EtaNon Gerlshausen begann die (äefectjisuoung. Die ti>e|ecl)i*lugc war folgende: Eine am Tage vorher geschlagene Armee zieht sich durch das Lumdatal zurück. Tie Nachhut hat die Höhe am Wasser, türm bei Rainhardshain besetzt. Das hügelige und waldige Gelände gestaltete den Anmarsch und die Entwicklung aufeerorbentlid) reizvoll. Nach Beendigung des Gefechtes wurde abgekocht. Um 8 1 /, Uhr wurde der Rückweg «angetreten. Es ging zu Fuß bis Lumda und von da mit der Bahn nach der Heimat.
# Holzheim, 10.Mai. Aus dem Felde der Ehre sielen säst an demselben Tage zwei hoffnungsvolle Söhne unserer Gemeinde, die Lehrer Ludwig Jung, Leutnant d. Nes., zuletzt dienstlich verwendet in Wünschen-Moos, Kr. Lauterbach, und Lehrer Wilhelm R e u h l. Beide verließen 1912 das Seminar zu Friedbera.
e. Reiskirchen, 10. Mai. Dem Unteroffizier Petri im Garde-Dragoner-Regiment Nr. 23, der schon Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille ist, wurde das Eiserne Kreuz 2. Masse verliehen.
Kreis Büdingen.
«= Altenstädt, 9. Mai. Mm Sonntag abend kam es hier Mischen jungen Burschen zu einer Schlägerei, in berat Verlauf einer der Messerstecher seinem Gegner das Messer mit solcher Wucht in den .Hals stieß, daß der junge Mann nach knrzer Zeit an Verblutung starb. Einige andere Burschen wkurden ebenfalls erheblich verletzt.
---- Bad-Salz hausen, 9. Mai. Mit Beginn der diesjährigen Kurzer t ist in unserem Bad ein Kinderheim eröffnet worden. Die Inhaberin hat mit der Lcrndesversicherimgsanstalt für das Gvoßherz-ogtum Hessen ein Abkommen geschlossen, wonach sie für die Lffriegsdaner deit ganzen Sommer über 25 er- holungsbErftige Kinder cruftrimmt.
-< Bergheim, 9. Mai. Schon wieder forderte der Krieg ein Opfer aus nuferer Gemeinde. Hugo Klipper, der erst vor kurzem schwer verwundet war und nur auf wunderbare Weise durch einen Bleistift vor dem Tode bewahrt blieb, fand wenige Tage nach seinem zweiten Auszug den Heldentod fürs Vaterland. Die alten Eltern trifft sein Tod um so härter, als auch von dem seit August 1914 vermißten Bruder bis jetzt jede Nachricht fehlt.
— Nidda, 8. Mtti. Tie O st er Hasenspende der Schulkinder ergab im ganzen 210,25 Mark in bar und 448 Stück Ostereier, davon 430 von den Schackkindern zu Borsdorf.
4ß Ortenberg, 10. Mai. Hier starb der in weiteren Kreisen bekannte Gastwirt A l l e n d o r f.
Kreis Lautervach.
M. Lauterbach, 9. Mai. Die von dem Landwirtschaftskammer-Ausschuß für Oberheffen unterhaltene Jungvieh- und Fohlen weide in der hiesigen Gemarkung ist am 3. Mai für den diesjährigen Weidegang geöffnet worden. Zum Austrieb gelangten 22 Fohlen und 73 Rinder gegen 27 Fohlen und 69 Rinder im Vorjahre. Die Futterverhäktniffe sind in diesem Jahre durch die bisherige feuchte Witterung außerordentlich günstig, so daß gute Aussichten vorhanden sind, auch reichliches Dörrkutter neben der Weide auf Vorrat für die trockene Jahreszeit im Spätsommer zu gewinnen.
Kreis Schotten.
4ß Rainrod, 10. Mai. Die Hessische Tapferkeits- in e b a 1 11 e erhielt der Reservist B i n g e l im Jns.-Regt. 116.
--- Ulfa, 10. Mai. Welch große Mengen Milch im Vogelsberg erzeugt werden, ist aus denr Jahresbericht der si.i es:gen Molkereigeirosseuschast m ersehen. Es wurden im Jahre 1915 im ganzen 1 290 352 Liter Milch abgeliefert. Der Reingewinn belauft sich auf 6800 Mk. Die (Genossenschaft zählt 400 Mitglieder. Die letzthin ab gehaltene Generalversammlung beschloß weiterhin, den Lazaretten vom Roten Kreutz in Nidda, Bad-Sutzhauseu und Schotten eine Butter spende zu stiften. Diese wird unsern verwundeten und erkrankten Kriegern bei der jetzigen Kettknappheit sehr willkommen sein,
Kreis Friedberg.
LI. F r i e d b e r g , 9. Mai. Morgen, den 10. d. Mts., findet seit langer Zeit wieder einmal Schwei ne markt statt.
LI. F r i e d b e r g , 9. Mai. Die P a p i e r s a m m l u n g , welche zugunsten des Roten Kreuzes veranstaltet wurde, ergab einen schönen Erfolg.' Aus dem Erlös für das verwertete Papier wurden der Kaffe des Roten Kreuzes 1400 Mk zugeffihrt.
LI. Bad-Nauheim, 9. Mai. Der Unteroffizier Wilhelm E u s e r von hier, Inhaber der Hessischen Tapserkeilsmedaille, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klaffe.
Q. B-ad--Nauheim, 10. Mai. Gestern hiekden die Ber- trever der Linienkomma n da n tu reit Hannover, Frankfurt c. M., Kassel, Altona, Mainz, Saarbrücken, Magdeburg und Erfutt eine gemeinschaftliche Sitzung im Kurhaus ab. Ungefähr 30 Tecknehmer waren erschienen. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten versammelten sich die Herren zum Mittagessen im Kurhaus und machten dann einen ausgedehnten Spaziergang durch unsere Badeanlagen. — Heute mittag treffen etwa 100 österreicstisch-un gattsche, türkische und bulgarische Offiziere aus dem Deutschen Genesungsheim zum Besuch hier ein. Außer diesen_ Gästen werden noch zwei kaiserlich türkische Prinzen erwartet. Tie Herren sind nachmittags und abends Gäste der Grvßh. Bade- und Kurverwaltung.
e. Butzbach, 10. Mai. Der cand phil. Willy Büttner, Bizefeldwebel d. Res., zurzeit in Braunschweig, wurde am 5. Mai zum Leutnant d. Res. befördert.
4t Hoch-Weisel, 10. Mai. Zum Unteroffizier befördert wurde der Landsturm-Gefreite Lehrer August Metzler.
Starkenvurg und Nheinhefsen.
"Darmstadt, 9. Mai. Graf Zeppelin in Darm- st ad t. Heute nachmittag ist der Schöpfer unserer mächtigen, erfolgreichen Luftkreuzer, Graf Zeppelin, hier zum Besuch eingetroffen und hat im Äotel „zur Traube" Wohnung genommen. Sein Aufenthalt erfolgt atts Anlaß der morgen stattfindenden Vermählung seines Neffen, des Rittmeisters d. Res. Grasen Ferdinand Zepvelin, mit Fräulein Marietta v. Alvensleben, Tochter der seit einer Reihe von Jahren ansässigen Frau Major v. Alvensleben.
Kreis Wetzlar.
ra. A tz b a ch , 9. Mai. Postassisteitt Friedrich Müller Leutnant im Reserve-Regiment Nr. 7, wtlrde mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. Müller ist ehemaliger Schüler der Realschule zu Gießen.
ra. G r o ß - R e ch t e u b a d ), 9. Mai. Kraftfahrer Friedrich S t e i n b a ch, beim Generalkommando des 14. Reservekorps, rvurde mit dem Eisernen Kretiz ausgezeichnet
Hessen-Nassau.
sl Marburg, 9. Mai. Seit Donnerstag voriger Woche ivird der 80 Jahre alte Auszügler Seibert Becker crus Schwarzenborn im hiesigen Kreise vermißt. Der Greis wollte an dem Tage nach Marburg, hinter Cölbe schlug er jedoch die Richtung in die Lahnberge nach Bürgeln zu ein. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß er ist der Lahn oder der Ohm verunglückt ist.
--- König stein, 9. Mai. Auf einem Neubau grün dstücke wurden bei Ausschachtungsarbeiten die Reste der 1703 in die Luft geflogenen ehemaligen k u r m a i n z i s ch e n P u l v e r m ü h l e freigelegt. Man fand außer den Fnndamentmauern noch zahlreiche Eisenstücke, Aschenreste, Scherben und sonstige Brandüberbleibsel. Durch die Ausgrabungen konnte die Lage der Mühle mit Sicherheit festgestellt werden. Tie Mühle war 1668 von der kurmainzischen Regierung gebaut und stellte jährlich über 100 Zentner Pulver her. 1670 flog sie in die Luft, 1703 zrmi zweitenmal.
LTniveLdUKts-riachrichten.
--Frankfurt a. M., 9. Mai. Dem Jahresbericht des Physikalischen Vereins zufolge hat der verstorbene Vorsitzende Professor ©uqen Hart m a ii n den Verein mit zwei Legaten von je 10 000 Mk. bedacht, die als Hartmann-Fonds besonderen Forschungs- Zwecken auf dem Taunus-Observatorium dienen sollen.
Größerer tetiaitammer.
. , th. Gießen, 8. Mai.
Am Frettag voriger Woche verhandelte unsere Sttafkammer nach den -Osterferien das erstemal wieder und hatte gleich 3 Fülle hintereinander
unter Ausschluß'der Oeffentlichkeit abzuutteiletl: Ter 70jährige Joh. W. von Lich hatte in mehreren Fallen sträflichen Umgang mit noch nicht erwachsenen Personen. Er wurde für schuldig befunden und zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt. — H. G. von O. sollte sich an einem Mädchen unter 16 Jahren ?aw' § 182 des RSG. vergangen haben. Der Gerichtshof war rer Ansicht, daß im vorliegenden Falle die Erfordernisse des ß 162 uicht nachgewiesen sind, nnd sprach den Angeklagten kostenlos frei. — Ein Landwitt und ein Mädchen wurden wegen Ehebruchs zu 3 beziehungsweise 2 Wochen Gefängnis verurteilt.
Der Spielteufel
hat den noch nicht" 16 jährigen Eisenbahnarbeiter Joh. St. von Holzhausen ins Verderben gebracht. Ter junge Mann, der das Institut in Friedrichsdorf bis zur OHersekunda besuchte, hat gewußt und 17 und 4 gespielt und dabei Beträge verloren, die er nicht decken konnte. Um seine Spielschulden zu bezahlen, hat. er seinem Vater 10 Mark unterschlagen, womit er das Schulgeld bezahlen sollte, ebenso hat er für Rechnung s-eines Vaters Eingezogene Versicherungsbeträge unterschlagen (im ganzen 5 Mark! und beide Beträge verspielt. Bon einer Frau verschaffte sich der Angeklagte unter falschen Vorspiegelungen zweimal je 2 Mark. Um nun diese Beträge nachträglich wieder zu begleichen, beging der jugendliche Mensch einen schweren Diebstahl und eignete sich 22 Mark an, doch wurde er hierbei gefaßt. Reumütig gestand der Angeklagte seine Verfehlungen zu. Tie Sttafkammer«erkannte wegen der Bettugs fälle auf einen gerichtlichen Verweis und wegen des Diebstahls aus 1 Woche Gefängnis. Wegen der Unterschlagungen zmn Nachteil des Vaters konnte Verurteilung nicht erfolgen, da ein Strafantrag des Vaters nicht vorlag. Ter Vorsitzende Landgerichtsrat Wiener eröffnete dem in der Verhandlung anwesenden Vater, einem Eisenbahnbeamten, der sich das Geld am Munde abgespart hat, um seinen: sehr geweckten Knaben eine bessere Schulbildung angedeihen zu lassen, daß im vorliegenden Falle Anlaß vorliege, eine bedingte Begnadigung eintteten zu lassen, die der Gerichtshof zweifellos auch befürwottcn würde.
> Ein unverbesserlicher Sünder ist ,der 58 jährige vielfach vorbestrafte Arbeiter Kaspar K. von Queckborn. Er ist geständig, in Vilbel und Frankfurt a. M. mehrere Geldbeträge, zusammen 25 Mark, sich durch einen Schwindel verschafft zu haben, den er schon früher mit Erfolg an gewendet und wofür der Angeklagte als rückfälliger Betrüger schon wiederholt bestraft ist. Ter Angeklagte erllärt, seine Schwindeleien, die er begangen, zuzugeben, er hat aber noch einen anderen Schuldposten glatt zu machen, indem ihm der Staatsanwalt zur Last legt, in Vilbel bei seinem ehemaligen Tienstherrn, einem Arbeitskollegen, einen Geldbettag von 300 Mark durch Erbrechen eines Koffers gestohlen zu haben. Diesen Diebstahl begangen zu haben, bestreitet K., doch wird er dessen überführt. Tie Sttafkammer war der Ansicht, daß man bei einem Menschen, der schon so hälftig wegen Eigentumsverbrechen bestraft ist, und der sich nicht scheut, einem Mitarbeiter das sauer ersparte Geld zu nehmen, keine Milde walten lassen dürfe. Der Angeklagte wurde zu 3 Jahren Zuchthaus und zu einer Geldstrafe von 300 Mark verurteilt.
GeViÄltSMKl.
Der Rauba nfall in Himmelsberg.
st Marburg, 8.Mai. In der Nacht vom 22. zum 23. November V.Js. drangen im Dorfe Hintmelsberg im Kreise Kirchhain zwei Männer in die Behausung der hochbetagten Eheleute Bohlandt ein, um dort aus' der in der Wohnstube befindlicher Kommode Geld und vielleicht auch noch sonsttge Sachen zu entwenden. Die beiden alten Leute wurden jedoch durch das Geräusch geweckt und als sie in die Stub-e eiltetr, wurden sie von der Einbrechern zu Boden geworfen und schwer miWandelt. Erst als die in den oberen Räumen befindliche Haustochter, die das' Stöhnen der Mutter hotte, aus dem Fenster um Hälfe rief und die Nachbarn crufmerksajm wurden, ließen die Eindringlinge von ihren Opfern ab und machten sich eiligst sott. Als dringend der Täterschaft verdächtig wurden bald darauf ein in Marburg sich aufhaltender früherer Fürsorge- zögling, der 24 Jahre alte Maurer Friedrich Schick und der mck diesem verwandte Korbmacher Johannes Sauerwald aus Göttingen bei Wetter festgenommen, und heute hatten die beiden Männer sich wegen dieser Sache vor dem hiesigen Schwurgericht, das unter dem Vorsitze des Geh. Rats' Klingenbiel tagte, zu verantwotten. Sie gaben beide ihre Schuld zu, Schick betonte jedoch, daß er nur dem alten Bohlandt, weil ihm dieser einmal, als er als Fürsorge'-' zögling bei. ihm! gewesen, zu einer Strafe verholfen hätte, durchprügeln wollte. Sauer Wald, der am Tage Vovher mit ihm an der Wohra Korbweiden geschnitten, habe ihm nur Gesellschaft geleistet. Zudem seien sie beide betrunken ge.vesen. Nach der Tat hätten sie sich durch den Burgwald nach Göttingen gemacht. Aus' der Verhandlung ging jedoch hervor, daß sie sich verabredtt hatten, aus der Kommode das Geld zu fjblen. Bem'erkt sei, daß Bohlandt au dem! Tage vorher beabsichttte, in Nanschenberg einen, größeren Geldbetrag für verkaufte Frucht eiuzukaffieren. In letzter Stunde wurde er jedoch verhindert und so kam es, daß sich in der Kommode gar kein Geld befand. Die Geschworenen sprachen die beiden Angellagten des gemeinschaftlichen Raubversuctzs mittelst Einschleichens unter Mitnahme von Waffen schuldig und verneinten die mildernden Umstände. Schick wurde ztt 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehr- Verlust und Sauerwald, der noch mehr Vorstrafen wie sein jüngerer Genosse, u. a. auch Zuchthaus verbüßt hat, zu 4 Jahren Zuchthaus. 10 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht verutteckt. Der Verhandlung wohnte auch Oberlandesgerichtsipräsident Wirll. Geh. Ober- justtzrat Greifs aus Kassel bei.
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Berlin , 9. Mai. <WTB.) Die Friseurin Johanna U l l - mann und die Arbeitettn Anna Sonnenberg wurden heute von den Geschworenen des Mordes, schweren Rcrtrbes und Diebstahls, begangen am 16. März an der Martha F r a n z k e, schuldig gesprochen und zum Tode, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebensdauer verurteilt. Die Ullmann wurde ferner zu zwei Jahren Zuchthaus und die Sonnenberg zu einem Jahr Gefängnis verutteckt.
Eine medizinische Betrachtung über die Schauspieler aus dem J8. Jahrhundert.
Angesichts der Verfeinerung unserer modernen Schauspielkunst, die immer weniger Mett auf bte sog. äußeren Mittel legt, dafür den Nerven des Schauspielers eine um fa> höhere Bedeutung zumißt, ist eine höchst originelle populär-medizinische Betrachtung ans der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts „über die Heilarten der Schauspielerkrcmkhecken" von ganz besonderem Interesse. Ter diese Betrachtungen wieder gebende Brief, dessen Wortlaut von Otto Ernst Sntter im nächsten Heft der Schaubühne er- cheint, entstammt dem 11. Heft des Jahrganges 1782 der „Pfalzbayrischen Beiträge zur Gelehrsamkeit", und der Verfasser, Franz Anton Mai, der von 1742 bis 1814 in Mannheim und Heidelberg lebte, war einer der ersten populär-medizinisch wirkenden Jesuiten, dessen 'medizinische Fastenpredigten sich, an dem kurfürstlichen Hofe besonderer Beliebtheit erfreuten. Die charakteristischsten Stellen des aus Mannheim, 1872, datierten Briefes seien hier als besonderes Kuriosum wiedergegeben: „So eben, mein Bester! komme ich voll Wehmut Mm der Bühne, wo die innersten Falten des leidenschaftlichen Menschenherzens zur Bes- 'erung der Sitten, zum Vergnügen und zur Erbauung meinen Mitbürger wöchientlich dreimal zergliedert werden . . . Nicht als bloßer Zuschauer ftaub ich da, als Arzt machte ich medizinische Betrachtungen über das Schicksal der Schauspieler, über die vorbereitenden Ursachen ihrer unvermeidlichen Krankheiten,' über die Schwierigkeiten, diese zu Hecken, über die notwendige, aber unglückliche Empfindsamkeit ihrer Nürven, über die Gefahren, welchen der gefühlvolle Schauspieler unmöglich ausweichen kann, über das auf die Nerven heftig wirkende Gefühl abwechselnder Leidenschaften, und in diesem Ätügenblick, wo sich alle diese Bilder in meine (Unbildung hrneindrängten, fühle ich Hochachtung und Mit-.
letoeit )nc vteie Gattung ‘jtcu/ciLuiüuficL, u>cui)\c §n uh\tcci unux» Haltung, zu unserm Besten, sehr wohlfeile Schlachtovfer ihrer Kunst und unseres Vergnügens werden." Nachdem der Verfasser betont hat, daß diesen Gefahren natürlich nicht der banale und bedeutungs- foft, ftndern nur der künstlerisch wettvolle, d. h. sein ganzes Gc- fichl hrngebcnde Schauspieler ausgesetzt sei, gibt er einige medizi- nilche otat^chläge, die an Originalität nichts zu wünschen übrig lafien. ,,-ver Schauspieler muß überhaupt alle Gattungen von. ^.chwelgereten meiden. Nach einer luftigen Rolle muß er dem Gc tuhl oer Entkräftung und den: Bedürfnisse, sich zu stärken, nicht zu viel trauen, tonst überladet er den Magen mrd stört den Schlaf. .. Das beste Frühstück für Schauspieler'ist, im Winter, eine gute -Klippe von Zwieback und Fleitchbrühe, im Sommer Schwalbackzer orer Pirmonter Wasser mit ftisch gemolkener, ungefottener .Kuh- milo; und etwas ab geriebenem Zitronenzucker . ." Nach einer
unendlich genauen und in jeder Einzelheit köstlichen Ausstellung des tiir den < 2 ch.anspielernragen einzig mtb allein richtigen Speisezettels geht dieser nierkwürdigste aller Aerzte aus ein arrderes, nicht Minder wichttges Gebiet über: „Ruhiger Schlaf sst Balsam für die Werden der Theaternralyrer. Nächtliches Machen ist außerordent- 1i.ci!>..schadttch. Reitende smd fahrende Bewegungen in freier Luft A lür den Sck;auspieler Lebensbalsam. Statt das Geld nrit dem ^^tensprel zu verprassen, dabei das Geblüt zu erhitzen urrd das Eallcnbläschen zu überladen, wäre dasselbe viel besser an das Reiten und Fahren angewendet.. Die Beschäftigung des Gedächtnisses bn vollem Magen ist gefährlich . . . Tie Vermählung ohne vrie- !^Niche Einsegnung ist schleichendes Gift fiir den Schauspieler." Mit Vieser, nur in kurzem Auszug wiedergegebenen Lebensordnung glaubt der Verfasser die besonders zu behandelnde, weil besonderen Gefahren ausgesetzte Gesundheit des Schauspielers in gutem Stande erhalten zu können. Interessant ist es, daß in dem Briefe auch die Abhaltung ausreichertder Theaterferien und die Schäden von Ueber- lastung durch zu zahlreiche Proben nachdrücklich betont roerden, ^ststüe, dre in das soziale Leben des Theaterberufes hineinspiefim und auch heute noch die lebhafte Sorge der Schauspielewrgani- Wttonen bckden. Ein besonderes Kapitel wird schließlich dem Schminken gewidmet. So heißt es,.daß alle Gattungen weißer schminke schädlich seien, da sie meist Quecksilber und Blei enthielten. lieb erHaupt solle der Schauspieler sehr darauf achten, sich bei seiner Maskenkunst stets nur eines „unschädlichen. Farbenvorrats" M. pedrenen. „Wie vergnügt wäre ich," schließt diese seltsame. Eprstel, „wenn diese schriftliche Unterredung die Gesundheit eines ernzcgen, rechtschaffenen Schauspielers wiederherstellen oder erhalten könnte. Hochachtung, Freundschaft und Mitleid verdienen diese guten Meisschenseelen, diese Machrer des Publikums! . . ."
'Der „K i ii o - K ö n i g"-. In Betzwood befindet sich, wie die „Totnenica JNustrata" ^ zu erzählen weiß, ein riesenhaftes Besitz, tuni, das dem durch seilte Films atich bei uns bekamtten amerikanischen „Kino-König", S. Lubin, gehört. Dieser 2^„dsitz. der einen Palast, Latidgüter^Urwälder und mehrere Flliffe.umiaßt, ist voti deni „Kino-Köitig" tür 6\i 7 Millionen Mark erworben tvorden. Der heute 62jährige Filnv'abrikant, der immer noch Optiker, Ingenieur, Direktor, Photogravh, Elektriker in einer Person ist, begann seine erfolgreiche Lailibahn mit einem Film-Negativ, das e,n Pfero beim Haseriressen zeigte. ^ uud das damals in den primitiven An- iängert der Kino-Jndtlstrie die höchste Bewundermtg erregte. Heute hat er für seilte „Eorv-boy^-Films auf seinem Landsitz eine gewaltige Zucht von Pserdeli, Kühen, Stierett, Enten, Gänsen tmd Hühnern angelegt, die er eigens atis Texas kommen ließ. Zwei Ailtomobile und eilt Aeroplait stehen ständig zur Verfügung. Das Etabliffemem des Film-Königs in Philadelohia, das 4 Millionen Mark kostete, besteht fast gänzlich aus Kristall und Stahl. Seine große Ausdehuung ermöglicht es, daß zu gleicher Zeit vier ver- schiedeue Aufnahmen gemacht werden können. Ganz in der Nähe befinden sich stets 500 Menschen mit Pferden und Autos, so daß die Möglichkeit besteht, aktuelle Sttaßengeschehniffe sofort im FUitt festztihalten.
* Das Kennzeichen eines Königs. Ein preußischer Offizier aus der Umgebung König Friedrich Wilhelms IV. erzählt in seinen Lebenserinnerimgert eine sehr drollige Geschichte, die sich auf die nächtlichen Spaziergänge bezieht, die der König im Sommer in Sanssouci zu unternehmen pflegte. Als er unmittelbar vor Mitternacht heimkehrte, rief ihn die Schildwache an: „Halt — wer da:" - „Der König!" war die Llntwort. - „Dos glob ich itich!" war die Antwort des Wachtpostens, eines oberschlesischen Grenadiers des 1. Garde-Regiments, der als sogenannter „Wasser- pole" der deutschen Sprache nicht gattz utächtig war. „Nun denn," so meinte der König, „koittnte Er doch an die Laterne, so wird Er mich erkennen!" — Mit gefälltem Bajonett kam der Grenadier an die Laterne, überzeugte sich, daß der Aitgeruftne in der Tat der König sei, und sagte, das Gewehr präsentierend, zu ihm: „Können passieren!" — „Woran hast du mich denn erkannt, mein Sohlt?" fragte der König, worauf der Grettadier mit lauter Stimme erwiderte: „i?ln Ihre dicke Kupp!" -- Der König mußte laut lachen und reichte dem Biederen zwei Talerstücke, die sein Bildnis trtlgeit, mit den Worten: „Hier, mein Sohn, schenke ich dir zwei Dickköppe!" ____
Markte.
fc. Frankfurt a. M., 9. Mat. Heu- und Strohmarkt Auf dem hetttigelt Heu- ultd Strohmarkt war »tichts angetahren.
b'. 0. Frankfurt a. M., 10. Mai. S ch w e i n e m a r k t. Zum Verkauf startden 270 stadiuche Schweine, die zu den festgesetzten Höchstpreisen schnelleit ^Ilbsatz fanden.
fc. Frankfurt a. M., 10. Mai. Frucht- und Futtermitt e l nt a r k t. Am Fruchtmarkt hat das Geschält durch die jültgsten Verordituugen über Mischfutterntittel und Malz eine er« neute Einschränkiing erfahren. Die im freien Verkehr befindliche Ware wird immer kleiner. Doch ist auch die Nachfrage dank der günstigen Wittertmgsverhältniffe tmd der guten Ernteausstchten geringer.
fc. Frankfurt a. At.» 10. Mai. Kartoffelmarkt. Kartoffeln 10,10 Alk. per 100 Kilo, in loser Ladung ab Bersandstatioit bei Abltalmre volt mindesterts 500 Kilo.
Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 11. Mai 1916:
Wechselnd bewölk t, leicht e 9liederschläge , fälter._
Letzte Nachrichten.
Amerikas Antwort an Deutschland.
A m st a r b a m , 10. Mai. Die Antwvrttrote des Präsidenten Wisivn 'war vom „New Pott Herold" berecks 24 Stunden vor ihrer amtlichen BekautttmachnTrg in dett Haüptzügeu veröffentlicht worden. Der „New Port Herold" konnte weiter mckteckeii, daß die 9tt>te das Resultat eiires bis tu die Nacht wohretrd-en KabinettK- rates iir Washingtchl war. Reuter sairdte der Note oerschiedeue irrende Kommentare voraus, von denen einer sogar „Glatte Absage in 200 Worten" aukündigte.
Fortschritte der österreichisch-ungarischen Truppen vor Valona?
Gens, 10. Mai. Der Lyoner „Progres" meldet aus Athen: Nach Depeschen aus Janina nmcheit die ösrerreichisc1>-uil.garischen Truppen in der Nähe von Valona Fottschritte. Zahlreiche Vor- postengttechle fanden zwsschen dett itali-ettischen Truppen und der: österreichischen Vorhuten statt. Von Argyrv Kastro her wird eine lebhafte Kanonade vertwmmetl. __
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