abgeholfen wird.

Die Befreiung gemeinnütziger, aus die Errichtung von Wohnungen für Minderbemittelte gerichteter Unternehmun­gen von Stempel- und Gerichtsgebühren.

Der Zweiten Kammer ist von der Regierung ein Gesetz­entwurf vorgelegt worden, der die Befreiung gemeinnütziger, auf die Errichtung von Wohnungen für Minderbemittelte gerichteter Unternehmungen von Stempel- und Gerichts­gebühren betrifft.

Das Kupferdach auf der russischen Kapelle in Darmstadt.

Abg. Reh beantragt in der Zweiten Kammer, die Großh. Regierung wolle alsbald die Eirteignung und Ein­ziehung des Kupferdaches auf der russischen Kapelle in Darmstadt in die Wege leiten. In der Begründung heißt es it. g. :

.. Man wird es in 'ganz Hessen und auch über die Grenzen des .Hessenlandes hinaus kaum begreifen, wenn die Enteignung dieses Daches hinausgeschoben wird oder ganz unterbleibt, während der Bevölkerung die notwendigsten Gegenstände aus Kupfer genommen worden sind.

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rb. Darmstadt, 5. Mai. Der geschäftsführende Ausschuß der Hessischen N a t i o n a l l i b e r a l e n Partei war heute nachniittag hier vollzählig zu einer Sitzung zusammen, die unter Vorsitz des Mg. Dr. Osann stattfand. Er beschäftigte sich zu­nächst mit der von dem Zentralbureau der Nationalliberalen Partei in Berlin gegebenen Anregung bezüglich der demnäcbftigen Reichstagswahlen. Im allgemeinen stand man auf dem Standpunkt, daß Reichstagswahlen während des Krieges und auch angemessene Zeit nach dem Kriege nicht stattsinden möchten, lieber die Zeit, wann nack» dem Krieg Reichstagsivahlen anderaumt werden sollten, wurde eine Beschlußfassung nicht vorgenommen. In Be­treff der Steuerftagen, insbesondere der R c i ch s st e u e r n , wurde einstimmig die Notwendigkeit betont, auf dein Boden der bundes­staatlichen direkten Steuern (Einkommen- und Vermögenssteuer) stehn zu bleiben und Widerspruch gegen die Erhebung direkter Steu­ern durch das Reich geltend zu mackren. Gegenstand eingehender Be­sprechung war auch das jüngst in derHess. Landeckzeitung" erschie­neneOffene Ersuchen an Herrn Justizrat Dr. Osann" und man stellte sich allgemein auf den Standpunkt, daß die Politik des Staatssekretärs Helfterich nach allen Richtungen hin unterstützt wer­den sollte. Tie Steuerplänc des Staatssekretärs fanden die ein­stimmige Billigung der Versa mmlung.

\}JR et r b it x g , 7. Mai. Tie 9t e » i nr m a t r i k» l a t i o n e n znm Sommer-Semester, die am Freitag, abgesehen von den Nach- .züglern, ihr Ende erreichten, betrrcgen rund 349. Unter den Stu­dierenden befinden sich viele Damen. Wege» mangelnder Be­teiligung fallen auch in diesem Sommer die Kurse zur Ausbildung von Turnlehrern und Studierenden als Leiter volkstümlicher Turn­übungen und Spielen aus. Der berühmte Marburger Hygieniker,

Direktor des hygienischen Instituts, Wirk!. Geh. Rat Prof. Dr. Exz. v o n Behring, hat wegen andauernder Krankheit sein N ü ck - t r l t t s g e s u ch eingereicht.

Frankfurt a. M., 8. Mai. Bei der ersten öffentlichen I in m a t ri ku l a t i o n für das Sommer - Semester 1916, die Donnerstag, den 4. Alai, in der Aula stattfand, wurden 237 Stu- dierende iieu immatrikulie rt.

Äöricbtjfaäir

= Frankfurt a. M., 7. Mai. Der Oberpostassist-ent Karl Zrnge l aus Frankfurt a. M.. jetz: in Kassel, h.rt vom Jahre 1909 - ? Marz 1916 in seiner Eigenschaft als Bahn Postbeamter auf seinen Wahrten von Frankfurt über Kasse- nach Berlin ungezählte Briefe geoffn-et, die darin enthaltenen Papiergelder ge- r a ubh und die Briefe dann vernichtet. Die aui diese Weise von ihm zusammengestohlene Sumnre wird von der Bebörde auf au nähernd 15 000 Mt. geschätzt. Erst im März dieses Ja!res konnie Brngel übenührt mcrden. Statt ihn zu verhaften, eryiclt er bir vehordllche Anweisung, sich in seiner Kasseler Wolprung auszu- tz.rlt.'u. Bingel reiste jedoch nach hier und Hannov. Münden und versuckllc hier seine Bankguthaben flüssig zu machen. Jumllscheir fand man jedoch sck-on in seiner Frankfurter Wohn'.mg zwei Spar' kassenbücher über mehr als 11000 Mk. und beschla an ahmte sie. Auch ein beträchtliches Guthaben bei einer hiesigen Bank wurde

Beschlag belegt. Geschädigt durch die Briefmnrdereieu sind iu erster Linie kleine Leute, die kleine Geldsckseine der Portoersparnis wegen den Briefen beifügten, sich über den Verlust der Briefe aber nickst beschwerten, da sie Weiterungen wegen Portohinterziehung sürchteten, eine durchaus falsche Annahme. Bingel stand wegen seiner Straftaten setzt vor der Kasseler Strafkammer. Er will durch verfehlte Spekulationen auf die Bahn des Verbrechens getrieben sein. Das Gericht verurtellte ihn zu zwei Jahre n Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von drei Jahren. Bingel steht im 47. Leben bjabre.

Börseer-Wocheubericht. ~ -

= Frankfurt a. M., 5. Mai.

Im f r c i e n V e r k e h r der Börse herrschte in dieser Woche eine nicht ganz einheitliche Haltung. Zu Beginn der Beiicklls- periode beobachteten Spekutatio.l und Kapitalistenkreise in. Er­wartung der^ Antwortnote an Anierika große Zurückhaltung, iu* dessen war die Grundstimmung vorwiegend fest, da die politischen und militärischen Verhältnisse ebenso wie unsere wirtschaftliche Lage einer andauernden zuversichtlicher Berirteilung begegneten. In der zweiten Wochenbälste belebte sich dann auch das Geschäft, ausgehend vom Markte der ch:mischen Werte, doch war die Kurs­bewegung sckwauhend und je nach den sich .geltend machenden Ein­flüssen nach oben oder unten gerichtet. Nachdem die Kurse der Akti e n ch e m i sdi e r_F ab ri ke n seit Wochen iu Erivartung günstiger Jahresabschlüsse und besonderer Vvrgcnrga bei den grüßen Gesellschaften starr hinaufgesetzt worden svaren, wirkten die in diesen Tagen bekannt gegebene;! Abschlüsse wie eine Enttäuschung. Tie vielfach? erwarteten DividcndenerhöHungen sind ausgeblubnru und die besonderen Vorgänge, die in einer Erweiterung der Inter­essengemeinschaft bestehen, entpuppten sich als Maßnahmen, ww- durch man den in der chen!rschen Industrie z?r erwartenden Schwie­rigkeiten nomentlich int Verkehr mit dem jetzt feindlichen Auslande begegnet; will. Chemische Werte, nameeftlich Badische Milin- und Höchster Farbwerke unterlagen daraufhin größerein Angebot und erfuhren einen nickst unbeträchtlichen Rückgang im Kurse. Chemische Griesheim, Weiler ter Meer, Scheideanstalt und Hol.zv.w- kohlung hielten sich besser, haben aber ebenfalls noch gegen die Vor- woche Kursrückgänge zu verzeichnen. Im Oiegenstrtz zu rheinischen Werteij lagen die übrigen Gebiete recht fest, zumal die inzwischen' veröffentlichte Note an Amerika, worin sich die deutsche Re­gierung bemüht, der Forderung Wilsons so weit entgegenpukom­men, als sich irgendwie mit der Ehre Deutschlands und dem Ver­langen, den Kvieg siegreich durchzuiübren, vereinbaren läßt, gün­stigen Eindruck nrachte. In erster Linie konnten sich Schiff­fahrtsaktien von ihren: Rückgang/etivas erholen, weil die Note gesvisse Besorgnisse wegen der deutschen Schisse in oen am er i - kanischen Häfen zerstreut. Sehr feste Halbung zeigten auch Mou- tanpapiere. sowohl rheinisch-westfälische Werte wie die Ak­tien der obenchlesischeu Industrie, da man dei' Zukunft unserer Montanindustrie mit lwhen Erwartungen entgegensielst. Von an­deren Industrie papieren waren wieder Rüstungswerke leb­haft gefragt und höher. Auch einzelne Stahlwerke wie Becker, -Oeking. Lindenberg und Masch;nenfabrikaktien wie .Humbold und Gasmotoren Deutz waren begünstigt. Bankaktien lagen still

Sprachremigmrg in der NüturNissenschaft.

Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem seit dem Beginne des Welt­krieges nicht ein nachdrückliches Besüreben zur Sprachrei;rigung ein- ge-etzt lat. ia die Sprachveiniger ent'alten stellenweise einen Üeber- ctser, den nran nickst, gutheißeu kann. Für sein Sonchwgebiet, die Naturkunde, macht mt der Leipziger Forscher Dr. V. Franz in ^Naturwisfenschaftlichien Wochenschrift" 'Verlag von Gustav Mischer, Jena) Vorschläge der Sprachreinigung, und zwar in dop­peltem Sinneer will die Fremdwörter, wo es angängig ist, durch geeignete deutsche Bezeichnungen ersetzen, denn es kommt ihm nickst aus das gewaltsame Bmdeutschen an, sondern er steht auf dem gefunden Standpunkte, daß die Berständlicklcit, namentlich für den Ntckchachuchun. das Wesentliche der Sprachreinigung sei. So gibt er zu, daß die Fremdwörter Biologie und Biologe so schwer zu ver- dculschea smd, daß man sie lieber beibehalten soll. BeiLebens- l. un.de" dächte der Nichtsachmann wahrscheinlich an das Menschen­leben, nicht an das gemeinte Tier- und Pflanzenleben, nnd^.Er- forscher der Lebewesen" wäre für den mündlichen Gebrauch z^ein- nch ungeeignet. ' Dagegen kann man sehr wohl Tierkunde und Pflanzenkunde statt Zoologie und Botanik und entivrechend Tier- kennar und Pflanzentenner befürworten. Daß es vollends so viele.Zoologische Gärten" gibt und im ganzen deutschen Reiche, nur in Königsberg eine solche Einrichtung mit dem NamenTier­garten" vorhanden ist, ist ebenfalls eine unerfreuliche Erscheinung; mau kann beherzt überall die Tiersammlungen alsTiergarten" ^^khneN' außer in Berlin, da hier ein Tiergarten bereits vor- handni ist und sonst mit demZoo" verwechselt werden könnte, -vw weiter der Tiergärten nennen sich übrigens unter sich nicht anders alsTiergärtner".

Das WortInsekt ' gehört zu den eingebürgerten Fremwörtern »und hat das deutscheKerf" oderKerbtier" fast völlig verdrängt, ch daß die Insekten kenner besser Insekten fermer bleiben, als sich zu ^^o^vrrenneru umzuwandeln. Für das Frenidroort Aauarium schlagt -iv. Franz die BezeichnungFischgarten" vor, obwohl er sehr gut tverß. daß es sich um keinen Garten handelt und zuweilen darrn außer Fitckstn auch andere Tiere, manchrnal sogar nberballpt keine fische vorhanden sind. Allein man braucht nur an die süd­deutschenSchneckengärten", an die Kindergärten und die als Wintergchten bezeichneten Gewächshäuser zu denken, um über den ersten Ein wand hinwegzu kommen, und daß sich jede Verdeutschung ^rufs Haar mit 'dem Inhalte des Begrisses deckt, darf man nicht verlangen. Für große schauhausartige Einrichtungen wie die in Berlin oder Leipzig schlägt Dr. FranzFischbaus" vor. Aehnlich toiU er statt Terrarium Lurchgavteu sagen. Insefteusainmlungen will er als Kerf garten bezeichnen, für Seewasser-Aguarium schlägt erMeergarten", für Süßwasser-AquarmmScegarten" vor. Gegen diese Unterscheidung zwischen Meer und See ließen sich frei­lich Einwendungen machen. Eine besonders gut gelungene Ver­deutschung istMvorgarten" stattPaludarium". Das Wort Station" etwa in der ZusammensetzungVersuchsstation", er­

scheint ihn: als versehet. Er sckstägt statt dessen Anstalt vor (also Versuchsanstalt), ürnd nrr die sogenanntenbiologischen Stationen" oder diefischereizoologische Versuchsstation" findet er die treff­lichen VerdeutschungenVogelwarte", Fischworte usw.

.Daß man die wissenschaftlichen Tiernamen rmr in einer be­schränkten Anzahl^ von Fällen verdeutschen kann, ist von vornherein klar: .Urtier" ist für schlechte Verdeutschung ein abschreckendes Beispiel. Tie Pwtozon könnte man besser als Einzeller, Einzellige, Zellinge oderEinheftstierchen" bezeichnen: bei Urtier denkt der Nichtsachmann jedenfalls nicht an das, tvas gemeint ist. Das Wort Amöbe" hat eine oußerordenckich weite Verbreitung gewonnen, allein mit den: Worte hat sich die falsche Vorstellung verbreitet, es handle sich umdie Amöbe", also um eine Art, während es sich um einen unübersehbaren Arten- und Formeureichtum handelt. Dr. Franz schlägt eine Neubelebung des noch nicht ganz ver­schollene;! WortesWechseltierch-en" vor. Für Fälle, wo man unbedenklich den wissenschaftlichen Namen beide halten soll, führt er ein aoschreckeirdes Beispiel an: diez wie ge faltete Schließncuud- schnecke" soll man lieber weiterClausftia biplieaba" nemien. Ganze Tiergruppen oder -ll-assen haben im Deutschen teils sehr gute, teils recht verunglückte Bezeichnungen bckonnnen. Korallen und Polypen behält man am besten als Bezeimnmlgen bei: die Cvelenteraten könnte mau alsSacktiere" bezeichnen, was besser wäre als Hohltiere. Krieckftiere für Reptilien ist zloar nicht be­sonders glücklich, aber es dürfte schwer sein, einen geeigneten Sammelnamen für Schlangen, Epen, Schildkröten und Krokodile zu finden. Ein schönes deutsches Wort ist Lurche ftir Amphibien. Ein paar Bezeichnungen erklärt Franz geradezu fürMonstra", die zu unverdienter Duldung gekoMinen sind. Dahin gehört Säuge­tier, womit mau gegenwärtigMammalia" wiedergibt. Oken ver­wandte das Wort .Haartiere, das zweifellos die beste Bezeichnung für diese Tierllasse ist, denn selbst jeder Walfisch hat ein paar Haare auf dem Körper.

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Eine Strindberg-Uraufführurng in Ham­burg. Llus Hamburg wird uns geschrieben: Direktor R ö b - beling, der Leiter des Hamburger Thalia-Theaters, der bereits die Aufführung derKronbraut" mit großem Verständnis überraschend gut inszenierte, hat sich nun auch au die schwierige Ausgabe gewagt, dieFo l ku n g e r s a g e" S t r i n d b e r g s auf die Bühne zu bringen. Diese mächtige historische Tragödie steht in bezug aus den szenische;! Auswantz. der gefordert wird, ganz für sich und erscheftrt, als seien die äußerlichen Mittel in ihrer Durchnnanderbewegung einfach nickt vollkommen zu zwingen, denn das bildhafte Gedränge, sprunghaft wechselnd, hier zu b'oloffalen Massenauftrftten, dort zu Folgen ddr verschiedensten kleinen Szenen mit wchstischem Stimmuargsemschlag. wie es die Historie ausmalt, ist Unbeschreiblich. Strindberg hat die Herrschergeschichte der Fol- kuuger, -v um 1250 auf den schwedischen Thron kamen, mft einem leidensck/. Glichen Wer studiert. seinem Drauva sehen wir ihn

im letzten Akte die Fäden der historischen Zusammenhänge den ganzen Kreis durchlaufen, in dein gleichzeitig der tragische Aus­gang der (beschichte des Geschlechts an den Leiden des wrmen. ge­mütsschwachen Königs Magnus, des Letzten der Folkuuger, »ich in schaurigen Ereignissen auftollt.Er kann nichts Böses dun', darum neust er sterben. Tas ist das grausame Gesett des Lebens." Frauen, herrschsüchtige uud untreue, die ihn in seinen Entschlüssen verwirren, besiegeln sein Gesckftck: und die eigenen .Kirckar, die Getreuen und eftr ganzes Volk werden durch ihn nftt ins Ver­derben gezagcn. Tie Pest wütet im Land. Gerade die großen Massenauftrftte, die den Ausbruch der Pest veranscktaulickjen. 'kamen außerordentlich wirksam heraus und zeigten in den drangvollen Bewegungen den echten erschütternden Ausdruck. Tie begleitend« Ü l usft des Kapellmeisiers Horst Plate n, die den Stimmungsgehalt der Wicklung ,rärker hervortreten lassen sollte, scheiut mir dagegen dw Handlung eher zu beschweren, als das Ins-enftrungsproblcml zu fördern. Tie Ausführung endete Um Mitternacht, und das Publi- kuin war in^ einer solchen Abspannung besangen, das; mau den Eindruck ^gewann, als fühle es sich zun: Beifall nicht mehr wach genug. So fehlte am Schlüsse der äußere Gradmesser für >ie Schätzung der geleisteten Arbeit, die auf das Strindberg sch? Werk in einein reichen Maße verwandt wurde. A. L.

Erwerbungen für die Sammlung neuerer M c: jt e r des Bayerischen Staates. Tie Sammlung neuerer Meilter des Bayerisckten Staates hat in jüngster Zeit sehr beträchtliche Bereicherung durch eine größere Reibe von Neuerwer­bungen erfahren, die von ungewöhnlichem Werte u;:d Jnteres'e Und. Aus der ältesten deutscl)en Kunst wurde vor allem, wie wir einem Berickcke derKunstchronik" entnehmeir, eine Riefengebiras- landschaft mit aufsteigendem Nebel von Ka s pa r T a v i d F r i c ? - r i ch erlvorben, ein unbekanntes Haurftwerk des Meisters, das Wohl um 181-620 entstanden sein dürfte. Dazu tritt von den: sächsischen Bildnis- und Jagdmaler F. v. Rays ki die sehr leben­dige, an Gmicault gemahnende Tarstellung eines sächsischen Tra- goneroffiziers zu Pferde. Bon dem Frankfurter Peter Bur- nitz wurde eine seiner stimmungsvollen Sckwcnzwaldland'cbasten, von Max Lieber mann der ftld graue Husarenoberst aus der vorjähriges Berliner Akademie-Ausstellung erworben. Ein etwa 1860/61 entstandenes Selbstbildnis von Lenbach ist als frühes Werk des Künstlers ntehr kmistgeschichllich als künstlerisch rnter essant. Tie Sammlung von Münchener Meistern der siebziger Jahre ist durch Worte von Philipp Hellnrcr, Nikolaus Mathcs, Emanuel Spitzer u. a. nt. kräftig weiter ausgebaut nwrdeu Auch Slevogt^wird nim durch eiuc Landschaft, die Einfahrt in den .Hafen vonßSyrakus von 1914, in der Bayerische.! Staats,ammluntz vertreten sein. Von dem auf dem Felde der Ehre gefallenen A.' W e i s g e r b e r ist sein bekanntes HauptwerkAbsalom" in Bayeri­schen Staatsbesitz über gegangen, und schließlich ist die edle Bronze- büste des Kronprinzen Rupprecht mm Adolf v. Hildebraud angekauft worden, die auf der vorjährigen Römrchener Sezessions­ausstellung zu s ehen war.