Nr. \08
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Erster Blatt
\ 66 . Jahrgang
Dienstag, f . Mai Mb
Vezugsvrec ^. ^Monatl. 90 Bi., viertel- jährl. Mk. 2.65; durch Ab hole- u. Zweigstellen monatl. 80 Pf.: durch diePost Ack.2.45 viertel- jährl. ausfchl. Beste'.lg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. — Haclpt- schriftleiter: Aug. Goeh. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goeg; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge- richtssaal: Fr.N.Zenz,-
t$te6wMttä mb Verlag der Vröhl'schen Univ.Vuch- und §tein-ru«erei 8. Lange, Lchnstleittms, SefchasLsstette und Druckerei: Schulst?. 7. BeckImtt^chmUeßm
(DTD.) Großes Hauptquartier, 8. Mai. (Amtlich.)
WeKlicher Kriegsschauplatz.
Dir in den letzten Tascn auf dem linken Maasufer in der Hauptsache durch tapfere Pommern unter großen Schwierigkeiten, aber mit mäßigen Verlusten durchgeführten Operationen haben Erfolg gehabt. Trotz hartnäckigster Gegenwehr und wütender Gegenstöße des Feindes wurde das ganze GrLbensysteMümNordhangederHöhe 304 ge- n o m m e n und unsere Linie bis auf die Höhe s e l b st vorgeschoben. Der Gegner hat außerordentlich .schwere, blutige Verluste erlitten, so daß an unver- nmndeten Gefangenen nnr vierzig Offiziere, ein- tausendzweihundertachtzig Mann in unsere Hände füllea. Auch bei Entlaftuiiysvorstößen gegen unsere Stellungen um Westhange des „Toten Mannes" wurde er mit starker Einbuße überall abK'wiesen.
Ans dem Ostufer entspannen sich beiderseits des Gehöftes Thraumont erbitterte Gefechte, in denen der Feind östlich des GÄhöftes unseren Truppen unter anderem Neger ent- gegennmrf. Ihr Angriff brach mit Verlusten von 30b Ge
fangenen zufmnmen.
Bei den geschilderten Kümpfen wurden weitere frische französische Truppen festgestcllt. Hiernach hat der Feind im NiLnsgetiet nunmehr, wenn nun die nach voller Wiedcr- auffültung zum zweiten Male eingesetzten Teile mitzählt, die Kräfte von 51 Divisionen aufgewendet und damit reichlich das Doppelte der auf unserer Seite, der
des ÄLgreifers, bisher in Den Kampf geführten Truppen.
Von der übrigen Front sind außer geglückten Pa- tronillerrunternehMUNgen. so in Gegend von Thiepval und FLirey, teiue bejorcheren Ereignisse zu berichten.
*
Zwei svanzösischr Doppeldecker stürzten nach Luftkampf über der Cotr de Froid Derrc brennend ab.
Oeftlicher und Bslkan-Kriegsschauplatz.
Die Sser ist mr allgemeinen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Der MwHe Tagesbericht der deutschen Heeresleitung hlQ. wÄHer alle GeruLber in der Heiumt mu belebt. Es geht noch imrver voran bei BerLuu, in alter Weise, langsam aber sicher. In den letzten drei Wochen war eine Pause in den deutschen Angriffen eingetreten; seit am 18. 9lpril der deub-
< sche Heeresbericht den letzten großen Erfolg ö st l i ch der M«rs, beim Gehöfte HaudrvWont, gemeldet hatte, wobei ■ 42 Ofst-rere und 1646 Mann $21 Gefangenen gemawt worden
- wLven^ hat marc von den Kämpfen vor Verdun nicht mehr dlfrii viel gehört. Die Franzosen meldeten von ihren An-
. griffen ans die deutschen Stellungen angebliche Vorteile, die aber ans der Kurte nie zum Ausdruck kamen. Sie gaben vor, dir deutschen Truppen seien ermüdet, erschöpft, und hätten außerordentliche BerLnste erlitten. W zeigt sich aber, daß die
< deutsche Taktik das gerade Gegenteil bezweckt hat, nämlich die deutschen Kräfte zu schonen, den Gegner aber in verlustreichen Angriffen sich verbluten zu lassen. Denn die strategische Zagendes deutschen Angreifers ist viel günstiger als die
! der ausreifenden Franzosen, die auf kleinern Raum ungeheure Trstzpeurnasien vorgeworftn haben. Jedenfalls.steht, wenn . »Lr ans die Kämpft vor Verdun zurückblicken, fest, daß der deuffche Ring sich stetig enger um die Festung gelegt hat. Auch nrchne Geduld auf dem westlich en Maasufer ist gelohnt worden. Der gestern genreldete Erfolg ans Höhe 304 ist er» sehr bedeutsamer strategischer Fortschritt. Es sind beinahe 4 Wochen verstrickten, seit dort die deutschen Angriffe die letzten Erfolge ver^eLchweten: am 10. April wurde die Besetzung von BeWnconrt gemeldet; am 30. März war . Malancoirrrt erstürmt worden. In den letzten Tagen waren es nicht mehr SMefier, die in diesem Kampfgebiet vorge- drnngen waren und am 7. April auf dem Rücken des Ter- nritenl/ü'gelseinen glänzenden siegreichen Tag gehabt hatten,
. sondern es waren tapfere Pwmmern, die das Grabensy- j stem am Nordhang der Hohe 304 genommen haben und bis ' zu dieser Höhe sellrst vorgedrungen sind. Es muß eine ge- wattige Schlacht gewesen fern, denn unser Tagesbericht spricht von crstzeroÄentlich schweren blutigen Verlusten der l Franzosen und „uuf 40 gefangenen Offizieren und 1280 ge- l stmgenen franMischen Mannschaften. Die Höhe ^04 lag nach ' den Angaben der französischen Berichte unter dem furcht- , barsten deutschen ?lrtilleriefmrer, das die Brustwehren zerschlug, die Deckungen zertrümmerte, die Gräben einebnete '.und die Besatzung, soweit sie nicht anher Gefecht gesetzt wurde, nwrakisch aufs tiefste erschütterte.
Als dann, so schreibt die „Köln. Ztg.", der SturM begann und ) uns zu Herren der gesremteir Anlagen ans dem Nlnbhang der Höhe ; und bis zur Kluppe hinauf Machte, fielen iroch 40 Offiziere unoer- , wandet in unsere .Hand, eine Zahl, die im Verhältnis zu den 1280
- iinoerwunbeten Mannschaften beweist, wie reich die dort fechtenden 1 Verbäride MtFichcerioans^laÄrt^wcn^ sind. Etatsmäßig wären ! auf die fünf Kompa-gir«» entsprechende Zahl nur rund 24
< .Offiziere entfallen. Die französische Heeresleitrmg hat es > also für rüittg genruden, den Truppenteile n durch Zuwei-
< i’img von _ Möglichst viel Offizieren 5)alt urrd Stütze zu , geben. IlrspruÄgLich hEe die Mhc 3V4, die das Borge- , lä^re wekGm übertzshte, den rÄkrvsrtigetr Stützpunkt der fran-
zchr^chen^FroAt von^Wbmc»ueWG»Mr Maas gebildet, daun wurde / sie durch das'douerrtde-Borschi-eberc unserer ötrciai zum Mittelpunkt i der zweiten femMchen Front von Avocourt bis Cuin'iercs und aus- 1 einer Artilleriestellung zu einein System von Gräben für Jnfan- ] terie. Der deutsche Angriff llcmmlerte die Hohe von den Flanken ' aus nrchc und-'niehr ein, und daher suchten die französischen Gewalt- d stoße, besonders östlich am Toten Mann, uns zurückzudrückeu, nach / ßronzöftscher Angabe mit bederrlendem Erfolg, in Wirklichkeit nur \ vx& einigen vorgeschobenen Grüben. Im entscheidender: Augenblick
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Die Höhe abfy
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konnten unsere Truppen dadurch nicht aufgehalten werden, die Höhe ' zu nehmen und den noch vom IFeind gehaltenen Vorsprung in unsere Linien auszugleickien.
Von der ersten Reihe der stehenden Werke um Verdun ist 'die Höhe 304, deren Lage auf der beigegebenen Kartenskizze zu erkennen ist, etwa 7Vs Kilometer entfernt, von ihr durch das Tal von Esnes getrennt liegt auf 2 V 2 Kilometer die Höhe 310, über die sich von den Waldungen von Hesse auf dem rechten Aireufer eine neue französische Stellung über Montzeville und das Bois Bourrus zu den Forts der ersten Linie hinzieht. Die vielen Waldstücke und geschlossenen Bestände sind, so heißt es in der „Köln. Ztg.", von den Franzosen zur Anlage von zahlreichen Batteriestcllungen benutzt worden, die selbst durch Flieger schwer gefunden werden können, so daß unsere Batterien große Mühe haben werden, sie unter Feuer zu nehmen. Der Kampf um die Beherrschung des Lustraums und die Beobachtung hat daher in den letzten Tagen einen bedeutenden Umfang angenommen und auf unserer Seite zu der Berwendmrg von Gruppen und Geschwadern und Flugzeugen geführt, d ie erfolgreich an ihre Aufgabe geben. Daß dabei Verluste nicht ausbleiben, liegt auf der Hand, sie sind jedoch geringer als die feindlichen.
Auch auf dem rechten Maasufer konnten die deutschen Truppen eine Reihe von kräftigen feindlichen Angriffen amveisen, die dem Feind schwere Einbußen kosteten, vor allem an Negern, die zur Verstärkung hierangezogen worden sind. Vielleicht dürfen wir hier, um das Völker- und Rasien- gemisch noch zu vernrehren, nächster^ auch noch Russen und Ananriten erwarten, deren Ankunft in Frankreich ja gemeldet wurde. Engländer allerdings wird man kaum dort finden, derm sie ziehen es vor, auf der neuen erweiterten Front, die sie für die fortgezogenen französisl^n Heeresteile eingenommen haben, zu verbleiben, in kluger Schonung der eigenen Kräfte.
Die Franzosen werden -über den Verlust der Stellung auf Höhe 304 schon wieder ,amtlich getröstet. Ueber die letzten Kärnpfe bei Verdun verbreitet das französische Kriegsministerium durch die „Agence Havas" folgende Notiz: Ueberall waren die Unternehmungen des deutschen General stabs im großen Stile an gelegt. Seine Anspannung war beträchtlich; aber es wird innner offenkundiger, daß die vom Feinde erzielten Ergebnisse mit den Mitteln und den Aöenßchenopfern, die er dafür auftvendet, in keinem Verhältnis stehen.
Bisher sind von Frankreich im Maasgebiet nicht weniger als 51 Divisionen in den Kampf geführt worden, reichlich das Doppelte der deutschen Streitkräste. Ob das französische Krregsminifterium darüber, und über die Folgen, die sich daraus ableiten lassen, einmal eine Erklärung abgeben könnte?
Der österreichisch-uttgarifche TageSberLcht.
Wien, 8. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Mai 1916.
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Einzelne Teile des Görzer Brückenkopfes und der Raum von San Martina standen gestern zeitweise unter lebhaftem Geschützftuer. Westlich der Kirche dieses Ortes wurde ein Teil der feindlichen Stellung durch eine mächtige Minensprengung zerstört. Die Italiener erlitten hierbei große Verluste. Am 97ord!anrge des Monte San Michele nahmen unsere Truppen einen kleinen feindlichen StützMnkt. Unsere Flieger warfen auf das gegnerische Lager bei Chiopris (südöstlich von Cor- mons) zahlreiche Bomben ab. An mehreren Abschnitten der Tiroler Ostfront uild bei Riva kam es zu lebhaften Artillcrie- kämpfen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö fc r, Feldmarschalleutnant
Der französische Bericht.
Paris, 8. Mm. Franzüsisck^ Berichte von: 7. Mai. 3Uhr nackm.i Südlich der Somme unternahmen die Deutscher: nach intensiver Artillerievorbereitung gestern abend einen Airgriff nuf unsere Gräben südlich von Lihvns. Sie wurden durch unser;
Sperrfeuer crufgehalten und ihr Angriff wurde, bevor er unsere Drahtverhaue erreich,en konnte, zerstreut. In der Gegend von Verdun war die Nacht mir ge kennzeichnet durch ein andiruerndes und heftiges Bombardement in bn Gegend von Punkt 30 4 und im Abschnitte Handromont .verme-Thirumont. Südlich von St. Mihiel schlugen wir eine starke feindliche Eckundimgsabtei- lung zurück, die versuchte, einen unserer kleinen Posten östlich von Bislöe auszuheben. In Lothringer, überraschten wir eine Patrouille, die den La Seille-Fluß überschritten hatte, -in der Gegend von Lanfroicourt südlich von Noinexny. Wir führten 14 Gefangene mit uns fort. Beim vorgestrigen Sturme rissen sich etwa 20 unserer Fesselballons von ihren Ver-anLernncm: los. Einige von ihnen wurden nach den deutschen Linien abgetriebei:, andere gingen in der französischen Lime nieder. Die meinen Beobachter konnten in unseren Linien mit Hilfe ihrer Fallschirme niedcrsteigen. Von einigen, anderen, die in die feindliche Zone mitgerissen wurden, hat mau keine Nachrichten.
11 Uhr abends. Auf dem linken Maasufer folgte dem äußerst heftigen Bombardeinent, das in der Gegend von Punkt 304 ohne Unterbrechung seit zwei Tagen anhält, am Sonrckag ein st a r k e r deutscher Angriff gegen unsere Frrmt zwischen dem Mort-Homme und Punkt 304. Der Feind drcng nach wiederholten Anstrengungen in einen Verbindungsgraben östlich von Punkt 304 ein. An a.lleic anderen Punkten wurde er mit erustlxasten Verlusten zurückgeschlagen, die ürm durch das Feuer unserer Voaschinengewehre und das Feuer unserer Batterien, die energisch die deutschen Linien lombardierten, zugefügt wurde. A-ck dun rechten Ufer unternahmen die Deutschen nach intensiver ArtiUerrevorbereitung mehrere aufeinanderfolgende Angriffe zwischen den: Wäldchen von 5 ^ 62 :^ 0^111 und den: Fort Donaumont. Im westlichen Teile der angegriffenen Front faßte der Feind auf einer Länge von ungefähr 50 0 Meter in unseren Gräben erster Linie Fuß. Im Zentrum und im Osten wurden alle Angriffe abgeschlagen. An der Wo evre große Tätigkeit der Artillerie in de»'. Abschnitten am Fuße der Maasbohe. Kein bedeutendes Ereignis zu melden von der übrigen Front, ausgenommen die gewöhnliche Kanonade. .
Aenderung im französischen OSerbefehl bei Berdun
Paris, 8. 9Nai. (zf.) Der „Temps" ineldet, General Pe- tain sei zum Oberkommaiwiereuden der Armee des Zentrums, das den Abschnitt von Soissons bis inklusive Verdim umfasse, cr- uannt wordcn. General Nivelle sei dem General Petaiu im Kommando der eigentlichen Berdurr-Armee gefolgt.
Der türkische Bericht.
K 0 n st a n t i n 0 p e l, 8. Mai. (WTB.) Bericht des Hmcpd» guartiers:
Bon der Irak- und Kauka sus front ist nichts Wichtiges zu melden.
Am 6. Mai warfen zwei feindliche Flugzeuge 10 Bomben auf ein im Roten Meer bei Akkubah krcuzejwes Schisi und verletzten einen Soldaten leicht.
Auf der Höhe von I m b r v s bewcrcfen ern Monitor und ein Kreuzer, Unterstützt durch B^bachtnugen ivn Flugzeugen, wirkrmgs- los die Umgebuiig von Sedd-ül-Bar mit 40 Geschossen. Eins unserer Flugzeuge traf durch zwei Bombm den feindlichen Kreuzer, der in Rauch eingehüllt die hohe See gewann. Am tzsestlüE der Insel K e u st e st eröffnete ein Monitor, ein Torpedoboot und zwei feindliche Flugzeuge ihr Feuer gegen einige Küstenpunkte, wurden aber sirfolge der Erwiderung unserer Artillerie gezwungen, iln Feuer cinznstcllen. Der Monitor lmd das feindsiche Torpedoboot wurden getroffen.
Englische Blätter über die deutsche Note an Amerika.
London, 8. Mai. (WTB.) „Daily C hr 0 n i c l c" schreib! in einem Leitartikel: Der Zweck der langen Salbaderei der deutschen Note ist, einfach Zeit zu gewimren. Was sie den Vereinigten Stmllen anbietet, geschieht zu Bedingungen, die es wertlos macht. Es ist klar, daß die Antwort, die die deutsche Note auf die amerikanische gibt, überhaupt keine Antwort ist.
„Daily News" schreibt: Tie wesentliche Tatsache ist daß die deutsche Note den bestimmten Forderungen Amerikas, in jedem Punkte entweder ausweicht, oder ilmeu mit einem Zuvsiiändnis begegnet, das durch die hiuzugefüglen Bedingungen so entu einet ist. daß es nahezu einer direkten Ablehnung glejchkomuDie deutsche diote ist >eiu non pvssunms. Die amerikanische Note sagrc vorher, daß ein uou possumus den Abbruch der diplomatischer Beziehungen herbeisühreu müsse, ru:d der Abbruch der diplomatischen Beziehungen wird sich nickst lange von dem Kricgszustcudd» mckerüL-chen laflen.


