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29.4.1916 Erstes Blatt
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schossen würde. As quith erwiderte, diese Frage Hütte in diesenr Augenblick rncht gestellt werden sollen.

Londron. 26. April. (WTB.) Ober Hans. Lord Midd­leton Tritifiertc die Ankündigung der Regierung, daß sie die Lage in Irland beherrsche. Das Umgekehrte schein.? der Fall zu sein. Die Negierung jage, die Lage fei ausgezeickmet, unt> außer in Dublin seien Ifeiire Unruhen in Irland entstanden. Der Red­ner wünschte eine Bersicherung der Regierung, daß sie in den übri- gmt Teileir Irlands genug Truppen habe, imt eine Ausbrei­tung der Bewegung zu Verbindern. Die Regierung scheine durch den Airsbruch des Ausstandes in Dublin völlig überrascht zu sein, aber sie sei von zuständiger Seite wiederholt gewarnt worden. -Der Redner fiiljr fort: Seit langer Zeit gab es in Dublin große Körperschaften von Sirm-Feinern, die vollständig bewaffnet und ausgerüstet waren und seit Monaten militärisch! ausgebildet wur­den. Sie waren in Besitz-von erheb t i ch!en Mengen von Explosivstoffen und hatten viel Geld. Tic ausgesprochenen Plane der Süm-Feiner wurden in einer Anzahl von Blättern! Woche für Woche verkündigt. Die Regierruig machte nur sehr geringe Anstrengungen, diese zu unterdrücken. Tie Häupter der Vnoegung war«! der Regierung wohl bekannt, aber nur in zwei Fällen wurde gegen sie eingeschritten. Middleton sprach die be­stimmte Erwartung aus, daß Staatssekretär Birrell fidj- un­gesäumt auf seinen Posten nach Irland begebe. Wenn er cs noch nicht getan habe, handle es sich vor allem darum, die Ausbreitung des Aufstandes außerhalb von Dublin zu verhindern. Die Lage in Irland sei äußerst gefährlich, wenn mau. ihrer nicht schnell Herr inerde. Die Untätigkeit der Regierung in den letzten Wochen habe die loyale Bevölkerung sehr entmutigt. Lord L a n s d o w n -e auvoortete im slörmen der Regierung, er könne die Anzahl der Re­bellen m Dublin nicht angeben. Middleton wiederholte dar­nach seine Angabe, daß die Regierung von sehr einflußreichen Personen in der deutlichsten Weise gewarnt worden sei. Lord Peel bestätigte dies. Lord Salisbury sagte, das Parlament werde. Aufklärungen verlangen müssen, weshalb die Regierung trotz dieser Warnungen niclrts getan habe. Im Verlaufe der Debatte wurde gesagt, daß ein großer Teil der Nachrichten aus Irland aus drahtlosem Wege rrach England käme, da die Rebellen das Kabel durchschnitten haben.

London, 28. April. (WTB.) Meldung des Reuterschien Bu reaus . Redmvnd erhielt aus allen Teilen der Welt Tele- grwrrme von Iren, die ihre Entrüstung über den A u f st a n d in Irl-Lnd aussprechen. Das Reutersche Bureau nennt verschieoeire Orte irr Australien rrnd Kanada, aus denen solche Depeschen an Redmsnd geschchkt wurden, aber keinen Ort in den Univnstaaten.

London, 28. April. (WTB.) DieDaily Mail" führt aus: Dieser kolossale Fehler der Regierung stellt alle anderen Fehich während des Krieges in SckMtten. Wie lange wich» b&_ Nation sich noch unter der Herrschaft von Führern daüirrtreiben lassen, die rncht führen und nickst handeln wollen mm an der chronischen Entschlußlosigkeit leiden?

Amsterdam, 28. April. (WTB. Nichtamtlich.) Die Blatter befassen sich mit der Revolution in Irland und ge- zu dem Schluß, daß die gestrigen Ereignisse viel ernster seien, als bie englische Regierung erst habe zugeben wollen. ^Maasbode^' schreibt: Die Erklärung, die Asquith gestern im Unterhause abgegeben hat und die Maßregeln, die er ankündigen mußte, waren viel dunkler gefärbt, als die beruhigenden uüd allzu einseitigen Mitteilungen, die er an den zwei vorhergehenden Tagen gemacht hat. Nieuwe Courant" schreibt: Die Mitteilung der eng­lischen Regierurm, daß sie Herr der Lage sei, sei zum min­desten übereilt gewesen. Es sei ihr noch nicht einmal gelungen, die Sinm-Fein aus den öffentlichen Gebäuden Dublins zu vertreiben.Standard" schreibt: Wir nchmen zwar an, oaß die Regierung s ch l i e ß l i ch i m st a n d e s e i n wird, der Lage H>err zu werden, aber eins steht fest, daß sre viel ernster war und noch ist, als die Minister und das Parlament zugegeben haben, ja, daß die Minister die Nation mit der Versicherung, daß der Aufruhr bezwungen sei, für sich FÜustrg stimmen mußten. Asquith selbst hat gestern im ünterhause mitgeteilt, daß die Lage in Irland noch sehr ernst sei. Mrchtete er, daß im Laufe des Abends oder am nächsten Morgen doch heraus kommen würde, daß die Negie­rung sÄbst das Opfer eines übereilten und unbegründeten Optimismus geworden sei? Und wer weiß, was öie Regie­rung noch verborgen hält.

Amsterdam, 28. April. (WTW.) Einem hiesigen Blatte vvrrd aus London berichtet, daß die irischen Abgeordne­ten vorläufig keine Möglichkeit Ktten, sich mit Irland in Verbin­dung zu setzen limb deshalb Nicht in der Lage seien, über die Unruhen in Dublin, die sie völlig überrascht hätten, irgend welche Aufschlüsse zu geben.

an Land gegangen und mit Automobilen nach Kanea abge­fahren. Es werden Truppenlandungen erwartet. Griechische Truppen sind sofort nach Suvla adgegangen. (B. Z.)

Griechenland bleibt fest.

Athen, 28. April. (WTB. Nichtamtlich.) Das Bureau Reuter meldet, daß die Lage infolge der griechischen Weigerung, den Serben die Benutzung der griechischen Bahnen zu gestatten, kritisch ist. Die Blätter betonen, daß die Regierung entschlossen i st, fe st zu bleiben. Der serbische Gesandte sprach im Ministerium des Aeußern vor und teilte mit, daß die serbische Regierung von der Weigerung der Griechen peinlich berührt sei. Die Diplo­maten der Entente erwarten neue Instruktionen

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Zum Bomberrattcutat in Athen.

Berlin, 28. April. (Priv.-Tel.) DieBossische Zeitung" meldet aus Athen: Im Aufträge des Königs Konstantin stattete der Oberstallrneister dem bulgarischen Gesandten P a s - s a r o w einen Besuch ab und beglückwünschte ihn, daß der An- schlag gegen ihn mißlungen sei. Desgleichen fanden sich Ndinister- prä>rdeut Skuludis, der Minister des Aeußeren Gunaris und Ver­treter der Mittel Mächte bei Passarow ein. Fachleute l)aben die nichtexplodierte Bombe uutersuckst und sestgestellt, daß sie fran- z o s i s ch e n Ursprungs war.

Deutsche Parlamentarier in der Türkei.

Kon ft a n t i nobel, 28. April. (WTB. Nichtamtlich.) Ten Höhepunkt der festlichen Veranstaltungen zu Ehren der deutscl-en rR!?E^iari-er bildete ein glänzendes Festessen, das von der turruchen Parlamentspartei für Einl-eit und Fortschritt a:n Abend oes Thron besteiguu gs festes veranstaltet wurde. An nie send waren von türkischer Seite die Minister, die Spitzen der Zivilverwaltung und^ die geistlichen Führer der Nation, von deutsche Seite Bot- suatter Graf Wolfs -Metternich mit den Herren der Bot­schaft, Vertreter der deutschen Kolonie, Generalkonsul Mertens, sowie die deutschen Piche stören an der Universität Stambul. Eine Rede des Grasen Wolfs-Metternich und ebenso eine des Ministers des Aeußeren, H a l i l - B e y , wurde mit stürmischem Beifall aus­genommen. Gras Westarp gab die Erklärung ab, die Abgeordne­ten hätten den Eindruck gewonnen, daß die Türkei ebenso wie Deutschland entschlossen sei, au der Seite seiner Verbündeten a us- z u h a r r e n b i s z um endgültigen Siege uuv einem frieden, der einen wiederholten feindlichen Angriff ausschließe. * *

Zweite Pariser Handelskonferenz.

Paris, 28. April. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Die zweite parlamentarische internationale Handelskonferenz wurde gestern nachmittag im Luxemburg- Valast in Gegenwart des Präsidenten Poincare und des Amnisterpräsidenten Briand eröffnet. Der Vorsitzende der Konferenz, C h a u m e L, hieß die fremden Abgesandten will­kommen und bezeichnete als hauptsächlichsten Gegenstand der Beratung, Zeugnis abzulegen für die wirtschaftliche Ge­schlossenheit der Alliierten gegenüber Deutschland.

^ Paris, 28. April. (WTB. Nichtamtlich) In einem Bericht üoer die interparlamentarische Konferenz stellt derTemps" fest, daß Japan und Rußland nicht vertreten seien. Nikolas Rafsalowitsch verlas auf der Konferenz eine Depesche, wonach ^ infolge der verzögerten Schließrmg der Duma und des Reichsratesi me rechtzeitige Abrüse der russischen Teilnehmer und damit ihre -Teilnahme an der Konferenz unmöglich geworden sei

Stockholm, 28. April. (WTB.)'lieber die Eröffnungs­rede des Präsidenten Poincars zu der wirtschaft­lichen Konferenz in Paris schreibtStockholms Tag- blad": Wenn Poincare wirklich glaubt, daß eine derartige Sprache bei den Neutralen den Eindruck ruhigen Kraft­bewußtseins erwecke, ist er ein schlechter Menschenkeuncr. Die neutralen Staaten, an die sich Poincare wendet, billigen gelviß weder die Verletzung der belgischen Neutralität durch die Deutschen, noch alle von den Deutschen angew'endeten Kriegsmethoden, aber sie fühlen sich auch durch die eigenen Erfahrungen nicht veranlaßt, die Ententestaaten als In­haber des Monopols auf die Gerechtigkeit anzusehen. Eine Völkerverhetzung, von welcher Seite sie auch kom­men mag, stößt der denkende Neutrale zurück. Dieses Stre­ben nach Verhetzung ist der bleibende Eindruck, den die letzten Betrachtungen Poincares über die bewaffnete Gerech­tigkeit nnd bin Kampf gegen die Feinde der Menschheit hinterlassen.

Haag, 28. April. Ein königlicher Erlaß für Irland hebt vorübergehend die Verhandlung von Kapitalver­brechen durch die Geschworenengerichte auf, so daß Anklagen wegen Aufruhr, Verkauf und Einfuhr von Waffen nnd ähnliches nur durch einen Einzelrichter, der fast immer Engländer ist, ohne Geschworene abgeurteilt werden.

Der Minister für Irland, Birrel, ist am Mittivock nach Dublin gereist m Begleitung von drei amerikanischen und mehre­ren Londoner Journalisten, damit sie die Lage persönlich prüfen können.

Berlin, 28. April. Wie verschiedene Morgenblätter melden, wird Kitchener mit unbeschränkten Vollmachten als Vizekönig nach Irland entsandt. DieVossische Ztg " erinnert an den Beinamen, den der Lord sich im Feldzuge gegen den Mahdi erwarb, nämlichSchlächtervonOn- burma n".

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Die zurückgezogene Militärdienstbill.

Rotterdam, 28. April. (WTB. Nichtamtlich.) TerRot­terdam-,che Courant" meldet aus London: DieTimes" schreibt in ernem Leitartikel über die zurückgezogene Militärdienstbill- Wenige Geietzesiwrlagen haben eine so kurze und schmä blicke L^ensdauer gehabt. Nie ist eine Vorlage mit so viel umstürch- nchem Zeremoniell, so Mel Aufhebens angekündigt worden (R^ensatz zwischen bem Sckchksal der Vorlage und 'den Ereimiissen welche zn ihr geführt haben, itric die Kabinettskrise, die geheim« Sitzung usw. hat geradezu lächerlich gewirkt. Tie getroffene Ver­einbarung ist zu Wasser gezvvrden. Man muß die ganze Sacke von vorn anfmrgen.

Schwere Explosion in England.

London 28., April iPriv-Tel., zf.) Am 2. April fand m erner Pulverfabrik von Kent eine Erplosiou statt .zetzt wird offiziell mitgeteilt, daß bei dieser Explosion 10 6 Per­sonen getötet Mid 6 6 verwundet worden sind

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Gewattmaßregeln gegen Griechenland.

Athen, 27. April. Zb.) Die Engländer besetzten ,in Chios das griechische Telegrapheirmnt. Der griechische Präsekt leistete anfänglich Widerstand, wurde aber von der Regierung angelmescn, sich auf Protest zu beschränken. Mi- nisterprüftdent Skuludis erklärte erucyu ausländischeuPresse- Vertreter, die griechische Reffierung werde, iveun die Entente auf der Beförderung s-erbrscher Truppen mit griechischen Bahnen bestehe, die Bahnlinien sprengen lassem r. (Zb.) Die Schsvcizer. Telegraphenagentur rueldet aus Achen: Die Errichtung eines Fl o t ten stütz p u n k- les der Entente in der Sndabai ist nunnrehr durchgeführt womit ein alter Ftotteirplan Englands verivirklicht ist Neon Asti" meldet: 2 große englische Hilfskreuzer mit starken Truppen an Bord sind in die Sudabai ein ge­laufen. 10 Schiffe blockieren den Hafen. Die Offiziere sind

Der französische Bericht.

Paris, 27. April. (Priv.-Tel., zf.) Amtliche Mitteilung, vom 27. April nachmittags 3 Uhr:

Nördlich der A i s n e wurden mehrere deutsche Patronillcu mit Handgranaten zurückgeschlagen. Ju der Gegend von Ver­dun anhaltende Beschießung des Reduit von Avo- court und der Eirrrichtungen des Pfefferrückcns Ein gegen ein Grabenstück nördlich des Forts von Baur gerichtedw fcindlickier Angriff wurde durch unser Sperrfeuer unverzüglich zum Stehen gebracht. In Lothringen zerstrenten wir eine deutsche Erkundungsabteilung, die sich unseren Stellimgen östlich von Le Mcsnil zu näl)ern suchte. Auf dem. Reste der Front, ab­gesehen von der üblichen Kcuwnade, kein wichtiges Ereignis.

Mends 11 Uhr: .Lluf dem linken Ufer der Maas Tätigkeit der Artillerie in den Gegenden von ?lvvwurt' Esnes und Cumiöres. Auf dem rechten Ufer machte der Feind zwei schwere Angriffe, begleitet von heftigem Bombardement den einen auf der Ftont HaudronwntGehöft von Thianmvnt'Und den anderen zwischen Douaumvnt und Baux. Aufgehalten durch unser Sperrfeuer, kamen die Deutsche-.! aus ihren Grüben nicht heraus. Llus dem Reste der Front verhältnismäßig ruhiger Tag ausgenommen in der Gegend von Ro ye und im Abschnitt locst- lich von Pont-äMoussvn, wo unsere Batterien sich tätig zeigten.

Flugwesen: Im Läufe des gestrigen Tages fiel ein feind­liches Flugzeug, vom Feuer unserer Autogeschütze äbgeschosscn vor dem Fort von Baux nieder. In der Nacht vom 26 zum 27. April führten drei unserer Lcnkballons Bombcnwurf- vperationen aus. Zahlreiche Geschosse großen Kalibers wurden von ihnen auf den Bahnhof auf Eta in und Bersdvrt nnd aus die Bahnstrecke von Arnaville geworfen. In der gleichen Nacht warfen unsere Flugzeuge 137 Granaten auf verschiedene Bahnhöfe des Aisnetales, 25 Granaten auf die Biwaks des Orne- tales, 6 Granaten und 2 Brcurdbomben auf den Bahnhof von Thiauville, 8 Granaten auf den Bahnlwf von Conflans ^

Havre. Amtliche belgische Mitteilung vom 27. ?kpril:

Artillerie-Aktionen auf verschiedenen Punkten der Front, ganz besonders gegen Dixmuiden. Unsere Batterien nahmen feindliche Gruppen ^egen Cehm wid Myshuisen unter Feuer.

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Höchstpreise in Italien.

Rom, 28. April. (WTB. Nichtamitlich) Meldung derSlgen- zia Stefani": Ein Erlaß setzt Höchstpreise für den öffentlichen Verkauf der gangbarsten Marktwaren, sowohl ffidustrieller wie landnürtschiaftlicher .Herkunft fest.

Ponr Je m^rite.

Berlin, 28. April. (WTB. Nichtamtlich.) DerReick auzeiger" meldet: Ter Kaiser hat dein Oberleuttiaut der Reser Budde cke^ zurzeit in türkischen Diensten, den Order: pour märite verliehen.

Ans Stordt rinL Land.

Gießen. ^9. April 1916.

Sonntagsgedankeu.

^ Menschlichkeit! und wieder Menschlichkeit! Vvn allen Seiten dringt das große Wort auf uns ehi. Kaum eilt Tag vergeht, daß wir es nicht von Norden uttr) Süden, vom nahen und vom fernen Westen, gar auch vom Osten her ver­nehmen müssem Von so vielen Stimmen \uizb uns zu­gerufen, in so eiritöniger und doch unermüdlicher Wieder­holung wird es als der Weisheit letzter Schluß uns an-' gepriesen, daß wir uns beinahe verpflichtet fühlen, uns fragen, ob diese Menschlichkeit uns bisher wirklich un­bekannt geblieben ist, ob sie jetzt erst von außen her in deutscher Geschichte und deutschem Gemüt Eingang sucht und Aufnahme fordert. Oder wäre sie einnläl schon bei uns heimisch geweseri, um aber im Sturm des Krieges von un- lvirtlichem deutschem Boden entflohen urü» der verzauberten deutschen Seele fremd geworden?

Menschlichkeit uns unbekannt? Und doch war kaum ein Wort unseren großen Dichtern und Denkern so vertraut wie dieses. Der Menschheit ganzer Jammer hat in tiefster Seele )ic angefaßt, sie haben erschütternd von ihin zu singen ge­wußt. Alle Mtsel dieses Menschenlebercs, vom Himmel durch die Welt zur Hölle, haben ihre staunenden An gen gesehen, in alle haben sie ihr Volk sich! hm einzugrübeln gerrötigr. Bon stolzen .Höhen aus haben sie Menscheirarbeit nnd ihre reichen Erfolge überblickt, zu aller aufgeweckten Tätig^it den Bürgersinn der Städte und Staaten gerufen. Das nie genug geschätzte Dach der Friedenshütte, den klernen Herd, den nie genug verehrten Eirgraum hat ihre Dichtung irr lieblichsten Tönen besungen. Wer auch der Völker (beschick: haben sie, das dunkle Buch, niit heiterem VLick gelesen. Höhen und Tiefen, Nähe und Weite waren ihnen gleich vertraut. Ganz ihrer Gegenwart lebend, waren sie dennoch in aller menschlichen Vergangenheit heimisch. Wirklich, wer sie kennt, der weiß: ihnen ist nichts Menschliches fremb geblieben.

Aber was sie waren, das sind sie doch aus deutscher Vergangenheit von Jahrhunderten heraus geworden. An dem Werden ihrer deutschen Seele hat die Geschichte aller jj Zeiten mitgearbeitet. Und wie sie nun waren, haben sie sich selbst deutschem Gemüt und Empfinden, dentsck-em Leben und Wollen eingepflanzt und eingewurzelt. Menschlichüeitz wäre dieser deutschen Seele, die unauslöschlich ihr Gepräge trägt, unbekannt? Menschlichkeit wäre ein Wort und Gat, das wir von Fremden, Feinden und Neutralen, erst noch lernen und uns bringen lassen mußtest?

Aber freilich^ was sie unter Menschlichkeit verstehen, das kennen wir nicht oder wollen es gar nicht kennen. Wir wissen nur zu gut, daß in des Menschen Brust Menschliches mrd Allzumenschliches nahe beieinander Hansen. Wenn der Sturm die Welt durchbraust, alle stillen Wasier bis in die Tiefen anfrührt, dann am sicheren Ufer stehen, mit feinem Lächeln dem wilden Kamps der Ringenden zusehen: ein Schauspiel, weiter nichts! menschlich mag das sein, groß ist- cs sicher nicht. Und lvenn das Blut in Ström-en fließt, edles Blut, das sie dem Vaterland zum Opfer bringen^ dann die Welt mit ihrem Wehgeschrei erfiMen, wenn das mächtige Schicksal unversehens auch ihrer etliche getroffen menschlich mag das sein, edel ist es sicher nicht. J<h denSe,. zum Meufchen, dem wahren echten, den wir suchen und der ivir werden wollen, gehört auch dies, daß er Größeres kenne, glaube, hoffe, als sein eignes armes Leben, Größeres vollends als den Besitz an GÄd und Gut, und wenn er nach Millionen und Milliarden zlihltc. Die MenfchLichkert suchen wir, die auch den Sturm nicht fürchtet und -das Blut nicht scheut. Sie' soll unserem deutschen BE in dieser starken Zeit erhalten bleiben oder vielmehr neu (wworber? werden.

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Sommerzeit und Eisenbahn.

Durch die Bundesratsverordnung über Einführung der Sommerzeit, nach der am 30. April abends um 11 Uhr c>ie Uhren aus 12 Uhr gestellt werden sollen, treten anr 30. April und 1. Mai Aenderungeu in den Ankunfts- und Wfahrts- zeiten der in der Nacht verkehrenden Züge ein, die in einem Aushange der Königt. Eisenbnhndirektion Frankfurt zu­sammengestellt sind.

Infolge Verkürzung der Stundenzahl des 30. April um eine Stunde gehen sowohl bei den am 30. April früher zu legenden als auch bei den am 1. Mai später verkehrenden Zügen Anschlüsse verloren.

Ferner macht die Königl. Eisenbahndirektion Frank­furt a. M. darauf aufmerksam, daß wenn auch für die Inne­haltung der hiernach fahrplanmäßig verbleibenden Anschlüsse nach Möglichkeit Bedacht genommen wird, doch wegen der schwierigen Betriebsführung in dieser Nacht darauf mil Sicherheit nicht zu rechnen ist.

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** Die Gr oßherzogin wird heute morgen 10 Uhr hier eintreffen und den Zweigverein vom Roten Kreuz Gießen in der Alten Klinik, das Reserve-Lazarett in der Men Klinik und wahlrscheinlich auch das Säuglingsheim und die Kriebsbeschädigtenfltrsorge im Gewerbehaus be­suchen. Ein offizieller Empfang findet rncht statt.

** Auszeichnungen. Der Großh. Hess. Reqierungs- baumeister E. Höckmann, der seinerzeit am hiesigen Amtsgerichts- Neubau tätig war und augenblicklich als Leutnant d. Res. und Kompagniesührer in einem Res.-Nsgrmeut im. Felde steht, wurde mit dem E i s e r n e n 5k r e u z erster Klasse ausgezeichnet. Seit Anfang Seotember 1914 ist er bereits im Besitz des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und der Hessischen Tapseckeitsmedaille. Dem Geüssiten Ernst Unverzagt, der seit Beginn des Krieges beim Landwehr- Nieqiment Nr. 116 im Felde steht, ivurde vom Großherzog die Hessische Tapferkeitsmedaille versönlich überreicht.

** Auszeichnung. Dem knegsfteiwilligen Schützen Hans Häuser, Jnf.-Rogt. 117, Vüaschinengemehr-Kompagnie, seit Be­ginn des Kriegäs! im! Felde, wurde die Hessische Tapferkeitsurrdaille verliehen.

** Im Ob crhe s s i s ch e n Kn n st verein haben drei Künstler, der bereits hier bekMmte Makep Otto Jung, Stuttgart, der Münchener Maler Eduard Cucuel und der Bildhauer Franz Scheiber, München sich zu einer gemeinsamen Ausstellung vereinigt. Jung bringt eine große Sammlung Bildnisse zum Teil aus hiesigem Privatbesitz und Landsck-aften. Cucuel ist meist mit figürkichen Bildern vertreten, loelche zuvor im Frankfurter' Kunstverein mit gutem Erfolg ausgestellt waren. Bildhauer Scheider, der noch bei vielen aus der Dezember-Ausstellung bekannt sein wird, hat diesmal 9 seiner Arbeiten aufzuweisen. Die von den drei .Künstlern ausgestellten Kunstwerke bieten des Schönen wieder soviel, sadaß auch diese Ausstellung, wie die zuvorige der deutsch,-österrcichisck)en Künstler, ihre An­ziehungskraft auf unsere Kunstfreunde nicht verfehlen wird. Die Ausstellung ist täglich, mit Ausnahme Samsta-gs, von 11 bis 1, Mitt.vochs auch uachmittags von 3 bis 5 Uhr und an Sonntagen ununterbrochen von 11 bis 3 lU/? geöffnet.

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