Ausgabe 
15.2.1916 Erstes Blatt
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tijier. In der Champagne, irt der Gegend nordöstlich von Butte-du-Mesnil, richteten die Deutschen gestern am Ende des Tages und im Laufe der Nacht fünf Gegenangriffe hinterein­ander gegen die von uns vorher genommenen Schützengräben, alle Versuche wurden abgewiesen. In Lothringen Tätigkeit der beiden Artillerien in dem Abschnitt von Neillon und im Walde von Parroy. In derselben Gegend wurden mehrere feindliche Erkundungsabteilungen durch unser Feuer zerstreut.

Die Beschießung von Velsort.

Berlin, 15. Febr. Flüchtlinge, die aus Belfort au Schweizer Boden eingetroffen sind, erzählen, wie verschiedene Mvrgenblätter berichten, daß die deutschen Geschosse, die aus Bel fort fielen, f u r ch t b a r c V e r w ü st n n g e n hervorgerufen haben Ganze Straßenzüge seien durch das Feuer der deutschen Artillerie schwer beschädigt worden und gegen 50 Häuser völlig zerstört.

Ein belgisch-englischerErfolg".

LeHavre, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Bericht des belgischen Kolonialministers. Der Befehlshaber der belgi­schen Streitkräfte auf dem Tanganjika-See meldet unterm 9. Februar, daß der kl e in e Da m p f e rH e d w i g von Wißmann" in einem Seekampf auf der Höhe von Mtoa-Albertville versenkt wurde. Zwei Deutsche wur den getötet. Die übrige Besatzung, bestehend aus zwei Ossi zieren, zehn Seesoldaten und neun eingeborenen Matrosen, wuvde gefangen. Die belgische und die englische Flottille er­litten keinen Verlust.

Die in Spauisch-Guiuea internierten Deutschen

Rotterdam, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Maasbodc" meldet aus Madrid: Die Zahl der in S P a n i sch - G u i n e a internierten Deutschen ist größer, als ursprünglich erwartet wurde. Sie beträgt 2600 oder mit den Familien 4000. Die Deutschen werden nach den K a n arischen Inseln und den Balearen gebracht. Die Ueberführung dauert wahrscheinlich zwei Monate.

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Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) .Das Hauptquartier meldet: Ein fein blich erTorpedo- boo ts z e r st öre r, der sich dem Eingang zu den Darda­nellen zu nähern versuchte, wurde durch das Feuer unserer Batterien vertrieben. An den anderen Fronten keine wesent­liche Veränderung.

Die türkische Militärdicusipflicht.

Ko n st a n t i n o p e l, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Regierung hat in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, durch welchen die militärische Dienst­pflicht bis zum fünfzigsten Lebensjahre aus­gedehnt und die Befreiung vom Militärdienst durch Zahlung einer Taxe eingeschränkt wird.

Die Mängel des russischen Flugwesens.

Paris, 14. Febr. (WTB. Nichtamtl.) Der französische Flieger Poiree, der an der russischen Front kämpfte, er­klärte einem Mitarbeiter desJournal", das russische Flug­wesen verdiene zwar Anerkennung, doch seien n i ch t g e n u g Flugzeuge vorhanden. Frankreich müsse der russischen Heeresleitung Flugzeuge schicken, um ihr eine unwidersteh­liche Offensive an der deutschen Ostfront zu ermöglichen.

möglich, zutresfend ist. Diese Anzeigen. eiteidjitui u.iui ywcn Grad von Gewißheit, seit Lansing seine ersten Vorschriften hin­sichtlich alliierter Handelsschiffe, welche mit Kanonen an Bord amerikanische Häseir anliefen, erließ und stets forderte, daß sie ihre Kanonen entfernt«: oder erklärten, daß sie nur zu Berteidi- gungszwecken benutzt werden würden. Bei jeder Gelegenheit er­klärte er öffentlich, daß jeder Fall einzeln behandelt werden solle Köln, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) DieKöln. Ztg." meldet in einem Funkspruch aus Washington vom 13. Februar u. a.: Der Rücktritt des Kriegssekretärs Garrison schlug hier w:e eine Bombe ein. Die Unterredungen amerikanischer Zeitungs­männer mit dem Unterstaatssekretär Zimmermann und dem Reichs­kanzler von Bethmann Hollweg haben hier ungeheures Aufsehen hervorgerufen, indem sie dein Lande die Augen öffneten. Die gesamten amtlichen Kreise beeilen sich mit Ausdrücken des Be­dauerns darüber, daß ein falscher Eindruck herrschen könnte. Nie­mand beabsichtigte eine Demütigung Deutschlands, keine ameri- kanvche Regierung hätte dies versuchen können. Die Unterredungen erfüllen offensichtlich den guten Zweck, dem Publikum die Augen zu öffnen über die Gefahr, die in der Haltung der Regierung gegen Deutschland lauerte.

Das neue englische Heer.

London, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Eine königliche Verordnung ruft alle Unverhei. rät et eit unter bie Fahne.

Die Steigerung der Getreidepreise in England. Berlin, 14. Febr. (Priv.-Del.) Die Steigerung der Getreidepreise in England hat eine bisher nicht dagewesene Höhe erreicht. Nach derTimes" vom 10. Februar wurde für Manitoba-Weizen Nr. 1 am 9. Februar auf der Londoner Börse 73 sh. 6 d. per Quarter bezahlt. Damit ist der höchste Preisstand, den seit dem Kriege ausländischer Weizen auf den: Londoner Markte erreicht hat, überschritten worden. Diese Tatsache verdient besondere Beachtung, hatte man doch damals in England erwartet, daß eine derartige Preis- tellnng in Zukunft nicht wieder eintreten werde. Der oben­genannte Preis von 73 sh. 6 d. per Quarten bedeutet einen Preis von ungefähr 345 Mark per Tonne. In Berlin betrug ain gleichen Tage der Weizen-Höchstpreis 275 Mark per Tonne, der Roggen-Höchstpreis 235 Mark per Tonne. An der englischen Preisentwicklung ist aber in der letzten Zeit vor allem wieder die außerordentlich starke Spannung zwi- chen den Weizenpreisen Nordamerikas und dem Preise des amerikanischen Weizens in London bemerkenswert. Die Differenz betrug in der letzten Zeit annähernd 28 sh. per Quarter, d. h. 130 Mark per Tonne. Was dies bedeutet, kann man sich daran vergegenwärtigen, daß unser Zoll in Friedenszeiten 55 Mark per Tonne beträgt, daß also die Differenz zwischen dem amerikanischen Preise und dem Preise m England heute ca. 135 Prozent höher ist als der Betrag des deutschen Weizenzolles in Friedenszeiten.

Erhöhung der holländischen Einfuhrfteucr aus Bier.

Haag, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Regierung unterbreitete der Kammer einen Gesetzentwurf zwecks E r hohung der Einfuhrsteuer aus Bier von 3 auf Gulden per Faß. Die Esfigsteuer soll aufgehoben werden.

König Ferdinand in Wien.

Wien, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der König der Bulgaren ist heute vormittag hier ein ge troffen. Er wuroe an: Bahnhof von Erzherzog Karl Franz Joseph im Namen des Kaisers begrüßt. Eine große Menschenmenge brachte stürmische Huldi­gungen dar.' Tie Stadt ist reich beflaggt.

Ter Kaiser hat dem bulgarischen Gesandten Toschow den Eisernen Kronenorden erster Klasse verliehen.

Wien, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der König der Bulgaren besuchte mittags den Kaiser in Schön­brunn. Er trug die Galauniform eines k. k. Feldmarschalls. Auch die Fahrt nach Schönbrunn glich einem Triumphzuge. Ein dichtes Menschenspalier begrüßte den König unaus­gesetzt mit hellem Jubel. Besonders herzlich war die Hul­digung an der Schönbrunner Schloßpforte. Im Schloß ging der Kaiser in der Galauniform eines Feldmarschalls mit dem Bande des Cyrill-Methodius-Ordeus feinem Gaste aus seinen Gemächern entgegen. Die Begrüßung war überaus herzlich. Beide Monarchen fügten einander innig. Sie zogen sich :n die Gemächer zurück und blieben lange Zeit in einem intimen Gespräch. Um halb 1 Uhr fand in der Kleinen Galerie Frühstückstasel beim Kaiser statt. Zur Rechten des Königs saß Radoslawow, zur Linken des Kaisers Erzherzog Karl Franz Josef und Baron Burian.

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Deutschland und Amerika.

New York. 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk- fpruch von dem Vertreter des WTB. In Erwägung der wahrsck>ein- lick)cn Haltung der amerikanische Regierung gegenüber der deut­schen Erklärung betreffend bewaffnete Handelsschiffe greift die englandfreundliche Presse die deutsche Ankündigung heftig an und versucht, das amerikanische Volk auf jede Weise gegen Deutschland aufzuhetzen. DerNew York Herald" erklärt leidenschaftlich, Amerika könne das neue teutonische Seeräuber- pvogrannn nicht annehmen. DieNew York Tribüne" nennt die deutsche Ankündigung einen Vorwand für loeiterc Schreckenstaten. - Einige Blätter bemerken im .Hinblick auf die VersickerM der mg!ischeu Presse, daß nickst Wilson, sondern die englische Flotte die Einstellung der Unterseebootsangriffe bewirkte mit Ironie, warum man sich denn über die deutschen Untersceboots- angrrsfe nach dem 1. März Sorgen machen solle.

. Washingtoner Depesche derNew York Times"

sagt: Amtliche Kreise des Staatsdeparteinents wollen kerne Be inerknngen über die deutsche Ankündigung machen? sondern lieber warten, bis sie deren amtlichen Text vor Augen haben. Alle Anzeichen sprechen dasiir, daß die Weigerung der Alliierten die Anregung der Vereinigten Staaten wegen der.Entwaffnung dm

Der §eekneg.

Ein englischer Kreuzer aus eine Mine gestoßen.

London, 14. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Der KreuzerAr et hu sa" stieß an der Oftküfte aus e:ne M i n e. Man glaubt, daß er ganz verloren ist. Ungefähr 10 Leute der Besatzung sind ertrunken.

Der KreuzerArethusa" ist erst 1913 vom Stapel gelaufen. Er hatte eine Wasserverdrängung von 3560 Tonnen und 400 Mann Besatzung.

Englische Flottenbewegungerr.

Kopenhagen,^. Febr. (WTB. Nichtamtlich.)Politiken" meldet aus Beraen: Norwegische Schiffe trafen in letzter Woche große englische Flottenabteilungen auf der Strecke von her Dogger bank bis zur liorwegischen Küste. Es waren haupt­sächlich Geschwader der leichten Kreuzer. Auch im Atlantischen Ozean trafen norwegische Schiffe englische Kreuzer. Ties stehe vermutlich in Verbindung mit der Jagd ans dieMöwe".

Das Seegefecht aus der Doggerbank.

x Ä cr lV'i Febr. (Priv.-Tel.) Nach einer Blättermeldung handelte es sich bei dem Seegefecht auf der Doggerbank um ganz neue englische Schiffe, die für den Minen- und Luft- abweyrdrenst gebaut und im Typ der kleinen Kreuzer gehalten sind Sie fahren 16 Seemeilen und haben eine Besatzung von 78 Mann Sie waren erst seit Januar in Dienst.

sichtigen, bewaffnete Handelsschiffe als Schiffe zu behandeln, die die Eigenschaft als Nrchtkombattantm verwirkten und sie als Hilfs- ^euzer ansthen und aus dieser Grundlage behandeln werden auf Grund der Veränderung :n den Verhältnisse des Seekrieges welch? aus dem Auftreten der Unterseeboote und ihrer Ver- teldigungsunfähigkeit herrühre: 2. den Erlaß einer Warmmg an Amerikaner, sie würden, wenn sie ans bewaffneten Handelsschiffen Een aus emene Gefahr handeln: 3. die Ankündigung des Ent- ,sch ui,es der Vereinigten Staaten, bewaffnete Handelsschiffe als ^Hilfskreuzer zu behandeln, wenn sic amerikanische Häfen anlüfen das heißt, ihnen Aufenthalt nur so lange zu gestatten, daß sie Ausbe,senmgen vornehmen und genügend Feuerung und nnttel einnehmen könnten, um den nächsten Hafen ihres Heimat­landes zu erreichen, ferner ihnen 24 Stunden Frist zur Abreise, zu geben ,und einem jeden solcki-en Schisse den nächsten Besuch eines amerikanischen Hafens erst nach drei Monaten zu gestatten

Depesche derEvening Sun" ans Washington sagt- «'^s^n^ute dafür, daß Lansing wenigstens ein» 25' ,ö { 1 Begründung D?ut,chlands und Oesterreich- : wmhc Bewaffnung der Handelsschiffe

' ^ lyre Anhaltung und Durchsuchung durch Unterseeboote un­

Aus Stadt und Land.

Gießen, 15. Februar 1916.

Uriegsarbeit in Gießen.

XVI.

Die KriegStätigkeit der freiw. SanitätSkolonne Gießen von Kriegsausbruch bis 31. Dezember 1915.

So unerwartet jauch der Krieg ausbrach, traf er die Kolonne nicht unvorbereitet, war doch die Ausbildung der Mannschaften, ihre Ausrüstung und die Geräteauschasfuna stets unter dem Gesichtspunkt der Kriegsverwenduugsfähia- keit erfolgt, und die Betätigung der Mitglieder im öffent­lichen städtischen Rettungsdienst war nur zum Teil Selbst­zweck, sie diente nebenbei auch der besseren Mamnschafts- ausbildung, denn die Anwendung des Gelernten im Ernst­fälle war geeignet und bestimmt, die Ausbildung für den Kriegsfall zu fördern. So konnte die Sanitätsko'lonne ge- tvost an die Aufgaben Herangehen, die uns der Krieg stellte.

Bereits am 3. Mobilmachungstag traf der Einberu­fungsbefehl für diejenigen Mitglieder ein, die schon in Frie­denszeiten als Krankenpfleger ausgebildet waren und sich für den Mobitmachungssall z-ur Verwendung als freiwilliae Krankenpfleger im Kriegsgebiet verpflichtet hatten. Es waren die Mitglieder Heinrich Pfeiffer, Wilhelm Steuerwald, August Rink und August Lamm, die am 9. August von hier abreisten, um sich in Frankfurt bei dem Delegierten der freiwilligen Krankenpflege zu melden Von dort aus rückten sie mtt hem Lazarett'rupp des 18 Armeekorps, dem sie Ungeteilt wurden, ins Feld und fanden Verwendung in Lazaretten in Sedan und Vouzier. Die bei­den Erstgenannten stehen noch als freiwillige Krankenpfleger im Felde. Ihre Tättgkeit erlitt nur durch Erkrankung, die sie sich im Pslegedienst zugezvgen hatten, eine kurze Ünter- brechung. Weitere Krankenpfleger wurden im Laufe des Jahres 1914 und 1915 ausgebildet und fanden teilweise in den hiesigen Lazaretten, teilweise auch in der Etappe Ver­wendung. Zwei weitere Mitglieder der Kolonne wurden als Sauitätshun de führe r ausgebildet und sind als solche ebenfalls im Kriegsgebiet tätig.

Der mit Eintritt der Mobilmachung eintretende starke Bahuverkehr, der trotz Außerkraftsetzung des Friedensfahr- planes durch durchkommende Truppeuzüge, zu ihren Trup­penteilen reisende einberufene Soldaten und durch die aus der Sommerfrische und aus dem Auslande zurückkehreriden

-U,eiiueii )iu; gegen yi,iei)euö£eueii eci^j^id} utjrciQcct hatte, ließen bei der Hitze der Augusttage, der BeschränÄ.ng per Zuazahl und der dadurch bedingten lieber füllung her 3iige sehr bald die Errichtung einer dauernden Aanitäts- v a ch e auf dem Bahnhose notwendig erscheinen, die unter Zustimmung der Bahnhofskoinmandantur am 4. August 1914 eingerichtet wurde und sofort ein reiches Feld für- ihre Be- lätigung fand. Sie wurde untergebracht in einem Zimmer des Bahnhofsgebäudes und mit drei Mann, vom 21. August mit vier Mann, besetzt. Diese Wache ist bis jetzt rw«ch tätig und nicht nur am Tage, sondern auch nachts besetzt. Ihr fiel zunächst die Hilfeleistung beim Reisedurchgangsverkehr zu und sie war dadurch so stark in Anspruch genommen, daß sie auch nach Einrichtung der planmäßigen Verband­stelle beibehalten werden mußte. In der Zeit von Kriegs­ausbruch bis zum 31. Dezember 1914 wurde sie in 1675 Fällen in Anspruch genommen. Es handelte sich meist um kleinere Hilfeleistungen, darunter viele Fälle von Magen- sflmerzen, wobei die Pattenten (durchreisende Soldaten oder leickt Verwundete) als Grund für ihr Leiden sehr häufig Ueberfütterung aus den einzelnen Stationen durch die Erfrischungsstell^n des Roten Kreuzes angaben. Bei dem Abtransport Verwundeter wurden auch die Mannschaften der Sanitätskolonne herangezoZen, dieser Teil ihrer Tättgkeit ist jedoch in der obigen Zahl der Hilfeleistun­gen nicht einbegrissen.

Um alle der Kolonne zufallenden Aufgaben zu bewälti­gen, reichte der zu Kriegveginn vorhandene Mcrnnschafts- stand nicht ans. Es wurden daher im August und Sep­tember unter der Leitung des Kolonnenführers 2 Träger­kurse abgehalten, zu denen sich Jünglinge und reise Rlänner in großer Zahl einfanden. Im ersten Kursus wur­den 60, im zweiten 120 Krankenttäger ausgebildet. Die Ausbildung mußte sich aber bei der Kürze der zur Ver­fügung stehenden Zeit und bei dem Mangel an genügendem Ausbildungspersonal, das zudem noch durch den Berwun- detendienst sehr in Anspruch genommen war, auf den eigent­lichen Tragedienst beschränken, während das Anlegen von Verbänden und die sonstigen Ausbildungszweige unberück­sichtigt bleiben mußten. Von den Kursusteilnehmern wurden 150 als geeignet bei der Kolonne als sogenannte Krie gs- mitg^tieder eingestellt. Ihre Aufnahme als vollberech-- tigte Kolonnenmitglieder erschien wegen der nur teilweisen Ausbildung nicht rätlich. Es konnte aber im Laufe der Zeit eine Anzahl dieser Kriegsmitglieder, die durch den prakti­

schen Dienst das Fehlende gelernt hatten, als attive Mit glieder in die Kolonne ausgenommen werden. Die jüngeren Kriegsmitglieder, die zum TragMenst noch nicht kräftig genug erschienen, wurden als Samariter der Verband- uud Erfrischungsftelle zugeteilt, wo sie unter Leitung eines älteren Kolonnenmltglieds mit den Damen der Erfrischurrgs- stelle die Erfrischung durchkommender Verwundeter und Truppen zu besorgen Hutten. Die Einteilung erfolgte in Gruppen zu 10 Mann, die in achtsttindiger Tag- und Nacht­schicht ihren Dienst versahen. Diese jungen Kriegs mit glieder fanden auch noch weiter Verwendimg bei der Liebes­gaben stelle, die ttifolge der im Anfang des Krieges reichlich fließenden Liebesgaben viele Kräfte beanspruchte. Ferner wurde eine R ad s a hre rab t ei ln n g aus neun jüngeren Kriegsmitgliedern gebildet, der unter anderen Ausgaben auch dj.e Alarmierung der Kolonne zur Nachtzeit bei Eiutteffen von Verwundetenzügen oblag. Die übrigen Kriegsmitglieder wurden zusammen mit der Stcnnmann- schaft der Kolonne zum Ausladen Berwuudeter aus den Zügen herangezogen. Die Sanitätswache blieb unverändert, wurde aber für den Tag und N-acht ununterbrochen an­dauernden Verkehr einzelreisender Verwundeter durch wei­tere acht Mann verstärkt. Bei der Ankunft größerer Ver- wundetenttansporte wurde die ganze Kolonne zur Hilfe herangezogen. Die Alarinietung erfolgte teils durch telephonischen Anruf, teils durch die Radfahrerabteilung. Die Atarmierungs'einrichtung hat sich sehr gut bewährt. Drei als Krankenpfleger ausgebildete Sanitätskolonnenmit- glieder wurden speziell der Verbandstelle zugeteilt, wo sie unter Leitung des Arztes der Verbandstelle zusammen mit den Helferinnen des Roten Kreuzes tätig waren.

Sehr bald trat die Frage an die Leitung heran, in tvelcher Weise diejenigen Mitglieder der Kolonne, die durch ihre Tätigkeit im Dienst des Roten Kreuzes einen Verdienst­ausfall hatten, zu entschädigen seien. Diese Entschädi­gung war unbedingt nötig, denn die Kolonuenmitglieder gehören ausnahmslos den wenig bemittelten Kreisen an und konnten ihren Dienst nur leisten, wenn ihnen der Unterhalt für ihre Familien sickiergestellt war. Es wurde deshalb für eine achtstÜTidige Wache eine Entschädigung von 2 Mark für solche Mitglieder gewährt, toelche darauf mrgewiesen waren, tvährend alle anderen ihren Dienst nnentgelllich versahen. Da alle Mannschaften im Bahnhofswachdienst Anspruch ouf fteie Verpflegung haben, diese aber nach der Art btw Einrichtung unserer Erfrischungsstelle ihnen nicht gegeben werden konnte, wurde eine Vergütung von 50 Psennigev festgesetzt: einige Mitglieder haben auch daraus verzichtet.

Alle Einrichtungen auf dem Bahnhof für die Verwun- deten-FürsorM und den Abtransport konnten rechtzeitig sertlggestelkt norden, so daß beim Eintreffen der ersten Ver­wundeten am £3. August alles zum Empfang bereit war. Am 24. Augusu.1914 traf der erste größere Verwundeten­transport ein umd von nun an kamen als Folge der Kämpfe m Belgien und an der französischen Ostgren^e täglich Ver­wundetenzüge in größerer Zahl an, die nicht nur Deutsche, sondern auch verwundete Gegner den heimischen Lazaretten zuführten. Die Lagerung und Versorgur^g der Verwun­deten \n den Zügen, entsprach, wie bei den großen Verlusten der Ansangsschlachte.n nicht zu verwundern, keineswegs den bestehenden Vorschriften. In Güterwagen auf leichter Stroh- 'chütte waren die Verwundeten untergebracht und häufig trugen sie noch den ersten Verband, so daß die Aerzte der Verbandstelle bei jedem eintresfenden Zug stark in Anspruch genommen waren. Unterstützt wurden sie dabei von den Krankenpflegern und Helferinnen und durch alle Mitglieder der Kolonne, welche die .Verwundeten aus Krankentragen, auf dem Rücken oder in feder sonst möglichen Art nach der im Wartesaal 3. Klasse eingerichteten Verbandstelle. trugen oder sie sorgsam stt'itzend dorthin führten, sie auch wieder nach Erneuerung der Verbände nach dem Zug zurück­brachten, wenn ihr Zustand Hie Weiterfahrt gestaltete. Auch bei Befriedigung sonstiger Bedürfnisse mußte den armen Opfern der Schlachten Hilfe geleistet werden, und es galt, sich zu beeilen, denn die Züge mußten so rasch wie möglich den Bahnhof verlassen, um nachfolgenden Platz zu machen. Diejenigen Verwundeten, deren Zustand die Weitersahrt nicht gestattete, mußten in die Lazarette gebracht werden. Die größte Zahl von V e rwm n d e t c n z ü g e n wurde am 30. August gezählt, an welchem Tage innerhalb 24 Stun­den zwölf Züge eiutrafen. Daneben kamen noch in den sabr- planmaßigen Zügen e i nz e l re i s.e n d e Verwundete an, die sich, eine ln den ersten Kr^egsmon-aten häufig be-