Ausgabe 
1.4.1916 Zweites Blatt
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

nt. 78

Zweiter Statt

M. Zahrgang

tjjdftmi iSßVch mfi WnSottSftnt des SonrttagS.

L«Siehener F<muü«id!stter" werden dem ^Ar^eiger" tuetmai wöchentlich beigelegt, das ErdtH frt ffe dev Kreis Hirtzen" zwenna! wöchentlich. Die .^Landwikttchastlichrn Zeit fragen" erscheinen monatlich zwelinal.

Gietzener Anzeiger

Semral-Anzeißer für Oberhessen

Zamrtag, \. April Mb

Rotatiorrs druck und Verlag der Brühl'fchen Universuäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

SchriiUeitnng, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul- straße?. Geschäitsstelle m Verlag: ^-UAöl, Schrift- leitung: «^112» Adresse für Drahtnachrichten.- Anzeiger Gießen.

ki

Eichhorns goldenes Militärjubiläum.

(Zum 1. April.)

Sie sehen in mir von unglücklichsten Mann der ganzen Armee", so äußerte sich in den ersten Tagen des Monats Au Aust 1914 ein in dem herrlichen Luftkurort Badenweiler seiner langsamen Genesung entgegenharrender Kranker zu seinem Freunde. Wie ein schwerer Seufzer rangelt sich diese Worte dem kranken General von den Lippen, der durch einen Beinbruch mit nachfolgender schwerer Lungenentzündung an das Krankenbett gefesselt worden war und nun, während auf den Schlachtfeldern in Ost und West die eisernen Wiirfel fielen, seinem über alles geliebten Berus immer noch fern- gehalten wurde. Es war Generäl von Eichhorn, einer der bedeutendsten Lehrmeister der deutschen Armee. Aber auch für ihn sollte, ebenso wie in jener Zeit für Marschall Hindenburg, bald der Tag des Wirkens kommen, wo feine wiedererlangte Felddienstfähigkeit -ihm gestattete, sich dem obersten Kriegsherrn zur Verfügung zu stellen. Eine glänzende Laufbahn hatte er bereits hinter sich, als er Ende 1914, zunächst als Gast des 3. Armeekorps, da ein passendes Kommando augenblicklich nicht frei war, ins Feld zog. Als Achtzehnjähriger war er am 1. April 186 6 als Fahnen­junker in das 2. Garde-Regiment zu Fuß eingetrcten. .Im Feldzug 1870 erwarb er sich das Eiserne Kreuz zweiter .Äasse. Er machte damals die Belagerung von Straßburg mit, hatte rühmlichen Anteil an der entscheidenden Abwehr des feindlichen Ausfalles am 2. September uud beteiligte sich nachher auch an der Belagerung von Paris. 1876 nmrde der damalige Premierleutnant zum Großen Generalftab kommandiert. 1877 bis 1879 sehen wir ihn als Halft) ttnann und Adjutant der 60. Infanteriebrigade, damals in Metz. Dann kam er zu seinem Regiment zurück, dessen 12. Kom- paguie er bis 1883 befehligte. Seine große Begabung führte ihn zu immer höheren Ehrenstetten empor, bis er am 1. Mai 1904 zum Kommandierenden General des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. ernannt wurde. 1913 wurde er General­oberst und Generaliuspekteur der neuen 7. Armeeinspektion in Saarbrücken. In den letzten Tagen des Januar 1915 wurde er zum Oberkoinmandierenden der 10. Armee ernannt.

In frischer Erinnerung stehen noch seine Verdienste um den siegreichen Verlauf der W i u t>e r f d) l a d) t in M a suren, um den Siegeszug von der Grenze bis weit in Feindesland, bis zuni Einzug in Wilna. Ausdrücklich er­wähnte ein amtlicher Tagesbericht über die Masuvenschlacht, daß die von Hindenburgmit alter Meisterschaft geleiteten Operationen von Generaloberst von Eichhoru und General der Infanterie von Below in glänzender Weise durch ge führt" wurden. Der Kaiser, der die strategischen Fähigkeiten des Generals von Eichhoru stets besonders hoch einschätzte, hat dem ausgezeichneten Feldherrn den Orden Pour le merite CKowno) und das Eichenlaub zum Orden Ponr le merito üWilna) verliehen. Den schwarzen Adlerorden hat er bereits «rm 1. Januar 1912 erhalten. Dabei ist dieser Mann der 'kriegerischen Erfolge durchaus kein einseitiger Militär, er ,besitzt, ein würdiger Enkel des Philosophen Schelling, eine universale Bildung, die durch sein besonderes Interesse für die Klassiker und die moderne Literatur eine persönliche Richtung erhält. Wer ihn je an festlicher Tafel als Redner hörte, bezeugt gern, daß es ein großer Genuß ist, ihm zu -lauschen. Mit dieser vielseitigen geistigen Regsamkeit vereint sich eine Herzensgüte, die atte zu ihm hinzieht, die mit ihm in Berührung kommen. Man darf hoffen, daß es dem be­deutenden Feldperrn, dem bewährten Mitarbeiter Hinden- burgS, noch lange vergönnt sein wird, derselben Frische und Elastizität unter uns zu weilen, die ihn heute ans- zeichnen!

hessische Erste llammer.

Darmftadt, 31. März.

Am Regiernngstisch: Staalsminister Dr. v. Ewald, Mi­nister des Innern v. Hombergk, Präsident Dr. Becker, Staatsrcrt Süffert, Ministerialräte.

Präsident Fürst Solms-Hohensvlms-Lich eröffnet die Sitzung um 10V? Uhr.

Die Kammer genehmigt zuerst das vom Bureau der Kcunmer festgestellte Danktelegramm an den Großherzig, welches lautet:

Ew. Kgl. Hoheit dankt die Erste Kammer allernntettänigst für die gnädigsten Grüße aus dem Felde.

Mit Stolz und Freude haben wir Ew. Kgl. Hoheit Mitteilung über die glanzvollen Leistungen unserer hessischen Truppen ent- gegengenommen. Wie sie draußen süm Felde Mr das geliebte deutsche Vaterland ihr Bestes hergeben, so versichern wir Ew. Kgl. Hoheit, auch zu Hause in treuester Pflichterfüllung und Gewissenhaftigkeit mit zu raten und zu taten zn unseres Vaterlandes Nutzen und Segen."

Das Haus setzt darauf die

Beratung des Staatsvoranschlags fort. Der Präsident verliest zunächst einen neuen Antrag des Aus­schusses zn Kap. 23. Ter Llntrag lautet:

1. In Uebereinstimmmrg mit der Zwecken Kammer Grosch. Regierung zu ersuchen, die Trennung der Arbettsgebiete der Mini- sterialabteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe zu voll­ziehen, die Geschäfte eines neuen Ministerialrats jedoch bis zum ersten Friedensvorcmschlag provisorisch verwalten zu lassen.

2. Großh. Negierung zn ersuchen, mit Rücksickst aus die vorge­sehene Teilung der Arbeitsgebiete der Ministeriälabteillmg für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe den Vcreinsachungsausschuß tunlichst bald zn berufen, um zu beraten, in welcher Weise durch Zusammenlegungen und cmdere Zuteilung von Referaten inner­halb der Ministerien Ersparimgen eintreten könnten.

3. Unter Abänderung der Zahl der Ministerialräte ans vier Und der Hilfsarbeiter auf sechs (unter Berücksichtigung des bei Ka­pitel 73 bewckligten Staats kommisscrrs bei der Zenttalkassc der hessischen landwirtschaftlichen Genossen schäften) 14 001 Mart in .Einnahme und 362 018 Mark in Älusgabe zn bewilligen.

Minister v. Hombergk gibt hierzu die Erllärung, daß die Regierung nrit diesem Anttag einverstanden sei. Ter Antrag ge­langt alsdann zur Annahme.

Das Hauptkapckel 10 behandelt den Etat des Ministers der Finanzen. Die Kap. 09103 werden debattelos geneh­migt. Bei Kap. 104, Brücken und Ueberfahtten, bringt

Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Erz., eine Beschwerde der Gemeinde Stockstadt a. Rh. zur Sprache, in welcher über die Ver- schLammung des dottigen Rheinlanfs Klage geführt und uni Ab­hilfe ersucht wird. Ministerialrat Dr. Kratz entgegnet, die Re­gierung- sei schon seit längerer Zeit mck eurer Prüfung der Sache beschäftigt, sie habe auch bereits eckr Projekt darüber ausgearbeitet, durch welches die Nachteile für die Gemeinde Stoctstadt behoben ' werden würden.

Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Exz., dankt für die Mck- leckung und bittet uin baldige Ausführung der Maßnahme.

t Das Kapitel wird darauf bewilligt, ebenso die folgende bis 116,e r häl tnis zum Reick.

Staatsminister Dr. v. Ewald erklärt zu diesem Kapitel, daß die Regierung dem von der Zwecken Kammer angenommenen An­trags Tr. Osaim aus Nichtzulassung auswärtiger Vertreter am Großh. Hofe nicht zustimmen könne. Die Regierung halle den Zeitpunkt noch nickt für gekommen, diese Frage zu entscheiden. Es seien in Deutschland 16 fremdländische Vertreter vocl>andeir. Tie englische Gesandtschaft in Hessen bestehe schon seit dem Jahre l847^ und war anfangs mit dem Deutschen Bund und dem Sitz in Frankfurt verknüpft. Tie russische Vertretung wurde schon 1838 errichtet und ist seit 1890 mit einem Ministerresidenten besetzt. Es müsse doch zunächst abgewarret werden, ob nach dem. Kriege die englische oder russische Regierung uod) den Wunsch zu erkennen geben iverdcn, durch eine Gesandtschaft vertreten zu sein. Man könne vorerst noch gar nicht übersehen, wie sich nach dem Kriege die Verhältnisse gestalte werden. Bei Durchführung des Antrags' Tr. Osann ivurde die Regierung, selbst wenn alle anderen 15 auswärtigen Gesandtschaften wieder eingeführt würden, nicht in der Lage sein, auch die 16. wieder einzufühvcn.

Gras zu Stvlbcrg-Roßla schließt sich diesen Ausfüh­rungen an, da man die rnmmenbc Ordnung der Verhältnisse: nicht übersehen könne.

Frhr. Hehl zu Herrnsheim Erz. bittet, dein Anlrag des Ausschusses zuzustimmen, der denl Antrag Tr. Osann nur unter der Voraussetzung zustimmt, daß auch bei den anderen Bundesstaaten eine Beschränkung in der diplomatischen Vertretung cintritt. Mit der Annahme des' Ausschußantrags werde die Stel­lung der Regierung nicht vvHndiziett. Es wird auch Sache des Reiches fein, zu. entscheiden, ob es noch länger von Gesandten solcher Länder sich vertreten lassen will, die das deutsche Volk auszuhungern trachteten.

Staatsniinister Dr. v. Ewald bemerkt, daß nach seiner Aus- sassung auch durch die Fassung des Ausschußantrages die freie Entschließung der Regierung immerhin präjudiziert werde.

Frh. H e Y l z u Herr n shei m >Exz. lenkt alsdann die Aus- merksamkeil der Regierung aus die Beschlußfassung der Reichs­tagskommission über die Abänderung des Verein ge'etzes uird bittet, den hessischen Vertreter im Bundesrat zu beauftragen, dieser Ab­änderung nicht zuzustimmcn. Es hrndelt sich um die Bestimmung über jugendliche Arbeiter u. a. nt. 9!ach. den Beschlüssen der Kom­mission würde die nächste Konsequenz sein, daß in allen Berufs­vereinen jugendlicher Arbeiter zugelassen würden, die bisher davon ausgeschlossen waren. Mit dem Eilckritt jugendliaicr Ar­beiter von 18 Jahren würde aber eine scharfe Agitation eintreten und Gegensätze in den Bernfsoereinen hervorgerufen 'werden. Die Berufsvereine haben sich aber mit diesem Beschluß des Aus­schusses noch nicht einverstanden erklätt, sondern auch rwch die Zulassung der jugendlichen 'Arbeiter auf dem Lande, Dienstboten u. a., man habe also gleich die ganze Hand nehmen wollen. Ganz verkehrt sei auch der Beschluß des Ausschusses über die Zuge­ständnisse betteffs der polnischen und französischen Sprache. Die in Berlin geinachten Zugeständnisse gehen von der Ansicht aus, daß Wan in Rücksicht auf eine gewisse veränderte Haltung solche Zugeständnisse mack>en müsse. Diese haben aber diejenigen, für die sie bestimmt sind, verletzt und die andern iiidjt befriedigt. Selbst in der demokratischen Scksiwei; geht Man nickt so Ivcit, wie es der genannte Ausschuß getan habe. Mail sollte in der Jetztzeit mit allen derarttgen Maßnahnren warten. Die draußen ckn Felde stehenden Truppen bildeten eine einzige große Kette, und inan dürfe erwarten, daß sie auch bei der Neuorientierung der deutschen innereil Politik eiü Wott mitzusprechen haben.

Geh. Rat Pros. Dr. Leist erllätt, daß er sich nach seiner Kenntnis der Verhältnisse den Darlegungen des Herrn Vor­redners nur vollkomuren anschließen könne. So schwierige Fragen, wie die von dem Reichstagsanssckmssc behandelten, sollten im der jetzigen Kriegs zeit überihanpt nicht beanckuottet werdvn.

Frhr. Hepl zu Herrnsheim Exz. betont noch, es handle sich darum, daß ein Ausnahmegesetz gemacht lverden soll ftir diejenigen Vereine, die nicht Bernssvererne sind. Durch diese Beschlüsse des Ausschusses werde eine gleichmäßige gereckste Hand­habung des Bereinsgesetzes verlassen.

Das Kapitel ivird daraus nach denr Ausschußantrag geneh­migt. ebenso die Jcestkapitel des Verwaltungsetats. Die Kap-ckel des Vermvgensteils werden gleichfalls ohne ')lussprache angenom­men imd das Fil'.anzgesetz nach den Beschlüsseil der Zweiten Kamnrcr angelwmmen. Es folgt nun die Berattnlg der übrigen Regierungsvorlagen. Die Regierungs-Vorlage betr. den Gelände- ankauf für die Larrdes-Heit- und Pflegeanstolt Alzey wird geneh­migt, desgleichen die Vorlage über die Lief?rimg von Futtern schrot und sonstigen Futtermitteln zum Abschluß vou Schweine- mastverträgen. Tie Regierungsvorlage betr. die Anstellung der Volksschullehrer wird vom Geh.-Rat Prof. Koch kurz begründet imd nach einigen Ausführungen des Staatsrates Süffert genehmigt.

Tie Beschlüsse der Zweiten Kammer über Maßnahmen zur Volksernährung und andere wirtschastliche Fragen aus Anlaß des Krieges werden zur Kenntnis genommen.

Nackdera noch durch den Schriftführer der Voranschlag über die Ausgabebedürsnisse der Ersten Kammer im Rechnungsjahre 1916 zum Vottrag gebracht und genehmigt worden ist, ist die Tages­ordnung erledigt.

Es tritt darnach eine kurze Pause ein. Nach Wiedevausnahme der Sitzung teilt der Präsident mit, daß die Zweite Kammer dein neuen Antrag des Hauses zu Kapitel 23 beigetteten sei, beim Kapitel 38 jedock) aus ihren Antrag in Betreff des Anttags Münch über die Kriegsprimaner beharre.

Ta weitere Beratungsgegenstände nicht dorliegcn, vettagt der Präsident das Hans mrs imbestimmte Zeft. Schluß der Sitzunq 12V2 Uhr.

Hessische Zweite Uammer.

Darm stadt, 31. März.

Am Regieruilgskische: Staatsrccke Süffert und Höl-

zinger, später Staatsmiurster Dr. v. Ewald, Geh. Ober- fiiranzral Dr. Roh de u. a.

Präsident Köhler eröffnet die Sitzung Um 11.30 Uhr.

Als erster Gegenstand der Tagesordirnng stehen Rückäuße- rungcn der Ersten Kammer.

Ter Vorsitzende des Finanzausschli.sses, Dr. Osann (natl.) berichtet über die Anträge dos Ausschusses und teilt mit, daß mir noch Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf zwei Anttäge mit der Ersten Kammer bestehen. Die erste beziehe sich: aus Kap. 23 (vergl. den Bericht über die Sitzung der Ersten Kammer). Hierin empfehle der Ausschuß Beitrckt zum Bc'schlnssc des anderem Hauses. Die Kummer beschließt demgemäß, ölcgenüber dem abweichenden Beschluß der Ersten Kammer zn Kapckel 38, Gymnasien nsw., hinsichtlich der Lusainmenlegung der Darmstädtcr Gymnasium und des Lkntrags Münck) beanlragt der Ausschuß dagegen, bei dem früheren Beschlüsse zn verhorren. (BeifallO

?lbg. Münch (natl.) rechtfertigt nochrnials eingehend feilten Anttag betreffs der Kriegsprimauer

Staatsrat Süffert erklätt, er könne nicht finden, daß den Kriegsprimanern ttwas' Unrechtes gesckiohl', da chnon berecks \ Jahre geschenkt worden sei. Eine Bes-ohnnmg aut einem ganz anderen

Gebiete mÄssc er ablehneu. Am Nachweis der wissensck-astlichen Reife für die Universität müsse man unbedingt festhalten. Das schließe jedoch nicht aus, daß besondere Verhältnisse gebührend­berücksichtigt würden. Dazu kommt das Vorbild Preußens, von dem wir in dieser Sache abhängig seien.

Abg. Molt Han (Ztt.) bedauert, daß Hessen nicht die .Kon­zessionen machen wolle, die Bayern gemacht l>abe. Auch beklage er die ablehnende Haltung der Regicrrmg zur Zusammenlegung der Tarmstädter Gymnasien. Die Erste Kammer sei diesmal wenigstens den Wünschen der Zweiten Kammer in gewissem Sinn entgegengekommen. Er bitte um Beharrung aus 'dem gefaßten Beschlüsse, namentlich mit Rücksicht aus die Vereinfachung der Staatsverwaltung.

Staatsrat Süffert bestreitet, daß die Regierung sich völlig ablehnend verhalte, sie halte nur den gegenwärtigen Augenblick noch nicht für geeignet. Es handle sich darum, einer Legenden-, bildung cntgegenzntteteu.

Abg. Adelung (Soz.) ist der Meinung, daß man die Kriegsprimaner ja nicht belohnen wolle, sondern man wolle sie bloß vor einem Nachteil bewahren. Den ablehnenden Standpunkt der Regierung begreife er nicht.

Abg. Tr. Osann (natl.) unterstützt diese Ausführungen und betont das Vorgehen der anderen süddeutschen Staaten. ^

Staatsrat Süffert antwortet den, Redner, wobei er zugibt, daß Bayern und Württemberg Zugeständnisse gemacht hätten, jcdock betont, daß diese Staaten ihre Auffassung noch einmal nachprüfen wollen.

Abg. .Urstadt (Frcis.) tritt für den Ausschuß«nttag und den Anttag Münch ein.

Abg. v. Brentano lZtr.) nnterstteicht für seckrc Partei, das- sie jedes Wott des Abg. Acünch unterschreibe. Leider fehle es an jedem Entgegenkommen der Regierimg. Im weckeren wendet sich Redner gegen verschiedene Äcußerungen des Regckrungsvettre- ters, der insofern inkonsequent sei, als er allerlei AusnalMen nrachen wolle. Das beweise eben die Unhaltbarkeit des Recfterungs- standpnnktes. Man solle sich nicht an das preußische Vorbild llam- mern^ sondern bedenken, daß wir ein selbständiger Staat sind.

Staatsrat S tt f fer t weist jede Unterstellung, als ob die Regie­rung von andern als sachlichen Gründen ausgehe, mck Entschieden­heit zurück.

Darauf )mrd der Ansschußanttag auf Beharrung bei dem früheren Beschluß des Hauses einstimmig angenommen.

Es gelangt nun die Regierungsantwort zur Weinstener zur Beratung.

Abg. wtolthau (Ztr.) bemerkt, daß verschiedene Zeckmigen wieder das Gespenst der Reichsweinsteuer vorgebracht hätten. Er freue sich über die 'Antwort der Regierung, wünsche -aber auch ihren entschlossenen Widerstand gegen derattige Projekte, welclw die rbeiuhessischon Interessen aufs schwerste schädigen würden.

.'Abg. Adelung (^-oz.) ryrterstützt diese Ausführungen, möchte jedoch den Redner auf die Folgen der Berlveigerung direkter Reichssteneru aufmerksam mack)en.

.Hierzu sprechen noch die Äbgg. Calman (natl.), Korcll- Ingelheim (Fveiß), letzterer im Sinne Adelungs.

Molt Han >Zentr.) crllärt, daß die Weinsteuer ltt>iglich als Sondersteuer auf den Weinbau zurückweisc.

9!ach weiteren Bemerkungen des Abg. Ulrich wird der Gegenstand verlassen.

Es folgt die Besprechumg der Regicrungsantwort aus die Au- ftage Heerdt-Henrich, betreffend Schadenersatz für Bombenwürfe von Fliegern.

Abg. Henrich, (Freis.) dankt für die Regierungsantwort, die von einer Wertentschäöiguv.g spricht. Leider sei es zweifelhaft, ob ein Reick-sgesetz über diesen Gegenstand kommen werde.

Damit ist die Bespreck)ung erledigt.

Präsident Köhler schließt darauf die Frühjahrstagung mit folgender Ansprache:

Meine Herren! Wir sind am Ende unserer diesmaligen Ta- gnng angelangt. Es ist uns gelungen, trotz mancknr Sck>wierig- keiten, die zweifellos beslanden, den Voranschlag für das kommende Rechnungsjahr noch rechtzeitig fertigzustellen. Ich möchte nicht unterlassen, meiner ganz besonderen Freude über die Einmütig­keit Ausdruck zn geben, mit der die sämtlichen .Herren aus allen Seiten des Hauses an dieser Aufgabe gearbeitet haben. Ich möchte dabei der Hoffnung Ausdruck geben, daß diese Eimnüttgkeit sich bis zu einem gewissen Teile auch in die Friedenszeit hinaus rctteu lassen möchte. Ich glaube, gernde die Verhandlungen der letzten Tage hier im Hanse haben zum gegenseitigen Verstehen der ver­schiedenen Parteittchtungen sehr wesentlich beigcttagen. die gegen­seitige Dichtung und das gegenseitige Verstehen frrrrn dadurch selbst­verständlich nur gewinnen, und unsere gemeinschaftliche Arbeit kann daraus nur den größten Nutzen ziehen.

Meine Herren! Wenn wir heute auscinandergehen für mehrere Wochen oder Monate, so ist cs selbstverständlich, daß loir zunächst der Lage des Weltkriegs gedenken. Wir gehen auseinander mit der festen Zuversicht, daß, lvenn auch langsam, trotzdem mit allem Nachdruck und Erfolg unsere Waffen gegen den Feind gefüllt werden, welche Waffe eS auch sein mag, und daß der Erfolg sicher auf unserer Seite sein lvird. Daß das deutsche Volk aus eine schwere Probe der Ostdickd gestellt wird, ist ja außer Zweistl: aber wenn wir das Ziel und das Ende nckt solcher Bestimmtheit vorauszusehen vermögen und unserer .Heeresführung in jeder Hin­sicht das höchste Vertrauen entgegenbttngen dürfen, so soll es bei uns an Geduld nicht fehlen. Schwiettg hat sich ja die wirt­schaftliche Seite unserer Mrmpfes gestaltet, uud ick nröchtc Sic alle, meine Herren Kollegen, wenn Sie ietzt auseinandergehen, bitten, daß Sie in Ihren 'Kreisen als Wgeordnete mit allem Nachdruck darauf hinwirken mrd mithelfen, daß diese wirttck.Et­lichen Härten mrd Schwierigkeiten überlvnirden werden. Es ist kein Zweifel, meine Herren, daß sie in einzelnen Kreisen unseres Volkes härter empfunden werden als in anderen und ich möckte Sie bitten, mitzuwirken, daß hier der gerechte Ausgleich geschieht, damit alle Teile, unseres Volkes, gettagen von der Zuversicht und Tüchtigkeit und der Zielsich>ei4iieiL und der Sieg es siche rheit unseres Heeres, auch im Inlande in den wittsckaftlick-en Bedürfnissen und Fragen die Geduld und die Ausdauer zeigen, die unsere braven Truppen vor dem Feinde in gmadezn großartiger Weise beseelt. (Bravo!': Ich möchte Sie bitten, meine Joerrcn, in diesem Sinne in Ihren Kreisen zu wirken mit der ganzeIi >ttaft und mit dem ganzen Nachdruck, auf den Sie als erwählte Vertreter des Bold', einen Anspruch haben, da Sie ein Recht darauf haben, daß man ans Ihre Sttmmc in solch schweren Zeiten hört. Ich möchte hoffen und loünscheu, daß Ihre Arbeit von recht gutem Erfolge zum Nutzen unseres Hessenlandes wie unseres ganzen deutschen Volkes in dieser schweren Zeit getragen sein möchte. Und somit schließe ich die Sitzung. (Bravo!)

Schluß der Sitzung gegen 1 Uhr.

Spielplan der SieLener Stadttheaterr.

Direktion: Hermann Steingoetter.

Sonntag, den 2. April, nachmittags 8'A ? Uhr, bei Vollspreisen; Der Juxbaron." Ende 6 lllu\ Abende 77 Uhr, bei kleinen Preisen:Loqierbesuch." ONeuhett!) Schivank in drei Akten von Fritz Friedmann-Fredericb. Ende gegen 93£ Uhr. Montag, den 3. April, abends 3 llhr, bei gewöhnlichen Preisen: Gesaint-Gastspicl von Maximlls Ren«^. Königlich Sächsischer Hoischaltspieler mit Ensemble:Frieden im Krieg." (Nenheil!) VicitereL ans ernücr.