Kre Umgebung von Tekke Burun; sie wurden durch die ArrttNE unserer Artillerie gezwungen, sich zu entfernen. Eures unserer Flugzeuge griff feindliche Flugzeuge mit Muschrnengewehrfeuer an und zwang sie, nach Jmbros zu fliehen. Die am 14. März abends von einem feindlichen Flugzeug in der Umgebung der Landungsstelle von Aka- bah abgeworfenen Bonrben fielen sämtlich ins Meer. Wir schossen ein feindliches Flugzeug 2 Kilometer östlich des Ezkmials ab; die Insassen entflohen. Sonst nichts von Bedeutung.
Die Kämpfe in Mesopotamien.
cm 2 ondo n, 16. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtliche Meldung aus Mesopotamien: Die britische Infanterie stürmte am 11. März vorgeschobene türkische Stellungen am T l g r r s und tötete eine erhebliche Anzahl von Türken mit dem Bajonett. Die Abteilung zog sich unter Mitnahme von zwei Offizieren und 50 Mann Gefangenen zurück.
London, 16. Mürz. (WTB.) Die „Times" schreiben rn einem Leitartikel: Man muß zugeben, daß die Lage am Tigris Llnlaß zu vielen Sorgen gibt. Die russischen Truppen, die durch den armenische Taurus Vordringen, werden vielleicht imstande sein, die türkischen Verbindungslinien zu bedrohen, aber eine wesentliche Unterstützung kann General Townshend nur durch die britischen Ersatzkotounen verhalten, die augenblicklich wieder nicht vorwär t s kommen.
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Auseinandersetzungen über die Wehrpflicht im englischen Oberhause.
Rotterdam, 16. März. (WÄB. Nichtamtlich.) Der „Rot- terdamsche Courant" meldet aus London: Im Oberhause stellte gestern Lord- Pottmouth einige Fragen über das Handelst kommen nnt Dänemark. Lord Lansdowne Mies ihn deshalb mit sckarfen Wörter zurecht und sagte, seine Klagen bezweckten, ein Mißlingen des Abkonrmens herbttxusühren; sie seien unangebracht und un- patrrotisch. Er stellte in Abrede, daß Agenten zwecks Beauffichtt- guug der Wiederausfuhr ausgestellt werden sollten.
Lord Derby beklagte sich gestern über einige Blätter, du chm vorwarfen, sein Versprechen nicht eingehalten zu haben erklärte, er habe alles mögliche getan. Dieprotestieren- den Verheirateten müßten in drei Arten ein- geteilt werden: Erstens die Leute, welche unverhüllt zugeben, daß sie sich niemals für den Dienst genreldet haben würden, wenn ftc gewußt hatten, daß sie jemals aufgerufen werden würden. Mrt diesen Protesten brauche man sich nicht weiter zu befassen. Diese Leute, sagte Lord Derby, können sich nicht darauf 'berufen, was ich im Oktober faste, nämlich daß die älteren Gruppen erst nach vielen Monaten und vielleicht überhaupt nicht ernberufen werden würden. Die zweite Art seien diejenigen, dre sagen, daß es das einzig Richtige wäre, alle Verheirateten zum
öu zwingen. Dagegen habe er nichts einzuwenden. Aber das habe mrt s-mnem Versprechen nichts zu tun und sei eine Angelegenheit, die das Kabinett angehe. Die dritte Gruppe seien die- lenigen, die jagen, daß sie nicht aufgerufen werden sollen, ehe alle Unverheirateten in die Armee eingereiht sind. Der Redner fuhr fort: Wenn ich glaube, was Lord Selbourne den Farmern gesagt hat, daß ich nn Mann ohne Machtbefugnis sei, und wenn das die wteinung der Regierung ist, dann werde ich gezwungen ' e .. l ?v ä rH ri *£äutreten. Lord Derby gab zu, daß cs unmöglich ser, alle Verheirateten in die Armee zu bekommen. tDare gefährlich, sie aus der: Munitionsfabriken zu holen. Er schlug vor, daß man es den Männern überlassen solle, zu be- wersen, daß sie nicht entbehrt werden können. In jedem Falle wurde die Revision der militärfreieu Berufe und das Ersetzen unverheirateter Arbeiter durch verheiratete Zeit in Anspruch nehmen. Deshalb sei es nicht möglich, mit der Einberufung der Verheirateten so lange zu warten, bis die Maßregel durcl>ge führt sei. «• —bw K i t ch euer gab eure ähnliche Erklärung ab. Er appel-
o ™.. Vaterlandsliebe der Verheirateten und sagte, daß die
Zahl der Männer, die sich anwerben ließen, enttäuschend war und die Lage ernst sei.
„Daily Mail" greift in einem scharfen Artikel die Re- grerung an, der sie alle Schuld für die Schwierigkeiten in das Sämbe schieb.t — „Times" sagt, der Grund des Uebels sei das Durcheinander bei der Vertellung der Verantwortlichkeit.
Der Zeekrieg.
Der Untergang der „Tubantia".
Am Noordhinder Feuersclsiff ist einer der größten holländischen Dampfer, die „Tstbantin", unter gegangen. Noch besteht keine Uebereinsttmmnng darüber, oh die Explosion, die!den Untergairg herheiführte, auf ein Torpedo oder auf eine ^ Mine zurückznfiihren ist. Die amtliche Mitteilung *des holländischen Marineministeriums läßt beide Möglichkeiten .offen, während die Direktion des Holländischen Lloyd, den: das Schiff gehört, die Torpedierung als gegeben annimmt Wir erhalten folgende Meldungen:
A m st e r d a m , 16. März. (WTB.) Die Blätter melden - Nach einem drahtlosen Telegranrm befindet sich der Dampfer „Tubantia" des Holländischen Lloyd bei dem Nvord- hinder Feuerschiff in sinkenden: Zustande. Einzelheiten fehlen. Die Niederlärrdische Telegramm-Agentur meldet aus Rotterdam vam 16. Mürz: Soeben ist eine drahtlose Meldung erngetroffen, daß die Tubantia" torpediert worden rst und sich in 51 Grad 46 Minuten nördlicher Breite und 2 Grad 45 Minrtten östlicher Länge in sinkendem Zustande besindet. Aus Hoek van Holland wird iroch berichtet daß. ern Darnpfrettungsboot aus>gefahren ist, um dem sinken- den Dampfer beizustehen. Zu demselben Zwecke fahren aus Vlrssrngen Torpedoboote aus.
(Notiz: Es ist wahrscheinlich, daß die „Tubantia" auf erne Mine gelaufen ist.)
cm rC p f ■'uiuß t?ier vorrregenoen
Meldungen ist es nach nicht sicher sestgejtellt, ob die „Tuban-i tia torpediert wurde pder cm] eine Mine lief. In dem Bericht, der be: dem Marmemmisterinm einqelausen ist, wird von beiden Möglichkeiten gesprochen. Andererseits erhielt die Direktion, des Holländischen Lloyd heute 2,25 Uhr morgens ein Telegramm von dem Kapitän des Dampfers, welches lautet: „Wir sind durch ern Torpedo getroffen, das Schiff sinkt." Drei Stunden später kam uer drahtlose Berich, daß der Zustand des Schiffes hoffnungslos fa-, und daß der Kapitän mit den Leuten der Besatzung, die sich noch au Bord befanden, das Schiff verließ. Die Passagiere mm ern .großer Teil der Besatzung verließen das Schiff sofort nach dem Unfall Wahrscheinlich lag die „Tubantia" infolge der Dunkelheit und des herrschenden Nebels beim Noordhinder Leuchtschiff vor Anker, als dre Explosion erfolgte. Zwei Schaluppen mit Pa'fa-. gieren und Besatzung kamen heute früh 8 Uhr beim Novrdhinder Leuchtschiff au.
t • ? ,eT Fvachtdampfer „Krakatau" der Neederland-Gesellsck-aft berichtet, daß er einige Passagiere der „Tubantia" an Bord habe, und »aß er ern anderes holländisches Schiß mit vielen Geretteten! passiert hab^. Auch ein schwedischer Dampfer befand sich in der Nähe, um Hilfe zu leisten. Die „Tubarttia" wurde rückwärts getroffen, so daß die Steuervorrichtung sofort in Unordnung geriet. Der Dampfer sank innerhalb drei Stunden. An Bord befanden sich 294 Mann Befatzimg und 42 Passagiere erster, ^ i^btter und 6 drstter Klasse. Der Dampfer war gestern genau b Uhr 50 Minuten nackMÜba-gs aus Dmuiden ausgefahren und war mit ;cmen 13911 Bruttotonnen eines der größteir Schiffe, die von Amsterdam aus verkehren.
Aus Vlffsingen wird rwch berichtet, daß heute früh die Lotsen- und Transportschiffe „Eoertzen" und „Vlissürgen Nr. 3", sowie ern ^orpttwbovt urrd ein Rettungsschleppboot zur Hilfeleistung aussuhren. Nach den bisher vorlicgerrderr Meldungen scheint niemand ums Leben gekommen zu sein. Der Wett des Schiffes wird mit vier Millionen Gulden angegeben.
Amsterdam, 16. März. (WTB. Nichtamtlich.) Das „Harrdelsblad" erfährt, daß sich einige Torpedoboote mit Schrfsbrüchigen der „Tubantia" auf dem Wege nach Blrssrngen befinden. Um V 2 I Uhr kam das erste Torpedoboot mrt 85 Mann der Besatzung an. Die „Tubantia" hatte Post und führte ungefähr 700 Tonnen Ladung, aus Stückgütern bestehend. Nach einem beim Marineministerium eingetroffenen Bericht sank die „Tubantia" zwei Meilen östlich vom Leuchtschiff Noordhinder. Aus Ymuiden wird gemeldet, daß die Beamten, die bei der Ausklarierung des Dampfers an Bord der „Tubantia" waren, erklären, daß sich k e i n e N 0 r d a m e r i k a n e r an Bord befanden. Unter den Passagieren seien vier Brasilianer, ein Schweizer, ein Russe und einige Chilenen gewesen.
Gießen, den 17. Mürz
Zum vietten Male im Verlauf des unerbittlichen Ringens, durch das uns unsere Feinde auf die Knie zwingen fvollten, ist eine Kriegsanleihe ausgeschrieben, die uns die erforderlichen Mittel an die Hand geben muß, unserer nationalen Verteidigung den finanziellen Rückhalt zu bieten. Schon dreimal haben wir im I nnern des Landes einen großen Sieg erfochten, nun gilt es zum vierten Male zu zeigen, daß wir nicht nur ungeschwächt dastehen, sondern daß unsere finanzielle Kraft und unser Berttauen in den 'endgültigen Steg rmserer gerechten Sache gewachsen sind. Wahrüch hat Gießen bisher nicht an letzter Stelle gestanden aber diesmal gilt es, auch den letzten Mann von der Notwendigkeit zu überzeugen, bei bex gemeinsamen Tat mitznwirken. Ar^ diesem __ Grunde war für gestern abend in der neuen Aula eine öffentlicheVersammlung der Bürgettchaft ein- Iternfan, in der von berufenen Rednern die Vorteile der neuen Kriegsanleihe und die vatettändische Pflicht, sich an ihr zu beteiligen, dargelegt wurden. Wie nicht anders zu erwarten, war der Saal f>i§ zum letzten Platze befayt. Vertreter jeglichen Standes Elch zahlreiche Damen, hatten sich eingefnnden und nahmen die Votträge mit großer Anteilnahme entgegen.
Oberbürgermeister Keller, ans dessen Veranlassung die Versammlung stattfand, leitete sie mit folgenden Ausführun 'gen ein:
O&rTtfiraermrWrr Keller.
Eine nette Kriegsanleihe ist zur Zeichmrng aufgelegt. Zum vierten Male ergcht an jedermann im Volke der Stuf, zu seinem Teile beizutragen zu der wirtschaftlichen Krrebsrüstung, deren das Vaterland bedarf, um den gewaltigen Kampf siegreich zu bestehen, den eine Welt von Feinden uns aufg^wungen hat. ,
Ein voller Erffolg der neuen Kriegsanleihe ist möglich, ateer auch notwendig, und darum ist es die Aufgabe .jedes Staatsbürgers, die Kriegsanleihe nach Kräften fördern zu helfen. Dieses Bewußtsein zu starken, rst Zweck der heutigen Versammlung.
Den Herren, die nach mir das Wort ergreifen werden, imr nacheinander die Finanzlage unserer Feinde im Ver- Äerch mrt der unsrigen, sodann die Vorteile der neuen Kriegsanleihe und endlich ihre vaterländische Notwendigkeit rn Verbindung mit der Pflicht weiteren Durchhalterrs zu beleuchten, bin ich für diese mithelfende Werbearbeit rm voraus aufrichtig dankbar. Nicht minder muß ich danken all denen, die jetzt wie früher eifriger Werbe- tettgiert sich befleißigt haben: den Banken und Kassen, den Schulen und zahlreichen anderen Helfern.
Doch was hilft alle Werbetätigkeit, wenn nicht jeder Einzelne davon durchdrungen ist: es geht auch dich an, was jetzt für unser Vaterland auf dem ©ptete stcht, auch eine, norf) fo geringe Zeichnung kommt es an, auch ou hast an der Ehre, wenn wredermn ein glänzendes Ergebnis zujtande kömmt, aber auch an der Verantwortung teil, wenn das Ergebnis hinter den berechtigten Erwartungen zirrückblerbt.
Die Zeichnungen in der Stadt Gießen — ruhmend muß rch es abermals hervorheben — sind bei den früheren Kriegsanleihen recht erfreulich gewesen. Von.2ln- lerhe zu Anleihe find die Zeichnungen gewachsen: bei der ersten Kriegsanleihe sind 7 Millionen, bei der z we i- ten fast 19 Millionen, bei der dritten 251/2 Millionen in unterer Stadt gezeichnet worden. Im September vorigen jZcrhres konnte ich von diesem Platze aus mitteilen, daß im BerhättMs zu den Steuerwerten Gießen mit den Zerch- ttrungen bei der zweiten Kriegsanleihe an erster Stelle Won allen größeren Städten des Gvoßherzogtums Hessen -gestanden hat, und ich sprach damals die Hoffnung aus daß .es bei der dritten Kriegsanleihe so bleiben möge Diese merne Hsffnung hat sich voll erfüllt; denn auch bei der dritten KViegsauteche ist Gießen an der Spitze ae- blieöeu.
Mer, wir muffen das Vergangelre vergangen sein lassen. Wir dürfen nichit sagen: es ist genug Tie draußen rm Betterstrahl der Schlachten kämpfen, kürrnen nicht sagen: es ist genug.. Je deullicher und macht- wuer wsi: urvseren Feinden, rramenttich England, unsere ML^relle Sterbe immer wieder Mmr Ausdruck L iäng en,
Die neue Kriegsanleihe.
^sto eher werden sie einschen, daß es ein fruchtlose^ Begrünen rst, die finanzielle Kraft des deutschen Volkes durch erne lange Dauer des Krieges vernichten zu wollen Darum: wer jetzt zahlt, was er kann, hilft mrt Au Sreg und Frieden. Wer nicht zahlt, was er entbehren kann, der verlängert den Krieg.
Wenn wir zu derrjeurgen unserer Mitbürger, die draußen urtt eiserner Faust den Feind von unsereir Grenzen von unserer Stadt fernhalten, das Vertrauen haberr, daß sie den harten Kampf weiterhin siegreich bestehen werden, so müssen wir in der Heimat uns rrumer wieder fragen ob auch wir unsere Pflichten erfüllen Jetzt, der dieser neuen Kriegsanleihe können und müssen wir zeigen, daß dieses Pflichtgefühl rn uns lebendig ist.
Sie kenne,: wohl alle das schöne Frühlingslied: „Der Frühling naht mit Brausen — er rüstet sich zur Da t — Und unter Sturm und Sausen keimt still die grüne Säat — Drum wach, envach du Menschenkind,, daß dich der Lenz nicht schlafend ftndtt."
Am 2 2. März, am Tag rrach Frühlingsanfang, läuft dre Zerchnungsfrist ab. Dieser Dag, den das deutsche Volk, mehr noch das feirMiche Ausland, mit Spcnrnung erwartet, soll die Bürgerschaft von Gießen nicht schlafend, sondern gleitt) dem Frühling, zur Tat gerüstet finden: zu dem großen deutschen Frühjahrs sieg der Daheimgebliebenen, der dem Feinde die letzte Hoffnung zerschmettert und ihn M der Erkennttris zwingt, daß Deutschlano unbesiegbar ist!
Darum, liebe Mitbürger, zeichnet die rregsanleihe!
Als zweiter Redner verglich Prof. Dr. Skalweit in klarer, übersichtlicher Darlegung unsere Finanzlage mit der unserer Gegner. Er führte etwa folgendes aus:
Prof. Dr. Skalweit.
— ie ist Heute, nach 20monatiger Kriegs- fuyrung, die finanzielle Lage der kriegführenden Staaten?"
Diese Frage wurde schon in den früheren Votträgen behandelt, in der Ettemrtnis, daß es keine bessere Propaganda gäbe, als ern Vergleich unserer Finanzlage mit der der Gegner. Zu unserer aller Freude ist festzustelleii, daß sich die weitere Entwicklung ganz m jenen Bahnen bewegt hat, die schon früher vor- gezeichntt. Auch heute ist die Finanzlage des Deutschen Reicks besser als die aller Kttegführerrdrn, und je länger der Ktteg dauern wrrd, um so mehr wird sich dieses Verhältnis zu unseren Gunsten entwickeln.
Die beiden Quellen, aus denen der Staat die Mittel zur Krregsführuiig schöpfen kann, sind das Nationalvermögen und das Nationaleinkommen.
Zu Beginn des Ktteges war die Sachlage die, daß, was die zahlungsbereiten Mittel des Volksvermögens anbetraf, die Gegner uns überlegen waren. Frankreich und Rußland verfügten aus ihren Zentralnotenbanken über die größten Goldschätze der Welt Eirglands Goldschatz rvar zwar Neiner als dar deutsche Dank ferner vorttefflichen Organisation des bargeldsparenden Zahlungsverkehrs hat es sich von jeher mit einem geringeren Goldbestand begnügen körmen. Dafür verfügte es aber als Bankier der Welt über große Summen sofort einziehbarer Auslandsguthaben. In beiden Beziehungmr war Deutschland sehr vrel ungünstiger gestellt. Das war ja auch der Grund, weshalb dre Gegner glaubten, daß Deutschland alsbald finanziell zusammenbrechen würde. Indes beruhle diese ganze Vorstel- lung auf erner falschen Voraussetzung. .Es zeigte sich nämlich alsbald, daß zur Finanzieruug ttnes so teuren Krieges die be- reillregenden Mittel auch des größten Volksvermögens nicht aus- rerchten, und daß vielmehr alles darauf ankomme, aus der an- dern Quelle, dem V 0 l'in ko mmen, schöpfen zu können.
Das hat auch Ewgland erfahren müssen, das aus seinen großen Reichtum- so laut gepocht und gemenrt hatte, die letzte, den Kneg eriffcheidenbe MMarde zu haben. Seit Jahren hatte Eng- land dre sinanzrelle KttivgsrüstMig vorbereitet und plamnäfag seine Schulden abgeköst. Daß der kommende Krieg teuer werden würde, haben die (ftrgländer gewußt, da sie vor: jeher ihre Kriege mittdem Gttoiack geführt. Sre hatterr eür gauz andwes Verhältnis zum Kriege wre wrr, da sie den Ktteg als Kapitalanlage bttrach- teten Fvellich dieser Krieg kommt ihnen sehr teuer. Zu Beginn des Krieses hatte England 14 MillmrdOi Mark Schulden, heute
hat es annähernd 5 0. Ende 1916 werden e§ voraussichtlich doppelt so viel slein: 100 Milliarden Mk. Die Napoleonischen Kriege kosteten 16y 2 Milliarden Mk. Für das danralige England bedeutete dies ttn Dtttttt seines Volksvermögens. Gleichwohlt waren dre napoleorrischen Kriege ttn glänzendes Geschäft. Tie konttnentalen Völker hatten sich zerflttscht rmd waren an produktiven Krästeii unendlich vitt ärmer geworden. Ein halbes Jahrhundett dauette es, bis die Wunden vernarbt waren. Für England dagegen war das dre Zttt der Begründung seiner politischen und Wirtschaft-- licherr Welttnackchstelking, die ihm einen fabelliaften Rttcbtum einbrachte.
Aüch dieser Krieg war anfangs als .Kapitalanlage gedacht. Greys Ausspruch, cs biete ttensovtete BotteLe, den Ktteg mitzumachen, als zuOffchauen, zeigt die sorgfältige Kalkulatton des aroßz-ügigen Geschäftsmannes. Asguith wollte den Ktteg 20 öahre lang aushalten. Man hatte sich ausgerechntt: 5 Milliar- ^ puo Jahr. 20X5 — 100. So viel wollte man an legen. Möglichst lange sollte der Ktteg dauern, Um möglichst großen Nutzen ihm. Zn ficherrr, hatte sich aber dabei verrechnet — i00 Milliarden reichten rächt 20 Jahre, sondern nur 2y 2 Jahre. o Mrllrarden jährlich ging an, aber 40 Milliarden in ttnem Jahre konnte man rncht mif einmal dem Bolksverrnögen entziehen.
Nein — die ttnzig sichere Urtterlage, um diesen Ktteg zu ftuanzieveli, kann nur das Nationaleinkommen sein. Der Krieg muß sich durch den Ktteg bezahlt machen Möglichst alles, was der Krieg kostet, muß bezahtt werden mit Geld, das die Bolks- wrrtsckiaft in ihrer Arbttt für den Ktteg verdient hat. Das kann geschehen, wenn die Volkswirtschaft ganz -ür den Dienst der Kriegswirtschaft gestellt wird. Dazu muß die Fttedens- wirtschaft um ge stellt und zur Ktteg swittschaft werden. Statt Ftte- densgütern müssen von der Volkswirtschaft Kttegswerkzeuge und di« für Volk und Heer notwendigen Unterhaltungsmittel erzeugt werden. Auch die -Volkswirtschaft muß zur Kttegsinaschine werden.
Hier liegt das Problem: das Voll muß auch während des Kttoges ttn Wohl möglich bcsteigertes Einkommen haben, und dieses Einkommen muß in möglichst vollem Umfange der Kriegsführnng wieder nutzbar gemacht werden. Was beide Punkte aTibetttfft, gibt es kttnes unter den kttegführenden Völkern, das sich in so günstiger Lage befände wie das deutsche.
Kttn Voll ist so gut imstande wie das deutsche, die Kttegswirt- schast selbständig, zu betreiben. Das Wichtigste haben wir. Es fehlt nur wenig des Unentbehrlichen, das wir nicht uns selber beschaffen köniren, und dieses Wenige läßt sich ersetzen oder ttn sparen.
Wie sehr viel ungünstiger in dieser Hinsicht die Lage unseres! Gegners ist, hat sich daran gezecht, daß sie ohne die Hilfe Amerikas den Ktteg nicht sortzusetzen imstande wären.
So bedauerlich es für uns ist, daß es ihnen auf diese Wttse möglich gemacht wird, den Ktteg in die Länge zu ziehen, fa Unvorteilhaft sind für sie die Folgen, die sich daraus für ihre finanzielle Lage ergeben. Ständig fließt ttn Haupttttl ihres Nationaleinkommens in das 'Ausland ab. Die Folge ist nicht nur eine dauernde Schwächung ihrer Finanzkraft, auch die KttegH- finanzierung wird je länger je mehr schwiettger, und für die Aufnahme langsttstiFer Arlleihen im ttgenen Lande wird das Fundament unterwühlt.
Lluch btt der -Nutzbarmachung des Kttegseinkommens zeigt sich unsere Ueberlegenheit. Es ist ja nicht genug damit getan, daß das kttegsührende Volk ein möglichst großes, durch keine großen Geldexporte geschwächtes Einkommen habe, es muß auch gttingen. dieses Einkommen in die Kttegskassen zu lttten. Es kommt daher darauf au, den in Geld flüssig werderrden Teil des überschüssigen; Volksttnkommens für die Kriegswirtschaft abzuschöpfen. Und das beste Mittel dazu sind die von Zeit zu Zttt sich wiederholenden^ Kriegsanleihen. Wir sehen daher auch, wie alle Krieg- führenden eifrig bestrebt lsind, langfttstige Anltthen rmterzubringen. Aber mit wie verschiedenem Erfolge!
Während Deutschland bisher 25,8 Milliarden Mark bar eingezahlter Kriegsanltthe aufbrachte, und auch mit der vietten Anltthe einen großen Erfolg erzielen wird, ivährend Oesterrttch- Ungarn^ über 10 Milliarden Kronen aufbttugen konnte, sehen nur, wie unseren Gegnern trotz aller Alistrengmrgen und Rellame die Unterbringung von Anleihm nicht recht getingen will. Von Rußland und Italien ganz zu schweigen, stehen auch die Anltthe- ergebnisse Englands mrd Frankrttchs kttneswegs imposant da. Wieviel ihre Anleihen gebracht haben, ist nicht genau zu sagen, da das Ergebnis der Barzttchnungen absichtlich ver''chwiett wird. Die erste englische Kriegsanleihe wurde mit 7 Milliarden Mark, die zweite nrit annähernd 12 Milliarden gezeichnet. Doch lmndelt es sich in beiden Fällen nicht um volle Baremzahlumren Außerdem waren beide Anleihen nicht voll pläeiett. Die Folge war, daß die Kurse der englischen Kttegsanleihen nicht unbeträchtlich nachgaben.
Frankreich hat bekanntlich erst vor kurzem fame erstes Kriegsanltthe heraus gebracht. Die schon vorher ständig m


