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10.5.1916 Erstes Blatt
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After Susrxs, ssertra/rät 'frmAnmarsch/ri? rfsr Jurten

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Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 9. Mai. (WTB.) Bericht des Haupt­quartiers: An der I r a f f t o n t im Abschnitt von gelabte nur Zeitweise aussetzende Tätigkeit der beiden Artillerien. Das Stei­gen des Tigris zerstörte auf beiden Seiten einen Teil der Gräben; iak setzten die unfengen sogleich luieber in Stand. Die Namen der fegftwert Kommirndeure, die in K n L - e l - A ma r a gefangen ge- - msvtmen wurden, find folgende: Außer General Townshend der '^«n^7Lndant der 6. Infanterie-Division, Powna, und der Divisio-

A''SEos, sonne die Kornmandeure der 16., 17. unb^lS. Brigade, arämKch die Generäle Dalmeck und- Hamilton, sowie Oberst Evens. 'serirgr der !Kotnm>andeur der Artillerie, General Smiths und 551 sonnige Offiziere niederen Grades, darmrter die Hälfte Europäer, ;fcer Rest Inder. Äon den gefangenen Soldaten sind 26 5^rt>jent Engländer, die übrigen Inder. Obwohl der W-eirü» vor der Kapitulation -einen Teil seiner Geschütze, Gewehre ; imb des Kriegsmaterials zerstörte und,das übrige in den Tigris verblieb bis jetzt noch eine Bfeule, die bis jetzt noch gezählt wird und mit leichten Ausbesserungen verwendbar ist, nämlich 40 .'Kanone n verschied«:«: Kalibers, 20 M a s ch i n e n g e w e h r e, 'fast 5-0 00 Gewehre, eine große Menge Artillerie- und Jnsan- UeÄMmmition, ein großes rmd ein kleines Schiff, die gegenwärtig wieder verwendet werden, vier A n t o m o b i l c, drei Flug - %tirße und eine !Menge Kriegsgerät, das noch nicht gezählt ist. IWassen und Mmrition, die in den Fluß geworfen wurden, werden 'nach und- naef) geborgen. Diejenigen Einwohner Kut-el-Amaras, die nicht zu hirtüberkommen konnten, empfingen uns mit großer !Fesllick^!eit und vergossen Freudentränen beim Einzuge unserer Truppen, die sich vor allem damit befaßten, an die Belagerten Le­bensmittel auszuteilen.

K a n k a s u s f r o n t: Nichts von Bedeutung.

In Smyrna schossen ein Torpedoboot und zwei Nachtschiffe auf der Hob? der Enge von Mekri nngefähr 100 Granaten wir- skrrrcgsle-s auf die Umgebung von Mekri.

In den lekten Kämpfen bei Katia und D i v a r , westlich tdiWon und 15 'Kilometer östlich des Suezkanals nahmen wir dem ^Fernde 240 Lasttiere, 120 Kamele. 67 Zelte, 220 Sättel. 57 Kisten. jMunition, 100 Gewehre, 2 Maschinengewehre, 163 Säbel, eine 'Me: ge Bajonette, Konserven und andere Gegenstände ab.

. An der Front von 'Ad e n versuchte am! 10. März eine feindliche ^aus Infanterie und Kavallerie zusammengesetzte Abteilung, durch ^Flan^nbewegring unsere Abteilung nördlich von Scheik Osman >zu überraschen: sie wurde zurückgewiesen und ließ Tote und Ber-r iloundete am Platze. Am 15. und 16. März unternahm unsere auf Ä a b. nordöstlich von Scheik OsMan entsandte Wteilung einen fr'iberraschenden Angriff, der gelang. Der Feind gab nach zwei­stündigem Widerstand Amad auf und zog sich nach Süden zurück, trotz seiner schweren Geschütze, die er von Scheik Osman Kerangesührt hatte, und trotz der Kanonen eines Kreuzers, der sich ösMch von Amad befaiä). In dieser Schlacht verlor der Feind 7 Offiziere u.no mehr als 300 sonstige Tote und Verwundete. Un­sere Verluste betragen dagegen etwa 30 Mann.

Dom Valkattkriegsschaupratz.

Bern, 9. Mai. (WTB. Nichtamtlich.)Corriere della Sera" meldet aus Athen: In der vergangenen Woche er­folgte ein neuer Zwischenfall zwischen griechischen ,und italienischen Truppen in Albanien. Eine grie­chische Patrouille feuerte auf eine italienische. Diese zog sich ohne Verluste zurück. Der italienische Gesandte Besdari wurde darauf bei Skuludis vorstellig und gestern vom König emp­fangen. Der Audienz wird Bedeutung Leigemessen, da man sie mit dem jüngsten Zwischenfall in Zusammenhang bringt. Besdari sqll aus freundschaftliche aber entschiedene Absichten der italienischen Behörden in Valona hingewiesen und die Aufmerksamkeit des Königs auf die delikate Lage gelenkt -Haben. Anscheinend ist die griechische Regierung geneigt, eine, -.gemischte Kommission aus italienischen und griechischen Offi­zieren einzusetzen, um eine neutrale Zone zu bestimmen.

Ein deutsches Musikfest in Sofia und Konstantinopel.

Berlin, 9. 'Mai. Deutsche Kunstsrlwnde haben sich ver- ittuio.t, um unter Förderung kr Kaiserlichen Regierung noch im .Lause des Monats Mai die 2lb Haltung eines Deutschen Musis­chstes in Sofia und .Konstantinopel zu ermöglichen. Sie wollen 'durch Entsendung deutscher Künstler Und Darbietung bester deutscher fea$ gegmseitige Verstehen Der verbündeten Völker fördern.

Vereinbarung mit den maßgebenden Stellen in den beiden nnvb das Fest in Sofia in den Tagen vom 18. bis zurr 21. Mai, in Konstantinopel vom 23. bis zum 26. Mai statl- tiwkr:. An der Känstlerfahrt 'werden Fräulein Emmi Leisner von der Uni glichen Oper, Herr Earl Elewiug vom Königlichen Schau- spicHcns und die Fürstliche Hofkapelle aus Gera unter Leitung des Herrn Laster teil ne hm eu. Der erste Abend soll mit dem Vor­stpirk ruMeistersingern" beginnen irrtb mit dem Hohensriedc- A'arsch schließen Der zweite Abend beginnt mit dem rS&zm&cnh nrgiirf>en Konzert von Joha::n Sebastian Bach und schließt «rit IDhann Strauß (An der schönen blauen Donau"). Der dritte .Merch roird mit Bc-ethoveus fünfter Symphonie eröffnet urrd endigt ('mit dem Borspiel zumTaunhäuser". Dazwischen singt an den

verschiedenen Abenden Fräulein LeisrrerHändel, Gluck, Schubert, ^ Schumann und Brahms". Herr Clewing spricht Schiller und Goethe und singt deutsche Volkslieder, teilweise allein, teilweise zusammen mit Fräulciu Leisner. T-ie LLbende siuden statt bei freiem Eintritt für alle türkischen, bulgarischen und deutschen Gäste, die in den beiden Hauptstädten deutsche Kunst hören wollen.

" * *

Die Einführung der Sommerzeit in England.

Amsterdam, 8. Mai. (WTB.) Das Lorcdoner Unterhaus hat mit 170 gegen 2 Stimmen den Antrag auf Einführung der Sommer zei t angenommen. Die englische Regierung hat demgemäß angeordnet, daß am 21. Mai 2 Uhr morgens die Zeitmessung um eine Stunde vorgerückt wird. Die Wiederherstel­lung der alten Zeitmessung findet am 1. Oktober statt. Die Zeit von Greenwich bleibt für die wissenschafUiche Navigation und einige andere Zwecke in Geltung.

Zum irischen Ausstand.

Rotterdam, 9. Mai. (WÄB.) DerRotterdamsche Cou­rant" meldet aus London vom 8. Mai: Im Unterhaus« fragte N e d m o n d den Premierminister, ob er nicht wußte, daß die fortwährenden militärischen Hinrichtungen in Irland eine rasch zunehmende Erbitterung und Wut in den Teilen der Bevölteruug hervorriefeu, die nicht die geringste Sympathie mit dem Auf­stande haben und ob Asguith nach dem Vorbilde Bothas in Süd­afrika unverweilt den Hinrichtungen ein Ende machen wolle. (Hört, Hört-Ruse.) Asguith antwortete, Redmond habe von Anfang an bei der Regierung darauf gedrungen. Seine Vorstellun- gen um milde Behandlung sür die Mehrheit der Teilnehmer am Aufstand seien nicht umsonst gewesen. Sir John Maxwell war stets in direkter und persönlicher Fühlung mit dem Kabinett und diese habe alles Vertrauen in seine Besonnenheit. Tie allgemei­nen'Instruktionen an Maxwell, die sich mit seinem eigenen Urteil deckten, gingen dahin, die Todesstrafe so sparsam wie möglich zu verhängen und nur über verantwortliche Personen, die die größte Schuld an dem Vorgesallenen treffe. In Beantwortung von An­fragen anderer Nationalisten und von Radikalen, die sich gegen die Art, wie gegen die Rebellen vorgegangen werde, wendeten, sagte Asguith, daß die Hinrichtungen von den Militärbehörden an­geordnet worden seien und weigerte sich zu versichern, daß keine mehr vorkontm-en würden, ehe das» Unterhaus Gelegenheit hatte, die Sache zu besprechen.

Amsterdam, 9. Mai. (MTV. Nichtamtlich.) Ein hiesiges Blatt meldet aus London: Von den letzten vier Aufständischen, die erschossen wurden, gehörte einer, Edmund Kent, zu den Unterzeichnern der Sinn Fein-Proklamution, so daß jetzt fünf von den Unterzeichnern h i n g e r i ch t e t sind.

Weiter wird berichtet, daß Connelly so schwer verwundet ist, daß wenig Aussicht -auf seine Wieder ge nesung besteht. Im ganzen wurden bis jetzt 12 Personen hingerichtet, 67 zu Zucht­hausstrafe und 2 zu Zwangsarbeit verurteilt. Zwei sind sreige- sprockei: worden.

Lio«don, 9. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus Asguith hat mitgeleilt, daß Armee, Marine und Polizei in Irland 124 Mann an Toten, 386 Mann an Verwundeten und 9 Mann au Vermißten verloren haben.

Der JeeKieg.

B r e st, 9. Mai. (WTB.) Ein deutsches Unter­seeboot zerstörte den englischen Vie'rmasterI a l g a t e". Zwei Offiziere und zehn Mann sind gerettet worden. Das Schicksal von 14 Mann ist unbekannt.

A m st e r d a m, 9. Mai. (WTB.) Meldung des Reuter- schen Bureaus. Der DampferC y m e r i c c" soll von einem deutschen Unterseeboot im Atlantischen Ozean torpediert worden sein.

London, 9.Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agentur hat einen drahtlosen Bericht von dem niederländischen Dampfer Gretius" erhalten, daß alle Personen des vcrsenktenDamw- fersCymric" gerettet wurden.

AAS Sfa&t And Land.

Gießen, 10. Mai 1916.

Dre Morgensuppe.

Man muß verstehen, aus jeder Not eure Tugend zu machen. Das ist die beste Lebensregel für den Einzelnen wie für ganze Völker. Mlerdings gibt es da noch Unter­schiede. Als die Engländer nach ungeheuren Verlusten un­verrichteter Sache von den Dardarrellen -abzogen, nannten sie den größten aller Mißerfolge «einewunderbar durchge­führte Unternehnrnng". Auf einem andern Blatte steht die Tatsache, daß wir Deutschen durch die teilwetse Verhinde­rung der Zufuhr aus dem Auslande zu zahlreichen Erfin­dungen und Verbessermngen von dauerndem Werte veran­laßt worden sind.

Jetzt harck>elt es sich um die Wiedereinsetzung einer frid Heren allgemeinen Gepflogenheit in ihr Recht. Kaffee und Tee sind heute knapp in Deutschland. Das ist der richtige Zeitpunkt, um sich der guten alten M o r g e n s U p p e zu erinnern, die bei uirseren Vorfahren nie fehlen durfte. Im weslentlichen aus Weizen- od>er Roggenmehl hergestellt, bot sie dem Mrper die Sättigung und Düftigung, nach der er früh verlangt, und der Wohlgeschmack ließ nichts zu lvünscheu übrig. Jetzt wird von den ersten Sachverständi­gen dringend empfohlen, der Morgensuppe ^nieder ihren alten Ehrenplatz im deutschen Hause einzuräumeu.

Die Roggen- oder Weizenfuppe ist schmackhaft, herzhaft und nahrhaft. Die wichtigsten Nährwerte des Getreides sind in ihr unverkürzt enthalten, und wie wir uns das unerrtß behrliche Brot niemalsüberessen" können, so wissen die­jenigen, die in einzelnen Gegenden Deutschlands von alter Zeit her an ihrem Morgensupplein bis zum heutigen Tage sestgehalten haben, wie sehr es ihnen alle Tage von neuem mundet. Es ist vielfach üblich, ein Stück Brot dazu zu essen oder auch in die Suppe zu schneiden, damit dem Magen auch etwas feste Nahrilng geboten wird. Um den Geschmack zu verbessern, tun besondere Feinschmecker etwas Schnitt­lauch, Petersilie oder Kerbel sein geschnitten hinein.

In allernächster Zeit werden von Reichs wegen beson­dere Maßnckhmen getroffen werden, um den größten in Frage kommenden Betrieben Dentschlands die Herstellung eines guten und billigen Mvrgensuppenstofses mit etwas Fettzusatz zu ermöglichen. Man darf sicherlich erwarten, daß die weitesten Kreise unseres Volkes von dieser Gelegen­heit «eifrig iGebrauch machen werden.W erlan gesuppt, lebt lange!" sagt ein sehr altes Sprichwort. Und wer gleich am Morgen dem .Wrper einlvandfveie Näh>rwerte in bekömmlichster und wohlschmeckendster Form zuführt, schafft eine gute Grundlage für den ganzeu Tag.

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Leitsätze sür die Kaffeebereituttg

veröffentlicht der Kriegsausschuß sür Kaffee, Tee und deren Ersatzmittel G. m.b. H. Berlin W., Bellevuestraße 14. Es heißt da: Die Güte des Kasfeegetränkes leidet sehr (häufig unter den Fehlern, die bei seiner Bereitung gemacht werden. Um eine möglichst sachgemäße Ausnutzung des gerösteten Kaffees zu sichern, sind folgende Regeln zu beachten:

I.

Der Kaffee muß frisch geröstet verwandt werden. Im gerösteten Zustande hält Kaffee sein volles Aroma nur kurze Zeit.

Gerösteter Kaffee ist trocken, am besten in festverschlos^e- nen Büchsen aufzubewahren.

III.

Der geröstete Kaffee muß kurz vor dem Ausguß möglichst fein gemahlen werden. Je seiner das Kafieemchl, je höher die Ergiebigkeit.

IV.

20 Gramm gerösteter Kaffee (feingemahlen) genügen, um ein Liter Kasscegetränk herzustellen.

V.

Die zur Kaffeebereitung dienenden Gefäße müssen Pein- lichst sauber gehalten werden: schon eine Spur Fett oder eine sonstige geringe Unreinlichkeit beeinträchtigt das Kasfee- aroma.

VI.

Die Kasfeebereitung ergibt nur dann ein gutes Getränk, wenn das Wasser richtig kocht, d. h. lebhaft brodelt. Wasser, das schon längere Zeit gekocht hat, gibt keinen wohl­schmeckenden Kaffee.

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*' A m 11 1 ch e P e r s o n a t na ch ri ch t. Der (tz roß- h^e r z o g hat am 6. Mai ds. Js. den Bauaspiranten Friedrich 2 cb l e e n b e cf e r aus Heuchelbeim, Kr. Gießen, zum Hochbau- ausseher ernauut.

** Bratet ohne Fett! Eine neue praktische Erfindung ist die patentierte Spa r v i a n n e von Fr. Ä. Rnisinqer. Ätikt- woch wird die Erfinderm seldlt die Pianne im Hotel Kobel nach- mittaas 4 Uhr und abends all Uhr vorsühren.

** Die G e w ehre eines Keilers von 264 P f u n b , geschossen von der «kt. 11. Kompagnie Inf.-Regt. 116, sind im Laden der Papierhandlun,g Noll ausgestellt. Wie d-ie Trophäe er­worben wurde, schildert folgendes Begleitschreiben.

Am 8. 2. 16 gelegentlich einer WÄdübung hatte die Kompag­nie das Glück, einen Keiler vor ihrer Gefechtsfront zu habeir. Die alten kriegserprobten 2lugen einiger der 11/116 an gehörigen. Mannschaften hatten durch wohlgezühlte Schüsse das Wildschwein zur Strecke gebracht. Nach großer Bewunderung aller dem.'Regiment an ge hörigen Offiziere und iüi aunschasden wurde die willko-mmene Beute der Feldküche Mgeführt, die den Mannschaften der Kom­pagnie einen Leckerbissen daraus zubereitete. Zur späteren Erinne- an den Jagdersölg will die KvTnpagrlie aus dem Flur des Kompag- nikreviers die Gewehre dos erlegten Keilers aufhängen.

** Ein städtischer Seefischmarkt findet Domrers- tag, den 11. Mai 1916, nachmittags 2 Uhr beginnend, in den Marktlauben statt.

** Land stur man Meldung. Tie im April 1899 ge- borcueu Laudsturmpstichtigeu. der Stadt Gießen müssen sich am

15. Mai ds. Js... vormittags von 812 Uhr und nachmittags von 26 Uhr im alten Rathaus am Marktplatz zur Landsturmrolle melden. Siehe Anzeige.

** Zur Butterversorgung. Die in Gießen arrsässi- gen Butterhän-dler werden in einer amtlichen Bekanntmachung im heutigen Blatte aufgefordert, bis zum 13. Mai 1916, vormittags 12 Uhr, aus dem Stadthause, Zimmer 9, schriftlich anzumelden,' wieviel Butter monatlichste in der Zeit vom 1. Januar bis 1. Mai 1916 nachweislich bezogen unb in der Stadt Gießen verkauft haben; die Bezugsquellen sind dabei anzugeben.

** Eine Sitzung der Stadtverordneten ist au Donnerstag, 11. Mai, naclnnitlaqs 5 Uhr, anberaumt. Als Tages­ordnung ist sur die öffentliche Sitzung vorgesehen: 1. Mitteilungen. 2. Voranschlag für das Rechnungsjahr 1916/17. 3. Rechnung der Armenkasse für 1914. 4. Vergebung der freien Lernmittel sür das NechnllngsjaHr 1916/17.

** Waldmeister und Ma itrank.Schon naht , die durst'ge Maiweinzeit, Du mußt mir wirrer her?" erklärt in einem der Rodensrein-Li-eder Viltor v. Scheffels der allzeit durstige Herr von Rodenstein zu seinem Stabslrvmpeter Hans Schleumng. Zu einem richtigen deutschen Maitrank, dem Maiwein, ist das Kräutlein Waldmeister eine ganz unerläßliche Zutat. Wenn man alle die Er­findungen und Entdeckungen preist, durch die sich die Deutschen vor -allen übrigen Völkern der Welt ausg^-eichnet haben, sollte man auch ihr Verdienst nicht vergessen, das darin besteht, daß sie zn allererst die vortrcsslicben Eigenschasten mkmmt haben, die der nur tm Buchen- ; walde wachsenden Pflanze Aspeuula lvdorata, unserem lieben Wald­meister, innewohnen und die geeignet sstld, auch einen minder guten Wein in einen trinkbaren Tropfen zn verwandeln. In manchen Gegenden, unseres Vaterlandes führt das lieblich dustende Kräut­lein die poetisch klingenden NamenUnserer lieben Frmren Bett­stroh" oderLiebfrauenstroh"; nach einer Logerrde soll das Lager, auf dem die JuNgfra-u Mstria den Heiland geboren hat, mit Wald­meister gefüllt gewesen sein. Noch hewc hängt man auf dem Lande in Nvrddcutschlaud vielfach Kränze, die aus Waldmeister geflochten sind, im Zimmer auf oder legt sie zwischen die Wäsck)e. Im 15. und

16. Jahrhundert wurde das Pslüirzlein als besonders wirkendes Heilmittel gegen Herz- und Leberleiden angepriesm. Als beste Me­thode erwies sich bald diejenige, die Heilpflanze in Wein zu legen und diesen dann zu trinken. Jakob Brauner schreibt in seinem 1713 erschienenenDeutschen Kräuterbuche":Stern-Leberkraut, von et­lichen Waldmeister genannt, pflegen die !2eute im Mayen, wenn das Kräutleiil noch frisch ist und blühet, in den Wein zn legen und darü­ber zu triukeu, in Maynuny, daß es der L-eber dienen und dieselbe stärker: solle; so soll es' auch das Herz erquickerr und erfreuen, wes­halb es auch den NamenHerzfreild" bekommen hat." Denjenigen, die an einem Herz- loder Leber leiden erkrankt warerr, hat das Wald­meistertränklein offerrbar so vortrefflich gemurrdet, daß es auch Ge­sunde tranken, um einem derartigen Leiden vorzubeuyen; später kam der -Medizinische Zweck ganz in Vergesse:ch>eit .' . . Seinen lieb­lichen Geruch verdankt der Waldmeister einem! in ihm enthaltene;: Stoffe, dem Kumarin, der sich auch in anderen Pflanzen wie in Ruchgras, dem Hönigklee und ir: der Tonkabohne vorffudet. Der im Handel erscheineiche Waldmeifterextrakt wird gewöhnlich aus der Tonkabohne hergeftellt. Aber zu einem richtigen Maitrank gehört doch das frisch gepflückte Maikraut, dem auf j-eden Fall der Vorrang gebührt gegeirüber einem an sich vortrefflich«: Surrogat oder Er­satzmittel, wie man heute in der Zeit der Sprachverdeutschung sagen muß.

** Einschränkung des Stoffverbrauchs. Aus Berlin wird berichtet: In der Sitzung der Handelskammer vom Freitag wurde eine SachverständigenZommission der Modegeschäfte gewählt, welche die Höchstmaße fürKonfektionsartikel sestsetzen sollte. Diese Kommission hat jetzt getagt um> nach dem Konsektionär" folgende Höchstnmße für den Stoffoerbrouch als Zweckmäßig beschlossen: Für Paletots 3 3 U Meter, für Kostüme 4Li Meter, kür Röcke 4 Met-er, sür Staubmäntel 41/2 Meter. Bei Größen über 46 soll ein entsprechender Mehrverbrauch ge­stattet sein, für Kindermäntel wurde von Höchstmaßen Abstand genommen.

** Die Zahl der Postscheckkunden ist im Reichspost­gebiet Ende April 1916 ans 118 253 gestiegen. (Zugairg im Monat ?lpril 1767.) Aus den Postscheckvechrmngei: wurden im Aprll ge­bucht 2398 Millionen Mark Grüschristen rmd 2440 Million«: Mk. Lastschriften. Bargeldlos wurden 2695 Millionen Mark des Um­satzes beglichen. Das Gesamtguchaben der Posffcheckkunden betrug im ?lpril durchschnittlich 332 Millionen Mark. Im Ueberweifmrgs- verkehr mtt dem Ausland wurden 4,9 Millionen Mark umgesetzt.

Landkreis Gießen.

s. Alten-Buseck, 9. Mai. Der Ersatzreservist Heinrich H 0 f m a n n, welcher seit ?lnfang November 1914 bei dein Jni- Regt. Nr. 140 iin Felde steht, wurde im Septenrber 1915 zum Unterossizier d. Res. befördert und einen Monat später mit dem Elsernen Kreuz 2. Klasie ausgezeichuet. Jetzt ist ihm die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen worden.

ö. Lollar, 8. Mai. Gestern fand bei schönem Maienwetter eine größere Hebung d e r I u g e 1 : d w e h r e n Lollar, Staufen­berg und Maiuzlar statt. Um 9 Uhr vorunttags trat die Jugend- wehr Lollar an der Post an und rnarscküerte klingendem Spiel an den Bahnhof, von wo sie mit der Bahn bis Geilshausen fuhr. Auf Station Alainzlar schlossen sich die Jugendwehren von Staufen­berg und Maiuzlar an. Alsbald nach Ankunst des Zuges aus