Mid tm 10. Marz d. I. der PLajchmenmeiiter Frredruh Lutz zu Darmstadt, sämtlich in der Hessifch-Preußischen Eisenbahnge- weinsöiast, auf ihr Nachsuchen vom 1. April 1916 an in den Ruhestand verseht.
** Vorsicht bei elektrischen Leitungen. Die Bu- derusschen Eisemverke bitten um Aufnahme folgender Warnrmg: Wie uns nachträglich mit geteilt wird, kletterten vor etwa 14 Tagen 3 Sckulknaben an einem Leitungen« st der Hochspannungsleitung der Buderusschen Eismwerke bei Wißmar hinaus mit der Absicht, die Leitmrg zu berühre::. Sie hatten angeblich gehört, daß ein Berühren der Leitungen nicht gefährlich sein soll. Nachdem nnn einer der Junge,rs bereits auf der Hohe der Leitungen angekommen war nnd gerade die Hand znm Greifen einer Leitung aiisgestreckt hatte, sprang bereits ein elektrischer Lichtbogen von der Leitung über seine.Hand zum Leitungsmaste über. Der Junge erhielt dadurch Brandwunden an beiden Händen nnd einem Arni und fiel aus einer Höh' von 8 Metern aus die Erde herab. Ernstliche Verletzungen durch den Fall hat er sich glücklicherweise nicht zugezogen. Die beiden anderen Jungens kamen vollständig heil mit den, Schirecken davon. Es ist als ein großer Zufall zu be- ttachten, daß ans der Tat der Jungen nicht ein größeres Unglück entstanden ist; es wäre nicht unmöglich gewesen, daß die 3 Jungens durch den elektrischen Strom getötet werden konnten. Pflicht eines jeden Erwachsenen und besonders der Eltern nnd Lehrer ist es daher, die Kinder stets »nieder ans die Gefährlichkeit der elektrischen Leitungen aufmerksam zu machen, sie vor Berührung dieser Leitungen und Anlagen zu warnen und nach Möglichkeit davon fern zu halten.
** Der Hessische Diakon ie verein hielt am Montag nachmittag im Sitzungssaale der Landesshnode in D a r m st a d t unter dem Vorsitze von Dekan Z a u b i tz - Bcnsheim seine sehr zahlreich besuchte Jahresversammlung ab. In der geschlossenen M i t g l i e b e r t> c r f a in tu I u n g, in der auch der Ver- tteter der obersten Kirchen behörde, Präsident D. Nebel, und Geheimerat D. Dr. Flöring anwesend waren, wurde zunächst der verstorbene:, Mitglieder des Vereins gedacht, zu deren Ehren die Versammlung von ihren Plätzen sich erhob. Alsdann erstattete Pfarrer R n ck e r t - Darmstadt den Jahresbericht, der ein anschauliches Bild von dem segensreichen Wirken des Vereins, seiner Kriegs- nnd Lazarettätigkeit, sowie seiner Heimarbeit bot. Das stete Wachsen des Vereins offenbarte icmchlder von PfarrerS criba- Groß-Geran vorgetragene Rechnungsbericht der Jahre 1914/15, sowie die Aufstellung des Voranschlags für das neue Bereinsjahr. In der sich hieran anschließenden öffentlichen Versammlung, die ebenfalls sehr stark besucht war, sprach Geh. Kirchenrat Professor D. Tr. Eck-Gießen über: „O p f e r und Liebe". Ausgehend von der Unvergleichbarkeit dieses Weltkrieges mit früherer: tfrusgen, betonte er zunächst die Größe des Opfers, die die Liebe in der, fast siebenviertel Jahren hat bringen müssen. Opfer und Liebe, beides Morte, die unbedingt znm christlichen Wortschatz gehören, sind keineswegs von vornherein eine Einheit, sondern Glieder eirres Gegensatzes innerhalb des menschlichen und ckffristlichea Empfindens. Wie das Christentum ans der einen Seite kein Leiden der Erde anerkennen kann, ohne es zugleich, innerlich aufs wirksamste bekämpfen zu müssen, so chbt es umgekehrt auch kein Leiden in der Welt, vor dem das Christentum sich nicht zugleich auch beugen müßte als unter einer Fügung einer göttlichen Hand. Ter Gegensatz erhöht sich noch, da Opfer und Liebe jedes für sich zugleich unbedingte Größen sind. Eine etwaige Lösung des Gegensatzes durch den Gedanken einer Ervigkeitshoffnnng nach dieser Zeit befriedigt allein nicht. Er läßt die Frage offen nach der ungleichen Verteilung des Leidens in der Welt, wie auch ,mch der verlchiebenen Einwirkrrng des Leideps auf die Menschen, denen es teils inneren Gewinn, teils aber auch inneren Verlust bringen kann. E,ne Lösung ist nur zu finden, indem wir den Hauptinhalt des Gedankens der Einigkeit, losgelöst von allen sinnlichen Vorstellungen, Gott selber schon in diese Zeitlichkeit hineinnehmen und ihm deft Ausgleich des Gegensatzes anheimbefehlen. Ihm bleibt es überlassen, daß Leiden sei und warum; wir haben es lediglich nur anzufassen in Liebe und im Opfer. Das gilt auch von der Sonderliebe und dem Sonderopfer, das wir in dieser Zeit für unser Vaterland zu bringen haben. Denn auch der Staat ist ein Gottesgeschenk, wenn anders Gott auch unsere deutsche Geschichte durch große Männer (Friedrich d. Gr., Freiherrn v. Stein und Bismarck) hat werden lassen. Ein Sieg unserer Feinde müßte ihnen selbst und der Welt bei den, Tiefstände ihrer ethischen Gesinnung zu nnetm, moralischen Fluche werden; Deutschlands Sieg aber kann — ohne Ueberheüuna sei es gesagt — der Welt und selbst unseren Feinden noch einmal Heil nnd Segen bringen, nachdem es so gewaltig hat ringen müssen. Gott hat uns unser Volk als dasjenige hingestellt, dem zunächst gemäß der Frage des Samaritergleichnisses vor anderen Völkern unsere Liebe und unser Opfer zu gelten hat. Sollten wir nicht bereit sein, jedwede Liebe und jedwedes Opfer für es zu bringen? — Reicher Beifall lohnte die tiefen, fesselnden Ausführungen des Redners.
** I m Lichtspielhaus, Bahnhofftraße 34-, wird heute und morgen noch der wirklich sehenswerte Film, „Der Katzensteg" gegeben. Dieser Film ist nach dem gleichnamigen Roman von Hermann Sudermann, dem neben Frau Sorge am meisten gelesenen Werke dieses bedeirtsamen Schriftstellers bearbeitet. Ter Ronmn führt uns in die Zeit, da Napoleons Heere in Deutschland ein- gedrnngen sind, nnd gibt eine fesselnde Episode aus jenen großen Tagen. Tie Filmbearbeitung wußte die Motive des Romanes gefdiät m verarbeiten und auf ihre Art zu verlebendigen. Berühmte Filrnschauspieler wie Georg Lengbach vom Frankfurter Schauspielhaus, Ludwig Trautmann und Ferdinand Bonn geben den Gestalten eine außerordentliche Wirksamkeit nnd Lebenswahrheit. Vorzüglich wie immer sind die laMchaftlichen Bilder.
Landkreis Gießen.
J- fi o 1 1 a r , 6. April. Tie Schüler der hiesigen Schule zeichneten als Kriegsanleihe 1773 Mk. und sammelten auf Anregung ihrer Lehrer 1600 recht große Eier und 42,10 Mk. in bar. Die Eier wurden zur Verteilung an die Lazarette in Großberzoglichem Kreisamt und der Barbetrag dem Roten Kreuz abgelieiert.
e Lick, 6. April. Tie Pfennigsparkasse der Licher Spar- und Kreditaktie ngefellschaft hat sich auch in der gegenwärtigen Kriegszeit als viel benutzte und wohltättge Anstalt erwiesen. Die Einlagen betrugen im letzten Jahre 12 742 Mk. Das eingelegte Geld wird zu jeder Zeit mit Zinsen zurück bezalstt, um jedem Einleger die Möglichkeit zu geben, bei größeren Ausgaben bar bezahlen zu können.
Rreis Büdingen.
# Rohrbach, 5. April. Den Heldentod starb der Musketier Adolf Mülle r.
Kreis Alsfeld.
lUp Aus dem Ohmtal, 5. März. Ein so gewitterreicher Jahresbeginn mit Frühjahrszeit l-at man während eines Menschen- alters ,roch nicht erlebt, wie es jetzt der Fall ist. Das erste Gewitter war am 3. Januar d. I. Trotz der ungewöhnlichen Zeit waren die elektrischen Entladungen stark. Ihm folgte am 16. Februar das zweite Gewitter, hiernach eins am 21. März nnd am 28 März. Gestern abend wlgte das fünfte mit Blitz nnd Donner so stark um im Hochsommer. In nächster Nähe Ruppertenrods rvar ein Einschlag mit eigenartigem Donner begleitet, der lebhaft an den Schuß aus einem Geschütz erinnerte. Ein gewitterreiches Jahr bedeutet ein fruchtbares Jahr.
Kreis Schotten.
# Schotten, 5. April. Gestern wurde hier Hauptmauu
Muhl, im 4. Großb. Hess. Infanterie-Regiment 118, Sohn des hiesigen Pfarrers Muhl, beerdigt. Er starb an den Folgen einer schweren Operation. t _ ,
# Michelbach. 5. April. Auf dem Felde der Ehre starb im Westen der Musketier Becker im Jnsauterie-Regiment 116.
# Ulrichsleiu. 5. April. Den Heldentod fürs Vaterland starb der Reservist Schmalbach in, Res.-Jnf.-Reqt. 1>6.
Eschenrod, ö. April. Die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Wehrmann Betz im Jns.-Rgt. 349.
up. Aus dem vorderen Vogelsberg, 5. April. Unter den landwietschastlichen Arbeiten, welche den, Mangel an Oel wirksam begegnen können, steht der Anbau von Winter- und Som
merraps in eurer Lrnre. axx Stand des Winterrapses ist sehr gut; er hat vortrefflich überwintert und beginnt schon in die Blüten zu schießen. Nun gilt es, A:vordmmgen z-n treffen, daß auch Sommerraps mehr wieder gebaut wird. Gerade dessen Anban wird nicht so emsig betrieben, obgleich das aus ihm ge- wmrnene Speiseöl das des Wirttersamens an Wohlgeschmack übertrifft.
Kreis Friedberg.
LI F r i e d b e r g . 6. April. Unteroffizier Otto Engel, Sohn des Gerbers Philipp Engel hier, in, Infanterie-Regiment 365, erhielt das Eiserne Kreuz - Der Sanitäts - Unteroffizier Franz Nees. zurzeit in einem Reservelazarelt in Bad-Nauheun, wurde zum Vizeieldwebel befördert.
LI. Oppershofen, 6. April. Dem Leutnant der Reserve ch m i d t von hier, einem Sohne des Bürgermeisters Schmidt, .wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse vom Kaiser überreicht.
LI. B ü d e s h e i n,, 6. Avril. Der Gefreite Heinrich Christian Weber, der am 33. Februar als Kriegsgefangener entlassen wurde, ist jetzt mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden.
LI. O ck st a d t, 6. April. Der Kanonier Gottfried E w a l d. der fett Kriegsbeginn in, Felde steht und jetzt die schweren Kämpfe bei Verdun untgemacht hat, erhielt am 1. April das E,ser>,e Kreuz, das ihn, vom Kaiser selbst überreicht wurde. In dem Briese, worin Ewald diese Ehrung semen Eltertk initleilte. schreibt er: „Ich hatte nie ii, meinem Leben geglaubt, daß rch mit dem Deutschen Kaiser jemals ins Gespräch käme."
Kreis Wetzlar.
6. O d 6 n h a u s en , 6. April. Der vor kurzem mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnete Vizeieldwebel L. Becker von hier wurde zum Offiz,er-Slelloertreter befördert.
e. Dornholzhausen, 6. April. Ein weiteres, bereits das achte Opfer, forderte der Krieg von unserer kleinen Gemeinde. Der Schmiedemeisler Heinrich Heiser, der bei einer Munitions- tolonne im Westen stand, starb am 29. März d. Js. den Heldentod.
Hessen-Nassau.
J] M arburg, 6. April. Hier in Marburg, wo schon seit 1867^ mit kurzer Unterbn
das Kurhessische Jäyerbatai.llon Nr. 11 seinen Standort hat, soll ein Heim für rn valide Jäger und Schützen errichtet iverden. Als Banplatz kommt ein 42 000 Quadratmeter großes Gelände am Abhang des mit dem Kaiser-Wilhelmttrrn: gekrönten Spiegelslustbergs südlich des Haupt bahnhofs in Betracht. Das Barckapüal wird durch Sammlungen und Spenden aufgebracht.
Frankfurt a. M., 6. April. In der Uniform eines Oberleutnants verübte ein Soldat hier längere Zeit eine Reihe von Schwindeleien. Er trug an der Brust eine Menge Orden, wohnte in einem der ersten Gasthäuser am Bahnhofsplatz und machte durch sein sicheres Auftreten überall guten Eindruck, zumal er sich auch den Freiherrntitel zugelegt hatte. Erst als er vom Oberkellner bis zum Zimmermädchen herab alles angepumpt hatte, wurde man mißtrauisch und erstattete Anzeige. Bei einem Ausflug nach der Gerbermühle verhaftete man den »Freiherrn", der sich recht bald in einen gewöhnlichen Musketier, namens Schulze verwandelte.
= Frankfurt a. M., 6. April. Bei dem Durchsuchen von Uniformen, die einer Reinigungsanstalt zn^eführt werden sollten, fanden Kinder auf den, Bahnhof Mederrad !eine Sprengkapsel. Der 14fährige Schüler Bruno Liebler machte sich an der Patrone zu schaffen, die plötzlich explodierte und dem Jungen die linke Hand zerriß, die rechte schwer verletzte und ihm sonst am ganzen Körper noch bedenkliche Verletzungen zufügte. Der Kuabe kam in nahezu hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus.
Bereinigung auf gemeinnütziger Grundlage getntdeü neue Vereinigung bezweckt die Erteilung von Kreditauskünften und Informationen handelswirtschastlicher Art an Mitglieder, me tiä) aus den Kreisen des Handels, der Industrie, Finanz, des Gewerbes, des Bergbaues, der Schisfahrt und der Landwirtschaft zusammen- chließeu. Die Geschäftsstelle der Handelsa,lskunftei-Veremlgung befindet sich in Hau,bürg, Levantehaus.
It rt i rfi tats*Tl a cfy ri d} iciu
— Frankfurt a. M., 6. April. Stadtrat vr. jar. W o e l l wurde wegen feiner Verdienste um die Gründung der Frankfurter Universität von der Medizinischen Fakultät zum vr. med. h. c. ernannt. _
js Mar bürg, . 6 . April. Der Lektor der französischen Sprache an der Universität Frankfurt, Clemens Liebergesell, wurde für das Sommerse mesder mit der iBertretung des abwesenden Läktors der französischen Sprache an der hiesigen Universität beauftragt.
Gerichtsfaal.
Zürich, 5. April. (WTB. Mchtamtlich.) Das Bezirksgericht hat zehn Postbeamte, die aus der welschen Schweiz stammen imd angeklagt waren, in den Monaten Januar, Februar und Marz 1915 Muster ohne Wert-Sendungen (Liebesgaben) f ü r deutsche Soldaten entwendet zu haben, zu Gefängnisstrafen von einem bis zu 6 Tagen verurteilt, verbunden mit Geldbußen. Die Angeklagten bestritten, daß sie ans böser Absicht oder wegen deutsch-feindlich er Gesinnung gehandelt hatten. Sie hätten sich bloß aus Naschhaftigkeit vergangen. Es handette sich um Mustersendungen, die Schokolade, Zigaretten und Stumpen enthielten und einen Wert von einem bis acht Franken darstellten.
vermischtes.
Bern, 5. April. (WTB.) Ter „Secolo" meldet cnt3 Bres eia: Am Arno-See verschüttete eine unge Heu r e L a- wineeineKaserue, ivobei 140 Soldaten unter den Trümmern begraben wurden; 40 Dote und ebenso viele Verwundete wurden geborgen.
* Berlin, 5. April. (Priv.-Tel.) Vor etwa 14 Tagen ist au' dem hiesigen Stetttner Bahnhof von einem unbekannten Manne ein Reisekorb mit dem Bestimmungsorte Stettin aufgegeben worden. Da sich innerhalb dieser Zeit auf der Reisegepäck stelle^ des Personenbahnhofes Stettin niemand zur Abholung meldete, öffnete man heute vormittag den Reisekorb und fand in ihm die Leiche eines etwa 20 Jahre alten Mädchens, das nur mit Strümpfen, sonst unbekleidet war. Der tote Körper tvar mit Stricken umschnürt, der Kopf, und das Gesicht mit einen, Tuch umhüllt. Der Berliner Kriminalkommissar Gennat befindet sich bereits aus dem Wege nach Stettin, um das Verbrechen, denn un, ein solches scheint es sich zu handeln, aufzuklären.
* Kinderarbeit in den französischen Kriegs Werkstätten. In Ermangelung ruhmreicher Berichte aus dem Felde bemüht sich die französische Presse neuerdings, die Arbeit der zu .Hause Gebliebenen über den Klee zu loben und daheim nach Helden zu suchten, da an der Front keine Erfolge zu verzeichnen sind. Die jüngste Begeisterungswelle des „Matin" gilt den französischen Kindern, deren Haltung man in den höchsten Tönen preist. Allerdings vergißt man bei diesem Loblieb ganz, daß die Tatsache, daß die Kinder im zartesten Alter von, frühen Morgen bis zum späten Abend zur Arbeit in den staatlichen Kriegswerkstätten gezwungen werden, der sozialen Ordnung, der Organisation und den Mitteln der Franzosen nicht gerade ein beglückendes Zeugnis ausstellt. Fast in allen französischen Munitionsfabriken sah man sich genötigt, die Lücken in der Zahl volbvevttger Arbeitskräfte durch schwache Kinder auszusütten. Kinder müssen die Hebel der Maschinen bedienen, mit schwerem Werkzeug umgehen (unb Arbeiten leisten, die ihnen vom Standpunkt der Volksgesundheit nicht gerade zum Vorteil gereichen. Wie es sonst um die Arbeiter in den Kriegswerkstätten in Frankreich bestellt ist, geht aus der Bemerkung des „Matin" hervor: „Neben den schwächlichen, traurigen Frauen, den blassen und niedergeschlagenen Mädchen und den stummen, starr vor sich hinblickenden Greisen sind diese munteren Kinder in den Sälen der Munitionsfabriken ein erfreulicher Anblick..."
Berlin, 5. April. Die Deutsche Erdöl-Aktien G es e l l s ch a s t verteilt bei reichlichen Abschreibungen und Rück lagen 20 Prozent Dividende.
Hamburg, 5. April. (WTB. Nichtamtlich.) Heute wurde von führenden Firmen Deutschlands eine H a n d e ls a u s k u n f t e i
Märkte.
5. April.
ke. Wiesbaden,
19 Rinder, darunter 2 Ochsen, 3 Bullen, 14 Schaie, 9 Schweine. Der geringe Austrieb festgesetzten Höchstpreisen abgesetzt.
V i e h n, a r k t. Auftrieb:
Kühe, 82 Kälber, war schnell zu den
Wrtterungsbericht.
(Oeffentlicher Wetterdienst.)
Am Anfang dieser Berichtswoche — 29. März bis 4. April hatten wir die sonst im allgemeinen vorherrschende Wetterlage; auf dem Fesilande lagerte nämlich hoher Druck, während int Nordwesten ein ausgedehntes Tiefdruckgebiet lag, das sich allmählich nach Nordosten bewegte. Am Südrande des Tiefdruckgebiets herrschte zumeist in unserem Bezirk bei wechselnder Bewölkung vorwiegend ttockenes Wetter. Doch bald stieg auf der Rückseite der nach Nordosten abzichenden Depression der Druck auf dem ganzen Festland, so daß wieder heiteres Frühlingswetter eintrat. Allerdings herrschten kalte Ostwinde vor; die Temperaturen sanken daher bei Nacht stark, ja sogar unter Null, besonders in höheren Lagen. Aber puch die Tagestemperaturen blieben gegenüber denen am Ende der vorigen Berichtswoche verhältnismäßig niedrig. So war auch das Tagesmittel in Gießen von -ft 8 ° am Dienstag,28. März auf nur ft- 2,5 ° am Donnerstag, 30. März gesunken. (Minimum in Gießen — 3°). Von da ab sttegen jedoch die Temperaturen, hauptsächlich bei Tage, sehr stark an; von nur ft- 9 ° am Donnerstag stieg das Temperaturmaximüm am Freitag auf -ft 12 am Samstag auf -ft 17 am Sonntag auf ft- 19 0 und am Montag ögar auf -ft 20 o. Die Nachttemperaturen hielten sich jedoch nur wenig über Null. In dieser ganzen Zeit, war der Luftdruck über dem Festlarrd noch immer weiter gestiegen. Nunmehr beginnt er wieberum zu zerfallen imd wird von einem im Nordwesten auf- 'teigenden Tiefdruckgebiet nach Osten zurückgedrängt. Ausläufer dieses nordostwärts vorrückenden Tiefdruckausläufers brachten uns bereits heute, Dienstag, 4. April, am Nachmittag vielerorts Gewittererscheinungen und Gewitterentladungen mit Regenfällen.
Letzte Nachrichten.
Zimt Rücktritt des italienischen Kriegsministers.
Berlin, 6. April. Wenn ein Kriegsminister einer der kriegsührenden. Mächte während einer neuen großen Offensive der Truppen von seinem Amte zurücktritt, ohne daß auch nur der Versuch gemacht wird, erne Erkrankung als Grund oieses Schrittes anzugeben, so kann man annehmen, daß er nicht mit dem Verlauf des <zeldzuges und wahrscheinlich auch nicht mit den bisher getroftenen Maßnahme:: zufrieden war. Vieleicht bestätigt sich das Gerücht, daß Zupeltt keineswegs die militärische Lage durch die Brille Cadornas, des Oberkommandierenden betrachtete. Wer weiß, ob fem Riccktrrtt nickt auch mit den Beschlüssen der Pariser Konferenz zusammenhängt. Wir werden den Grund seines Rücktritts erst an dessen Folgen erkennen können.
Ein französisches 40-Zentimeter-Geschütz.
Genf, 6. April. Im Unterstaatssekretariat für Munition in Paris sind laut „Petit Journal" seit gestern zwei Stahlbomben von je 1000 Mo ausgestellt, die zur Munition des neuen französischen 40-Zenti- meter-Geschützes dienen und die deutschen 42-Zenti- meter-Mörser bekämpfen wollen.
Große englische Verluste in Ostafrika.
Amsterdam, 6. April. Ein Bericht der „Tintes" aus dem Hauptguartier des Generals SmutS gibt eine Vorstellung von den ungeheuren Verlusten, mit denen S muts mit seinen vielfach überlegenen Streilkräften sein Vordringen nach Deutsch-Ostafrika erkaufe:: muß. Smuts wählte danach Nairobi zur Operationsbai is und richtete in Mbuyuni eine Fliegerstation ein. Mit seiner Hauptmacht, die aus zwei Seiten eingesetzt wurde, rückte er bis Moschr und detachierte eine starke Brigade nach den Westabhängen des Kffimandscharo. Die geplante Umzingelung gelang, aber die Deutschen verteidigten jeden Zoll Boden mit größter Hartnackigkctt. Das siebente Union-Regiment verlor ein Drittel seiner Mannschaft, während die Truppen aus Pretoria, Johannesburg und Durban noch schwerere Verluste Hatten. Die Gefechte wurden sämtlich am Fuß oes Wimcmdscharo geliefert.
Die neue Besteuerung in England.
London, 4. April. (WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Fortsetzung: Mac Kenn« führte weiter aus, die neue Besteuerung iverde für sich allein tatsächlich 65 Millron«: Pfund erbringen. Die Einftihr von Luxuswaren werde verhindert werden, anstatt sie mit einem Einfuhrzoll zu belegen, was im Hinblick auf die Schwierigkeit der Durchft'chrung und die Einschränkung der Lebeirshaltung nicht ratsam sei. Der Stand der nationalen Schuld werde sich am Ende des Finanzjahres 1916/1917, abgesehen von 800 Millionen, die den Verbündeten und Dominions wrge- schossen worden seien, auf 2460 Millionen Pfund Sterling belaufen, deren Verzinsung und Tilgung das ordentliche Budget mit 145 Millionen Pfund Sterling belasten würden. Die Aufwendungen für den Krieg sind hierbei nicht in Mrechnung gebracht: letztere würden 338 Pftcnd Sterling betragen unter Einschluß von 145 Millionen Pfund Sterling für den Sckuldendienst und 20 Millionen Pfund ftir Pensionszahlnngen. A:ü>ererseits ergäbe:: die dauernden Einnahmen mit Ausschluß von 86 Millionen Pfund Ertrag aus der Kriegsgewinnsteuer die Summe von 423 Millionen Pfund, so daß ein Üeberfchuß von 88 Millionen Pfund Sterling verbleiben würde. Umfangreiche Vorsorge sei für die Erfordernisse des Krieges getroffen, imb wenn der Friede komme, werde ein; weiter Spielraun: für Ermäßigung der Besteuerung vorhanden sein, lieber 300 Millionen Pfund würden jährlich aus den seit Beginn des Krieges geschaffenen Steuer:: aufgebracht werden. Mac Kenna schloß: Während der deutsche Schatzsekretär Helfferich eine zweifelhafte Zunahme des Steuereinkommens um 24 Millionen Pfund angekündigt habe, konnten loir imt Recht darauf Hinweisen, daß bei' uns sich weder auf den: Gebiete der innere:: Venvaltung noch in bezug aus die militärischen Erfordernisse ein Mangel gezeigt hat.
Eine Kundgebung deutscher Frauen gegen Auswüchse der Mode.
i. Köln, 6. April. Die nationaler Frauengemeinschaft Köln und die ihr angeschlossenen 35 Fraucnvereine haben an den Gouverneur der Festung Köln eine Eingabe gerichtet, in der sie darrun bitten, ein Verbot zu erlassen, das sich auf die diesjährige Frauenmode, insbesondere auf die kurzen, weiten Röcke, die halfen Stiefel und die hohen Absätze bezieht. Es heißt darin: Tie vereinigten Kölner Frauenvereine :md mit ihnen alle denkenden Männer und Frauen betrachten es als einen vollständigen Mangel an vaterländischer Gesinnung und als eine Schmach für die deutsche Frau, daß diese von ihnen in einer Kleidung einhergehen, die durckf ihre auffallend leichtfertige Art der ernsten S t i nr m u n g Hohn spricht, die unser Volk beherrscht, in einer Zeit, wo vielfache Not und schweres persona liches Leid des einzelnen das Mitempffnden aller wachrusen sollte. Mehr als je 'wirkt der üsbermüUge- Kleidecln^Us, die berausfordmw« Wichtigkeit, die der Einzelne sich dadurch beiznlegen sucht, :vr- letzend auf diejenigen, die in Not geraten si:ü). Es ist zudem im höchsten Maße unnnrlschaftlich, daß die deutsche Frau eine Mode befolgt, die teilweise aus deru feindlichen Auslände stammt :uü» über das neutrale Ausland nach Deutschland eingeschmuggelt sein soll. Sparsamkeit bei jeder Material Verwendung ist heute geboten.


