Ausgabe 
25.2.1916 Zweites Blatt
Seite
156
 
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wir nochmals die Mitverantwortlichkeit der Eltern, in deren eibenstem Interesse es doch liegt, einer drohenden Verwahrlojung der Jugend vorzu beugen. Die Selbsthilfe der Eltern kann das Eingreifen der auf- sichtführenden Beamten in vielen Fällen überflüssig machen. Auch jeder Erwachsene sollte es sich zur Pflicht machen, Jugeichliche, die er auf verbotenen Wegen ertappt, zurecht-- zuweisen. Dies gilt vor allen Dingen für das Rauchen, das von vielen halbwüchsigen Burschen immer noch aus Leibeskräften geübt wird, nur mit dem einen Unterschied, daß sie verkehrsarmere Straßen vorziehen, in denen sie nicht so sehr das Ertapptwerden zu befürchten haben.

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**DieAuszahlnngderFamilienunterstützun- gen, deren Namen beginnen mit: AH Freitag, den 3. März, gehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt für die Reichs - und Kreisunter st ützung: an diejenigen, deren Namen beginnen mit: AH Dienstag, den 29. Februar, JR Mittwoch, den 1. März, 82 Donners ag. den 2. März; für die städtische Unter st ützung (Mietszuschuß): an diejeni­gen, deren Namen beginnen mit: AH Freitag, de n3. März, JR Samstag, den 4. März, 8Z Montag, den 6. März; an Vermieter, die Mietbcträge abholen: Dienstag, den 7. März. Die Auszahlung«: finden von 81 Uhr vormittags im, Stadthaus, Zimmer Nr. 7, statt.

** D i e Hauptversammlung der Steinkohlen- B e z u g s -G e s e l l s ch a i t Gießen für das Jahr 1914/15 stindet am Samstag dieser Woche, abends 8M Uhr, im Gasthaus Zum Pialzer Ho>* (bei Ratmeield, Schanze,istraße) statt. Der Versammlung wird eine bei dem Vorstände eingeqangene Satzungsänderung zur Beschlußfassung vorgelegt werden, deren Annahme oder Ablehnung für die Mitglieder von Wichtig­keit sein wird. Der Gesellslückst gehören i l 6 der Gieße,rer Haus- haltungsvorslände als Kohlenverbraucher an und es steht zu er- ivarten. daß die Versammlung zahlreich besucht sein wird, um so mehr, als bei der diesmaligen Vorüandswal.l alte beivährle Aiiv arbeiter der Gesellschaft ihre Wiederwahl ablehnen wollei,. was im Interesse des Vereins vermieden werden soll. Näheres ist a,rs einer A>»zeige in heutiger Nmniner zu ersehen.

Kreis Friedberg.

BI. Friedberg, 24. Febr. 9lachuen Samstag begebt Frau Steinhardt, die Mutter des Kausmaniis David Sieinhaidr von hier, ihren 9 0. Geburtstag in voller köroerlicher und geistiger Gesundheit im Kreise ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. Sie ist die Zweitälteste Einwohnerin unseier Stadt.

Starkenburg und Rheinhessen.

ch. Ober-Ingelheim, 24. Febr. Der Rcheinhesse PH. Döh n in Macon Ga. sendet demJngelh Anz." eine Nummer der in Indianapolis erscl)>einendonDeutschen Zei­tung", in der er als Mann vom ulten Schrot und Korn über die amerikanischen Kriegslieferungen seine Meinung sagt. Er schreibt:Was denken <Ne, diese Woche be­kamen d:e Macon Cabinet Works einen Brief von Pittsburg mit der Aufforderung, einen Preis anzugeben für zwei Millionen Schrapnellkästen. Den Bundesgenossen der Alliierten wurde tapfer geantwortet, sie sollten sich an den Teufel oder an Präsident Wilson wenden. Ehr­liche Deutsch-Amerikaner dankten ergebenst für einen Profit auf Kosten der braven Soldaten, d're ihr Vaterland gegen eine Welt von Feinden verteidigen."

Hessen-Nassau.

Frankfurt a. M., 24. Febr. Die heute hier ab- gehaltene Eocrngelisch-refornrierte Stadtsynode nahm zu dem überaus gehässigen und der Wahrheit widersprechen­den Sendschreiben der reformierten Gemeinden in Frank­reich nacl) einem Vortrag von Pfarrer Correvon eine Kundgebung an, in der sie einmal seststellt, daß der in dem Sendschreiben erwähnte deutsche Theologe Loebel überhaupt nicyt existiert. Sie spricht dann ihre Ent­rüstung über dieses befremdliche Benehmen der evange­lischen Glaubensgenossen Frankreichs aus und erwartet von dem Gerechtigkeitssinn und der Wahrheitsliebe der fran­

zösischen Protestanten, daß sie angesichts der nachgewiesenen völligen Haltlosigkeit chrer Angriffe das gegen die deutschen Pvotestanten begangene öffentliche Unrecht auch öffeutlich wieder gut machen werden. Jni Hause Börsenplatz 11 stürzte am Mittwoch abend der 72jährige Privatm-ann August He t te cke von der Treppe ab und brach das Genick. Er war auf der Stelle t o t.

7a. Biedenkopf, 25. Febr. Tein Forstassessor G a r t h a u s ist die kommissarische Verwaltung der Oberförsterstelle Rod a. d. Weil übertragen worden.

ra. B e i l st e i n (Dill), 25. Febr. lieber unsere jetzt hundert­jährige Kirche bestehl folgende interessante Urfuuöe:Meister Dietrich Wüstenhöi'er, WiNidarzl und Balbier z,i Beilnein, schenkte seiiie unbebaute Hofstatt zum Kircbbau." Das Amt Driedorf iniißle zur Kirche den Kalk liefern. Während Gras Georg in Eminerichen- hain die Feuerglocke gießen ließ, wurde die zweite Glocke von, Grasen Ernst zu Psenburg-Büdingen gegen 1o0 Hammel em- geiauscht.

ul. See l bach, 23. Febr. Das Ehepaar Georg Freitag iind Margarete. gev. Nickel, feierte das diamanteneHochzeits» f e st. Der 'Diamt ist 84, die Frau 82 Jahre alt. Beide erfreuen sich noch geistiger und körperlicher Rüstigkeit.

g. E f ch w e g e a. d. Werra, 24. Febr. In dem benachbarten Dor'e Reichen dach lvurde bei dein 13jährigen Sckurlknaben Dilqer Genickstarre sestgestellt. Der Berg»,ann Klobes in dein Nachbardorfe Schiiellrode zog sich an einen, Finger eine Verletziing zu, ans der Blutvergiftung entstand, öte ben 4od des Mannes herbeisüßrte

Vermischtes.

* Vom Sieger der Schlacht bei Dennewitz. Am 2 5. Februar 1816 starb in Königsberg der General Gras Bülow von Tennewitz, der nach dem Frieden 1814 zum General- Gouverneur von West- und Oöprcurßeu ernannt worden war. Wie das gesamte Königreich Preußen der, Sieger in den Schlachten bei Möckern, Halle. Luckau, Großbeeren und Dennewitz in dankbarer Erinnerung hält, so jene Provinz ihren Gouverneur, obwohl Graf Bülow nur kurze Zeit auf diesem Posten gewirkt hat. In welchem Sinne dies geschah, möge ein Tagesbefehl zeigen, den der Gras bald nach seinem Amtsantritt erließ, und durch den er bei den ihm uiit.r stellten Truppen auf ein gutes Einvern hm«: zwischen Mili­tär und Bürger hcnznwirkcn sich bemühte. Dchs interessante Schrist- stück hat felgenden Wortlaut:Tages Befehl an sämtliche Truppen des Gcneral-Commandos von Preußen und Lit hauen Vaterlands­liebe, Eintracht und Gemeingut, bei allen Stünden, haben die großen Erfolge herbei ge iührt, deren sich vor Allen Preußen er­freuen darf. Keine heiligere Pflicht kann es also geben, als diese allgemeine Ei: tracb-t, die uns u iftre Selbständigkeit, unsere Ruhe und unser Wohl für die Zukunft sichert, nicht allein zu erhalten, sondern noch immer m h zu vermehren mtd a.le Stand.' durch bie,e Baude noch fester zu verknüpfen. Der Commandant oder in dessen Ermangelung der älteste Oftizier einer Garnison hat nach wie vor alle diejenige Befugnis, ohne welche die Ordnung beim Militär, namentlich die Erhaltung der Disziplin, und die Beobachtung des Marsttdienl.es zur Erh ltung der öffentlichen Ruhe so ivir außerdem in Festungen und Grenzorten die nähere Uebersicht zur Be­wahrung der militärischen Sicherheit,- nickst gewonnen werden kann. In die ec Bezieh ing müssen auch alle allgemeinen p >l zei ich. n Ver­ordnungen, öffentliche Bekanntmackpmgen, insbefondere außerge­wöhnliche Bewilligungen, und Abweiching u vrn bekannten p: liz i- lichen Gesetzen, welche auf das Militär Bezug haben, denselben nachrichtlich, und zur g. Hörigen Zeit angeze.gt werden. Concicrciert hierbei besonders das Militär, so muß dergleichen mit Zuziehung desselben anaeordnet werden, nie aber müssen dabei die bürger-, lichen Verhältnisse auf irgend eine Weise gestört werden. Dagegen aber soll von mm ab, bei au und jür lich urnvichtigen Gegen st an den, welche nicht zu den vorge^ack)ten militärischen Zwecken unumgäng­lich erforderlich sind, von Behauptung vermeintlicher Rechte usw. nicht mehr die Rede sein, und stets nur die Erhaltung eines gegen­seitigen freundsck-aetlichen Vernehnrens hierbei znm Augenmerk dienen, insbesondere aber haben sich die Commandanten und kom­mandierenden Offiziers in den Garnisonen aller und jeder Ein­mischung in rein polizeiliche Gegenstände zn enthalten." Dieser vom 23. Oktober 1814 datierte Tagesbefehl des Generals war lange Jahre in Bürgerhäusern Preußens als Wandschmuck zu sehen, und als ein solcher darf er freüich eher als manches Bild betrachtet iverdcn.

Vüchertisch.

Adolf Damaschke,GeschichtederNational- Ökonomie", eine e r st e Ernsühnmg. Verlag von Gustav Fischer, Jena. 8. durchgeseh. Auflage 1916. 607 Seiten. Preis 4,50 Mk. Inhalt: Von den Ausgaben der Nationalökonomie.

Das Altertum. Das Mittelcckter. Das Zeitalter des Merkantilismus. Die Physiokraten. Die liberale Schule. Das nationale System. Der Kommunismus.Die Anarchisten.

Die Bodenreform. Wenn mitten im Kriege von einem ge­schichtlich-volkswirtschaftlichen Werke eine neue Auflage notwendig tvird, das 37.-39. Tausend im Verlauf von ivenig mehr als einem Jahrzehnt, dann ist das ein gutes Zeichen sowohl für die Leser, als für das Werk selbst. So braucht zur Empfehlung von DamaschkesGeschichte der Nationalökonomie" eigentlich nichts mehr gesagt zu werden. Ter Erfolg zeigt, daß sie gerade als dir erste Einführung", als das Lehrbuch, das keinerlei Fachkennt­nisse voraussetzt, in Wahrheit einem Bedürfnis weiter Kreise ent­gegenkommt. Ter Name DamasckLc bedeutet ein Programm, be­deutet die Erkenntnis von der grundlegend«: Bedeutung des Bo­dens und Bodenrcchtes für alle wirtschaftliche Entwicklung. Diese Erkenntnis beherrscht auch diese Gesckstclstsdarstellung, und was mit ihr nicht in unmittelbarem Zusammenhang steht, wie z. B. die Entwicklung des Geldwesens und der Währungssragcn, rückt wie von selbst m den Hintergrund. Aber ein Mangel ist das nickst. Tenn nur bei dieser persönlichen Erfassung und Darstellung der Tatfachen war es möglich, nicht eine Kette blasser Theorien zu schreiben, sondern eine Geschichte von Blut und Leben. Durch sieben Auflag«: hat sich Damaschkes Buch als gemeinverständlich, zuverlässiger Führer zu volkswirtschaftlichem Verstehen und Wollen bewährt. Nun kommt die achte Auflage in dem Zeitpunkte, n» mehr als je dem deutschen Volke gefestigtes Verständnis und ziel­klarer Wille in den volkswirtschaftlichen Dingen vonnöten sind. Möge deshalb das Buch gelesen werden im Felde und daheim, und möge cs ihm so vergönitt sein, zu seinen alten sich neue Ver­dienste zu erwerben um die staatsbürgerliche Erziehung unsres Volkes!

Mcleoro'ogische Beobachtungen der Station Eiehen.