Ausgabe 
3.4.1916 Zweites Blatt
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«r. 79 Swettes Blatt

Erscheint litzljH mit Ausnahme des Sonntags.

Die §a«we«d»tter- werde« dem

.21nzeig«ck viermal wöchentlich beigelegt, das Kreüblitt ffit den Kreis Sieheu" zweimal wöchentlich. DieLandwittschaftlichrn Seit- frag««" erscheinen monatlich zwermal.

M. Jahrgang

iehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Montag, 3. April !9l6

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'jchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung,Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Berlag:^^H51,Schrift­leitung: e=^112. Adresse für Drahtnachrrchtew Anzeiger Gießen.

Brotgetreide-Reserve und Zpargebot.

Mit großer Genugtuung ist vom deutschem Volte die Mitteilung ausgenommen worden, daß wir eine größere Brotgetreide-Reserve als die ursprüglich erwartete in das neue Erntejah-r mit hirvübernehmen werden. Insgesamt be­trägt die Reserve an Stelle der ursprünglich vorgesehenen 200 000 Tonnen Brotgetreide trunmehr 400000 Tonnen. Run ist aber während des Krieges gerade bei unserer Brot»-- getreideversorgung lMfig dle Erfahrung gemacht worden, daß erfreuliche Mitteilungen über die vorhandener: Be­stände und die lstercrus sich ergebende Sicherheit unseres Durchhaltens leicht zu allzu optinlistischen Betrachtungen oder Schlußfolgerungen Anlaß gaben. So Hut mau auch diesmal im Anschluß an die Bekanntgabe der obigen Ziffern in einzelnen Blättern Artikel lesen können, welche geradezu die UeberschriftBrotgetreide im Uebersluß" trugen. Wenn auch sicherlich die Verfasser dieser Artikel keineswegs die Absicht hegten, durch eine derartige Ausdrucksweise einem minder sparsamen Umgehen mit dem Brote Vorschub zu leisten, so liegt doch eine gewisse Gefahr vor, daß diejenigen Konsumentenkreise, welche in die Zusammenhänge unserer Brotgetreideversorgirng im Kriege nicht genügend cingeweiht weiht sind, aus einer derartigen Interpretation unserer Brotgetreide Reserve irrtümliche Schlüsse zielten. Deshalb nnrß immer wieder mit Naä)drnck betont lverden, daß das Vorhandensein dieser erfreuliche): Reserve diejenigen, lvelche noch eine Beschränkung ihres Brotverbrauchs entsprechend ihren Mitteln dnrchfülzren können, nicht davon abhalten darf, dies zu tun. Ist doch vor allen: zu bedenken, daß gerade auf dem Gebiete der Brotgetreideversorgung üeberraschun- gen immer möglich sind, da die Produktton hier nicht allein von dem guten Willen der Produzenten abhängt, sondern in starkem Maße der Laune der Witterung vreisgegcbcn ist. Wie die nächste Ernte aussallen wird, ob die Getreidemengen, aus die wir rechnen, in vollem Umfang geerntet werden, und wie ihre Qualität sein wird, alle diese Umstände kennen wir jetzt noch nicht. Elerade deshalb urachen wir ja der Vor­sicht halber eine beträchtliche Rückstellung von Brotgetreide. Diese ist also gewissermaßen eine Versicherung gegen mög­licherweise eintretende Minderargebnisse oder sonstige wenig angenehme Uebcrraschungen aui diesem so wichtigen kriegs­wirtschaftlichen Gebiete. Deshalb aber rst es unzutreffend und irrefühlrond, wenu mau das Vorhandensein, dieser Brot­getreide-Reserve geradezu mit einemUebersluß" an Brot­getreide identifizier^. Niemals wird es, solange dieser Krieg dauert, in Deutschlaich einen Uebersluß an Brotgetreide geben. Immer wird es sich mrr darum handeln können, daß wir mit unseren Brotgetreide-Vorräten unter dem Schutze der Kriegs-Getreidegesetze und der zu ihrer Durchführung geschaffenen Organisationen durchhalten können, und zu diesem Durchhalten gehört eben auch in jedem Fahre die Sicherung gegen Ueberraschungen im neuen Jahre. Deshalb aber Vleivt es auch nach wie vor für die bemittelteren Staiche ein grundlegendes Gebot, von ihrer Brotration zu sparen, soviel sic Wunen. Denn diese so wichtige Vorbedingung unserer Brotgetreideversorgung im Kriege kann durch die gesetzliche Brotratton allein, lneiche für die irnbemittelten Kreise zugeschnitten ist und ketten Unterschied zwischen arm und reich macht, nicht verwirklicht werden; ihre Verwirk­lichung beruht nach wie vor auf dem Wille:: und der Ge­wiss c nha f ti gk e i t des Einzelnen gegenüber dem Baterlande im Kriege.

Mer z-u der va te r l ä n d i s ch e n Begründung dieses

Spargebots kommt noch eine andere, welche die bemittel­teren Kreise niemals vergessen sollten. Es gilt, sich immer wieder die soziale Bedeutung des Bvot-Spargebots ein- zuschärsen. Was die reicheren Kreise an Brot mehr ver­brauchen, als sie unbedingt nöttg haben, entziehen sie den unbemittelteren Klasse::, lvährend umgekehrt jede Brot­marke, die »gespart wird, auf indirektem Wege wieder der arbeitenden Bevölkerung, besonders den schwerarbeitendcn Personen, zugute kommt. Häufig ist es in letzter Zeit vor- gelommen, daß die Konsumenten sogleich beim Wochen­beginn einen gvoßeir Teil ihrer Brotmarken in Brot um­setzten und dann mehr verbrauchte::, als ihnen zukam. Durch­aus zutreffend ist es, wenn in der Netten Badischen Landes­zeitung vom 9>. März 1016 gegenüber einer solchen, ein­wandfrei fest gestellten Brotmarkeu-Berschwendung gesagt wurde, ,chaß alle diejenigen, die so unvernünfttg wie oben geschildert verführen, sicl: am Wähle ihrer anderen Mitbür- ger versündigten, die sich ihre Brotmarken überlegt ein­teilten und doch schließlich wegen der llnkl::gheit und Un- 'bescheidenheit der Berschwe:ü>er ihr tägliches Brot :richt be­kommen könnten".

Auch diese soziale Seite des Spargebots hat ihren Zw samnienhang mit der oben erörterten Frage der Brot­getreide-Reserve. Denn wenn auch an erster Stelle die Not­wendigkeit steht, da ß:vir mit dem Brote reichen, so steht doch unmittelbar an zweiter Stelle die Frage, wie wir mit dem Brote reichen, lind für die Lösung dieser letzten Frage wird es immer wichtig bleiben, daß wir die Vorräte nicht überschätze:: und uns nicht zu einer Sorglosigkeit im Brot- verbranche verleiten lassen, welche immer letzten Endes die Verteilung der vorhandenen Vorräte ungünstig beein­flusse:: müßte. Die vorhandene Brotgetreide-Reserve muß daher den Ansporn bilden, durch immer weitere Erspar­nisse in: Verbrauche nicht nur unsere Brotversorguug im Kriege sicherzustellen, sondern sie auch in zunehmender Weise zu verbessern und^u erleichtern.

Urieg und Geburtenrückgang

eine Mahnung für Deutschlands Zukunft.

Gießen, den 3. April.

Am Donnerstag abend hielt Bros. 2r. E. Opitz, als Ver­treter des Rhein-Mamachen Vereins für Dcvöllerungspolilik einen Vortrag, der sich mit der drohende:: Gefahr des Geburtenrück­ganges beschäftigte.

Nach einer kurzen Einleitung, in der es der Vortragende als Pflicht der im Kriege daheim Gebliebenen bezeichnet, für Gesund­erhaltung unseres Volkes zu sorgen, besprach er teu Verlauf der Bevölkerungsbewcgung in den letzten Jahrzehnten. Seit den: Jahre 1001 hat der vorher nur ganz geringe Rückgang der Ge­burtenzahl sich beschleunigt, so daß mir jetzt im Durch­schnitt des Reiches mir noch 283 Ge butten auf 10 000 Einwohner haben, während die entsprechende:: Zahlen in de:: 70 er Fahren und tarrficr um 400 herum sich bewerten. Gleichlaufend uni diesem Rückgang der Geburtenziffer rst aber die Sterbeziffer sehr erhälich herabgesetzt worden, so daß vorläufig bis zuin Kriege uns noch jedes Jahr ein beträchtlicher Ueberschuß an neuen Leben geblieben ist. Die Heiratsziffern haben keine »vesentlichen Aenderungen erfahren. Der bisher' noch immer vorhandene Ge­burtenüberschuß hat es verhindett, daß der Ernst der Lage in der richtigen Weise überall ersaßt wird. Heute aber, wo der Krieg uns ungeheure Menschenopfer auferlegt, ka:m kein Zweifel mehr darüber .sein, daß die Erscheinung des Geburtenrückganges von ungeheurer Bedeutung ist. Bei Fortgang der rückläufigen Bewegung würde uns das Schicksal des Unterganges, wie es Griechenland

und das römische Reich erlitten haben, nicht erspart blechen. Es gilt also diese Bewegung zum Stillstand, womöglich zur Um­kehr zu bringen. Dazu muß man die Ursachen des Bevölkerungs­rückganges kennen lernen. Nach statistischen Darlegungen kommt der Redner zu den: Schlüsse, daß hauptsächlich folgende Umstände au: den Rückgang der Geburten eingewirkt haben. Tie veränderte wirtschaftliche Lage und die Rationalisierung des Lebens, d. h das Eindringen wirtschaftlicher und anderer Berechnung«: auch in die Regelung der Kinderzahl, das Ueberwiegen der Rücksicht au: Okld und Msitz gegenüber der idealen Auffassung des' Familien­lebens, der zunehmende Materialismus, die gesteigerte Genuß- sucht, die Hand in Hand geht mit eine::: Verschwinden der Reli­giosität. Tie tiefste Ursache liegt vielleicht an dem Mangel an freiem Land für die Bevölkerung des Reiclies. Auf Grund dieser Erkenntnis läßt sich mit Aussicht auf Erfolg dev Kampf gegen den Geburtenrückgang organisieren. Er wird schwer sein. Indes, darf die Erfolglosigkeit ähnlicher Bestrebungen im Altertum und' in Frankreich und in anderen Ländern nicht zum Pessimismus' führen. Wenn die Frage von möglichst vielen Seit«: in Angriff genommen wird, so werden sich,'wenn auch :ncht von heute au: morgen, so doch sicher in einiger Zeit Erfolge erzielen lasse::. Borbedingmzg dafür ist, daß die Erkenntnis des Ernstes der Lage in die weitesten Volksschichten cindringt. .

Die Mittel zur Bekämpfung lassen sich unter leitende Gesichtspunkte bring«:. Es handelt sich um Erhaltung und Kräftigung der Geborenen, um den Versuch, die Aufbringung eines zahlreiche:: Nachwuchses auch wirtschaftlich votteilhaft zu gestalten, um die Aufklärung des' Volkes und Zurückführung zu idealer religiöser Lebensauffassung und eine entsprechende Er­ziehung der Jugend, schließlich um die Oiewinnung von Neuland. Es werden dann im einzelnen die Vorschläge kurz besprochen, die nach dieser Richtung wirken können. Es seien hier nur folgende kurz angeführt: Vermehrte Sorge für die Neu­

geborenen und den älteren Nachwuchs. Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten vor allem durch Herabsetzung des durchschnittlichen Heiratsalters. Schorfe Mittel gegen die Feil- haltuug und Anpreisung empfängnisverhütender Mit - t el und der n eu ma l t h'u s i a n i sdjier Scbr i ften. Wirt­schaftliche Maßnahmen bestehend in Aenderungen der Be­amt e n g e h ä l t c r , z. B. der Kürzung des GehatteS der Jung­gesellen, und Einführung von Kindertagen statt Alterszulagen, Gewährung von Erziehungsbeihilf«: an nnrtschoftlich schlecht ge­stellte Eltern von zahlreichen Knrdern. Für diese letztere Maß­nahme muß auch noch der Gesichtspunkt ei:«r Auslese der Tüchtigen maßgebend sein, die darin zu besteh«: Hütte, daß die Gewährung der Beihilfe an die Bedingung geknüpft wird, daß der Nachwuchs ein gewisses Atter erreicht hat und nickst mit den: Strafgesetzbuch in Streit gerät. Weiter wird besprochen eine Aus­gestaltung der Arbeiterlöhnung und der Steuergesetz­gebung. Weiter die Beschränkung der Bereck-tigung, über den eigenen Nachlaß zu verfingen, ans L«:te, die Kinder hinterlassen. Bevorzugung der Verheirateten bei Anstellung uni) schließlich äußerliche Auszeichnungen der Eltern, die zahl­reiche Kinder I^afren, durch Titel und Z u s a tz wa h l sti mm c n für das politische Wahlrecht. Weitere Mittel war«: die Verbreitung der Wettschätzung des HausfranenberufeS als des wettvollsten und wichtigsten Berufs gegenüber allen anderen irnd die Ausbildung der Heranwachsenden jungen Mädchen zum Hausfrauen beruf und zur Kindererziehung. Mit das Wichttgste bliebe die Gewinnunq von Neuland, um Ramn zu schaffen für den Nachwuchs und die Ernährung des Volkes ans eigenen NÜittedr sicher zu stellen.

Die Ausgestaltung der einzelnen Mittel muß natürlich der Zukunft überlassen bleib«:. Was vorgebracht wurde, ist mrr An­regung Au eigener Gedankenarbeit auf diesem Gebiete. Vor allen Dingen muß sich die Ueberzeugung durchsetz«:, daß mrr ein zahl­reicher und gesunder Nachwuchs uns die Erhaltimg von Staat :md Volk sichern kam:. Wem: diese Ueberzeugung sich durchsetzt, dann ist auch kein Zweifel möglich, daß noch in den fernsten Zeiten ans freiem valerländisckMn Boden zum Schrecken unserer Feinde der Gesang erschallen wirdDeutschland, Deutschland über alles."

Gietzeirer Stadttheater.

Logierbesuch.

Schwank von Fritz Friedmann-Frederich.

lieber die mrunrstößliche Selbstverständlichkeit, daß Logicr- besuch für beide Teile, den Besuch Und d«: Gastgeber, höchst unangenehm werden Tara:, zunml, wenn Mexikaner und Deutsck)e, Sonderlinge und Käuze dabei zusammentreffen, einen dreiakttg«: Schwank zu schreiben, erfordert weniger Geist als Witz. Und dieser Witz braucht nur au: die allergröbste Art die Charakter- Puppen d:rrcheinanderz:rwu.rfeln, un: forr tollsten Situationskomik sicher zn geh«:, und die erhoffte Wirkung zu erziel«:. Auf diese Art wurden die drei Me, ohne eigentlichen Aufbau :rnd ohng eigentliche Handlung, mit kaleidoskopartig wechselnden Bildern gestillt, die ganz amüsant zu sehen sind und den Vorzug haben, kein«!« Ansprüche an Verstand oder Gemüt zu stellen. Ob solche Stücke aber gerade dazu angetm: sind, geschinackbildend zu wirken? Fe man, es gebt gqgSn Eiche der Spielzeit. Wir >vollen darum nicht rechten. Unter Betticksicküigrmg der besonderen Verhältnisse ist in der mm benurhe verflossenen Spielzeit viel Wertvolles ge­leistet worden. Mag darum auch einmal die leichte Muse cttvas stärker sich vordrärwfttn. Sie tat es ja so, daß ihr Inhalt dirrch die Darstellung ausgeglichen wurde.

Fast das ganze Personal war l>esckiäftigt, und ein Eifer wurde an d«: Tag gelegt, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre. Dem Schwarck kan: das natürlich zugute. Auf die einzelnen Lei­stung«: näher einzugehen erübrigt sich, da sie im wesentlichen kaum von dem Gewohnt«: abtvichen. Besonders hcrvorzuhebcn sei nur Hertha Zondervan, in der Hauptrolle als Frasguita Linse­mann, die das ganze Stück vor dem AwSeinanderfallen bewahrte. .Hertha Zondervan setzte sich ff'ir die hübsche Mexikanerin mit einen:' 'Aufwand vo« rassigen: Temperament ein, der kaum i'lberboten wer- dcm. konnte. Das Tantsche radebrechte siebesaubernd" und schuf so eine einheitliche Leistung, die nichts zu wünschen übrig ließ.

Die Vorstellung leitete Obcrspielleiter Walter Dworkowski in dem vielen Auf und ?lb der Darsteller mit straffer Hand, so daß keine unliebsamen Lücken und Störungen entstanden. Auch die

Bühnenbiider waren ansprechend gewählt. zz.

*

vannftädter Cheaterbries.

rb. Darmstadt, 31. März.

Das Darmstädtcr Hoftheater bot nnS am heutigen Abend abermals d«: Vorzug einer O Per n - Urauffii hrung und zwar die dreiaktige OperDer Richter von Kafchau" des allbekannt«: Kölner Theaterkritikers und Vfufiffchriftstellers Pros. Otto Ncitzel. Er, der soviel andere Komponisten schon seit langer Zeit unter die off recht kritische Lupe genommen und manche HoffiLing ausgehender Talente in: Reich der Töne'entflammt, ge­nährt oder auch zerstört hat, ist nun mit seinen: neuen Werke wieder selber einmal vor den Richtcrstuhl der Kritik getret«:. Und da es fick: um einecause celebve", um einen wirklichinteteffanten Fall" handelte, so war«: die Richter auch aus den verschiedensten

Teilen des Reiches sehr zahlreich herbeigöeüt, denen sich als Bei­sitzer auch eine stattliche Anzahl von auswärtigen Theaterdiaektoren anschloß. Ter Kritikerkoinponist hat den Vonvurf zu seinem Musik- dvama der gleichnamigen Novelle von Mmrrus Iokai entnommen, und Text mid Vertonung selbst geschaff«:, nste das ja in imserer Zeit von literaturbewand«t«: K'on:vonisten niaugels guter Li­brettisten sehr häuffg geschieht. Er hat aber die Novelle Jokais auch recht glücklick) umgestaltet :n:d den agierend«: Personen zum Teil' ein ganz anderes Gepräge gegeben. Nach 5dokai spielt die Handlung im 14. Jahrhundert: er läßt die .Katerina, die Tochter der Hexe", den Bürger Josef Sandor ehelich'«:, dem sie unmittel­bar nach« der Hochzeit anvettrantt, daß sie von den: inäckstigeu Richter von KasckM:, Michael DoraneziuS, vergewaltigt Word«: sei. Sandor zieht darauf von dannen, und .Katerin endet, von DoraneziuS des KmdeSmordeS beschuldigt, auf den: Scheiterhaufen, wie dgS ja zu jener Zeit nicht nur in der königlichen Freistadt Kaschau so Sitte war. Otto Nertzel^ stellt dageg«: die Katerin als Muster von Rechtschaffenheit dar. Sie wird von Josef Sandor als Braut erkor«:, dem sie einst als Schwer verwundeter n: der

Schlacht das Leben rettete. Der nenernannte Richter von Kaschau entbrennt ff: Liebe zn ihr und benutzt die Mwesenl-eit Josefs in: Kriege, un: unter dessen Maske bei ihr einzudriugen.:e mehr zufällige Wendung des Gesprächs «rthüllt d«n Zurückgekehrten in der Wonne des Glücks die Sch-anotat des Richters. Katerin ist zwar unschuldig an dem Betrug, fühlt sich aber unwert, dem remeu Josef anzugehören und ersticht sich ^gerade in der Stirn.de, in der ihr Verlobter zum Richter von Kaschau ernamtt worden ist.

Was der Musikdvamatiker mit dem ihm zi:sagenden Stoff an- fangen kann, wurde durchs dieses Werk eklatant erwiesen. Denn obwohl gerade die Musik mit ihren einfachen Anlehnung!«: an Meyerbeer und Richard Wagircr des Besonderen nicht allzu­viel bietet sie erscheint uns auch stark geistesverwandt mit Felix v. Weingartners neu hier aufgeführt«: Werken, so ist es doch! die eben opernhaft toirksame, der diskreten Lvrck :md Rührung nicht entbehrende Handlung, das Buch dieser Oper, das zunäckfft den Erfolg beim Publikum erzielte, der bereits nach dem zweiten Akt scharf auf das Wesentliche zuschreitet, in starkein Beifall zun: Aus­druck kan:. Und hätte nicht die Vettretung Mehrerer HaUptpatti«: mit Ar^nahme von Joseph Mann (Sandor) mairches zu wünschen übrig gelassen, dairn wäre für d«: aug«:blicklich«r Erfolg jedenfalls noch rin gnustigiweS Ergebnis erreicht worden. Vor all«:: mußte die Partie der Katerin noch im letzten Augenblick an Stelle der KlUnMerfängerin Sckr-elper Frl. F c i st l c übernehnien, und unter Berücksickstigung dieses Umstandes fand sie sich a:ch sehr gut dcmnt ab, während Robett Perk ins als Vertreter der Titelrolle eS an der erwünschten schärfer«: Charakteristik fehl«: ließ. Hofkap.'llmeister Paul Ottenheim er brachte die Partitur sehr temperamrntvoll zur Geltung. Das girt besuchte Haus auch ic Frau Großherzogin war zUgeg«: bereitete dem inter­

essanten Werk ein«: warmherzig«: Erfolg und zeichnete auch den anwesend«: Konrponiften mit häufigen Hervorrufen aus. fr. b.

ch-

Die Uraufführung der Korngold-Opern im Münchener Hoftheater. Aus München wird uns ge­schrieben: Im Münchener Hoftheater gelangten zwei Opern zur llranffnhrnng, die der heute 18 Jahre alte Wiener Musiker Erich Wolfgang Korngold mit ^16^ bezw. 17 Jahre komponiert hat. Ueber die Sensation: dieser Tatsache einer Wunder- kmdprvdnktim: hinaus erwiesen sich b«de W«:ke als sehr beachtcns- wette Opern, deren Komponist sich als genial begabter, aussichts­reicher Musiker vorstellt. Für die erste OperBiolanta" schttcb der Wiener Hans Müller ein«: romantischen Text, der ttich ist an dramatischen Szen«: und ebenso reich an vpernhaften Unwahrscheinlichkeiten: Biolanta beschwört ihren Gatten, einen venezianischen Hauptmann, d«n sie sich aus Schmerz über den Tod ihrer Schwester versagt, denBerstihrett' der Schwester zu erinorden. Ter Jüngling, Alfonso, kommt zu d«n verderblichen Stelldichein, lwi den: Biolanta stihlt, daß sie d«: Todgeweiblrm liebe. Den Dolchstich des Gatten fängt sie selber <n:f und stirbt. Korngolds Musik ist originell in ihren Einfällen, deren Bizarrheit bisweil«: an Richard Strauß erinnern. An dicf«n Meister scheint der jimge Konivonist auch seine Jnstrmncntationstechnik. die er iit geradezu genialer Weise beherrsclst, gebildet zn haben. Ueberraschend ist mM. seine Sicherheit im szenischen Aufbau: Jede Situation erscheint in der Farbe seines Zeitnwtives in eigener Kraft. Wie Korngold dramatische Szenen zu steigern und über pathctisck)en den Bogen der Töne sick>er zu runden versteht, das alles zeiigZ von einer Ueberlegenheit, der man daS Alter des Koinponisten nicht glaub«: will. Ter pathettsch-dramattsä>enBiolanta" folgte ein entzückendes Scherzo, das früh biedermeierlich gewandte Lustspiel Der Ring des P o l^i kra tes", dess«: sehr glücklich erfun­dener Text von Heinrich Tewel es stammt: Ein schwarzschender Freund, Pechvogel von Beruf, ist über das Glück seines jungvcr-, heirateten Freundes bestürzt :md rät ihm. sowie einem nicht minder glücklich verlobten Notenkomponisten, dem Glück ein Opfer zu bringen und mit der geliebten Frau einer: Streit von: Zaune zu brechen. Kurze Zeit lebt das LiebeSauattett wie in Zwietracht, aber bald klätt sich der Irrtum und als Opfer fürs Glück wird der guttatende Freund nur: an die Lust gesetzt. Dieses Stückchen «erhielt von Korngvld eine entzückende Musik, die von Laune und frischem Humor übersprudelt. Erscheint die Violanta-Partitur schwcr :md wuchttg, so ist hier eine an Mozart erinnernde An­mut am Werke. Duette und Quartttte von eleganter Fröhlichkeit bereiten d«n Hörer erlesene Genüsse. In d«Biolanta" liebt Kvrngold die ln::sikalische Untermalung, a«: Lustspiel lvirkt die Leichtigkeit, Freiheit, Bttvegimg in übersprudelnoer Lust.

Die Aufführung war unter Walters Leitung hervorrag«id. InBiolanta" gab es szenische Bilder von berückender Schönluit, als es in den ersten m:d letzten Bildern den Eindruck eines reis ma­nischen Karnevalfestes zu vermitteln galt. DaS voll besetzte .Haus applairdierte nach jeden: Stticke reichlich und rief d«: Kompounttn, der sich oft vor der Rampe vnmeigen durfte. R. R