inehmen, den Generaldirektor Ballin vor einigen Monat-sn, als daß Gerücht LU.s-taA.chte, Tirpitz wolle zurücktreten, an diesen gerichtet hat. .Der Schlußsatz enthielt folgende Worte: Sie haben, hochverehrte Exzellenz, nach diesem Kriege noch eine große Arbeit vor sich, eine Arbeit^ die ihnen höchste Befriedigung bereiten und ihr Werk erst vollenden wi^d.
Rotterdam, 23. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das Reu- tersche Bureau meldet ans London, daß in England große Entrüstung über eine Behauptung von Generaldirektor' Ballini herrsche, nach der die deutsche Regierung beabsichtige, mit allen ihr zu Diensten stehenden Mitteln deuHandelzwischenEng- land und den anderen europäischen Ländern, ob Ineutral oder nicht, zu verhindern. Zweifellos sei diese Nachricht zutreffend, wie auch die kürzliche Versenkung vieler neutraler Schisse beweise.
Anmerkung: Daß es sich in vorstehendem wieder einmal um eine dreiste Erfindung des Reuterschen Bureaus handelt, beweist das nächste l,"ende Telegramm, das (Generaldirektor Ballin an Direktor Reuchlin der Holland-Amerika-Linie in Rotterdam gesandt hat: hierher toird genretbet, daß Sie gesagt haben sollen, ich hätte Ihnen mitgeteilt, daß Deutschland auf dre Vernichtung nicht nur der feindlichen, sondern mich neutraler Tonnage ausgehe. Das kann doch sicher nur ein von anderer Seite erfundenes böswilliges Gerücht sein, denn daß hier die freundlichsten Gefühle für Holland bestehen, brauche ich Ihnen nicht zu sagen. Herzliche Grüße. Bcrlliu."
Die Handelspolitik Englands.
London, 23. Mürz. (WTB.) Das Reutersche Bureau tneldet amtlich: Hcrndelsminister Runci man hat beschlossen, Ausschüsse zu berufen, um die Stellung gewisser wichtiger Industrien Großbritanniens nach dem Kriege An studieren, namentlich in bezug auf den internationalen Wettbewerb. Die Ausschüsse sollen darWer berichten, ob und was für Maßnahmen wünschenswert sind, um diese Stellung zu sichern. Zwei Ausschüsse sind bereits gebildet, einer, dem Balfour als Mitglied angehort, für Eisen-, Stahl- und Maschinenindustrie, der andere für die Schiffahrt und die Schiffsbauindustrie. Die Bildung eines Ausschusses für Textilindustrie steht bevor. \
Die Kritik am englischen Luftdienst.
Rotterdam, 23. März. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant" meldet aus London: Fm Unterlaufe setzte der neue Abgeordnete Billing die An- igriffe auf die Lustverteidigungspolitik der Rearerung fort iUnd sagte u. a., England sei mit der Luftrüstung an die Dritte Stelle getreten. Der Luftdienst der Marine sei -nutzlos und viele Flugzeuge des königlichen Fliegerkorps Derart, daß eine ganze Anzahl tapferer Offiziere mehr gemordet ass getötet wurde. — Ten na nt antwortete scharf und erklärte, der Lustdienst sei gut und arbeite fan der Front ausgezeichnet. Es sei nicht nur eine lächerliche Ungereimtheit, sondern vollständig unrichtig, zu lsagen, daß England eine Luftmacht dritter Stelle sei. Ebenso tlumckchtig sei es, daß englische Flieger gemordet würden. Er forderte Billing auf. Beweise für seine Behauptungen vorzu- Dringen. — Billing antwortete, er werde dies möglichst rasch tun. Er sprach sehr erregt und wurde mehrmals durch erbitterte Zwischenrufe unterbrochen.
Die wirtschaftliche Lage Griechenlands.
Bern, 23. März. (WTB.) Der „Evrriere della Sera" Meldet ans Athen: Während der gestrigen Kammersitzung verlangte Fiuanzminrster Dragumrs, daß die finanziellen Pläne ' in der Tagesordnung als dringend erklärt würden, da die dringenden Bedürfnisse des Staatshaushaltes keine weitere Verzögerung zuließen. DragUmrs erklärte: „Unsere wirtschaftliche Lage ist äußerst schwier«. Wir können Hilfsquellen weder rin Jnlande noch im iAuslande finden. Man Muß wissen, daß wir von der Hand in den Mimd leben. Eine Abstimmung über die ftnanzÄlcn Maßnahmen, die beweisen, daß Griechenland die Fehlbeträge, die es erdrücken, allein decken kann, ist noUvendig. Diese Erklärungen bestätigen, bemerkt das Blatt, die seit einigen Tagen in diplo- linatischen und finanziellen Kressen Athens umgebenden Gerüchte, daß Unterhandlungen mit den Regierungen Franfteichs und Englands über eine Anleihe von 150 Millionen gescheitert sind und die griechische Regiermrg nicht beabsichtigt, sich an die Mittelmächte wer an die Vereinigten Staaten zu wenden. In ministeriellen Kreisen glaubt man, daß die Regierung die Ermächtigung zu neuen Steuern erhalten werde, während die deuizelistischx Partei annimmt, daß die Regierung die Finanzkrise nicht überstehen könne, wenn die Entente das Anleihsgesuch abschlägt.
Anegsbriese aus dem Gsten.
Telegramm unseres zum Ostheer entsmrdten Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die Erfolglosigkeit der russischen Offensive dauert an!
Bei W i l e i t Y , 22. März.
Die Angriffe gegen die Stellungen zwischen Wileity und Postawy wurden in der Nacht zum 31. März mit Stärke wiederholt. Es gelang russischen Abteilungen, in die Gräben einzudringen. Von morgens 6 Uhr an begann gleichzeitig ern heftiger russischer Angriff gegen unsere vorgeschobene Feldwachenstelluna Wileitv. Bis gegen Mittag versuchten die Russen, in die fortähnlich ausgebaute Feldwache ernzudringen, unter dem Feuer unserer Batterien und Maschinengewehre brach, schließlich der Anarifs zusammen. Es war einwandfrei zu beobachten, daß d^e russischen Maschinengewehre auf die eigenen Truppen feuerten, sobald sie in den schützenden Waldrand zurücksluten wollten.
Am Nachmittag setzte das Artilleriefeuer zu neuer Heftigkeit an. Man konnte von den Stellungen nördlich von Wileity die unaufhörlichen russischen Einschläge beobachten, noch weiter südlich wurde von den Russen eine Feuerwand vor _ die genommenen Grabenstücke gelegt, während die deutsche Artillerie ihrerseits nach den Russen hin stärkstes Sperrfeuer legte. In Wellen stieß die deutsche Infanterie durch die Hölle der Granateinschläge. Das Grabenstück wurde wiedergenormnen, die eiugedrungenen Russen, an 600 Mann, gefangen genommen. Gleichzeitig brachen die Russen bis bei Wileity gegen eine Waldschneise, dre Hin- denburgschneise, vor, 300 russische Leichen lagen bald vor dem einen schmalen Frontstück. Die Artillerie hämmerte auf beiden Seiten, daß der einzelne Schuß nicht mehr zu unterscheiden war. Schrapnells platzten in ununterbrochener Folge, das Gewehrfeuer schwoll zu einem einzigen Begleitton der Kanonade an. Um 4 Uhr sah man die letzten Russen gegen den Waldrand fluten. Rach 5 Uhr kam die Meldung, daß nördlich Postaroh das Grabenstück wiedergenommen sei. Langsam ebbte der Artillerie lärm ab. Dünner Megen siel, die russischen Verwundeten schicken, weiße Leuchtkugeln stiegen in das Grau des Abends.
Die Stimmung der Truppen rvar großartig. Eine Kompagnie bat, nicht ab g elöst 'zu werden. Unsere Verluste sind bei der guten Anlage der Stellungen erstaunlich gering. Regen rnit Schnee vermischt, Tauwetter bleiben den Russen ungünstig, das Wasser steigt selbst in unseren Gräben täglich Iw versumpften Wald, tn dem die Russen liegen, aus dem ie hervorstoßen müssen, dürste an diesem Frontteil ihre jetzige Lgge schwer haltbar bleiben.
_ Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter..
Aus dem Reiche.
Bundesratsbeschlüsse.
B e r l i n , 23. März. (WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: der Entwurf einer Bekanntmachung über die Vornahme einer Viehzwischenzählung am 15. April, die Entwürfe zu )en Gesetzen betreffend eine vorläufige Regelung des Reichs- saushaltes und des Haushaltes der Schutzgebiete aus das Rechnungsjahr 1916, der Entwurf einer Bekanntmachung betrefferld eine Aenderung der Bestimmungen über Fachausschüsse für Hausarbeit vom 18. Juni 1914, der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend Höchstpreise usw. und der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend die Sperre und )ie Anmeldung des Vermögens von landesflüchtigen Personen.
Berlin, 23. März. (WTB. Amtlich.) In seiner Sitzung vom 23. März hat der Bundesrat eine Verordnung beschlossen, durch die die S t r a s v o r s ch r i f t e n des Höchstpreisgesetzes und der Preiswucherung so u m g e st a l t e t werden, daß Ueberschreitungen von Höchstpreisen und Preistreibereien wirksamer verhindert werden onnen. Insbesondere soll eine fortan zu erkennende Geld- stafe grundsätzlich auf das doppelte der erzielten Gewinne bemessen werden. Um einen Ueberblick über die vorhandenen Viehbestände zu haben, ist ferner die Veranstaltung einer Viehzwischenzählung am 15. April vom Bundesrat beschlossen worden.
Bulgarien und Rumänien.
Sofia, 23. März. MTB. Nichtamtlich.) In den rumä- nt, ch-bulgarischen Beziehungen ist in den letzten Tagen eme merkliche Entspannung eingctrsten. Die Festhaltung diu garsscher Transitgüter in Rumänien erregte in Bulgarien leb- hasres Mißfallen, umsomehr, als es sichicm Hunderte von Waggons handelte, welche teilweise seit Jahresfrist festlagen. Die Ange- deofcrJmt wurde auch in der Sobranje besprochen, wo Radoslawow der allgemeinen Mißstimmung Ausdruck gab. Vor kurzem entschloß sich die rumänisch Regierimg, den bulgarischen Wünschen entgegen ^ukommen und über gewisse Wirtschafts fragen und !darüber hinaus ein Uebereinkom men mit Bulgarien mrzustrebeu. Es handelt sich besonders um den Austausch gewisser Artikel, wie bulg. Tabak. Rumänien sandte seinen Gesandten in So- sia, Deruffi, welcher längere Zeit beurlaubt war, Mit neuen Jnftruk- tumen. Derussl hat, den Blattern zufolge, berefts ein Ueberein- konmien über die bulgarischen Transitgüter erzielt. Finanzminifter Tontschew erklärte einem Vertreter der Zeitung „Ntro" über diese Frage, die Gerüchte über eine Versckstochtcrung der rumänisch- billgarssche^ Beziehungen seien grundlos. Dafür spreche die Tatsache daß Derussi besondere Instruktionen erhalten habe, der bul- 'garisäxen sttegiermrg zu versichern, Rumänien tvolle die bisherigen gutnachbarlichen Beziehungen weiterp-flegen. Die rumänische Re- grermlg habe Devussi unbegrenzte Vollmacht gegeben, Verlmndlun- gen über em toirsschaftliches Abkommen zu führen. Die Versicherungen Terusfts, sagte der Minister, werden von uns mit Befriedigung entgegengenvmmen. Bulgarien wird sein Möglichstes lim, die Verhandlungen zu erleichtern und erfolgreich zu beenden Bulgarien und Rumänien haben vielegemeinsameJnter- essen, welche den Abschluß eines Einvernehmens erfordern. Eine Verständmung, welche alle Reibungen beseitigen tvürde, würde die Ruche ans dem Balkan sicl/ern und beiden Völkern eine ruhige kulturelle imd tmrsschaftliche Entwicklung ermöglichen.
Der beekrieg.
Berlin, 29. März. (Priv.-Tel.) Die „B. Z. a. M." meldet ans Mailand: Einer Meldung des „Secolo" zufolge »wurde der englische Dampfer „Co q nette" vor einigen Wochen etwa 20 Meilen von Malta entfernt, durch Kanonenschüsse versenkt. 18 Mann der Besatzung lanattm nach achttägiger Bvotfahrt an der eibvschen Küste an, wo die Hälfte von Beduinen gefangen tmitfbe, die andere Hälfte entkmn nach Tripolis.
London, 23. März. (MTB. Nicht»mtsich.) Lloyds meldet: Di' französische Bark „Bauga in v ill e" wurde versenkt. Tie Besatzung von 33 Mann wurde gerettet.
London, 23. März. (WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: ■2>r T ourpfer „Seascrpcnt" wurde v c r s e n 1 1. Lloyds meldet ou . H a n re: Der norwegische Dankplc-. „sta n nr t" i^uroc Serie nkr. L-ie Besatzung wurde gerettet.
Berlin, 24. März. Ueber die vom Bundesrat geatzten Entschließungen auf die Beschlüsse des Reichstages ist dem Reichstag eine Uebersicht zugegangen, in der es unter anderem heißt, daß Gesetzentwürfe über Aen- derungen und Ergänzungen desOssiziers-Pensions- und des Mannschaftsversorgungsgesetzes vorbereitet worden sind. Ein Gesetzentwmss über die Kapitalisierung von Kriegsrenten wird in Aussicht gestellt. Stuf den Beschluß des Reichstages, die Arbeitsnachweise gesetzlich zu regeln, wird erklärt, von einer gesetzlichen Regelung ser zurmchst Abstand genommen, über weitere Verbesserung des Arbeitsnachwkckswesens werde noch verhandelt- Bestehende Nachweisorganisationen werden die Vermittlung von Arbeit auch für die heimkohrenden Krieger übernehmen. Maßnahmen zur besseren Mrderung dieser Vermittlung sind getroffen.
Das 50 jährige Militärdienstjubiläum Hindenburas
Posen, 23. März. (WTB. Nichtamtlich.) Generalfeldmar- schall von Hiudenburg feiert am 7. lApril sein50j ähriaes Militärdien st jubiläum. Aus diesem Anlasse wird zu einer Hindenburg-Jubiläum-Spende in einem Ausruf aus-gesordert, in dem es heißt: Die Gedanken von Zehntausenden in Stadt und Land wendet sich an diesem Tage zu dem Schützer und Retter unserer Provinz vor den Einfällerr der Russen. Seine Taten, wie die seiner Führer und Truppen werden in den Herzen aller in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Aber auch ein sichtbares Zeichen der Liebe und des Dankes soll in der Geburtsstadt Hindenburgs in einem Museum erstehen, das noch zukünfttgerr Geschlechtern Kimde gibt von den schweren, aber auch glorrüchen. Tagen, die unsere Provinz und der Osten in diesem Weltkriege erlebt haben. Handel und Gewerbe, Industrie und Landwirtschaft glücklich bewahrt vor vernichtenden Schlägen, mögen ein Scherslein des Dankes in Form einer Hin^^burg-Jubüäums-Spende beitragen zur Schaffung eines Hindenburg-Kriegsnruseuins in Posen " — Ms Sannnelstellen sind die hiesigen Zeftungen, Banken und die Stadt hau ptkassc genmmt. An der Spitze des vorläufigen Ar-! beitscmsschusses steht der Oberpräftdent von Eisenhart-Rothe.
Der 70. Geburtstag des Generalseldmarfchalls v. Bülow.
Berlin, 23. März . Zum heutiM 70. Geburtstag des Generalseldmarschalls von Bülow schreibt der Lokal-An- z eifl4-r: In seiner Heimasstadt Berlin, wo er noch zur <Ä:holung von seiner Erkrankung im Felde weilt, feiert heute einer unserer hervorragmdsten und verdienstvollsten Heerführer seinen 70. Geburtstag. In den zehn Jahren, da er als Kommmrdierender General an der Spitze des 3. Korps stand, hat er seine Branden^ burger zu je»er omzigartigeN Tüchtig4eft heraugebildet, die im Kriege allein den Aussckstag gibt und die sich fatzt wieder bei den Kämpfen vor Berdun so «glänzend bewahrte, lhnter seinem Oberbefehl wurde Lüttich genommen und siel fast ganz Belgien in unsere Hand. Gr war der Sieger von Namur, Saint--Que>ltin und stieß mit seiiven Tapferen bis ins Herz Frankreichs vor. Der Feldmar- schallstab war sein Lohn- die höchste Würde eines preußischen Sol-
dateic verlieh ihm sein oberster .Krregsherr. — In oer „V ossi - scheu Z c i t u n g" heißt es: Bülow konnte zusammen mit Kl u ck den Versuchen der verbündete Franzosen mrd Engländer, den deutschen rechten Flügel zu umgehen, wirksam begegnen. Ihr Plan, die deutsche Heeresmacht aus den besetzten Gebieten Frankreichs und Belgiens zu vertreiben, wurde durch die auch vom Feinde anerkannte geniale Anordnung der deutschen Heerführer und besonders Bülows zunichte gemacht. Tie kräfttge Natur des siebzigjährigen hat das Leiden, das ihn im Laufe des vorigen Jahres zwang, seinen Posten als Führer der zweiten deutschen Armee niederzulegen, fast gänzlich überwimden, und es steht zu hoffen, daß er, falls die Notwendigkeit noch einmal an ihn herantritt, wiederum an die Spitze deutscher Truppen treten und sie zum Siege führen wird.
Aus heften.
rb. D arm stad t, 23. März. Der Präsident des Ministeriums der Finanzen, Herr Dr. Becker, gab in der heutigen Kammersitzuna bekannt, daß bei der Zenkralkasse der hessischen landwirtschastlichen Genossenschaften für die n e ue K r i e b s a n l e i h e die hohe Summe von rund fünfzehn Millionen Mark gezeichnet worden sei/ während diese bei der früheren Zeichnung nur etwa 91/2 Millionen betragen habe.
Wer über das gesetzlich zulässige Maß hinaus Haser, Meugkorn, Nlischsrncht, worin sich Hafer besiudet, oderGerste verfuttert, versündigt sich am Vaterlande!
Au» Stadt und Land.
Gießen, 24. März 1916.
Die vierte KriegSauLeihe.
Wie wir Sestern schon mitteilen konnten, ist das Ergebnis der 4. Kriegsanleihe in Gießen wiederum als außerordentlicher Erfolg zu betrachten. Die Reichs bank hat das Gesamtergebnis mit 24 768 100 Mk. angegeben. Damit ist Gießen gegenüber anderen Städten nur ein weniges ^hinter der 3. Kiegsanleihe zurückgeblieben, die 25 524 800 Mk. ergab. Bei der zweiten wurden 18885 000 Mk. und bei der ersten 6 848500 Mk. gezeichnet. Auch bei dieser Anleihe dürfte Gießen, wie auch bei den ftüheren, an dem Gesamtsteueraufkommen gemessen anderSpitzedergrößeren hessischen Städte stehen.
Wie gerade diesmal der ckleine Sparer die Wichtigkeit der Kriegsanleihe verständnisvoll erfaßt hatte, zeigt das Ergebnis der hiesigen Bezirkssparkassc. Aus der Uebersicht, die wir geben, !geht die erhöhte Beteiligung mit kleinen Summen klar hervor. Die Anzahl der Einzel- Zeichnungen betrug:
4. Kriegsanleihe: 3. Kriegsanleihe:
213 5 Posten, und zwar: 2158 Posten, und z w a r i
Bis
200 Mt.
-- 678 Posten,
392 Posten,
300 b:s
500
„
— 663
„
614 „
600 „
1000
= 642
„
. 591 „
1100 „
2000
m
---- 226
342
2100 „
5000
m
---- 108
187 .
5100 ,
10 000
--- 17
26 ,
über
10 000
„
= 1
»
1 „
juj. 2135 Posten/ 2158 Posten.
Weitere Zeichnungseryebnisse.
Vierte Anleihe Dritte Anleihe Zweite Anleihe Millionen Mark
Tarmstadt
43,59
69
60
Frankfurt
406
466
328
Hanau
17
19,8
12,6
Kaste!
97,2
102
76.6
Marburg
17
13,6
'9,6
WormS
21,36
22,1
16,1
Offenbach
24
28,4
19
Bingen
3,19
3,49
8
Wiesbaden
92,41
96
60
. Wetlburg
2,07
2,62
1.9
Wetzlar
7
8.01
** Freizügigkeits-Brotkarten. Auf Anordnung des Großh^ Ministeriums werden vom 1. April ab Brotkarten ausgegeben werden, die innerhalb aller Gemeinden des ganzen Großherzogtums Hessen Gültigkeit.haben. Diese Maßnahme ist um so mehr zu begrüßen, als damit einem dringenden Notstände abgeholfen wird. Vom 1. April ab wird edernrann außerhalb seiner Gemeinde auf seine Brotmarke hin auch Brot erhalten können.
** Stadttheater. Aus dem Stadttheaterbureau wird mitgeteilt: Nochmals sei aus den heutigen interessanten Theaterabend hingewiesen, der als letzte Freitag- Wonnementsvorstellung das Schelmenspiel „Dex Fremde" von Fritz Lienhard, das Schauspiel „Fritz- ch e n" von Hermann Sudermcrnn und die Komödie „H 0 ck e n j 0 s" von Jakob Wassermann bringt.
** I m Cafe Amend findet morgen, Samstag, 8 Uhr, ein Mnstler-Konzert statt.
** Die Ausz a hlvng der Quartierserv i-be- träge für Februar bezw. Tezenrber bis Februar für die in der Stadt mrtergebrachten Unteroffiziere und Mannschaften der Land-, sturm-Jllfanterie-Bataillone I und II Gießen, sirwet SamStag, den 25. März 1916, vvrmittags von 8—12 Uhr, im Stadthaus, Zimmer 4, statt.
** Kupfer. Messing nnd Reinnickel. Um den mit der Ablieferung der beschlagnahmten Gegenstände Säumigen Gelegenheit zu geben, diese abzuliefern, wird die Metall stelle (Turnhalle der Oberrealschule, Bismarckstraße) Dienstag, den 28., Mittwoch, den 29. und Donnerstag, den 30. März 1916, vormittags 9—12 Ulw und nachsinittags 3—5 Uhr geöffnet. Letzter 2ll>- lieserungstag ist somit der 30. März. Nach diesem Tage wird die Enteignung aus Kosten der Säumigen durchgeührt.
** Im heutigen Kreisblatt ftrrdet sich ein Verbot des Füllens von Etxckftrstan, 1 ienbämnen, erlassen vom stellvertretenden Generakommando des 18. Armeekorps, sowie eine weitere Bekanntmachung zur Regelung der Beschaffung, des Absatzes und der Preise von lebendem Vieh.
** 3tut Dienstbotenfrage. Um vielfach ausgetauchlen Zweifeln zu begegnen, besonders um die weit verbreitete Unkenntnis der gesetzlichen Bestinnnungen der Gesindcordnung zu beseitigen, erläßt das Gwßh. Polizeiamt heute essle Bekanntmachung, die für Dienstboten und Herrschaften in gleicher Weise von Wichtigkeit ist. Es handelt sich nämlich um die Auslegung der Artikel 6 und 7 der Gesindeordnung, die, wie rvenig bekannt ist, durch eine Or^ssatzung für Gießen abgeändert sirrd. Anstelle des gesetzlickrar Tienstsahres und des gesetzlichen Dcensttnonats ist hier nänckick) statutarisch das Kalendervicrteljahr mit vierwöchiger KüudigMlMvist gesetzt. Das Nähere ist aus der Bekanntmackxung zu ersehen.
** D i e F r i s e u r - u n d P e r ü ck e n m acher-I nnung, die int ersten Kriegsjahre nur einen Lehrling prüfen nno zum Gesellen machen konnte, hat in diesem Jahre stärkeren t)?achwuchs m verzeichnen. 4 Lehrlinge aus Gießen und einer aus Bad^Nau- heint habeil gestenl ihre Prüfimg bestanden.


