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29.3.1916 Erstes Blatt
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geriet in Dover erschien, klagte über die morschen NettungSgüttel und das Benehmen einiger Leute der Besatzung.

Zum Untergang derPalembang".

Haag, 28. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das Marine- Departement teilt mit: Bei der Untersuchung der Ur­sachen des Unterganges derP a l e «r b a n g" vom Rotter- damschen Lloyd hat sich ergeben, daß das Schiff am 18. März vormittags ungefähr 11 Uhr 27 Minuten sich 17a Meilen nördlich von der nördlichen Galloper-Boje befand und süd­westlichen Kurs fuhr, als eine Erschütterung gefühlt wurde, die das ganze Schiff erzittern ließ. Die Maschine wurde ge­stoppt und Gegendampf gegeben, bis das Schiff still lag. Der Dampfer machte nur wenig Wasser. Um 11 Uhr 30 Min. wurden zwei heftige Stöße von einer EMosion im Vorschiff und an Steuerbord bei der großen Lücke verspürt, worauf sich das Schiff stark zur Seite neigte und zu sinken begann. Mährend sich die an Bord befindlichen Personen in die Boote begaben, folgte bald darauf die dritte Explosion an Steuer­bord beim Maschinenraum, die das Schiff zum Sinken brachte. Bei der Untersuchung wurden vom Kapitän, dem ersten Steuermann, dem Bootsmann und einem Matrosen beeidete Erklärungen abgegeben. Sie haben folgendes er­geben: Erstens, daß das Schiff, als die zweite und dritte Explosion stattfand, ganz still lag: zweitens, daß der erste Steuermann, als er nach der zweiten Explosion mit einem Boote längsseits lag, sah, wie ein S trei fen im Wasser, aus aufquellendem Wasser oder Luft gebildet, mit großer Geschwindigkeit sich der Steuerbordseite des Schiffes näherte, und daß er, noch ehe er das Schiff erreichte, sah, wie eine Explosion stattfand, bei der das Boot von einer Wassersäule überschüttet wurde, drittens, daß der Bootsmann und der Matrose einige Zeit nach der ersten Explosion einen von Luftblasen oder Schaum gebildeten weißen Streifen an der Steuerbordseite mit großer Geschwindigkeit über das Wasser gerade auf das Schiff zukommen sahen, worauf eine zweite Explosion erfolgte. Sie sahen, wie der weiße Streifen am Bug des englischen Zerstörers, der an Steuerbord querab derPalembang" lag und eben damit beschäftigt war, eine losgerissene Mine in Grund zu schießen, vorbeilief.

Bon der englischen Flotte.

Berlin, 29. März. Wie ein Londoner Gewährsmann der Vossischen Zeitung"' wissen will, würde die englische Admiralität den Hafen von Hüll und die Hmnbermündnng zur Flot­tenbasis eines Nordseegeschwaders machen.

Berlin, 29. März. Verschiedene Blättern znsolge hat ein in B e r g e n ein gelaufener Personendampfer mehreregroße englische Geschwader gesehen, darunter eines von fünfzehn Schissen, das gegen Süden steuerte.

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Berlin. 29. März. LautLokal-Anzeiger" seien in drei Tagen in London Meldungen veröffentlicht worden über die Ver­nichtung von 46000 Tonnen Schiffsraum. Der Wert der in der vorigen Woch: versenkten englischen Sckiisfe wird an­geblich in englischen Reedevei.krei.se n auf 40 Millionen Mark ver­anschlagt. Diese Summe schließe nicht den Wert der englischen Ladungen in sich.

Berlin, 28. März. (Privattel.) Der BerlinerLokal- Anzeiger" meldet aus Lugano: Der italienische Dampfer Porto di Smirne", der gestern in Syrakus erngetrosfen ist, berichtet, er habe während seiner Fahrt einen draht­losen Hilferuf eines englischen Handels­dampfers crufgejiangen, welcher von eurem deutschen Unterseeboot an^grisfen wurde. Der englische Handels­dampfer ist {>0 Seemeilen vonPorto di Smirne" unter­gegangen.

Hvek van Holland, 28. März. (WTB.) Ter aus Lon­don kommende Harwich-TampferCr am er" hat auf See ein Boot mit 23 Mann ausgenommen, unter denen sich der Kapitän des DampfersE m p r e ß o f M i d l u n d e" (2224 Bruttotonnen) befand, der auf eine Mine gelaufen war.

London, 28. März. (WTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Admiralität berichtet, daß der DampferF enay- bridge", der nach einem früheren Bericht gesunken sein sollte, torpediert worden ist. Das Schiff war völlig unbewaffnet. Der DampferManchester Engeneer" (2813 Tonnen) wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet worden.

Am dem Kelche.

Die Aufklärung des Kanzlers über die Politik der Rcichsregierung.

Berlin, 28. März. (WTB.) Der Hauptausschuß d^ Reichstags begann heute vormittag die Beratung des Etats mit dem Etat des Auswärtigen Amtes. Anwesend waren der Reichskanzler, die Staatssekretäre Jagow, Dr. Delbrück, De. Helfferich, von Capelle und Dr. Sotf, Vertreter des Eriegsministeriums und anderer Ressorts und viele bundesstaatlick>e Bevollmächtigte. Außer den voll­zählig erschienenen 28 Mitgliedern des Ausschusses wohnten zahlreiche Reichstagsabgeordnete als Zuhörer den Bera­tungen bei.

Zu Beginn der Sitzung sprach Abgeordneter Bass er­mann über hie politische um militärische Lage unter Ein­beziehung der Kur Unterseeboots frage gestellten An­träge. Hierauf ergriff-der Reichskanzler das Wort, um in längeren streng vertraulichen Ausfiihrungen die Politik bee Reichsregierung darzulegen auf die von dem Be­richterstatter angeschnittenen Fragen emKugehen. Der Aus­schuß gedenkt, einen offiziellen Bericht über die ver­traulichen Verhandlungen durch die Reichstagsdruchachen zur Verteilung zu bringen.

Berlin, 28. MÄtz. (WTB. Nichtamtlich.) In der Budgetkommission des Reichstages hat heilte die Beratung des Etats des Auswärtigen begonnen. Vvr- lveggenommen wurde die Besprechung lder nrit dem U- Boot-Kriege zusammenhängenden Fragen. Der Refe­rent, Abgeordneter Bass er mann, gab einen Ueberblick Mer die Punkte, deren Klärung in den Verhandlungen )der Kommission herbeigeftthrt werden soll. Der Re ichs- -kanzler gab in einer längeren vertraulichen Rede eine Darstellung der politischen Seite und im Anschluß daran der Staatssekretär des Reichsmarineamts -Aufschluß über die technische Seite der Frage. Es folgte eine eingehende Aussprache, an der sich Redner sämt- -licher Parteien beteiligten. Die Verhandlungen werden mor- ;ßen fortgesetzt.

Berlin, 29. M«rz. Auf Veranlassung des national- liberalen Abgeordneten B-crssermann fanden sich laut Lokal-Anzeiger" nach der gestrigen Hcruptcrusschnßsitzung im Reichstage einige bürgerliche Partei sichrer zu einer neuerlichen vertraglichen Besprechung zusam­men. Man nehme an 1 , daß. es sich dabei um die Erwägung von Möglichkeiten handele, die ent einheitliches Vorgehen der Natronalliberalen und «der Konservativen m der U.-Lool ?) r a ge und, wenn angängig, eine Annäherung an das Borgehen des Z^-n t r u m s anbahnen könnten.

~£)tv vteutzstttgs = ;.

begann heute 10 Uhr die Beratung der neuen Steuer Vor­lagen mit den Tabakab gaben. Reichstagsabaeordneter Dr. Werner gehört, wie man uns mitteilt, dem Aus­schuß als Schriftführer an.

Ein Aufruf an die sozialdemokratische Partei.

Berlin, 29. März. Im Parteiausschuß der Sozialdemokratie fand am Montag eine Besprechung statt. Der Ausschuß stimmte mit allen gegen sechs Stim­men einem Aufrufe an die Partei zu, der heute im Vorwärts" veröffentlicht wird. Darin wird das Ver­halten der 18 Sondergenossen noch einmal scharf getadelt, weil es dazu angetan se^ das organische Gefüge der Partei auseinanderzusprengen. Es sei verwerflich, die bestehen­den Meinungsverschiedenheiten derart zur Irreführung der Parteigenossen auszunützen, daß der eine Teil der Partei den anderen des Verrates an den sozialdemokratischen Grundsätzen bezichtige. Die Separatisten setzten das ganze Parteidasein aufs (Aiel. Zu (keiner Zeit hätte die deutsche Arbeiterklasse mehr als jetzt der geschlossenen Einigkeit bedurft. Es dürfe nicht geschehen, daß diejeni- en, die die Re ichs ta g s s r a k t i o n gespaltet ätten, auch die Partei spalteten. Zum Schlüsse der Erklärung, die vom Parteivorstand, vom Parteiaus­schuß und vom Vorstand der Reichstagsfraktion unterzeich­net ist, heißt es: Genossen und Genossinnen! Eure heilige Ausgabe ist es, die Arbeiterbewegung vor schoerster Zer­rüttung zu bewahren. Schätzt die Partei, schließt die Reil-en! Seitens der Minderheit wird imVorwärts" entschie­denster Widerspruch gegen die Art erhoben, lvie die Mehr­heit erneut die Einheit zu wahren versucht.

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München, 28. März. (WTB. Nichtamtlich.) Im Fi­nanzausschuß der Kammer der Reichsrüte erklärte Staats­minister v. Breunig, daß der ursprüngliche Fehlbetrag des Budgets sich von 19 Millionen auf 38,1 Millionen Mark erhöhen werde, was eine Steuererhöhnng von 53 Prozent anstatt, wie angenommen, 25 Prozent notwendig mache.

Ans Stadt «nS Land.

Gießen. 29. März 1916.

BevölkerungS- und Sterblichkeitsverhältniffe in der

S:adt und im Kreise Gießen im Jahr 1915.

Von Medizinalrat Dr. E. W a l g e r, Großh. Kreisarzt.

Im Jahr 1915 sind in der Stadt Gießen von einheimischen Müttern 413 lebende Kinder geboren worden, gegen 522 im Vorjahr und 598 im Jahr 1913; dies ergibt auf 1000 Einwohner im Jahr 1915: 12,5 Lebend­geborene gegen 15,9 im Jahr 1914 und 18,1 im Jahr 1913.

Die Zahl der Gestorbenen in der Stadt Gießen betrug im Berichtsjahr 766, unter denen aber 389 Ortsfremde mis- gerechnet sind, so daß die einheimischen Todesfälle nur 377 zählen. Es verbleibt also noch ein kleiner Geburtenüber­schuß von 36 Köpfen, gegen 142 im Jahr 1914 und 319 im Jahr 1913. Leider wird dieses Verhältnis noch ungün­stiger, indem 157 in Gießen wohnhaft geivesene Kriegsteilnehmer im Jahre 1915 als gefallen oder gestorben bekannt geworden sind. Für die Stadt Gießen ergibt sich somit im Jahre 1915 ein Aus­fall von 121 Köpfen, während in den letzten 10 Jahren jährlich ein durchschnittlicher Zuwachs durch die natürliche Vermehrung von 240 Menschenleben gezählt werden konnte, so daß also das Kriegsjahr 1915 unserer Stadt einen Rück­gang der natürlichen Vermehrung um etwa 361 Köpfe ge­bracht hat.

Diese bedauerliche Erscheinung, die sich natürlich in an­dern Städten ähnlich zeigt, lehrt uns mit großer Deutlich­keit, wie wichtig alle Besttebnngen sind, die dem weiteren Hinabgleiten der Bevölkerungsziffer in Deutschland steuern wollen. Mehr als je braucht unser deutsches Vaterland einen Zuwachs an Menschen. Wir brauchen Menschen, die ja nach dem schönen Wort Friedrichs des Großenvor den größten Reichtum eines Staates" zu erachten sind, sowohl um die schrecklichen Verluste dieses Krieges auszugleichen und dauernd gerüstet zu bleiben, falls es wieder einmal feind­lichen Nachbarn gelüsten sollte, das deutsche Volk mitten in friedlicher Arbeit zu überfallen, als äuch um allen Arbeiten der Kultur und wirtschaftlichen Weiterentwickelung eines großen Volkes gerecht zu werden.

Kein Vaterlandsfreund darf deshalb die eindringliche Sprache überhören, die die Zahlen des Geburtenrück­ganges in Deutschland laut predigen. Im vorigen Jahr­hundert schwankte die Geburtenziffer Deutschlands im all­gemeinen zwischen 40 und 35 Lebendgeborenen auf 1000 Einwohner. Aber seit Beginn des neuen Jahrhunderts haben wir einen rapiden Geburtenabsturz erlebt, der uns in 12 bis 13 Jahren von 36 auf 28 und 27 Lebendgeburten auf 1000 Einwohner zurückgebracht hat. Min ist es ja glücklicherweise richtig, daß unsere Sterblichkeit in den letzten 30 Jah­ren dank der überaus günstigen Entwickelung der wirtschaft­lichen Lebenshaltung der Bevölkerung und namentlich dank der großarttgen gesundheitlichen Fortschritte in hocherfreu­lichem Maße zurückgegangen ist, etwa von 36 auf 14 Todes­fälle jährlich auf 1000 Einwohner. Aber niemand darf sich darüber täuschen, daß dies nur ein Hinausschieben der Ge­fahr bedeutet, dem: seit dem Jahr 1900 ist bis v o r dem Aus­bruch des jetzigen Krieges die Geburtenziffer um 75 Prozent schneller gesunken, als die Sterblichkeit, und während die Abnahme der Sterblichkeitszifser durch die Naturgesetze ihre Grenze finden muß, so ist die Abnahme der Geburtenziffer menschlichem Wollen, also keiner Grenze unterwor­fen. Auch darf uns die Erfahrung, daß nach früheren großen Kriegen die Geburtenzahl in den ersten Jahren stark auf­gestiegen ist, nicht in falsche Sicherheit wiegen. Nach dem Urteil vieler Beoblchter ist es sehr unwahrscheinlich, daß wir nach Beendigung dieses Krieges wiederum die gleiche Er­fahrung wie früher machen dürfen.

Die Geburtenabnahme in Deutschland hat ihre Ursache sicherlich nicht in einer Rassenverschlechterung: davon kann nach den ungeheuren Leistungen des deutschen Bottes in diesem Weltkrieg keinesfalls die Rede sein. Auch eine Abnahme der Eheschließungen kommt sicher nicht in Betracht. Ebensowenig kann man dem MoholisMUs allzuviel Schuld geben wenigstens nicht an der rapiden Abnahme der Geburtenzahl in den letzten 13 Jahren vor dem Krieg. Selbstverständlich wirkt der Alkohslismus höchst schÄstich, indem er die FortpflanMMgskrast h»vabsetzt und die wirtschaftliche Tüchtigkit vermindert, aber gerade im neuen Jahrhundert ist in dieser Beziehung die Lage eher besser, als schlechter geworden. Daß die Geschlechts­krankheiten an dem rapiden Geburtenrüchrang erheblich beteiligt sind, mag man mehr vermuten, als sicher Nach­weisen Umnen. Immerhin schien vor dem jetzigen Krieg in­folge der mancherlei Maßnahmen sogar antzheineno eine ge­wisse Abnahme der Geschlechtskrankheiten wahrscheinlich zu sein, vtun steht im Vordergrurrd der Erörterungen immer

uiu *yt(iijL, inwieweit m 111 ) a) a t t i i d) c Becyailnme für die offenbar gewollte Einschränkung der Kindererzeugung maßgebend sind. Denn daß diese Geburtenbeschränkung ge­wollt ist, steht fest. Nach Mitteilungen im preußischen Ab­geordnetenhaus hat allein die Zahl der Abtreibungen in einem Jahr die Rekordzifser von mehreren hunderttausend erreicht, und zwar n^r, so weit es den Behörden bekannt geworden ist. Mit Recht sprach ein Abgeordneter es ans,wenn der Todesengel durch die Reihen unserer Krieger geht, wenn Gott von uns das Opfer einer halben Million junger Söhne unseres Vaterlandes fordert, dann steht dies in gar keinem Verhältnis zu den Opfern, die das deutsche Vaterland der Unlust seiner Frauen bringt, die nicht den Mut oder die Kraft haben, die Folgen einer Schwangerschaft auf sich zu nehmen, nicht austragen wollen, was Gott in ihrem Schoße werden läßt, nicht zu voller Erscheinung ausreifen lassen, was ihren Segen und den Segen des Vaterlandes darstellt".

Nun kann es keinem Zweifel unterliegen, daß die wirt­schaftlichen Verhältnisse erheblich bei der Geburtenbeschrän­kung mitsprechen Sicherlich befindet sich eine große Zahl von Ehepaaren in wirtschaftlicher Notlage, so daß eine große Kinderzahl als schwere Last empfunden werden muß. Aber andererseits hat doch im allgemeinen der wachsende Wohl­stand unseres Volkes, der uns jetzt im Krieg zu den großen, von aller Welt bewunderten wirtschaftlichen Leistungen be­fähigt hat, in den letzten 30 Jahren in allen Volksschichten sehr zugenommen. Wer wollte ernstlich behaupten, das Volk wäre vor dem Krieg wirtschaftlich nicht mehr in der Lage gewesen, eine so große Kinderzahl aufzuziehen, wie vor 15 und 30 Jahren?

Nein, wohl mögen eine ganze Reihe von Ursachen in ge­wissem Maße mit dazu beitragen, daß der Kinderreichtum unseres Volkes abnimmt: in der Hauptsache handelt es sich hier um eine ttef liegende Frage der Weltanschauung, die ihren Ausdruck darin findet, daß die Begriffe von Ehe und Kindersegen eine bedenkliche Umwertung erfahren haben.

Die Hebung der Bevölkerungszahl muß also in einer doppelten Richtung erstrebt werden: Einmal ist eine immer vollkommenere Ausgestaltung der Gesundheitsfür­sorge in Stadt und Land erforderlich, damit eine immer weitere Herabminderung der Sterblichkeitsziffer gelingt. Immer wichtiger wird die Regelung der Mutter- und Säug­lingsfürsorge, des Haltekinderwesens, bet Tuberku losen für- sorge, der entschiedene Kampf gegen die Geschlechtskrankhei­ten mit Einrichtung von Für sorge stellen für Geschlechts­kranke ; weiterhin wirtschaftliche Maßnahmen, wie Wohn nn gs für sorge, Erleichterung der Eheschließung und Steuerpolitik zugunsten kinderreicher Ehen, Bekämpfung des Alköholismus usw. Aber alle diese Mittel werden nur hier oder da ein wenig helfen, wenn sie nicht gekrönt wer­den durch eine erneute, mächtige Entfaltung der religiös- sittlichen Kräfte des deutschen Bottes. So wie ein Volk Freiheit und Ehre nach außen und das Recht eines jeden Bürgers nach innen unbedingt zu schätzen verpflichtet ist, so muß es auch die sittliche Kräst besitzen, das keimende Leben zu schützen und in dem durch nichts zu erschüttern­den Optimismus gesunder Religiosität die Freudigkeit fin­den, die gesegnete Last auf sich. zu nehmen, dem Vaterlande lebensfrohe Kinder zu geben, die dereinst, wenn wir nicht chehr da sind, unsere unvollendeten Arbeiten weiterwirken sollen. ;

Bei Betrachtung der Tode s lle "ist es von Interesse, in welcher Weise sich die Gestorbenen auf die 6 verschiedenen Altersklassen verteilen. Wie unterscheiden dabei die Zahlen 'der Ortsfremden von den Einheimischen der Stadt Gießen, indem wir die Ortsfremden in Klammern setzen. Es starben int Alter von:

Jahre: 01

115

15-30

30-60

60-70

über 1

Einheimische 61

53

26

97

65

75

Ortsfremde (37)

(66)

(59)

(140)

(53)

(34)

Insgesamt 766 98

119

9b

237

118

109

Von den 98 im ersten Lebensjahr verstorbenen Kin­dern war bei insgesamt 23, also bei fast Einern Viertel, die Todesursache angeborene Lebens schwäche.

Als hauptsächliche Todesursachen zählen: Alters­schwäche 60 (24), Tuberkulose 62 (41), Lungenentzündung 61 (20), andere Krankheiten der Atmüngsorgane 27 (5), Krankheiten der Kreislaufs-Organe und des Herzens 74 (32), Gehirnschlag 33 (8), andere Krankheiten des Nerven­systems 57 (32), Krankheiten der Verdauungsorgane 81 (52), darunter an Blinddarmentzündung oder Entzündung des Wurmfortsatzes 14 (12), Krankheiten der Harn- und Ge­schlechtsorgane 27 (9), Krebs 71 (42). andere bösartige Neubildungen 10 (7), Selbstmord 6 (3), tätlicher Körper­verletzung 1 (1), Verunglückung 22 (13), andere benannte Todesursachen 42 (28).

Ferner < sind zu erwähnen Todesfälle infolge von Wochenbettsieber 5 (5), andere Folgen der Geburt 3 (3), Scharlach 2 (1) Masern 9 (1), an Diphtherie und Krupp 36 (33), Keuchhusten 10 (1), Typhus 1 (1), Rose 6 (4), andere Wundkrankheiten 9 (7).

Im ganzen Kreis Gießen sind im Jahre 1915 insgesamt 1556 Personen gestorben i(rm Jahre 1914 1385). Bei einer Einwohnerzahl des 'Kreises von 96 500 beträgt die Sterblichkeitsziffer, d. h. die Zahl der Todesfälle auf 1000 Einwohner berechnet, demnach 16,1. Die Verteilung der Todesfälle unter die 6 Altersrlassen steht folgender­maßen:

Jahre: _ 0-1 115 1530 30-60 6070 über 70

Summa 1556 207 207 134 391 260 357

An Infektionskrankheiten forderten vor allem die Diphtherie 45 Opfer, Masern 19, Keuchhusten 12, Schar­lach 3; an Mtevskrankheiten starben 249; an angeborenen Labensschwäche 51; an Lungentuberkulose 135; an Tuber­kulose der andern Organe und akiRer Miliartuberkulose 63; an Lungenentzündung. 117; Influenza 18; anderen Krank­heiten der Atmung sorgane 73; Erkrankungen des Herzens und der Kreislaufsorgane 142; Gehirnschlag 66; an an­deren Kwankhsiten des Nervensystems 94; Mankheicteu der Ve^crnungsvrmrne rnsgesantt 108 (darunter 15 an Ent­zündung des Minidld'arms oder des Wurmfortsatzes): Krank­heiten der Harn- und Geschlechtsorgane 37; Krebs 124; an anderen bösartigen Neubildungen 16; Selbstmord 16; Verunglückung 34; anderen benamrten Todesursachen 74; Tödes fälle ans unb ekannter Ursache .gab es 27.

Gestorbene oder befallene Militär-Personen oder Kriegs- gesMrgene sind in obigen Mitteilungen nicht mitgezählt?

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Die Schulzcichnuugen zur Kriegsanleihe.

Eine Z u s a m m e n st e l l u n g der von den Schulerr des Bezirks gesammelten B-ettÄge zur 4. Kriegsanleihe, an­gelegt in sog.Kriegssparbüchern", ergibt folgende Ueber- sicht, die wir der Bezirkssparkasse Gießen verdanken:

a) Stadt Gießen: StadttnabensckMle 4086 M., SiadtmädchenschuLe 4220 Mk., Gewe-rbeschuLe 631 Mk Glyru-