Nr. 20 Zweites Blatt
Erschein Egüch mÜ Mrsnahme des Sonntags.
D,e „«ehener K-»«enblStter" merben dem
.Anzeiger« viermal wöchentlich beigelegt, das ^rctrbiatt fSr de» Ureis Stehen" zweimal 'vochenttich. Die „Landwirtfchgfttichen Sett- frage«" erscheinen monatlich zweimal.
M. Jahrgang
General-Anzeiger für Oberheffen
Dienstag. 25. Januar Mb
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitälS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Schttstleitung,Geschäftsstelle »».Druckerei: Schul» straße7. Geschäftsstelle u.Verlag:b-^K51,Schrift- leitung: e=a^H2. Adresse für Drahtnachrichten.' Anzeiger Gießen.
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Aus englischen Zelbstbelenntnissen.
Wohin gehen wir,mü wohin treibt England? Ohne viele -dorte sei es an einer kleinen Gegenüberstellung ausgezeigt. ^ der letzten Sitzung des Deutschen Reichstags erklärte der stellvertretende Krregsmmistvr v. Wandel init Bezug auf dre zeitweise Entlassung der Mannschaften, die nicht in der Front gebraucht werden: „Es ist selbstverftindlich, daß mich seitens der Militärverwaltung der Gesichtspunkt, mogliclsst wenig Leute dem wirtschaftlichen Leben zu entziehen, beachtet wird, und es ist Anordnung getroffen, daß alle die Leute, die nur arbeits- oder garnison- drenstfähig send und in der Truppe nicht unbedingt gebraucht werden, nach und nach zur Entlassung gelangen und erst dann wieder emberiifen werden, wenn Bedarf für )re vorhanden ist. Bei rrns hat also auch die Heeresvorwal- ^ rnvglickst weitgehende Erhaltung des wirtschaftlichen Lebens und dessen Kraft und Zukunft im Auge. Mitten im Kriege bereiteil wir den Frieden vor. Das Heer'ist nicht Selbstzweck, sagte ja auch der Vertreter der Militärbehörde, „das allgemeine Leben der Bevölkerung muß nach Möglichkeit gefördert werden". Und nun das englische ^-egenstück. Um den durch die verfehlte Kriegführung not- leidendtm englischen Finanzen auf die Beine zu helfen, fordert der Zentralverb and britischer Eisenb ahnarbeiter und -beamten, der 300 000 Mitglieder zählt, nicht mehr und nicht weniger als die Konfiskation der Privatvermögen, und ein so ernst zu nehmendes Blatt wie die „Nation" schlägt vor: „Alle Einkünfte, die das Existenzmini m u m des Lebensunterhaltes über st eigen, müssen ganz dem Staat zufallen. Damit muß man nicht zn lange zögern. Denn die großen Wirtschastlichen Vorteile, die wir früher über Deutschland hatten, sind durch behördliche Ungeschicklichkeit und die öffentliche und private Vergeudung und Ausschweifung verloren gegangen." Also während »vir im Kriege uiid trotz des Krieges alle vorhandenen wirtschaftlichen Kräfte nach Möglichkeit zu erhalten und inr fünf* tigen Frieden weiterzuentwickeln sucheri, wird dort der Plan entworfen, rum Zwecke des Krieges die wirtschaftliche Kraft mit der Wurzel auszuveißen, mit dem vorhandenen Volksverniögen einen fürchterlichen Raubbau m treiben. Wer nicht draußen im Schützengraben liegt, dem sollen wirtschaftlich Arme und Beine abgehackt werden, so daß ihm nichts bleibt als das „Existenzminimum" Man könnte diesen Mhnsinn nicht für möglich halten wenn man nicht zu gleicher Zeit in den englischen Blättern die Gründe und Selbstbekemituisse läse, die zu solch verzweifelten Gedaiikengängen sichren. Aber da heißt es in der neuesteir „Daily Mail", die auf Umweaen herübergekommen ist: „England bezahlt jetzt: alles dreimal so teuer als Deutschl- lMid. Bei solcher Wirtschaft muß das reichste Land .der Welt zugrunde aehen. Der Krieg kostet England etwa fünf Millwiren Pfund täglich; dadurch, daß die Regierung beit Soldaten Pfeffer und Senf entzogen und die Fleisäxratroncn verkleinert hat, ist der Verlust nicht wettMmachen. Das Land muß Helsen! Dreißig tausend Pfundstücke werdeii täglich rn England zu Geschmeide geschmolzen, während die deutschen Frauen ihr Geschmeide hiergeben, um Zwanzigmark- stilcke daraus machen zu lassen. . Und der bekannte Politiker Sydney Low wendet sich in einem „offenen Brief" au das britische Publikum: „Ich glaube nicht, den Pessimisten beigezählt werden zu sollen, wenn ich darauf Hinweise, daß die Deutschen von der Technik und ,deni wirtschaftlichen Apparat bessereri Gebrauch mache»: als wir. Ich habe wiederholt erklärt, daß wir im bisherigen Kriegs- Verlauf die ursprüngliche Ueberlegenheit des Feindes um nichts vermindert haben; ja, wir lw.be n es sogar geschehen lassen, daß sie sich verstärkte."
Wo sind die großen Worte von dem Endsieg mit den silbernen Kugeln hingekommen? Der großsprecherische Ton, der in der englischen Presse so lange vorherrschte, hat vollständig aufgehört: sie sagt dem britischen Volk mit beinahe brutaler Offenheit, daß das Land sich in dringender Gefahr befinde, und daß es sich nur durch eine fast übermenschliche Anstrengung vor dem ausdauernden, kraftvollen Feinde retten könne, gegen dessen Organisation man einfach nicht aufkommen könne. Das englische Publikum wird durch seine Presse allmählich zu der Erkenntnis erzogen, daß England es mit einem so starken, so gut geschulten, über so reiche Hilfsmittel verfügenden Feinde zu tun hat, daß jeder Versuch,
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'^ne trefflich organisierte Kraft zu breck)en, nutzlos ist. Hoffentlich ist der Tag nahe, an dem man aus dieser Erkenntnis die richtige Folgerung zieht.
Ans heften.
rb. Darm stadt, 24. Jan. Der F i n a n z a u s s ch n fj der Z werten Kammer sollte nach dm früher getroffenen Dispositionen! bereits Anfang dieser Woche mit der Beratung des Staatsvoran- Ichlags für 1916 beginnen. Infolge Unpäßlichkeit des Ausschuß Präsidenten Abg. Dr. Osann ist jedoch der Beginn der Etats- beratnng auf Dienstag, den 1. Februar, vormittags 10 Uhr, per- |tf>ob«: worden. — Nach einer offiziösen Mitteilung mußte an- genommen werde»:, daß ber HanPtvorauschlag bereits vollständig de»r Mitgliedern beider Ständekammern zugestellt »norden sei. Dies ist jedoch nicht der Fall. Der vollständige Staatsvoranschlag konnte infolge der umständlichen Buchbinderarbeiten erst in »venig Exemplar«: den Mitgliedern des Finanzausschusses überliefert »ocrdcn. Die Zustellung an die übrigeit Kammermitglieder wird frühestens Ende dieser Woche erfolgen können.
A n s i e d l u n g v o n K r i e g s i n v a l i d e n und Krlege r w i t w e n. Der von dem hessischen Zentralwohnungsverein cmgesetzte Ausschuß für die Ansiedlung von Krivgsinvalioen und Kriegerwitwen hat seine erste Sitzung abgehalt«:. Der Ausschuß Mllle sich auf den Standpunkt, daß in Rücksicht auf die hessischen Bodenbesitzverhältnisse die Sckafsung neuer Kleinbancrnstellcn nur i»r geringem Umfange möglich sei, es sich vielmehr tu erster Linie darum handeln müsse, kleine Eigenheime »lebst Garte»: zu schaffen, deren Garten so groß sein müsse, um darin für eine zahlreiche Familie den Bedarf an Gemüse und möglichst auch von Kartoffeln zu ziehen. Auch soll durch Erbauung eines kleinen Stallgebäudes Gelegenheit zur Viehhaltung gegeben werden. Ein solches Eigenheim »verde der betr. Familie und auch den Kriegsbeschädigte»: selbst »villkommene Gelegenheit zur Betätigung in einer wirtschaftlich nutzbringenden Weise bieten. Außerdem werde für die Familien der Besitz eines eigene»: Hcinrs in sozialer und gesundheitlicher Beziehung von großen: Vorteil sein. Für die Ansiedlung komme»: außer den Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmer»: nicht nur ganzinvalide in Betracht, sonder»: auch solche Krieger, die nur teilweise invalid, und auch solche, die megen dauernder Erkrankung zurückgekehrt sind. In der Sitzung »vurde ferner die Frage der Beschaffung der erforderlichen Grundstücke 'und der Geldmittel behandelt into beschlossen, wertere Schritte zu unternehmen. Weiteres in dieser Beziehung soll vorläufig noch nicht veröffentlicht werden, indessen sei bemerft, daß die Landes- v e r s i ch e r u n g s a n st a l t G r o ß Herzogin in Hess e n sich bereit erklärt hat, Mittel z»l diesem Zweck zur Verftigung.zu stellen. Nach der einstimmig ansgesprochene:: Ansicht der Ausschußmit- glieder soll versucht werden, die Bestrebungen ohire umfangreiche theoretische Erörterung«: und Untersuchungen der praktische»: L ü s u n g zuzuft'ihr«». Es soll hierbei die Mitarbeit lokaler Stellen insbesondere der Sparkassen mü> der g e »»: einnützig e»: Banvereine in Anspruch genommen werden. Als Geschäftsstelle für die Weiterbearbeitung der Angelegenheit wurde vom Ausschuß die Geschäftsführrurg des Ernst-Lud»vig-Veveins, Hessischen Zentralvereins für Errichtt:»:g billiger Wohnu»:gei: ii: Darmstadt, Wilhclminenstt'aßc 3, bestimnit.
Rat teuer; indes lvußte ein Begleiter des Paares Rat zu sck«ffe,r.> Es »vurde ein Zug von zp»ölf Ochsen zur Stelle gebracht, die erst die mit Telegraphen »na terial beladenen Krastbastwagen aus der Srü- i»»n»»g zu schaffen hatten. Der Strom »var stack, das Wasser eisig, die Wagen schwer — cs »var eine harte Aickaabe, imd erst nach viet- wck ei: Ver,»:chen glückte es Mensch und Tier, sie zu löse»». Dam: käme»: die prinzlichen Wagen daran. Alle »vasserempfmdlichen Teste wurden herausgenommen, die Ochsen vorgespannt, und du
s IVt—rtTJ*-»?»!»» raufUi» MT»*, ir.™-..... ~..£ -v n.r.... . . >
Uönig Peters Tochter auf der Zlucht.
Im „New York Ameckcan" erzählt die Prinzessin Helene Karag^eor g e witsch, eine Tochter des Königs Peter von Serbien, wie s:e durch das schnelle Vordringen der deutschen und österreichisch-ungarisckwn Truppei: geiwligt »vurde, eiligst die Flucht zu ergreife»:: urrd cs bildet diese Schilderung einen neuen Beitrag zu dem Bilde des großen Zusammenbruches des serbi-, scheu Heeres. Die Prinzessin befand sich i>: dem serbischen Städtchen Wrutzo, »vo sie, unterstützt von 40 serbischen Frauen, große Vorräte für die serbische»: Lazarette verivaltete wrd ihre Versendung leitete. Dort hielt sie sich für sichry; aber so jäh trat der« Umschwung der Verhältnisse ein, daß die serbische Sanitätsver- waltung der Prinzessin und ihrem Götte»: de»: Rat gab, Vrutzo schleunigst zu verlassen. Schon ertönte der Kanonendonner in der Nähe des Ortes, als das Ehepaar mit seinem Gefolge ans ztoer Kraftwagen die Flucht antrat. Es stand ihnen pur ein einziger Ausweg offen: das war das Tal zwischen Ktzaljewo und Raschka, und bald stteßen sie hier auf das auf dem Rückzuge befindliche serbische Heer. Soldatei: geleiteten lange Züge von Wagen, die von Ochsengespannen gezoge»: wurden, Flüchtlinge, Verwundete, Re tristen, Gesangeire, Frauei:, Kinder und wieder Wagen mit Munitwn und Nahrungsmitteln überfüllten die Straße. Alle Gesichter zeigten de»: Ausdruck des Er»:srcs u»:d der Trauer. In Raschka traf das flüchtige Paar den serbische»: Generalstab; die Fahrt von da rrach Mitrotvitza sollte dre: Stunden in Anspruch nehmen; erfuhr aber schon nach einer Stunde eine lange Unterbrechung, da ein über seine User ausgetretener Fluß die Straße sperrte und zum Teil ganz weggeschwemmt hatte. In der Mitte der StrömUirg sah n:an zrvei Kraftlastwage::, um die die »virbell»den Welle»: schäumten: sie läge»: so tief im Wasser, daß man von den Verdecke»: mir noch den oberen Teil sehen konnte. Da »var guter:
gei: an Kette»», und endlich glückte auch dieses U»tter»»el»imen». Aus ihre,: Schulten: trugen dann die Soldat«: das Gepäck nach.' Gegci: Abend »»rußte die Reise »vieder unterbrochen werden, da man sich wieder vor einem Fl»:sse ohne Uebergang befand; d:e Flüch-tttnge übernachtete»», in grobe Wolldecken gehüllt, in ihren Kvaftivagen. De»: nächsten. Tag fuhren sie die Berge hinauf auf e:neu: schmalen der/^umnittelbar an einer Felswand
nne»: Abgrund entlang führte. Unaufhörlich rutfdfytc und glitt der Wagen und löste ^teilte ab, die man tief »litten in den Abgrund yrnabrollcn hörte. Doch auch diese sehr ungemütliche Wegstrecke ward über»vunden und endlich Mitrowitza erreicht. Dort blieb das Paar volle zehn Tage. Die verschiedenartigsten Gerüchte jagten emander. Bald hieß es, die Franzosen hätte»: bereits Uesküb ge- nommc»:, dann wieder, daß sie in: Rückzüge ans Saloniki sich l>e- faiidei:: darauf verlautete, die zweite serbische Armee liabe die Cstenbahnlinie Nisch—Konstantinopel bereits wieder in ihren Besitz gebracht — aber das Ende vom Liede »var die Gewißheit, daß oiintcit zwei Tagen die Deutsckien in Mitrowitza zu erivarten seien. Scho»: passterte der Generalstab die Stadt, um nach Prizren tvei- tcr zu gehen und alles war voll und übervoll Von Not, Leide»,! und Elend. Die nächste Station der Flucht »var Prizren, wo Prinzeß Heleire angewiesen »vurde, durch die albanischen Gebirge uach Monastir weiter zu reisen. Aber als sie in Sliumkula an- gelangt »var, das inmitten schneebedeckter Berge an der Drina liegt, und von »vo sie ihre Reise itber die Berge zu Pferde fort- setze»: wollte, da erfuhr sie, daß die Bergpfade durch Regen u»:d Schnee untvegsam geumcht seien, außerden: wurde sie vor der Feindseligkeit der Albaner geivarnt. Also zurück nach Prizren, »vo dem Paare nun die Weisung gegeben »vurde, über Montenegro zu entfliehen. So begannen sie dem: über Jpek den Anstieg ins Land der Schwarze»: Berge. Die Reise wurde zu Pferde gemaefrt mtb führte bald in bittere Kälte. Nur nach große»: Schwierige leite»: »vurde Podgoritza erreicht, »vo die Teilnehmer der Fahrt infolge der Anstrengungen erkrankten und eiltet: längeren Auscnt- Ijalt nehmen mußten. Aber die priuzliche 2lbo»:teuerfahrt war
rigsten Teile der ganzen Fahrt. Die Pferde »»rußte»: oft knietief
durch Kot »vatcu; reißende Wasserläufe mußte»: a»:f dom Pferde- rücken gekreuzt werden, rvährend die Packpferde auf pnmitivenr KanoeS übergesetzt »vurde»:, in den«: sie kaum Platz hatten. Die Ueberiviirdung eiires solchen Wasserlaufes nah»»: oft viele Swn- den in Einspruch und gestaltete sich zu einer l>art«: GcLnstdsprobc. Erst i»: Schrak stieß man auf eine Fahrstraße, »nrd von da mis war die Reise leickst bis Durazzo, von »vo aus ein italienisches Torpedoboot das Paar nach Briirdrsi sck>affte.
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Meteorologische vcobachtungen der Station Sietzen.
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Bed. Himmel
Höchste Temperatur am 23. bis 24. Jan. 1916 = -f- 6,7* C. Niedrigste „ „ 23. „ 24. _ 1916 — 3,9' 0.
Niederschlag: 0,4 mm.
ächte Godener Mmeral- pasiillen
^ZeitgcmäßeLiebcSgübe: Nachahmungen »vetse man,
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Technische Uriegsphantasien.
Neben den zahlreichen Erfindungen ans krregstechnischenl Gebisse, die namentlich in den letzten Fr»edensjähren und im Verlauf des Weltkineges gesck>affen und erprobt wurden, ist es in dieser Zeit der nrodeursten Kriegsmaschinen interessant, die erg«»artigsten jener zahlreichen Angriffs- und Verterdigungsmittel zu betrachten, die niemals zur Ausführung gelangten und am besten als tcch- Nische Kriegsphantasien bezeichnet werden. Unter dieser von Hans Günther im nächsten Heft der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift „lieber Land und Meer" zusammen ge stellten kriegstechnischen Phantasr«» findet man die unglaublichsten Vorschläge und sonderbarsten Ideen. So wurde bereits vor Jahren vo»r einem französisch«» Erfinder eine „Ent- waffnungsmaschrne" v>orgeschlagen, bei der die Magnetkraft zur UnschMichmachung eines ganzen Heeres veriveirdet werden sollte. Es hairdelte sich um i»r gewaltigen Dimension«» zu bauende Kanonen- Magnete, die ans der Entfernung wirken und die metallenen» Batterien durch ihre Anziehungskraft sozusagen den Händen der Bedienungsmannschaft«: entreißen sollten. Ein anderer Erfinder aber überbot diese Idee, indem er Vakuumsauger bauen wollte, die, auf die feindlichen Linien gerichtet, Mann, Roß und Geschütze einsaugen sollt«». Häufig sind sölck»e unsinnigen Ideen »mter dem Mantel der Wissenschaft vorgebracht worden, um hochstaplerischen Ztveck«» zu dienen. So behauptete vor ettva zwei Jahre»: der Italiener Ulivi, »er habe „intraviolette Strahlen" erfunden, mit deren Hilfe es möglich sei, aus großen Entfernungen Spreng- stofte zur Erplosion zu bringen. Das itali«:ische Kriegsministerium ■ Schwindel-Erfinder auch herein, und das Ende »var
«n nicht sehr rühmliches Gelächter in der ganzen internationalen Presse Die meisten Erfinder der in Frage stehenden kriegs- techmschen Phantasien meint«: es aber ehrlich und glaubte»: an die Ausführbarkeit ihrer unmöglichen Pläne. In die Reihe dieser „fast feck:ggestellten" Erfindungen gehört auch das Betäubungsoder Schlafgeschoß des Amerikaners Humphrey. Dieses Projek- in ~ «-in In sanier: eges cho ß — sollte :»: seinem Stahlmantel dünne R:sse oder Rillen haben, die z»:r Aufnahme von Morphium besttmmt waren. Bei einer Verwundung durch dieses Geschoß sollte das Morphium in den Körper übergehen und den Getroffenen
™ Schlaf versenk«:. Eine andere amerikanische Kriegsphantasie :st das sog. unsichtbare Torpedoboot. Dieses Boot sollte aus zwei Teil«: bestehen: aus einem zigarrenförmigen Anhang tief unter der Wasserlinie, der alle lebenswichtig«: Teile, die Brenn- stvubehälter, die Maschinen- und die Torpedorohre enthalten sollte; »md aus den: über Wasser liegenden Schiffsrumpf mit Deck, Schorn- steinen, Kommandobrücke us»v. Der über Wasser liegende Rumpf sollte i»r kleine, mit Zellulose gefüllte Kammern geteilt sein. Da d»e Zellulose die Eigenschaft hat, im Wasser aufzuq»:ellen, sollte s:e alle u» die Eisenteile des Rumpfes geschlagenen Löcher sofort »vieder zu stopf«:, und so sollte der Rumpf de»: Anhang aller Be- schuß,ung znm Trotz ruhig forttragen können. Doch auch dieser Plan fand niemals eine Ausführung, da die Voraussetzungen nicht stimmen. Auch die „Unterseedreadnonghts" haben keine besseren Erfolge gehabt. Es handelt sich um eine Erfindung, die auch die großen Schlachtschiffe ta»»chfähig machen soll. Tie Schießluken sollen im gewüilschten Augenblick durch eine beso»rdere Vorrichtung »lwsserdicht verschlossen werden, und das ganze Schiff soll mit den vergrößerten Mitteln eines Taiichbootes unter Wasser gebracht »verd«: können. Auch in diesem Fall ist es bisher bei der Absicht geblieb«», ganz abgesehen davon, daß ein Schiss ui:t«t Wasser nur mit Oelmotoren betrieb«: werd«: kann und daß es Schtoerölmotore von der hier geforderten Leist»:ngsfähigkeit bis Utzt n:cht gibt. Die Phantasie der Eirgläuder und Franzosen wurde ganz besonders durch die deutschen U—Boote und Luftschiffe angespornt und drehte sich demnach hauptsächlich um Abwehr mittel gegen die genannten Krieas»vaffen. Französischen Ursprungs ist der Horchapparat, der die Annäherung deutscher U-Boote verrate»: soll. Es handelt sich um eine Art Ui:ter>vasser-Schallsigi:al-Emp- fangsstation, bestehend aus einer Anzahl halbkreisförmig angeord- neter Mikrophone. Jedes dieser Ntikropho»:e ist durch ei»: Kabel mit der Landstation verbunden. Auf dieser Station befindet sich ein Posten, der mittels Fernhörer aus die von dem im Wasser befindlichen Mikrophon ausgenommen«: und durch dos Kabel weitergegebenen etwaig«: Geräusche horchen soll. Auf diese Weise soll das Nahen eines Unterseebootes <m die Küste auf große Entfernung festgestellt werden. Doch diese Erfindung «-wies sich in der Praxis ebensowenig brauchbar wie die englische Unterseebootfalle. Diese besteht aus eiirem Eisenring von 8—10 Meter Durch
messer, nrehrere Meter unter der Wasserlinie, an einer Schwimmboje hängt, die zur Abgabe von Rauch- und Lichtsignalen einge- r:chtet i»t. Ueberdies sind an dem Eisenring eine Anzahl herunterhangende lange Taue befestigt. Wenn das Ü-Boot h: d«: Eisenring !“‘) r Ut , U hierdurch der Lichtsignalapparat in Tätigkeit gesetzt »:>erden^ um Wachtboote,nnd Zerstörer herbeizurufen. Gleichzeitig sollen die durch die Sangwirkung des Propellers emporgewirbetten Taue s:ch um die Schraube wickeln und diese festhalt«:. Wie gesagt, blieb es auch hier bei der Phantasie. Zum Schlüsse sei »»och eine englische Phantasie zur Ablvehr von Zeppelinangriffen erwähnt. Es handelt sich ;un» die Lnftminen des Militärin gen ieurs Sinmwns. Der ganze Luftraum über der von Zeppelinen bedroht«: Oertlich- k«t soll mit kleinen Fesselballons besät sein, die mit einer vom» Erdboden aus elektrischen und zündenden Sprengladimg versehen sind, wenn das angreifende Luftschiff dies«»: schwebenden Minenfeld gerrügeird nahe gekommen ist, soll«: die Ladungen «ttzündet werden. Die beiden Hanptfehl«', die diese Idee unmöglich machen, sind sofort zu erkenn«:. Erstens ist das Min«»feld in der Luft für die Mannschaft des Lustsehiffes aus große Entfernung sichtbar und zlveitens kam: !es darum durch Beschießung vom Luftschiff ans zur Explosion gebracht »verden, womit der Weg frei ist.
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* Eine polnische Briefma rkenra r i t ä t. In War^ sckiau l-aben die Ereicnrisse zur Ausgabe ei»:er national-poü:isck>en Briefniarkc gc'ftihrt, die int öffe»rtlick>«: Postdi«:st verivendet, alwc nur sieb«: Tage im Kurse getvesen ist. Es handelt sieh um zivei Werte, die vom tvlnisch«: Natwnalkomftoe in Warschau gedruckt »:wrd«: siird; postalisch venvertet wirrden sie in der kurzen Woche, die der Vertreibung der Russen aus Warschau folgte. An: 12. Oktober gab das Rationalkomitee ein«: 5)-Groszkh-Wert heraus, der in einer architektonischen Umrahmung einen sch»Dertfchtvingeirden St. Georg zeigt, daneb«: kam ein lO Groszkv Wert heraus, der d«: polnischen weißen Adler mit Krone und Jahreszahl 1915 anflvies. Die Einrichtung der deutschen Postanstalten machte dem Verkauf dieser Briefmarken des polnischen dkatioualkonritoes ein Eiche, die nun zu höchst kostbar«» Samnckerstücken geworden sind.


