Ausgabe 
2.2.1916 Zweites Blatt
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Ar. 27 ZWeites Blatt

Erscheml iSzUch mit Ausnahme des Sonntags.

DieLietzeirer KamMenblStter" werden dem ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Krebtlott skr den Kreis Gichen" zweimal wöchentlich. DieLanöWirtschastlfthen Seit- sragete^ erscheinen monatlich zigmal.

P 6 . Jahrgang

General-Anzeiger für Gberhe

Mittwoch, 2 . Zebruar jyj 6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schristleittrng, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul» straße?. Geschäftsstelle u.Verlagi^^öl,Schrift» leitung: ^^112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die HauchaltungZberatimg im hessischen Zinanzamschuß.

rb. Darm stadt, 1. Febr.

Der Finanzamtsschmß der Zweiten .tamer hat am Drenstag vormittag im Ständehans mit der Beratung des Staatsvoranschlags für 1916 begonnen. Es fand zunächst erue allgenrerne Besprechung über die gesamte FKurnzlage des Landes und den aus dieser sich ergebenden Voranschlag statt. Davor wurde bereits auf die dringende Notwendigkeit hrngewnesen, den neuen Voranschlag einer sehr eingehenden Vrnfung KN unterziehen und alles dasjerrige, !vas in dieser sast^even Krtegszeit nicht absolut notwendig sei, zurückzu- It ellLN , dmnrt es gelingt, den nach dem Voranschlag vorhan- deiven Fehlbetrag so weit wie möglich herabzudrucken und darnach insbesondere die neu an geforderte Steuererhöhung nach Möglichkeit zu beschränken. Die Aussprache erstreckte sich zunächst über das ganze Budget im allgemeinen, ohne rrgendwelche Verbindlichkeit, nachdem der Ansschußpräsi- Dr. Osanu, einen Ueberblick über die Haupt­anforderungen des Voranschlags gegeben und die Frage der Notwendigkeit eirrer Steuererhvhung in dem von der Großh. Negierung vorgeschlagenen Umsang erörtert' hatte All- genrern war, im Ausschuß die AUffassmrg, daß es sich nicht altern mn enre Stenererhöhung irn Staat, sondern auch um erne solche rn den Gemeinden handle, und daß daher um so mehr eine gewisse Zurückhaltung ans dem staatlichen Stener- gebret notwendig sei. Daher müßten auch die einzelnen Haushaltsposten einer genauen Prüfung auf ihre Notwen­digkeit unterzogen werden. Erst wenn dies geschehen und das Ergebnis sestgestellt sei, werde sich ermessen lassen, wie hoch eigentlich eine Stenererhöhung erforderlich sein werde. Da­bei wurde weiter auch -eingehend die Frage erwogen, ob nicht an der Hand der jetzigen gesetzlichen Bestimmungen die Möglichkeit vorhanden sei, die drei untersten Steuerklassen überhaucht von einer Erhöhung frei zu lassen. Der Ausschuß setzt, am Mittwoch seine Hausha.lLsbera.tnng fort und ztvar zunächst ohne Heranziehung der Regierung.

Der Aög. Ulrich brachte im Finanzausschuß den An­trag ein: Me Kammer wolle beschließen, die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, den Ständen alsbald eine Vorlage betreffend Abänderung der zurzeit gültigen Steuergesetze .Ulgehen zu lassen, durch welche 1 . eine Befreiung aller Einkommen bis zu 900 Mark von der direkten Steirer erfolgen würde, 2. bei Einkommen von 5000 Mark an begin­nend, eine stärkere Steigerung der Steuersätze bis zur voll­ständigen Aufbringung der erforderlichen Stenersnmmen eintreten würde und 3. die Vermögenssteuer, bei mehr als 10 000 Mark Vermögen beginnend, eine Steigerung der Steuersätze bis zur erforderlichen Gesamthöhe der ans- Kubringenden Summe erfahren würde.

Die Zuschläge der Gemeinden und der Kirche zu den erhöhten Stautssteuern.

Als im Jahre 1910 die Einkommensteuer um 15 Pro­zent erhöht wurde, waren Regierung und Stände darüber einig, daß die von den Gemeinden und Kirchen zu erheben­den Zuschläge nicht von den gesteigerten Steuersätzen gebildet werden sollten. Diese Maßnahme hat sich als durchaus an

gebracht erwiesen, so daß auch setzt wieder, wo wir vor einer werteren Erhöhung der Staatssteuern stehen, ausdrücklich auf wne frühere Auffassung zurückgegriffen werden sollte. Würde man bte Gemeinden und Städte an den Erhöhungen, die ihren Grund im Staats bedarf finden, teilnehmen lassen, w käme damit ein Moment der Spekulation in den Voran- r!*?® be £. äu Zuschlägen berechtigten Verbände, das eine vor­sichtige Finanzgebarung nicht gerade begünstigen würde. Denn daß bei erhöhtem Staatsbedarf auch notwendig ein erhöhter Gemeindebedarf vorhanden ist, ist keineswegs sicher, oazn^sind die Einnahmequellen und die Ausgabebedürfnis-e im ^taat und in den Kommunen doch zu verschieden. Wür­den -aber den Komniunen plötzlich Mittel, ans die sie nicht rechneten und nicht rechiren konnten, zur Verfügung stehen, so wurde sicher nur in einer sehr geringen Zähl von Ge- memden eine Steuerherabsetzung eintreten, vielmehr wür­den alte Verwaltungen von der Ansicht durchdrungen sein, daß eine Rerhe bisher znrückgestellter Ausgaben nun in Angriff genommen werden müßten, oder man würde, wie dres bekanntlich in der evangelischen Kirche im Pfründen- verbesserungssonds schon -geschieht, eine Aufspeicherung vor­nehmen. Beides ist gleich unerwünscht. Es kommt dazu daß der Staat altes Interesse daran hat, daß, die ihm zur Verfügung stehenden Einnahmequellen nicht zu sehr in Anspruch genommerl werden und von zu viel Seiten daraus geschöpft wird.

Es mag übrigens im Anschluß hieran bemerkt sein, daß ja der Krrche auch eventl. noch anderweit Wege zur Verfü­gung stehen, sich im Bedarfsfälle Mittel zu verschaffen z.B. durch die Heranziehung der juristischen Personen zur Kirchensteuer, eine Frage, die s. Zt. bei einem Antrag in der Ersten Kammer eingehend behandelt worden ist. Auch in einem neuen Zürcher Kirchensteuergesetz ist die Frage der Heranziehung der juristischen Personen zur Kirchen­steuer in außerordentlich glücklicher Weise gelöst lvorden

höhte Beihilfen aus Reichsmitteln den Gemeinden und Gemeinde- Verbänden auch zugunsten der Erwerbslosen-Unterstützung für die von der neuen Beschlagnahme betroffenen Angestellten und Ar­beiter zugänglich gemacht werden.

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Berlin, 1. Febr. (WTB. Nichtamtlich) Ter T e n t s ch - ö st e r r e i ch is che Wirt s ch a f t s v e r b a n b veranstaltete heute abend in der Singakademie zum besten des Zentralkomitees der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz (Abteilung Bäder imd An­staltsfürsorge) und der österreichischen Kricgsfürsorge einen Wohl­tat i g k e i t s a b e n d , in dessen Mittelpunkt ein Lichtbildervor­trag des österreichischen Reichsratsabgeordneten Ritter von P a n tz über den Krieg Oesterreich-Ungarns an der italienischen Grenze stand. Der Abend wurde von Hugo von Hofmannsthal mit einer Ansprache eingeleitet, welche die einzelnen Phasen des Weltkrieges beleuchtete.

Kircfoc itnd Schnle.

Stuttgart, 1. Febr. (Priv.-Tel.) Wie derSchwäbische Merkur" berichtet, ist auch in Württemberg ein Kriegs ge­denk buch der höheren SchutenDer Weltkrieg und die höheren Schulen Württembergs" in Vorbereitung, das als gemein­same Pvogrammbeilage der höheren Schulen für das Jahr 1916 nach dem Kriege erscheinen soll und in verschiedenen Abschnitten! die Beziehungen der höheren Schulen, der Lehrer wie der Schüler zum Kriege darlegen wird.

Wilhelm Lteinhausen.

Zu seinem 70. Geburtstage, 2. Februar.

sein Freund Thoma,. so hat Mich Wilhelm Steiuhausen des Lebens Mitte überschreiten müssen, ehe er für sein Schassen m werteren Kreisen Verständnis und Anerkennung fand. Lange aber hat er auch mit sich selbst schwer ringen müssen, bis £ Ä en Kerne seines Wesens und seiner künstlerischen! Uerünlrchkcrt durchdrang und aus dem Dämmerlichte des unsicheren Kuchens, Tapens und ?lhnens in den Sonnenschein fröhlichen, Schasserrs eintvat. Wühelm Steinhaufen wurde als der Sohn eines prenßischen Regimentsarztes zu Soran in der Nied-er- lausttz geboren, siedelte jedoch schon in frühen Ktvabenjahren mit teruen Eltern nach Berlin über. Es ist eine wunderliche gt mg, datz gerade dieser tief nach innen gekehrte, Mrs den innigsten Ver­kehr mrt der Natur angewiesene Künstler seine Jugend in der großen Stadt verleben sollte, die damals freilich noch in engerer Fühlung mrt der Natur stand als heute, die aber die zarte Seele des Knaben und Jünglings -doch immer befremdete und abstieß. Nicht ahne Bedenken erhielt Steinhaufen voll seiner Familie die Erlaubnis zur Ernschlaguug der Künstlerlausbahn und studierte wur an den Akademien zn Berlin und zu Karlsruhe, ohne daß ihm leooch recht klar wurde, lvas er selbst wollte und njollen sollte. izm Paar Brbellesez-eichen und Illustrationen zur heiligen Ge- Wayte die er für eenen Berliner Verlag machte, waren die ersten Bekundimgen seiner selbständigen Begabung: sie wiesen auf die Anregimg Ludwig Richters hin, dessen Bilder ihn in seinein El­ternhause entzückt hatten. Diese Arbeiten trugen ihm das Stipen­dium zn einer Rerse nach Italien ein, wo er eine glückliche Zeit verlebte. Aber immer nody stand er im Banne des akademischen Zwanges und quälte sich mit Archftektursttrdien ab, während ihn lern innerer Mang zur freien Aufnahme und Wiedergabe der schönen Gottesnatur zog. Zuweilen entschlüpfte er dem Bann und malte Landschaftsstudien, die ihn selbst beglückten und die ihren Wert mrd ihre Frische noch heute nicht verloren haben. München bildete nach seiner Heimkunft aus Italien die nächste Station fernes Küriftlerwallens. Dort schlossen sich die BezielMngen zu Thoma, den er bereits rn Karlsruhe kennen gelernt hatte, zu enger Lebensfveunhschaft: zusammen, und während der Verkehr mit Thoma ihn künstlerisch vielfach förderte, empfing er im Um­gänge mit Männern, wie Martin Greif, Baversdorfer und du Prel reiche geistige Anregimg. Aber festen Fuß hat Steinhaufen m München doch nicht gefaßt. Nach einem weiteren Berliner Aufenthalt führte ihn die Bekanntschaft mit dem Architekten Raven­stein 1875 nach Frankfurt a. M'.; dort traf er Freund Thoma wieder, und so wurde die Mainstadt ihm zur zweiten Heimat, der er seitdem treu gebliebeir ist. Den Wmrdepunkt seiner künstlerischen Entnncklung bildet sein eutschlosseirer Uebergang zur Landschafts­malerei. Seine Landschaften haben ein so persönliches Gepräge, datz fte auf den ersten Blick zu erkennen sind-. Es sind weiche, über- öl 5f fett* Bilder, in denen, man darf ivohl sagen: rin geradezu religiöses Gefühl lebt; eine innige Verehrung der großen Mutter Erde, ihrer Wunder und Schönheiten. Sommerglück und Sommer- segeii, gedämpfte Stimmimgen des Morgens und des Abends, alles rn eiveir leichten Schleier von Wehmut gehüllt: das sind^Lieblings- motive Stemhausens. In Frankfurt ist er auch zur Ausführung der Plane gekommen, die seine Jilgendjahre erfüllt hatten: zur Wandnaiterel großen Stiles. In Wernigerode, in Obcr-St. Veit bei Wien, ^i Kaiser-Friedrich-Gymnasiuin und der Lukaskirche in Frankfurt a. M. bat er umsängliche Wandgeuiälde ausgeführt, die größtenteils religröse Motive behandeln. Viele dieser Bilder sind durch Stemhausens sck>öne Steinzeichnungen weit bekannt gewordeii.

Aus dem Reiche.

Zur Beschlaguahme von Tertilftoffcn.

Berlin, 1. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) DieNord­deutsche Llllgeineine Zeitung" schreibt zu der Beschlagnahme von Textil stoffen: Unsere Vorräte an Rohstoffen für das Texttlgewerbe und die Konsektionsilidustrie reichen für die Be­dürfnisse des Heer:es und der Zivilbevölkerung noch aus Jahre hinaus. Wenn jetzt eine weitgreisende Beschlagnahme vorgenom­men wird, soll dadurch die Sicherheit dafür gewonnen werden, daß unter allen Um-ständen, auch wenn der Krieg nach dem Willen unserer Feinde noch jahrelang dauern sollte, durch eure weise Bewirtschaftung der vorhandenen Vorräte deren Be­arbeitung und Verbrauch richtig eingeieilt wird. Jmmerhi.i greift dre am 1. Februar verfügte Beschlagnahme und Bestandserhebung von W e b - . W i r k - und Strrckwaren nicht unwesentlich das wirtschaftliche Leben eiil. Insbesondere toird die Kon- sekttonsinduftrie getroffen und'.men irtit der Zeit vornehmlich m größeren Städten, wo sich in Massen Konfektionsbetriebe be- stiwen, Kvnfekttonsarbester in größerer Zahl beschästigimgsloZ werden Soweck diesen Arbeitern eine anderweittge Arbeits- Mlegenheit nicht beschafft werden kann, muß eine gemeindliche Erwerbslosen-Unterstützung eintreten. Es werden von der Reichs- 5 ^brung Mahllahmen eingeleitet, wie einer eintretenden Arbeits- tostgrkit und ihren Folgen begegnet werden kann. Insbesondere ^Eenftir die Angestellten und Arbeiter der Dertilindustrie er-

Me seine Werke kennzeichnet eine große inmwe Stille. Er hat keme dramattsche Ader, er ist ganz Lyriker. Was er auch behandellt. immer weht aus seinen Schöpfungen der Geist eines unendlich gütigen, verstehenden Menscl-entumes. Steinhaufen ist die Kunst 6-anz persönliche Spraclfe, die er mit seiiien Mitmenschen redet.

Mitteilung äußert sich auch in seinen schönen

LlnzVersitäts-NirchvIchten.

^ Frankfurt a. M., 2. Febr. Ten Privatdozent der Wiener Universität, Tr. jirr. Franz Z i z e k, wurde znm ordentlichen Pro­fessor all der Universität Frankfurt ernannt. Ihm wurde der neuerrichtete^ L e h r st u h l 's ü r S t a t i st i k übertragen. Professor Zizek steht im 40. Lebensjahre, er ist Oesterreicher von Geburt lind studierte in Graz, Paris,' London und Wien. Seit siebenj Jahren wirkt der Gelehrte als Privatdozent in Wien. Fachkreisen ist er durch eine Anzahl nationalölönomischer und statistischer beiten als tüchtiger Gelehrter bekannt.

Mekoroloaische Veotachtungeir der Station Eichen.

Febr.

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2. 7 25

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4,5

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10

Höchste Temperatur am 31. Jan. bis 1. Febr. 1916 -ft 2,1 ° C. Niedrigste * 31. . 1. . 1916 = + 2,1 0 C.

Selbstbekenntnissen in Prosa inte Versen, die er unter dem Titel ^Aus memem Leben" vor wenigen Jahren im Verlage voll Martin Warneck m Berlin veröffentlicht fort. Viel Gemeinsames zeigt Sternhaufens Kunst mit der seines Freundes Thoma, aber Stein­haufen rst der Weichere, Mildere, Schüchternere der Beiden.

*

Aus Tolstc>§; Tagebüchern.

Als Tolstoi am 20. November 1910 starb, verwachte er seinen ganzen literarischen Nachlaß seiner Tochter und alleinigen Testa­mentsvoll ttreckerin, der Gräsin Mexandra Tolstoi. Es entspann sich jedoch um den Nachlaß ein Rechtsstreit, der irrcht weniger als vier Jahre dauerte, und erst im März 1915 gab der russische Senat endgültig das Urteil ab, das über das Eigentumsrecht an der Hrnterlassenschüft des Mchters einschließlich seiner noch unver­öffentlichten Manuskripte entschied. Diese Vianuslripte schließen vor allen Dingen Dvkstvis Tagebücher in sich, und es ist von ihnen nunrnehr der erste Band soeben in Moskau ver­öffentlicht worden. Er enchält die Tagebücher aus den Jahren 1895 bis 1899, die Tolstois bekannter Schüler und Mitarbeiter Tschertk-mv herausgegaben hat. Die Tagebücher bestehen aus ein­zelnen, unter sich nicht zusammenhängenden Auszeichnrrngen über die allerverschr-edensten Gegenstände^ sie werfen auf Tolstois Per- sönkichkeit urrd Gedankockoelt mannigfache neue Lichter und sind vielfach von hohem Interesse. So heißt es in einer dieser Aufzeich- rrnngen:Unsere Welt wird regiert durch Gewalt das heißt: durch Haß. Daher ist die Mehrfont derer, die die Gesellschaft bildeir, ihre abhängig^i, scfovachen Mitglieder die Frarcen, die Kinder imd. die Unintelligeirten von Bosheit erfüllt mrd schließt sich den Reihen des Hasses an. Würde aber die Welt von Vernunft und Liebe regiert, dann würde auch diese Mehrheit von Liebe er­füllt werden und sich üjmi Reihen an schließen. Zu dieseni Zwecke müssen Verinrnft imd Liebe beharrlich chrc Exsitenz bestättgen."

Es ist nicht das religiöse Gebiet allein, das in ^^ 1 ^stois Tage- büchern besprochen wird. Im Februar 1896 machte er auch einmal eine Bemerkung über den Wert der Ueberlieferung in der Kunst. Er sagte:In nichts ist Konservativismus so schädlich wie in der Knust. Kunst ist eine der Kundgebungen des menschlichen Geisteslebens. Sv wie, wenn ein Tier lebt, es aurh attnet und die Elemente des Atems von sich gibt, so bekimd-et auch die Menschheit, solange sie lebt, Tätigkeit in der Kunst. Mtthin muß die Kunst in' jedem gegebenen Augenblicke zaitgenöffisch, sie muß die Kunst unserer eigenen Zeit sein. Man nruß wissen, wo diese zu sinden ist (in den Dekadenten der Musik und Dichtung ist sie nicht zn -sinden», aber man darf sie nicht in der Vergangenheft, inan muß -sie in der Gegenwart suchen. Leute, die für Kunstkenner zn gelten wünschen und -aus diesem Grunde nur die klassische Kunst der-Vergampmheit rühmeir und die von heut verungllmpfen, beweisen hierd:rrch nur, daß sic überhari-pt kein Kunstgesühl besitzen." Den Abschllch dieser kurzen Auszüge möge ein Urteil Tolstois über die Frau machen, das allerdings an schneidender Schärfe kaum noch zu über­bieten ist. Es muß ein MgeirbKck größter Bitterkeit gewesen -sein als er diese Worte schrieb:Das Weib qpie amt) alte Legenden sagen ist ein Werkz^uyl des DeuseU Im rtllgeuternev -ist >es dumm wenn es aber für den Teufel tvirkt, dann leiht -er chm siir dicsio Zeft seiiwn eigenen Geist. Beobackste sic! Sie tut dann Wmider von

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Abscheulichikeit zu vollenden: aber ivenn keine Wscheulichkeft in Frage steht, dann kann sie das einfachste Ding nicht verstehen, kann Ire nicht über Pen gegernvärtigen Augenblick hinweg sehen und hat weder Ausdauer rroch Geduld (ausgenommen in der Psiege dev Krnder)."

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Gefchicklrchkeit, Voraussicht und Bcharrlichk-ft, um irgend ivelck-e

Eine deutsche Märchenoper. Ans Brauil- 1 ch Werg wird uns geschrieben: Aus der Versenkung der nruiik- lrterarischeu Bergeifenhert emporgehoben hat die Braunschwei- grsche Hofbühne des Braunschweiger Komponisten Hans So m m e x Märchenoper:DieLorele i". Somnier, ursprüng- Irch Profepor der Physik und Mathematik am Collegium Earo- Irnuur zu Braunschweig, der jetzigen technischen Hochschule, hat neben vrelen Liedern und Balladen mehrere Opern geschriebeir Er schöpfte seine Stoffe vornchmlich ans dem Gebiet der deuftcben Sagen- und Märchenwelt, die er in seineur echt deutschen Emvsin- den poetisch verklärt vor uns erstehen läßt. ES ist ein Zeichen ionr ett/ ö - a ^ btc Braunschweiger Hofbühne dieLorelei", die sie l-u aufgefühtt, liatte, bann aber, da die Zeit jolcherr

strllen Märchenopern nrcht günstig war, ivieder fallen ließ in emer Neueinstudierung, die einer zweiten Uraufführung glerchzustellen ist, ja herausgebracht hat. Das Textbuch der Over, das G G u rs kr geschrieben hate entwickelt die aus dem Liede bekannte Lorelersage aus einein Konflikt übersinnlicher und ir- dricher Gewalten, stellt manche symbolisch-psychologisch- Be-iehung her, logt aber ber aller dramatischen Schlagkraft mrd allem lyri- schen Ernichlag dre letzten Forderungen dramatischer Causalität vermissen. ->>re der Romantik zuneigende Musik der Lorelei, die ^ agne J : beeinflußt ist, zeigt dennoch einiges Können und Walten und verfugt über stark dramatische Kunst. Die von Generalmusikdirektor G. Pohlig geleitete Ausführung hatte erneu großen Erfolg; die Hofkapelle leistete Vorzügliches und erreichte mit den dramatischen Vorgängen aus der Bühne int Frnalc des zwelteil Aktes ihren Höhepunkt. In der Darstellung der Lorelei zeichnete sich besonders Alb ine Nagel gesanglich wie darstellerisch aus. Dem echt deuftchen Werke, das imseren setzrgm Empfindungen und Gefühlen sehr entgegenkoinmt, sollte der Weg über dre ä-eutschen Opernbühnen geöffnet iverden.

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o er K unfte z u Berlin. Die iit der Festrede bei der Kai>er- geburtstagsfeier der Akadeinie der Künste angekündigte Kriegs- bilderansstellung wird berefts in der ersten Hälfte des Monats Februar eröffnet werden. Sie wird von der Akademie aus An­regung und mit Unterstützung des Stellvertretenden General­stabs der Armee veranstaltet und soll einen Ueberblick über das geben, was unsere Maler bisher in der Darstellung des Krieges geleistet haben. Die Ausstellung wird so umfangreich sein, daß sie alle Ausstellungsräume der Akadeinie am Pariser Platz füllt. Alle vom Generalstab zu den Armeeri im Osten und im Besten entsandten Kriegsmaler sind zur Beschickung dieser Ausstellung eingeladen worden, danefom aber auch eine große Zahl solcher Künstler, die selbst unter den Fahnen stehen und nebenlrei Ge- ' legenheit fanden, ihre Kunst auszuüben. Die Ausstellung ver­spricht nach den in überaus großer Zahl ein gesandten Arbeiteir sehr interessant mrd vielseittg zu werdeir. An ausgeführten Ge­mälden werden hauptsächlich Porträts unserer Heer-- führ er gezeigt werden: im übrigen wird die Ausstellung forupd- sächlich aus Aquarellen, Zeichnungen und Skizzen beftefyeit. Ein­zelne Künstler werden mit größeren Kollektionen vertreten leim Die Vorbereitungen für die Veranstaltung liegen dein Aus^ stellungsausschuß der Akademie ob, dem ein Vertreter des Stelle vertretenden Geueralstabs beigetrcten ist.