Nr. 45
Der «lehtner Anzeiger
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Erster Blatt
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M. Jahrgang
Mittwoch, 23. Zebruar Mö
ener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderheffen
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Neue französische AellmM ersbert. Ein henLsches Luftschiff abgefchossen. Die Lßrkifche DarßeKnug über den Kall Erzerumr.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 22 Februar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Das nach vielen unsichtigen Tagen gestern ausklarende Wetter führte zu lebhafter Arüllerietätigkeit au vielen Stellen der Front; so zwischen dem Kanal von La Bassde nnd Arras, wo wir östlich von Souchez im Anschluß an unser wirkungsvolles Feuer den Franzosen achthundert Meter ihrer Stellung im Sturm entrissen und sieben Offiziere und drei- hnndertneunzehn Mann gefangen ein- brachten.
Auch zwischen der Somme und der Oise, an der AiSnesront und an mehreren Stellen der Champagne steigerte sich die Kampstatigkeit zu größerer Heftigkeit. Nordwestlich von Tahnre scheiterte ein französischer Handgranateuangriff.
Endlich setzten aus den Höhen zu beiden Seilen der Maas oberhalb von Dun Artilleriekämpfe ein, die an mehreren Stellen zu beträchtlicher Stärke auschwollen und auch während der letzten Nacht nicht verstummten.
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Zwischen den von beiden Seiten vusgestiegenen Fliegern kam es zu zahlreichen Luftgefechten, besonders hinter der feindlichen Front.
Ein deutsäfes Luftschiff ist heute nacht bei Revigny dem feindlichen Feuer zum Opfer gefallen.
Oestlicher und Balkankriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Oberste Heeresleitung.
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Die wortreichen amtlichen französischen.Berichte verschleiern es, daß die wirklich wahrnehmbaren Erfolge der letzten Kämpfe auf deutscher Seite waren. Auch unser gestriger Tagesbericht meldet wieder die Erstürmung einer 800 Meter langen französischen Stellung östlich von Souchez. Bedauerliche Unfälle, wie sie der Krieg mit sich bringen muß, werden von der deutschen Berichterstattung nicht verschwiegen. Bei Revigny ist ein deutsches Luftschiff dem feindlichen Feuer zum Opfer gefallen. Wir beklagen diesen empfindlichen Verlust, brauchen aber davon keinen dauernden Nachteil zu besorgen. UnsereLuftslotte bleibt sicher groß genug, um dieFeinde zu schrecken. Im Berner „Bund", dem wir für die Richtigkeit seiner Angaben die Verantwortung überlassen müssen, wird über das deutsche Luftschifswesen am Bodensee in interessanter Weise berichtet:
Die ganz erstaunliche Tätigkeit, die die deutsche K-riegsluftschiff- fahrt mit ihren kühnen Fahrten nach Mittelengland, ins Zentrum der englisck>en Industrien, entwickelt hat, lenkt die Blicke wieder einmal nach den Werkstätten. Und in der Tat, wer offenen Auges verfolgt, was ihm zu sehen vergöimt ist, der wird sich kmnn sa sehr vennundern über das, was in der neuesten Zeit im Luftkriege deutscherseits geleistet wird. Wenn man auch nicht in die Geheimnisse der gigantisch an gewachsenen Zepvelin-Werkstätten eindringen kann, so karrn doch jedermann als unbefangener und unbelästigter Zuschauer eine Fülle interessanter Beobachtungen machen. Da ist in erster Linie eine Tatsache festzustellen, die von Bedeutung ist: nämlich, daß in den Luftschiffwerften, in dwren Tausende von Arbitern Tag und Nacht ununterbrochen arbeiten, d.'ch die Heranziehung urrd 'Erstellung aller Hilsssabriken eine Organisation geschaffen ist, daß nun jede Woche ein bis zwei neue Luftkreuzer -an die Front abgehen können. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Zeppelin seine Probeslüge macht. In der Maybach- wvtorenfabrik knattenr unausgesetzt die der Hallenprobe unterworfenen Luftschiffmotoren: sie müssen namentlich zur Erprobung der Lager 24 bis 48 Stunderl ununterbrochen laufen, bevor sie in die Luftschiffe eingebaut werden. Wenn in kalten Nächten der Nordwind über derr See streicht, so trägt er das gervaltige Surren und Rauschen, als wär's hoch vb unseren eigenen Häusern, bis in die verschlossenen Zimmer in den schweizerischen llferorten und wohl noch viel weiter. Die Probefahrten selbst sind nicht mehr bloße Fahrproben, sondern durck)aus kriegsmäßige Manöver. Form urck Dimensionen der Zeppeline haben sich gegenüber den ursprünglichen Typen wesentlich verändert. Die allerircueftcn Fahrzeuge sind viel länger als früher, dabei schlanker, mehr fisch- ähnlich/ die beiden Gondeln härlgerr tiefer, ein Laufgang zwischen denselben scheint nicht mehr vorhanden zu sein, oder aber, er nruß vollständig in den riesigerl Dragkörper eingebaut sein, so daß er äußerlich unsichtbar bleibt; die Gondeln sind gepanzert, jede soll mindestens sechs Mnschiiteivgewehre und ein bis zwei kleine Geschütze,^ sowie besondere Apparate zum Älbwerfen von Bomben und wiederum besondere Vorrichtungen zum Lancieren von Lufttorpedos besitzen. Die auf früheren Kriegsluftschiffen gesehene
Plattform für Maschinengewehre oben auf dem Tragkörper ist nicht mehr wahrzunehmen. Die Spitze des neuen Typs zeigt metallischen Glan; bis ungefähr ein Fünftel der Gesamtlänge; Tatsache ist, daß der Zeppelinlustschiffbau das Schoop- sche Metallspritzverfahren augekauft hat und wahrscheinlich zur Metallisierung eines Teiles der Hülle verwendet. Die Steuer sind vereinfacht und kleiner geworden, die Motoren siird bedeutend verstärtt, was schon aus dem mächtigen Lärm hervorgeht. Tie kriegsmäßigen Manöversahrten. sind außerordentlich interessant. Man sieht nicht nur, daß die Zeppeline bedeutend cur Schnelligkeit und Werrdefähigkeit, l>esonders im Steigen, zugenommen fya&ert, sondern man kann wrch Augen- und Ohrenzeirge von Ma- schrnengewehrüburrgen sein; das typische Ratten: dieser unheimlichen Waffe hebt sich hell und klar aus dem M!otor- und Propellergeräusch! heraus. Ferner sieht man Versuche mit Rauchgasen, die plötzlich wie steigende oder sinkende Nebelwolkcn von räumlich großer Ausdehnung sich um das Luftschiff legen; wenn überhaupt neblige Witterung herrscht, so verschwindet das Fahrz-eug tatsächlich plötzlich aus fast geheimnisvolle Weise. Der neueste Zeppelin, der vor unseren Augen seine Probeslüge absolvierte, trug die Num- mer „L. Z. 95". Es besteht aber noch eine westere Numerieruirg, die bloß „L. . signiert ist (olpre „Z/9 so daß also anzunehmeu ist, daß die deutsche Luftflotte, die Parsepal-Luftschiffe nicht mst- gervckiinet, weit über hundert Einheiten zählt.
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Die heute vorliegende amtliche türkische Meldung über den Verlust von Erzerum zeigt, daß die russischen Berichte maßlos überkrieben waren. Erzerum war im Grunde keine Festung, sondern eine offene Stadt. Zu großen Entschei- dungskänlpsen ist es nach der türkischen Meldung überhaupt noch nicht gekommen; wahrscheinlich ziehen unsere Bundesgenossen, die westlich von Erzerum stehen, die erforderlichen Verstärkungen heran (was ja der russische Bericht zugegeben hatte), um den Feind wieder aus dem Lande zu treiben. Nur 50 alte Kanonen sind zurückgeblieben, aber sie sind von den Türken vorher zerstört worden. Die Russen haben diese 50 mit 20 multipliziert, um den Maßstab deutscher Siege vorzutäuschen. So viele Geschütz? auf einmal zu erbeuten, war bis jetzt nur unserem tapferen Ostheer möglich. Gefangene scheinen den Russen überhaupt nicht in die Hände gefallen, zu sein.
In der „Nheiniseh-Westsäl. Ztg." finden wir eiue be- dentsanie Darstellung über den russischen Feldzug! gegen Erzerum, die der „Nowoje Wremja" entnommen ist und zum Teil die heute im amtlichen türkischen Bericht r>or- liegenden Angaben bestätigt. So sn.gt z. B. das russische Blatt selbst, daß die erbeuteten Kanonen vorher von den Türken zerstört worden seien. Auch daß es dem türkischen Heere gelungen ist, sich der drohenden Umklammerung rechtzeitig zu entziehen, wird hier zngeftaiiden:
Der mititäriiche Mitarbeiter der „Nowoje .Wreinja" gibt in
seinem Blatte eine lärrgere Schilderung der Operattonen gegeir Erzerum wieder. Danach wurde der neue Plan für die Kauläsus- operationcn bereits im NoveiNber vorigen Jahres aufgestellt. Bereits im Dezember fand die Ansammlung sehr starker russischer Kräfte, die eigentlich! für einen anderen Kriegsschauplatz vorher besttmmt waren, statt. Ter K>ern der Tnippen bestand aus den besten russischen Truppenkontingenten. Ende Dezember und Ende Januar setzte:: die einleitendem: russischei: Operattonen gegen das Gebiet Erzerum ein. Im russischen Lager war man unterrichtet, daß auch eine große türkische Ofseiy'ive gegen die russische!: Stellungen in Vorbereitung tvar und daß Ma bimid Kiamil Pascha alle Vorbereitungen hierzu traf. Es galt, dieser Offensive unter allen Umständen zuvor zu kommen und die Vorbereiümgen hierzu empstndlich> Zn stören.
Die russische Offensive wurde auf einer Gesanttstont von über 100 Werft zur Entwicklung gebracht, loobei der russischen Flotte die besondere Aufgabe zusiel, die an der Küste gelege::en Stellungen des Feirüres im Rücken anzugreifen und die Schiffs- ttans Porte des Gegners zu verhindern. Ans einer Front, die vom Mittel-Tscharoch-See Tortum Göl bis z::m oberer: Euphrat' reichte, gingen die Russen m vierfacher Gliederung zum Angriff über, wobei dem Zenttann, daS von: Gebirge Schachir-Babamis operierte, die schwerste Aufgabe zusiel. In: Zentittm der Türken waren die Befesttgnngen gut organisiert nnd stark ansgebant. Da hier die rückwärtige!: Verbindungen des russischei: Heeres am schlechteste:: ivaren, glaubte man türkischersestS nicht, daß voi: hier ans der Angriff erfolgen werde, sm:den: vernmtetc einen inn- fassenden Angriff aus der Ebene von Passin und aus Zßara-Der- beut z::. In dieser Bermutimg hatten die Türken mrch ihre Kräfte verteilt.
Durch einei: gut vorbereiteten und überrasckzend gestlhrtei: Angriff der Russen, die gerade im Ze::ttum die stärksten Kräfte zusammei:gczogen hattest und an den Flügeln nur Offensivabsicki- ten markierten, gelang es :mch erbitterten: Kanrpse, die Zenttuins- stellnng der Türkei: -einzudrücken, so daß auch die Flügel eilig ziwückgenvmmen werdei: mußten. Es muß anerkai:nt lverden, daß die Türken, ttotzdem sie bereits in: Riickei: oefaßt ivaren. die Umklammertmg umgehei: und Anschluß an die Hanptkräste suchen konnten.
Infolge der weitere:: Auswirkung des russischen Durchbruches konnten sich die Türken aber auch hier nicht Haller: i:nd nmßten auf schlechten Gebirgswegen und Pfaden aus Erzerum zurückgehcn. Daraufhin erfolgte -eine kurze Kainpspause, die die Rufs«! zur weiteren Herarrschaffung if^rer Artillerie und zu Ruhepausen st'ir die erschöpfte Infanterie benutzten. Es setzte da in: der eigentliche Angriff gegen die BefcstiMNgen voi: Erzenni: ein. Zum Befehls- Haber der Slurmtruppen wurde der General der Infanterie N. Jüdenic ernarurt. dem vorzügliche Soldatei:ehrenschaster: nad>» gerühmt lverden, der besonders seiner Energie ut:b seines per'- sonst eben Mutes wegen bei den Truppen in: besten Ansehen stein.
Um die bedrohte Lage des türkische!: Heeres zu retten, ver« suchte Rdahinud Kiainil Pascha eine energische Gsgenoffenstve besonders in der Gegeich von Lasistan. MirwesLens ziocüi starre Angriffe führte die von Boldai:i-Pasck>a gepuchrte türkische Ann«


