00 Drittes Blatt
täglich mit Ausnahme tos Sonntags,
"Eietzeaer ZamiNenblatter" werden dem .Anzeiger- viermal wöchentlich beigeleat. das ..Xreirdlatt für den Ureis Gießen- zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Zeit- ftagerr" erscheinen nionatlich zweimal.
chö. Jahrgang
GzeZexer Anzeiger
Eeneral-Anzeiger für Gberhesjen
Samstag, i>5. April (916
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriftleitunq,Geschäftsstelle u.Druckerei: Schulstraße?. Geschäftsstelle «.Verlag: e-^51, Schrift» leitung: e^ll 2 . Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Aus der Geschichte des Palmsonntages.
Wie eine lichite Gestalt vor dunklem Grunde, so stellt dm Valin- Die freudevolle Szene des Einzuges vc.) .verrn tu Jerusalem, dieweil die Menge ihn mit Palmen-
tom^Geiste^to?^ sich durch die Schilderungen der Evangelisten ^L??hchrrsten tter erngeprägt, und dazu trat, um die \v^£ Utl l* a ^ 2 ^c?organges zu erhöhen, die symbolische bl ? Schrrftgelehrten gaben, indem sie dem Em- Jerusalem mne symbolische Vorausdmtnng aus den .vedavbca ur den 5)imnrel am Tage des jüngsten Ge- wenn die Pforten des Paradieses aufgeian sind SL.Ä ^Seligen sich gnadmvoll den durch Jesus Er- losteii und Erwählten entgegearneigt.
ch r i st l icheu Kunst bezeugen, lote lebhaft *2? Ä mit bex Ueberliefcrung beschäftigte,
Palmsonntages bildete; schon ans einem 8 l] ^r ^ Dm aufbewahrten Sarkophag es des
SÜSE? ^ toe Palmsanntagsszcne zur Darstelsnng ge-
und darcm ^ haben sich später zahlreiche, ja man darf fast M^U- ,^'Ulase Wiederholungen dieses Motivs in der Kunst des Mittelalters angeschlossen. Tie inittelalterliche Kunst hat sich besonders im Norden mit Vorliebe der Schilderung der Vorgänge angenommen, die mit den großen, von der Kirche anerkannten Hesttageri ni Zusammenhang standen — und in diese Stellung war der Sonntag der Palinen inzwischlen eingerückt.
Dne ursprüngliche Heimat der Feier dieses Tages w.ar
8 MAW . .. , ^ tyiv
Ccwnt, iuid zivar deuten verschiedene Anzeichen darauf hin,' daß me r^erer oes Palmsonntags von Jerusalem ausg-egangm ^ Einzug Christi durch eine Gedächtnisprozession begangen worden .^u.sein scheint. Der heilige Cyrillus, der im vierten Jahrhundert Blschos von Jerusaleni war, erzählt, daß der B a il in, von dem bei der allerersten Palmsonntagsfeicr die Palmen ge- schimtten ivurden, zu seiner Zeit im Tale Cedron noch am Leben gewesen ser. Von der östlichen Kirche wanderte dann der Palin- sonntag rn den Westen; um das Jahr 636 ist auch lster, >vie aus Isidor von Sevilla zu ersehen ist, die Palmsonntagsprozession bereits ublick'. gewesen, aber schon ini Jahre 506 hatte das Konzil von Agto die Ueberreichmrg des Palmenshmbols. an die Kircken- anAeordnet. Die Feier, die so zur allgemeinen aller chrisNicheii Kirchen sich entwickelt hatte, trug aber nicht nur den Charakter einer Gedächtnis fei er, sondern es hatte die Kirche den Palmsonntag als einen Feiertag erster Ordnung anerkannt, mit dessen Messe nicht die Mitfeier eines heiligen verbunden werden darf. An die Stelle des Evangeliums tritt in der Messe der Bericht von dem Leiden 'und Sterben des Herrn, und während der Rezitation halten die Geistlichen im Chor Palmen in den .Händen So die Anordnung der katholischen Kirche; svas den Namen dieses Festtages angeht, so ist die lateinische Bezeichnung des Palmsonntags zuerst durch, den bekannten angelsächsischen Mönch urid Schriftsteller Beda Venerab-ilis (674 bis 735) bezeugt; die Griechen Uenneii den Tag Baiphoros, was gleichfalls Palmtragimgstag bederwet; eine früher übliche Bezeichnung des Palmsonntags war ferner noch „Pascha Floridum", was man etwa als „O st e r n in der Knospe" verdeutschen könnte. Dieser Name Ijat ein besonderes historisches Interesse insofern, als davon die .Halb -. insel Florida in Amerika ihnen Namen erhalten hat, denn sie wurde von den Spaniern am Palmsonntag des Jahres 1530 eNdvckt.
< x -mtürlich, daß eine Feier, die ein so stark anschau
liches Element in sich barg, wie die des Palmtages, ihre Formen immer weiter entwickelte und immer volkstümlicher gestaltete. Handelte es sich ursprünglich nur mir eine Palmfeier, so J* 1 * °* )€r 0. Jahrhundert bereits Brauch geworden,
die Palmzweige zu segnen; aber zum Hauptbestcuidteile des Festes entwickele sich im Mittelalter mehr und mehr die Festprozession selbst. Die Städte wetteiferten miteinander, ton Aufzug möglichst prunkvoll zu gestalten, unb das Recht tos Bortrittes toi der Prozession war so hoch geschätzt, daß es darüber zwischen den unterschiedlichen Zünften der Städte mehr als einmal zu heftigen Kämpfen gekommen ist. Hatte die Palmsonntagsfeier schon durch die glänzende Festprozession tos Tages an Volkstümlichkeit sehr gewonnen, so wurd.e ihr durch die Bedeichung, die nach und nach der .berühmte Palmesel erlangte, noch ein ganz- besonders volkstümlicher Zug aufgedrückt. Die anschauliche Volksvhantasie des Mittelalters wollte die Vorgänge der heiligen Geschichte an den ihnen gewidmeteil Festtagen am liebsten in handfester Körperlichkeit mit Augen sehen; so die Krippe und die Geburt des Hprrn, so die Taube des heiligen Geistes am Pffngsffeste, und so auch das
Eselein, auf dem der Herr in Jerusalem eingeritten war. Vereinzelt ist cs wohl durch ein lebendiges Grautier „agiert" worden, in der Regel aber vertrat ein hölzerner, auf Rollen lausender Palmesel seine Stelle, ans dem zuerst ein Priester zu reiten pflegte, während man später die hölzerne Figur Christi darauf setzte.
Es ist nun ein eigenartiges Bild, wie dieser naive und fromme Volksbrauch allmählich entartete und, was ursprünglich vietät- voller Erinnerung diente, zum Spvttbildc wurde. Der Brauch des Palmesels wurde im Laufe der Jahrhuutorte Aulaß zu unglaublichsten Uufilge; die Schulbuben oder Stadtknechte spannten fich vor ton Palmesel, den zu ziehen ursprünglich Ratsherren und angesehene Bürger sich als besondere Ehre ausbedungen hatten; man setzte vorne und hinten auf das Holztier Kinder mit Luffchyfropfen, bekränzte das Christusbild mit Sträußen und Backwaren, kurz: den ganzen lieben Tag wurde mit dem Palmesel allerhand Schabernack getrieben, bis endlich das Maß voll war und der Brauch zum alten Eisen geworfen wurde — oder vielmehr zum alten Holze, denn der Palmesel wurde, nachdem er seine Rolle ausgespielt hatte, zumeist auf die Kirchenböden geschasst, wo ihrer fetzt noch sv mancher liegen und am langsamen Wurmfraße dahinsiechen Mag. Es hat aber das Abscheiden des Palmesels der Palmsonntagsfeier selbst nichts geschadet; im Gegenteile, sie hat dadurch an Weihe und Vergeistigung .gewonnen. In der protestantischen Kirche hat sich der Palmsonntag zu dem Tage entwickelt, cm dem mit besonderer Vorliebe die Einsegnung der jungen Christen vollzogen wird, und in ton katholischen Domen ist es noch heut ein Bild von seltener Schönheit, wenn die ganze Käthe- dralgeistlichikeit, festlich mit Palmen geschmückt, unter den heiligen Klängen der Orgel smgend durch die hohen Hallen des Gotteshauses dahinwallt.
Be.ichte und heil. Abendmahl für Lukas» und Johannes gemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jede, Gemeinde erbeten.
Vormittags ll\i Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde.
Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.
Abends 6 Uhr: Siehe Stadlkirche.
Wartburg, evangel. Jünglings- und Männrr-Verek«.
tDiezstraße 15.)
Sonntag, den 16. April, abends 8 Uhr: Vortrag. - Dken«» tag. den 18. April, abends 8 V, Uhr: Bibelstunde. — Mittwoch, den 19. April, abends 8 '/. Uhr: Lese- und Spielabend. — Donnerstag, den 20. April, abends 8 V 2 Uhr: Tnrnabend. - Samstag, den 22. April, abends 8 '/, Uhr: Pleitere Abteilung. - Gäste stets willkommen.
Airchlsche Neschriehren.
Evangelische Gemeinde.
Sonntag, den 10 . 'April, Palinarum. Laudes-Buß- und Bettag.
Kollekte für evangel. Gemeinden in Hessen an Orten mit überwiegender katholischer Bevölkerung.
Gottesdienst.
In der 5tadtkirche.
Vormittags 9 l A Uhr: Professor D. Schia n.
Vormittags 11 Uhr: Beichte und heil. Abendrnahl für die Militärgemeinde. Pfarrer S ch ,v a b c.
Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Alatthänsgeineinde.
Pfarrer Dta hr.
Abei,ds 6 Uhr: Pfarrer S ch w a b c.
In der Johanneskirche.
Vornütiags 9'/. Uhr: Pfarrer B e ch k o t s h e i in e r.
Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Lnkasgemeinde.
Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.
illbends 6 Uhr: Pfarrer A u s f e ( b.
Beichte und heiliges Abendinahl für die Lukas- und Johannes- gememde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Geineiiche erbeten.
Abends 8 Uhr: Versaimnlnng und Bibelbesprechung.
Gründonnerstag, den 20 . April:
In der Ztadtkirchc.
Abends 6 Uhr: Beichte und Herl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde. Llniuelduug vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
„ _ Pfarrer Schwabe.
In der Johanneskirche
Vormittags 9^ Uh.r: Vorstellung und Prüfung manden aus der Lukasgemeindc.
Pfarrer Bechtolsheim er.
Abends 7 % Uhr: Beichte und heil. Abeiidurahl für Lukas- und Johannesgemeinde. Anineldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer A u s f e l d.
Karfreitag, den 21 . April:
In der Stadtkirche.
Vorinittags 9 1 /, Uhr: Pfarrer Dt a h r.
Beichte und heiliges Abendmahl für Dcatthäiis- und Markus- gemeinde. Anineldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.
Vormittags 11)L Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markus- gemeinde gemeinsam. Pfarrer Mahr.
Abends 6 Uhr: Liturgische ?lndv<lü. Pfarrer A u s f e l d.
) In der Johanneskirche.
Vormittags 9^ Uhr: Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.
Allgemeiner Buß- und Bettag.
Kirchbcrg: Sonntag, den 16. April, vormittags 10 Uhr. Kollekte), plachinittags 1% Uhr. (Kollekte).
^ Dekan Gußmann.
Katholische Gemeinde.
Gottesdienst.
Sa instag, dei, 15. Avril:
Nachmiltags 5 Uhr und abends 8 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte.
Sonntag, den 16. April, P a l m-S o n n t a g : Vormittags 6 V 2 Uhr: Gelegenheit zur heiligen Beichte.
„ 6% „ Hl. Messe.
„ 8 „ Austeilung der hl. Kommimion.
„ 9 „ Hochaiiit mit Predigt. Vor dem Hocharnl
findet um 8 V, Uhr die Palmenweihe statt. ., 11 „ Hl. Messe init Predigt.
Nachnnttags 6 Uhr: Christenlehre; darauf sakramentalische Bruderschaf lsaudacht.
Dienstag abends 3 Uhr ist Fastenandacht.
Diaspora-Gottesdienst.
Sonntag, den 16. April:
In Lich 97* Uhr.
MrschLrehe tu
Israelitische ReligionsgemLinde.
Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Dienstag, den !8. rruv Mittwoch, den 19. Avril 191« : Passahfest.
1. Tag. Vorabend: 7.30 Uhr.
Morgens: 8.39 Ähr. Predigt.
2. Tag. Vorabend: 7.39 Nhr.
Morgens : 8.39 Uhr. Abends : 7.49 nud 8.1« Uhr.
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Deutsche vildungsürbeit in englischen Uriegslagern.
So hart, ja teilweise selbst unmienschlich das Schicksal ist, das d-ic devtschierr Zivilgefangenen in England und den englischen Kolo tuen durch ihre zwangsweise Uebersnhrung in Gefangenenlager betroffen hat, so haben doch auch unter diesen ungünstigen Ver häitnffsen unsere Landsleute nirgends ihren Mttt und ihre Festigkeit verloren, und am allerwenigsten zu besiegen war jener echt deutsche Geist, der, wie unser größter Dichter sich an einer berühw- ten Stelle ausgedrückt hat, „immer strebend sich bemüht", der Nach Erlveiterung seiner Kenntnisse und seines Gesichtskreises to gierig ist. So hat in den englischen Kriegslagern eine rührige deutsche Bilduugsarbeit eingesetzt, die, wenn man die Umstände erwägt, unter denen sie geleistet worden ist und geleistet ivard, jeden Unbefangenen warme Anerkennung abnötigen muß. Interessante Beiträge zu diesein Kapitel deutscher Psychologie in der Kriegszeit liefert das neueste Heft der Süddeutschien Monatshefte in München „In Englischer Gewalt". Ta berichtet Wilhelm A. Dy es über die Schuleinrichtungen im englischen Douglaslag e r, die auf seine Anregung dort ins Leben gerufen worden sind. Die Vielseitigkeit der Lehrgegenftändc erhellt aus dem Lehrpläne 1915/16: er enthielt Deutsch, Rechnen. Buchführung, Schönschreiben, Ma.thlnnatik, Ostometrie, Chemie, Geologie, Elektrochemie, Auto- mobiltechnil. je zwei Kurse Gabclsberger- und Stolze-Schrei- StenolgrapE«!, Ke drei französische und englische Lehrgänge, zivei spanische Kurse, sowie endlich Italienisch, Russisch und Hebräisch. Wie man sieht, hatte dieser Lehrplan im Douglaslager vor allem die Zwecke prcrkttscher Ausbildung im Auge, was sich vor allem die Zwecke praktischer ?lusbildnng im Auge, was wahrscheinlich in der Zusammensetzung der Angehörigen dieses Lagers seinen Grund haben wird. In anderen deutschen Gefangenenlagern hingegen wurto die Bildungsarbeit von vornherein auf eine andere, inan möchte sagen: wehr akademffche Grimdtage gestellt. Als Beispiel tarnten die Bortragseinrichtungen im Gefangenenlager zu Diyatalava auf Ceylon dienen, über die Christian Böhringer nähere Auskunft gibt. Auch in Diyatalava ivurto ein regelmäßiger Sprachunterricht eingerichtet, der Deutsch, Eng- lisch. Französisch, Italienisch, Spanisch' Holländisch, Tamil, Sin- galesisch und Malaiisch umfaßte; die deutschen Stunden wurden übrigens von ton Engländerinnen besucht. Außerdem aber ivnr- den bis zum 25. März nicht weniger als 22 Vorträge abgehalten, die meist von Fachleuten der betreffenden Gebiete ütontommm wurden. Um nur einige daraus zu trennen, so wurde vorgetragen; über die Entwicklungslehre Darwins, über die deutsche chemische Industrie, über die .Betoutmtg der Äaßfnrter Salze für tropische
Landwirtschaft, über die Blüte des deutschen Handels im 15 Jahrhundert und über unser neues Kolonialreich in Afrika, wäh- rend eine fernere Reihe von Vorträgen die tropischen Kulturen, wre ^.ee. Kautschuk, Tabak und Kakao zum Gegenstände hatten Dieser Veranstaltting kam der Umstand zugute, daß die Gesellschaft in Diyatalava aus Vertretern aller Berufsarten zusammengesetzt war und daher die betreffenden Lehrkräfte zur Hand hatte.
Das Llußerortontlichste aber, was in dieser Hinsickst in beut scheu Gesangenenlagern und wohl überhaupt je aus diesem Ge biete geleistet worden ist, berichtet LutasVietor aus dem Lager Zu Pi e t e r m a r i tz b u r g in Südafrika. Dort entwickelten sich die Vorträge und Sprachkurse, mit tonen die Mldungsartoit zunächst auch hier einsetzte, zrt Einrichtungen, die man Wahl ahne Uebertreibung als eine Art Lageruniversität bezeichnen kann. Und die durch die bündige Formt der Tat die beste und schlagendste Antwort auf die Angriffe gegen die „deutsche Kultur' gaben. Statt der Borträge wurden nämlichi nun ganze Vortrags reihert ms Leben gerufen, wobei Btetor selbst dm Anfang mit acht Vorlesungen zur Einführung in die Philosophie Kants machte Literarische Hilfsmittel und der Grundtext selbst standen dem Vortragenden wie den Hörern anfänglich nicht zu Gebote, aber später stellte es sich, heraus, daß drei Exmrplare bex Kritik der reinen Vernunft vorhanton waren, bei einem Schneider, einem Gärttrer und einem Rechtsanwalt. Das ist eine Taffache, die für die deutsch' Erziehung und Bildung, wie man zu sagen pflegt, Bände spricht! Das Beispiel erweckte Nachahmung und im Okwber 1915 konnte eine Ankündigmrg weiterer Bortragsreihm veröffmtlicht werden, für die sich eine ganze Schar tüchtiger Dozenten zur Berftigung gestellt hatte. Boit der Höhe, auf der sich diese Vorlesungen bewegten, mag ein Auszug aus tont Vorlesungsverzeichnisse eilte Vorstellung vermitteln. Es wurde teils in einzelnen Vorträgen, teils in Reihen gesprochen über Explosivstoffe-Kunde, über den .Karnpf der internationalen Katolinteressm, über die Weltpoliffk Friedrichs tos Großen, über Elemente des internationalen Verkehrs. JU einem Bortrage nutrto eine vergleichende Kritik der hechnis-ck-m Erziehung Deuffchlands und Englands gegebm, ein anderer führte mit an- chiießenden T-emvnstrationett in die Metallurgie der Rvnderze ein 2luch> Philosophie, Nationalökonomie itnd Geographie warm in dem Lehrplane vertreten, und selbst in das ferner liegende Gebiet der Kunst führten zwei Vorträge eilt, von tonen der eine Vüllet und Corot, der andere die niederländische Kunst tos 15. und 16. Jahr Hunderts behandelte.
Auf diese Weise hatten unsere wackeren Landsleute, die sich in englischer Gewalt tosindeit, durch die Tat gezeigt, was deutscher Geist, deuffche Bildung imd deutsche Erzrehmtg sind und betonten.
- r ~ Neue urkundltchc Nachrichten über Hans H o l b e t n d e n A c l t e r e n. Je spärlicher das Urkundenntaterial zur Lebenvgechtchtc tos älteren Holbein ist, um so ivilliommener
die kürzlich im „Archive für die Ge- -Krchte des Hochsttfts Augsburg" von Georg Rückert und A ■ sind, und die jetzt Kurt Glaser
b.et E. A. Seemann in Leidig erscheinen „Kunftchromk attch^taetterm Kreisen zugänglich macht. Das wicki- gg' L b r n 6 ^ )en . bezteht sich auf ton vom Bischof von
Wertontorg für dm Dom zu Augsburg gestisketm Silberaltar im ^ a ^ rc 1508 ausgestellt wurde. Am 14 Juni dteses Jahves begannen nun die Verhandlungen, die der Doncherr ^.lEn mit Holbein wegen der Flügeltürento^ Srlberaltar führte und deren Ergebnis ein n^to in sei^ Etnzelhetteil mehrfach interessanter Vertrag tvar. In diesem V^ trage namltch erbtetet sich Meister Hans .Holtont, toß SS Elledingt, daran er auch elwe vil gemacht" ferttgjtellen und aus den Chor setzm lassm wolle. WtumS tonn )m i bcv Zurückkäme, wo er etliche Arbeit zu 5 versprachen habe, daun wolle er sich alsbald an die Flügettaft! und nach deren Ferttgsteslnng die einstweilen ausgestelltc >nn ton gezahlten Preis wieder zurücknehmen. Aus diesem ^.ertrage ersahrm ,mr von ctner bisher nich't bekannten Reil»
interessant ist ferner die Tatsache verpfttchtete, etne für einen tostimtnten Ziveck stellte Tafel Kuruckzimehmen; er muß also daraus gerechnet habm, fte spater fretyandtg zu verkansm — eine Tatsache die ur unsere Vorstellungen von totn mittelalterlichen Bilder Handel ^ ^ crt ititb toirnit daß in Holbeins Werkstatt bereits in tor <wrm der „Warenpwdnktwn" und nicht nur lediglich ans Bestellung gearbeitet^ wurde. Der ganze Silberschatz tos Augs birrgm Domes fft W r-tgms rn depSchreckenszert des Dweißigiahrigen Krteges emgeschmolzen '.vvrden: was damals mit Holbeins Ge malden geschah, ist Nicht bekannt. — Der andere Fund bezieht sich A erue Schtltormtg des Hetligkreuzklosters zu Mgsbnrg, die von NN Anfänge des 17. Jahrhunderts ver sam worden ist und wvrtn er ernm Marienaltar, ton der Auas burger Burger Martin Weiß und seine Frau gestiftet hatten, als 7 U 0 U Hans Holbetn wundersaur gemalt" bezeichnet. Im Jahre 1610 erhielt Herzog Wilhelm V. ton Bayern, wie P. ffftegor STr? Achtet, Mut Danke ft'ir viele wertvolle Sventon an das P?'™ Uvr 100 Jahren von Holtoin gemalten Flügel
dev Martenaltars", dte durch Koptm ersetzt wurton. Originale wre Kopten sind verschollen.
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