Ausgabe 
21.3.1916 Erstes Blatt
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m. 68

Erster Blatt

|66. Jahrgang

Dienstag, 2 \. März W6

Der Gietzeker Aszrtz«

erscheint täglich, cmtzer Sonntags. - Beilagen: v4e-r ma l w öchentlick EirtzeLerLEilieu blüttcr; znxmrnl^vöchenckLreir- b latl s«r den LnisHietzen (Dienstag und Freriaqh zweimal monatl. Lanb- uttttfchafMche Zettfragea Ferrrstrrech - Anschlüsse: iür die L)chrütleitungl12 Veriaq,Heschättsstslle51 Adresse iur Drahtnach- richten: Anzeiger Sietzen.

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iehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.50: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.: durch diePost Mk.2.30 viettsl- jährll ausschl. Beslellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf., ausw. 20 Pf. Haupl- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge­richtssaal: Fr.R.Zeuz; für den Anzeigenteil: H. sämtlich ul Giessen.

Ein Mgzeugangkiff auf die Süfcoftlfle Englands. Zeegefecht an der flandrischen Hüfte. Helden in Ostgalizien.

(WTB.) Großes Hauptyuartier, 20. Mürz. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Durch gute Beobachtungsverhaltnisse begünstigt, war die beiderseitige Artillerie- und Flicgertätigkeit sehr lebhaft.

Im Muasgebiet u;rd in der Wo eure-Ebene hielten sich auch gestern die Artilleriekämpfe auf be- sorcherer Heftigkeit. Um unser weiteres Vorarbeiten gegen die feindlichen Verteidigungsanlagen in der Gegend der Feste Douaumont und des Dorfes Vaux zu ver­hindern, setzten die Franzosen mit Teilen einer neuheran- geführten Division gegen das Dorf einen vergeb­lichen Gegenangriff an. Unter schweren Verlusten wurden sie adgewiescn.

*

Im Luftkampf schotz Leutnant Freiherr v. Atthaus über der feindlichen Linie westlich von Lihons sein viertes, Leutnant Boelke über dem Forges-Wald am linken Maas­ufer sein zwölftes feindliches Flugzeug ab. Außerdem verlor der Gegner drei weitere Flugzeuge. Eines davon im Luft- kampf bei Cuify (westlich des Forges-Waldes), die beiden and«en durch das Feuer unserer Abwehrgeschütze. Eines der letzteren stürzte brennend bei Reims, das andere, sich mehrfach überschlagend, in Gegend von Ban de Sapt dicht in der feindlichen Linie ab.

OrftlicherKriegsschau platz.

Ohne Rücksicht auf die großen Verluste griffen die Russen auch gestern wilderholt mit starken Kräften beiderseits von Poftawy und zwischen N a r o c z - und W i s z n i e w - See an. Die Angriffe blieben völlig ergebnislos.

In Gegend von W i d s p stießen deutsche Truppen vor und warfen feindliche Wteilungen zurück, die sich nach dem am gesttstten Morgen unternommenen Angriff noch nahe vor unserer Front zu halten versuchten. Ein Offizier, zwei- hundertachtzrg Mann von sieben verschiedenen Regimentern wurden dabei gefangen genommen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

NiMs Neues. Oberste Heeresleitung.

*

B erlin, 20. März. (WTB. Amtlich.) Ein Geschwader unserer Marineflugzeuge belegte am 19.März nach­mittags militärische Anlagen in Dover. Deal und Ramsgate trotz starker Beschießung durch Landbatterien und feindlicher Flieger ausgiebig mit Bomben. Es wurden zahlreicheTreffer mit sehr guter Wirkung beobachtet. Alle Flugzeuge sind wohlbehalten zurückgekehrt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

.Berlin, 20. März. (WTB. Amtlich.) Vor der flan­drischen Küste fand am 20. März früh ein ftir uns e r - folgreichesGefecht zwischen dreideutschen Tor­pedobooten und einer Division von f ü n f e n g l i s ch e n Zerstörern statt. Der Gegner brach das Gefecht ab, nach­dem er mehrere Volltreffer erhalten hatte und dampfte mit hoher Fahrt aus Sicht. Auf unserer Seite nur ganz be­langlose Beschädigungen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

* * *

mt haben heute keinen Mangel an Kriegsnachrichten. Zu Wasser und zu Lande sind Ereignisse zu verzeichnen, dre zu unseren Gunsten sprechen und uns weitere Erfolge in Aussicht stellen. Das gilt besonders für die Kampfplätze um Verdun. Dort werden zurzeitArtilleriekämpfe mit be­sonderer Heftigkeit" ausgeführt. Die Franzosen haben, um ihre Stellung auf der Feste Vaux zu erhalten, neue schwere Blutopfer dargebracht; Teile einer neu herangeführten Divi­sion, die gegen das Dorf Vaux vorgingen, wurden mit schweren Verlusten abgewiesen. Auch die Russen haben bei werteren Angriffen im Seengebiet südlich von Dünabnrg sich nur neue Schlappen geholt.

Die Engländer sind durch einen neuen deutschen Flug­zeugangriff überrascht worden. Militärische Anlagen in Dauer, Deal und Ranrsgate sind durch Bombenwürfe wirk- s-am getroffen worden, und wenn auch damit nichts von entscheidender Bedeutung erreicht worden ist, so dür­fen wir doch den moralischen Erfolg nicht gering achten, der darin liegt, daß unsere tapferen Flieger den britischen Löwen, der seine Zähne zu verlieren scheint, wieder einmal bei feiner Vtähne gepackt haben. Auch das Seegefecht an der flandrischen Küste offenbart uns britische Altersschnuiche. Flandern ist doch das große Sorgenkind Englands, von dort will es den deutschen Rivalen um jeden Preis vertreiben und fern halten, und dennoch must die überlegene britische Flottenmacht in diesem Küstengebiet vor einigen deutschen Torpedobooten Fersengeld geben!

. Auch unsere österreichisch-ungarischen Bundesgenossen zeigen, je länger der Krieg dauert, desto deutlichere Proben ihrer kriegerischen Tüchtigkeit und Ueberlegenheit gegenüber den Feinden. Wir fühlen das heute in; dem amtlichem- Wiener Bericht geschilderten Heldenstück einer kleinen Truppe gegenüber einem achtfach überlegenen Feinde voll Genug­tuung mit. Die Russen haben in Ostgalizien bei ihrer letzten Offensive kläglich angeschnitten, und sie stehen unseren Bundesgenossen dort heute genau so unfähig und erfolglos gegenüber lvie Cadornas Truppen den tapferen Verteidigern

am Jsonzo. Auch dort, besonders am Görzer und Tolmeiner Brückenkopf, haben die Italiener in den letzten Tagen wieder blamable Niederlagen erlitten, während ihr Führer Cadorna zu müßigen Verhandlungen in die französische Hauptstadt sich begeben hat. Die italienische Kammer, vorüber Herr Salandra seine große, nachstehend mitgeteilte Verteidi­gungsrede gehalten hat, betrachtete ein trostloses, gänzlich erfolgloses Heer, leere Geldbeutel und wirtschaftliche Rot. Trotzdem erhielt der Ministerpräsident vom Parlament ein Vertrauensvotum. Wir dürfen nicht vergessen, daß die parla­mentarische Mehrheit schließlich ebenso kriegswütig war wie Salandra und Sonuino selbst. Fa, man hatte in den letzten Wochen sogar nach dem größeren .Krieg" gerufen ,wobei man die Kriegserklärung an Deutschland im Auge hatte, lieber diesengrößeren Krieg" wollte Salandra nicht öffent­lich sprechen; das ist trotzdem sehr vielsagend und wird zwar in Deutschland keinen, in England und Man^eich aber desto größeren Eindruck machen. Salandra hat das Parla­ment unter der Hand längst von der Unzulänglichkeit der italienischen Wehrmachtmittel überzeugt, ' die schon dem alten Erbfeind gegenüber nicht ausreichen. Er erfocht also durch die Abstimmung einen Kabinettssieg. ^lber welch schwammiges " Phrasen­gebilde stellt seine große Kammerrede dar. Wie hohl klingt sein Pathos, wie nichtssagend ist seine Advokatenberedtsami- keit. Das ist derselbe Herr, der unseren Reichskanzler einen mittelmäßigen Staatsmann genannt hat. Wir sind neugierig, was aus dem Füllhorn dieses Italieners alles noch kommen mag!

* * *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 20. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 20. Mürz 1916. .

RussischerKriegsschauplatz.

Gestern abend wurde nach sechsmonatiger tapferer Ver­teidigung die zum Trümmerhaufen zerschossene Brücken­schanze von Uscieczko geräumt. Obgleich es den Russen schon in den Morgenstunden gelungen war, eine 800 Meter breite Bresche zu sprengen, harrte von acht­facher Uebermacht angegriffen* die Besatzung, aller Ver­luste ungeachtet, noch durch sieben Stunden im heftigsten Geschütz- und Infanteriefeuer aus. Erft um 5 Uhr nachmit­tags entschloß sich der Kommandant, Oberst Planck, die ganz zerstörten Verschanzungen zu räumen. Kleinere Ab­teilungen Unverwundeter gewannen auf Booten das Südufer des Dnjeftr. Bald aber mußte unter dem konzentrischen Feuer des Gegners die Ausschiffung aufgegcbcn werden und es blieb der aus Kaiserdragoneru und Sappeuren zusammen­gesetzten tapferen Schar, wenn sie sich nicht gefangen geben wollte, nur ein Weg. Sie mußte sich von dem Nordufer des Dnjeftr durch den vom Feinde stark besetzten Ort Uscieczko zu unseren auf den Höhen nördlich von Zaleczczyki ein- genisteten Truppen durchschlagen. Der Marsch mitten durchdiefeindlichen Stellungen gelang. Unter dem Schutze der Nacht führte der Oberst Planck seine helden­haften Truppen zu unseren Vorposten nordwestlich von Za- leczczyki, wo sie heute ftüü eintrafen.

Die Kämpfe um die Brückenschanze von Uscieczkp werden in der Geschichte unserer Wehrmacht für alle Zeiten ein Ruhmesblatt bleiben.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Am Görzer Brückenkopf wurden gestern vor­mittag die feindlichen Stellungen vor dem Südteil der Pod- gora-Höhe in Brand gesetzt. Nachmittags nahm unsere Artillerie die gegnerische Front vor dem Brückenkopf unter kräftiges Feuer. Nachts wurde der Feind aus einem Graben vor Pevma vertrieben.

Die Kämpfe amTolmeinerBrückenkopf dauern fort. Die gewonnenen Stellungen blieben ftft in unserer Hand. Die Zahl der hier gefangen genommenen Italiener stieg auf 925, jene der erbeuteten Maschinengewehre auf 7. Mehrere feindliche Angriffe auf den Mrzli Vrh und Krn brachen zusammen Auch am Rombon erbeuteten unsere Truppen eine Stellung. Hierbei fielen 145 Italiener und zwei Maschinengewehre in ihre Hand.

Die lebhafte Tätigtest an der Kärntner front hält an.

Im Tiroler Grenzgebiet biclt der Fciird den Col di Lana-Abschnitt und einige Punkte an der Südfront unter Geschützfeuer.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. '

Unverärwert.

Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralftabs v. H ö f e r, Feldmarschalleuttmnt.

Zum Kampf um die Brückenschanze Uscieczko.

Wien, 20. März. (WDB. Nichtamtlich.) Aus dein Kriegspre ssegnartrer wird gemeldet: Anläßlich des holde n- mütigen Kampfes um die Brückenschanze bei Usciecz-ko hat der ArnieekomMcnidant General von Pflanzer-Baltin folgenden Armeebefehl erlassen:

Die Dnjestrschcurze existiert nicht mehr; sie wurde von den Russen in die Lust gesprengt. Seit Monaten hat der Feind

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Die Kämpfe am tfarocz- u. Msznieiy-See.

versucht, "sie in Angriff zu nehmen. Nie ist es ihm gelungen. Er wußte sie zuerst vernichten, ehe der erste Russe den Boden betreten konnte, der durch den Heldenmut imserer Truppen ge­heiligt ist. Die Kaiserdragoner haben gestern ein leuchtendes Beispiel der Kaisertreue gegeben. Die braven Sappeure harrten an ihrer Seite treu/ bis in den Tod aus. Sieben Stunden nach der Sprengung kämpfte die heldenmütige Besatzung gegen eine achtfache Uebermacht weiter. Erst auf Befehl tourden die Trünimer der Schanze, die nur mehr ein Heldengrab war. ge­räumt. Die Reste der Besatzung eiüzogen sich unter Führung ihres tapferen KoMnrandanten durch einen kühnen Nacht­marsch durch den Feind, den Dnjfftr im Rücken, der schon fast unvermleidlichen Gesangennahlme. Die Dniestrschanze ist für unsere Angee eine stolze Erinnerung, für die Russen aber ein warneiwes Zeichen, daß es bei uns für jeden Schritt Bodens nur einen Preis gibt, den Tod. Ich danke dem Kommandanten der Besatzung, Oberst Planckh, den Offizieren und der gesamten Mannschaft im 9camen der VII. Armee. v. Pflanzer-Balttn

Der englische Bericht über den Flugzeugangriff auf die englische Küste.

L o ndo n , 20. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das Kricgsamt meldet: Vier deutsche V^arineflugzeuge haben heute O stk ent überflogen. Das erste Paar erschien über Dover in einer Höhe von 5000 bis 6000 Fuß gegen zwei Uhr nachmtttags. Das erste Flugzeug ließ sechs Bomben aus den Hafen fallen und ivandte sich dann nordwestlich, indenr es Bomben aus die Stadt warf. Das andere Flugzeug erschien nach dem Flug über Dover um 2,13 Uhr über Deal, wo es' mehrere Bomben fallen ließ. Tos zioeite Paar erschien über Ramsgate um 2,10 Uhr und wart Bomben auf die Stadt. Eins dieser beiden Flugzeuge flog nach Westen, das andere, verfolgt von einem englischen Flugzeug, nach Norden. Eine Bombe soll auf Margate gefallen sein. Das zweite Flugzeug erschien ü&qr Wiestgate um 2,20 Uhr. Hier stiegen einige unserer Flugzeuge zur Verfolgung auf. Es wurden keine Bomben abgeworfen. Soiveit bis jetzt mttgeteilt wird, beträgt die Zahl der Toten 9, die der Verwurr- detcn 31. Insgesamt wurden 48 Bomben abgeworfen. Eine fiel am das tauadische Hospital in Ramsgate. Sie veruffachte keine Verluste an Menschenleben. Sachschaden wurde an einigen Häusern und Arbeirerlvütten angerichtet. Der Fliegerosfizier Bime verfolgte in einem Einsitzerflugzcug eins der deutschen Flugzeuge 30 eilen übers Meer. Dann kam es zu einem viertele st ü n d i g c n Gefecht. Das deutsche Flugzeug wurde mehrere Viale getrofseu und mußte niedergehen. Der Beobachter wurde getötet.

Berlin, 21. März. Zu dem Bericht des euglischeu .Kricgs- ministcriums über das U eberfliegen von Ostkent durch vier deutsche Wässerflngzeuge sagt derLokal-Anzeiger": Die in dem Bericht erwähuten Orte sind berecks nrebrsack von unseren! Flugzeugen heimgesucht worden und haben militärisckre Bedeutung, wie .Küstenwachstationen, Kasernen und Befestigungen in der Nähe von Dover zur Genüge belveisen. Daß Dover auch noch als der Frankreich nächstlieiende Hasen ganz liesonders die Aumrerksam- keit der deutschen Flieger' in Anspruch nimmt, lieg! auf der Hmrd, da es der Haupthafen für den englischen Truppenttanspott nach Frankreich sein dürste.

DerTote Mann" restlos in deutscher Hand.

Berlin, 20. März. (Priv.-Tel.) ImBerliner Lokal- Mizeiger" wird nach einer Mcll>ung des nach dem westlichen Kriegsschauplatz entsandten Sonderberichterstatters Nos- u e r' festgestellt, daß das n e [amte Gelände, das auf Grund der französischen Generalstabskarte als Gebiet des Mso r t Hom m c" bezeichnet wird, >also die Höhe 263 ruck» die' südöstlich davon gelegene Höhe 29ö, sowie das gesamte Zlvischengelände restlos in d e u t s ch e n H ä n d e n ist.

Der französische Bericht.

Paris, 20. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von Sonntag nachmittag: O e st L i ch der M aas richtete der Feind nach einer heftigen Beschießung gestern nachmittag fein