Ausgabe 
11.4.1916 Erstes Blatt
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SeWstmvrdjgeendet. Die für den 12. April in Drsiyansen kund den folgenden Dag in Marburg angesetzten Schweine- Vtärtte fallen aus.

---Frankfurt a. M., 10. April. Welche Kräfte und Mittel der 'Krieg nwbil macht und nrit welcher Findigkeit man sie zu wecken vermag, davon legt die in der nächsten Zeit hier zur Aus­spielung kommende Verlosung rühmliches Zeugnis ab. Um eine bestimmte Abteilung der Kriegsfürsorge weiter unterhalten zu kön­nen, schenkte die Vorsitzende dieser Abteilung, Frau von Mumm, dem Ausschuß aus ihrem Privatbesitz ein Brillanten Hals­band im Werte von 80 000 Mark mit der Bedingung, den kostbaren Schmuck zu verlosen. Das Vorbild ivirkte. Dieser ersten Gäbe folgten bald andere Spenden von ebenfalls hohem Werte, so daß bis jetzt mehr als 1000 Gewinne im Werte von 80 000 Mk. bis zu 20 Mk. zur Verfügung stehen. Der Staat hat die Verlosung bereits genehmigt.

= Frankfurt a. M., 11. April. Aus ein von allen bürger­lichen Parteien Frankfurts dem früheren Kommandeur des 18. Ar­meekorps, Generalobersten von Eichhorn zu dessen Militärjubi- laum zugegangenes Glückwunschtelegramm erwiderte der Jubilar durch folgendes Telegramm an Justizrat Dr. Joseph:Verehrter Herr Justizrat! Tausend Dank sür Ihre Zuschrift und den mich ehrenden Telegrammentwurs. Ich bitte, meinen herzlichen Dank allen zn übermitteln. Frühlingssonne scheint jetzt auch hier. Sie macht uns alle fröhlich. Ihr erg. von Eich hör n."

e. Frankfurt a. M., 10. April. Große Ticrtrans- porte für den Zoologischen Garten trafen in letzter Zeit wohlbehalten hier ein und haben dein Institut sehr benrerkens- werte Schaustücke zugeführt. Durch Verkäufe überzählig gewordener, größtenteils hier gezüchteter Tiere, war es möglich, eine Anzahl größere Anschaffungen *u machen. Besonders eine Reise des Direk­tors nach der Großtierhandlnng von L. Ruhe in Alfeld a. d. L. führte zur Erwerbung einiger großer Seltenheiten. In erster Linie muß ein, vor dem _ Kriege von der Firma Ruhe ans Südafrikas importierter prächtiger Kudu-Bulle, zurzeit der einzige in Deutschland, hervorgehoben werden. Me Art war in einem er­wachsenen Exemplar bisher noch me im Besitz des Frankfurter Gartens und gilt überhaupt als eine der größten Seltenheiten) des Tierhandels. Ter zu denDrehhörnern" gehörende Große Kudu ist eine der stattlichsten, dabei elegantesten und schönsten Antilopen. Der Bulle ist durch den majestätischen Schmuck seines prächtig gewundenen Gehörns eine der begehrtesten afrikanischen Jagdtvophäen. Das Verbreitungsgebiet der Art erstreckt sich vom Kapland fast über den ga'nzen Osten Afrikas bis in die Nilländer und westlich über Deut schsüd west bis Guinea. Der seit Frühjahr 1915verwitwete" Böhms - Z e b r a - H en g st Selim hat den Garten verlassen und seinen Platz einem prachtvollen jüngeren Paar 'Zulu-Zebras geräumt, die einer hier noch nicht ge­sehenen Unterart angehören. Auch sie stammen von dem letzten, vor Kriegsbeginn in Alfeld ein getroffenen Südafrika-Import. Ein van Ruhe aus dem Himalaja in einem stattlichen Widder im­portiertes Wildschaf ist das Kreishornschaf, das gleichfalls für Frankfurt neu ist, ein übermütiges, lebensprühendes irnb kraft­strotzendes Tier, das durch seine Munterkeit und seine staunen­erregenden Kapriolen bald ein Liebling des Publikums werden dürfte. Außer diesen von Garten erworbenen Tieren stellte die Firma Rühe ein Sjxeifengnu und einen mächtigen Wäpitihirsch ein, der einer anderen als' der hier schon vertretenen Lokalform angehört.

Provinzial-Ausschutz der Provinz Obcrheffen.

Kz. Gießen, den 8. April 1916.

1. Der Klage der Heinrich Klein Ehefrau, Elise geb. Maus, gegen den wa n d er g ew er b e schei n ve r- sagenden Bescheid des Groß herzoglichen Kreis­amts Gießen vom 19. Januar 1916 wurde, insoweit die Er­teilung des Wandergewerbescheins' für die Ehefrau in Frage stand, stattgegeben und zu Recht erkannt, daß der beantragte Wander­gewerbeschein für die Ehefrau Klein für 1916 zu erteilen sei. So­weit es sich um Mitführung des Ehemannes handelte, blieb der oben aug^ogene Bescheid des Großherzoglichen Kreisänrts in Kraft. Die Kosten des Verfahrens fielen der Gesuchstellerin zur Last, und der Wert des Streitgegenstandes wurde auf 200 Mark festgesetzt.

2. Gemeinderechner Weck zu Hungen war bei der Gemeinde für besondere Dienstleistungen um eine entsprechende Vergütung ein gekommen, die jedoch abgelehnt wurde und wodurch der Genannte zuerst Klage an den Kr eis ans schuß des Kreises Gießen eingereicht- hatte, der diese wegen verspäteter Einreichung zurückwies. Hierauf verfolgte Weck Berufung an den Provinzialausschuß, der derselben stattgab und unter der Feststellung, daß die Klage des Rechners Weck gegen die Gemeinde Hüngen innerhalb der durch Art. 98 der L. G. O. gesetzten Frist erhoben worden sei, die Sache zur nochmaligen Ver­handlung und Entscheidung über die Berechtigung und die Höhe des erhobenen Anspruchs selbst an den Kreisausschuß znrückverwies.

3. Die Klagesache des Ortsarmenverbands Paderborn gegen den Ortsarmenverband Schlitz wegen Erstattung von Armenpflegekosten für den Former Karl Hantke aus Königsberg wurde von der Tagesordnung abgesetzt, da Verhandlungen wegen Zurücknahme der Klage im Gange sind.

vermischtes.

Die Zeitungen in der Kriegszeit.

Berlin, 10. April. Die Zeitungsliste deS Reichspostqebietes für 1916 weist neuerdings 1255 Zeitungen und Zeitschriften aus, die infolge der Kriegszeitläulte ihr Erscheinen einstellen mußten. Die Gesamtzahl der seit Kriegsbeginn eingegangenen deutschen Zeitungen und Zeitschriften ist damit auf 3000 gestiegen.

*

* Berlin, 11. April. Infolge einer Windhose kenterte gestern unweit der Stadt Brandenburg auf der Havel die mit e l s Personen besetzte DachtHetta". Zwei Frauen und zwei Männer ertranken. Tie anderen Insassen konnten sich retten.

* Der Kamps um die Friedensmadonn a. Im Gebiete von Otrantino nahe von Lecce in Apulien hat sich eine Bewegung gebildet, die für die geistige und seelische Verfassung des italienischen Dauerntumes recht bezeichnend ist. Wie wir ernem Berichte der Neuen Zürcher Zeitung entnehmen, geht bie ganze Angelegenheit auf den angeblichen Traum eines achtzigjährigen Bauern der Gegend zurück. Der Alte will die Madonna gesehen haben, die ihm befahl, sich nach dem Gehöfte Pasulo zu begeben und dort cm einer bestimmten Stelle in einer Erhöhung bei einem Gebäude den Bogen auszugraben. Zuerst würde er Stein­platten, dann menschliche Gebeine und zu unterst eine Kapelle mit dem Bilde der Friedensmadonna finden, und sobald dies Bild aufgesunden sei, werde der europäische Krieg anfhören. Das gedachte Gehöft gehört einem sehr geschätzten, in Berlin, Wien und Paris ausgebildeten Arzte, dem Tr. Villani. Kaum hatte der 2llte seinen Traum bekannt gegeben, als die Bauern bereits von allen Seiten herbeftiefen, um die Ausgrabungsarbeiten zu beginnen, lind nun führten diese wirklich zu positiven Ergeb- lttffert: man entdeckte Gebeine und stieß auf einen Begräbnis platz, dessen zertrümmerte Steine zusammen mit den Mauern einer alten Krypta nach Ansicht der Archäologen zu der im 14. Jahr­hundert zerstörten Kirche des Fleckens Pasulo gehören. Tie Kirche war also aufgesunden, das Bild der Friedensmadonna aber noch nicht, und da die Fortsetzung der Ausgrabung den umliegenden Baulichkeiten gefährlich zu werden drohte, so wehrte sich Tr. Villani gegen sie und ließ Mauern und sein Gehöft aufrichten. Eskalierte aber nur einige Nächte, da schickten die Bauern sich schon wieder an, die unterbrochene Arbeit fortzusetzen. Jetzt begann ein Kamps zwischen dem Arzte und Mischen den religiös erregten Laudleuten, unter denen nach und nach ein gewaltiger Haß gegen Villani entstand. Die Behörden traten aus^ festen des Arztes: eine ganze Truppe von Karabinieri und Soldaten wurde auf- geboten und mehrmals kam es zu scharfen Zusammenstößen zwischen diesen und den Bauern, mit denen auch ein paar hundert Frauen gemeinsame Sache macksten. Der Humor der Sache mm lvenn man in diesem Falle das Shgkespearesche Wort passend

gebrauchen kann liegt darin, daß die Bauern und Bäuerinnen chließlicl) Meister blieben. Der Präfekt gab nach und versprach die Ausgrabungsarbeiten zur Auffindung des heftigen Bildes fortsetzen zu lassen. Auch hat sich bereits ein Frauenausschuß ge- bftdet, der Gelder sammeln will, um Dr. Vftlam für etwa ihm entstehende Nachteile zu entschädigen. Darauf scheinen sich vor­läufig die Gemüter der Bauern von Otrantino beruhigt zu haben, und nun bleibt abzuwarten, ob man das Bild der Friedensmadonna finden, und ferner, ob die Auffindung dann auch die verheißene! Wirkung haben wird.

* Wie man heilte von Moskau nach Petersburg reist. Tie Reise von Moskau nach Petersburg, die sönst in einigen Stunden zurückgelegt wird, ist unter der: heutigen Ver­hältnissen, wie dieRußkija Wjedomosti" erzählen, eine recht chwicrige Angelegenheit. Eine gewisse Protektion stt überhaupt erst erforderlich, um eine Fahrkarte für einen bestimmten Tag zu er­langen, und dann kann es auch noch Vorkommen, daß der Zug an dem vorgesehenen Tag gar nicht abgeht. Problematisch ist alles, was mit der Fahrt von Moskau nach Petersburg zusammen­hängt, da der Waggonmangel noch immer vorhanden ist und alles verfügbare Besörderungsnraterial in den Dienst der Lebens­mittelzufuhr gestellt werden nmß. Daß es dabei, trotz der an­scheinend strengen Ueberwachung, jetzt dennoch nicht ganz ohne Verschiebungen fraglicher Art zugeht, versteht sich in Rußland ganz von selbst. Eine Reise ohne Hindernisse gilt als gewonnenes Lotteriespiel. Aus dem Bahnsteig in Moskau sind immer Gruppen von Enttäuschten anzutreffen, die sich in der Hoffnung wiegten, den Weg nach Petersbrrrg zurücklegen zu können, und sich nun mit ihrem Gepäck zurückgelassen sehen. Es hilft auch gar nichts, wenn der Reisende sich einen teueren Platz im Schlafwagen sichert. Er kann mit der Fahrkurte in der Tasche doch sitzen bleiben und zwar nicht einen Tag, sondern mehrere. Auchl der Prozeß der Fahrkartenerlangung ist sehr kompliziert. Erst muh auf dem Polizei­bezirk ein Erlaubnisschein eingeholt werden, dann beginnt die Reihenfolge am Eisenbahnschalter, die eine solche lange Kette bildet, daß ihre letzten Glieder gewöhnlich vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung ihren Platz aufgeben, um nicht kraftlos hinzusinken. Wer in diese Lage kommt, hat nun am folgenden und etwa nächst­folgenden Tage dieselbe Qual durchzumachen. Am Schalter wer­den jedoch noch keine Fahrkarten nach Petersburg verkauft, und der Beamte fragt erstaunt:Wissen Sie denn das noch nicht?" Es wird nämlich nur eine Karte mit laufender Nummer veraus­gabt, die zum Empfang einer Fahrkarte aus dem Balwsteig selbst berechtigt. Mese Bftlettverteilung beginnt erst eine Stunde vor Mgang des Zuges. Bis dahin weiß niemand, ob es ihm beschic- den sein wird, mitzukommen. Wieviel ist von der Bestechlichkeit auf den Eisenbahnen gesprochen und geschrieben worden, und schließ - lich dankt jeder Gott, wenn er das Fahrgeld um 5, 10 und auch 15 Rubel erhöht und sich durch einen Agenten den ersehnten Platz in einem bestimmten Zuge an einem bestimmten Tage verschafft. Diese Fachmänner wissen schon durch verschlungene Wege das Ziel zu erreichen, und alle Theorie, alle guten Vorsätze werden zu Wasser angesichts der Möglichkeit, am Äbeird von Moskau abzureisen, anstatt viele Tage auf die löblicheReihenfolge" zu warten, von der noch niemand die eigentliche Bedeutung ergründet hat.

* Tatsachen,dies ür sichselb st sprechen. Angesichts der nach wie vor höchst ungeordneten Zustände in der französischen Heeres- und Zivilverwaltung setzt Louis Forest imMatin" sein gegen die Fehlgriffe der Regierung gerichtetes Frage- und Ant­wortspiel' fort:Trotzdem es sehr begreiflich ist, daß die Armee unter anderem auch aste möglichen Eisenbestandtefte in Massen requiriert, ist es doch! nicht verständlich, daß man uns im Lande nickst einmal mehr genügend Schuhnägel übrig gelassen hat. Was haben Sie davon, wenn man, wie ich, vier Kinder hat, dereU Schuhe schließlich doch einmal neu genagelt werden müssen? Ich halte diese Beschwerde für um so .gerechtfertigter, als die Kinder durch das viele Soldatenspielen ihre Schuhe setzt noch schneller abnützen als im Frieden. . ."Ein Wagen der Schlaf­wagen gesell schuft wurde in einen Sanitätswagen nmgewandelt. Unter anderem liegen auch ständig 300 neue Hemden bereit. Sowie ein Verwundeter in den Wägen gebracht wird, reicht man ihm eines dieser ftischen Hemden, doch bevor er den Wagen wieder verläßt, muß er es zurückgeben, um wieder das alte, schmutzige anzuziehen. Was halten Sie davon? Ich denke, daß dies mehr als lächerlich, aber insofern verstcnMich ist, als unser Gesetz­buch Hierfür keine Bestimmung vvrfieht v ."Ein Mann geht zur Steuerbehörde, um ordnungsgemäß die Höhe seines Einkom­mens anzugeben. Als er die Fra^e, ob er Kinder habe, bejaht hat, verlangt der Beamte die diesbezüglichen Dokirmente. Und da der Mann sie nicht- bei sich hat, wird er nach Hause geschickt, uml sie zu holen. Doch nachdem er den weiten Weg zweimal gemacht hat und die gewünschten Papiere vorlegt, begnügt sich der Beamte, zu nicken,-ohne auch nur einen Blick aus die Dokumente zu werfen. Was halten Sie davon? Ich denke, daß der Beamte zu jener großen Gruppe französischer Staatsangestellter gehört, die in der Steuereinziehung weniger eine fiskalische Maßnahme, als ein Mittel zum Quälen des Publikums erblicken. . ."Bereits vor langer Zeit befahl eine Mftitärverordnung, daß jedes neugebftdete Regi­ment seine Musikkapelle haben solle. In pflichtschuldiger Erfüllung dieser Anordnung beeilte man sich, Militärkapellmeister und Mili­tärmusiker einzustellen. Aber trotzdem schon drei Monate vergangen sind, konnte noch keine einzige Note gespielt werden, da man hierzu ja «cht nur Musiker, sondern auch Instrumente braucht. Tie letzteren aber sind bis heute noch nicht zur Stelle. Was halten Sie davon? Ich erlcrube mir zu prophez-eien, daß in Kürze ein Zirkular erscheinen wird, das die Mllitärmusik ver­bietet, und daß sich am selben Tage sämtliche Musikinstrumente einsinden werden..."

Vüchertisch.

Eine kräftige Schützengrabenkost sind die Vergessenen Dichtungen" in Frankfurter und Sachsen Häuser Mundart, welche zum Preise von nur Mk. 1. soeben in Ludwig Ravensteins Verlag (Frankfurt a. M.) erschienen. Besonders die derbhumorfttischen Langenschwarzschen Arbeiten, welche militärische Einrichtungen zur Zeit der freien Stadt Frankfurt behandeln, fordern zmn Vergleich mit der Gegenwart heraus, so die französische Einquartierung in Sachsenhausen (1792), der Frankfurter Rekrut von 1839 und Herr Bimbler in der Nacht­kapp (bei der Revolution 1848). Die gemütlichen Zustände in den früheren Frankfurter Schulen finden im Sachsehänser Exame beim Schullehrer Sägbock und dem bekanntenGrass, wie er leibt und lebt" originelle, humorvolle Schilderung. Auch die sonst im Merkchen enthaltene Auswahl bringt so viel Humor, daß sie gewiß jedem im Felde Stehenden ans Frankfurt a. M. und Umgegend gebürtigen Vaterlandsverteidiger einige lustige Stunden bereiten wird.

München und das Bayrische Hochland. Der Münchener Fremdenverkehrsvereln bringt mit einer reizvollen neuen Schrift dem reisenden deutschen Publikum München und das Bayrische Hochland in Erinnerung. Kein Geringerer als Fritz von Ostini hat den Tert geschrieben; er zählt aber nicht bloß die Hauptstücke" aus, sondern schildert mit liebevoller Eindringlichkeit die unendlich mannigfaltigen Schönheiten und Sehenswürdigkeiten, die in München wie im Bayrischen Hochland mehr oder weniger noch unbekannt geblieben sind, und regt auf diese Art in verdienst­voller Meise dasAbseits-vom-Wege°Wandern" an, das unsere natur- und kunstsreundlichen Altvordern weit mehr geübt haben als wir.

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Briefkasten -er Redaktion.

Muouyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.»

Leutn. v. Tie Bestimmung, wonach hessischen und in hessischen Regimentern kämpfenden Offizieren nach Verleihimg des Eisernen Kreuzes 2. Klasse ohne weiteres auch die H-esstsche Tapserkeits- medaille verliehen wird, hat insofern eine Ergänzung erfahren, als jetzt bestimmt ist, daß sich der betreffende Offfzrer nach Ver­leihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse e r n e u t vor dem Feinde ausgezeichnet hat. Ter Airtrag wegen Verleihung der Hessischen Tapferkeitsmedaille ist vom Truppenteil zu stellen.

Die Instandhaltung der Mietwohnungen durch den Vermieter.

§ 536 des Bürgerlichen Gesetzbuchs bestimmt, daß der Vermieter verpflichtet ist, die Wohnung während der Mietzeit in einem gebrauchsfähigen Zustand zu erhalten. Vielfach ftt die Ansicht verbreitet, daß die durch den Krieg geschaffenen Verhältniiie eine andere Rechtsauffassung zuließen. Nach wie vor hat der Vermieter sofern nicht durch besonderen Vertrag etwas anderes bejtrmmt ist alle Mängel, welche durch gewöhnliclw Abnutzung bezw. ohne Verschulden des Mieters entstanden sind, zu beseitigen, wloit auch dann, rann der Mietpreis infolge des Krieges nmuffsigt wor den ist. Wenn in dieser Zeit auch alle Sonderwünsche der Mic ter zurückgestellt werden müssen, so erscheint es doch, schon »m Interesse unserer Gewerbetreibenden, wünschenswert, mit n o t wendigen Neuherrichtungen von Wohnungen mcht allzniehr zurückzuhalten. , , .

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Wetteraussichten in Hessen am Ainnuom, vea 12. April 1916. Zunahme der Bewölkung, zeltweise leichte Niederschläge, tags wann, ilachts kalt._ _

Letzte Aachrichten.

Die neuesten Erfolge im Westen.

i. Köln, 11. 2lprft. Der Sollderberichtcrstatter derKöln. Ztg." auf dem westlichen Kriegsschauplätze meldet, daß durch die Einnahme von Bethincourt der letzte Rest der ursprünglicher? französischen Linie vor Verdun in unsere Hand gefallen ist. Vom Walde von Avveourt bis zur Cote Lorraine bei Champion haben wir die Front in einer 70 Kilometer langen Lirric eingedrückt und stellenweise ans mehr als 8 Kilometer Tiefe. Man vergleiche damit die gewaltige französische Septemberoffensivc. Günstig gerechnet bedeutete sie eine Frontverschiebung twn 25 Kilometer Breite und viel geringerer Tiefe. In der Champagne war das franzö ­sische Vorrgehen gleich nach dem ersten überraschenden Ansturm zu Eli de. Bei Verdun dringen wir seit Beginn der Offensive rm- aufhaltsam Schritt ffir Schratt vor.

Rotterdam, 11. April.Meuwe Rotterdamsche Eourant" schreibt zu den Ereignissen vor Verdun: Nachdem die Franzosen von Haucourt ihren linken Stützpimkt der Stellung anc Forgesbache verloren haben, räumen sie jetzt auch, wie sie selbst zngestehcn, den östlichen Endpunkt ihrer Stellimg bis Smucmm. Tie Abbröckelung der französischen Front schreitet dadurch weiter. Mit ihrer neuen Methode, welche darin besteht, Einonch>tiurgen in die Front hineinzndrücken, und dann von dort durch Flanken- angrifs den Feind zn zwingen, die durch die Eiubrrchllmgen ent-i standenen vor springenden Stellungen zu räumeu, gelang es den Deutschen, die Franzosen aus der wichtigen Stellung zwischen Malaucourt mrd Bethincourt heranszuwerfen. Das Ergebnis ist, daß die Deutschen seit Beginn ihrer Offensive gegen Verdun die ftanzöfische Froirt ivestlich der Maas in einer Breite von über 10 Kilometer rurd einer Tiefe von vier bis acht Kilometer zurück­drängen konnten. Zwar sei dabei nur ein Teil des Vorgclärrdes der Festung dem Verteidiger verloren gegangen, aber die Bewegung, die noch immer im Gange sei, gehe in einer für die Franzosen verkehrten Richtung weiter.

Deutsche Haubitzen für die Schweiz.

Zürich, 11. Llpril. Wie dieZürcher Post" erfährt, trifft in den nächsten Tagen die erste deutsche Sendung der von Deutsch­land an die Schweiz zn liefernden 15-Zentimct er-Haubitzen nebst Munition dort ein. Es handelt sich um neue Geschütze nwdernster 2lrt, wie sie in der deutschen Armee Gebrauch sind und sich bei den bisherigen Erfahrungen des Krieges vorzüglich bewährt lzaben. Die hervorragende Leistungsfähigkeit der dwftschen Waffen.- industrie, führt das Blatt * aus, die nicht für den ungeheuren Bedarf des eigenen Landes Mi sorgen hat, sondern auch die Möglichkeit besitzt, schwere Artillerie iirs Ausland abzugelwn, kommt hierbei deutlich! zum Ausdruck. Angesichts der Tatsache, daß im Vierverband Munitionssorgen nack> in erster Linie stehen, in Lmcdon, Paris, Rom unb Petersburg eigene MunitionSnrmiste- rien gebildet werden, muß das ganz besonders überraschend I vir kan. Die dieNeuen Zürcher Nachri-chtew' erfahrcar, sollten die Haubitzen zuerst bei den Crcuzot-Weckken in Auftrag gegeben werden. Diese lehnten jedoch ab mit der Begründung, daß sie jetzt nickst in der Lage seien, Lieferungen ins Arrsland zu machen. Französische Befiirchtungen einer neuen deutschen Offensive.

i. Köln, 11. April. Laut derKöln. Ztg." meldet der Corriere dela Sera" aus Paris: Man erwartet innerhalb kurzer Frist eine neue deutsche Osfensive im Norden und eine großeSchlachtanderDser. Zwischen Mer und der Nordsee sei auf deutscher Seite zahlreiche Artillerie herangeschafft worden und gewaltige Verstärkimgen an Trirppen se^en in den belgischen Städten hinter der Front angesammelt. Die Sa'nitätvmannschaften seien in neuester Zeit verdreifacht worden.

Die Wahrheit über Litte.

Paris, 11. April. ImPetit Journal" wird mit b:nn'crkcns-» werter OffenWt ein Auszug aus einer Lftler Zeitung gebracht,- in dem eine Lftler Einwohnerin Angaben über die Verhältnisse in Bille unter deutscher Herrschaft macht. Sie waimt davor, den überall umlaufenden wilden Gen'ichten zu glauben. An gewissen Lebensmitteln sei ja Krrappheit nngetreten, aber die Bevölke­rung leide keinen Hunger.

Venizelos gegen den König Konstantin.

Athen, 11. April. Die neue Agitation, die Venizelos be­gonnen hat, nimmt unter seiner Leitung einen Charakter an, den man in anderen Ländern bedrohlich nennen konnte. Zu seiner neu gegründeten eigenen Wochenschrift ist eine weitere Tages­zeitung getreten. Von jetzt ab iverden alle Sonntage Volks­versammlungen in Anstalten, Theatem von Atheir und Piräus ab gehalten, in denen die Treuesten der Venizelos-Ge- treuen zum Volke sprechen werden. Ter Sturz des gegenwärtigen Kabinetts ist das direkt eingestcrndene Ziel dieser 2lgitation. Der Uebergang zur Entente mit Waffengewalt ist die uneingestandene Absicht. Aber die Regierung hält sich ivacker. Lllle Millionen, die ihr die Franzosen angeboten haben, lehnte die Regiernrng noch wegen der Bedingungen, die daran gekuüpft sind, ab. Als solche Bedingungen werden genannt: Griecheulmrd soll den Franc zum Parikurse nehmen: es soll versprechen, keüresfalls zu Un­gunsten Frankreichs und Englands mis der Neutralität heraus- zutreten, und was das wichtigste und unmöglichste ist, es soll mit der Zahlung der ersten Rate demobftisieren. Der französische und der englische Gesandte verhandelten mit Skuludis hieri'iber, stets aber erfolglos. Jetzt ist ein neuer Diplomat mcs Poais angekün­digt, der Griechenland mit Gold bezwingen soll. Deutschlarld um Geld anzugehen, kann die Regierung, wie ein Staatsmann offen cinrämnte, nicht wagen, wett unerträgliche Repressalien von seiten der Entente folgen würden, die dies als ein heimliches Einver­ständnis mft dem Vierbund betrachten würde.

Anarchistische Mordpläne?

Basel, 11. April. Dem PariserJournal" wird aus London berichtet Nach einem Telegramm aus Chicago hat man in einer Stadt ein anarchistisches Komplott zur Ermordung aller europäischen Staatsober­häupter entdeckt. Eine formelle Erklärung des General-- staatsanwalts bestätigt, daß die Liste der Opfer mit dem Zaren und dem deutschen Kaiser begonnen habe.

Wichtige Bettenfrage bei Materialmangel.

Erst recht ist es jetzt, wo fast keine Pftauzendmmen (Kapok) und keine Roßhaare vorhanden, also Kapokmalratzen fast so teuer wie Roßhaarmatratzen sind, eine Notwenoigkeit, meine 3teil. MatratzenStabil", Patentamt!, gesch. unter Nr. 420 684 (Zusatz Verbesserung beim Patentamt angemeldet), in Llnwendung zn bringen. Noch genügender Vorrat in Kapok mit : 'onl^arüber- lage ermöglichst, die Vorzüge des gesunden Lagers einer R.stwanr- matratze zn erreichen. Jederzeit in Roßhaarmatratzen umznändern. 2luch Kapoküberlage mit Einlage billigeren Biaterrals gibt seit Jahren bestbewährte rmd mxfy billige Bdatratzen. Hosuwbel- und Betten fabrrk Th. Brück, Gießen, 2936