Nr. 66
Zweites Blatt
166. Jahrgang
Erscheint tätlich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Sietze»er KamMendlätter" werden dem
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS ^tteirdlatt f«r den Ureis Siehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger skr Gderhessen
Samstag, J8. März 19J6
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fchen UniversitätS - Buch- und Steindruckereu R. Lange, Gieße»:.
Schriitleitung,Geschäftsstelle u.Truckerei: Schul» stratze?. Geschäftsstelle u.Berlag:^«51, Schrift- leitung: d^I12. Adresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.
Die neue Kriegsanleihe.
(Fortsetzung und Schluß.)
Gießen, den 17. März.
Anschließend an die Darlegungen von Prof. Dr. Skal- toeit erklirrte Jnstizrat Landtags-abgeordneter Grüne- Wald die Vorteile der 4. Kriegsanleihe und erläuterte im einzelnen die Art ihrer Ausgabe und die Vornahme der Zeichnung. Er sagte etwa folgendes:
Landtagsabgeordneter Justizrat Grünewald:
Mir ist die Aufgabe gestellt worden, die Frage zu untersuchen, ob für größere oder kleinere Anleger die Zeichnung der neuen Kriegsanleihe einnützliches rund vorteilhaftes Geschäft sei. oder ob der Zeichner ein Opfer bringe. Die Frage ist eigentlich schon beantwortet durch den Erfolg der seitherigen Anleihen: Die vielen Milliarden wären niemals aufgebracht worden, wenn das Reich an die Opferwillig keit einen Appell gerichtet Hütte. Wohl kann der Einzelne, nur sich selbst verantwortlich, Opfer bringen, aber die Leiter von Banken, Aktiengesellschaften. Gewerkschaften, Genossenschaften, Sparkassen, Arbeitervertretungen, sind nicht berechtigt, für ihre Verwaltungen ein Papier anzulegen, das nicht einivandftei und ohne Risiko sich erweist, und das nicht eine gute Verzinsung ausbringt.
Was bietet das Reich? Es tritt hervor mit 2 Typs: 1. einer 5prozentigen Kriegsanleihe, diesmal zu L 8,5 0 M k. aufgelegt. Für 98,50 Mt. erhält der Zeichner 10 0 Mk. Nennwert. Der Preis ist also gegenüber der 3. Anleihe um V2 Prozent ermäßigt, womit ein Ausgleich geboten werden soll für die um ein halbes Jahr kürzere Geltungsdauer der 5prozentigen Verzinsung: das Ziel des 1. Oktober 1924 ist nur noch 87 2 Jahre entfernt. Diese Preisermäßigung stellt einen verhältnismäßig großen Vorteil für den Zeichner dar.
Das Papier ist unkündbar — nicht toie es vielfach verstanden wird, für den Eigentümer, der kann stets durch Veräußerung und Verpfändung über das Papier verfügen, und ein Papier von dem' Range der Reick^anleihe itrirb stets leicht veräußerlich sein —, wohl aber unkündbar für das Reich, das die Anleihe bis 1. Oktober 1924 verzinsen muß. Regulär 'beträgt die Berzinsnug 5,07 Prozent, wozu der Dilgungsgewinn mit 0,17 Prozent hinzutritt, so daß das Papier 5,2 4 Prozent, also nur um einen kleinen Bruchteil weniger wie 5' > Proz., rentiert. Das ist bei einem Anlagepapier, dessen Sicherheit durch die Macht und daS Vermögen des deutschen Reichs garantiert ist, eine hohe Verzinsung, eine Verzinsung, wie sie anderweitig bei risikofteien Werten nirgends zur Verfügung siebt. Betrachtet man andere sichere Anlagewcrte: 4prozcntige deutsche Hppothekenpfaiwbrieft, 4prozeutigz Städteanleihen, 3' Iprozentige Städteanleihen, bundesstaatlickze ^otaatspapiere, so ergibt sich nirgends ein höherer Zinsfuß als 4,45, 4,50 und höchstens 4 3 / a Proz. Von ausländischen Werten will ich nicht viel reden, früher hat das deutsche Publikum viel Neigung gehabt, Schweizer, Italiener, Griechen, Amerikaner, Chinesen. Argentinier, Serben, Portugiesen, Russen zu erwerben, gute Erfahrungen hat man damit nicht gemacht. Mancher in der Versammlung wird das Leid des russischen Reichs gegenwärtig mittragen! Portugal, Griechenland, Serben und andere Staaten haben Staatsbankerott gemacht, und auch in gegenwärtiger Zeit hat sich ihr Ansehen und ihr Kredit nicht verbessert. Ich bin der letzte, der nicht der Anlage in Industrie-Papieren das Wort reden will, aber diese eignen sich doch vornehmlich für Leute, die viel auf eine Karte setzen können: bedenkt man, daß ein gutrcntierendes Jn- dustriepapier in der Regel auch nur zu hohem Kurse zu erwerben ist, daß fast alle Industrien Wechselfälsch,ungen verschiedener Art ausgesetzt sind (Blenderungen in der Zollgesetzgebung, in der Fabrikation, neue Erfindungen usw.), so ergibt sich, daß ein Jndustrie- vapier in der Regel nicht als risikofreie Anlage angesehen werden könne. Man sagt, daß, wer gut essen will, sein. Vermögen in Jn- dustriepaviercn onlegen soll, wer aber guten Schlaf vorzieht, mit sicheren Rentenpapieren sich begnügen soll. Die Reichsanle-ihe ermöglicht gutes Essen — man braucht \a nicht gerade Kaviar, Ananas, Apfelsinen und andere ausländische Produkte zu nehmen, :nit deren Ankauf man das Geld dem Land hinaustrage und die deutsche Valuta verschlechtert — man kann aber im Besitz dieses Papier es auch gut schlafen.
Die zweite Art des neu aufgelegten Papieres ist die 41/2 P r 0 - zentige Schatzanweisung, Ausgabekurs 95.— reine Verzinsung 4,74 Prozent, zu der der Verlosungsgewinn mit 0,71 Prozent hinzutritt. Das Papier rentiert mit 5,45 Prozent, noch nach 8 Jahren beträgt die' Verzinsung 5,36 Prozent, nach 9 5,29, nach 10 5,24 und nach 16 Jahren 5,05 Prozent. Wer zwischen dem Beginn der Auslosung, 1923 bis 1932 das bare Geld nicht will, kann 41/2 pro zentige Schuldverschreibungen haben, die bis 1932 laufen: der Besitzer erzielt damit eine Vergünstigung für den Fall, daß mittlerweile der Zinsfuß unter 4 1 /s Prozent gesunken sein sollte. Die Vorteile gegenüber der Reichsauleihe bestehen darin, daß acht Jahre langer Genuß der 4H2 prozentigen Rente garantiert ist und daß das Papier voraussichtlich eine größere Negotiabilität besitzt, als das in großen Mengen bereits vorhandene 5 Prozent: ge. Zu letzteren: ist noch zu bemerken, daß statt der bpvozentigen Anleihe Schnldbuchzeichnungen gewählt iverden könnten, deren Vorteile darin bestehen, daß der Emissions- preis 20 Pfg. vom 100 billiger ist und daß jeder Verlust durch Diebstahl, Feuer oder sonstige Zufälle ausgeschlossen ist. Der Eigentümer braucht sich weder irm Aufbewahrung der Stücke zu kümmern, er braucht sich nicht mit der Couponschere zu be
mühen, die Zinsen der Buchschuld werden ihm ohne Umstände zugesandt. Der Grund für das Reich, die Schuldbuchzeichnungen zu begünstigen, ist der, den Markt möglichst von den Schuldver- verschreibmrgen zu entlasten und damit zur Hebung und Stabilität des Kurses beizutragen.
Redner erwähnt sodann die* Art und Weise der Zeichnung, legte dar, daß keine volle Zahlung bei der Zeichnung nötig sei und daß von: 31. März ab die Stückzinsenberechnungl beginne.
Das Beispiel einer Zeichnung von 100 M k., die am 31. März eingezahlt werden, ergibt, daß 97,25 Mk. (bei Schuldbuchzeichnungen 95,05 Mk.) bei den öprozentigen und 93,87 Mk. bei den Il/sprozentigen tatsächlich zu zahlen ist. Jedes Guthaben bei Sparkassen oder Banken kann für die Einzahlung in Anspruch genommen werde::. Wertpapiere werden von den Darlehnskassen des Reichs :vie von den Banken zu 57i Prozent beliehen und, wie eine Auskunft des Reichsbankpräsidenten ergibt, blieben die Darlehnskassen über Kriegsende bestehe,:, so daß die Kriegsanleihedarlehen noch mehrere Jahre hindurch)! in Ruhe belassen werden könnten.. Die Zinsscheine der Re:cbs- a n l e i h e werden bei den Postaustalten in Zahlung genommen, es iverden sich diese auch im freien Verkehr als Zahlung s - mittel einbürgern. Die Hauptsache ist, daß nicht nur Industrie und Großkapital sich an der Zeichnung beteiligt, sondern daß jeder in: Volke, und wem: er auch nur wenige Mark zum sparen übrig habe, teilnimmt. Keine Summe ist zu groß und keine zu klein, als daß sie nicht in den Dienst der Verteidigung des Vaterlandes gestellt werden könnte, aber nicht nur um das Geld handelt es sich, es handelt sich darum, daß an den: höchsten Gewinn, den die Heimsuchung dieses Krieges dem deutschen Volke gebracht hat, dem Gemein- sinn, dem Bewußtsein, daß wir alle zusammenstehen Müssen, das ganze Volk teilhaftig wird.
Insbesondere die Jugend ist her an zu ziehen: Wie die Knaben und Mädchen mit glänzenden Augen die Goldstücke herbeigebracht haben, so sollen sie jetzt ihre Quittung heimbringen über die Sparbeträge, die sie unter Leitung ihrer Lehrer zur Kriegsanleihe brachten. Mit dem materiellsten Gut, dem Geld, sollen die Kinder in der edelsten Relation, der Vaterlandsliebe, in Berührung gebracht iverden. Redner verweist auf die bereits organisierten Scrmm elzeich nungen in Braunschweig und Hessen und erwähnt, daß auch hier solche in den Schulen sowohl wie in den Fabriken, den Vereinen, den Arbeiter- Vereinigungen, in die Wege geleitet iverden möchten.
Beide Arten der Kriegsanleihe, so schließt der Redner, sind hoch verzinslich und absolut sicher, sie bilden eine erstklassige Kapitalanlage, sie weisen keinerlei Nachteile oder Gefahren ans. Wer sein Geld in diesen Papieren anlcgt, der kani: ruhig schlafet:, zudem aus dem Ruhekissen des Bewußtseins, an seinen: Teil zu der Verteidigung unseres heißgeliebten Vaterlandes beigetragcn zu haben.
Als letzter Redner sprach Geheimer Kirchenrat Professor D. I)r. E ck tnit wahrhaft begeisternden Worten von dem Vertrauen, das wir unserer Regierung cntgegenbringen können und entgegenbringen, 'indem wir unserer vaterländischen Pflicht Nachkommen und die erforderlichen Milliarden dem Vaterlandc zur Verfügung stellen. Seiner hinreißenden Rede entnehmen wir folgendes:
Geh. Kirchenrat Prof. v. Dr. Eck.
-Wir fyahen aus den: Munde fachkundiger: Mitbürger alle großen und entscheidenden Gesichtspunkte für die 4. Kriegsanleihe erfahren. Wenn ich doch bitte, mir für einige kurze Worte Gehör zu schenken, so tue ich das als einfacher Mitbürger unter dem Eindruck, den die 4. Kriegsanleihe auf alle Männer und Frauen des deutsche:: Vaterlandes macht und machen muß. Die 4. Kriegsanleihe bewegt sich wie auch die vorhergehenden in Milliarden, Zahlen, bei denen es einen: schwindlich iverden könnte, und vielleicht werden viele unter uns sein, denen das Wort Milliarde mir an einem einzigen Ereignis der Geschichte haftet, an der französischen Kriegsentschädigung, die wir den: Feinde ab gezwungen haben. Was sind jene Milliarden ader gegen das, wois wir heute selbst leisten wollen und leisten werden! Und doch sind diese. Momente au der Kriegsanleihe noch das geringste, wenn wir sie einschätzen gegen die Gedankenarbeit derer, die sie einnehmen und ausgeben auf den weiten Kriegsschauplätzen von .Helgoland nach Bagdad, von Ipern nach 'Brest-Litoiwsk. Wir werden der .Kriegsanleilje noch einen anderen Maßstab anlegen, der gerade aus dieser Gedankenarbeit herauswachsen muß, das Vertrauen des deutschen Volkes, das derartig ungeheure Sunrmen au einen großen Wurf wagt.
Man vertraut nur einem zuverlässige:: Menschen etwas an. Wir vertrauen einem zuverlässigen Staate die Milliarden und Abemnilliarden an, von dem wir wissen, daß seine Mitglieder Generationen hindurch den Bürger-
Märkte.
Gießen, 13. März. Marktbericht. Aus den: heutige»: Wochenmarkt kostete: Butter das Pfund 1,90—0,00 Mk.: Hühnereier dasStück 16—17Psg.; Käse 8—I0Pfg., Käsematte 3 Piq. d.St.; Ochsenfleisch das Pfund 1,80-1,84 Mk., Kuhfleisch 1,70-1,84 Mk. das Psund, Rindfleisch das Pfund 1,80-1,84 Mk., Schweinefleisch das Psund 1.50-0,00 Mk., Kalbfleisch das Psund 1,70-1,84 Mk., Hammelfleisch das Pfund 1,70—0,00 Mk.; Kartoffeln der Zentner 3,7b Mk.; Zwiebeln das Psund 20—25 Pfg.; Milch das Liter 28 Pfg.; Misse 100 Stück 00-00 Pfg.; Spi»:at 25—30 Pfg. das Psund, Gelberüben 12—15 Psg. das Pfd, Rosenkohl 2b—30 Pfg. das Psd., Kohlrabi 10-15 Psg. d. St., Roterüben 10—12 Psg., Grünkohl das Psund 20—25 Pfennig, Sellerie 10-20 Pfennig das Stück, Meerrettig 20—25 Pfennig. - Marktzeit von 8 bis 2 Uhr. - Fleischpreise aus dem Markte von auswärtigen Händlern: Ochsenfleisch das Psd. Mk. 1,50-1,60 Rindfleisch d. Psd. 1.50-1,60 Mk., Rindfleisch-Bratenstück das Pfund 0,00—0,00 Mk., Nrerensett das Psd. 1,50 Mk., Leber- und Blutwurst 1,45 Mk. das Psund, Mettwurst 1,80 Mk. das Psund, Schweinefleisch 1,45 Mk. das Psund.
ko. Frankfurt a. M., 17. März. Heu- und Stroh markt. Auf dem heutigen Heu- u»:d Strohinarkt war nichts angeiahren.
F. C. Wiesbaden, 17. März. Viehmarkt. Austrieb: 4 Rinder, keine Ochsen und Bullen, 4 Kühe, 52 Kälber, 0 Schafe unb 8 Schweine. Be: lebhastein Handel wird schnell abgesetzt.
Spielvlan der Gietzener Stadtlhralerr.
Direktion: Hermann Steingoetter.
Sonntag, den 19. März, nachmittags 37, Uhr, bei Volkspreisen: Kindervorstellung: „Tie dreiHauleinännerchen/ Ende gegen 57,Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen, Gutscheine haben Gültigkeit: „Der lächelnde Knabe." Ende 9^ Uhr. Dienstag, den 21. März, abends 8 Uhr, bei gewöhnliche»: Preise»: (ermäßig:), 14. Dienstags-Abonne- ment-Vorstellung: „Der Richter von Zalamea." Ende 107^ Uhr. Donnerstag, den 23. März, abends 8 Uhr (außer Abonnement), bei gewöhnlichen Preisen: Gastspiel von Mitgliedern des Schauspielhauses Frankfurt a. M., unter Leitung des Regisseurs und Dramaturgen Gustav Hartung: „Die stille Stunde." Komödie in drei Aufzügen von Georg Terra,nare. Ende nach 10'/, Uhr. Sonntag, den 26. März, nachmittags 3'/, Uhr, bei Volkspreisen: „Die Ehre." Ende nach 6 Uhr. Abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen: „Das Glücksmädel." Ende >:ach 10 Uhr.
Amtlicher Wetterbericht.
Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 19. März 1916: Meist heiter, trocken, war»::.
Letzte Nachrichten.
General Liautey in Madrid.
Genf, 18. März. Lyon-er Blätter melden a:ts Madrid: General L i a n t e y unterhielt sich mit ben Mitgliedern der fran-
tu.benden gelebt haben: Pflichtbcwußtsein, Gewissenhaftigkeit und Treue.
Darum, weil wir bei den Führern, welchen wir diese großer: Summen in die Hand geben, auch mit den großen Verhältnissen auf die einfachen Begriffe bürgerlicher Moral rechnen, darum vertrauen wir; vertrauen ans den Gang der Ereignisse, die sich bis heute abgespielt haben, wie auch in die Zukunft hinein, wenngleich es uns auch in den letzten Tagen ein wenig bange hat werden lassen.
Das Vertrauen, das das deutsche Vaterland auch in der 4. Kriegsanleihe finde:: wird, ist Mehrwert, als die Summen selbst, die dieses Vertrauen aufbringen muß. Und wenn die Kritik und Ueberkritik an der Bierbank und am Schreibtisch zu .Hause unser Vertrauen immer wieder nieder- drücken wollen, das Klagen und Verzweifeln muß verschwinden im Vertrauen auf die Gewissenhaftigkeit der Re gierung.
Wer von einem Vertrauen zur russischen Regierung reden will, wird nur ein Lächeln erregen. Aus Frankreich haben wir alle mit leisem Schmunzeln von den Kontrollkommissionen des französischen Volkes gelesen. Wo man so viele Kontrollkommissionen von Nichtfachleuten heranzieht, ist es sicher, daß das Mißtrauen zwischen Volk und Regierung wachsen wird. Von England hatte man am ehesten den germanischen Begriff von Gewissen und Pflichtbewußts-ein erwarten dürfen. Aber steht dort nicht ein Grey? Hat nickst ein Winston Churchill den Platz an der Front verlassen, um in London der Führer der Opposition im Parlament zu werden? Wir haben allen Grund, die englische Regierung zu einer solchen Opposition zu beglückwünschen.
An Gewissenhaftigkeit und Vertrauen sind wir den übrigen Nationen voraus, und diese beiden werden uns die Milliarden bringen.
Vertrauen ist beharrlich. Das - Vertrauen besiegt die Zukunft. In dem Augenblick, wo man sieht, :vas wird, hat das Vertrauen ausgehört, Vertrauen %vl sein. Hier kennt keiner von uns die Wege, auf denen wir uns den: letzten Siege entgegenarbeiten. Nur ein Wissen haben wir, daß ein harter Kampf der Weg ist zum fernen Ziel. Aber so heiß auch die Sehnsucht nach Frieden in der deutschen Seele brennen mag, eins wissen wir und daraus geben wir uns die Hand: Um Frieden betteln wir Deutschen n i:n :n e r m e h r. Auf den Knien vor Asquith und Briand und Sonnino um Frieden betteln, das tut der deutsche Michel nimmermehr, und sollte der Krieg kein Ende nehmen. Das sind wir unseren Kindern und Kindes- kindern schuldig, daß wir das nicht dürfen und können.
Wir wissen von England, warum es uns diesen Krieg aufgedrängt hat. Unser Handel und Weltverkehr soll' vernichtet werden. Uns niederzuwerfen und auf allen Seiten zu behindern, das ist das .Kriegsziel gewesen drüben vom Kanal her. Hierauf werden wir mit unserer 4. Kriegsanleihe antworten.
Unsere Feinde werden es sich überlegen, »he sie diesen Krieg noch Jahre dauern lassen. Noch ist ihre Meinung, daß sie uns unterkriegen können. Heißt das üur, einige reiche Fabrikherren, einige große Bankhäuser in Deutschland werden ihre großen Geldgeschäfte nicht mehr treiben kön- nen? <Heißt das nicht, daß unsere Geisteskraft, treue Arbeit und Geschäftigkeit in Industrie und Handel niedergebrochen und geduckt werden sollen? Heißt dcw nicht auch, daß unsere Schlote nickst mehr rauchen sollen? W e n n D e u t s ch l a n d s Räder nicht mehr lausen, wo sollen Deutschlands Arbeiter ihr Brot her nehmen?
Für den Ernsthaften hat der Krieg eine unendlich einfache Formel: U nt das Brot unserer Kinder und Kindeskin der g e h t s! Sie werden brotlos werden, wenn unserer Industrie der Boden entzogen, unserem .Handel die Welt verschlossen wird. Wir bringen die Milliarden für unsere Kinder unb Kindeskinder auf. Für sie ist alles, was wir auf uns nehmen müssen, und für sie müssen wir alles tun.
Die M i t h i 1 f e d e r K i i: d e r bei dieser Kriegsanleihe ist das Größte und Schönste, west sie von den 5 Prozent) Zinsen noch nichts verstehen, sondern weil vor ihrer! Augen der Kaiser steht, dem sie ihre Sparpfennige reichen:
Nim ms Und siea." Er wird siegen, denn es gilt die Zukunft deutscher Kinder, deutscher Frauen, deutscher Industrie, deutschen .Handels, die Zukunft des ganzen deutschen Volkes. Darmn:
Bringt die Milliarden auf!
zösischen Kolonie und konferierte alsdann lange mit dem französischen Gesandten. Uni 5 Uhr nachmittags begab sich der Generalresident von Marokko zum Königlichen Palast mü) gab bei der Königin, den: Jnfanten Karlos und Louis von Orleans seine Karte ab. Abends wohnte Liautey im Palast-e dem ihn: zu Ehren gegebenen intime:: Diner bei. Gras Romanones, Gräfin Villeneuve, der spanische Kriegs::::nister General Lugue wohnte:: gleichfalls dein Diner bei. Graf Romanones erklärte im Laufe des/Abertds, daß er wünsche, mit General Liautey nach dem Diner- verschiedene Fragen bezüglich Marokkos zu erörtern. General Liautey ist heute beim König zum Frühstück eingeladen.
St. Die von der Zivilbevölkerung geräumt.
Genf, 18. März. Ter zur Front entsmwte Sonderberichterstatter des „Journal" bericküet, daß infolge des anhaltenden Bombardements vo:: St. Die, durch das ein großer Teil der Stadt zerstört wurde, de:: noch dort ivvhnenden, einige Tausend zählenden Bewohner:: der Befehl erteilt wurde, tot Stabt zu verlaßen. _ _
Von kerngesunden GcbirgSkiilicn stammt die durch ihre der- vorragende Beschaffenboit berühmte Allgäuer Milch, welche »ur Her» stellung von Nestles Kindermehl verarbeitet wird. .Herrscht Milch, fnopübeit, so wird man olso gut tun, dieses milchhaltige Nährmittel sür Säuglinge und als Stärkungsmittel für Kranke, weiche eine Milchdiät durchmachen müsse»:, zur Anwendung zu bringen. Gratis, vrobe und illmtr. Broschüre franko durch die RestleS Kindermehl- Gej„ Berlin W 57. 252ss


