Nr. 49 Zweites Viatt
Erscheint Kgslch nnt AuSmchme des Sonntags.
Die ..Siehener ZamMenblStter" werden dem »Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das ..Ureisblatt für -ev «reis Sietzen" zweima! wöchentlich. Die ^andwirtschafUichen Zeit- sr«gen" erscheinen monatlich zweimal.
166. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberhessen
Montag, 28. Zebruar MH
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
N. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Derlag:e^8K51,Schrift» leitung: «-^112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen.
Unegsbriefe aus dem Westen.
Telegramm unseres Kriegsherr chterstEers.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.'»
Die NiiDerlage der Engländer an der belgischen Front.
Grvtzes Hauptquartier, 25. Febr.
MetchAeikrg nrit anderen Teilen der Westfvont hat auch an d-er belgischen Front seit Beginn besserer Witterung eine regsamere Tätigkeit eingesetzt, die bereits zu einer Reihe von Ersolgen geführt hcht. Am 12. Februar gingen an der Mer mehrere starke Patrouillen eines thüringischen Regiment nach etwa. Aweistimdiger Artillerie Vorbereitung gegen die feindliche Stellung, südöstlich Böfrnghe, vor, und brachsten von dieser AnfWarnng, die sehr gute Wirkung unseres Artilleriefeuers feststellte, vierzig Engländer als Gefangene mit. Die Engländer haben vergebens versucht, diesen Erfolg in ihrem offiziellen Heeresberichte zu verkleinern,'indem sie behaupten, daß sie rrur elf Mann vermißten, von denen vermutlich acht bei der Verfolgung der Deutschen gefallen seien. Am 14. Februar gelang es wnrttembergischen Truppen, sich am Kanal Ipern-Comines in den Besitz eines wichtiger Teiles der englischen Stellungen zu setzen. Nach tnchi- tiger Artillerievvrbereituirg lgriffen die Württemberger um 7 Uhr abends den Gegner an und erstürmten schon im ersten Anläufe den Vorderen feindlichen Graben in einer Breite von 800 Metern, überwältigten die Besatzung und dehnten den Erfolg dann nach der Tiefe so weit aus, daß eine von den Engländern zäh verteidigte Kanalbastion in unseren festen Besitz kam und .gegen wiederholte heftige Gegenangriffe des Feindes ,gehalten werden konnte. Hierbei wurden über hundert Engländer »gefangen genommen uitb zahlreiches Material erbeutet. Auch hier haben die Engländer, ihre Mederlage durch eine offizielle Unwahrheit abzuleugnen versucht, indem sie die von ihnen nach, harten! Kämpfe verlorene Bastion als einen internationalen Graben bezeichnen, während es sich um einer! wohlausgebauten Teil ihrer Stellung handelt, der vorher niemals in unserem Besitze gewesen ist. Kurz darauf ist es gelungen, eine feindliche Sappe an der Eisenbahn Ypern—Bösingye—Tonrhont, am Kanal, durchs Ueberra.schu.ng zu nehmen und sie, nebst einem auf der östlichen Seite der Mer vorgeschobenen Grabenstück in zusammen 250 Mieter Breite gegen zahlreiche sstückerobe- rmrgsversuche des Feindes und tägliches Artillerie- und Handgranatenfener fest in unserem Besitz zu halten. An der Küstenfvont haben kleinere Unternehmungen bewiesen, daß sich unsere blauen Inngens auch als Landratten durch hervorragenden Schneid auszeichnen, während fast täglich franKösifche Ueberlänfer jammernd erklären, wie unerträglich den Franzosen der Aufenthalt an der Küstenfront und im Dünengelände ist. Eine glänzende Leistung hat an einer andern Stelle der flandrischen Front eine Patrouille vollbracht, die im feindlichen Feuer die Mer durchschwamm mtd aus den seitlichen Stellungen zwei Maschinengewehre und einen Minenwerser wegnahm. Ans dem Rückwege noch heftiger beschossen, mußten sie die Beutestücke in die Mer versenken, kehrten aber in der folgenden Nacht zurück, tauchten vor den
Augen und unter dem Feuer des Feindes und brachten die eroberten Waffen im Triumph in unsere Stellungen ein. Ueberall an der belgischen Front geht es mit glänzendem Offensivgeist zu neuen Taten vorwärts!
W. Steuermann, Kriegsberichterstatter.
Ariegsbriese aus dem westen.
Telegramm unseres Kriegsberichterstatters.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Die siegreichen Kämpfe an der Maas.
Die Erstürmung des „Lovcen" von Verdun.
Gr. Hauptquartier, 26. Februar.
Unser Vorgehen an der Maas kennzeichnet sich durch die Tatsache, daß an drei aufeinanderfolgenden Tagen drei der wie natürliche Sperriegel in etwas südwestlicher Richtung gegen das östliche Maasufer vorstoßende Ausläufer der Cote von uns glatt genommen wurden. Schon der 21., der Tag des Angriffsbeginns, brachte uns in den Besitz des Hanmont-Waldes, der fast ohne Verluste gewonnen wurde, obwohl er zwei ungeheuer ausgebildete Stellungen enthielt. Am 22. wurde der noch in den Händen des Feindes befindliche Südausgang des Dorfes Hänmont von den Franzosen gesäubert, die sogen, namenlose Schlucht und der Caures- Wald erobert. Der 23., der uns in den Besitz der Linie Brabant-Samogneux brachte, führte zur Eroberung der Höhe 344, wohl der stärksten je in einem Kriege berannteni Stellung. Die hier am Nachmittage eingesetzten französischen Gegenangriffe blieben erfolglos. Nachdem am folgenden Tage die Cotelettes-Mühle und Louvemont genommen worden waren, erfüllte sich über Erwarten schnell das Schicksal des Douaumont, des gewaltig überragenden, von modernsten Bastionen starrenden Forts, das schon gestern abend in unseren Händen war. Dumpfer, erdbebenartiger Geschützdonner während der ganzen heutigen Nacht zeigte an, daß schwere deutsche Artillerie ihr Machtwort spricht.
Die gestern im Sturme genommene Bergfeste des Douaumont ist unseren Kriegern schon im August 1914 beim Vormarsche zu Gesicht gekommen. Sie galt als die gegen Norden gereckte gepanzerte Faust Verduns und überragte, auf einem fast vierhundert Meter hohen, nach Osten sehr steil abfallenden Berae gelegen, die Woevre-Ebene, in deren langmonatigem Steltuntzskämpfe der „Lovcen" von Verdun mit seinen schweren, weittragenden Geschützen oft seine gewichtige Stiurme hat ertönen lassen. Nun ist der aus mehr als einem Dutzend modernster Stahlbastionen bestehende Trutzgürtel des beherrscheuden Gipfels nach verhältnismäßig kurzer Beschießung von den kühnen Brairdenburgern erstürmt worden, und gleichzeitig haben die Truppen,' die den Douaumont seit nrehr als anderthalb Fahren täglich vor sich gehabt haben, von seinen charakteristischen Umrissen Abschied genornmen.' Schon am 23. Februar hatten unsere Truppen das sogenannte Auge der Festung erstürmt, die überragende Höhe 344, von der aus man nach der im tief zwischen die Höhen der Cote eingeschnittenen Maastale sehr- gedeckt liegenden Stadt Einsicht hat.
W. Scheuern! a n n, Kriegsberichterstatter.
Aus dem Reiche.
Die Höchstpreise für Brotgetreide.
Berlin, 26. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Vom 1. April 1916 ab gelten für Brotgetreide wieder die H ö ch st - preise vom Dezember 1915. Es fallen also von diesem Zeitpunkt ab die für die Zwischenzeit gewährten gesetzlichen Zuschläge weg. Hiernach liegt es im eigensten Interesse der Landwirte, ihr Getreide bis spätestens 31. März an einen Kommnnalverband bezw. den Kommissionär der Reichsgetreidestelle abznliefern. Das Direktorium der Reichs- getreidestelle wird den Leitern der Kommunalverbände bis zun! 10. März die genauen Zahlen für die von ihnen auf Grund der nachgeprüften Vorrats er Hebung! am 16. November 1915 an die Reichsgetreideftelle mindestens noch abzulie- fernben Getreidenrengen mitteilen.
Die Ablieferung der Kartoffeln.
Berlin, 26. Febr. (WTB. Amtlich.) Die Reichsleitung hat, um alle etwaigen Widerstände bei der Ablieferung der Kartoffeln brechen zu können, eine Bekannt- m ach n n g erlassen, welcl^e die Kartoffelerzeuger veranlassen soll, alte in ihrer Wirtschaft n!cht erforderlichen Kartoffelvorräte ans Erfordern abzugeben und es nicht auf eine Enteignung ankommen zu lass'eu. Die Reichsleitung erließ zu diesem Zweck folgende Verordnung:
Feder Kartoffelerzeuger hat auf Erfordern alle Vorräte abzugeben, die zur Fortführung feiner Wirtschaft bis zur nächsten Ernte nicht erforderlich sind. Fm Falle der E n t e i g n u n g sind den Kartoffelerzeugern, sofern der Bedarf nicht geringer ist, zu belassen: 1. für jeden Angehörigen seiner Wirtschaft, einschließlich des Gesindes, sowie der Naturalberechtigten, insbesondere der Altenteiler und Arbeiter, soweit sie kraft ihrer Berechtigung oder als Lohn Kartoffeln zu beanspruchen haben, für Kopf und Tag eineinhalb Pfund bis zum 15. August 1916; 2. das unentbehrliche Saatgut bis zum Höchstbetrage von 20 Doppelzentnern für den .Hektar Kartoffelanbau- fläche des Erntejahres 1915, insoweit die Verwendung zu Saatzwecken sichergestellt ist. Außerdein sollen im Falle der Enteignung dem Kartoffelerzeuger die zur Vieh- erh a l tu n g bis zum 31. Mai 1916 unentbehrlichen Vorräte belassen werden.
Diese Bestimnrung, die in einschneidender Weise diejenigen benachteiligt, die es zur Enteignung kommen lassen, wird, wie zu erwarten ist, den gewünschten Erfolg haben. Als Ergänzung zu der Verordnung sind weitere verschärfende Maßnahmen in Aussicht genommen.
Deutsche Einfuhrverbote.
Berlin, 26. Febr. (WTB. Amtlich.) Eine mit Zustimmung des Bundesrats ergangene kaiserliche Verordnung ermächtigt den Reichskanzler, die Einfuhr entbehrlicher Gegenstände z n verbieten. Der Reichskanzler imixbc ferner ermächtigt, alsbald eine Liste derjenigen Gegenstände zu veröffentlichen, Re dem Einfuhrverbot unterliegen. Das Verbot bezweckt dre Verbesserung der Zahlungsbilanz nach dem <1 uslan d, deren derzeit unbefriedigender Stand durch die finun- Steuc innerwirtschaftliche Lage im Deutschen Reich in keiner Weise gerechtfertigt erscheint. Bei der Auswahl der dem Einfuhrverbot
Gietzener Stadttheater.
Gesamt-Gastspiel des Hvftheaters Darm stad t.
Der tolle Hund.
Darmstädter Lokalpvsse von Ernst Elias Niebergall.
„Der tolle Hund" des Datterich-Berfassers Niedergall hat sich ein neues Halsband umlegen lassen müssen, bevor er sich wieder aus den Brettern zeigen durfte. In einer Einlage wird dies mit dem wenig triftigen Grunde gerechtfertigt, daß eine Gesangsposse besser zieht. Dieser Grimd wäre etwas sehr faiKnscheiuig, und man müßte den seligen Elias ob solcher Pietätlosigkeit ganz heinermäßig dazwischen „hangen" lassen, wenn sich in der Art der Bearbeitung nicht doch eine sehr geschickte Hand verraten hätte, die sich auf Bühnenwirksamkeit versteht. Die -textliche Bearbeitung, für die Hermann Knispel verantwortlich zeichnet, ist auch nicht gar so ftei, wie sie sich gibt. Zwar ist einiges überschüssige Rankenwerk beschnitten, zwei oder drei unwichtige Szenen kommen in Wegfall, das Selbstgespräch des Studenten in der Verwandlung des dritten Aufzuges hat ein anderes Gesicht angenommen. Ebendort ist auch die pantomimische Szene des verscheuchten Liebespaares eingeschoben, ein Einfall, der bei Mebergall ebensowenig immöglich gewesen wäre, wie das Auftreten des Leierkastenmannes mit seinem lebenden Aeffchen, das einen wirkungsvolleren Aktschluß herbeiführen muß. Notwendig sind diese Einschiebsel ja gerade nicht, aber sie machen sich ganz gut, zumal wenn ntxm gerade ein lebendes Aeffchen zur Hand hat.
, Einschneidender ist die Veränderimg des Stückes zur Gesangs- Posse. Aber auch hier rechtfertigt der Erfolg das Unterfangen. Die Gesangseinlagen sind geschickt einbezogen. Sie sind nicht locker aufgepftopft, sie sind mit einem recht kräftigen Wurzelwerk in den einzelnen Szenen verankert, erscheinen fast jedesmal als natürlicher Ausfluß der guten Laune, wenn auch manchmal eine Strophe unliebsam aus dem Nahmen des Ganzen herausfällt und ganz unmotiviert aus denr Zeit- und Lokalkolorit heraus einen ironischen Kratzfuß vor Franzosen und Engländern oder eine Verbeugung vor dem Gießener Publikum macht. Jedenfalls haben sich aber die Einlagen als zugkräftig erwiesen mit ihrer anspruchslosen, aber wohlgefälligen Vertonung, zu der Paul Otten- heimer althesftsche Volksweisen benützt hat. Zumal das Tanzduett „Hör mol mei Gretche" rief in der einfachen Besetzung die Stinkmung einer echten, rechten Kerbmusik wach. Auch die übrigen Lieder: „Mit dem redd ich deitsch vun de Lewwer eweg",
de' gute alte Zeite", „Der Puttel, der Puttel, der Puttel is gor so zerstreit", „Lustig sei', fröhlich sei', is so mei' Regel", und nicht zu vergessen das reizende Liedchen „O du Sch-nuckelche, deine Guckelche, die leuchte mcr ins Herz enei". haben Aussicht, volkstümlich zu werden, und man kann sich diese Weisen noch zehnmal gefallen lassen, gegenüber einem „Puppchen" und anderen farblosen Berliner Gassenhauern.
Die Fabel des Stückes ist bedeutend lebendiger und einheitlicher als die des Datterichs, weist dafür aber keine Gestalt von annähernd dem gleichen Wurfe ans, wie eben der Dattcrich. Das Kl^nbürgertum ist auch hier vorzüglich gesellen und mit übermütigen Zügen hin gezeichnet, aber die einzelnen Gestalten sind gutgehende Theaterfiguren, die kein so abweichendes Gepräge haben, wie das genial versoffene Luder von Tatterich. Eigentlich sollt« es sich wohl erübrigen, den Inhalt zn erzählen, denn als guten Hessen wird den meisten Gießenern das Stück wohl nicht fremd sein, obwohl es hier noch nicht zur Aufführung gelangt ist. Der „Datt.en.ch" wurde allerdings vor längerer Zeit von Liebhabern in Steins Garten gegeben. Wir glauben jedoch gleich hier im Sinne der Allgemeinheit den Wunsch äußern zu dürfen, nach einer so vort-oefftichen Wiedergabe des „tollen Hundes" von den Darm- lstädtern auch in nächster Zeit den „Dattcrich" aufgeftihrt zu sehem
^^Der „tolle Hund hat seine besonderen Beziehungen zu Götzen, denn der Held des Stückes, das noch den zwecken Titel: „ües Burschen Heimkehr" trägt, ist ein Gießener Student, der ecn ^rechtschaffen Burschenleben geführt und seinem Alten viel Geld gekostet hat. Ta er ein prächtiger Bengel ist, so nimmt ihn: das ferner weiter übel, sogar sein Vater, der derbe Metzgermeister Knipvelius, versöhnt sich schnell danrck, als er sein Studium an den Nagel hängt und sich mck hvchgervllten Aermeln ans Hackklotz jtellt. ü.a heißt es für ihn, um völlig in die Bürgerlichkeit zurückzu kehren, mir noch, sein Binchen versöhnen, dem Vater Knrppelius ern gefälschtes Liebesgabenpaketchen seines Sohnes zugestellt hat. und einen unliebsamen Freier namens Nachtschatten verdrängen, der kein „gerechter Kammacher" ist, der aber dafür die Sympathien von Brnchens Eltern auf seiner Secke hat. Als nun der Student seinen hohen Mut beweist — mit dein er zuerst einen vermerntlrckMn Einbrecher, nämlich seiner Schwester Liebhaber-, durchs Speisekammerftmster verjagt hat — und einen tollivütigen Hund nrederschlägt, der seiner Schwiegermutter Leben bedroht, da erringt er fernes Brnchens Hand. Selbstverständlich hat er auch nnt dazu bergetragen, jenen Nachtschatten als schlechten Kerl zu entlarven, und ebenso selbstverständlich wird das zweite Paar, des Studenten Schtvester, und das tapfer geflüchtete Schneiderlein rn den elterlichen Sogen mck einbezvgen. Tie ganze Wirkung des Stuckes beruht ja weniger auf literarischen Qualitäten, als auf urwüchsigen Situationsspäßen, die durch Lokalsarbe und Mundart so sehr gefordert werden. Eine einzige sprachliche Wendung hatte oft durchschlagenderen Erfolg als eine ganze Szene. Die derbe, unverblümte Redeweise Mebergalls ist ja ein unerschöpflicher Born köstlichen Sprachgutes.
Es ist nicht zu Verivnndern, daß die Darnrstädter sich mit überaus großer Liebe und Sorgfalt des Stückes annahmen. So wurden Gestalten lebendig, Ivie sie ein Kupferstich! von Chodotviecki nicht bezeichnender festgehalten hat. Ein duftiges, behagliches, um seine Schlrnllenhaftigkeit unbekümmertes Kleinbürgerturn, ohne Zucker- glasur, aber doch mit Rhvthnius eines einheitlichen Stilgefühls.
Kürt Ehrle stellte den heimkehrenden Burschen. Er machte erneu prachtvoller! Kerl aus ihin, aufrecht und unbekümmert, dem maus wohl glaubte, das ihm am Studium das Studieren nicht behagte, der aber am Wurstbrett seinen Mann stellen wird. Seine Einlage hatte den Schneid der ganzen Gestalt. Sein Binchen, Luise Kümmel, war ihm eine vorzügliche Partnerin. Das zweite Liebespaar, rnit einem zweimaligen Duett bedacht, lvar auch sonst gegenüber der ursprünglickzen Fassung rnehr in den Vordergrund geschoben. Käthe Gothe und Franz Schneider taten das Ihre, dem eigentlich ziemlich nebensächlichen Paar eine noch größere Beachtung zu verdienen. Die treuherzige Roman-Schwärmerin und das tapfere Schneidertein waren entzückende Spießgesellen. Auch ihre Gesangs- und Tanzeinlagen gaben sie sehr wirkungsvoll. Bleibt noch der derb gerade Mehgermeister Knippelins (Eduard Göbel) mit seinem braven Ehelveibe (Else Mickler), der zerfahrene Bierbrauer Puttel (Hermann Knispel) mit seiner resoluten Gattin (Minna M ü Her H a n n 0 ), das vorlaute Karlchen (Erna Stoffer) und der. wie alle übrigen Gestalten treffend charakterisierte Kammacher Nachtschatten (Emil Kro c z a k). Kleinere Rollen besetzten Emma M ü h l p f 0 r t, Louis H v h m a n u, Frmrz H e r r m a n n und Robert Kleinert.
Die Spielleitrmg Hermann Knispel, verdienstvoll bei der Leitmcg der Ausführung, war weniger glücklich in der Zimmer- ausstattung des dritten Aufzuges, in den? auch eine Türe mit unglaublicher Böswilligkeit streikte. Das Orchester, unter Leitung von Erich Kleiber, war auf der Höhe der ganzen Aufführung.
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Aus den Frankfurttr Theatern.
Frankfurt a. M., 28. Febr. Das neue Schauspiel des manischen Dranratikers 5)euri Nat Hansen „Dr. Wahl" fand am L-amstag abend bei seiner Erstaufführung ckn „Neuen Theater" außergewöhnlich starken Beifall. „Das technisch straff und einbeit- lrch gefügte Stück schildert in fesselnder Form ein Menschenleben, das von der Fugend bis zum Tode känrpfend um eine Idee ringt, und als er dre Idee zum Sieg geführt hat, sterbend zusammen- brrcht. ^.er. Stoff des Schauspiels ist politisch und ak- ttiell. Deutlich' erblickt inan am Gange der spannenden Handlung große geschichtliche Augenblicke der jüngsten Zeck, hört man den hämmernden Pulsschlag des Weltkrieges.
mancher ^leußerung, die Nathansen den Hauptgestalten seiner rrchtimg — Dr. W a h l und dessen politischen Gegner Knud ® e j5toD — in den^Mund legt, sieht auch der tveniger politisch Geschulte das getreue Spiegelbild dieses oder jenes RänkeschmieRs, dre die (flammen des Krieges zum Auflvdern schürten. So kam es, daß^ das dickstgeftillte Haus den Vorgängen auf der Bühne mit atemloser Spannung folgte und sich auch durch den etums matten o. Akt nicht beeinflussen ließ, der Aufft'chnrng rauschenden Beifall zu zollen. Tie Darstellung war vortteftlich, eine Meisterleistung des „Neuen Theaters". Direttor Hellmer, der verantwortlich zeichnete, gab der Aufführung Fluß und Leben. Die Bühnckrbilder hoben sich kraftvoll vom Alltäglichen ab. Bon glänzender Gestaltungskraft waren die Träger der .Hauptrollen: Engen Kl ö p fe r als Dr. Otto Wahl, Willi Schröder als Knud Gelskov, Grete C a r l s e n als Witwe Wahl, Marija L e i k 0 als Knuds Frau und lErnst Laskowski als Knuds Sohn. Sie schürften den im Schauspiel ruhenden Edelgehalt an künstlerisck>er und dramatischer Schönheit restlos aus.
— Goethe und die F e st u n g Verdun. Wenn marr die Gedanken zu früheren Kriegen Deutschlands gegen Frankreich zurückschweifen läßt, lvird man natnrgenraß stets an den Krieg von 18/0 und die Freiheitskriege 1813—15 zuerst erinnert werden. Noch frülper spielte sich jener deutsch-ftanzösische Krieg ab, der weniger durch seine milckärischen Ereignisse, als durch die Teilnahme unseres größten Dichters denkwürdig ist. Goethe bat an dem Feldzüge von 1792 in der Begleitung seines Fürsten und Freundes Karl Alnnlst von wachsen-Weimar, also nur als ..Schlachtenbummler", teilgenoMmeii und über ihn in seiner „Campagne in Frankreich" ausftihrlich berichtet. Auch der Belagening und Ein- nahme von Verdun gedenkt er und schildert seine Erlebnisse sehr anschaulich. Daß er einmal, in eine Batterie während der- Bombardements getreten war, sicli aber bald erttfernen rnußte, weil seinem „friedlichen Ohr der fürchterlich dröhnende .Klang abge- feuerter Haubitzerr unerträglich fiel", wird man Nicht ohne Lächeln lesen. Schwer irren aber N'ürde, iwr ihm Mangel an persönlichem Mut nachsagte. Er bewies ihn, als er in einein Anfall seines ..bekannten wunderlichen Eigensinns" mutterseelenallein zu einer höchst gefälirdeten Stelle, wo die Kugeln !im ihn herunrss.»ieÜen, ritt, bloß um zn wissen, ivas es mit dem Kanonenfieber, von denr er schon soviel gehört l>atte, eigentlich für ein Bewenden Ixrbe Es stellte ftch auch richtig bei ilßu ein, und er gibt davon folgende Schilderung: „Es schien, als wäre man an einem sehr heißen Orte und zugleich von dei-selben Hitzt' völlig durchdrungen, so daß man sich mit demselbr'n Elenrent, in welchem man sich befindet, vollkommen gleich fühlt. Die Augen verlieren nichts an ihrer Stärke, noch Deutlichkeit: aber es ist doch, als mmn die 2Helt einen gewissen brannrötlichen Ton Hätte, der den Zustand wie die Gegenstände noch apprehensiver (bänglich'r) muchit." Ob diese Schilderung auch heute zutrifft, mögen unsere FeldgrDien draußen beurteilen. Jedenfalls bleibt es bemerb:nswert, daß sich der Zustand auch bei dem völlig in Buhe verharrenden NichttämP^c einIdeMx.


