Nr. 52
Zweites Vlatt
Erscheint nttt Aufnahme be$ Sonntags.
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2*t ^«etzeaer §amMe«blStter" werden dem ^Anzeiqer^ viermal wöchentlich beigelegt, das ^Lreirdtatt für den «reiz Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Lanö«trftch<,sulchen Seit- ft»gev'^ erscheinen monatlich zwennal.
166. Jahrgang
Zetzmer
General-Anzeiger für Gberheßen
Dienstag, 8. §edruar T9T6
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'scheri Unwersitäts - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schriitleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u. Verlag: e-E51, Schrift- leitung: d^112. Adreffe für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
«riegsbriefe aus dem Osten.
ton unserem zum Ostheerr sandten Kriegsberichterstatter cSabeachtist« Nachdruck, auch -uSMgsweis-, verbot».)
Die deutsche Verwaltung im Bereich der Hindenburgschcn Armeen.
RaM>t<martier des OberbefMshabers Off, im Jünuar.
I? selner Rebe im deutschen ReichAa«c hat der Reichskanzler ALchvruckIll.ch aus d« aUBcrtorbentri&e Arbeit hrngewiesen, die mit der Verwaltung der von nnserert Armeen eroberten Gebiete durch Deutschland geleistet wird. Von der Größe und den Aufgaben dieser Verwalttmgsarbeit, die in engste Verbindung mit der Armee oft unmittelbar hinter der Front ersetzt, kann man sich vielleicht rin Düd machen, wenn man erwögt, daß allein im Bereich des. Oberbefehlshabers Ost ein Gebiet von über 120000 qkm in deutsche, verwaltende Fürsorge genommen werden mußte.
Entwickelt hat sich dieser Verwattungsbereich im Rahmen der Arm« aus den Anfängen z-ur Zeit, als die polnischen Länder- stvecken. SiegeSfrüchte der Schlachten bei Kntno und Lodz unter deutsche Benvaltung gestellt wurden.
Ms der große Vormarsch im Frühjahr und im Sommer 1915 begann, !amen bekanntlich bald sehr große Länderstrecken zu diesem Bereich hinzu. Warschau fiel am 5. August, und am 24. August 1915 wurde das Generalgouvernement Warschau geschaffen. An seine Spitze trat General von Beseler, ihm zur Seite Landval v. Kri«s — mit dem Titel Exzellenz — als Verwaltungschef.
Beim weiteren Vormarsch wurde auch int Bereich der Verwaltung des Oberbefehlshabers Ost eine Verwaltung eingerichtet, die man ihrem System nach als EtappewBerwaltung bezeickmen könnte. Es handelt sich hier um die russischen Gouvernements Smvalki und Kowno, einen Teil des Gouvernements Wilna, um den Bezirk Bialystok und um Kurland. Schon aus der Aufzählung ist er- srchtnch, daß ein großer Teil dieser Gebiete unmittelbar hinter der deutschen Front liegt. Diese Erwägung zwingt dazu, das militärische Interesse allen anderen Grundsätzen voranzustellen. Die Etappenttnien der kämpfenden Armee führen durch diesen Ver- waltungsbereich, Regel aller Maßnahmen muß deshalb die sein, daß Sicherheit und Ordnung, Aufbau und Leistungsfähigkeit des Landes zum Nutzen des Heeres unbedingt geioährl eistet wird, erst danach kann an eine Nutzbarmachung des Landes für die Bewohner des eroberten Gebietes gedacht werden.
Um es aber vorweg zu nehmen, trotz dieser ja eigentlich selbst- verftandlrchen Grundsätze, hat die sicher, gerecht und mit aller Anspannung der Kräfte arbeitende MUitärverwaltung auch den schwer leidenden Bewohnern des Landes schon erheblichen Nutzen und merkliche Förderung gebracht. Eine von Monat zu Monat fühlbar ^ werde nde Verbesserung in allen Zweigen des wirtschaft- lrchen, kommunalen und schließlich auch geistigen Lebens wird von d er Be völkerung dankbar bemerkt. So versicherten es mir alle Herren der verschiedenen Verwaltungszweige übereinstimmend, und st> konnte ich es selbst an sehr vielen Stellen beobachten. Dabei ist foe vollständige Einrichtung der Zentralverivaltung am Orte des Sitzes des Generalseldmarschalls v. Hindenburg erst im Laufe des Monats November vor sich gegangen
Den, wi e ba iedem höheren Militärkommando, vorhandenen Ableikuugen wurden 5 neue Berwa ltun g sab teilu n g en angegliederl. Die auÄkbende Gewalt ruht in den Händen des Generalseldmarschalls, der mit Erzellenz Ludendorff und dem Generalqu a r ti e rt , tris ter von Eisenharv-Rothe die obersten Entscheidungen der Zentralverwaltung trifft. Die einzelnen Abteilungen der neuen ZentralVerwaltung gliedern sich in: Inneres, Finanz wesen, Landwirtschaft, Kultus, Justiz. Den Verwaltungschefs der emzelnen Gebote wie Kurland, Litauen, Suwalki, Grodito sind unterstellt die Kveischefs mit einer Akyahl von Krrisämtern, denen rin Kreishauptmann vorsteht.
Die Krrisamter sind dye wesenLchen Stutzen der deutschen Verwaltung int Lande. Ihnen ist rin Friedensrichter angegliedert, ihnen stehen eine Anzahl von Gendarmen zur Verfügung. Der weitere Ausbau nach nnten, die Einsetzung von Amts- und Orts- vorstehern, ist beabsichtigt und zum Teil auch durchgefübrt, stoßt aber wogen des Mangels an geeigneten Persönlichkeiten im Lande natürlich auf große Schwierigkeiten. Nur Kurland ist in diesem Punkte wie in allen Perstonalfrvgen besser gestellt durch die Möglichkeit der Mitarbeit seiner hochstehenden Bevölkerungsteile.
Bei der Abgrenzung der einzelnen Verwaltungsgebiete hat man, wenn es eben angängig war, auf die vorhandenen russischen Eintritt mgen Rücksicht genommen. Sv sind die vorhin schon erwähnten 5 Gebiete entstanden:
Kurland umfaßt bis an? ben ganz kleinen Zipfel bei Düna- bmg das ehemals russische Gouvernement Kurland, also ein Gebiet von rund 27 000 qkm. In der Kreiseinteilung hat man sich hier im großen und ganzen an die vorhandene russische Eintellnng gehalten.
O etchte r als in allen andern von uns besetzten Gebieten konnte die Verwaltung von Kurland an vorhandene Einrichtungen anknüpfen, mehr mit der aufopfernden Mitarbeit der Bevölkerung rechnen. Große Schwierigkeiten machte allerdings im Anfang die syltemattlcne Men scheue,ttleerung, die russischerseits durchgesührt
ivorden war, namenllich als eS galt, die ausnehmertd gut geraten« Ernte emzubringen. Aber mit Hilfe aller verfügbaren Kräfte g* lang schltetzttch die Bergung im großen uttd ganzen. Hvch im November noch, als leichter Frost einsetzte, sah ich Arbeiter aus dem ,)-elde, tmb wenn das zuguterletzt geivonnene Getreide sich auch raum noch für lange Lagerirng eignen würde, so machte es nach dem Dorren doch einen recht guten Eindruck und konnte sehr wohl sofort zum Nutzen der Bevölkerung verwe-ndet werden.
Aeußerlich sehen diese Kreisämler in den kleinen kurischen Städten den deutschen Kreisämtern schon recht ähnlich. Freund- lrche, Häuser, in deren Bureatcräumen rege Arbeit l>errscht. Erfreuliche Zusammenarbeit der einzelnen Instanzen wie Friedens- rrchter, Kreishauptmann läßt sich überall seststellen. Die Be- zrchnngen zu der lettischen Bevölkerung, die im Anfang den deut- ,c^n Einrichtungen zum Teil unfreundlich gegenüberftand, haben srch zusehends gebessert, so daß schon heute von einem aufdringlichen Gegensatz nicht mehr die Rede sein kann. Auf das Verhaltens der Deutschbalten zur deutschen Verwaltung bin ich gelegentlich bei menrer Artikelreihe über Kurland eingegangen, es ist eines der herzerhebendsten Momente in der Schwere dieser Zeit.
In Litauen haben sich die Verhältnisse insofern schwieriger und langsamer entwickelt, als eben auf eine größere Mitarbeit der t*m Rußland künstlich auf möglichst tiefer Kulturstufe gehaltenen Bevölkerung nicht zu rechnen war. Es hatrdelt sich um ein Gebiet von rund 34 000 qkm (also mehr als Württemberg und Baden zusammen), das ebmsv wie Kurland durch den Krieg schwer gelitten hatte, und von beinahe einem Drittel seiner Bevölkerung verlassen war. Der Sitz des Verwaltungschefs für Litauen, Fürst dsenburg, ist vorläufig noch^ Tilsit, da Wilna nicht zum Verwaltungsbereich gehört und sonstige geeignete Städte nicht vorhanden sind (Szawle ist zum größten Teil verbrannt, Wilkmnierz liegt zu sehr am Rande des Bereichs, Kowno ist Festung).
In Litauen war es nicht möglich, an die alten, historisch gewordenen Einteilungen anzuknüpfen. Man mußte neue Kreise schaffen.
Wie in Kurland galt die erste Arbeit dem Einbringen der Ernte, die auch in Litatten über den Durchschnitt gut war. Die weitere Sorge galt der Volksernährimg, Krankenpflege, dem Schulwesen, das in Litauen, dem Laude, das 60 Prozent Analphabeten hat, besonders im argen liegt. Die Mehrzahl der Lehrer, orthodoxe Russen, sind geflohen, genügende deutsche Kräfte, die litauisch beherrschen, sind schwer zu erhalten. Zumal sich die Schwierigkeit geltend macht, daß die preußischen Litauer evangelisch sind, während in Russisch-Litauen dttrchweg die römisch-katholische Kirche herrscht. So hat man den Feldlehrer geschaffen, indem man geeignete, nichts kriegsverwendungsfähige Feldgraue Kräfte herausnahm und sie da ansetzte, wo der Bedarf am größten war. Diese Schöpfung des FeMehvers zeigt — eint kleines Beispiel —, wie dieser Krieg überall ungeahnte Aufgaben stellt und wie die deutsche Verwaltung ganz neue Typen erfinden muß, um ihnen gerecht zu werden. Ueberall in Litauen muß so schöpferisch vorgegangert werden, denn die vorhandenen Eittrichtungen des Stiefkindes Rußlands sind für die neuen Verhältnisse kaum anwendbar, zutNal der primitive, russische Verwaltungsapparat durch den Krieg völlig zerstört ist. Da Rußland bis vor kurzem die litauische Sprache planmäßig unterdrückte, bcftndet sich keine einzige Druckerei im Lande. Tie Fixierung der Trucksprache ist kaum -richtig durchgeführt, sie ist an das tschechische Alphabet angelehnt. Schulbücher müssen aus Deutschland eingesührt werden, Steuererhebungen schließen sich im Großen und Ganzen an das große russische Steuersystem an. Bei der Bodensteuer zum Beispiel kann die Wertigkeit des Bodens röcht in Betracht kommen.
Die Grundlage für die Rechtsprechung bildet das russische „Swvdsakonvw" und das ruffische Strafgesetzbuch von 1903. Auch hierin war das Gvoßsürstentum Litauen anders als Polen, in dem der Eode Napoleon gllt, gestellt. (In Kurland, in dem durch die Hilfe der deutschsprechenden Bevölkerung die Rechtsverhältnisse ja viel durchsichtiger freuen, gilt das im Jahr 1864 codifizierte Recht). In sehr vielen FMen wird in diesen schwierigen Ueber- gangSzriten „Billigkeit" der Hauptgrundsatz der Entscheidungen sein.
Zu den vielen, erschwerenden Umstanden, die beim ersten Blick einer deutschen Derwaltungsarbert fast unüberwindliche Hindernisse in den Wog yu stellen scheint, kommt als eine Art Ausgleich die große Willigkeit und Anspruchslosigkeit der litauischeit Bevölkerung, svdaß zu der Zeit, als ich durch Litauen fuhr, kein Fall bekannt war, in dem den deutschen Anordnungen irgendwie bewußt Schwierigkeiten gemacht worden wären. Der fleißige, nüchterne, litauische Bauer, der den Hauptteil der gebliebenen Bcvöl- rimg ausmacht, ist wahrlich durch Regierttngsfürsorge nicht verwöhnt und wird sich schnell und leicht in derttscheu Rahmen rin- fügen.
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Im Bezirk Wilna, der 18000 Quadratkilometer um saßt, galten die Hauptsvrgen der Ernährung der großen Stadt Wllna, die schätzungsweise doch 200 000 Menschen beherbergt. Tie 2^r- pflegung einer so großen Stadt, der zu normaler Zeit rin riesiger Verpflegungsradius zur Verfügung gestanden hatte, war in den neuen Verhältnissen recht schwer, zumal in den Kämpfen um Wilna große russische Armeen ihre Derpflegungsmvglichkeiten zum Teil
aus Wilna genommen lzatten. Das nicht leichte Problem wurde Unter Mitarbeit der militärischen Stellen — der eben verstorbene Gouverneur von Wilna, Generalleutnant Wegener, hatte viel Herz für die Nöte lver ihm anvertrauten Stadlt, und oft sah ich ihm bei der Bevölkerung persönlich herumfragen, wo es denn fehle —- und dem tatkräftigen Zufassen der städtischen Zivilverwaltung, bet der sich der bekannte Bürgermeister einer vstpreußischen Stadt besonders betätigte, schließlich im Großen und Ganzen gelöst, ohne die Mittel der Heimat besonder in Anspruch zu nehmen. Erschwerend kommt bei einer Arbeit in Wilna der Gegensatz zwischen Litauern, Polen und Inden hinzu, die gegenseitig Sonderrechte für ihre Bevölkerungsteile durchsetzen möchten. Sv wurde etwa der Versuch gemacht, eine von im Ausland lebenden Litauern! zusammengebrachie größere Geldsumme auch im Sinne der Polen zu verteilen, was bei den Litauern, bereit Opfersinn auch sernj der Heimat groß ist, nicht gerade freundliche Gefühle auslöfte. Tie deutsche Verwaltung steht natürlich allen solchen Bestrebungen streng gerecht gegem'iber, aber erleichtert wird die Verwaltungs- tätigkeit durch solche Gegensätze nicht. So mußte auch den wenigen städtischen uttd lätrdlicheu Mmsumveveinen und Genossenschaften sowohl in Wilna als auch in Litauen ausgegeben werden, sich nicht, wie cs bisher üblich war, hauptsächlich mit Politik zu beschäftigen, sondern sich durchaus und ausschließlich materiellen Aufgaben Zuzuwenden.
Selbst in der Großstadt Wilna macht die Beschulung außerordentliche Schwierigkeiten. Für ungefähr 18 000 Bolksschulkittder stehen etwa 150 Lehrkräfte zur Verfügung, bei den 8000 Gymnasiasten liegen die Verhältnisse ebenso ungünstig. Die jüdische Bevölkerung besaß Religionsschulen auf talmudischer Grundlage, die zum Teil weiter unterrichten, die Polen hatten Privatschulen, die bei Hohem Schulgeld (Mk. 216.—) erstatmlich wenig geleistet haben müssen, svdaß es erklärlich wird, daß man eine Vorliebe hatte, selbst aus Wilna und Litauen Schüler nach dem deutschen Landesgymnasium in Goldingen zu senden! Tie 1500 Seelen zählende evangelisch-lutherische Gemeinde unterhält eine Schule tttrt deutscher Unterrichtssprache. Im übrigen wird der Unterricht in allen besetzten Gebieten in der Landessprache ertrilt.
Tie Verwaltung von Suwalki umfaßt 10000 qkm> ben größten Teil des russischen Gouvernements Suwalki. Große Bezirke dieses Gebietes sind nach der vorübergehenden Besetzung nach der Masurenschlacht wiederum nach der großen Winterschlacht in unsere Hände gekommen, so daß sie im Februar rin Jahr lang in deutschem Besitz sein werden. Diese längere deutsche Einwirkung spricht sich besonders im Aussehen der Stadt Suwalki aus, die geradezu erstaunliche Wandlungen an Sauberkeit und Ordnung durchgemacht hat.
Schließlich ist twch der Bezirk G r o d n o, dem in der Hauptsache Stadt und Festung Grodno unterstehen, eingerichtet. Ms ich seinerzeit in Grodno war, schienen erhebliche Vorräte oorhandeü zu sein, so daß die Ernährung der 12000 Seelen, die zum Gou^ vernement gehören, keine Schwierigkeiten bereiten dürften. Auch das Schulwesen der an und für sich ausfallend sauberen und gepflegten Stadt dürsten nach dem, was ich damals hörte, besonders günstig liegen.
Die bedeutettden Zigaretten sabriken setzen ihre Arbeit jvrt.
Tie Verwaltung des großen Jndusttiebezirks und der Stadl B i a l y st o k mit im ganzen etwa 300 000 Seelen hat mit Erfolg gegen die gleichen Schwverigkeiten, wie sie in Wllna bestanden, gekämpft.
Schon diese Anszähbing der verschiedenen BeNmrÜrngen zriyt^ «ne lute mannigfaltige und schwierige Aufgabe die Zentralvev. walttmg im Bereiche der Hindetwnrgschen Armeen zu leisten hat. Sie läßt dem einzelnen VerwaltungÄlZü weitgehenden SpteirauM, nur die allgemeinen Richtlinien sind festgriegt. So ist Grundsatz, daß die Verwaltung möglichst einfach zu arbeiten hat. Die Kosten sind durch Steuern, die der Kraft des Landes angepaßt sind, ttnd Mottopole,. sowie Zölle aufzubringen. BejvnderS viel verspricht man sich in dieser Hinsicht von einem in .der Einführung bo* grisfenen Z i g aret teumo n o p o l, das die freie fomfrrnens der Fabrikanten nicht ausschriden soll und trotzdem in geschickt« Weise der Verwaltutrg bedeutende Einnahmen sichert.
Die Eiirrichttmg von Zivilpost in dem besetzten öefoel stcht bevor, sie wird sich zunächst auf die größeren Orte beschränken, aber allmählich auch auf das flache Land ausgedehnt werde».
Um die Bevölkerung im Zusammenhang mit den großen Geschehnissen zu erhalten und sie mit den deutsckZen Ansichten und detttschent Wesen vertraut zu machen, sind Zeitungen in größerem Maßstabe, so in Kowno, in Wllna, gegründet worden. Zeitungen in der Landessprache werden, soweit sie nickt schon bestehen, folgen. Daß die grvßett Waldungen des Landes ftchgemäß verwaltet werden, dafür sorgt die über das ganze Land gezogene deutsche Forstverwaltung.
Aus allen Gebieten hat man den Eindruck eriolgrrichien Arbeite ns irud dre Gewißhett, daß wir in den eroberten Ländern noch während der Anstrettgrmg dieses Krieges der Bevölkerung die ihr bisher imBeBarmten Wohltaten einer gerechten, wohlwollenden Verwaltung verschafft haben. Bei weiterem Fortschrriten von Arbeit und Zeit wird dieser Erfolg noch sichtbar in,bic Erscheinung treten.
_ R o 1 r Brand t, Kriegsberichtersttltter.
Kllegerabenteuer in den Karpathen.')
In Jza nördlich von Huszt war eine deutsck^e Fliegerstatwn, zu deren Besuch ich telephonisch ringeladen wurde. Tie Offtziere der hier liegettden Fliegerablrilung nahmen mich aus der Station in Empfang und führten mich nach der kleinen Villa „Flicger- heim", auf deren Veranda Hauptmann Gürich, der Chef, in einem Lehnstuhl saß. Seine verbundenen Füße lagen auf einer Fußbank. Er reichte mir die linke Hand zum Gruß entgegm, die rechte war lnhm. Bei Reims hatte er fünf Kugeln in den Arm bekommen Mid drei in die Beine. Vor fünf Tagen war er nun noch mir erfrorenen Füßen von einer Erkundungsfahrt zurückgekehrt.
Vor einer Woche hatte er Befehl erhalten, die Lage der russischen Stellungen in einer bestimmten Gegend nördlich von den Karpathen zu erforschen. Bon Jza aus war er in Spiralen bis zn einer Höhe von etwa 2500 Metern aufgestiegen, was ritte Stunde dauerte. Dann ging er in gerader Linie über das Gebirge, passierte dessen schneebedeckte .Kamme und flog auf feindliches Gebiet hinüber. 28 Kilometer hinter der russischen Front blieb plötzlich der Motor stehen. Nun mußte er in überstürztem Gleitfluge abwärts. Eine Wahl gab es nicht. Unter dem Flieger breiteten die Karpathen ihre Labyrinthe von jähen, waldbcnvachsenett und tief- erngeschnitteTten Tälern Mts. Er warf einen Blick über die Reling, nm einen geeigneten Lmrdungsplatz zu ftndcn. Geeignet! In solchem Gelärrde! Aber es galt das Leben, und man opfert es nicht unnütz.
Im Tal floß ein Bach. Der Hanptmaitn steuerte seinen Doppeldecker direkt Mts deffen Lauf lstnab, dahin, wo das Wasser ttef genug war. Der Apparat stürzte ins Wasser und war verloren. Gürich und sein Kamerad wurdet: herausgeschleudert, kamen vber mit l-eilen Gliedern an Land.
Aber was nun? Die Russen hattm die Flugmaschine natürlich gesehen, ihre Patrouillen waren sofort unterwegs, und bald
*9 Ein Kapitel aus Sven Hedins „Nach Osten!", seinem soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzig als Feldpostausgäbe zu 1 Mk. erschienenen Buche über die Ostfront von Memel bis Czernolvitz, das jeder Deutsche uttd Oesterrricher mit dankbarer Freude auf- nehmen, mit Genuß lesen und dem tapferen Nettttalen nicht ver- geffar fcidbu
Pissen den beiden.Schiffbrüchigen die Kugeln um die Ohren. Aber diese schlichen rasch und geschntridig wie Panther in den weglosen Wald hinein, immer von berittenen Soldaten verfolgt, solange das in diesem Gelände möglich toar. Sie kanrett auf rin Schneefeld, wo sie nach verschiedenett Richtungen im Kreffe gingen oder stteckenweise zurück, um die verfolgenden Russen irrezumachen. Zuweilen kletterten sie einen Abhang hinab, mn an einen Bach zu kommen, in dem sie lange Strecken liefetr, mn ihre Spur zu verbergen.
ltcherwetw verstand der erste Posten, der sie anhielt, Deutsch, nabm sie fest und führte sie dem nächsten österreichisckien Offizier vor> Dieser konnte dte beiden Männer mit Leichfrgkett identifizieren sobald ne fich von den furchtbaren Strapazen ihrer Reise erholt *w en ' kehrten sie nach ihrer Station zwischen Jza und Huszt zu- öie c r ! Q fe nun Haupttnann Gürich jetzt, die erfrorenen Füße Füße auf etner Fußbank.
So ging es den ganzen Tag: die beiden Deutschen blieben immer mehr oder weniger stark in Fühluitg mit dm Kosaken oder andern neuen Verfolgern. Sie sehttten sich nach Dämmerung und Dunkel, um Atem schöpfen zu können. Gürich war schon früher in dieser Gegend aufgestiegett und kannte sie genau. Er wußte, wo die beste Möglichkeit war, uttgesehen durch die Russenlinie wieder durchzukommen, und wo die österreichisch-ttngarische Front am nächsten toar. Bei Einbruch der Nacht flüchteten die beiden in einen dichten Wald, breiteten Fichtenzweige auf den: Schnee aus und schliefen eine Weile. Dann ging es weiter durch Dickicht und Gebüsch, Felswände hinauf und hinunter, über Schneefeldcr und Bäche.
Die Sonne ging auf. Der letztt Mssen Brot war schon verzehrt. Neue Kosakenpattouillen zeigten sich, zuweilen auch feindliche Reiter auf der Anhöhe. Dann verbarg man sich, bis sie verschwunden waren. In der Tiefe der Täler lagen russische Biwaks und in rinenrfort fuhrett Trainkolonnen heran. Jmnter noch galt es also, Umwege einzusckffagen.
So verging der zweite Tag: die zweite Nacht kam heran. Wieder rmtßten die beiden Mnner iir einem Gebüsch schlafen. Es war dort oben empfindlich kalt, und als sie envachten, merkte der Hattpttnann, daß in seinen Füßen das Gefühl abgestorben war. Aber nock) kotrnte ec sich weiter schleppen. Also weiter in der Richtung auf die Freunde zu
Endlich waren sie in der Feuerzone, in dem herrenlosen Gebiet zwischett den russischetr und österrrichisch-nngarisckien Linien. Nun bestand aber eine neue Gefahr. Kamen sie zu ungarischen, tschechischen, bosnischert oder andern Truppett, die nicht Deutsch verstanden, jo konnten ft« als Spione «schossen arcte». Glück-
Kunstvereins für ©to'glfet jogTum < 1& eTTe'ii iff geftcrn nnttag ttt schltchter Weise eilte Sonder au ^ st ellung JA u n ch ener Kü n stl er eröffnet worden, d^ über den Rah en des lokalen Interesses weit hinausgeht. Sie ist durch den bekannten Münchener Kunitmäcen Brackl veranlaßt worden, und Sv* or r OO- Erlöses soll dem Roten Kreuz zugeführt werden. ~-te Ausstellung vermittelt uns die Bekannttckiaft mit etwa vier- zrg .Münchener Künstlern, von denen 77 Werke vorgeiühct werden, dazu eine Anzahl farbiger Lichtdrucke, F-ederZrichttun- gctt usw. Unter den Künstlern sind die ersten MünckZener Namen vertreten, so Angelo Jank, Erich und Fritz Euler, Ferdinattd Spiegel, Rob. Putz, Heinrich Kley u. a. Jank fcri eine Anzahl vortrefflickicr Zbriegs- und Soldatenbilber geliefert, darunter als hervorrmzendstes Generatfeldutarsckwll Mackensen ttt seiner Uniform der Totenkopftwsaren auf brut Scklaclüroß. Putz ist vor allem mit einem wunderbaren Idyll, einer nackten weibkichen statt „Auf steinernem Bodm^ perttrien. Der Ervffnnng aing eine Vorbesicktigttng voraus, att der unter Fübrtmg des Vorsitzenden des Kunstverems, Finanztat Emmerling, auck Minister v. H o m b e r g k, General v. H e y l, General v. L y n k e r Bürgermeister M ü l l c r u. a. teilnahmen.
T a r m st a d t, 7. Febr. (Privattclegrauvn.) Der G r o ß - Herzog hat, der „Darmstädter Zeitung" zufolge, am 2. Februar dent Maler Professor Wilhelm Steinhaufen m Frankfurt a. M. aus Anlaß seines 70. Geburtstages daS Großkrcu^ zweiter Klasse des Orden s „S t e r n von Brabant" verliehen.


