ftabt grftorbeiten Frirn^sen, das ani dem Wmttmtävter Friedhöfe S/ir Anfftellung gelangen wird. Auf den Stufen, die zu einen ftumpfnüulligen Marmottvand hinausführen, liegt die sterbende Gestalt eines französischen Kriegersl sein erlöschender Blick ruht ans der Marmor fläche vor ihm, und hier treten in leichten Reliefs die Gestatten seiner Eltern und Geschwister, überragt von der Figur des segnenden Vaterlandes, geisterhaft aus dem Stein heraus. Zu beiden Seiten der Marmorwand schließen sich die Namenstaseln der Gefallenen an. Das ganze Werk atmet in seiner seinen Liniew- fütrrung und in seinem Gedankeninhalt nicht wenig vom Geiste Radius und steht in technischer Vollendung weit über dem, was für- gewöhnlich als moderne Plastik vorgeführt wird. Das Denkmal wird nach seiner Aufstellung eine hervorragende Sehenswürdigkeit Tarmstadt bilden. Bedauerlich ist nur, daß erst ein Franzose kommen mußte, um uns gegenüber den ägvvtisch-babylonisch-neusee- landischen Machwerken, die hier eine Zetilang als höchste Offenbarung deutscher Kunst galten, greifbar vor Airgen zu führen, was wahre Kunst ist. Ter Krieg wird uns auch auf diesem Gebiete zur waliren Schönheit zrrrückführen . . . Auch sonst regt sich künstlerisches Leben im Gefangenenlager. Die einzelnen Bataillone, in die die Gefangenen geteilt sind, haben jedes ein Theater eingerichtet, die sich untereinander heftig Konkurrenz machen. Plakate von manchmal ganz genialem Schwünge laden überall zum Besuche ein, und mancher Neklamekünstler würde hier überreiche Anregung und treffliche Vorbilder finden.
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8. Jugenheim, I. Febr. Gestern früh 8 Uhr 49 Min. wurde ein Fernbeben beobachtet, das bis 10V 4 Uhr dauerte. Die Entfernung beträgt 9500 Kilometer. Der stoßartige -Einsaß der transvers-Uen Wellen ist charakteristisch für die japanischen Beben.
ch Bingen, 1. Febr. Gestern abend um fünf Uhr ereignete sich im neuen Fahrwasser, der einzigen am Binger Loch noch fahrbaren Straße, des Rheines ein neuer Schiffsunfall. Um ein Haar handelte es sich, und zwei große eiserne Schleppkähne hätten mit schweren Hararien in diesem Fahrwasser gelegen, der Rhein aber wäre vollständig gesperrt gewesen. Zwei Dampfer der Reederei Küppers schleppten zwei Schleppkähne der gleichen Firma bergwärts. Bei der starken Strömung ist es kaum möglich, voranzukommen. Vor dem letzten Kahn riß plötzlich der Strang, der Kahn trieb ab, die beiden Anker, die sofort gesetzt wurden, rissen ab und blieben im Fahrwasser liegen und das Schiff sauste seinem Schicksal entgegen. Ein Halten war nicht möglich. Nun kam es doch abseits der Kribbe des Fahrwassers dem Lande nahe genug, um mit dem Stern aufzustoßen, dann herum- znsallen und kopfvor talwärts zu treiben. Viel fehlte nicht und es wäre mit einem anderen Kahn zusammengerannt. Die nachfolgenden Schleppzüge mußten dem Ausreißer schleunigst ausweichen. Bei Bacharach wurde der Kahn von einem Küppersboot aufaefangen. Der andere Küpperskahn °öonnte ungefährdet nach oer Binger Reede geschleppt werden.
Hessen-Nassau.
Wm. Neustadt, 2. Febr. Ter l 1 /* Jahre alte Sohn der Familie Johannes Sommer im nahen Erksdorf fiel in ein Waschfaß und ertrank.
[] Biedenkopf, 1. Febr. Am Sonntag, den 13. Febr., soll auch! hier ein Kriegswahrzeichen, nämlich ein großes eisernes Kreuz, zur Nagelung enthüllt werden. — Von feiten des hiesigen Schützenvereins werden die Angehörigen der Jugend- wehr jetzt zu den Schießübungen heran gingen. Zu den Unkosten stellte die Stadt einen Beitrag zur Verfügung.
— Biedenkopf, 2. Febr. Zwischen hier und Weidenan wurden zwei Monteure, die in der Dunkelheit die Bahn- gleise überschreiten wollten, von einen:Eisenbahnzuge überfahren und getötet.
— Frankfurt a. M., 2. Febr. Das Amtsgericht bestrafte abermals eine größere Anzahl Geschäftsleute wegen Vergehens' gegen die Kriegsgesetze mit Geldstrafen von 60 bis 150 Mk. Die Vergehen bestanden in der Ueberschreitung von Höchstpreisen, im Mehrverbrauch von Mehl und in zu geringem Brotgewicht.
>--- Würgend orf, 2. Febr. Auf der Dynamitfabrik kam ein 22jähriger Eletrochtechnikec der S t a r k st r o m l e i t u n g zu nahe, die ihn auf der Stelle tötete.
— Rückingen, 1. Febr. Der Morgenzug der Kleinbahn Hanau—Langenselbold hatte am Samstag auf dem hiesigen Bahnhof einige Güterwagen umzusetzel: und hängte dabei auch die Personenwagen ab. Als die Umsetzung vorbei war, prustete das Züglein davon. — Erst in Langenselbold merkte man, daß die Personenwagen vergessen waren. Flugs sauste die Maschine nach hier zurück, wo sie mit Hurra empfangen wurde, spannte sich vor die verlassenen Wagen und führte sie nach Langenselbold. Und, abgesehen von einer Stunde Verspätung, es war alles wieder gut.
ul. Limburg, 2. Febr. Der Rangiermeister Friedrich Seel ans Freiendiez wurde gestern auf dem hiesigen Güterbahnhos überfahren. Er wurde sogleich ins St. Vinzcnz-Hospital gebracht, wo ihm der rechte Oberschenkel amputiert werde»: mußte. Seel ist Vater einer zahlreichen Familie.
X. Fulda, 2. Febr. In einem dunklen Tannenhag des Rhöngebirges zwischen Kämmerzell und Dietershan bezeichnet ein steinernes Monument die Stelle, an der am 15. Februar 1912 der auf einem Tienstgang begriffene Förster Romauus aus Riesig (Kreis Fulda) von der Zigeunerbande Ebender niedergeschossen wurde. Tie allgemein bekannt gewordene schändliche Straftat ist noch nicht gesühnt. Unter Hinzuziehung eines Kommandos des in Fulda in Friedenszeiten in Garnison liegenden Artillerieregiments, das später durch ein größeres Komigpndo des Marburger Jägerbataillons abgelöst wurde, fand nach der Mordtat zwar ein regelrechtes Kesseltreiben über Berg nnd Tal gegen die Verbrecher statt. Die zusammenhängenden, über weite Gebiete sich erstreckenden Waldungen vereitelten aber alle eifrigen und erdenklichen Nachforschungen. Erst 5 Monate nach der Tat gelang es, einen der Verbrecher, den 25 Jahre alten Ernst Ebender :n Gandersheim (Braunschweig) festzunehmen und zwar durch den Verrat eines seiner Stammesgenossen. Ernst Ebender wirrde im Februar 1914 vom Hanauer Schwurgericht wegen Teilnahme an einen: dem Mord an dem Forstmann unmittelbar voraufgehenden Totschlagsversuch auf den Gendarnreriewachtmeister van Bürk in Fulda zu 4 Jahre:: 6 Monaten Zuchthaus verurteilt. Er gab in dem damaligen Verhandlungstermin zu, bei dem Förstermvrd zugegen gewesen zu sein, behauptete aber, daß nicht er den tödlichen Schuß abgegeben habe, sondern sein Bruder Wilhelm. Dieser soll nun Ende voriger Woche in dem holländichen Grenzorte S i t t a r d verhaftet worden sein. Um festzustellen, ob man in dem Verhaftete:: den vielgesuchten Zigeuner eingefangen hat, begab sich am Samstag abend eine Gerichtspersvn von Fulda, der Ebender bekannt ist, nach Sittard. Auf die Ergreifung der Mörder sind 3000 Mark Belohnung ausgesetzt. 1000 Mark hiervon sind bereits an die bei der Festnahme Ernst Ebenders Beteiligten zur Auszahlung gelangt, die noch verbleibenden 2000 Mark sind für die Ergreifung der Gebrüder Wilhelm und Hermann Ebender bestimmt. Tie Familie Ebender stammt aus Usenborn int Kreise Büdingen. Das Haupt der Familie ist vor mehreren Jahren auf einem Markte in Fritzlar während eines Streites erstochen und ein weiterer Sohn der Familie, Friedrich Ebender, wegen Ermordung des Gendarmen Schenk in'Flieden im' Jahre 1909 in Hanau hinge- richtet worden.
vermischtes.
* Rußlands Scharfschü tzen. Jnrmer wieder lust man in Schilderungen, die aus dem Osten zu :ms gelange,:, von den erstaunlichen Tate:: besonders schießgewandter Soloaten des Zaren. Deutsche and österreichische .Krankenpfleger, die während der Ge- fechtspausen auf dem Schlachtfellde Verwundete und Tote sammeln, sind, wie jetzt wieder wÄhnnch der Kämpfe an der bessarabischlen Grenze, ihr Ziel gewesen oder die nie fehlende Kugel machte beim Stellungskriege das Halten irgeird eines vorgeschobenen Postens auf die Dauer unmöglich. Der jeweilige Wa.chsol.dctt wurde stets erschossen, und das war noch das besonders Unheimliche, alle J
Opfer hatten immer die gleiche Schußverletzung. Wenn Nun auch, so schreibt uns ein Mitarbeiter, ein sehr großer Teil all dieser Erzählungen, die über eine außergewöhnliche Gewandtheit in der Führung des Feuerrohrs berichiten, in das Reich der Kriegslegeu- den zurückverwiesen werden muß, so ist es doch Tatsache, daß es unter Väterchens Soldaten auch ganz hervorragende Kunstschützen gibt. Zwar beim Militär sind sie nicht dazu erzogen worden, spukte bis zum Kriegsausbruchs immer bei der Ausbildung Wort des bekannten alten russischen Heerführers Suworow: "^ e Kugel ist eine Närrin, nur das Bajonett ist ein fixer Kerl," r^r n ^ eu '^'Oser Weisheit die AnsiM, daß es bei der modernen Schlacht gar nicht mehr auf die Schi eßleistun gen Einzelner an- wmme, da der Gegner doch unsichtbar sei, sondern das Salven- l^uer alles machen müsse. Also Schießen und Zielen haben die russischen Soldaten wenigstens bis zum 1. August 1914 nicht gelernt, nur Knallen in irgend eine Richtung. Zwar setzte ja die Regierung auch Preise für Einzelschußleistungen aus und verlieh denen, die sich dabei auszeichneten, besondere Abzeichen. Aber nt -ft.M.ere sahen diese Hebungen stets nur als etwas höchst Ueberflüssiges an, das da befohlen wurde, um die hohen Herren bei guter Laune zu erhalten und eben abgemacht werden mußte, aber für die Wirklichkeit keinerlei praktische Bedeutung habe. Also gegen das russische Militär kann nicht der Vorwurf erhoben werten, daß es viele Kunstschützen erzogen hat, auch der Iagdbetrieb, w:e er im Lande allgemein üblich ist, trägt keine Schuld daran. Tenn die Bauern bedienen sich« meist dabei der Schlingen und sonstiger Fallen. Sie verwenden zur Munition vielfach gehacktes Blei und vermeiden den Leistungen dieser Ladung entsprechend, den Schuß auf fliehendes Wild als aussichtslos. Meister der Führung des Feuerrohrs haben aber die Tündern Sibiriens und des nördlichen europäischen Rußlands und des Kaukasus jäh ansteigende, zerklüftete Berge erzogen. Hier jagt der Mann allein. Oft hängt am Treffen oder Fehlen der Kugel, die gegen reißende Tiere, aber häufig auch gegen eigene Geschlechtsgenosse:: gerichtet ist, das Leben. Da lernt man Schießen! Auch die Tündern sind ein solcher Lehrmeister. An Gefahren bergen sie die gleiche Fülle wie der Kaukasus. An blutdürstigen Bestien gibt es auch dort genug. Stammessehden entfesseln da zwar weniger den Kamps, aber die Tatsache, daß ein Schütze sich im PelJagdrevier des anderen eingenistet hat. Jeder ahndet eben unlauteren Wettbewerb der Sitten seines Landes entsprechend, und der Kämpf tobt ja eben um die Trcßxer des wertvollen Pelzes. Ins Auge muß die Kugel treffen, sonst leidet die Decke. Aus solchen Schulen sind Rußlands Scharfschützen hervorgegangen. Sie verdanken also nicht ihre Kunst der militärischen Ausbildung, und ihre Zahl ist natürlich! schon dank des männeraufreibenden Lehrganges und der geringen Besiedelung der in Frage kommenden Gebiete eine sehr beschränkte.
Märkte.
k'. 0. Frankfurt a. M-, 2. Febr. S ch w e i n e m a rf t. Ausgetrieben waren 165 Schweine. Es kosteten: Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kg. Lebendgeivicht 108.00—00,00 Mk.; Vollfleischiqe Schweii,e unter 80 Kg. Lebendgewicht 93,00-00,00 Mk.; Voll- fleischige Schweine vo>, 100 bis 120 Kg. Lebendgewicht 118,00 Mk. bis 118,50 Mk ; Vollfleischige Schweine von 120 8is 150 Kg. Lebend- geivicht 129.00-00,00 Mk. Marktverlaui: Bei flotten: Handel wird schnell geräumt.
ke. Frankfurt a. M«, 2. Febr. Frucht- und Futter«
n: i t t e l n: a r k t. Ter Handel nnd Besilch ist schwach, die Nachfrage nach Futtcrlnitteln ist groß, das Angebot dagegen klein. Getreide geschästslos. Man notierte: Kokoskuchen 77,50 — 80 Mk., ausländische Kleie 56—59 Mgrk, Leinknehelnnehl 85 bis 88 Mk., Reiskleie 33.50—35.00 Mk., Rapsschrot 61 — 63 Mk., Sprenmehl 22 bis 24 Mk.. Biertreber 55-60 Mk. Alles per 100 Kilo.
ke. Frankfurt a. M., 2. Febr. K a r t o s s e l n: a r k t. Kartoffeln ab Versandstation vorn Erzeilger in loser Ladulig 6-10Mk. per 100 Kilo.
ko. Frankfurt a. M., l.Febr. Heu- und St roh markt. Auf den: heutigen Heu- imb Strohmarkt war nichts angeiahren.
Amtlicher Wetterbericht.
Oeffentlicher Wetterdien st, Gießen. Wetteraussichten :n Dessen am Donnerstag, den 3. Febr. 1916: Bedeckt, zeitweise Niederschläge, euvas wärmer _
Letzte Aachrichten.
Ein Heldenstück deutscher Seeleute.
New York, 1. Febr. (WTB. Nichtamtlich.» Nach einer Reuter - Meldung aus Newport ist der vermißte englische Dampser „Appam" unter Führung einer deutschen Prisenmannschaft und unter deutscher Kriegsflagge bei Old Point an der Küste von Virginia angekommen. Der Dampfer ist aus der Höhe der Kanarischen Inseln von einem deutschen Kriegsschiff ansgcbracht worden. Die Appam batte bei ihrer Ankunft 425 Personen an Bord, darunter 188 von etwa 5 vor der Ausbringung versenkten britischen Schiffen.
Rücktritt des russischen Ministerpräsidenten Goremykin.
Petersburg. 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Die Petersburger Telegraphenagcntur meldet: Ministerpräsident Goremykin ist auf sein Ersuchen hin in Anbetracht seines geschwächten Gesundheitszustandes von seinen Obliegen- heiten als Mi nisterpräs ident enthoben und zum wirklichen Geheimen Rat ernannt worden. Das Mitglied des Reichsrates, Stürmer, ist zum Ministerpräsidenten ernannt.
Der Luftangriff auf Saloniki.
Lugano, 2. Febr. Dienstag früh gegen 3 Uhr erschien ein Zeppelin über Saloniki und warf 20 Bomben auf die Präfektur, die Hafenanlagen und das französische Generalstabsgebäude. Fünf Häuser wurden zerstört, ebenso ein englischer Dampfer. 8 Menschen sind tot. 50 Soldaten nnd Zivilisten verwundet. Tie Filiale der Bank von Saloniki steht in Flammen. Der verursachte Schaden beträgt eine Million.
Die Zeppelin-Angst in Paris.
Paris, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Wie der „Matin" meldet, hätten am 31. Januar abends die Posten einen Zeppelin nördlich von Compiegne gemeldet. Das Militärgouvernement von Paris ordnete Bereitschaft und Vorsichtsmaßregeln an, jedoch habe der Zeppelin, vom Feuer und den Scheinwerfern der französischen Linien erreicht, über den Verteidigungslinien Kehrt gemacht. Um 11 Uhr sei jede Gefahr beseitigt gewesen.
Angriff eines englischen Torpedobootszerstörers auf ein türkisches Dorf bei Smyrna.
Athen, 2. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Hades. Wie aus Athen berichtet wird, beschoß ein englischer Torpedoboots-Zerstörer das türkische Dorf Ach:- rikos bei Smyrna. Alle Einwohner flüchteten in ein von Christen bewohntes Dorf im Innern oes Landes.
Japanische U-Boote im Suezkanal.
B u d a p e st, 2. Febr. Das Athener Blatt „Embros" meldet, daß an der Verteidigung des Suezkanals auch j apanische Unterseeboote teilnehmen. Bisher schlossen sich der englischen Flotte bei Suez 11 japanische Unterseeboote au, die als selbständiges Detachement unter dem Befehl eines japanischen 2ld- mirals operieren Werder:.
Salandra in Turin.
Lugano, 2. Febr. Am Morgen deS 31. Januar wurde Salandra vom Bürgermeister Grasen Ross:, vom Finanzminister Daneo, von einer Reihe von Abgeordneten und Senatoren, von fahnentragenden Vereinen imd einer Volksmenge empfangen. B«
Empfang im Rathanse hielten der Bürgermeister und der Abgeordnete Voselli Begrüßungsreden. Salandra antwortete kurz. Er zitierte die Worte Cavours: Die Regierung werde alle Kräfte Italiens aufbieten nnd niemals nach einer politischen Vergangen.- heit fragen. Wie der Dichter Poerio, der 1848 siel, könne auch er beim Kugelpfeifen sagen: Ich bin schwerhörig und höre das Murren nicht. Die Begeisterung, die er sehe, in seinem lieben Turin, wohin er so gerne gepilgert, beweise ihm das Vertrauen der Bevölkerung in den Sieg. Der Verfall war groß. Der „Secolo" meint dazu nicht etwa freundlich, der Name Salandra bedeute den Krieg und das bedeute auch der Zuruf der Piemontisten. Salandra könne zufrieden sein, aber wehe ihm, wenn er sich dadurch zur Selbltzufriedenheit verleiten lasse.
Die letzte Rede Wilsons.
0 l u, 2. Febr^ Der „Köln. Ztg." zufolge erhält die „Mornmg Post aus Washington unterm 30. Januar folgende bemerkenswerte Ausführungen über die jüngste Rede des Präsidenten Wilson. Wohl selten sind von einem Staatsoberhaupt solch ernste Warnungen an das Volk über die große und drohende Gefahr ergangen, der es sich gewappnet zeigen solle. Seine Rede erregte gewaltiges Aufsehen, und man fragt sich, was der Präsident mtt ihr gemeint habe, als er in der Rede a u f D e p e s ch e n anspielte, die, wie er meinte, von solcher Natur seien, daß er nichts über ihren Inhalt angeben konnte. Vor einem Jahre noch sei der Präsident einer Vermehrung des Heeres und der Flotte entschieden entgegengetreten. Heute verlange er sie. Er hätte sich nicht mit größerem Nachdruck aussprechen, oder das Land tiefer in sein Vertrauen ziehen können, wenn er vor dem Kongreß erschienen wäre und verlangt hätte, das Heer aufs Kriegsfuß zu setzen. Heute benötige das Land bei nüchterner Erwägung nicht nur herauszufinden, was der Präsident wohl gemeint habe, sondern auch zu erkennen, wo der wirkliche Feind zu suchen sei, in Deutschland, oder in England.
Die Kriegsgewinnbesteuerung in Amerika.
Rotterdam, 2.Febr. Die „Morning Post" meldet aus W <rsbin g to u: Unter den Mitgliedern des Kongresses herrscht die Ueberzeugung, daß den Munitionsfabriken eine I n l.an d s st e ue r auferlegt werden wird, was zur Folge heben würde, daß die Alliierten die in Amerika bestellte Munition erheblich teurer bezahlen müßten.
Amtlicher Teil.
Nr. W. M. 562/1. 16. K. R. A.
Bekanntmachung.
betreffend Preisbeschränkungen im Handel mit Web-, Wirk» und Strickwaren. Vom 1. Februar 1916.
Ans Grund des 8 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 (Gesetzsamml. S. 451) in Verbindung mit dem Gesetz, betreffend Abänderung dieses Gesetzes vom 11. Dezember 1915 (Reichs-Gesetzbl. S. 813) — in Bayern auf Grund des Artikels 4 Ziffer 2 des Gesetzes über bcn Belagerungszustand vom 5. November 1912 in Verbindung mit der Königlichen Verordnung vom 31. Juli 1914, den Uebergang der vollziehenden Gewalt ans die Mlitärbehärden betreffend — wird hiermit folgende Anordnung zur allgemeinen Kenntnis gebracht:
Beim Verkauf von Web-, Wirk- und Strickwaren (gleichgültig aus welchen Spinnstoffen dieselben hergestellt sind) sowie der hieraus gefertig-ten Erzeugnisie darf der Verkäufer keinen höheren Preis vereinbaren, als er vor dem 31. Januar 1916 bei gleichlartigen oder ähnlichen Verkäufen erzielt hat. Hat der Verkäufer vor dem 31. Januar 1916 den betreffelwen Gegenstand nicht gehandelt, so darf er keinen höheren Preis vereinbaren als den, welchen ein gleichartiges Geschäft innerhalb desselben höheren Verwaltungsbezirks vor dem 31. Januar 1916 für den Gegenstand erzielt hat.
Frankfurt (Main), de,: 1. Februar 1916.
Stellv. Generalkommando 18. Armeekorps.
B e t r.: Preisbeschränkimg im Handel mit Web-, Wirk- und Strickwaren.
An die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden
des Kreises.
Indem wir m:f die Bekanntmachung des stellverttetenden Generalkommandos des XVIII. Armee-Korps von heute verweisen, beauftragen wir Sie, folgendes' alsbald «ortsüblich zu veröffentlichen:
„Am 1. Februar 1916 ist eine Bekanntmachung des stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armee-Korps, betreffend: Preisbeschränkung im Handel mit Web-, Wirk- und Stricklvaren erlassen worden. Ter Wortlaut der Bekanntmachung ist auf unserer Amtsstube einzusehe::."
Ter Gießener Anzeiger, der obige Bekanntmachung enthält, ist von Ihnen auf Wunsch den Interessenten vorzulegen, letzteren auch auf etwaige Fragen eingehende Auskunft zu geben.
Gießen, den 1. Februar 1916.
Grvßherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Langer man n.
Bekanntmachung
betreffend Hausschlachtungen.
Auf Grund des 8 12 der Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 4. November 1915 zur Ergänzung der Bekanntmachung über die Errichtung von Preisprüfungsstellen und Versorgungsregelung vom 25. September 1915 wird mit Zustimmung Großh. Ministeriums des Innern vom 31. Jan. 1916 zu Nr. M. d. I. III. 1667 das Folgende angeordnet:
8 1. Wer Privat-(Haus-)Schlachtungen vornehmen oder vornehmen lassen will, bedarf hierzu der kreis amtlichen Genehmigling. Der Antrag ist spätestens eine Woche vor der beabsichtigten Schlachtung bei Großh. Bürgermeisterei des Wohnorts zu stellen und muß folgende Angaben enthalten:
1. Name des Antragstellers.
2. Zahl der zu seiner Haushaltung gehörrgen Persone:: einschließlich des ständige:: Dienstpersonals
a) über 5 Jahren,
b) unter 5 Jahren.
3. Das Lebendgewicht des zu schlachtenden Stückes Vieh (Rindvieh oder Schweine).
4. Die Angabe, ob seit 1. Oktober 1915 bereits für den Verbrauch in eigener Haushaltung Vieh geschlachtet worden ist, welches und von welchem Lebendgewicht.
5. Tic Angabe, ob und wieviel Stück Vieh l Rindvieh oder Schweine) im Jahre 1914 von dem Antragsteller zum Verbrauch in der eigenen Haushaltung geschlachtet worden sind.
6. Namen des Metzgers, der die Schlachtung jetzt vollziehen soll.
7. Namen des Metzgers, der sie im Jahre 1914 vollzoc:en hat.
8 2. Niemand darf eine Hausschlacktimg vornehmen, bevor
ihn: die nach 8 1 erforderliche Genehmigung vorgelegt wird.
8 3. Vorstehende Anordnungen finden keine Anwendung aut Schlachtungen, die erfolge::, weil zu befürchten ist. daß die Tiere an einer Erkrankung verenden werden, iveil sie üüolge etnes Unglücksfalles sofort getötet werden müssen. Solche Schlachtungen sind innerlialb dreier Tage dem'Kreisaint anzuzeigen. .
Soll das Fleisch eines notgeschlachteten T:eros :n nnem Privathaushalt Verwendung finden, so sind mit der Anzeige (Abs. 1) die in 8 1 gestellten Fragen sinngeinäß zu beantworten.
8 4. Zuwiderhandlungen gegei: diese Vorschriften werden Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe b:S zu 1500 Mk. bestraft.
8 5. Diese Bekanntmachung tritt mit den: Tage der Verkündigung im Verordnnngs- und Anzeigeblatt' in Kraft.
Ä i e ß e n , den 1. Februar 1916.
GwßberzoglicheS Kreisamt G^ßat.
I. V.: L a n g e r m a n n.


