Ar. 86 Dritter Blatt
Lrfthriir, «glich m« Abnahme beä S.mttagä.
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,Xns':Qer‘ viermal wöchentlich beigeleqt. das „llreisblstt für den Urei; Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- frazen" erscheinen monatlich zweimal.
*66. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhesfen
Vienslag, U. April Mü
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchea Universitäts - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriftleitung,Geschäftsstelle ».Druckerei: Schul» straße 7. Geschäftsstelle u.Verlag:«^zA51,Schriftleitung: e=s§?112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Ariegsbrrese aus dem Westen.
m Telegramm unseres Kriegsberichterstatters. lUnverechttgter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.^
Die „Hyänen von Verdun".
Großes Hauptquartier, 9. April, ^^deschießung der FesArrgswerke von s?*“?. Estaudeneu Brande, deren gewaltigen Umfang ich ber zwer IGelegenhertien mit Menen Augen beobachten konnte, enthalten die Anssagen und Tagebuchanszeichnnngen gefangener Franzosen bemerkenswerte Mitteilungen, namercklich dre von Offizieren, die sich noch kurz vor ihrer Gefangen- nähme m den brennenden Stadtteilen auf gehalten haben. Danach führen die ans Paris her bei gerufenen Feuerlvehr- lkommandos emen fast hoffnungslosen Kamps gegen die '^ T bo f windrge Wetter der letzten Zeit zu katastrophaler nusdehnnng angewachsenen Nammenherde. Flieger au fnah- men, welche rch gesehen habe, bestätigen, daß zu gewissen Stunden die Dächer der Mittelstadt in einen einzigen .r^euermantel gehüllt waren. Die französischen Gefangenen sNienden zur Kennzeichnung für das trostlose Bild, welches die stolze .rrntzfeste an der Maas jetzt darbietet, wiederholt den Vergleich nnt dem Schicksale Uperns an. Fast mehr noch als mit dem rasenden Elemente, so berichten sie, hätten aber -die Feuerwehrleute und die ihnen zur Verstärkung beigege^- ben^i Gendarine mit dem räuberischen Gesindel m tim, welches lveit her, und selbst aus den Apachenvierteln svon Pariv, den Weg in die Front und die von ihren Be- wohnern verlassene Trummerstadt gefunden hat und in der scharnlosesten Werse in den Läden n,rd Wohnungen stiehlt innd plündert. Von einem gefangenen Offizier stammt die Aeußernng, daß das Treiben dieser „Hyänen von Verdun" die gMßte Schmach sei, mit der sich das in heldenmütigem Kampfe stehende Frankreich selbst beflecke. Die Vorgänge, Dre sich letzt rn Verdun abspielen, erinnern an manche ähnliche aus dem Kriege 1870. So sah sich bekanntlich damals ider französische Kommandant von Schlettstadt genötigt, die deutschen Truppen einznladen, einen Tag früher in die ubergedene Festung einzumarschieren, als in den Kapitula- tf.onsbedingungen vereinbart war, weil er sich außerstande suhlte der Plünderung der Bürgerhäuser Einhalt zu tun, zu welcher sich der Pöbel mit den zuchtlosen Mobilgarden vereinigt hatte. *
M Scheuermann, Krie gsberichterstatter.
iKießener Strafkammer.
th. Gießen, 8. April.
^ Megen fahrlässiger Tötung
oechändelte dre Strafkammer gegen den 18 Jahre alten Troschken- futscher Karl H. von H. hat am 8. Juni einen Rentier
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Bad-Rauhüm, beffcii t und Tochter vom Bahnhof nach Knnck fahren wolle,i. Er fuhr au der Bank vor, welche sich gegenüber dein Eingang des Main-Wcscr-Bahnhoss anj dem eisernen Gitter befindet, welches die Feldküche vom Bahnkwfsplatz trennt.
Ee .Herr hatte sich hier niedergelassen. Nachdem die Fahr- We Platz genommen, fuhr H. entgegen der Vorschrift im rechten Eintel auf die Gleise der Straßenbahn los, auf dcrren der Wagen der roten Lmre — wie der Wagenführer behauptet, unter Kling clü und ohne Strom — zur Haltestelle einfuhc. Es gab einen Zusammenstoß zwischen Droschke und Straßenbahmoagen. Die Jn- sapen der Droschke flogen auf das StraßenpfLaster, wobei der alte verr einen Schädelbruch erlitt, an den: er noch auf dem Weg zur Munk starb. Ter Angeklagte erklärte, er habe, ehe er eine ^-Mle als Kutscher angenommen, niemals Chaise gefahren, er >" cmch mcht belehrt worden, daß er an der betrefferrden Stelle Hinkel, sondern in einer großen Halbrundung m die Bahn ho, str a ße hätte einfahren dürfen. Ter Angeklagte hat oen Straßenbahnwagen erst wahrgenommen, als es für ihn zu jpat war, auszuweichen, und versuchte darauf, das einzige, was möglich war, noch schnell vorüber zu kommen, was aber nicht gluckte. Der Wagenführer hat, als er kurz vor seinem Wagen die Trojchke sah, auch alles versucht, um das Unglück zu verhüten, ^ne Kammer mußte den jungen Menschen wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Dodessolge verurteilen und erkannte aus eine 6 wöchige Gefängnisstrafe.
Vier schwere Verbreche r
nahmen gesesselt auf der Anklagebank Platz. 5 Gendarmen waren im Gerichts,aal anwesend, um sie zu überwacheii. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Wiener, ordnete an, daß man den Angeklagten wahrend der Verhandlung die Fesseln abnehmen solle. Die Angeklagten sind sämtlich alte, rückfällige Diebe, einer von ihnen ist wegen Totschlag zum Tode verurteilt. Die Strafe wurde in le- vcnslauglrches Zuchthaus umgewandelt. Die drei Angellagten haben m der Anstalt gestohlen, was ihnen zu stehlen möglich war, und da^ Diebsaut nnt Hilfe des vietten Angeklagter:, der außerhalb der Anstalt bei einem Landwirt arbeitete, vermasselt, wie der Gaunerausdruck lautet. Der Hehler hat das gestohlene Gut mit nach außen geschmuggelt und dageg.en Wurst, Schmalz und auch einige Mark Geld dagegen an die Diebsgenossen abgeliefert Direktor Element von der Zellenstrafanstalt Butzbach gab als Zeuge M intereisantes Bild über den Einfluß des Krieges auf seine Strafanstalt., Ohne die genügende Anzahl an Aufsichtspersonal, das vor dem Femde im Schützengraben nötig sei, hat man die Insassen vom Marienschloß m dre Zellenstrafanstalt Butzbach, welche teüwelse durch die Gnadenerlasse geleert wurde, mit untergebracht. Nur dadurch erklärte es sich, daß es den Ungesagten möglich Wurde, in der Anstalt Diebstähle zu begehen. Richtig sei, daß den Gefangenen infolge des Krieges die Brotrationen gekürzt wur- ■ 2 ?' J am aber Luch, daß die Kartoffeln im Herbst 1915 schlecht wurden. Die Ernährung der Leute war wohl knapp, aber doch nicht unzureichend, so daß der Einwand, sie hätten gestohlen, weil sie hatten hungern müssen, unwahr sei. Er wolle ja zu- 9eb f e o'vÄ bie Herabsetzung der Brotration von täglich 325 Gramm r b l n Seut r n mo <S unangenehm gewesen ist, denn !^ Üb W ben größeren Teil der täglichen Nahrung, dies sei umso mehr der Fall, als auch in der Beköstigung im allgemeinen ern gewaltrger Unterschied gegenüber der Ernährung der
Gefangenen im Frieden einqetteten sei. Das Urteil lautete für zwei der Angeklagten wegen rückfälligen Diebstahls auf 1 Jahr 6 Monate und 1 Jahr Zuchthaus. Der Hehler wurde mit 1 Jahr Ge» fängnis bestrckft und der weitere Angeklagte freigesprochen.
Er hört .auf beiden Oh rer: nicht, so erklärte der wegen Diebstahl wiederholt schöner bestrafte Korb-
glatt zu. Er bestritt aber, ein Alfenidkämmchen, welches bei ihm gefunt-en wurde, gestohlen zu haben. Ta der Mi gehlich Bestohlene aber nicht zu ermittefn war, sprach die Kammer Yen alten Sünder rvegen dieses Diebstahls fiei, v erurteilte ihn aber wegen des Kleider-« diebstahls, als wiederholt rückfälligen Dieb bei Zubillignrrg modernder Umstände, zu 9 Monaten Gefängnis. Nach! der Verkündung des Urteils war der Mann wieder hellhörig geworden, er erklärte das Urteil nicht annehmen zu wollen, worüber er ja in der Untersuchungshaft noch einmal schlafen kann.
Märkte.
Gießen, 11. April. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Psd. 1,90-0,00, Hühnereier das Stück 17-18 Mg., Käse das Stück 8—10 Pfg., Kasematte 1 Stück 3-0 Pfg., Kartoffeln der Zentner 0,90 bis 0,00 Mark. Milch das Liter,28 Pfg., Spinat 25—30 Pfg. das Pid., Gelberüben 00-00 Pfennig das Psd.. Rosenkohl 25—80 Pfg. d. Psd.. rote Rüben 0—0 Mg., Zwiebeln das Mund 30—35 Pfg., Nüsse 100 Stück 00-00 Pfg., Blumenkohl 00—00 Pfennig, Sellerie 0 — 00 Pfennig das Stück, Grünkohl 20-25 Pfg., Feldsalat 10-12 Pfg. — Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.
F. C. Frankfurt a. M., 10. Avril. Schlachtvieh markt von: 10. April. Auftrieb: Rinder 179 (einschließlich 156 dänische), Ochsen 16, Bullen 19, Färsen und Kühe 144, Kälber 27, Schafe 10, keine Schweine. Der Austrieb wird schnell geräumt.
io. Frankfurt a. M., 10. April. Frucht- und Futtermittel m u v f t. Marktlage unverändert still. Nachfrage b er and nach Futterartikeln, das Angebot war sehr klein; Preise unverändert fest. Getreide geschäftslos.
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