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Erster Vlatt
166. Jahrgang
Zrettag, 18 . Februar MS
RvtMoi«druck «ndDerlag der VrShi'schen Amo.-Such- A«d StsmdrMerei R. Lange. SchrMeitung. ©efcfjaftsitcUe unS SrnSerei: Schulstr.7.
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Erzerum gesalleu.
über die
(WTB.) Großes Hauptquartier, 17.Februar. (Amtlich.)
WestlicherKriegsschauplatz.
Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
Bei Aufräumungsarbeiten in der neuen Stellung bei Obersept wurden noch acht französische Minenwerfer gefunden.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem nördlichen Teile der Front lebhafte Artillcrie- tätigkeit.
Unsere Flieger griffen Dunaburg und die Bahnanlagen von W i l e j k a an.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch hat sich als Ober- kommandierender im Kaukasusgebiet einen Triumph verschafft: Erzerum wurde von den Russen erobert! Sicherlich hat er für dieses strategische Ziel verhältnismäßig große Kräfte und Anstrengungen eingesetzt; der Zar mag die im Kaukasus stehenden Truppen so weitgehend verstärkt haben, als sein Oheim es wollte, und dieser besitzt — das wissen wir von den blutigen Karpathenkämpfen her — Energie und Rücksichtslosigkeit genug, um seinen Willen auch unter großen Opfern und Verlusten an Menschen durchzusetzen. Immerhin, fürs erste sind unsere osmanischen Bundesgenossen schmerzlich getroffen. Man erinnert sich, wie sie am Anfang des Krieges an der Küste von Batum ihre Offensive in Feindesland getragen hatten, wie sie dort den Russen bis Sarikamysch empfindliche Schlappen beibrachten. Da Enver Pascha sich an den Dardanellen Luft geschafft hat, wird er wohl nicht allzu lange zögern, die Scharte von Erzerum wieder aus-- zuwetzen. Energie und Zielbewußtheit besitzt der türkische Generalissimus ebensowohl wie der großfürstliche Heerführer.
Wir waren seit einigen Tagen auf den Fall von Erzerum vorbereitet. D^r letzte amtliche russische Bericht meldete, daß bis zum Abend des 15. Februar neun Außensorts von Erzerum gefallen seien. Der Stoß der vormarschiereuden Armee des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch kam nach den Ortsnamen, die genannt wurden, gegen die Nordsront der Festung und folgte dem Lauf des vom^Duemli Dag der Ebene von Erzerum zufließenden Kara Sn aus seinem Östlichen Ufer Auf den begleitenden Höhen liegen die Forts Tafta, Tu- wantsk, Tschoban Dedeh, die man nach den mitgeteilten Orten seststellen kann, und ihre Einnahme öffnet den Weg zu der von einer Ringmauer umgebenen Stadt und gibt die Möglichkeit, die nach Osten gerichteten Hauptwerke an der Straße über den Paß von Deweh Bojun nach Hassan Kaleh vom Rücken her zu fassen. So hat das Eindrücken der Nordfront vermutlich zur Uebergabe der ganzen Festung geführt.
Die „Köln. Ztg." stellt zu den Kämpfen an der Kaukasusfront folgende Betrachtungen, an:
„Man darf sagen, daß die Einnahme den Russen ganz wesentlich durch die Arbeit ihrer Diplomatie seit Jahrzehnten erleichtert worden ist. Unter dem Absolutismus vermochte die Pforte dem mit äußerstem .Druck gestellten Verlangen Rußlands aus Unterlassen jedes EisenbalMbaus an ihrer Ostgrenze nicht zu widerstehn. Und damit war Erzerum von jeder Möglichkeit abgeschnitten, bei einem feindlichen Angriff rechtzeitig Verstärkungen von Westen heranzuziehen. Nur bis Angora reicht das Retz der Anatolischen Bahn, und alle Entwürfe zu Linien, die von dort über Siwas nach Ersindschian und weiter nach Erzerum geh.m sollten, blieben unausgeführt, weil man Rußland fürchtete, das ja auch den Bähnbau im sogenannten Becken des Schwarzen Meeres von seiner Zustimmung gbhängig zu -machen gewußt hatte. Entweder mußten die Truppentransporte von der Hauptstadt und dem westlichen Kleinasien den Hunderte von Kilometern langen Marsch von, Angora aus zu Fuß nach der Ostgrenze zurücklegen oder mit dem Schiff von Konstantinopel über Sec nach Trapczunt gebracht werden, um dann noch etwa eine Woche über schwierige Gebirge auf recht schlechter Straße unterwegs zu sein. Voraussetzung für die Benutzung dieses Wegs war die Beherrschung der See durch die türkische Flotte, und auch darin rächt sich heute die Schuld des alten Systems, das die Kriegsflotte völlig verkommen ließ, weil sie an den Absetzungen der Sultane Abd ül Asis und Murad teilgenommen hatte und Grund zu tiefem Mißtrauen in Jildis Palast gab. Sünden der Vergangenheit, die nicht in kurzer Zeit auszugleichen waren, haben jetzt zum Verlust von Erzerum geführt. Mitten im Winter vermochten Verstärkungen im Fußmarsch nicht rechtzeitig herangebracht zu werden, als die mit überlegenen Kräften begonnene russische Offensive vor einigen Wochen begaim. Sie tvar in der Lage, sich auf dje Bahn zu stützen, die über den Kaukasus bis nach Sartzkamisch an der türkischen; Grenze läuft und den Nachschub an Ersatzmannschaften, Munition und Heeresbedürfnissen jeder Art gewährleistet. Nur eine kurze Strecke, gar nicht zu vergleichen mit den auf der türkischen Seite obwaltenden Verhältnissen, mußte int Marsch bewältigt iver- den. Auch darin lag ein ungemeiner Vorteil der Russen, den alle Tapferkeit der osmanischen Heeresteile nicht ausgleichen konnte."
Die Stadt Erze rum mag ungefähr 50 000 Einwohner zählen. Ihre .Handelsbedeutimg lag darin, daß sie der Knotenpunkt für den Karawanen verkehr zwischen Persien und der Küste des Schwarzen Meeres war. Eigene Industrie bestand in nennenswertem Maße nicht, auch hatten die armenischen Unruhen viel dazil beigetragen, die Stadt zu schädige::. Weit wichtigem tvar ihre Rolle im Mittelalter vor der Entdeckung oes Seeweges nach Indien um das Kap der Guter: Hoffnung. Von Kaiser Theodosius zu Beginn des 5. Jahrhunderts als Grenzfestung ans ge baut und diwch
Justinian noch verstärkt, stellte sie das Bollwerk des Byzantinischen Reiches gegen die östlichen Nachbarn, wurde von Persern und Arabern angegriffen, von den Mongolen genommen und schließlich von den Türken besetzt. 1000 Meter hoch gelegen, hat Erzerum ein sehr rauhes Klima, der W:n- ter ist lang, der Sommer kurz. Einzelne Bauten erinnern an die Zeit der Seldschuken; von den Byzantinern angelegt ist die Zitadelle, die ihre militärische Bedeutung eingebnßt hat und jetzt Staatsgefängnis ist. 1878 hielt sich Erzerum gegen die Russen, die nach einet düederlage Achmed Muchtar Paschas am Dekeh Bojunpaß die Festung einschlossen, die ihnen erst durch den Waffenstillstand überliefert wuro-e, durch den Frieden aber an die Türkei zurücksiel. 1829 hatte Pasliewitsch das damals nur von alten Mauern umgebene Crzerum erobert und war bis in die Gegend von Baibnrt vorgedrungen. Im Balkankrieg 1877 gelang es den Russen nicht, sich mit Waffengewalt Erzerums zu bemächtigen, doch wurde ihnen die Festung im Februar 1878 durch den Waffenstillstand von Adrianopek übergeben. Der Friedensvertrag von San Stefano machte auch dieser Besetzung wieder ein Ende.
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Die Entente hat das gesteigerte Bedürfnis, der Welt vorzumachen, daß sie noch immer auf den „Endsieg" hofft. Statt durch Waffenerfolge drückt sie dies durch^Reden und Noten ans. Neuerdings haben die Vertreter Frankreichs, Englands und Rußlands dem belgischen Minister des Auswärtigen die in den nachstehenden Meldungen enthaltene Note überreicht. Sie nennen dies eine:: „feierlichen Akt" und versichern in dem Schriftstück, daß die belgische Regierung beim Friedensschluß zugezogen würde und an der Unabhängigkeit des Landes nichts geändert tverden solle. Soll man nun dieses Vorgehe:: nur als „Bluff" und Rc- klamestück auslegen? Einer unserer Berliner Mitarbeiter verneint diese Frage nud stellt foigmde stichhaltigen Sätze ans:
Es ist der Versuch, Belgien moralisch an das Londoner- Abkommen eines nur gemeinsamen Friedensschlusses zu ketten, nachdem sich die belgische Regierung in Le Havre geweigert hat, sich rechtlich durch eine Unterschrift zu binden. Aus der Antwort des belgischen Ministers des Äeußern Baron Beyens aus die Adresse geht ja auch, deutlich genug hervor, daß das offizielle Belgien von ehemals, soweit es sich noch als vorhanden fühlt für den Friedensschluß volle Freiheit des Handelns fordert. Mit der Entente verbuchet die Belgier nur „volles Vertrauen", das in der Antwort des Barons Betzens
merkwürdig scharf und gepreßt betont ist. Was sind
die Gründe dieser Haltung? Um hier einigermaßen klar zu sehen, erscheint es nützlich. den Meinungsaustausch zu verfolgen, der sich zwischen den früheren belgischen Llb geordneten und den Zeitungen abspielt, die noch Beziehungen zu der landflüchtigen Regierung unterhalten. Man lese z. B., was der einstige Abgeordnete von dlntwerpen, De Vandeperre, schreibt: „Die Nachricht, daß Belgien etwa die Absicht haben könnte, dem Londoner Vertrage beizutretcn, hat in belgischen Kreisen, die sich in England aufhalten, eine gennsse Erregung hervorgerufen, und nicht ohne Grund. Wenn Belgien heute dem Londoner Vertrage beitreten würde, würde es damit zu erkennen geben, daß cs sich außerhalb des internationalen Rechts stellt und seine
Neutralität selbst anfgibt; mit andere:: Worten, das würde den Deutschen das Recht geben, uns als Feinde zu betrachten, und zwar auch während der Friedens verHandlungen." Etwas anderer Ansicht ist der sozialistische Abgeordnete von Charleroi, De st ree. Auch er warnt vor dem Anschluß an das Londoner. Wkommen, und zwar aus konstitutionellen Bedenken. Er jagt nämlich über die Ausgabe der Neutralitätsgrnndlagen des belgischen Staatswesens könne nicht das Ministerium -entscheiden, sondern allein bo3 Parlament, und da dieses nicht tagen könnck, dürfe eine derartige schwerwiegende Entscheidung nicht getroffen werden.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 17. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 17. Februar 1916.
N u s s i s ch e r Kriegsschauplatz.
Nächtliche Fliegerangriffe gegen unsere Front an der S trypa verliefen ergebnislos. Am Konninbach südlich von Bercsliany wurden Angriffe russischer Abteilungen leicht abgewiesen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das italienische Geschützfeucr war gestern vornehmlich gegen Ortschaften im C a n a l e - T a l, in: R o m b o n - G e - vier und die Brückenköpfe von T o l m e i n und G ö r z gerichtet. Ein feindlicher Angriffsversnch gegen den M o n t e San M i ch c l e wurde abgewiesen. Bei Pola holten die Ab- wehrbattcrien des äußeren Kriegshafenviertels ein italienisches Flugzeug herab; Pilot und Beobachter wurden gefangen genommen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Ehcfs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschallcutnant.
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Erzerum gefallen.
London, 17. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das Bureau Reuter meldet aus Petersburg von: 16. Februar: Erze- rum ist eingenommen.
Berlin, 18. Febr. Zur Nachricht von dem Falle der Festung Erzerum, die, so schmerzlich sie auch ist, nach der Meinung alter Blätter keine Ueberraschung bildete, he:ßt es im „Berliner Tageblatt": Die strategische Bedeutung von Erzerum ist, obschon der Platz der Ausgangspunkt wütiger, nach dem Schwarzen Meer und nach dem westlichen und südlichen Teil Armeniens führender Straßenzüge bildet, nicht allzu groß. Die Erinnerung an die ruhmreiche Geschichte der Stadt werde ,davon dürften wir überzeugt sein, unseren türkischen Verbündete:: Ansporr: genug zu ihrer Rückeroberung geben. Die Geschichte von Przemysl werde, wie wir hoffen könnten, auf asiatischem Boden leicht eine Wiederholung erfahren.
Der türkische Bericht.
' Konstantinopel. 17. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront wurden ein feindlicher Monito r, der sich der Küste von Man Tere nähern wollte, und ein Kreuzen dcc auf die Höhe von Kara Tepe kam, durch das Feuer unserer Artillerie gezwungen, sich zu emfernen. Von den übrigen Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden.
Naubzügc der Entente in Kleinasien.
Konstantinopel, 17. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Dre Telegraphen-Agentur Milli meldet aus Smyrna: Eine Bande von 400 bis 500 Griechen, die durch einen feindlichen Kreuzer aus Castellorizo herangesührt wurde, landete bei der Ortschaft Tschakil-Bey an der anabolischen Küste. Sie drang in die Ortschaft E n d e s i ein, unterstützt durch die Artillerie und das Maschinengewehrfeuer des Kreuzers, der auch 200 französische Soldaten an Land setzte. Die letzteren nahmen alles weg, was sie in dem Orte fanden, und kehrten sodann an Bord des Kreuzers, zurück, der sich unverzüglich in der Richtung nach Castell-oriz-o entfernte. Tie griechische Bande, die als Vorhut diente, plünderte alle Häuser des Ortes vollständig aus und raubte alles Vieh. Eine andere, einige Tage nachher an Land gegangene Streitmacht, tvurde von uns kräftig verfolgt und gezwungen, sich wieder einzuschiffen.
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Belgien und die Entente.
Paris, 17. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung bet Agence Havas. Die diplomatischen Vertreter Frankreichs, Englands und Rußlands beim KöuigderBelgier heben dem belgischen Minister des Aeußern am 13. Februar in Sainte-Adresse gemeinsam folgende Erklärung überreicht: Eure Exzellenz? Die verbündeten Signatarmächte der Verträge, welche die Unabhängigkeit und Neutralität Belgiens gewährleisten, haben heute durch einen feierlichen Akt die Erneuerung der Verpflichtungen beschlossen, die sie gegen Ihr seinen nationalen Verpflichtungen heroisch treues Land übernommen haben. Infolgedessen haben wir Gesandte Frankreichs, Großbritanniens und Rußlands, vom unseren Regierungen gehörig bevollmächtigt, die Ehre, folgende Erklärung abzugebcn: Die verbündeten Garantiemächte erklären, daß die belgische Regierung im gegebenen Augenblick zur Teilnahme an den Friedensver Handlungen aufgesordert werden wird. Sie werden die Feindseligkeiten nicht beenden, ohne daß Belgien in seiner politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit wiederhergestellt und für die erlittenen Verluste reichlich entschädigt wird. Sie werden Belgien ihre Hilfe leihen, um seine kommerzielle und finanzielle Wiedergeburt zu sichern.
Baron Beyens antwortete: Die Regierung des Königs ist den Regierungen der drei Garantiemächte der Unabhängigkeit Belgiens tief dankbar für ihre hochherzige Initiative. Ich spreche Ihnen ihren heißen Dank aus. Ihre Worte werden ein vibrierendes Echo haben in den Herzen der Belgier, mögen sie an der Front kämpfen, im besetzten Lande leiden oder in der Verbannung die Stunde der Befreiung erwarten, alle vom gleichen Mute beseelt. Die neuen Versicherungen, die Sie mir soeben gaben, werden ihre unerschütterliche Ueber- zeugung bekräftigen. Belgien wird aus de:: Ruinen wiederauferstehen und in vollständiger politischer und wirtschaftlicher Unabhängigkeit wiederhergestellt werden. Ich bin sicher, ihr Dolmetsch zu sein, wenn ich Ihnen sage, daß sie volles Vertrauen zu den loyalen Garanten haben, denn wir sind alle entschlossen, energisch mit Ihnen bis zum Triumph des Rechtes zu kämpfen, zu dessen Verteidigung wir uns ohne Zögern nach der ungerechtfertigten Verletzung des heiß- geliebten Vaterlandes geopfert haben.
Der italienische Gesandte kültdigte dem Baron Beyens seinerseits an, daß Italien, obwohl es nicht zu den Garantiemächten der Unabhängigkeit und Neutralität Belgiens gehöre, kundtue, daß es nichts dagegen habe, daß die oben genannte Erklärung von den Alliierten abgegeben werde. Die japanische Regierung gab eine gleichlautende Erklärung ab.
Bern, 18. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Secolo" fragt in einer Korrespondenz aus Rom, warum die itaüie- nische Regierung der Erklärung Englands, Frankreichs und Rußlands bei dem belgischen König nicht i h r e a u s - d r ü ck l i ch e Z u st i m n: u n g erteilt habe. Wenn man den amtlichen Wortlaut richtig beachte, müsse man daraus schließen, daß Italien [eine Zustimmung nicht gegeben habe, sondern sich nur dem Akt der Vertreter Englands, Frank reichs und Rußlands sich nicht widersetzte. Wenn das auch nicht Böswilligkeit sei, so sei es doch sicherlich Kälte. An-- scheinend sei die Sorge vorhanden, nicht allzu sehr an die drei anderen Mächte gebunden zu erscheinen. Auch dürfe man nicht vergessen, daß im Grünbuch seitens der italienischen Regierung Belgien niemals, häufig aber Serbien erwähnt sei.


