Ausgabe 
4.3.1916 Erstes Blatt
Seite
2
 
Einzelbild herunterladen

bcutofrarifdjer Mhrer bei der Konferenz im Weißen Hause Wilsen ftagte, was die wahrscheinliche Folge des amerikanischen Eingreifens gegen Deutsch­land sein würde. Wilson antwortete, daß es dazu bei­tragen würde, den Krieg zu verkürzen. Es tvird aber verneint, daß Wilson den Wunsch aussprach, daß die Ber­einigten Staaten am Kriege teilnehmen sollten, um ihn abzukürzen. Lansing deutete an, daß die Bereinigten Staaten die deutsche Auffassung nicht annehmen könnten, daß ein Unterseeboot infolge seines gebrechlichen Baues Anspruch auf größere Rücksicht beim Angreifen habe als irgend eine andere Klasse von Kriegsschiffen Vom Staatsdepartement wurde mitgeteilt, daß in Berlin Gerüchte umgehen, daß fünf Sechstel des Kongresses gegen Wilson seien. Die amt­lichen Kreise geben dies bekannt, um zu zeigen, bis zu welchem Grade man in Berlin falsch unterrichtet sei.

Washington, 3. März. (WTB. Nichtamtlich.) Der Senat hat den Antrag, die Beratung der Entschließung Gore aus unbestirnmte Zeit zu vertagen, mit 68 gegen 14 Stimmen angenommen. (Gore beantragte einen Beschluß, wonach die Amerikaner aufgefordert werden sollen, sich von bewaffneten Handelsschiffen fernzuhalten.)

Die irreführende Erklärung Englands.

B e r l i n, 3. März. (WTB.) Nach der durch Reuter ver­öffentlichten englischen Erklärung geht die englische Auffassung über das Verhalten bewaffneter Han­delsschiffe dahin, daß diese Schiffe auf Unterseeboote oder irgendwelche anderen Kriegsschiffe nicht .feuern dürfen, außer zur Selbstverteidigung. Die deutsche Schlußfolgerung aus den auf genommenen englischen Schiffen gefundenen Schriffflücken, daß Handelsschiffe die Weisung hätten, die Offensive zu ergreifen, sei falsch.

Diese Erklärung ist irreführend. Die deutsche Aegierung hat die auf englischen Schiffer: gefundenen Wei­sungen in photographischer Wiedergabe ihrer Denkschrift bei­gefügt, so daß jeder Unbefangene sich sein Urteil selbst bilden kann. Aus dem deutschen Material geht klar der wahre Cha­rakter der angeblich nur zu Verterdigungszwecken bewaff­neten englischen Schiffe hervor. Es ergibt sich, schon aus dem ungewöhnlichen Nachdruck, was mit der Geheimhaltung der Weisungen gefordert wird. Der artilleristische Inhalt der Weisungen und die militärische Stellung der Geschütz mann schäften zeigen, daß es sich hier nicht um die früher übliche Bewaff­nung eines friedlichen Handelsschiffes, sondern um die Einstellung der britischen Handelsflotte irJ den Kampf gegen die deutsche Kriegsmarine handelt. Da­zu kommt, daß in den Weisungen ausdrücklich gesagt wird, die Eröffnung des Feuers auf deutsche Unterseeboote solle von der Vornahme irgend einer feindseligen Handlung durch ein Unterseeboot nicht abhängig sein Diese offensiven Weffungen werden nicht dadurch defensiv, daß sie sich in der Ueberschrift selbst als defensiv bezeichnen. Aus den zahl­reichen Fallen unprvdozierter Angriffe, wie sie in der Anlage 4 der deutschen Denkschrift zusammengestellt sind, erhellt übrigens zur Genüge, daß die englischen .Han­delsschiffe den Sinn der ihnen erteilten Weisungen sehr wohl verstehen.

* . *

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 2. März. (WTB. Nichtamtlich.) Bericht des Hauptquartiers: Einige feindliche Kreuzer und Torpedoboote beschossen zu verschiedenen Zeiten und in Zwischenräumen unwirk­sam den Strand von Sedd ül Bahr und Tekke Burun, ebenso in den Gewässern von Smyrna offene Städte ohne Ber- reängungsanlagen, nämlich Kvuchadassi und einige nördlich davon gelegene Ortschaften; sie zogen sich daraus zurück. Am 29. Februar dvang ein engliseher Kreuzer in den Golf von Akaba ein, beschoß unser Lager am Ufer und landete unter dem Schutze eines Kriegsschiffes ungefähr 300 Soldaten. Unsere Soldaten und Krieger fetzten sich zur Wehr und vertrieben in der darauf folgenden Schlacht, die 6 Stunden dauerte, den Feind völlig vom Strande. Ein zweiter Versuch des Feindes, uns zubeunrnhigen, schlug ebenfalls fehl. Die feindlichen Ver­luste sind ziemlich groß. Unsere Freiwilligen-Streitkräfte hielten sich währerch des Kampfes bewunderungswürdig.

Von der Demenfront wird in Ergänzung des letzten Be­richtes gemeldet, daß beim letzten Kampf bei Täfiouch zwischen Cheik Osman und Oahdj der Feind 160 Tote hatte, dar­untereinen englischen General und Führer eines Lan­dungskorps. Außerdem verlor der Feind zahlreiche Transport­tiere. Der Feind machte während der Schlacht von giftigen Gasen Gebrauch. Ter Emir der Stämme in der Küstengegend von Aden bis Hadramaut kam nach der Schlacht von Täfiouch und bot der ottomanischeu Regierung Unterwerfung an; die östliche und westliche Küstengegend von Aden kam so unter die ottornanische Herrschaft. In Wirklichkeit haben die Engländer nur einen schwachen Einfluß auf Aden und Cheik Osman.

Von der Irak- und Kaukasusfront sind keine Nach-, richten eingelaufen.

Aus dem englische» Parlament.

London, 3. März. (WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Snowden fragte, ob die Regierung vor Abschluß des Ver­trages, daß die Alliierten keinen Sonderfrieden machen würden, bei den Alliierten festgesteklt habe, was ihre Ziele in dem Ktiege wären, was sie an Garantien, territorialen Zugeständnissen und Handelsvorteilen erwarten tvürden. Lloyd George erwiderte, es sei nicht wünschenswert, Mitteilungen über den Gedanken­austausch der Alliierten zu machen, als daß sie sich verpflichtet haben, keinen Sonderfrieden zu schließen. Snowden fragte daraus: Ist es nicht Tatsache, daß ein geheimer Vertrag mit Italien geschlossen wurde, der Italien als Preis für den Eintritt in den Krieg große Strecken österreichischen Gebietes versprochen hat? Ter Sprecher sagte darauf, wenn es ein geheimer Vertrag ist, wird er nicht länger ge­heim bleiben, wenn die Frage beantwortet toird. Sir John Simon sagte, daß entgegen dem ausdrücklichen Ver­sprechen des Premierministers einzige Söhne von Witwen in die Armee eingestellt wurden. Ferner sei die Art, wie Leute, die militärisch untauglich befnndm wurden, von den lokalen Gerichts!- Höfen behandelt würden, in direktem Widerspruch zu den Er­klärungen, die der Unterstaatssekretär für Krieg im Parlament ge­geben habe. Cs sei Zeit, daß die Militärbehörden ihre eigenes Dienstpflichtgesetz zu verstehen ansingen. Walter Lang bedauerte den Ton von Simons Rede. Heg ly (Nationalist) sagte, Simon habe nicht das Reckst, das Kriegsamt in solcher Werse anzngreifen. Cs sei gesagt worden, daß, wenn es den Deutschen gelänge, bei Verdun durchzubrechen, Paris und London in Gefahr seien. Während dieser furchtbare Kampf sortginge, müßte man heute diese Rede von einem der Minister hören, die den Krieg gemacht haben und der mitverantivortlich sei an den: Mangel der Vor­bereitung für den Krieg. Simon hätte dem Beispiel von John Burne folgen sollen, der aus dem Kabinett ausgetreten sei, um nicht die Verantwortung für den Krieg zu übernehmen, und der seitdem kein Wort der Kritik gegen seine früheren Kollegen gesagt habe.

Rotterdam, 3. März. lWTB. Nichtamtlich) DerNotter- damsche Courant" meldet arw London: Die merkwürdige Stellung, welche Lord Derby gegenüber der Regierung einnimmt, war aus der Rede ersichtlich, die er gestern im O b e r h a u s e über die Befreiung vom Militärdien st gehalten l)at. Er sagte im Verlaufe seiner Rede, daß sein neuer Posten nicht bedeute, daß er der Luftverteidigungsminister mit der Verantwortlichkeit für den Luftdienst sei. Er beklagte sich nicht über die Gerichte, sondern über

die Befreiung, die man auf Grund von allen möglichen Abzeichen wegen der Angehörigkeit zum vom Militärdienst befreiender Berufe erhalten könne. Tie Regierung werde viel strengere Maßregeln er­greifen müssen, als bisher, wenn sie die Leute für das Heer er­halten wolle, die notwendig seierr. Man müsse Männer auch aus militärfreien Berufen nehmen und sie durch Frauen ersehen Lord Derby machte der Regierung zwei Vorschläge: Erstens, kein unverheirateter Mann unter 31 Jahren dürfte vorn Militärdienst befreit werden, weil er ein Abzeichen trägt, das ihn als unabkömm­lich hinstellt, oder rveil er einem vom Militärdienst befreienden Be­rufe angehört. Zweitens: Alle übrigen unverheirateten und alle verheirateten Männer dürfen nicht als unabkömmlich oder militär­frei betrachtet werden, wenn sie nicht bereits vor dem 15. August 1915 in ihrer gegenwärtigen (Stellung oder in einer gleichen Stel­lung beschäftigt rammt. Letztere Bestimmung findet keine Anwen­dung auf gelernte Arbeiter in Munitionsfabriken.

Lord Derby griff den früheren Minister Simon und dessen Freunde heftig an, die im Unterhause jeden Borwand benützen würden, um den Lande Soldaten zu entziehen. Tie Mitglieder der Regierung, die auf dieses offene Ultimatum ihres Werbedirertors' antworteten, waren Selbourne und Lansdowne. Sel- bourne führte aus, daß die Lebensmittel von ebenso großer Be­deutung seien, wie die Munition, Und daß nicht alle unverheirate­ten Leute auf dem Lande entbehrt werden könnten. Lord Lans­downe sagte, daß der Aufruf des Hcrndelsamtes bereits die Listen der befreiten Berufe revidiere. Lord Derby erhob sich zum zweiten Male, um seine Enttäuschung über diese Antwort aus- zusprecben. Tiefe Enttäuschung spiegelt fühl heute auch in der konservativen Presse wider, dagegen rügt die liberaleDaily Chronicle" Lord Derby ernstlich wegen seines Mangels an Takt und verteidigt die Rede von Lord Selbourne. DieDaily Mail" nimmt Sir Simon in Schutz und sagt, daß Lord Derbys Vorschläge im ganzen und nicht sofort angenommen werden könn­ten, weil es sonst zu einer Katastrophe in der Industrie kommen würde.

Das englische Schlepptau.

London, 2. März. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der parlamentarische Korvespon- dent derTime s" erfährt, daß» in den nächsten Wochen Großbritannien, Frankreich, Rußland und Italien wahr­scheinlich die Erklärung unterzeichnen werden, daß keine der vier Mächte lohne Abstimmung der anderen einen Handelsvertrag mit Deutschland oder Oesterreich-Ungarn ab sch ließen darf.

Eiue neue skandinavische Ministerkonserenz.

K r i st i a n i a , 2. März, (zf.) Im Einverständnis mit dem schwedischen und 'norwegischen König lud der dänische König die norwegischen und schwedi­schen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen auf den 9. März zu einer Konferenz in Kopenhagen mit dem dänischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen ein zur Fortsetzung der M a l m ö e r Be­sprechungen. Man legt in hiesigen politischen Kreisen dieser Einladung größte Bedeutung bei.

Der Seekrieg.

Ein englischer Minensucher im Mittclmeer versenkt.

London, 3. März. (WTB. Nichtamtlich.) diach einer amtlichen Meldung der Admiralität wurde der englische MinensucherP r i m u l a", der sich aus einer Pa­trouillenfahrt befand, am 1. März im östlichen Mittel­meer torpediert und sanf. Die Besatzung wurde bis auf drei Mann gerettet und in Port Said gelandet.

Eine zweiteMöve"?

Bern, 3. März. (WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel­dung desPetit Journal" aus Boulogne wurde im Kanal die Anwesenheit eines verdächtigen Schiffes, das eine zweiteMöve" sein könnte, gemeldet. Das Schiff kreuzte mit großer Schnelligkeit westwärts. Verschiedene Vorsichtsmaßregeln seien getroffen worden. Die englischen und französischen Kreuzer hätten. Befehl, das Schiff zu zerstören. _

Aus dem Reiche.

Berlin, 4. März. Während derVorwärts" den Gesetzentwurf über die Erhöhung der T a b a k- A b g a b e für die Vertreter der Sozialdemokratie als unannehmbar be­zeichnet, sagt dieGermania": Erft nach dem Zusammen­tritt des Reichstages Mitte März wird sich zeigen, wie weit derVorwärts" die Meinung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zum Ausdruck bringt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 4. März 1916.

Rriegsarbeit in Eietzen.

XVII.

Alice-Frauen-Berein (Zweigverein Gießen).

Bereits seit einigen Jahren bestand hier für den Kriegs­fall eine Bereinigung des Zweigpereins des Alice-Frauen- vereins Gießen mit dem Zweigverein des Landesvereins vom Roten Kreuz.

Bei der bedrohlichen Lage Ende Juli 1914 wurde eine gemeinsame Sitzung am 1. August ab gehalten. In diese hinein kam die Meldung von der an geordneten Mobil­machung. Die Würfel waren gefallen, dös große Völker­ringen sollte beginnen. Jetzt galt es, zu beweisen, daß der Alice-Frauen verein lebens- und leistungsfähig sei. Sofort iug man an den Erlaß eines gemeinsamen Ausrufs zur Ver- reitung in der Stadt. In ihm wurden alle Frauen und Jungfrauen, alle' Männer, soweit sie nicht alsbald in den Heeresdienst eintreten mußten, uni tätige Mithilfe gebeten. Unter den Mitgliedern des Vorstandes und Ausschusses selbst ging man an eine Einteilung der Geschäfte, und als erstes wurde eine Erweiterung des Vorstand es be­schlossen und vorgenomnren. Wir teilten die Arbeiten so ein, daß das Rote Kreuz die männlichen Anmeldungen und die daraus erwachsenden Geschäfte annehmen und erledigen sollte, ebenso die Rechnungsleitung, den Verkehr mit den Lazaretten, die Lieferungen, soweit sich diese nicht auf Liebesgaben und Helferinnen beziehen. Alle weiblichen Ar­beiten, Helferinnenausbildung usw. unterstehen dem Alice- Frauenverein.

Das Arbeitsfeld des Alice-Frauenver- e i n s ergab danach folgendes Bild:

A. M eldebur e ä u. Nach dein Bekanntwerden des Aufrufs begann ein stürmisck)er Andrang hilfsbereiter Kräfte; daraus ergab sich als erste Aufgabe die etwa 1300 Meldungen zu sichten und zu ordnen.

B. Ausbildungskurse. Bor allen Dingen galt es Kurse zu veranstalten/in welchen eine Anzahl von Helferin­nen herangebildet werden konnte. In liebenswürdiger Be­reitwilligkeit eröffneten die Herren Professoren an den Kli­niken einen Unterricht, ebenso die Herren Aerzte, so daß es ermöglicht wurde, vielen Wünschen entgegen zu kommen. Nach> der vorschriftsmäßigen Ausbildung! in Theorie und Praxis mit Schlußexamen und Erledigung der danach ge­forderten Uebung tonnten 70 Damen als .Helferinnen zu Hilssschwestern vor geschlagen werden. Eine große Zahl von

Hilfsbereiten mußte anderen Gebieten Kur BetMgung ü&av

wiesen werden.

0. Liebesgaben. In reicher Fülle stoffen nach ebtet öffentlichen Aufforderung von allen Seiten Gaben ver­schiedenster Art uns zu. Unter Leitung eines besonderen Vorstandes von Tarnen des Vereins stand Empfang und Ausgabe der Liebesgaben. Die lebhaften Truppenbetvegun- n, die Gießen als Knotenpunkt verschiedener Bahnlinien rührten, brachten einen gewaltigen Durchzug mit sich und ein großes Feld angestrengter Tätigkeit für das zu Abgabe von Erfrischungen ernannte Personal. Un­ermüdlich wurde Tag und Nacht am Bahnhof in neun Gruppen gearbeitet. Hieran reihten sich dann mit dem weiteren Vorschreiten der Ereignisse in der Abteilung 0 die Sendungen des Roten Kreuzes ins Feld. Am 23. September konnte damit begonnen werden und zwar durch Ablieferung von 32 Kisten an die Materialien­verwaltung in Darmstädt, zumeist bestehend aus Gegen­ständen, welche in unseren Arbeitsstuben angefertigt waren. Ihr folgten am 3. Oktober eine zweite Sendung und so fort bis zum 31. Dezember fünf Endungen, darunter 42 Kisten Weihn ach ts gab e n nach Darmstadt. Der letzten Sen­dung ging ein gemeinsamer Aufruf des vereinigten Roten Kreuzes und des Alice-Frauenvereins voraus, aus welchen hin von allen Seiten in überreichem Maße Gaben jeglicher Art zuströmten. Aus allen Schichten der Bevölkerung von Arm und Reiche erhielten wir die schönsten und nützlichsten Dinge, die oft schon nicht nur in der Wahl, sondern auch in der sinnigen Art der Verpackung Zeugnis davon ablegten, mit wieviel Liebe gegeben wurde. Unzählige Hände rührten sich, bei der Verteilung und Verpackung zu helfen, und eine große Anzahl unpersönlicher Pakete, alle mit einer Einlage von schönen Gedichten, Predigten, Briefen versehen, wan- derten nach Darmstadt an die'Material Verwaltung aus den Bestünden des Roten Kreuzes. Aus den Beftäniben des Roten Kreuzes wurden von den Mitgliedern der Liebesgabenab­teilung große Mengen von Weihnachtsgebäck hdrge- stellt und überall den Geschenken beigesügt; daß die Ver­wundeten und Kranken in unseren hiesigen Lazaretten nicht vergessen wurden, bedarf keiner Versicherung. In jedem unserer Lazarette fanden in schöner würdiger Feier Be­scherungen statt. Das Rote Kreuz hatte durch Bewilli­gung größerer Summen uns in die glückliche Lage versetzt, unser Scherflein beitragen zu können, unterstützt durch die allseitige Gebesreudigkeit. Gemeinschaftlicher Gesang, An­sprachen des betreffenden Geistlichen leiteten die Feier ein unter den strahlenden Kerzen des Weihnachtsbaumes, die ihren Widerschein fanden in den Angen der dankbar beweg­ten Empfangenden. In die Abteilung fiir Liebesgaben fällt auch noch die auf Bitte des Oberbürgermeisters, mit welchem das Rote Kreuz im besten Einvernehmen alles erörtert und veranlaßt, von uns übernommene Sammlung für Ostpreußen. Eine Anzahl von Frauen unter Leitung einer Vorstandsdame des Alice-Frauenvereins besorgte diese in der Zeit vom 15. November bis 6. Dezember mit äußerst erfreulichem Erfolg. Viele Tankesschreiben bezeugen die Freude, die dadurch bereitet wurde.

v. Verband- und E r f ri s chu n g s stati on. Mit dem 22. August trat unsere Vcrbandstation in Tätigkeit. Der Wartesaal dritter Klasse war dafür einzeräunrt und durch mustergültige Einrichtung, bei der unsere Nähabtei- luirg in yervorragerrder Weise beteiligt war, zu einem ausgezeichneten Verband-, Ucberuachtungs- und Abtrans- portraum für vorüberkommende Berwundetentrarrsporte hergerichtet. Eine große Zahl von Verwundeten und Kran­ken' wurde dort behandelt, mit neuen Verbänden versorgt und durch Speise und Trank gestärkt und erquickt. Unter Leitung mehrer Aerzte beteiligten sich dabei eine Anzahl unserer älteren Helferinnen. Sehr angestrengt arbeiteten hier auch die Mitglieder der Sanitätskollonne, über deren Tätigkeit das Rote Kreuz ausführlicher berichtet hat. Leider wurde mit den: 22. Dezember aus verschiedenen Gründen die Verbandstation geschlossen. Ausschlaggebend war die von der Bahnverwaltung wegen des lebhaften Verkehrs not­wendig gewordene Zurückforderung des Wartesaals zur all­gemeinen Benutzung.

LI. Nähabteilung. Vom ersten Tage nach der Mobilisierungserklärung an begann eine rege Tätigkeit in den uns gütigft zur Verfügung gestellten Räumen der Alice- schul'e I und II. Es galt besonders einige Lazarette, die nur über das Allernvtwendigste verfügten, zu versehen und unsere, Verbandstation einzurichten. Unter sachverständiger Leitung einiger Borstandsdamen und Lehrerinnen der Aliceschule^ die mit rastlosem Fleiße und beneidenswerter Leistungs­fähigkeit nicht müde wurden zu schaffen und zu sorgen, den sich zur Verfügung stellenden Hilfskräften vorgerichtete Arbeiten in die Hände zu geben, wurden die in beigesiigter Liste eingetragenen Gegenstände angefertigt vor? August bis Januar.

Sept.

Oft.

Nov.

Dez.

1914:

1914:

1914:

1914

Kopfrollen und Kopfkissen

81

12

12

»*

Bezüge

15

72

12

Sprcukissen

100

30

4

Bezüge

30

47

8

i

BettückM

44

-

Scrnitätsjacken

4

i

i

Sanitätsschürzen

18

6

>

Aerztemäntel

Aerztetüchec

22

,

28

48

12

Handtücher

Viereckige Tücher zum Bedecken

96

24

247

148

der Instrumente und Opera­tionstische

172

Taschentücher

171

24

509

162

Unterhosen

76

107

320

12

Hemden

Lazarettliemden

203

137

358

2

71

30

18

Lazarettauzüge

10

>

8

Servietten

12

Armschlingen

235

172

288

12

Kinnbinden

60

Sandsäcke

51

18

Wollene Leibumschläge

51

15

*

Leibbinden

3

137

80

Sterilisiersäckc

Lange ans gerollte Binden

18

600

300

222

'

Flaneltbinden

14

i

Paar Fußlappen

Paar Kniewärmer

129

2

30

76

3

Paar Sockeir

187"

119

340

212

Feldgraue Halstücher

12

408

176

Verbandsocken

30

44

.

Waschlappen

7

24

,

Brustschützer

<

13

;

Ohrenschützer

12

Paar Handschuhe u. Stauchen

12

i

Unterjäckchen

,

154

Wollene Wämse ir. Aermelwesten

,

75-

2

Wolldecken und Um hänge

.

V

6 .

Bettjacken für Verwundete

- '

n

4

10

Teckenbczüge

r

i-

16

Gesäumte Tücher aus Altleinen für Verbaudszivecke 372