Ausgabe 
7.2.1916 Zweites Blatt
Seite
115
 
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Ar. 3, Zweites Vkm

Lrscheftü ««MH mit «nSvahme des Sonntags.

DieKetzenrr KrmMrvdlStter" werden dem »Anzeiger^ vftrmal wöchentlich beiyetegt, das «Lreirttatt fir den K*m Gießen" zweimal woch-Mtich. Pie ^«mdMrtschaftkjchen Seid, eeRheinen awnattnh zweimal.

\ 66 . Zahrgaag

Semral-Aiyeiger für Odechessen

Montag, 7. ßebrnar ZAö

8totßfton§bnid und Verlag der Brüchl',scheu Universitäts - Buch- rmd Sterndruckereu R. La-mge, Gießen.

Schriftleittmg,GeschcktssteLeiuDruckerer: Schul- strah e Z Geschästsstelle u. Bevbam^Eäl, Sck-rist- ieüung: e^U2, Adresse tax Drahtnachrichten: Anzeiger Maßen.

Die Mcher von Grimrby über ihre Erbärmlichkeit gegenüber£ jy".

Lond<vN/ 6. Febr. (Jens. Frkft.)Daily ALail" ver­öffentlicht eine längere Erzählung des Schiffers des Fischi- txrmpsersKina Stephan", William Martjn, jenes Mannes, der kaltherzig die Mannschaft des verunglückten Zeppelins dem Do de preisgab, über die Weise, wie er der Zeppelin-Mannschaft die Hilfe verweigerte. Gr er- Kähtte:

(SS war ein wunderschöner Morgen. Wir konnten 15 Meilen weit fehen. -Es war kein Wind, und die See war ruhig wie ein Teich. In einiger Entfernung sah ich irgend etwas auf den: Wasser, das wie eine weiße Wolke aussah Ich fuhr mit Volldampf auf den Gegenstand zu und dachte zuerst, daß es ein Wrack sein wüiÄe, und daß es dann der Mühe wert sein könnte, es nach dem nächsten Hafen zu schleppen. Als wir näher kamen, sah ich, daß es ein deutscher Zeppelin war. Ich konnte mich nicht täuschen, denn ich hatte bereits viele Zeppeline gesehen. Er lag östlich von uns, als ich darauf losdampste. Nur etwa 20 Fuß des Körpers des Zeppelins ragten aus dem Wasser, und zwar die scharfe hölzerne Spitze> ein Teil des Ballons. Ter Zeppelin lag derart auf dem Wasser, daß er aussah wie ein sitzender Elefant, der sich auf seine VcnLersüße stützt. Als wir in die Nähe kamen, sahen wir, daß das ganze Ding etwa 4 Fuß aus dem Wasser heraussah. Ich konnte etwa 15 Mann auf der Hülle sehen, von denen einige aus ihren Knien hin- und herrntschten. Andere steckten ihre Köpfe durch die Oeffnungen der Kajüten und klammerten sich mit ihren Armen daran fest. Sie sahen aus, als ob sie vom Nordpol kämen, denn sie trugen Pelzjacketts und Pelzmützen, und alles war recht dick, so wie es für das kalte Wetter nötig ist. Ich rief hinüber ^ Was geht dort vor?" und erhielt zur Antwort:Senden Sie uns ein Boot, und wir werden Ihnen 5 Pfund Sterling geben." Der Mann zog dabei seine Jacke aus und zeigte die Metallknöpse eines Marineoffiziers und Kapitäns des Schiffes. Er sah aus wie unsere Seeoffiziere, ein junger Bursche, vielleicht 30 Jahre, ziemlich schlank mit rotem, sonnverbranntem Gesicht und befehls­haberischen Manieren. Als ein paar Mann der Zeppelinbewtzung englisch sprachen und etwas dazwischen rufen wollten, schloß er ihnen rasch den Mund. Er war ein Gentleman und betrug sich danach, liebenswürdig und höflich, und außerdem sprach er gutes Englisch. Ich hörte, wie im Innern des Zeppelins gehämmert wurde, und nach und nach krochen aridere Köpfe hervor, so daß ungefähr 30 Mann zu sehen waren. Ich dachte eine Weile, nach, 'und dann sagte ich:Nun wohl, wenn es nicht so viele wären, könnte ich Euch mitnehmen, aber Ihr seid zu viel." Ter Offizier richtete sich auf und sagte, daß das kein Grund wäre. Ich dachte wieder nach und antwortete:Aber gesetzten Falls, wir nehvren Euch aus und Ihr werft uns über Bord und brächtet uns dann nach Deutschland. Das wird eine neue Waffentat für Euch sein, aber nicht für uns." Der Offizier sagte:Ich gebe Euch men: heiliges Ehrenwort, daß ich etwas derartiges nicht vor habe." Er sc^vor bei seinem Leben und sagte, daß wir Geld genug haben sollten, wenn wir sie retteten. Ich hatte ram einen anderen Gedanken: sie waren 30 und wir waren 9, sie waren bewaffnet, und wir hatten kaum eine Pistole an Bord, und ich wollte keine Gefahr laufen. Wenn ein anderes Schiff in der Nähe gewesen wäre, das mir hätte helfen können, so hätte ich es gewagt, aber kein Schiff war in Sicht. Außerdem erinnerte ich mich daran, was die Hunnen be­reits getan hatten und was sie wiederum tun könnten. Ich sah, daß auf dem Zeppelin drei Eiserne Kreuze ausgemalt waren, zwei an der Seite und eines unterhalb der hölzernen Spitze, die enrporragte. Ich vermutete, daß diese Kreuze aufgemalt waren als Belohnung für verwegene Taten, und ich hatte nicht die Absicht, mich selbst und meine Mannschaft zum Gegenstand einer vierten verwegenen Tat zu machen.

Ich dampfte also von den: Zeppelin ungefähr um 9,10 Uhr weg. Der Kapitän des Zeppelins sagte noch, sie seien im sinkenden Zustande.Nun schaut her," sagte ich als letztes Wort, ,^Fhr werdet wohl kommen und es mit mir aufnehmen." Dann fuhren wir fort. Einige Leute der deut­

schen Mannschaften schrien erst: Bitte, bitte. Rettet uns! Und dann schüttelten sie ihre Fäuste gegen uns, als sie sahen, daß es zwecklos war. Als ich das Schiff verlassen hatte, sahen wir, daß der Zeppelin ein wenig auf- mrd niedergmg7 Gegen die Essenszeit kam eine heftige Prrse aus Südwesten heran, und es begann leise zu regnen. Um 1 / 2 11 Uhr abends war der Wind sehr steif, und der Regen war so stark, daß ich keines Signalraketen auflassen konnte. Als ich bei Anbruch des Tages rm Hasen anlangte, berichtete ich die Talfachen, und sofort gingen zwei Torpedojäger ab, um das Luftschiff zu suchen. Was seitdem geschehen ist, '.miß ich nicht. Nach meiner Auffassung konnte es die Zeppelinmannschaft, wenn sie nicht zuvor ans dem Wasser gefischt worden war, in jenem W^ter nicht aushalten. Denn selbst unser Trawler, ein seetüchtiges Boot, hatte bei dem schweren See­gänge in der Nacht viel auszuhalten.

Arrdere Personen aus dam Boote des Schissers Martin bestätigen die Erzählung des Schiffers. Auch dre Matrosen Martins wollten die Deutschen nicht anfnehmen, aus Angst, es sei ihr Tod, wenn die Deutschen an Bord kamen. Der Steuermann erzählte noch, daß die Deutschen, als sie sahen, wie der Trawler wegfuhr, niesen:Gott strafe Eng­land!"

Ans Heften.

Anträge in der Zweiten Kammer.

Abg. Reh und Genossen haben in der Zweiten Kamnrer fol­genden Antrag eingebracht: Wir beantragen:

Großh. Regierung wolle bei der Reichsregierung veranlassen, daß die Durchführung der Enteignung der beschlag­nahmten Gegen st än de aus Kupfer, Messing und Nickel solange unterbleibt, bis durch Abnahme der freiwilligen Ablieferungen festgestellt ist, daß überhaupt noch ein Bedarf be­steht, eventuell, daß die Durchführung der Enteignung sich zu­nächst nur auf solche Gegenstände erstreckt, welche wie zum Bei­spiel Lrlxusartikel, Kupferdächer usw. zum Haushaltsgebrauche nicht benötigt werden.

Ter Abg. Reh beantragt ferner: die Gültigkeit der Brotkarten auf das Großherzogtum, mindestens aber für den Bereich einer Provinz auszudehnen.Der bereits von dem Ab­geordneten Henrich> gestellte Antrag ist dem Beschlufse des Er­weiterten Ersten Ausschusses entsprechend am 13. Oktober 1915 von der Zweite,: Kammer einstimmig angenommen worden. Man hat aber bis heute noch nicht wahrg«wnrmen, daß, Großh. Re­gierung diesem Beschlüsse entsprochen hätte. Dies ist umso auf­fallender, als das Mißständige der lokalen Gültigkeit unserer heutigen Brotkarten mehr wie früher empfunden wird und in anderen Bundesstaaten, wie z. B. Baden, Württemberg, Sachsen lind Bayern, die Landesgültigkeit besteht. Ich erhoffe daher von der erneuten Antragsteltung eine Änderung in dem angedeuteten Sinne."

Abg. Ulrich beantragt:

Die Kainmer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuck>en, den Ständen alsbald eine Vorlage, betreffend Aen- derung der zurzeit giltigen Steuergesetzc, zu­gehen zu lassen, durch welche 1. eine Befreiung aller Ein­kommen bis 900 Mk. von jeder direkten Steuer erfolgen würde; 2. bei Einkommen von 5000 Mk. an begin­nend eine stärkere Steigerung der Steuersätze bis zur vollständigen Aufbringung der erforderlichen Steuersumme,: ein- tteten würde; und 3. die Vermögenssteuer bei mehr als 10 000 Mk. Vermögen beginnend eine Steigerung der Steuer­sätze bis zur erforderlichen Gesamthöhe der aufzubringenden Summe erfahren würde.

Die Abgeordneten Lang, Kredel und Mergell Hab«: folgenden dringlichen Antrag gestellt:

Es ist uns bekannt geworden, daß alle Eichenlohrinden-- versteigerungen bis zur Festsetzung von Höchstpreisen auf­gehoben worden sind. Die Großh. Regierung wird ersucht, mit allem Nachdruck dahin wirken zu wollen, daß keine Höchstpreise festgesetzt werden, sondern alle Rinden dem freien Verkauf anheim­gegeben werden.

Abg. Molt Han und v. Brenta uv richten an die Gr. Regierung folgende Anfrage:

Ist die Gr. Regierung in der Lage, darüber Auskunft zu geben, ob die Einführung einer Reichs weinsteuer ernstlich geplant ist? Ist die Großherzogliche Regierung gewillt, gegebenenfalls im Bundesrat ge^en diese, den rheinhessischen! Weinbau schwer bedrohende Maßnahme Stellung zu nehmen?

Aus dem Reiche.

Eine amtliche Erhebung über die Fleischkonservenfabrikatron.

Berlin, 5. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Von der Reichshrüfungs stelle für Lebensmittel- p reise ist am 31. Januar 1916 eine Erhebung über die Verarbeitung von Rindern und Schweinen in der Fleisch- konser ve n fa brikiativ n vorgenommen worden. Die Erhebung soll sich auf «alle Betriebe in Deutschland erstrecken, die gewerbsmäßig Fleischkonserven Herstellen. Die Reichs­prüfungsstelle fordert in einer öffentlichen BeVemntmachung! die Inhaber von Betrieben dieser Art, denen eine besondere Ausforderung zur Ausfüllung' der Erhebungsbogen bisher nicht zugogangen ist, auf, sich schriftlich bei der Reichs- prüsungs stelle für Lebensmittelpreise, Berlin W 8, Wiche lin­st raße 70 b, zu melden, damit ihnen die erforderlichen Er­heb ungsbogen nachträglich zur Ausfüllung übersandt wer> den können.

Der Beirat für Dolksernährung.

Berlin, 5. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) In der lM- tigen Sitzung des Beirates für Bolkser nährungj wurde die Sicherstellung von Saatgut erörtert und so­dann die P r e i s r e g e l u n g für Schlachtschweine und Schweinefleisch besprochen.

*

Berlin, 7. Febr. Bei der Eröffnung der Ausstellung für Ersatzglieder (Fürsorge für Kriegsbeschädigte) betonte Staatssekretär Delbrück eindringlich die Pflicht,der Behörden, über die Leistungen der Reichsinvalidenfürsorge hinaus alles an Fürsorge zu tun, was dazu dienen könne, den Kriegsbeschä­digten das Dasein zu erleichtern und ihnen das Be- t-ußtsein zu geben, daß sie auch! weiterhin nützliche Mitglieder der menschlichen Gesellschaft bleiben sollten.

Landwirtschaft.

Die Landesverteilungsftelle für Futtermittel

in Darmstadt gibt bekannt, daß für zuckerhaltige Futtermittel aller Art vom Reichskanzler unterm 19. Januar neue Preise festgesetzt wurden, die bis 20. März Geltung haben. Die Preis­liste wird dieser Tage sänttlichen örtlichen Verteilungsstellen zn- gesteltt. Bestellungen sind bis längstens 15. Februar ein­zureichen. Namentlich das Z u ck e r s u t t e r (Rohzucker vergällt) und die T r 0 ck e n s ch n i tz e l sind sehr begehrte Artikel, die leider nur in geringen Mengen zur Verfügung stehen.

Mit Rücksicht darauf, daß durch die neueste Bmidesrats- verordnung die Verbrau chsr eg elung für Hafer eingestellt wurde und sornit städtische Pferdebesitzer, die keinen Hafer gepflanzt haben, bis auf weiteres voraussichtlich auch keinen Hafer zu­gewiesen ^erhallen, wird für diese Tierhalter der Bezug von Roh­zucker vergällt mit ausländischer Kleie (das Mischverhältnis ist 60 Klgr. Rohzucker und 40 Klgr. Kleie) empfohlen. Bestellungen müssen unverzüglich durch die örtlichen Vertellungsstellen ein­gereicht werden.

Auf Torf st reu, beschlagnahmte inläiünsche Ware, können zu den vom Reichskanzler festgesetzten Preisen ebenfalls noch Be­stellungen entgegengenommen werden. Die verfügbaren Bestände sind auch in diesem Artikel nicht groß.

Ferner sind vom Auslande eingegangen: Gerste, Reissutter- Mehl, Johannisbrot und Hirse. Sämtliche Anftagen und Bestel­lungen sind durch die örtlichen Verteilungsftellen an die Zentral­genossenschaft der Hess, landw. Konsumvereine in Darmstadt zu richten.

was die deutschen Stadtwappen erzählen.

Deutsche Vergangenheit als Lehre für die deutsche Zukunft nutzbar zu machen: das ist das Ziel des schönen Buches von Prof. Heinrich BrvckhaUs überDeutsche ftädtischeKunst und ihr Sinn", das soeben bei F. A. Brockhaus in Leipzig erscheint. An ausgewählten klassischen Beispielen alter deutscher Stadtkunst macht der bekannte Kunsthistoriker llar, welches der innere Sinn städtischer Kmfftpftege in alter Zeft gewesen ist: die Städte stellen die Kimft in ihren Dienst, um der Stadt, dem Staate, die höchste Achtung zu sichern Und die Arbeit für das Ge­meinwohl zu fördern. Kunstpflege war zugleich Pflege der nötigen starken Achtung vor dem Staate und Pflege der nötigen guten Zusammenarbeit im Staate. Diese tiefe Verwurzetmrg der Kunst im Stadt- und Staatsleben fft es, die ihr die mrver- siegliche Lebenskraft gegeben hat. In der alten Stadtkunst ist alles lebendig, und mft besonderer Feinheit hat Brockhaus nach­gewiesen, wie dieser allgemein große Strom des städtisch-staat­lichen Lebens selbst jene Symbole erfüllt, die wir uns längst ge­wöhnt haben, als rein formale .Hieroglyphen crpzusehen; die Stadt- waptz m. Jedes unsereralten Stadt Wappen spricht: das | 't sein Zweck. Sie wurzeln in unserer heimischen Erde. Von erst«! Wichtigkeit für eine Stadt ist ihre Ansiedlung ans einem bestimmten Grundstücke, aus dem dann der ganze Bürgerstamm sein Recht als Herr ausüben kann. Wir sprechen bei jedem Grundstücke vonGrund und Boden". Dabei istGrund" die tiefreichende Erde,Boden" die tragende Oberfläche. Grund, Bauteil und Pflanzenwuchs sind das merkwürdige alte Wahr­zeichen von Augsburg: als Grund erscheint unten die Erde, daber ein Kapital- darauf Pflanzenwuchs. Erdboden und Baum zeigt das alte Wappen von Lindau; der Boden ist grüner hügeliger Rasen, darauf wächst eine Linde. Das Wappeir von Dinkelsbühl sind Erdbod«: Und Aehven: die Aiehven sind der Dinkel, der Erd­bodenhügel ist der Bühel. Eine große Reihe von Wappen zeigen einen der drei Bestandteile vonGrund und Boden", je nachdem man ihn betonen wollte, entweder den Bau oder den Pflanzen­wuchs oder den Erdboden. So führen ja namentlich viele Städte den Stadt bau, die Burg, nach, der sie heißen, in ihrem Wappen: .Hamburg, Weißenburg nn Elsaß und nt Bayern, Rothenburg usw. Erde, zur Deutlichkeit mit einer Pflugschar belegt, i,t das Wappen des alten Städtchens Erding nordöstlich von München. Buchl- born, das jetzige Friedrichshasen, zeigt im Mappen eine Buche, Hagenau eine Rose vom Rosenhag usw. .

Die meisten Wappen der Reichsstädte sind weiß-rot. Dave: ist die rote Farbe von besonderer Bedeutung Rot war die kaiser­liche Belehnungssahne. So lang das Römische Reich bestand, war die rote Fahne so gut bekannt, wie heute die schwarz-weiß-rote. Rot ist die vorherrschende Farbe in den Wappen der Freien und Reichsstädte, auch unserer dre: treten Hansastädte. Tie Städte mit roren Wappen zeigten, und sie hatten allen Grund, größten Wert darauf zu legen: sie gehört«: zum Neichsheer. Viele Fahnen zusammen legen Zeugnis ab von besonderer Macht: «:t- weder viele Bürden oder viele Länder «K»cr viele .Heeresabteitungen WGnleftr). So stecken auf dem Hamburger Staatswappen sechs

rot-weiße Fahnen; vier rot-weiße Fahnen vereint bilden die Bremer .Handelsflagge, aber sieben, fast noch einmal so viel, die Brem«: Staatsflagge. Das Sächsische Wappen zeigte, ftüher noch ohne den Rautenkranz, fünfmal wiederholte ,Fahnen streffen; Lachsen besaß noch, abgesehen von seiner Kurwürde, fünf verschiedene Reicks würden: Herzogtum, Pfalz, Landgrafenschaft, Mark und Grafschaft: bei der Belehnung (1414) wurden dementsprechend fünf Banner mitgebrvcht. Der hinzugesüqte Rautenkranz wertvoller Pflanzen Und Steine brachte offenbar das Recht am gesamten Bodenertrag, am Pflanzenwuchs und am Gestern znm Ausdruck, um es nicht den m:tevgebenen GemenÄen und Grundbesitzern zu überlassen.

Die von schweren Mmpfen kommende WlsfransaNg der ^Fahnen kehrt in manch«: Wappen wieder als Zickzacklinie. Sie ist ent­sprechend hochzuschätzen. Die Fah::e wird verschied«: gehalten, mft der Lanze, an der sie fest ist: wagerecht, senkrecht, schräg. Wagerechte Haltung entspricht der Verwendung im Kriege, dem BefehleLatrzen gefällflh Bier Fahnen miteinander vorstürmend, also übereinander gesehen, erg-cken das Ungarische, fünf das Sächsische Wappen. Die Fahne senkrecht gehalten, Kommando Lanzen hoch" oderFaßt Lanzen an" entspricht der friedlichen VerwenÄutn;; ausrecht stehen die Fahnen neben dem thronend«: Könige, neben dem Fürsten. EMich, die Fahne schräg gehalten, Kom mandoLanzen auf die Lendend ist schnell in die Kriegs- und schnell in die Friedensliga zu bring«:, stets Zu beidem bereit. Bon Wappen reichsUnmftte!barer Städte, die selbst über Krieg und Frieden M entscheiden hatten, zeigen das kriegerisch wagerechte Fahnenfeld Gelnhausen, Lübeck, .Hamburg, Ulm 1 ; das friedlich senk­rechte Fahnen selb Attgsburg: das schräge Fahnenseld, sofort bereit zu Krieg und Frieden, StraßbUrg, Mirnberg, Regensburg. Bei­spiele von Wappen friedlicher Landstädte, die keine Kriegsent­scheidung zu treffen hatten und daher das friedlich senkrechte Fahn«:feld zeigen, bieten Leipzig und Dresden.

Schließttch sprechen die deutschen Stadtwappen auch von ihren Hoheftsrochten. Von jeher herrscht bei uns in der Stadt könig­leches Recht, jede Stadt ist eure Burg uud zwar eine Burg des Königs. Als Zeichen der königlichen Astwesenheit, der wirllichen oder geistigen, kommen Kreuz und Handschuh, Schwert und Fahne des Königs in den deutsch«: Stadtwappen zirr Anwendung, wie z. B. auf Vtünzen von Metz und Köln. Der ÄMer, das alte Zeichen des Kaisers, war früher in Städtewapp«: eine seltene Auszeichnmig. Ms halber Lldler bedeutet er einen Anteil an der AdlersgewÄt des Reiches; erst im 15. Jahrhundert unter Kaiser Frieds III. trat«: viele Reichsstädte mit dem dldlertvappen her­vor. Auch die Lilien treten als kaiserliches Llibzeichen im Wappen .auf; sie bezeichnen nach karolingisti-er Auffaffamg auf Grund des salo7NoniNlen Hohenliedes viele gute Eigenschaft«:; Göttftchkeit, Wahrheft, BvMommenheit. Der Schlüssel ist das Zeichen eigener Verwaltung und darum führ«: ihn im Wappen Bresnen und Wimpfen, Wvrms und Soest: zw« Schlüssel Regensburg und Weilderstadt. Alle drei jeder Stadi am Herzen liegenden Haupt­sachen: Grundeigentun:, nftlftirrischen Schutz und Hoheitsrecht zei­gen vereint die Wappen der westfälisch«: Städte Unna und Her- sord; daB EtgeMum an Grund Md Boden durch die Bauten

klargestellt, der Heeresschntz durch die Fahnen, das Königsreckzt durch die Kreuze; dazu kommt in Herford noch der Schlüssel eig«:er Verwaltung. Es sn:d Wappen von hoher Vollkommen­heit. Alles in allem: das deutsche Stadtwapp«: sprichst; es ist der Niederschlag ehrwürdigen geschichtlichen Lebens und lebendig noch heute für den, der es zu lesen versteht.

Die Darmstädter Hofoper in Brüssel. Aus Brüssel wird uns geschrieben: Die Darmstädter Ho so per, die sich bekanntlich der Aufgabe unterzogen hatte, im besetzten Belgien einige Opernaufführungen zu veranstalten, hat nunmehr ihr erfolgreiches Gesamtgastspiel beendet. Das Gasffpiel erstreckte sich auf vier Abende und zeigte das Cmsemble auf einer ansehn!ich>enj künstlerischen Höhe. Nur Beethoven und Wagner beherrschten das Programm; der erstere mit seinemFidelio". Wagner Mit denM e i st e r s i n g e r n" und demFliegendei: Hollän­der". Diese drei Aufführungen wurden ergänzt durch ein Konzert der Hofmusik, das eine ganz vortreffliche Äufführung des D-Dur- Konzerts für Violine mit dem Hoskonzertmeister Adolf Schie- ring als Solist brachte, und außerdem eine befciedig«:de Auf­führung derEroica". Aus der Reihe der Mnstler seien vor allen Dingen hervorgehoben: Joses Mar::: (Floreskan und Erik), Robert Perkins (Hans Sachs und Holländer), Berta Schel- per (Fidelio und Senta), Gertrud Geyersbach (Eva), Leo Schützendorf (ein ganz eigenarttger Beckmesser mit einer fast naturalisttschen Charakteristik, die leider im letzten Akte d«'Meifler- singcr" ins Groteske umschlug und dadurch den guten Esfetc ettvas beeinträchtigte). Die musikalische Leitung lag in d«: Händen des Hosrats Paul O t t e n h e i m e r , der sich als geschickter Kapell­meister erwies. Me Darmstädter Ho so per h,t nti! diesem Gastsriel eine große Leistung vollbracht: denn sie bestritt dieselbe Misschließ- lich mit ihren eigenen Kräften imd absolvierte sie in vier aufein­anderfolgenden Abenden. Der Generalgouvmneur wohnte der letz­ten Ausführung, den:Fliegenden Holländer", bei uitb sprach den Künstlern durch ihre Leiter seinen besonderen Dank aus. Das Pu­blikum setzte sich in der Hauptsache aus dam Offizieri»rps und den Beamten des Generalgouvern«nents zusammen, wurde aber stark ergänzt durch die Deutsche Kolonie und auch durch etliche Belgier, die es sich nicht nehmen lassen wollt«:, nach so lan§er Heit des Hungernd" wieder einmal gute deutsche Musik zu hären. B«on- derer Da« gebiährt auch Herrn Dr. Hetzer, dem B-richaMen dc^s belgischen Flüchtlingskomftees in Berlin, der das Gastspiel nach mancherlei Hindernissen, die sich ihn: in den Weg stlMen, glücklich zustande gebracht hat. Me Abende werden noch lange m dm Er­innerung fortleben, da sie an historischer Statte, :n dem Dyealre tt la Mounaie, der seft zwer Jahren geschloßenen Hofoper, statt­fanden.

Berlin. 5. Febr. sPriv -TM, ®a§ JBetl. TaE" be­richtet aus Berlin: Professor Frch Kl inr sch Mt den Austraa er- halten, für den Kaisersaal des Karsm-Wilhelm-Mummvs tu Elberfeld eine Büste Hindenburgs zu sck>affen. Der Feldmarschatt hat dem Künstler bereits einige Sitzungen, fe* willigt.