Ausgabe 
16.2.1916 Zweites Blatt
Seite
134
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 39

Mettes Blatt

Jahrgang

Erscheint i2-llch mit Ausnahme des Sonntags.

DieOiehener FamllievdKtter" werden dem »Anzeiger"' vermal wöchervt-Uch bei-gelegt, das

.Zreirblatt für den Nreir Sichen" groetma! wöchentlich. Dier«md»irtfchaftljchen Zctt- frage»- ersch-eine« «onatlich zweimal.

General-Anzeiger für Gberhejjen

Mittwoch, fb. Febmar M6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

SchriMeitimg, Geschäftsstelle »».Druckerei: Schul- stratze?. Geschäftsstelle u.Veclag:^^51,Schrift- leitung: ^^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Zur Förderung des bargeldersparenden Zahlungsverkehrs.

Ter Zentvalverband des Densichlen Bank- und Bankierge- werbes schreibt uns: _ t t r

In gegenwärtiger Zett, wo jeder Stand und jeder Einzelne alles einsctzen muß, um dem Deutschen Reich auch auf finan­ziellem und svirtschastlichiem Gebiete den Sieg über seine Fernde und Widersacher erringen zu helfen, muß es unser Verband als seine vaterländische Pflicht empfinden, eindringlichst auf die hohe Bedeutung hinzuweisen, welche für die Erreichung dieses uns allen am Herzen liegenden Zieles, neben der mit allen Mitteln zu for­dernden Stärkung des Goldschatzes der Reichsbank, einer Einschrau- tzung des Bedarfs des inländische Zahlungsverkehrs an Banknoten und anderen baren Umlaufs-mitteln zukommt. ,

Unser Verband hat seit seinem Bestehen an erster Stelle für den Ausbau der bargeldsparenden Zahluugsmcthoden, des Ab- rechnungs-U eher weis u ng s- und SckseckVerkehrs gewirkt: er hat m den hinter uns liegenden Friedeirsjahren, insbesondere ans den von ihm einberufenen Bankiertagen, entgegen manchem, jetzt glücklicherweise verstummten Widerspruch, unausgesetzt betont, daß es ssih bei diesen Bestrebungen nicht bloß um die Ermöglichung einer für die Beteiligten bequemeren Abwickelung des Zahluugs- gesch>äfts vder gar um die Begünstigung pcivatwirtschaftlicher In­teressen der den Scheck- und Ueberweisungsverkehr pflegenden Firmen und Institute, sondern um eine ernste nationale Aufgabe handelt, weil dadurch! einer schon im Frieden, noch mehr aber im Kriege unerwünschten übermäßigen Inanspruchnahme her Reichs­bank, insbesondere einem übermäßigen Bedarf an Banknoten, Einhalt geschieht.

Es ist kein Zweifel, daß die während des Friedens geschaffenen und entstandenen Einrichtungen zur Vermittelung des bargeld­losen Zahlungsverkehrs (Reichsbankgiro, Postscheck- und Ueber­weisungsverkehr, Scheck- und Ueberweisungsverkehr der Ban>en. Genossenschaften und sonstigen Kreditinstitute) noch vielfacher Ver­besserungen bedürfen und fähig sind. So sehr wir bereit sind im Rahmen unserer Zuständigkeit aus die Durchführung von Vor schlagen hinzuwirken, die wir nach genauer Prüfung als Ver­besserungen betrachten können, so mutz doch betont werden, dag die vorhandenen Einrichtungen bereits in ihrer gegenwärtigen Gestalt durchaus geeignet sind, Träger eines weit u-mfassenderenund ausgebrei- teterenZahlungsverkehrszusein, sofern beim großen Publikum, und nicht minder bei Staats- und Selbstverwaltungs- Behörden, in stärkerem Mäße die Notwendigleit erkannt wird, sich ihrer zu bedienen; ohne diese Erkenntnis werden selbst ideale Ein­richtungen ihren Zweck verfehlen.

Es ist daher nicht. Zeit, abzuwarlen, bis dieser oder jener Ber- besserungsvorschlaq in Bezug auf unseren Zahlungsverkehr Ver­wirklichung gesunden hat oder auf eine allmähliche Gewöhnung des Publikums an bessere Zahlungssitten zu vertrauen: was gegen­wärtig nottut, ist eine schnelle und gründliche Abkehr von gänzlich veralteten und namentlich in heutiger Zeit unver­ständlichen und vaterlandsschädlichen Zahlungsgewohnheiten.

Wir richüen in erster Linie den Ruf an unsere Berufsgenossen im ganzen Reich, daß sie mit derselben Energie, mit der sie sich in dieser Zeit für die Unterbringung der deutschen Kriegsanleihen^ für die Stärkung des Goldschatzes der Reichsbank und für andere vaterlLndrscbe Ausgaben eingesetzt haben, auch für dieses nahezu r&nrfö bedeutsame Ziel wirren möge»»; daß sie zu diesem Zwecke mit allen privaten und öffentlichen Vermattungen, auf welche sie Einfluß haben, in Verbindung tteten; daß sie gegenüber breiteren Schicksten des Publikums von allen zu Gebote stehenden Mitteln der Aufklärung Gebrauch machen, wobei sic, wie wir zuversichtlich er rvarten, nach jeder Richtung hin tatkräftige Unterstützung auch sei tens ihrer Angestellten finden werden, die damit ein wichtige; Werk vaterländischer Kriegshilfe zu leisten imstande sind. Es muß nicht nur dahin gewirkt werden, daß diejenigen Personen, die be­reits Bankkonten unterhalten, im weitesten Umfange von dem Ueberweisungsverkehr Gebrauch machen, sondern daß von Privaten, insbesondere von den kleineren Geschäftsleuten, weit mehr, als dies bisher der Fall war, BMckkonten eingerichtet werden. Auf der anderen Seite sprechen wir die Erwartung Mrs, daß unsere Mit­glieder bei ihrer Mitwirkung im Scheck- und Ueberweisungsverkehr dem Publikum jedes geschcsitlich irgendmögliche Entgegenkommen erweisen werden. t

Von den Zentralbehörden des Reichs »md der Bundesstaaten, von den Magistraten der Städte und den sonsttgen Organen der

kommunalen Selbstverwaltung erhoffen wir, daß sie den ihnen unterstellten Behörden und Amtsstellen zwecks Vermeidung über­flüssiger Bakzahlungeu die Haltung und Benutzung von Rerchsbank- giro-, Postscheck- oder Bankkonten, die hier wie m allen sonstigen Fällen bei allen im Vertehr üblichen Mitteilungen, so bei Brresen, Rundschreiben usw., ausdrücklich kundzugeben sind, zur Pflicht machen. Auch erwarten wir zuversichtlich, daß sie von den ihnen untergeordneten Stellen verlangen werden, daß sie in gleichem Sinne ständig und energisch auf die mit ihnen in Zahlungsverkehr tehenden Bevölkerungskreise einwirken.

Von der Reichsregicrung erljvffen wrr Nicht zuletzt, daß sie dem hier in Frage stehenden dringenden Interesse des Reichs durch sofortige Beseitigung des gesetzlich erst mit Ende dieses Jahres »n Wegfall kommenden, vom Verkehr als lästig empfundenen Scheck­stempels Rechnung trage. Daß der -geringfügige Ertrag dieses Stempels in keinem Verhältnis zu dem gewaltigen Schaden steht, deii er, namentlich in jetziger Zeit, der Organisation unseres Zah- luugswesens zusügt, ist heute kettle Frage mehr.

Was bei zielbewusstem Zusammenwirken aller beteiligten,Stcl- l'eit erreicht werden kann, wird nicht nur ein Erfolg für die finan­zielle Kriegführung des Deutschen Reichs/sondern darüber hinaus ein dauernder Gewinn für die wirtschaftliche Zukunft unseres. Vaterlandes sein. ' _

Aus öcffcn*

Aus dem Finanzausschuß der Zweiten Kammer.

rb. D armstadt, 15. Febr. Dqr Finanzausschuß der Zweiten Kammer setzte heute vormittag seme Voranschlagsveratun g fort Er bstckästigte sich in erster Linie mit der neuen Vorlage der Großherzoglichen Negierung, worin diese die neuen Vereinbarungen zusammengcsaßt hat, welche sie infolge der früheren Beschlmie der beiden Ständekammern über denFonds für offentl i^ch e und gemeinnützige Zwecke" in Vorschlag bringt. Der Finanzausschuß vermißt an diesen Vereinbarungen zunächst, daß nicht auch eine Festlegung bezüglich des Vermögens bestimmt worden sei, und daß in der Vereinbarung Nicht ein Zusatz da hm ius Auge gefasst wurde, daß über den Vermögensstock nur mit Zu­stimmung der gesetzgebenden Faktoren verfügt werden könne. Die Regierung schlägt in ihrer Vorlage vor, daß aus den verbleibenden Jahreserträgnissen des Fonds, wie bisher, 50 000 Mk. als Zu­schüsse an die Provinzialsiechenanstalten Verwendung finden solleii und zwar für die in Oberhessen und Rbeinhessen je 20 000 Mk., und für die Anstalt in Starkenburg 10 000 Mk. Hingegen e, - 1 * sich der Finanzausschuß, dahin, daß Starkeuburg für die Zu

erhalten solle. Diese Zuschüsse sollen in Einnahme und Aus gäbe im Staats Voranschlag ausgenommen werden. De

Schädigung der finanziellen Verhältnisse der Einzel,taatcn und deren wirtschaftlichen und politischen Selbständigkeit.

Die Fortsetzung der Voranschlagsberatung erfolgt am Mitt­woch vormittag. #

Zum Abtransport der Wohnungseinrich­tung des früheren englischen Gesandten in

Darmstadt schreibt dieTarmst. Ztg.", das amtliche Or­gan der hessischen Regierung: . ^ ,

In der hessischen Presse ist der Wttansfwrt der Wohnungs­einrichtung des früheren Königlich Gvoßbritannischen Geschäfts- irägers Lord Acton in Darmstadt nach der Schweiz der vor einigen Tagen durch die Presse gegangenen Meldung gegenübergestellt worden,daß in Saloniki das gesamte Eigentum der völker­rechtswidrig verhafteten amtlichen Vertreter Deutschlands und seiner Verbündeten beschlagnahmt nud in öffentlichen Auktionen ver--, steigert und der Erlös dafür stn die Taschen der Fernde geflossen sei". Wir sind ernrächtigt, hierzu mitznteileu, daß im Interesse der diplomatischen Beamten nach Kriegsausbruch zwischen Deutsch­land und England vereinbart worden ist, daß es den bis zuM Kriege in beiden Läirdern tätig gewesenen Diplomaten frcr- steht, ihren in Feindesland zurückgelassenen .Hausrat und sonstige Gebrauchsgegenstände ans Wunsch jederzeit in ihre Heimat aus­zuführen. Hiervon haben deutsche wie englische Diplomaten bererts Gebrauch gemacht. ,,

Aus Ersuchen der Amerikanischen Botschaft in Berlm nmwe vom Auswärtigen Antt bereits Mitte vorigen Monats die Er­laubnis zum ungehinderten Abtransport des Mobiliars Lord Actons erteilt. Es, würde obigem.Abkommen widersprechen, wenn jetzt dieses Mobiliar zurückgehalten würde. Dies würde dazu führen, daß auch die Englische Megierung deutsches Diplomatengut nicht mehr heransließe. , ^ t

Die Pressemeldung über die Versteigerung der Wohnungs­einrichtung des Deutschen K o n s u l s in Saloniki ist bisher nicht bestätigt worden. Die Deutsche Gesandtschaft tti Athen ist von dem Auswärtigen Amt wegen des Schatzes des Privateigentums des genannten Konsuls mit den erforderlichen Schritten beauf­tragt. Rach Mitteilung des Auswärtigen Amts ist Mobiliar eng-, lischer Konsuln aus Deutschland noch nicht herausgelassen.

Ausleihungen und Staatsschuld einer Einnahme von 1 765 997 Mk. und v 17 875 666 Mk. abschließt. Das Kapitel n standnug angenommen. Ter Ausschuß beschlr

über, das

nicht Wegfällen zn lassen. Ern Wegfall der Schuldenttlgun den Eisenbahnen würde Bedenken bezüglich der Leistungsfähig­keit der Staatsfinanzen erregen, die nicht gerechtfertigt sind; in keinem a?ideren Staate sei die Tilgung der Staatsschulden, auch der Eisenbahnschulden, ausgesetzt. Ob eine Schuldentilgung in Wirklichkeit stattfindet, kann sich erst bei dem Ergebnis des Jah­res 1916 zeigen, weil dann automatisch die Schuldentilgung sich mindert oder ganz anfhört, wenn die Eisenbahneinnahmen die Schuldentilgung zu decken nicht rmstairde sind. Darnach wurde das Kapitel 115, Rn hegehalte, Einnahme 1389 746 Mark Ausgabe 5 828 670 Mark, ohne Anstand bewilligt. Bei Kap. 116 Verhältnis znm Reich, Einnahme 4 582113 Mark, Aus gäbe 5 902 238 Mark, entstand eine allgemeine Aussprache über die Abgrenzung der finanziellen Verhältnisse des Reiches und der Bundesstaaten. Zum Schlüsse wurde in dieser Richtung der fol gende Beschluß des Finanzausschusses mit Stimmenmehrheit an genommen:

Die Kamnrer wolle die Regierung unter voller Billi gung der Schlußausfikhrungen des Herrn Präsidenten des Finanzministeriums zu dem Haupt Voranschlag ersuchen, im Bundcsrat Stellung zu nehmen gegen jede weitere Inanspruchnahme der Ein komme n- und Vermögenssteuer für das Reich als einer schweren

Die Marktpreise für Bich und Frucht und die Gietzener Fleisch- und Brotpreise

ain 14. Februar 1916. _

Schlachtviehpreise in F-r a n k f u r t a. M.

Fleischpreise in Gießen

Ochsen

^ Kälber t Schweine

50 Kg. Schlachtgewicht 150-225 Mk.

1/2 Kg.Schlachtgew.169-200 Pf. 1/2 Kg.Schlachtgew. 78-129 Pf.

H 2 Kg. 160-164 Pf.

VsKg. 160-164 Ps.

Vs Kg 150- 00 Pf.

Getreidepreise in Mannheim:

Brotpreise-in Gießen:

Weizen 100 Kg. 28,50 Mk.

Roggen 100 Kg. 24,50 Mk.

Weißbrot. 2 Kg. Pf.

Schwarzbrot 2 Kg. 68 Pf.

Gdot regel­mäßig }tbtn Tag arrrvendrt, übt itarf) unseren heutigen Kenntnissen die denkbar besteLahn- und ^Mundpflege aus.

Preis */t n M. 1.50. V* n 85 Pt

Zigaretten aurverlauft".

Man schreibt uns aus Wien:

Das ist das neueste Wiener Käiegsschild vor den kleinen Ziga- tettcn- und Zigarrenläden, den Tabaktrafiken, wie wir sagen, an deren Eingangstür nach guter, alter Sitte noch ein richtiges Ladenschild (ein langbärtiger Türke mit noch längerer Narglleh- Pscife) prangt. Die Tabaktraftken sttrd k. k. Sie N?erden vom Staat auf Gruud einerBerschleißlizenz" vergeben, meist^ au Osfiziers- oder Unterosfizierswitwen, und der Staat hat da wirkl ick), ein sehr gutes, ausgiebiges und wertverbreitetes Instrument zur Versorgung von Kriegs invaliden, Kriegswitw-en und Kriegswaism in der Hand. Kürzlich erst hat der Protektor der gesamten Kriegsfürsorge, Erz- heezog Karl Stephan, einem beiderseits erblindeten Soldaten einen vollständig eingerichteten Tabak-Trafik zum Hochzeitspräsent ge­macht. Das Geschäft nährt seinen Mann, der neben RauckMug auch> Briefmarken, Zeitungen, Lose verkauft und überdies eine Zeichenstelle für das kleine Lotto, dieLotterie" hat, mit den dazu unbedingt rrötigen Wahrsage- und Traumbüchern. Ter Tabak- icafifout (männlichen oder weiblichen Geschlechts, je nachdem) ist darum auch im Nebenan» t so eine Art Karden aufs chl ägerin., Ah, er spielt eine Rolle im Wiener Klein leben. Er hat das Neueste auS der Zeitung vor jedem anderen gelesen, er weiß den ganzen Bezirks tratsch, er ist der Neuigkeitsbringer, der Berater und Tröster seiner ganzenKundschaft". Js halt Krieg, mei Liaber, Mem­phis gibts keine mehr. Ueberhaupt -mit die Zigaretten . . . Rau- chen's halt eineKurze" (Zigarre)!" . r .

Ja,mit die Zigaretten . . " Und seither ist dre Beliebtheit niemes Freundes noch, mehr gestiegen. Der Glückliche hat immer cine ganze hochgehäufte SchachtelMemphis", 100 Stück jede W-che, weil er dem Fräulein Dabak-Trasik gar so schöne Augen macht: er darf es, denn er ist Junggeselle, der Glückliche . . . Aber sonst sind die Verkäufer und Verkäuferinnen sehr stteng und sehr genau und wollen jedem ein Wölkchen vom Rauchervaraoies zulommen lasten. Ein Herr kauft eben ein paar extrafeine Zi- garren, aber eigentlich raucht er nur Zigaretten. Bier Sttick be- unlligt baä FvÄeiu. Der Herr verwahrt sie in seinem silbernen, Etui.' Mit Spionenaugen hat das Fräulein seinen Ueberfluß erspäht. Sie haben ja ohnehin die ganze Büchse voll."Sport", sagt der Herr kleinlaut und ängsüick-, daß sie den Handel rückgcttrgig machen könnte, .,nur Sport", iver kann das rauchen?So!", sagt das Fräulein scharf.Geben sie's her, dieSport": rch tausch sie Ihnen für Memphis um. Tie Soldaten bestlirnren mich um Sport".

Ja, das ist es, darum müssen nur uns diese kleine Entbehrung auserlegen: der Zigarettenkonsum des Heeres ist enorm. Und sie sollen rauchen, unsere Soldaten, >de»m die Zigarette ist das wunder­lichste, köstlichste Gift der Weit, es vereinigt die er»t ge gengesetz­testen .Eigenschassten in sich: es beruhigt und belebt die Nervw,

es vertreibt die Langeweile und erhöht die Arbeitskraft, es ver­pestet die Lust und tötet die Bakterien, desinsiziert, verscheuch Mücken und Lcttste. Die Soldaten sollen rauchen. Und- sie rauchen auch. Me, alle. Nur einer nich: seine Exzellenz der Herr General­oberst Conrad v. Hötzendorf, der in seinem.ganzen Leben noch nicht eine Zigarre oder Zigarette geraucht hat.

Das aber macht ben Konsum nickt geringer. IM Frieden schon war er ungeheuer groß. Die k. k. Tabakregie (seit 1694 sind in Oesterreich Tabak- und Rauchwaren Staatsmonopol) nahlm tm. Jahre durchschnittlich über 300 Millionen Kronen ein. Und gerade die bllligen und billigsten Sorten gingen reißend ab. Bon der Zwei-HeNer-Sportzigavette rund 4 Milliarden Stück im Jahr. Im Friedensjalw! Und da just dieSport" die Soldateirzmarette ist, ist die Nachfrage nach ihr (bch stark verringerteil Arbettskrästen) noch mehr gesttegen. Darum also:Zigaretten ^ausverkauft!" Llber die Laune verdirbt uns auch das nicht: dieSelbstgedrehte" konrmt eben wieder zu Ehren. Denn an Dabäk fehlt es ja nicht so sehr. Schlimmstenfalls werden wir patriotische rauchlose Tage emsühren, wie es einmal schon antipatriotstche rauMose Tage gab, als Mailand noch! österreickfisch war ... Um der» Staat an seinem Steuermonovol zu schmälern, veranstalteten 1848 die Lom­bardischen Nationalitäten rauchlose Tage. Nun, die k. und k. Dragoner erschienen justament mit einer Kastervirginia auf dein Mailänder Domplatz. Tie Rauchlosen, denen der feine Duft nieder­trächtig in die Nase stieg, lvnrden frech. Unruhen setzten ein, d»e dann zu den ersten großen Niederlagen führten, die sich die Italiener Nun schon traditionell von Oesterreich holen. H. W.

*

. Psitz« er verläßt Stra ßb urg. Aus Straß­burg iin Elsaß wird uns geschrieben: Ein Aufsehen erregendes Ereignis hat sich mitten im Krieg in unserem Knnstleben zuge­tragen : Der ausgezeichnete Leiter der Straßburger Over, Prüf. Tr. H a n s P f i tz n e r, der seit acht Jahren hier rin Mrttel- punkt des gesamten Musiklebens stand, lumrde vor» dem Städttscheu Gemeinderat in seiner Eigenschaft als Städtischer Operndrrettor nickt wiedergewählt, da er, wie in diesen Kreisen verlautet, zu teuer gewirtschastet 'habe. Psitzner legte Daraufhin auch dre L-ertting des Konfervatorttrms und der Städttscheu Monuemeutskonzecte nieder, so daß die Stadt *min bald diese hervorragende künstlerische Kraft verlieren wird. Wäs> den iGemettrderat zU dieser entscheidenden Stellungnahme gegerr Psitzner bewog, ist nicht ganz einfach zu sagen. Psitzner lvar in verschiedener hiesigen Musikkreisen wegeir seines ausgesprochenen Willens und seines, zrrtveilen liber das Ziel lfiuausschreßenden Temperaments nicht eben beliebt, und da auch seine verivaltungstechnisck)en Fähigkeiten hinter seinen künst­lerischen zurückbliebeu, bot er mancheir Anlaß zur.Kritik, die von seinen Gegnern iricht nur verschärft, svndenr ins Maßlose über- tricbeir wurden. Auch die doppAts^Oechuus des Stadttheaters, das

in der Oper Hans Pfitzner/ttu Schauspiel! jedoch einem Intendanten als höchster Verwaltlmgs-Jnstallz unterstellt war, war die Quelle mancher Versttmmnngen. Nichtsdestvweniger hätte sich ern Weg finden lassen müssen, einen so lfervvrragenden Wnstler wie Psitzner 5 it halten. Was er als Operndirektvr durch die Anfsührmrg be­deutender Werke, als Leiter der unter ilM zn hohem Ansehen ge­kommenen Abonnementskonzerte rmd nicht zuletzt auch als Lehrer heranreisender Künstler hier geleistet lyat, wird man erst spater einseben, wenn weniger ausgesprZckiene Persönlichkeiten seinen Platz eingenommen lmben. In Würdrgung seiner Verdienste wrrrde er, wie erinnerlich, von der Nlliversität Straßburq vor mehreren Jahren zum Ehrendoktor ernannt. Diese Kreise, wie das ernsthafte kunstliebende Sttaßburg überhaupt, sehen Psitzner mit tiefem Be­dauern scheiden, wenn andererseits ihnen auch bewußt ist, daß eine so starte Persönlichkeit wie Psitzner den Philistevgeistern Sttaßburgs auf die Dauer unerttäglich werden mußte.

Erich Schlaikjer als Sckwankdichter. Aus Ha ui bürg wird uns' geschrieben: Die Geschichte von der bösen Schwiegermutter sollte sich aus der?Bühne eigentlich überlebt lfaben. Was Erich Schlaikjer bewogen hat, sie doch wieder nach der alten Fasson aufzusrischen, will ims nicht recht klar lverden. Sein SchwcnlkD r. Franzens A b e n t e u.e r", der soeben im L>aln- burger Thalia-Theater die UrauMckrung erlebte, benutzt jedenfalls die Gestalt der böftn herrschsüchttgen Schsoiegermutter rein als Notbehelf, das heißt, sie muß dem armert Schwiegersolm: so zisietzeu, daß dieser die Flucht ergreift. Das geschieht im ersten Akt. Wir finden ihn dann in ernein .Sanatorttmi,dem ev unter deiil angenommenen Namen des Bcurnveisters Fritz Harms aus Buxtehude, voll sivher Begier Mnn einnlal seine Tage so recht nach Herzenslust in aller Freiheit genießen will. Mer leider svird er in» Sanatorium für verrückt erllürt, denn jener Baumeister aus Buxtehude, dessen Namen er zum Ittlglück angenommen lmt. soll sich, wie bekannt ist, mit allerhand fixen Ideen tragen. Und hier beginnt nun das Abenteuer des Dr. Franzen. Er muß fUt bia Behandlung der geistig Kranken gefallen lassen, imd anstatt daß er seinen freien Genüssen folgen kaim, wrrd er gehörig mit kalten Tuschen traktiert, bekommt die vdreitte, dre er gehen darf, por- tionswerse zugemessen. Und die Pointe bestcht darrn, dag dre Schwiegermutter »md der wirklick>e Frltz Harms ibn aus dreser Misere erlöse!» müssen. Ohne Frage »st der »om Verfasser

technisch sehr nupraktisch gelsandbabt worden. Was von dem Ganzen schließlich als ben»cwkeuElvert übrig blerbt, srird ernrge vettlnensch gefärbte Tvpen und Szelneu, die für sich gut beobachtet srnd. Vielleicht hätte der Stoff besser zu einer kräfttge»» Satrre gcta»lgt^ mit der Figur des originellen Fritz Harmrs aus Buxtehude ttm Mittelpunkt. Ter lebhaft gespendete! Beifall, der »volü in erster Linie beit Darstellern galt, veranlaßte den anwesenden Verfasser/ sich sviedcrholt auf der Bühne'zu zeigen. A-L.