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1.5.1916 Erstes Blatt
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Erstes Mick

\U. Jahrgang

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(WTB.) Großes Hauptquartier, 29. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf der Front zwischen dem Kanal van La Bassee und Ar ras andauernd lebhafter, für uns erfolgreicher Mrnenkarripf. Zn der Gegend von Givenchy-en-Gahelle mach­ten wir neue Fortschritte und wiesen zwei dagegen angesetzte starke englische Handgranatenangriffe blutig ab.

Im Maasgcbiet sind abermals französische Gegen­stöße an der HöheToter Mann" und östlich davon zum Scheitern gebracht worden.

*

Unsere Abwehrgeschütze holten südlich von Moronvilliers (Champagne) einen französischen Doppeldecker herunter: seine Insassen fiuD tot. Oberleutnant Bölcke schoß Mlich von Baux das vierzehnte feindliche Flugzeug ab.

O e st l i ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

Südlich des Narocz-Sees machten unsere Truppen gestern einen Vorstoß, um die am 26. März zurückgewonne­nen Veobachtungsstellen weiter zu verbessern. Heber die vor dem 29. März von uns gehaltenen Gräben hinaus wurden die russischen Stellungen zwischen Stanarocze und Gut Sta- chowcz genommen. Fünftausend sechshundert Ge­fangene mit sechsundfünfzig Offizieren, dar­unter vier Stabsoffizieren, ein Geschütz, achtundzwanzig Ma­schinengewehre, zehn Minerrwerfer sind in unsere Hand ge­fallen. Die Nüssen erlitten außerdem schwere blutige V e r l u st e, die sich bei einem nächtlichen, in dichten Massen geführten Gegenangriff noch statt erhöhten. Der Feind ver­mochte keinen Schritt des verlorenen Bodens wicderzuge- winnen.

*

Unsere Luftschiffe griffen die Bahnanlagen bei Wenden und an der Straße Dünaburg Nja- zyca an.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

(WTB.) Großes Hauptguartirr, 39. April.

(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Mehrfach wiederhottcn die Engländer ihre Gegen­angriffe bei Givenchtz-^n-Gohelle, ohne einen Erfolg zu er­ringen.

Nördlich der Somme und nordwestlich der Oise fanden für uns erfolgreiche Pattouillengefechte statt.

Links der Maas griffen gestern abend starke fran­zösische Kräfte unsere Stellungen auf der HöheToter Mann" und die anschließenden Linien bis nördlich des Eaurettes-WätdchenS an. Nach hartnäckigen Kämpfen auf dem Ostabfall der Höhe ist der Angriff abgeschlagen. Rechts des Flusses scheiterte ein feindlicher Vorstoß nord­westlich des Gehöftes Thiaumont.

*

Ein deutscher Flieger schoß über Verdun-Belleray im Kamps mit drei Gegnern einen derselben ab.

OestlichcrKriegsschau platz.

Südlich des Narocz-Sees wurden.nachts noch vier russische Geschütze und ein Maschinengewehr erbeutet sowie dreiundachtzig Gefangene eingebracht.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Wir haben bei wehendem Flaggenschmuck ein lang er­wartetes Fest geseiert, den Fall von Kut el Amara, wo unsere türkischen Bundesgenossen nicht weniger als 13 000 Eng­langer gefangen genommen haben. Das wird in dermohamme- danischen Welt, in der sich das Verständnis für Deutschland und seine Ziele, für das Zusammengehen mit den Mittel-- machten immer mehr durchsetzt, ein gewaltiges Aufsehen geben. Was gibt man noch auf englische Prahlereien? Und sind die großen Kriegsziele der Herren Grey, Asquith, Chur­chill nicht wie Träume zerflattert? Was hat man für be­stimmte Erklärungen und Voraussagen für die Eroberung der Halbinsel Gallipoli ausgegcben, und wie beschämt ist man daun, trotz großer Worte über denErfolg" des Rückzuges, wieder von dannen geschlichen. In Saloniki erblüht dert Engländern, nachdem ihre französischen Bundesgenossen zum Teil dringender Geschäfte wegen in die Heimat abgeschoben worden sind, sicherlich ebenfalls kein Segen. Und nun der neue Schlag in Mesopotamien! Er macht ein ansehnliches türkisches Heer zum Kampf gegen die Russen frei! Da jetzt gerade das englische-PMlandrmt wieder tagt, vettohnle es sich, einmal aufzuzählen, was .Herr Asquitb, die Spitze der Re­gierung, im Lauf des Krieges schon für Erklärungen ab gegeben die hinterher durch die G nisse und Tat­sachen als leere Spreu in den Mülüßffru d'r Weltgeschichte

geweht worden sind. Auch sein neues Wehrpflichtgesetz, das, I eine Angstgeburt, ein schwächlicher Kompromiß, im Unter- \ hause unter klatschenden Seitenhieben auf Asquiths Zu­verlässigkeit in den Grund linfr Boden hinein kritisiert worden ist, hat in diesem Müllkasten seinen Platz gefunden, und wenn ein neuer Andersen die dort zusammengekrümelten Manuskripte und Dokmnente zu einer Unterhaltung, einer Aussprache, erwecken würde, so käme etwas Artiges dabei heraus. Der 2. November 1915 war z. B. ein großer Tag im Unterhaus. Da erklärte Asquith, er sei für Gallipoli voll verantwortlich, und fügte stolz hinzu, daß General Nixons Streitkräfte jetzt innerhalb einer meßbaren Entfernung von Bagdad seien, und daß während des ganzen Krieges keine Operationen sorgfältiger eingeleitet, glänzender durchgeführt und erfolgversprechender gewesen seien. Wird Asquith die Geister, die er rief, die jetzt noch im Mülleimer versteckt sitzen, aber schon anfangen, sich zu rühren, wieder loswerden? Auch über die Lage in Irland hat er eine befriedigte und tröstliche Erklärung abgegeben, obwohl es dort doch noch heute stark durchs Dach regnet. Es ist für England charakteristisch und merkwürdig, wie man dort in stiller Wut aneinander vorbeiredet. Zwar die Kritik wächst sich zu ganzen Wäldern aus, aber sie kann doch, aus vaterländischen Gründen, nicht gut zu den letzten Konsequenzen konkmen.So wird ein An­trag im Unterhause angekündigt, wonach das Haus beschlie­ßen soll, den Vizekönig und Staatssekretär für Irland zum schleunigen Rücktritt aufznfordern. Und Asquith? Sein Thron wackelt ganz bedenklich, die Vorwürfe und Flüche gegen seine Regierung mehren sich, aber man hat bisher immer einen Kabinettswechsel möglichst vermeiden wollen, weil man die Folgen und Folgerungen nach außen hin fürchtet. Wir haben in Deutschland beim Eintritt des Maien frisch und fröh­lich den Zeiger der Uhr um eine Stande vorgerückt. Das kom­mende Schicksal fürchten wir nicht. In E'nglaich könnte mau sich kein solches Symbol wünschen, denn dort ist jeder Schritt in die Zukunft düstev und gefährlich. Unsere Miesmacher und Pessimisten halten die längsten Reden über Teuerung und schlechtes Zugreifen der Regierung in diesem Punkte, aber eigentliche Gefahren des Krieges erscheinen ihnen nicht; selbst Amerikas Drohung erregt in Deutschland keinen Menschen. Das ist in England anders. Dort bringt der Frühling wel­kende Blätter nationaler Zukunft. Und in der Walpurgis­nacht greift ein arger Geisterspuk dem großen Albion mit ernüchternder Uuzattheit in dre Seele.

lieber die Lage in Aegypten schreibt derBerner Bund":

Die interessanteste Meldung der letzten Tage ist der Bericht von dem Treffen bei Katia oder El-Katie am Snezkanal. Tie Englmwer haben sich im Lause der letzten Monate am Suez­kanal defeirffv so weitschichtig eingerichtet, daß sie auch Punkte östlich des Kanals in den Bereich ihrer Verteidigung zogen. Sie rückten über Kantara aus El-Kcrtie vor, um auch diese wichtige Oase und den Bir el Abd, also die BrunnenstaUon, in die Hand zu bekommen. El-Katie ist nur noch vierzig Kilometer vom Kanal entfernt und kann als Ausgangspunkt jeder Unternehmung gegen die Linie PortSaid-Kantara gelten. So lange die Englän­der El-Katie fest in der Hand hielten, war das Heraniomnteit an ihre Kanalstellmrg von E l - A r i s ck her unmöglich gemacht. Doch war die Stellung selbst so weit vorgeschoben, daß die dort ausgestellte Truppe von überlegenen Kräften angefallen und umfaßt werden konnte, wenn sie nicht mit den Hauptstettungen Verbindung hielt. Da Arisch lschon feit Jahresfrist von starken türkischen Kräften gehalten und der Bahn- und Straßenbau in der Richtung aus den Kanal seither emsig gefördert worden ist, wurde Katia immer mehr zum gegebenen Kamp fort. Am 23. und 24. April fand der Zu­sammenstoß statt, über den die Meldungen auseinandergehen, doch sind sie, was den ArÄgang des Treffens betrifft, vollständig in Uebereinstimnruny zu bringen. Die Engländer sind nach glücklichen Einleitungskäinpfen es scheinr, daß die Australier nach vorn durchgingen umfaßt und geworfen worden, zum Teil sogar hängen geblieben. Offenbar waren die Verluste sehr schwer, die Nachhut scheint vernichtet worden zu sein. Größere Bedeu­tung besäße die Affäre indes nur, wenn dahinter der Vor­marsch starker, türkischer Kräfte sichtbar rvürde. Obwohl die Türken den Ban der Annmrschst rasten in den letzten Monaten bedeutend ge­fördert haben !nnd z. T. vermutlich auf etwa fünfzig Kilometer an die Kanalzone lserangekommen sind, wäre eine Offensive großen Stils in dieser Jahreszeit etwas so Ungewöhnliches, daß man schon deswegen ans dem Gefecht von El-Katie nicht ans weitere Operationen schließen darf. Die Bedrohung der ägyptischen West­front ist nach der Abweisung der Senussi dahin gefallen. Gegen Westen und Süden hat sich General Maxwell durch weitläufige befestigte Limen gedeckt, am Kanal das vorerwähnte mächtige Ber- teidignngssystem ansgebaut und wartet nun der Dinge, deren Ent­wicklung er weniger zu fürchten braucht, wenn es ihm gelingt im Lande selbst Ruhe zu halten und er nicht genötigt wird, stärkere Kontingente nach Saloniki oder Mesopotamien abzugeben.

Die österreichisch-ungarische» Tagesberichte.

Wien, 29- April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbarti 29. April 1916.

R u s s i s ch c r K r i c g s s ch a u p l a tz.

Nördlich t'.'tt M lyirow an dn- Zkwa warfen Abtei­lungen der .. Erzherzog Josef rdinand den Feind

ausseinenDorstellungen. Es wurden ein russischer Offizier. 189 Mann und ein Maschinengewehr eingebracht

Sonst die gewöhnlichen Geschützkämpfe.

JtalienischerKriegsschauplatz.

Gestern nachmittag hielt der Feind das Plateau von D o b e r d o und den Gürzer Brückenkopf, sowie ein­zelne Ortschaften hinter der Front unter lebhaftem Geschütz­feuer. Unsere Flieger belegten die Bahnhöfe von Cormons und San Giovanni di Manzano mit schweren Bomben.

Auch an der D o l o m i t e n f r o n t war der Artitterie- kampf stellenweise ziemlich heftig. Am Col di Lana wurde ein neuerlicher feindlicher Angriff auf unseren Gratstützpuntt adgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstebs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Wien, 39. April. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 39. April 1916.

RussischerKriegsschauplatz.

Nördlich von Mlynow sind unsere Abteilungen vor überlegenen russischen Angriffen aus den. am 28. dieses Mo­nats erkämpften russischen Vorstellungen wieder zurückgenom- men worden. Die Zahl der gestern gemeldeten Gefangenen ist auf mehr als 299 angewachsen.

Italicscher Kriegsschauplatz.

Die Geschützkäwpfe, die an vielen Stellen der Fron: geführt wurden, gingen nickt über das gewöhnliche Matz hinaus. Zeitrverse stand die Stadt G ö rz wieder unter Feuer. Unsere Flieger bewarfen die feindlichen Barackenlag-'r bei Villa Visektina mit Bomben. Nach glücklich bestandenem Luftkampf kehrten sämtliche Flugzeuge wohlbehalten heim. Bei San Daniele del Friuli kämpfte em eigener gegen vier feindliche Flieger und zwang einen davon, im Sturzflng niederzugehen. Im Adamello-Gebict griffen italienische Ab­teilungen, die von Dosfon di Genova nornickten, unsere Stellungen am Topetc-Patz an.

Der italienische Pressebericht vom 28. dieses Monats enthält die gänzlich erfundene Behauptung, daß unsere In­fanterie immer häufiger von Erplosivgeschossen Gebrauch mache. Demgegenüber sei nur festgestellt, daß die italienischen Handlungen wider das Völkerrecht (Verwendung van Erplo- sivgeschossen und Gasgranaten Beschießung deutlich gekenn­zeichneter Sanitätsanftalten. Kirchen und Klöster uiw.) als so häufig vottommend nicht mehr verzeichnet werden.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

Uut-el-Amara gefaben.

Großes Hauptquartier, 29. April. (WTB. Amtlich.) Die in Kut el Amara eingeschlossene englische Truppenmacht hat sich dem tapferen türkischen Belagerer ergeben müssen. Mehr als 13 999 Mann sind kriegsgefangen

Oberste Heeresleitung.

Konstantinopel, 29. April. (WTB. Amtlich.) Wie der Vizegeneralissimus der Osmanischen Armee Meldet, hat die eng liscke Garnison von Kut-cl-Amara, die aus 13 300 Mann unter dem Befehl des Generals Tolvnshend bestebt, b e dingnngslos kapituliert.

London, 29. April. (WTB.) Amtlich, wird mitgeteilt: Nach einem ritterlichen tmd tapferen Widerstande von 143 Tagen, de: unvergessen bleibe mich, ist General Townshend infolge Erschöpfung der Vorräte gezwungen tvorden, Kut-el-Amara zu übergeben. Borlier vernichjkete er seine Geschütze und Pie Munition. Seine Truppe:: bestehen mrs 2970 Brite» aller Gl-ad.' und Dienstzweige, etwa 6000 Mann indischer Truppen und dem Troß.

Berlin, l. Mai. Zum Fall von Kut-el-Amara wird hm Lokal-Anzeiger" aus Kvnstantinopel berichtet: Noä' ge nauer Bewämimg war Kut-el-Amara 1 4 5 T age e i n g e s ch l o s sen. Allein im März urrd April mißrat die Engländer übe. 20 000 Mann. Interessant ist, daß mehrere englische Geschäfte Häuser ebenfalls flaggten imb türkische Fahnen hißten.

In derTäglichen Ru n dsch a u" beißt es: Mft dem Jubel über die bestellte und endlich gelieferte Herau->;ordening Deutschlands durch Amerika begann die Woche, nact: Ostern für England: mit einer Reihe schsverer Mißerfolge und ernster innerer Krisen «endete sie. Die Tatsachen reden lvioder eininal lcurher ,fts die englischen Berichte, und die Kunde des neuen nückischen Sitzes wird die Länder des Islam durcheilen, den Eirtschlnß zmn Dm'öv halten festigen und den Mut zu neuen Schlägen kräftige:!. Das Bündnis zwischen der Tüttci und Deutschbmd und Oesterreich- Ungarn stehl. wie die Rede des ttirkisck^n Mtnifters des A^nßern l>ch