8tm.ioiaa>t o v e" eroeurel wuroe. llmrncye Personen ln Waftnngton verneinen, daß der Befehl erteilt wurde, das Schiff zu internieren. Sie sind sehr unsicher, was mit dem Schiffe geschehen soll. Der britische Botschafter ersuchte um eine Unterredung mit dem Staatssekretär Lansing. Die „Möve" soll die britische Flagye geführt, aber als sie sich der „Appam" näherte, die deutsche Kriegsslagge gehißt und ihre bewegliche Verschanzung umgcklappt haben, worauf die Bewaffnung sichtbar wurde. Sie soll in der Nordsee unter schwedischer Flagge gekreuzt haben. Ms cne „Appam" die Küste von Virginia entlangfahren nrußte, ULhm sic einen Lotsen an Bord imd antwortete auf eine draht- kose Anfrage von dem Fort Manros, sie sei ein deutscher Kreuzer, nach Buffalo unterwegs. Das Schiff führte nur eine einzige Dreizoll-Kanone am Vorderteil.
Aus den Berichten von Mitfahrenden auf der „Appam".
London, 2. Febr. «WTB. Nichtamtlich.) Wie die „Times" «ns New Bork erfährt, wurde die „Appam" durch einen bewaffneten deutschen Tanrpfer, nicht durch ein Unterseeboot, wie Zuerst gemeldet worden ist, erbeutet. Die Paffagiere berichten darüber, bay, am frühen Morgen des 15. Januar ein unbekanntes Schiff sich ganz nahe an die „Appam" herarrmachte und zwei Schüsse entlang des Bugs abseuerte. Tie „Ltppam" glaubte, es mit einen: Seeräuber zu tun zu haben und gab ihrerseits zwei Schüsse ab, die keine Wirkung hatten. Von beiden Schiffen wurden die Rettungsboote ausgesetzt und eins der Rettungsboote der „Appam" wurde zwischen den beiden Dampfern zertrümmert. Hierauf kletterte eine Abteilung von dem deutschen Schiff an Bord der „Llppam" !und Kapitän Harrison ergab sich, da er einsah, daß weiterer Widerstand vergeblich toar. Sodann kam Leutnant Berg mit einer Prisenbesatzung von 22 Köpfen an Bord und has deutsche Kaperschiff verschwand, nachdem es auf der „Appam" eine große Zahl von Gefangenen zurückgelassen hatte, die von sieben br Mischen Sch i f f e n herrührten. — Die „2lppam" wurde hierauf als Hilfskreuzer benutzt und bemächtigte sich noch zweier englischer Schiffe. Die „Appain" kam in Norfolk unter dem Namen „S. M. S. Appam" an. — Das Schiff befindet sich in ausgezeichneten: Zustande und siihrt eine groge Ladung, darunter eme Menge Kakao.
Weiter meldet der Korrespondent der „Times", Leutnant Berg ist ein kleiner schmächtiger Mann mit einem Schnurbärtchen. Heute mittag erzählte er lächelnd von seiner Reise. Das Schiff, dessen Name er nicht nennen wollte, ivar fünf Monate lang Harl an der Arbeit gewesen. Wir warm, sagte er, nur einige Meile:: von: Hafen entfernt, durften aber nicket einlaufen, sondern blieben in der Nachbarschaft und erwartete:: die „Appam". Wir hatten die Hoffnung, sie zu erloischen schon aufgegeben und dachten, das; sie vielleicht von uns gehört hätte und nach einem anderen Hafen gegangen iväre. Die Passagiere haben wir so gut wie möglich behandelt und ihnen alle erdenklichen Annehmlichkeiten verschafft. Wir beauftragten Aerzte. die von einem anderen Schiff heruntergeholt worden waren, für die Verwundeten zu sorgen. Ursprünglich planten wir, nach New Port zu fahren, hörten aber, daß feindliche Schiffe in der Nähe von New Aork ..kreuzten, u:td änderten infolgedessen unseren Kurs auf Norfolk. Wir hatten erwartet, am Sonntag hier einzutreffen, mußten aber vorsichtig sein und eine:: Umweg machen, um das Kap Virginia zu erreichen. Mir sahen keinen englischen .Kreuzer, begegneten aber verschiedene:: Handelsschiffen, die wir hätten nehmen können. Dadurch wäre jedoch unsere Ankunft hier vielleicht in Frage gestellt worden: deshalb ließen wir sie laufen. Unter den Passagieren der „Appam" befinden sich fünf Kinder und 20 Frauen: allen geht es gut. Nachdem :oir die Appam" erbeutet hatten, sichteten wir noch ein anderes Schiff, das aber nicht gut genug war, um nritgenonrmen zu werden. Wir bohrten es deshalb in den Grund, Nur vier Mann von unserer Mannschaft wurden verwundet: keiner von ihnen ernstlich.
L-ond-on, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Irr einem Telegramm der „Times" wird aus Norfolk berichtet, daß das deutsche Schiff, welches die „Appam" nahm, der Kreuzer „Möve^ wrrr, der sich als Frachtdampfer ver- imirrtmt hatte und mit Kanonen ausgerüstet lvar. Die „Mdve" soll aus Kiel gekommen und durch die Linie der britischen Flotte in der Nordsee in den Atlantischen Ozean geschlüpft sein. In einem Artikel über die Rechtsfrage der „Appam" schreibt die „Times": Ist sie eine deutsche Prise, oder ist sie ein deutsches Kriegsschiff? Wenn das letztere der Falt ist und der deutscherseits darauf erhobene Anspruch von den Vereinigten Staaten gebilligt wird, wird sie, wenn sie in Norfolk zu bleiben wünscht,
,'interniert werden und am Ende des .Krieges in deutschen Besitz übergehen. Die deutsche Besatzung würde dann interniert werden. Es ist aber nicht wahrscheinlich, daß die Bereinigten Staaten diesen Standpunkt einnehmen werden. Mar: kann auch an nehmen, daß die „Appam" eine deutsche Prise ist. Dann würde das Haager Abkommen Nr. 13 darauf Anwendung finden. Artikel 21 und 22 können als inter- natvanal anerkanntes Recht betrachtet werden. Artikel 23
lvurde weder von England nocy von ocn Jcvcc.il.gren ^.cru- ten aneröannt. Die „Times" gelangt in ihren: Artikel 51t dem Schluß, daß die „Appam" als deutsche Prise betrachtet werden würde. Wenn sie wegen' Seeuntüchtigkeit,. Seenot, Sturm oder Mangel an Heizstoff Norfolk angelaufen hat, lvird sie wieder abreisen müssen, sobald sie mit dem Nötigen versehe:! ist. Wenn sie das nicht tut, tckird die Prisenbesatzung interniert werden und es werden Passagiere und Besatzung des Schiffes freigelassen werden. Wenn das Schiss keine derartige Entschuldigung ansührt, so wird die Prise automatisch den früheren Reedern anheim fallen.
Berlin, 3. Febr. Mit staunender Be:Minderung hören wir, so schreibt die „Kreuzzellung", von dem M e i st er streich, den d:e 22 von dem „Büffel", wie sie den Dampfer „Appam" getauft hatten, vollbracht haben. Was hier geleistet wurde, stellt j:ch den kühnsten Taten ans der Zeit unseres Krenzerkrieges, rme dec Fahrt der „Ayejhd" würdig zur'Seite. Mur Töchter Wagemuk, verbunden mll Umsicht und Tatkraft, können e(7 sertigbringcn,'"in einer Zeit, in der England stolz aller Welt verkündet, daß es unumschränkter Herrscher der Meere sei, einen Kreiczerkrieg zu führen, dem im ganzen neun ansehnliche Schiffe zum Opfer gefallen sind.
Selbstmord des türkischen Thronfolgers.
Konstantinopel, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Thronfolger Dussuf Jzzeddin nahm srch wegen einer Krankheit, an welcher er seit längerer Zeit litt, das Leben. Er schnitt sich gestern früh 7 Ühr in seinem Palast die Adern deslrnken Armes auf. Der Thronfolger wird morgen im Grabe Sultan Mahmuds in Äam- bnl bestattet werden.
Wien, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Südslaw. Korresp." meldet aus Konstantinopel zu dem Selbstmord des türkischen Thronfolgers Jussuf Jzze- din: Der Thronfolger hat wahrscheinlich in augenblicklicher Geistesverwirrung Hand an sich gelegt und sich durch Oeffnen der Adern getötet. Er litt schob längere Zeit an einer schweren Nerven^errnttung, von der er in dem Sanatorium Edlach am Semmering Heilung suchte, ohne sie jedoch ju finden. Der Zustand Jussuf Jzzedins verschlechterte s:ch bald nach seiner Rückkehr nach Konstantinopel wieder stark. In der letzten Zeit zeigten sich Anzeichen eines schweren Verfalls. Trotz sorgfältiger Pflege gelang es ihm, in einem unbewachten Augenblick Hand an sich zu legen. Jüssuf Azedin hinterläßt eine Tochter und einen Sohn, der für d:e Thronfolge nicht in Betracht kommt. Thronerbe ist der jüngere Bruder des regierenden Sultans, Mahid .Heddin Efsendi, der sechs Jahre jünger als Jussus Jzzedin rst. Wahid Heddin Effendi hat zwei Töchter.
Rücktritt des russischen Ministerpräsidenten Goremkyn.
Petersburg, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Petersburger TelegraphenENtur meldet: Ministerpräsident G 0 r e m y k i n ist auf sein Ersuchen hin in Anbetracht seines geschwächten Gesundheitsz-uslandes jvon seinen Obliegenheiten als Ministerpräsident enthoben und z-um wirklichen Geheimen Rat ernennt worden. Das Mitglied des Reichsrates, Stürmer, ist hum Ministerpräsidenten ernannt.
Eine neue Kirchenversassung in Rußland.
Petersburg, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der Heilige Synod hat einen Vorschlag zu eurer neuen Kirchenverfassung ausgearbeitet, der der Reichsduma nach ihrem Zusammentritt vorgelegt werden soll. Tie vorgeschlagene Regelung bricht völlig mit dem bisherigen Zustande. Sre geht von dem Grundsatz voller kirchlicher Selbstverwaltung aus. Alle Kirchengebäude, die mü den Kirchen verbundenen philanthropischen Anstalten usw. werden Eigentum der betreffenden Gemeinden.
Der Angriff unserer Luftschiffe auf England.
London, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wie amtlich mitgeteilt wird, war der Luftangriff in der letzten Nacht in großem Maßstabe unternommen, die Angreifer scheinen jedoch durch den dichten Nebel behindert worden zu sein. Nachdem die Zeppeline die Küste überflogen hatten, nahmen sie den Kurs in verschiedenen Richtungen und ließen aus einige Städte und ländliche Bezirke von Derbyflffre, Äeicest-ershire, Lineoln- shire und Staffordshire Bomben fallen. Es wurde einiger Sachschaden ungerichtet: bisher sind 54 getötete und 67 verwundete Personen sestge stellt worden.
Ter ZeppeUuangri»» au» das Lagcr von Laloniti.
Saloniki, 2. Febr. (WTB. Mchtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Gestern morgen um 3 Uhr hat ein Zeppelin-Luftschiff heftig Saloniki bombardiert. Es warf 20 Brandbomben ab. Zwei griechische Soldaten, fünf Flüchtlinge, sieben Arbeiter und 50 ander« Zivilpersonen wurden verwundet. An militärischen Werken wurde kein Schaden verursacht.
Amsterdam, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Ueber den Anarisf eines deutschen Luftschiffes auf Schisse und Depots der Entente in Saloniki veröffentlicht das Peu- tersche Bureau folgende Meldung aus Saloniki: Ein Zeppelin warf hier heute nacht Bomben ab. Militärischer Schaden wurde nicht ungerichtet, dagegen ein griechischer Speicher, in welchem Zucker, Kaffee und Oel lagerte, zerstört.
Bern, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Aus Meldungen des „Seoolo" und des „Corriere della Sera" aus Saloniki geht hervor, daß bei dem Zeppelinflug nach Saloniki auch das französische Hauptquartier beschäm d i g t worden ist. Biele Häuser sind einaestürzt, große Depots sowie die Bank von Saloniki sind zerstört. Der Schaden ist außerordentlich groh Die Explosionen waren schrecklich. Im. H äsen wurde auch einenglisches Schiff 0 es ch ädi gtt
Eine neue Ministerrede in Italien.
Turin, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agew zia Stefan:. Be: der Einweihung des Finanzgebäudes, die im Bei- sein Salandras sowie zahlreicher Parlamentarier und der Spitzen der Behörden stattfand, hielt Finanzminister Daneo eine Propaganda-Ansprache, in der er zunächst den Stand der italienischen Finanzen lobend hervorhob. Tie in weitestgehendem Maße garantierte nationale Anleihe werde den Kriegs Italiens auch im Auslande noch mehr populär machen. Für die- Italiener besitze die Anleihe auch einen politischen Charakter. Ihr Erfolg müsse eine Bestätigung der Einigkeit des ganzen Landes, sein: sie müsse den ehrenvollen Frieden sichern helfen,, den Italien gewiß erlangen werde, wenn die Mitt'l zur Fortsetzung des Kampfes bis zum endgültigen Siege in ausreichendem Maße gesichert sind. Ter Minister schloß mit dem Hinweis, der Krieg sei ein heiliger Krieg; alle Italiener hatten ihn gewollt, um jetzt oder nie die höchsten Ideale des Vaterlandes zu verwirklichen Die Lage in Mesopotamien.
L 0 n d 0 n , 2 . Febr. (WTB. Nichtamtl.) Heeresbericht aus Mesopotamien. Die Armee des Generals Aylmer hält eine starke Stellung am Tigris besetzt. Ueberschwemmungen machen ein Vorrücken unmöglich.
Die Reise des Obersten House.
Paris, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Der amerikanische Oberst House ist heute vormittag aus Berlin hier eingetroffen. Er wurde heute von dem Ministerpräsidenten Briand empfangen, empfing abends Vertreter der Presse und. wird noch mehrere Besprechungen haben. Er wird am Montag nach London abreisen und nach einigen Tagen von dort nach New York zurück kehren. Bei ferner Durchreise durch die Schweiz sprach Oberst House deu amerikanischen Botschafter in Wien, Penfield, konnte dagegen den Botschafter in Rom, Thomas Page, wegen Zeitmangels nichtJeher:.
Amerika und die Entente.
Berlin, 3. Febr. Nach einer Meldung verschiedener Morgenblätter hatten England und Frankreich den Vorschlag Wilsons zur Regelung des Unterseebootkrieges endgültig ab gelehnt.
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Die Kämpfe in Ostasrika und Kamerun.
London, 1. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterfchen Bureaus. Der Oberbefehlshaber in Ostasrika berichtet: Die Zweiglinie der Uganda-Bahn, die in der Richtung auf die deutsche Grenze geführt wird, hat Serengeti erreicht. Seit der Besetzung von Serengeti und Longcdo durch die Briten hat die Tätigkeit des Feindes merklich nachgelassen. Der Befehlshaber in Kamerun meldet weitere Fortschritte der britische,: und französischen Abteilungen, die in der Verfolgung der Deutschen nach verschiedenen Richtungen auf wenig Widerstand stoßen. Aus Bctte, an der Küste des spanischen Muni gebiet es, wird berichtet, daß über 700 Deutsche sich auf spanischem Gebiet befinden. Viele feindliche Ueberläufer ergeben srch den britischen und französischen Truppen in voller Ausrüstung.
(Notiz: Bei den Meldungen über Gefechte an der deutschostafrikanischen Nordostgrenzc kann es sich nach Lage der Oertlich- kciten nur um unbedeutende Vorpostengefechte handeln, wie sie übrigens auch in anderen englisck>en Meldungen selbst als solche bereits gekennzeichnet wurden. Einer: größeren Ort Serengeti gibt es Überhaupt nicht. Das hier gemeinte Sereugeti heißt wasserarrne Steppe. Es liegt zwischen dem Kilimandscharo und der Uganda-Balm und ist nicht zu verwechseln mit dem auf
Ziun^t und Wissenschaft.
— Erstaufführung von Niebergalls „Tollem Hunde" in D a r m st a d t. Aus D a r m st a d t wird uns geschrieben : Der starke Erfolg, den Niebergalls „Tatterich" erzielte, hat das hiesige Hoftheater veranlaßt, auch desselben Verfassers Erstlingswerk, „Des Burschen Heimkehr oder der tolle Hund" zur Aufführung zu bringen, eine Aufführung, die ebenfalls einen sehr starken Erfvlg daoontcug. Das Lustspiel ist reine? Lokal- und Dlalektftück, und würde als solä>es ohne entsprechende Umarbeitung an anderen Bühnen nur sch:mr und ohne deu auf örtlichen Anspielungen beruhenden Erfolg aufzuführen sein. Eins aber zeichnet das Werk besonders aus: ein sonnige-r, aus dem Leben geschöpfter Hunwr und eine breite Behaglichkeit, wie sie leider dern modernen Leben abhanden gekomme:: ist. Tie sonst so ovrtreffliche Regie K n i s p e l s hatte sich zu einigen Umarbeitungen und Ergänzungen verstehen müssen, die aber durchaus nicht :mnrer Verbessern::gm, sondern Verbölerungen darstellten. Das Lustspiel spielt in der Biedern:eierzeit. Der Jnl-alt handelt von zwei Liebespaaren, die sich nach allerhand lustigen Verwickelungen und nachdem der böse Intrigant entlarot ist, endlich bekomnwn, nachdem sich der Held, ein G.i eßenerStudent, entschlossen hat, die Medizin an den ^^agel zu hängen und wie sein Vater, den sichereren und nahrhaftere:: Metzgerberuf zu ergreifen. Der Metzgermeister Knippelius gab Herr G ö b e l mit schlagendem Humor und in ttefflicl)em Dialekt. Ausgezeichnet, besonders auch im Dialeft waren .Herr E h r l e als Fritz, Frau .Gothe als Bärbel und ganz vortrefflich Fräulein Kümmel als Bienchen. Auch die übrigen Darsteller boten durchweg Vortreffliches. Tie von Herrn Hofkapellmeister Ottenheim er komponierten Eorrplets hielten sich gesckstckt im Ton der Zeit. Ter „hochaktuelle" Inhalt stand z:r>ar nicht immer mit der Gemütsstimmung ganz im Einklang, aber der patriotische Einschlag half darüber leicht hinweg. DaS Haus war voll besetzt und der stürmische Beifall, der oft zu lautem Jubel ttnrrve, läßt eine lange Reihe von Wiederholungen des „Tollen Hundes" erwarten. Gie.
Charles de Pomairols f. Ter französische Dichter Charles de Pomairols, der im Alter von 73 J-alwen soebcn: ans seinem Schloß PsKgmös verstorben ist, ist di:rch seine literarischen Erzeugnisse in Deutschland nur :ve:km bekannt geworden; dennoch verdient der Dahing'^angene ivohl unser Jnwvcss^ da er zu denjenigen Vertretern der modernen französische:: Dichtung gehörte, die sü: Teutschlaiü) VerstLn'.mis und Teilnahme besaßen. De::n Charles de Pomairols hatte einen.Teil seiner Jugend i n D e u t s ch- land zu gebracht, iw er die Universitäten besuchte und mit besvnc erem Eifer sich dern Studium der Philosophie widmete. Seine vhiloiophischon Neigung^:: haben seine Entwicklung als Dichter verzög et, denn erst im Jahre 1879, als er bereits dem 40. Lebens
jahre sich nähette, ttat Pomorrvls mit einem Bcnüxhen Gedichte an die Oeffentlichkeit. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich gesellte er sich zu einer Gruppe von Dichtern und Denkern, die fast durchweg vom deutscki-en Geiste beffuchtet waren. So hat Gabriel Momid, dm die deutsä>e gcsckstchtliche Methode der französische:: Wrssenschaft vermittelt hat, zu seinm engsten Freunden gehört; ferner zählte der ausgezeichnete Romanist Gaston Paris, Taine und von Dichtern Sullh Priidhomme und Hevedm zu diesem Kreise. Pomairols' dichterisckfes Schaffen blieb verhältnismäßig eng begrenzt. Er hüt etwa ein halbes Dutzend Bersbücher, daneben auch zwei Romane und ein geschätztes-Werk über Lamartine veröffentlicht. Wie seine Beziehunge:: zu Sullv Prirdhomme und Heredia ande::tcn, war ec ein Bekenner der sttengen Form, ein begeisterter Verehrer des , griech:sch-römisck>en Altertums, dem er eine Reihe schöner Ged:chte gewidn:et hat. Einen besonderen Zug in seiner Lyrik bildete sein eigentümliches Naturgefühl. Poma:rols gehörte dem alte:: landfäsftgeu Adel an und hatte daher ein ganz besonderes Gefühl inniger^ Zugehörigkeit zur Erde und zur Landschaft. Er hat eine ganze Reihe von Gedichten geschrieben, die den genteinsamen Titel „Lieder des Besitzes" (?o6sie de la propri6te) führen und worin s:ch der schöne Vers, ein Bekenntnis des Dichters, findet: „Es ist emc arvße Ehre, ein Feld zu besitze::." Er liebte die Natur, liebte die Erde und wußte sem Naturaefühl mit einem ihm eigentümlichen sozialen Empfinden zu durchdrinqen. In der letzten Zeit vor den: Kriege spielte Charles de Pomairols im Pariser Literattrr- leben eine gewisse Rolle. Ec war zum religiösen Glauben seiner Kindhell zurückgekchrt und hatte jene Richtung der Dichtung unter seinen besonderen Schutz genommen, die sich als spiritualistische bezeichnet. Die Aesthetik, auf der er dabei fußte, trug ein stark ethisches Gepräge. Seit dem Msbruche des Krieges war der greise T:chter und Edelmann in Paris' nicht mehr zu sehen; er zog sich auf sein Land, auf sein Schloß zurück, wo er jetzt an den Folgen eines Sturzes verstorben ist.
— Französische Kr i ckgsm u si k. Wenn auch die französischen Tonsetzer auf eine kürzlich von einem großen Blatt ausgegangene Umfrage fast durchgängig erllärt haben, die großen Ereignisse der Gegenwart ließen sie nicht zum künstlerischen Schaffen kommen, so l-aben sich neuerdings doch einige neue Schöpfungen an die Oeffentlichkeit gewagt, die dafür sprechen, daß es mit diesen pathetische:: Beteuerungen nicht so gar weit her war. Saint Saens, der den Gedanken, in diesen Tagen auch nur eine Note zu schreiben, mit großer Schärfe zurückivies, hat dennoch einen „Heroischen Sang ans dem- großen Kriege" veröffentlicht, der sich „Die Französin" nennt und ein Lied des gefftvollen Miguell Zamacois vertont. Der Verleger behauptet auf dem Umschläge, die Komposllion sei nichts geringeres, als „die Nationalhymne von morgen"; die 24 Takte der Melodie haben
aber keinen Anklang gefunden und die Marseillaise bleibt un- umstrllten. Claude D e b u s s h hat eine „Berceuse Hsroigu^ vollendet, die er Albert von Belgien gewidmet hat; sie ist außer orde::tl:ch melancholisch gehalten und hat, aus einem Blatt von
der Große einer Beileidskarte gedruckt, mit dem amtlichen Opti mrsmus der führenden Kreise nichts gemein; in dcn: Schlußakkoroen mngt vre „Bravanoonne" an. aber sie hat nichts Freudiges, nichts Kraftvolles mehr; sie wirkt wie ein Traumbild, das noch einmal m d:e Wirkllchkeit Yineinspielt, um dann endgültig zu zerfließen. Die Panscr Presse hofft denn auch, der Schöpfer von „Pelleas und Melffande" habe in seiner jüngsten Schöpfung über die Lage der belgischen Negierung nur eine ganz persönlick>e und ganz vorläufige Memung abgeben wollen. Günstiger urteilt die Kritik u?er A lfred Bruneau, den Komponisten des „Sturms auf d:e Mühle" und des „Messidor", der kürzlich ein breite? Ton- gcmalde herausgebracht hat, in dessen Mittelpunkt der Kriegsausbruch steht. Zwei Themen stehen sich darin gegenüber, eine beschreibende Phrase, die mit breitem Pinsel eine sonnige, weite Landschaft mit wogenden goldenen Kornfeldern vor den Zuhörer Hinzaubern soll, und ei nhartes, grausames Motiv, das mit Hinzauber:: soll, und ein hartes, grausames Motiv, das mit unheimlichen Halbtönen und brutalen Dissonanzm den mörderischen Krieg schildert. Das erste Thema klingt in einem Vorspiel aus, das noch einmal die zarte, ruhige Schönheit des Friedens malt: der zweite Rhythmus verdrängt es, aber es kehrt wieder, um dem Blutrausch der Menschen den „Sonrmersege::" entgegenzusetzen: es klingt von neuem auf, um von den ausziehenden Truppen Abschied zu nehmen und sie zu entflammen, und es kehrt in: Schlußsatz ins Heroische erhoben wieder, als gelte es, an die himmlischen Mächte einen letzten Appell für das schwer bedrängte Frankreich zu richten. Auch Raynaldo Hahn ist nickt stumm geblieben: ec sendet von der Front ein .Heft mit zwölf Walzern für zwei Flügel, die teils in nächtlicher Arbeit in dem Bureau des Generalstabs, teils in kugelerschütterten Unterständen und in langen Schützengrabennächtm entstanden sind. Ihre Titel — „Dekrete des Schicksals", „Der Tanz der Liebe mit dem Kummer" „Der Tanz des Zweifels mit der Hoffnung", „Durch- duftetcr Halbschlaf", „Sturmabend" usw. — lassen den Charakter der Tonstücke ahnen, die ttotz des galanten Gesamttitels „Das gelöste Bein" mit der leichtbeschwingten Sorglosigkeit des üblichen Ballgeflüsters blutwenig zu tun haben. Im allgemeinen macht also die französische Musik das laute Pathos der Dichtung mcht mit: die empfindungsreichste .Kunstart bleibt in Frankreich pessimistisch, und vielleicht ist das bezeichnender, als alle Berichte, die bisher über die wachsende Ernüchterung unserer republikanischen Feinde bekannt geworden sind.


