Nr. 122
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Erstes 8!att
166. Jahrgang
Donnerstag, 25. Mai M6
RoLüttonsöruck nnb Verlag der Vrühi'schen Univ.-Vuch- und ZteindruLerei R. Lange. Zchristtertung, Geschästsstelle und Druckerei: 7 .
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(WTB.) Haupt yua rtie r. 24. Mai.
(Amtlich.)
Westli^er Kriegsschauplatz.
SSdrsefttich vsv Givenchy griffen starte englische Kräfte rnchrmals unsere neuen Stellungen an. Nur einzelne L-ertte Drangen ein und fielen im Nahkampf. Im übrigen wurden alle Angriffe unter sehr großen Verlusten für die Engländer abgewiestn, ebenso kleinere Abteilungen bei H u l - luch und Biairevill-e.
Südöstlich von Nouvron, nordwestlich von Mou- lin-sous-TouvENt und in Gegend nördlich van Prunay scheiterten schwache fiaiMsischc Angriffs-Unter-
nehuumgc».
LinkSDrr Maas wiesen wir durch Infanterie- und MafchinsUgewehrseuer einen feindlichen Vorstotz am Südwcsr- lmnge des „Toten Mannes" glatt ab. Thüringische Truppen nahmen das hart an der Maas liegende Dorf Cnmi«res im Sturm. Bisher sind über dreihundert Franzosen, darunter acht Offiziere, gesauten.
Oestlich des Flusses wiederholte der Feind seine wütenden Angriffe in der Douaumontgegend. Cr erlitt in unserem Feuer die schwersten Verluste. Vorübergehend verlorenen Boden gewannen unsere tapferen Regimenter fast durchweg zurück und machten dabei ü b e r f ü n f h u n d e r 1 - fünfzig Gefangene. Die Kämpfe sind unter beiderseits sehr starkem Artillerieeinsatz nn Fortgange.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
In der Gegend von Pulkarn (südöstlich von Riga) ^vertrieben deutsck^e Truppen die Russen aus einem zwischen den beiderseitigen Linien liegenden Graben. A ch t u n d sechzig Gefangene fielen in unsere Harrd. Von der übrigen Front ist nichts von Bedeutung zu berichten.
Balkan-Kriegs? ch auplatz.
Die Lage ist mtverändert.
QÄ^rjte Heeresleitung.
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Der neueste Lsenffche Tagesbericht aus dem Westen enthebt uns aller Aengstlichkeit, die man auf Grund der verzweifelten französischen Angriffe auf dem Ostufer der Maas hegen konnte. Mußten unsere Truppen tags vorher einige Schritte M-rückweichen, so zeigte sich schon einige Stunden später, daß die Franzosen die Kraft und Ausdauer nicht besaßen, das festzuhaüen, was sie gewonnen hatten, .hier wie anderwärts erneuerte sich der Prozeß des Verblutens des Feindes. Unser Heeresbericht sagt, daß die Franzosen in imfexcm Feuer die schwersten Verluste erlitten. Links der Maas wurde, östlich des „Toten Mannes", das vielgenannte Dorf Cumißres an der Maas von tapferen thürirusischen 'Truppen erstürmt.
Der Fortschritt ans dem westlichen Kriegsschauplatz wird noch Wertroffen durch die neuesten Erfolge an der Grenze von Südtirvl. Dort krachen die Widarstäude zusammen wie bei cntberfcto berührnten Durchbrüchen.der verv'üudeten Mitternächte, und der tzlngriff Mischen Etschtal und Brenta dehnt sich setzt übler eine Linie von etwa 50 Kilometern aus, die also fast genau so-breit ist wie der Durchbruch von Gor- lieEarnow vor fast 13 Monaten. Nachdem, so schreibt ein Kriegsberichterstatter der „Franks. Ztg." in Ergänzung des neuesten Wiener Berichtes, gestern duÄ) die Eroberung des sechs Kilometer jenseits der Grenze in '2019 Meter höhe gelegenen italienischen Werkes am Monte Verena bereits eine Bresche in den Gürtel der Werke von Asiago geschlagen wurde, ist nun auch! das sehr starke, mit Arrschlußbatterien versehene Panzerwerk auf der 1710 Meter hohen E i m a bi C ampolongo von uns genommen worden und dadurch die Lücke in diesem Raum auf mehrere Kilometer verbreitert worden. Weiter im Süden halten die Italiener noch die höhen östlich des Val d'Assa und den befestigten Raum von Arsiero-Asiago. Die Zahl der Gefangenen erreicht bereits die Stärke eines Korps. Wir haben bereits ausgeführt, daß der Angriff sich zunächst gegen die italienische Linie Asiago— Arfiero -Schio—Recaro richtet. Dort hält der Feind nur noch die dritte und letzte Verteidigungsstelle. Die österreichisch-ungarischen Truppen stehen, wenn dies die Absicht ihrer heeressührung ist, vor dem Eintritt in die venezische Tiefebene.
Die gewaltige, uumidevstchliche Offensive im Alpengebiet hat das Ansehen der Militärmacht Oesterreich- Ungarns außerordentlich gchvben. Das geht aus den ängstlichen Rufen der italienischen Presse hiervor, die lv-ir verzeichnet haben, und dem hat dieser Tage auch das Organ der deutschen Regierung, die „Nordd. Allgem Ztg." bewundernd 2Lesdruck gegeben. Die militärische Fachtritik in Deutschlmch und den neutralen Ländern schließt sich dem Lob der österreichischen Führer rückhaltlos an. So schreibt z. B. Major Morath im „B. Tgbl.:
&n&j*ivma£,in der Geschichte dieses Krieges hat die öster- ^'ichrsch-uiügachche Heeresleitung es klug labwartend verstanden den Gegner gewiss er maßen reif zu wachen. Für den Ossensivgeist emes Heeres, roelches über glänzende historische Traditionen verfügt, bedeutet es hohe Selbstbeherrschung, dem langsamenOüi- sen dev Sieges nrcht ung^duMg vorzugreifen. Die Feldl-errugrös^ rmes Napoleon Bonaparte besaß in der Verteidigung nicht immer Wlche Fähigkeit des Wägens. Die Ueberlegenwit stincs Geistes über seme GüMer bewahrte seine Kampshmwlmtg hier und da vor verorenten Rüchchlägen. Und seine Kühicheit n.nd Schnellig
keit beherrschten oft die Stunde. Generaloberst Conrad v. Höhe n- do rs vereinigt in sich die Vorzüge, welche dem großen Moltke eigen waren. Er kwin seine Zeit abwarten, und er kann den Acoment blitzschnell erfassen, welcher die Morgenröte des Erfolges verheißt.
Was sich jetzt an der Front des italienischen Gegners abspielt, ist nur das Ergebnis des Abwartens, das ruhige (Kewährenlassen des sich im Angriff selbst mordenden Italiens, und des sofortigen UeHergangs zum Angriff, als die Zeit gekommen war. Das einzig, was man dagegen an Cädrornas Feldhennrschaft anerkennen kann, ist seine Weigerung, das .Heer auch mir nm etwas zu schwächen. Die geistige Ue verlegen heit seines Gegners hat ihn das ganze rühmlose Kriegsjahr bedrückt Nun muß sich zeigen, ob Cadorua Führersühigkeiten besitzt, welche sich den. neuen Aufgaben, geschaffen durch den siegreichen Vorstoß, anzupasseu verstehen.
Morath' berechnet die bisherigen Gesamtverluste der Italiener in der ab gelaufenen Woche auf über 80 000 Mann. Die Gefangeuenzahl sei mrgewöhnlich hoch, weil die Entscheidung infolge des gebirgigen Charakters des Kriegsschauplatzes aus zahlreichen Einzelsiegen sich zusammensetze. Der Geschützverlust (jetzt bereits 251) wiege schwer, weil es sich um wichtige und während dieses Krieges nicht ersetzbare Kaliber handelt.
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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 24. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlauttmrtt 24. Mai 1016.
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Nördlich des S u g a n a t a l e s nahmen unsere Truppen den Höhenrücken von Salubio bis Vul-gen (Borgo) in Besitz. Aus dem Grenzrücken südlich des Tales wurde der Feind vom Kempen-Berge vertrieben.
Weiter südlich halten die Italiener die Höhen östlich des Val d'Assa und den befestigten Raum von Asiago und Arsie ro. Das Panzerwerk Campolongo ist in unseren Händen. Unsere Truppen gingen näher an das Val d'Assa und das Posma-Tal heran.
Seit Beginn des Angriffs wurden 24 400 Italiener, darunter 524 Offiziere, gefangen genommen. 251 Geschütze, 101 Maschinengewehre und 16 Minenwerser erbeutet.
Im Abschnitt der Hochfläche von Doberdo waren die Geschützkümpfc zeitweise recht lebhaft.
Bei Monfalcone wurde ein feindlicher Angriff abgewiesen.
Eines unserer Fliegergeschwader belegte die Station Per - la - Carnia mit Bomben.
Bei der Räumung von Ortschaften unseres Gebietes Wltensdes FeftlÄes scheint auch die italienischeBevöl- k e r u>n g teilweise mitzugehen. Leute, die so ihr Vaterland verlassen, werden ihren Anschluß an den Feind sttafrechllich zu verantworten haben.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö f e r, Feldmarschalleuttiant.
Der französische Bericht.
Baris, 24. Mai. Bericht vom 23. Mai. 11 Uhr abends: In der Gegend von Verdun nahmen die deutschen Gegenangriffe aus der ganzen Ausdehstung unserer Front einen Charakter von äußerster Heftigkeit an, ohne daß es noch
möglich ist, die beträchtlichen Effektivbestände, die dabei beteiligt waren, genau zu bestimmair. Aus dem linken Ufer werfen die Deutschen nach.eurem Bonrbardement mit grvßkatibrrgrA Granaten, das den ganzen Morgen andaiverte, ihre SturmMrsseiz gegen unsere Stellungen östlich und westlich vom Mort Honrfeie Der erste Angriff, der durch mrser Artillerie- und Maschinen gewehrfeuer niedergemäht wurde, ist mit blutigen Verlusten abgervÄsar worden, ohne daß der Feind unsere Lürien erreichen konnte. Der zweite Angriff, der gleich erbittert rvar, und gegen 7 Uhr abends ausgeführt wurde, führte dazu, daß der Feind in einem Graben Fuß faßte. Unser unverzüglicher Gegenangriff trieb den Feind völlig zurück. Aus den: r c ch t e n User war die Gegewd 'H a v - d r o nt o n t—D ouaumont dm ganzm Tag der Schauplatz em^ mörderischen Kampfes. Tie Deutschen vervielfältigten ihre Anstürme, denen fcdesmal sehr heftige Mtillerievorb-ereitungen voraus- gingeu. Trotz all dieser Anstrengungen wurden die von uns gestern eroberten Stellungen, insbesondere in dem Fort Donau- mont unversehrt behauptet. In dieser Gegend blieben mehr als 300 Gefangene in unseren Händen. Gewöhnliches Bombardement aus dem Rest der Front.
Flugwesen. In der Gegend von Fournes fiel ein deutscher Llpparat, der von einem der nnsrigen Unter Maschmen- gewehrseuer genoinmen wurde, in unsere Liniert nieder. Bet Beaumont siel ein im Laufe des Luftkampsts ernstlich getroffenes Flugzeug in die feindlichen Linien nieder. In der Gegend des Linge schoß einer unserer Flieger, der von drei feindlichert Flugzeugen angegriffen wurde, einen seiner Gegner ab und friefc die beiden anderen in die Flucht.
Bericht vom 24. Mai. 3 llhr nachmittags. Iär der Champagne versuchten die Deutschen gedeckt durch Gaslvckten gegen unsere Linien in der Gegend westlich von.Navarin vorzurücken.- Unser Sperrfeuer jedoch trieb den Feind in seine Schützerrgräben zurück. Auf dem link e n Ml a a s u s e r haben die Deutschen im Verlause der Nacht eine heftige Ofsensivakriou im Osten des Tote:: Mannes durchgeführt. Nach einein -Kampfe Mann gegen Mann konnte der Feind unter starken Verlusten in das Dorf Cumieres eindrin-gen ebenso wie in einen unserer Schützengräben unmittelbar westlich von dem Dorfe. Unsere Erkundungen haben ergeben, daß die in der Gegend des^ Toten M'anmeA seit dem 11. Mai verwendeten seirrd- lichen Streitkräfte mehr als! drei Divisionen betragen. Aus dem rechten Ufer der Maas folgten sich die Llrtrllerievott-ereitungen und die Angriffe in derselben Heftigkeit in der Gegend von Hau - d r o nt o n t—D ouaumont. Obwohl der Feind mit Z^clusten au Menschenleben nicht rechnet, konnte er nur an einigen Punkten im Osten des Forts Fuß. fassen. Alle Ängrifssversuche gegen unsere Stellungen int Westen des Forts und aus das Fort selber wurden durch unser Feuer vereitelt. In der Wo evre Beschießung der Abschnitte von Eix und Mäularnville.
Die Nöte Italiens.
Bern, 24. Mai. (WTB.) Lcrnt einer Meldmrg des „Corriere della Gercv' hät der Senator Mazziottr Sa- lcrndra und Sonnino unter .Hirrweis auf die g-ew-crktigctt Truppen- und Artillerieverschiebungen nach der Tiroler Front über die Tragweite der in Paris getrvffetren rnilitärischen Abmachungen zwischen deit Alliierten interpelliert.
Der italienische Bericht.
Lugano, 24. Mai. Bericht vom 23. Mai. 5 Uhr abends. Zwischen dem Gardasee und der Etsch meldet mün feindliche Tru pp enko nzentratio-nen in der Zone von Riva nutz Fliagertätikffeit düs' Gegners aus dem Monte Baldo. Von der Etsch bis zum Astico einfache Scharmützel von ErkundiguNgsäbteilungen. Zwischen dem Astico und der Brenta und im Suganatale wiesen wir am Tage des 22. die feindlichen Angriffe gegen unsere vor-wsckkobe-- nen Linien ab. Geste rnzogensrchunsere Truppe n n a ch und nach auf ihre H a u p t wider standdlinieu zurück Dre Bewegung wurde in völliger Ordnung auisgeführt und frei von


