Dir AbkMnMZ öm MZesetzes.
TS folgt die erste Beratung eines Entwurfs zur Abänderung des Gesetzes über den Absatz von Kalisalzen. Durch die neue Vorlage wird die Neufestsetzung der BeteiligungSüffcrn abernlalü und zwar bis zum 31. Dezember 1918 hinauSgeschoben. Ferner werden die Preise erhöht. Die Abgabe wird nutzer für das Jahr 1915 auch für das Jahr 1916 außer Hebung gesetzt.
UnterstaaLssekretär Richter:
Die Geltung der erhöhten Kalipreise lief eigentlich am 31 . März 1916 ab. Der gegenwärtige Entwurf hätte deshalb dem Hause bereits bei seinem Zusammentritt vorgelegt werden müssen. Die Verhandlungen mit den Jnteressentengruppen haben die Sache jedoch verzögert. Um keine Lücke zu lassen, hat der Bundesrat die Verlängerung der Geltungsdauer aus so lange beschlossen, bis der Reichstag über die gegenwärtige Vorlage Beschluß gefaßt haben wird. Dre Erhöhung der Kalipreise hat ihre Hauptursache in der gewaltigen Steigerung der Generalunkosten. In der Denkschrift des Kalisyndikats wird die Lage der Kali- inbustrie durchaus zutreffend und unter Beibringung von tabellarischen Übersichten gewürdigt. Di« Ausfuhr konnte nur nach den Gebieten der verbündeten Staaten, den besetzten Gebieten und einigen neutralen Ländern erfolgen, für die die Gewißheit besteht, daß das Kali nicht zur MunitionSher- stellung für unser« Feinde verwendet wird. Deshalb ist ja auch die ganze Kaliausfuhr nach den Vereinigten Staaten verboten worden.
Die Vorlage geht an einen Ausschuß bon 21 Mitgliedern.
Präsident Dr. Kaempf:
Damit ist die Tagesordnung erledigt. Ich bitte um die Ermächtigung, Tag, Stunde und Tagesordnung der nächsten Sitzung festzusetzen, die nicht vor dem 2. Mai stattfinden soll. Die nächste Sitzung urd sich nach den Arbeiten der Kommissionen richten, die wenigstens so viel schaffen sollen, damit dann hinter- einander weg im Plenum ge»rbeitet tverden kann.
Abg. Ledebour (Soz. Arb.-Gem.)
beantragt zur Tagesordnung, die nächste , Sitzung morgen abzuhalten, und zwar mit der Tagesordnung: Der Etat des Reichstags. Nach den Vorkommnissen am Sonnabend sei es dringend erforderlich, daß der Reichstag Beschlüsse fasse, um zu verhindern, daß Abgeordnete künftig durch Gewalttätigkeiten an der Ausübung der Wahrnehmung der parlamentarischen Rechte und Pflichten verhindert werden (lebhafte Zurufe: Landesver
räter!) und daß die Sitzungsberichte der Zensur unterworfen werden. (Lebhafter Widerspruch.)
Abg. Scheidemann (Soz.):
Meine Fraktion kommt durch diesen Antrag in eine sehr große Verlegenhe.it, un-d zwar aus folgendem Grunde. Wir haben gegen eine Beratung, wie sie gewünscht wird, natürlich gar nichts einzuwenden. Aber wir sind nicht in der Lage zuzu-- stimmen, datz das morgen geschieht. Eine Anzahl meiner
Fraktionskollegen, die wegen dringender Geschäfte abreise^ mußten, fragten mich, ob heute die Beratungen des Reichstags zu Ende gehen würden. Als ich sagte, darüber könnte ich nichts Bestimmtes erklären, haben sie mich mit sehr zweifelhaften Blicken angesehen und gesagt: aus die gleiche Frage, die sie an Haase gerichtet haben, habe dieser erklärt: Ihr könnt unter allen Umständen abreisen. (Stürmisches Hört, hört!) Ich kann daher nicht dafür eintreten, daß morgen eine Sitzung stattfindet.
Abg. Haase (Soz. A.-G.):
Die Behauptung ist irrtümlich. Ich habe keinem Abgeordneten gesagt, er könne nach Hause fahren, weil morgen keine Sitzung stattsindet. Ich habe nur gesagt, die bürgerlichen Parteien wünschten, soweit mir bekannt ist, daß heute Schluß gemacht wird. (Lebhaftes Hört, hört« und Zurufe: Na also!)
Der Antrag Ledebonr, morgen eine Sitzung abzuhalten, wird daraus gegen die Stimmen der Soz. A.--G. a b gelehnt.
Präsident Dr. Kaempf:
Wird mir also die Ermächtigung erteilt, die nächste Sitzung sestzusetzen? Widerspruch erhebt sich nicht. Damit sind die Geschäfte des heutigen Tages erledigt. Ich wünsche Ihnen allen ein gesundes Osterfest, so gut, alz das unter den ernsten Verhältniffen möglich ist.
Schluß VA Uhr. )
Äus dem Reiche.
250 Millionen für Kleinwohnungsbau?
Der Wo hnungsaus sch u ß des Reichstages stimmte nach kurzer Beratung folgender Resolution zu: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen:
1. in« nächsten Reichshaus halt als regelmäßige Ausgabe 30 000 Mart einzusetzen zur Unterstützung derjenigen Verein i- gungen, weleba^die allgemeine Förderung des Kleinwohnungswesens bezwecken:
2. b€t Vorlage des Reichshaushaltsvoranschlags für 1916 beim Etat des Reichsamts des Jmrern im außerordentlichen. Etat, „ReichiAivohnmigssürsorgesvnds", a) das Dispositiv wie folgt zu ändern: „zur Förderung der Herstellung geeigneter Kleinwohnungen für Arbeiter und gering besoldete Beamte in den Betrieben des Reichs und Reichsheeres, sowie für Kriegs- beschädigte imd Hinterbliebene. Rückeinnahmen (Zins und Tilgung' fließen dem Fonds zu." b) die Etatsposition zunächst aus 10 Millionen Mark zu erhöhen.
Diese Anträge, die von Vertretern fast aller Parteien gestellt waren, sollen noch den Hauptausschuß beschäftigen.
Die gleichen Antragsteller erstreben eine Novelle zum Gesetz betreffend Bürgschaften des Reiches zur Förderung des Baues von Kleinwohnungen für Reichs- und Mllitärbedienstete (vom^lO. Juni 1914)/ wodurch die Wirkungen des Gesetzes vor allem auch den Kriegsteilnehmern und deren Hinterbliebenen zugute kommen solle::. Der ReiMkanzler soll die Ermächtigung erhalten, zur Förderung der .Herstellung von geeigneten Kleinwohnungen für Darlehen an Gemeinden, Kommunalverbände und gemeinnützige Unternehmungen Bürgschaften bis zum Gesamtbeträge von 250 Millionen Mark zu übernehmen.
Ein Regierungskomnrissar äußerte gegen diese weitgehende Forderung ernste Bedenken und bezweifelte, daß die verbündeten Regierungen zustimmen könnten. Man dürfe die gewaltigen Aufgaben des Reiches nach dem Kriege auf den verschiedensten Gebieten nicht außer acht lassen.
Dampferverbindung Kownos mit Tilsit.
Berlin, 11. April. Laut „Becl. Tagebl." wurde die für die Entwicklung des Kownoer Geschästslcbens wichtige Dampserverbin- dung Kownos mit Tilsit aus dem Memel gestern eröffnet.
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Auf bic vierte Kriegsanleihe sind bis zum 7. April 6889,4 Millionen Mark gleich 64,3 Prozent der Gesamtzeichnung eingezahlt worden, wobei sich die Inanspruchnahme der Darlehnskassen um 21 auf 139,7 Millionen Mark erhöht hat.
Berlin, 10. April. (WTB.) Der Kriegsausschuß für Kaffee, Tee 'und deren Ersatzmittel G. m. b. H. in Berlin, Bellevuestr. 14, Telegramm-Adresse für Kaffee „Kriegs kaffte", für Tee „Kriegstee", teilt mit: Die große Anzahl der an uns ergangenen Zuschriften veranlaßt uns, nochmals aus die Verordnungen des Reichskanzlers vom 6. April 1916 (Reichsgesetzblatt Seite 245 folgende) zu verweisen, wonach seit dem 7. April Rohkaffee nur mit Zustimmung des Kriegsausschusses geröstet werden darf. Tic Zustimmung wird, solange sich, die vorhandenen Vorräte nicht übersehen lassen, nicht erteilt werden.
Berlin, 10. April. (WTB.) An den Oberverwaltungsge- richtsrat Schisser, Berlin, Peichstag, ist folgende Drahtung des Kaisers gelangt:
Der reichsdeutschen Waffen brüderlichen Vereinigung für Recht und Rechtspflege danke ich herzlich für die freundliche Begrüßung bei Beginn ihrer Tätigkeit. Ich freue mich über die Bestrebungen, das in Kamps und Not so glänzend bewährte Band der Treue, das die deutschen und öster- reick.isch-älngarischen Volksstämme zusammenschließt, auch ans dem Gebieter der Rechtspflege enger zu gestalten und wünsche der Arbeit der Vereinigung einen guten Erfolg zum Segen der verbündeten Völker.
Berlin, 11. April. Tie gestrige Besprechung der Groß- Berliner Gemeinden . über die Regelung des Fleischverbrauches hat über die Gemeinsamkeit des Vorgehens volle UebereinstimMung erzielt. Es wurde beschlösse::, von oer Einführung einer Fleischkarte vorläufig abzusehen und zunächst die Ergebnisse der amtlichen Viehzählung abzuwarten.
Straßburg, 10. April. (MTB. Amtlich.) Durch kaiserliche Verordnung ist der L a n d t a g v o n E l s a ß - L o t h r i n g e n auf Mittwoch, den 26. ds. Mts. einbernfen worden.
Stuttgart, 10. 2lpril. (Priv.-Tel.) Der Deutsche Kronprinz hat einem württembergischen Reserve- Regiment vor Verdun eine große Zahl Eiserner Kreuze übersandt mit dem eigenhändigen Zusatz: „Mit einem herzlichen Gruß an meine tapferen Württemberger."
Die englische flgst im Uriege.
Interessante Einzelheiten über die Einwirkung des Krieges auf den Postverkehr enthält der soeben veröffentlichte Bericht ..es englischen Generalpostmeisters. Zn Kriegs beginn kam das cuglische Postwesen in starke Verlegenheit, da es den plötzlichen Umwälzungen nicht gewachsen war. Darum herrschte Anfangs große Unordnung, und erst nach und nach gewöhnte man >ich an einen dem Krieg angepaßten Betrieb, der allerdings auch heute noch infolge der Verkehrsschwierigkeiten, besonders zur See, an mancherlei Unregelmäßigkeiten zu leiden hat. Im ersten Kriegsmonat bestand das Personal der Kriegspoftverwaltung aus nicht mehr als 300 Offizieren und Mannschaften. Bis Ende März 1915 kam die Zahl durch sortwähreude Erhöhungen aus 1500, und die Ausdehnung des Kriegsgebietes erfordert auch heute noch andauernde Ergänzungen. Am unregelmäßigst n suittlionierte der Kriegspostbetrieb während des englischen Rückzuges von Mons. Tie Zahl der Kriegs Postsendungen nahm seit Beginn der Feindseligkeiten ununterbrochen zu. Im Oktober 1914 belief sich die wöchentliche Zahl der Briefe und Pakete an Milftärs auf 708 000, davon waren 650 000 Briefe und 58 000 Pakete. Bis März 1915 erhöhte sich, die wöchentliche Zahl der Solidatenbriese auf 3 Millionen und der Pakete aus 230 000. Tie Briese, Postkarten und Pakete im Verkehr mit den englischen Kriegsgefangenen in Deutschland und Oesterreich werden ourch cft Postverwaltung der Niederlande übergeleitet. Im März 1915 betrug die Zahl der an englische Kriegsgefangene gesandten Pakete 19 300. Der Zivilpostdienst in England selbst wurde durch den Krieg vermindert. Die Zahl der Briese sank in England und Wales um 2 Stück aus den Kops der Bevölkerung, desgleichen in Schottland und um 1 Brief aus den Kops der Bevölkerung in Irland. Stärker war der Rückgang im kehr, wo eine Verminder ung um 10 bis 12°,o scsrzustellen ist.
verninchtes.
* Frühling in Rußland. Man schreibt uns^von der Ostskront: Tage, Wochen haben wir hinter uns, die Strapazen brachten, wie sie nicht zu ertragen schienen. Sechzehn bis zwanzig Pferde wurde«: erforderlich, die Munitionswagen und Geschütze durch die Schneewehen von 3—6 Meter Tiefe und über die vereisten Höhen zu bringen. Wettn in einem Tage 6 Kilometer zu- rückgelegt n>erden konnte::, war's viel, und Mensch und Tier waren erschöpft bis zu den: Stadium inneren Empfindens oder vielmehr Nichlempsindeus, das vollständig abstumpft gegen alle Bedürfnisse des Daseins, nichts ersehnt als Ruhe, Schlaf, Schlaf. Und über die Höhen brauste ein grausamer, zorniger Sturm, der Schneeflocken brachte, die «Eisnadelu rvaren. Eisnadcln, die uns die Gesichtshaut in Fetzen rissen und gegen die selbst die hartgewohnten braven russischen Pferdchen, die sonst so willig sind, nicht ankämpsen wollten. Und ein Tag kam über Nacht, da es von den Höhen linder wehte und Schneeschmelze brachte. Schneeschmelze mit Regengüssen bei kaltem Nachtwinde, der alles am Morgen spiegelglatt vereiste und die Wege unseres verlassenen, in einer Talmulde liegenden Dörfchens in Gießbäche wandelte, 1 ' 2 —1 Meter tief und tiefer. Wohnstätten und Ställe kamen in Gefahr, überschwemmt zu werden: daß die Kanoniere Tag'und Nacht arbeiten mußten, mit Pickel und Spaten den Wassermassen Abfluß zu schassen. Und die Spuren des Krieges, die der Schnee gnädig und pietätvoll, verdeckte, traten zutage. Neben Pferdelcichen am Wege kreisten ächzend Schwärme von Nebelkrähen und Naben, die schreiend und schimpfend auseinanderstoben, wenn ein Geier, der Stärkere, nahte, sein Mahl zu halten. Wv die Wassermassen zu Tal geschossen,- ließen sie tiefen, knetenden, klebenden Schlamm-, schlimmer noch als Schnee und Wasser und Eis. — Und wieder über Pacht ist der Früh-' ling gekommen! Lacht die Sonne, die wir seit Wochen so schmerzlich mißten. Eilte Wunder wirkende, wärmende Frühlrngssonne. Lacht blauend von den .Höhen herab in unser stilles, kleines, schmutz- starrendes, russisches Dorf. Dompfaffen, Meisen, Finken, Stieglitze und Spatzen hat sie erweckt, die ihre jubilierenden Zlpitscher-, Triller- und Pseiftöne zu ben Wlolken und zu uns herabschallen lassen und sieghaft das Gekrächze der Raben und Krähen über- tönen. Und wir? Ja, wir lachen und jubeln mit! Freuen uns der herrlichen, belebenden, warnren, goldenen Sonne, vergessen die Wochen schwerster Strapazen, die hinter uns liegen: waten spielend wie die Kinder im tiefen Schlamm, den wir ja passieren müssen, wenn einer zum andern will. Vergessen, daß heute nacht uns noch der Tod lauernd umschlich und daß er in ein paar Stunden wieder- kommt aus seinen Schleichwegen, wie jede Nacht oder granatensausend wie jeden Tag, und fühlen mir die, einzige große Freude über die lachende Frühlingssonne: nur das große, einzige .Hoffen, leise durchzittert vom Sehnen nach der Heimat, nach Weib und Kind, — nach Frieden! Und wenn/ was sicher ist, morgen wieder der Eissturm von den Höhen braust und aufs neue der Kamps entbrennt zwischen Winter und Frühling, gleich heiß, wie der Mensch gegen Mensch — dieser einzige herrliche Frühlingstag heute hät uns gestärkt für viele, lange Wochen.
Nuust ««& rV??sen?chokt.
— ©in Opernzhklus i m Deutschen Theater zu Lille. Aus Lille wird uns geschrieben: Ein für vierzehn Tage berechnetes Operngastspiel deutscher Künstler im Theater zu Lille nähert sich soeben seinen: Ende. Genußreiche Wende waren es, die den vielen Tausenden feldgrauer Zuhörer bereitet wurden. Gegeben wurden „Fra Diavolv", „Wildschütz", „Fide- l i 0 ", ,,.H 0 f s m a n n s Erzählungen" urrd zum Schluß die unverwüstliche „Fledermaus". Tie Spielleitung lag in den bewährten Hänoen des Oberregisseurs Paul von Bongard vom Großherzoglichen .Hoftheater in Karlsruhe: in die musikalische
Leitung teilten sich die Herren Kapellmeister Otto U r a ck (von den Bayreuther Festspielen) und Hofkapellmeister Wilhelm Furt- w ä n g l e r (vom Großh. Hof- und Nationaltheater in Mannheim). Dieser machte sich namentlich um die Aufführungen von Beethovens „Fidelio" verdient, die zu den besten gehören, was je im Deutschen Theater zu Lille geboten worden ist. Beethovens Musik, seine große Leonoren-Ouverture (Nr. 3), das ergreifende hohe Lied der Liebe übten aus die feldgrauen Zuhörer einen sichtbar tiefen Eindrrick aus. Die große Schar der mitwirkenden Künstler war aus einer Reihe der angesehensten deutschen Bühnen zusam- mengestellt worden. Von der Kgl. Hofoper Berlin wirkten ^ mit Erwin Hey (Spalamzant und Crespel in^Hoffmanns Er- X zähtnngen), Heinrich Schultz (in Fra Diavolo. Wildschütz und f Hoffmanns Erzählungen), Margarete P a r b s ebenfalls in Hoff- manns Erzählungen; vom Deutschen Opernhaus inCharlotten- bürg: Joseph Plaut, Irene Eden: vom! Hamburger Stadttheater : Karl A r m st e r; vom Opernhaus Köln: Sophie Wolf: vom Elb er selb er Stadttheater: Else Ben gell, Willy Zil- k e n; vom Hoftheater in Stuttgart: Kammersängerin Johanna Schönberger, Rudolf Ritter, Otto H e l g e r s; weitere Mitglieder des Stadttheaters in Magdeburg, der Bolksoper in Hamburg, des Stadttheaters in Chemnitz und anderer deutscher Bühnen. Der Herrenchor bestand, abgesehen von einigen Fachkräften, aus sangesknndigen Feldgrauen, um deren Einstudierung sich ganz besonders der Kieler Gesangslehrer Richard Maatz verdient machte. Trotz all der vielen Schwierigkeiten, die ein bunt zusammengewürfeltes Ensemble naturgemäß mit sich bringt, standen sämtliche Aufführungen aus durchaus künstlerischer Höhe. Ganz besonders hervorragende Leistungen boten Karl Ärmster, Sophie Wolf, Hans Battenx und Heinrich Schultz. Tie feldgrauen Zuhörer waren für die an der Front gewiß recht seltenen Darbietungen äscherst dankbar. Die Leitung des Deutschen Theaters in Lille hat sich jedenfalls mit diesem Opern-Zyklus ein großes Verdienst erworben. Nicht unerwähnt darf die glänzende äußere Ausstattung aller Opern bleiben. Es ist gewiß kein leichtes Stück, unmittelbar hinter der Front in rascher Folge fünf Opern zu inszenieren. Auch hierin hat sich wieder einmal die deutsche Tüchtigkeit bewährt: der Kriegsmaler O l b e r tz und der Bühnentechniker Warmbrunn — beide ebenfalls Feldgraue — haben als wahre Künstler in ihrem Fache Hervorragendes geschaffen. F. A.
— Das älteste Buch über deutsche Kriegs- technik. Heute, da die Kriegstechnik Kur höchsten Vollendung
gelangt ist und fast jeder Monat weitere Verfeinerungen und Neuerungen bringt, ift es von doppeltem Interesse, die Krieg s- technik vergangener Zeiten zu betrachten, die überraschenderweise mehr als eine Ähnlichkeit mit den Mitteln der Gegenwart aufweist. Zwar waren die Maschinen und Werkzeuge des Mittelalters im Vergleich mit den modernen Errungenschaften äußerst primitiv, doch verfolgten sie zum großen Teil denselben Zweck wie unsere neuesten Kriegswerkzeuge. Tie beste Gelegenheit, die jüngste uno die älteste deutsche Kriegstechnik miteinander zu vergleichen, bietet das erste deutsche Buch über Kriegstechnik, das der ftänkische Ingenieur Konrad Kyeser von Eichstädt im Jahre 1405 der Oessentlichkeit übergab und dessen dem Kaiser Rupprecht von der Pfalz gewidmetes, „Bellisortis" bettteltes Original sich im Besitze der Göttinger Universitätsbibliothek befindet. Schon in diesem frühesten kriegstechnischen Werk, über dessen Inhalt L. L. Gräfner im neuesten Heft der „Umschau" interessante Mitteilungen macht, wird die deutsche^ Kriegstechnik als die führende bezeichnet. Die Konstruktion der im Mittelalter gebräuchlichsten Kriegsmittel, wie Wagenburgen, Streitwagen, Sturmhütten Und Sichelwagen wird mit eingehender Sachlichkett erörtert. IM Festungskriege verwandte man hauptsächlich Widder zum Einrennen der Mauern, Krane und Hebetürme. Vielfach! fanden fahrbare Schutzschilde Ver- wendNng, air die besonders die voir den Franzosen im Stellungskrieg gebräuchlichen Schilde erinnern. Daß es schon damals Schützengräben und Unterstände gab, ergibt sich aus der folgenden Erklärung: „Man schafft einen Zugang, der aus schief ineinander- greisend-em Flochtwerk hergestellt wirb und in den Graben herausragt. Er schützt die darin Verborgenen und bewahrt sie vor den Fährlichkeiten des Krieges. Darunter treten die Greise, die Führer und die Unerfahrenen." Um Schneefelder zu überschreiten, ivurdm den Soldaten, manchmal sogar auch den Pferden, Schneereffeni untergebunden, die als Vorläufer der heute bei den Alpentruppni. gebräuchlichen Skier zu betrachten sind. Zum Ueberschreiteu von Gewässern kannte man neben ttausportablen Brücken auch« kleine, zusammenlegbare Boote und Schiffe, die durch Schaufelräder bewegt wurden. Pferde wurde«: an einer Seilschwebebahn durch das Wasser geführt. Zur Sicherung von Engpäffen ließ man mit Steinen beladene Wagen von den Höhen herabstürzen, wie ja auch heute an der italienischen Front künstlich erzeugte Steinlawinen als Kampfmittel dienen. Um den Feind zu erschrecken, bediente man sich mit warmer' Lust gefüllter, farbiger Drachen, die an Schnüren gelenkt wurden. Auch die modernen Handgranaten hatten bereits im 15. Jahrhundert ihre Vorläufer. So schleuderte man kleine Fässer, die mit flüssiger Seife geficklt waren, |um Brücken und Wege schlüpftig zu machen, damit die Feinde stürzten.
— Archäologisches aus Saloniki. In dem bekannten Weißen Tnrnre, jenem alten massigen Bauwerke, das den Sttand von Saloniki gegen Osten abschließt, ist unlängst ein archäologisches Kriegsmnseum eingerichtet worden. Das Hinterland von Saloniki birgt, worauf u. a. von der Goltz-Pascha, mit Nachdruck lstngewiesen hat, in seinem Booei: aller Wahr-' scheinlichkeit nach noch zahlreiche Ueberreste des Mterttuns, und es ift nicht überraschend, daß die ftanzösischen und englischen Trup
pen bei der Anlegung von Schützengräben um> Befestigungen in der dortigen Gegend aus allerlei Fimde stoßen. Diese Funde sollen im zweiten Stockwerke des Weißen Turmes vereinigt werden und zur Verfügung. der griechischen Regierung bleiben, in deren Besitz sie nach Kriegsschlriß übergehen. Ein bei den englischen Truppen in Mazedonien dienender Professor der Archäologie hat die Oberau flicht über die Samnckung übernommeir. Ter wichtigste bisherige Fund wurde in einem Grabe genmcht, das bei den englischen Arbeiten in der Nähe des Langaza-Sees ausgedeckt wurde. Dies Grab enthielt ein Skelett, welches mit Schmucksachen von Gold und Bronze in einem Stile bekleidet war, der in Griockiimland nicht üblich war, wohl aber aus Mittelsuropa bekannt ist. ^ Möglicherweise können diese Fundstücke ein wichtiges archäologisches Verbindungsglied bilde«:. Auch die Knochen des Skeletts sollen genauer untersucht werden, und zwar wird diese Aufgabe einem Archäologen von Beruf anvertraut werden.
— Ein R 0 diu-Museum in Paris. Ter schon in dein! letzten Kriegsjahr aufgekommene Plan, in Paris ein dein Bildhauer Auguste Rodft: gewidmetes Museum zn errichten, wurde «runmehr theoretisch verwirklicht, indem die Verhandln::ge:: zwischen Rodin und den Minister:: der schönen .Künste und des Haichelns in Rodins Wohnsitz zu Meudon zum Wschluß gelangten. In sechs-Monaten soll ^dieses Abkomme vom ftanzösischen Parlament ratifiziert werdlen, und gleichzeitig sollen die Summen scstgestellt lverden, zu deren jährlicher Verausgabung zur» Erhaltung des Museums der Staat sich verpflichtet. Sämtliche Gegmstände, die das Museum bergen wird,^ werde:: von Rodin gesch^enkweise überlassen. Die Sammlung soll alle bisher sertiggestellten und noch nicht in Privatbesitz befindlichen Werke des Mldhauers, sowie eine Aus- «vahl seiner Skizzen und Zeichnnugen unc> schließlich die Antiquitäten, Bilder unc> Möbel vo«: Kunstwert umfassen, die sich bst-ber in Rodins Wohnsitz befanden. Wie das Jouriral behauptet, soll diese Schenkung mehrere Millionen Franks lvert sein.
— Eine neue Quartett-Vereinigung in Da rm * ftadt. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Unter dem Namen ihres ersten Geigers, des Hoskonzertmeisters A. S ck« i e r i n g, des früheren Konzertmeisters des Wiesbadener Kurorchesters, hat sich in Darmstadt eine neue Streichquartett-Vereinigung gebildet, die sich in den musikliebenden Kreisen der Residenz «leben! dem altbewährten Mehmel-Quartett als ein Bedürfnis erwies. Zu seinem ersten Konzertabend spielte das Sch: ering-Q Harte tt ztve: Klassiker: ein .Haydnsches Streichquartett in G-Moll und Beethovens Streichquintett op. 29 in C-Dur, die ei«: Streichquartett, in D-Moll (op. 24) von Generalmusikdirektor F. von Weingartner umrahmten. Die vorzüglich cursgeführten Nuinmern wurden überaus beifällig vom vollbesetzten Saale (im Hotel „Traube") ausgenommen. Der Abend erhielt durch die Anwesenheit der Groß Herzogin von Hessen den Charakter eines gesellschaftlichen Ereignisses, das einen vielversprechenden Anfang für die junge, strebsame Vereinigung bedeutet. cü.


