Ausgabe 
22.2.1916 Erstes Blatt
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73
 
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Der Sketzener Anzeiger

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Erstes Blatt

*66. Jahrgang

Dienstag, 22. Februar *9*6

Giehener Anjeiger

General-Anzeiger für Oderhessen

Ein neuer Fliegerangriff aus England.

(DTB.) Großes Hauptquartier, 21.Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Nördlich von Ypern wurde ein englischer Hand- granaten-Angrifs gegen unsere neue Stellung am Kanal ab­gewiesen. Südlich von Loos mutzte sich der Feind von un­serer Trichterstellung wieder zurückziehen. An der Stratze

LensArras griff er vergeblich an.

*

Unsere Flugzeuggeschwader griffen mit vielfach be­obachtetem guten Erfolge rückwärtige feindliche Anlagen, u. a. in Furnes, Poperinghe, Amiens und Lunö- ville an.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

V or D ü n a b u r g scheiterten russische Angriffe. Kleinere feindliche Vorstöße wurden auch an anderen Stellen der Front zurückgeschlagen.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

Die Nachricht, daß die Ententemächte die griechischen Eisenbahnlinien in Thessalien und Morea besetzen wollten, ist nicht bestätigt worden, darf also wohl als unzutreffend be­trachtet werden. Allein der Druck auf Griechenland wird diesem Lande, wie wir aus anderen Meldungen ersehen haben, immer unerträglicher. Besonders auch in der Nah­rungsmittelzufuhr gebärdet sich England anmaßender und Unllkürlicher als ein Vormund, und den griechischen In­dustrie- und Geschäftsleuten, die in General Sarrail nicht den Hüter ihrer eigenen Landesehre sehen, wird, so heißt es, für die Einfuhr von Waren oft der Erlaubnisschein versagt, während mit Kreaturen der Entente günstiger verfahren wird. Wir können uns nicht denken, daß es noch einen neutralen Staat gibt, der daran glaubt, England werde in Wahrnehmung seiner Interessen irgendwie Rücksicht auf Neutrale nehmen. Einen Beweis des Gegenteils lie­ferte ' soeben die englische ZeitschriftJohn Bull", in der, lautBerliner Tageblatt" gefordert Vtrirb, England sollte, um den Krieg abzukürzen, die Schelde- ernfahrt erzwingen und Truppen in Hol­land ausschiffen. Man müsse gegen Holland ver­fahren, wie gegen Griechenland und schleunigst freien Durchzug verlangen und dies umsomehr, als Holland doch einmal in den Krieg hineingezogen werde. Der holländische Korrespondent desB. T.", der den Aus­zug nach Berlin übermittelte, betont, daß derJohn Bull" einen Leserkreis von IV 2 Millionen hat.

Nun, ganz so gemütlich knie in Saloniki würde sich dann die Lage der Engländer aber wohl nicht gestalten! Es ist anznnehmen, daß ihnen mit deutscher Hilfe ein heißer Empfang bereitet würde. Falls die maßgebenden Herren in London sich wirklich zu einem Eingriff in Holland ent­schließen würden, so würde es wohl im Hinblick ans eine schärfere joirtschaftliche Isolierung Deutschlands ge­schehen, da man in Erlglcmd ja vielfach glaubt im Unter* Saufe sind bewegliche Klagen vorgebracht worden auf dem Wege über Holland erhalte der deutsche Feind noch reichliche Mengen Waren und Rohmaterial.

Der englische Kolonialminister Bonar Law hat es für- nötig gehalten, nach den trüben Slimmungsandeutungen Lord Crewes seinen Landsleuten wieder einmal den Mut und die Hoffnung zu stärken. Und so zeigte er auf die Bereit­schaft der farbigen Truppen in den Kolonialländern und auf die englische Freiwilligenarmee, die beinahe vier Millionen Mann umfasse. So spricht er von dem schließlichen.Siege Englands wie von einer Selbstverständlichkeit. Die wirtschaft­lichen Ausblicke, die er aufzeigt, werden auch jenseits des Kanals manchem als unwahrscheinlich erscheinen. Der Markt des westlichen Rußlands, so sagte er, müsse in Zukunft in andere Hände als die der Deutschen gehen, die vor dem Kriege < diese Gebiete wirtschaftlich durchdrungen hätten. Wir erinnern uns dabei an jenes jüngst von uns wiedergegebene Wort des Generals v. Ludendorff, der die Schlacht bei Lodz als ein weltgeschichtliches Ereignis erster Ordnung bezeichnete, gerade weil sie endgültig eine neue Periode der Entwicklung einleite. Hindenburg hält noch die Wacht im Osten, unsere Luftschiffe und Flieger kreuzen über Riga und Dünaburg, und wir vermuten, selbst der Zcrr wird über die Zukunft Rußlands sich nicht ein so rosiges Bild ausmalen als dieser englische Sonntagsschwätzer, der Churchill ablösen zu wollen scheint. Den Vereinigterl Staaten diktiert Bonar Law die Rolle als künftige Internationale Polizeimacht" zu, was in den amerikanischen Ohren, für die des Ministers Offen­barungen in -erster Linie bestimmt waren, sehr angenehm klingen wird. Anderwärts wird sich über diese Jnterview- und Reporterleistung eirre herzhafte Heiterkeit auslösen. Denn das Gerede rrach der Wiedergabe Reuters ist zu ein­fältig, als daß angenommen lverden könnte, England wolle auf diese Weise heute schon ein Bündnis mit Amerika anbahnen.

* « *

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 21. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 21. Februar 1916.

Russischer Kriegsschauplatz.

Oesterreichisch-ungarische Abteilungen warfen gestern

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abend den Feind südöstlich von K 0 z l 0 w, an der «ckrypa, aus einer vorgeschobenen Stellung.

Beiderseits erhöhte Fliegertatigkeit.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

S ü d ö st l i ch e r K r i e g § s ch a u p l a tz.

Albanische Abteilungen gewannen, von östtrremmch ungarischen Offizieren geführt, westlich von Kavaja Die Adriaküste.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. H ö s e r, Feldmarschalleutnant. .

Ein neuer Fliegerangriff aus England.

B e r l i n, 21. Febr. (WTB. Amtlich.) Am 20. Februar mittags griffen unsere Marineflugzeuge die eng­lische Küste an. Es wurden die Fabrikanlagen in Deal und die Bahn-, Hafenanlagen und Gasometer in L 0 w e st 0 f 1 ausgiebig und mit gutem Erfolg bombardiert. Der .yanvt- bahnhof und die Haftnanlagen in Lowestoft wurden mehr­fach getroffen. Der Gasometer brach unter der Wirkung einer Bombe zusammen. In Dow ns wurden zwei Tankdampfer getroffen. Trotz Beschießung und Verfolgung durch feindliche Flieger kehrten die Flugzeuge sämtlich wohlbehalten zurück. ' w ^ .

Der Chef des Admiralftabes der Manne.

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Großfürst Nikolai Nikolajewitsch.

Petersburg, 20. Febr. (WTB. Nichtamtlich.* Der Oberkommandierende der Kaukasnsarmee, Großfürst Nrkv- l aje witsch, ist nach Erze rum abgereist.

Der russische Bericht.

Petersburg, 21. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich cicasbericht vom 20. Februar. An mehreren Stellen der Front ,n Riga erschienen zahlreiche Flugzeuge wrd tvarfOi Bomben , Die Deutschen entwickelten ein heftiges Arttllerreseuer gegen n Abschnitt Kirchholm-Uexküll. Bei Uexküll und nr der Gegend estlick vön Oger und loestlich von Probsttngshios (4 Kilometer sud- ch von Oger) wird wirksame Tätigkeit unserer Artillerie gemeldet, ördlich Kreuzberg (8 Kilometer nördlich,, ^akoMwt) warfen: utickie Flugzeuge mehrere Bomben ab. Nördlich Dunaburg Erflog eit zwei Zeppeline die Gegend von MirMal (20 Kilometer ü'd'ick Dünaburg). Bei Dünaburg steigerte der Fernd lern Ar- lleriefeuer. In 'der Gegend des Stventensees zeritorte unsere rtillerie zwes deutsche Blockhäuser.. Am Dniestr, bei Michalcze, Üeu wir eine Mine springen, welche das feindliche Drahthinder- ls und das Minenfeld zerstörte und dre Schützengraben. ver- üttete Versuche des Gegners, uns aus dem .Minentrichter sich schweres Artilleriefeuer und .Bomben zu vertreiben, hatte

^Kau^asus: Bei der Verfolgung der Türken machten nur eitere 49 Offiziere und ungefähr 2500 Mann zu Gefangenen, beuteten ferner sechs Kanonen, zahlreiche Waffen und einen ransport mit Munition und Kriegsmaterial., ^ Lause des

ampfes um Erzeruru erbeuteten wir eine türkische Fahne.

Haag, 21. Febr. (Zeus. Frkft.) Reuter meldet aus London offiziell: Zwei deutsche Zweidecker haben am Sonntag morgen einen Angriff auf Lowestoft unternommen und von großer Höhe 17 Bomben abgeworfen. Hieraus sind sie verschwun­den. Menschen wurden nicht verletzt. Der Vorbau eines Restau­rants und zwei Wohnhäuser wurden beschädigt. Zwei Wasser­flugzeuge der Marine stiegen auf und verfolgten die Angreifer er­folglos. Ein deutsches Wasserflugzeug in der Nähe des Leucht­schiffes Kentish Knock warf Bomben ab. Ein anderes Flug­zeug warf Bombc-u auf Walmer (Kent). Zlvei Bomben vernich­teten Dächer von Häusern, eine andere fiel bei einer Kirche nieder und zerstörte ein Fenster, während Gottesdienst abgehalten wurde. Eine viette Bombe fiel am Strande nieder und tötete einen Bürger und einen Matrosen. Der Gesamtverlust betrug: Ein junger Mann tot und ein Rtatrose verwundet. Zwei englische Flugzeuge, die in Dover aufstiegen, verfolgten die Angreifer, konnten sie jedoch mchtt einholen.

* * *

Der türkische Bericht.

Konstantino pel, 20. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt nrit: An den Dardanellen wurden am 18. Februar zwei feiudliche Kriegsschiffe, die Sedd ül Bahr und Tekke Burun beschossen, von mehreren Granaten unserer Batterien getroffen und mußten sich entfernen. Am 19 Februar zwangen gleichfalls unsere Batterien einen feindlichen Monitor, der die Höhe von Sedd ül Bahr beschoß, zum weichen. Am 17. Fe­bruar bombardierte einer unserer Flieger ein bei Mudros ankerndes Transportschiff, iil dessen Vorderteil ein Brand hervorgerufen wurde. Sonst nichts von Bedeutung.

Ern englischer Prophet.

London, 20. Febr. (WTB. Nichtanttlich.) Meldung deS Reuterschen Bureaus. Bonar Law hatte eine Unterredung mit den: Korrespondenten der New York Times". Er sagte unter anderem iiber die ö ko no mische Entente der Alliierten nach dem Kriege, er glaube, daß durch den Krieg die finanziellen Differenzen beigelegt seien. Vor dem Kriege hiatte Deutschland W e st r u ß l a n d durch eine Art kommerzieller Durchdringung fest in seiner Macht. Dieses Gebiet müsse in Ziikunft irr anderen Händen seiii, vornehmlich in denen Frankreichs und Englands. Der deutsche Handel nahm vor denr .^kriege in Italien zu, )tut Einfluß war in Frankreich bemerkbar, in England groß. Deutsch­land werde von vielen Märkten vertrieben werden. Die, Alliierten lverden wahrscheinlich eine wirtschaftliche Entente eilt* > gehen. Bonar Law sprach ferner die Erwartung aus, das; nach dem Kriege eine Periode reger industrieller Tätigkeit anbrechen werde. Die Munitionsarbeit habe der englischen Maschinenkunde ' neues Leben eingehaucht. Die Hilfsnüttel der Produktion seien vermehrt, die Findigkeit des Anpassuugsverrnögen^des Volkes ge­stärkt und es sei ihm gezeigt morden, wcks es könne. Auf dre Frage, ob der Krieg eine Veränderung der Beziehungen zwilchen den Vereinigten Staaten und Großbritmrnien bringen werde, antwortete Bonar Laut, es iverde vielleicht dazu kommen, wenn nämlich ein Friedensbund gegründet wird, um zu verhindern, daß sich eine Katastrophe wie die jetzige, wiederholt., Falls bieS ein belvaffneter Bund sein soll, urüssen die Verewigten. Staaten aber stärker loerden, mn ihre Rolle als intei-nntloncüe. Polizeimacht ausfüllen zu können. 9tur mächtige,reuttale ^taltten können Uebertretungen des Kriegsrechtes verchinderii. Im diesem