Ausgabe 
24.1.1916 Zweites Blatt
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m. fl Ämter Statt

Erfchenll S-vch- des Sonntags.

Die ^Kebever FamUlenblitter" werden dem ^Anzeigec^ viermal wöchentlich beigelegt, daS Lreirbiatt flk btm Kxtis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieQmkvirlfchastlichra Stil- fr«tzcs" erscheinen monatlich zwennal.

M. Jahrgang

General-Anzeiger für Gberhejjen

Montag, 2^. Januar W6

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Schriitleitung, Geschäftsstelle «.Druckerei: Schul­straße?. Geschäftsstelle u.Verlag:^^51,Schrift- leitung: ^^112. Lldresie für Drahtnachrichten.- Anzeiger Gießen.

vaumschranben.

Am Mittwoch soll im britischen Unterh'anse der von sieben Unionisten einbebrachte Antrag zur Ver­handlung gelange::, welcher d:e Regierung 'aufsordert, die Blockade gegen Deutschlandso wirkungsvoll wie möglich auszugestalten, ohne dadurch die normale Ein­fuhr der Neutralen für den Bedarf im Jnlande zu beein­trächtigen". Die vorangegangenen Preßerorterungen lassen deutlich erkennen, daß nur der erste Teil des Antrags, nicht aber der zweite ernst gemeint ist. Auf die Rechte der Neutralen pfeift England ebenso wie aus das Völkerrecht überhaupt. Im übrigen versichert die Londoner Presse, daß die Annahme des Antrags zweifellos sei, daß das Parla­ment J)ie kräftigste Politik, welche die Minister einschlagen können, um Deutschland die Daumschrauben anlege:: zu fötrnen", unterstützen werde.

In der Tat, an diesen:guten Willen" ist nicht 511 zweifeln, obwohl die Daumschrallben, die man hier freund­licherweise Deutschland anlegen wäll, zugleich Daumschran- ben für die handeltreibenden Neutralen bedeuten. Wenn in: Hörigen angekündigt wird, daß Sir Edward Grey im Laufe der Aussprache einewichtige Rede" halten werde, so hat man Anlaß, dieser Rede mit Interesse entgegenzusehen. Denn vielleicht wird man daraus entnehmen, wie der finstere Lügner" so nannte ihn ein englisches Blatt sich jetzt zu den Erklärungen stellen wird, die er zu Beginn dieses Weltkrieges losließ. Damals versicherte er, daß Eng­land das Schwert gezogen habe, um Freiheit und Recht im allgemeinen und Belgiens Neutralität im besonderen zu schützen. Unterdessen hat aber Greys Kollege, der Handels­minister Rune im an, offenherzig das Kriegsziel Englands verraten, das darin bestehe,die Wiedergeburt

der deutschen Kraft nicht zuzulassen. Man muß

dafür sorgen, daß nach dem siegreichen Ende des Krieges Deutschland sein Haupt zu einem wirtschaftlichen Kriege nicht wieder erhebe"'. Schon vorher hat ein hoher englischer i Gerichtshof, der Appellhof beimSupreme Court of Judi- -eature", de:: Lieferungsvertrag zwischen einer deutschen und einer englischen Firma für rechtsungültig erklärt auch für die Zeit nach dem Kriege mit der ausdrücklichen Begrün­dung:Einen solchen Vertrag anzuer kennen 1mb ihm Wirk­samkeit zu geben durch die Annahme, daß er für die Ver­tragsteile rechtsgültig geblieben sei, heiße das Ziel dieses Landes, die Lähmung des feindlichen Handels vereiteln."

Britische Minister, ein hoher Gerichtshof und die Presse haben damit einstimmig bekundet, daß England das Schwert nicht gezogen hat, um Belgiens Neutralität zu beschützen, die zu durchbrechen es bekanntlich schon vorher entschlossen war auch Griechenland ist ja dafür ein lehrreiches Bei­spiel, sondern um den feindlichen Handel zu lähmen, um den deutschen Wettbewerb auszuschalten. Ob ihm das ge­lingen wird, auch nur während des Krieges, das steht aus einem anderen Blatte. Man hat ja im Jnselreiche auch so brutalstolz verkündet, daß man Deutschland aushungern wolle, und hat dies menschenfreundliche Ziel doch nicht er­reicht. Wie mit der bisherigen Blockade, so lverden wir uns auch mit der angedrohten verschärften Blockade abzufinden wissen, um so mehr abzufinden wissen, je enger unterdessen der wirtschaftliche Zusammenschluß des Vierbundes Deutsch- land-Donaumonarchie-Bulgarien-Türkei sich gestaltet, da es ja eine Instanz, an die man sich gegen diese völkerrechts­widrige Blockade wenden kann, nicht gibt.

Wie aber steht es mit den Neutralen, die durch die an­gekündigte verschärfte Blockade ebenso bedroht werden wie Deutschland? Was werden dazu Holland uitb die skandinavi­schen Staaten sagen, deren schon jetzt eingeschnürter Handel dadurch fast ganz erdrückt werden würde, was die Odorte ameriöanische Union, die um einen weiteren Teil ihres Han-

Deutscher Theater in Lille.

Ein Mitarbeiter schreibt uns aus Lille:

Deutsches Theater in Lille, in einer Stadt Frank­reichs! Wer von uns Feldgrauen hätte vordem je daran ge­dacht, daß man noch einmal die steile Treppe dieses Prunkgebäudes hinaufgehen würde! Wohl niemand hat eine sollte Möglichkeit ge­ahnt. Jetzt aber erscheint uns das wie etwas Selbstverständliches, das wir alle mit Freude genießen, denn ein Theaterabend bringt wieder frische Lust in das hatte (Änerlei des Kriegsdienstes. Und wir bedauern die etwas verschnupften Liller, die nun vor den Toren des großen Gebäudes stehen und sich an den Gedanken gewöhnen müssen, daß die Vollendung des vor dem Krieg be­gonnenen TheaterMeubaus ein Werk deutscher Kulturarbeit ist. Deutsche Soldaten, Techniker, Handwerker und Künstler haben den in der Nähe des Bahnhofs neben der Börse gelegene:: Prunk­bau fertiggestellt, der mit den mit Brettern dicht genagelten Türen und Fenstern am Beginn des Krieges aussah, wie so viele beim Kampf um Litte zerstörten Gebäude. Und als der erste Weih­nachtstag 1915 herankam, da hielt, einer Einladung des Gou­vernements folgend, das Deutsche Theater in Hannover seinen Einzug in das prächtige Gebäude, und der erste Abeich, der als Eröffnungsvorstellung GoethesIphigenie" brachte, er- lstelt bekanntlich eine ganz besondere Note durch die Anwesenheit des bayerischen Kronprinzen Rupprecht. So hat deutscher Fleiß, deutsche Kunst mitten im Kriege und mitten in Feindesland eine neue Insel deutscher Kultur geschaffen, wohl geeignet, die Augen unserer Gegner über unser vermeintliches Barbarentum zu öff­nen . . . Man könnte dem Künstlertempel auch den Name:: Feldgraues Theater" geben, denn wie die Vollender des Baues Feldgraue gewesen sind, wie an der Kasse und in den Wandel­gängen Feldgraue stehen, so setzt sich auch das Publikum aus Feldgrauen zusammen. Der Zuschauer ist erstaunt darüber, welche Wege unsere Soldaten oft zu machen haben, um einmal einer Vor­stellung beiwohnen zu können. Drei bis vier Stunden Marsch oft direkt aus der Front, aus dem Schützengraben heraus, ver­schlagen da nichts. In ganzen Trapps werden sie oft hwangeführt, mit vollster Aufmerksamkeit verfolgen fie die Vorgänge auf der Bühne, und mit Hellen, blanken Augen ziehen sie nach der Vor­stellung, die natürlich schon am Nachmittage beginnt, wieder hinaus zum rauhen Waffenhandwerk. Eine solcher Theaterbesuch ist ihnen eine Erholung im wahrsten Sinne des Wortes, die Sinne werden wieder aufgefrischt und neu belebt, und selbst ein fröhlicher Schwank tut seine Wunder. Nach derIphigenie" ' des ersten Weihnachtstages kam SchönthansRaub der Sabinerin­nen" und riß die Dhcaterurlauber zu, wahren Lachsalven hin. Das ist noch 'mal ein Unterstand, den inan sich gefallen läßt," meinte schmunzelnd ein wackerer Kcnwnier beim Verlassen des Theaters. Als drittes Stück gab es das LustspielDie berühmte Frau" von Schönchan und Äadelburg, das ebenfalls ttotz des

delsVerkehrs gebracht werden würde? Die holländische Presse erhebt bereits scharfen Einspruch, Und die drei skandi­navischen Staaten haben für Anfang Februar eine Konfe­renz der Auslandsminister in Stockholm angesetzt, um gegen die Blockadeverschärfung Stellung zu nehmen. Aber diese vier Staaten sind kaum in der Lage, über Proteste und unzulängliche Repressivmaßnahme:: hiuauszugehen. Und eben deshalb blicken sie erwartungsvoll und verlangend über den großen Teich, weil sie Unterstützung von dem mächtigsten der Neutralen verlangen, dessen Interessen noch dazu, wie jetzt, fast die gesamte amerikanische Presse zugibt, durch die angedrohte Blockadeverschärfung gleichfalls schwer getroffen werden.

Wird Amerika, wie der Senator Smith bei der jüngsten Aussprache im Senat fragte,England das Recht der Räuberei aus hoher See für alle Ewigkeit zugestehe::?" Wenn es den Neuttalen je zweifelhaft war, so muß es ihnen nun klar werden, daß es um die Freiheit der Meere geht, jetzt und für alle Zeiten. Wird die Union auch diesem neuen Borstoß Englands gegenüber sich damit begnügen, Proteste zu Protokoll zu geben? Werden die Neuttalen sich endlich der englischen Anmaßung, der brittschen Seeräubertaktsi gegenüber zu kräftiger Abwehr zuscunmenschließen? Oder wollen sie geduldig stillhalten, wenn ^England weiter aus ihrer 5)aut Riemen schneidet, wenn ^es die Deutschland angedrohten Daumenschrauben ihnen anlegt?

7\m dem Uesche.

Die Kriegssteuern.

Berlin, 22. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) DieN 0 r d d. Allgem. Ztg." schreibt unter der Ueberschrift: Kriegs­steuern in einer polemischen Auseinandersetzung mit der Köln. Volksztg.": Wie der Reichsschatzsettetär in der De­zembertagung des Reichstages mitteilte, kann der Reichs- Haushalt für 1916/17 ohne neue Einnahmen nicht ins Gleich­gewicht gebracht werden. Angesichts des mit aller Sicher­heit vorauszusehenden Fehlbetrages des ordentlichen Etats für das kommende Rechnungsjahr wäre ein Verzicht auf Kriegssteuern nicht länger vertretbar. Jeder andere Weg, sei es eine Defizitanleihe, sei es die Deckung der Zinsen der Kriegsschuld aus neu auszunehmenden Anleihen, wäre eine unverantwortliche Finanzgebarung, die über­dies von unseren Feinden als ein Zeichen finanzieller Unzu­länglichkeit zur weiteren Auspeitschung der Kriegsleiden-

schaft mißbraucht werden würde. Wir müssen auch im Kriege

t

rhalten. Das deutsche Volk hat so glänzende Proben seiner finanzielle:: Kraft in der Zeichnung auf die Kriegsanleihen abgelegt, daß ein Zweifel an seiner Fähigkeit, für die Bilan­zierung des ordentlichen Reichshaushalts die erforderlichen Mittel trotz der Kriegsteuerung im Stenerwege aufzu­bringen, keinen Augenblick gestattet ist, ebenso wenig ein Zweifel an Bereitwilligkeit. Ueber das Wie wttd eine Einigung erzielt worden. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Die Vorschläge der verbündeten Regierungen werden im Zusammenhang mit der: Steuermaßnahmen, die in den Einzelstaaten und Kommirnen notwendig geworden sind, eine gerechte, die schwächeren Schultern nach Möglichkeit schonende Verteilung der Lasten brin­gen. Es wäre eine klein:nüttge Einschätzung des im Kriege geborenen Gemeinsinns der Parteien, toeim man annehmen wollte, daß die Parteien unfähig seien, sich über die not­wendig gewordenen Kriegssteuern zu einigen; es wäre ein schlechter Burgfrieden, der nur durch Preisgabe von Staats­notwendigkeiten erhalten werden würde. Die Tatsache, daß erst nach Friedensschluß übler den Neubau der Reichs­finanzen endgültig zu beschließen sein wird, beseitcht nicht die Notwendigkeit, während des Krieges die Reichsfinanzen vor dem Verfall zu bewahren. Dagegen wird diese Tatsache

den Parteien die Verständigung unter sich und mit den ver­bündeten Regierungen erle:chtern, denn es handelt sich jetzt nicht um Schaffung dauernder Verhältnisse, son­dern um Notbehelfe, die einer Nachprüfung und Ein­ordnung in die endgiiltige Reichsfinanzversassung unter­liegen, nicht um Grundsätze, sondern um Kriegsmaßnahmen.

Neue Verordnungen.

B e r l i n, 22. Jan. /WTB. Nichiamtlich.) DerR eichs- anzeiger" veröffentlicht 1. eine Bekanntmachung zum Schutze der Angehörigen immobiler Truppenteile, 2. eine Bekanntmachung über die Beglaubigung von Unterschriften und die Legalisation von Urkunden in besetzten Gebieten, 3. eine Verordnung des Bundesrats über den Handel mit ausländischen Zahlungsmitteln, 4. eine Bekanntmachung des Reichskanzlers über der: Handel nnt auslä:ck)ischen Zah­lungsmitteln, 5. eine Verordnung des Bundesrctts betreffend die Unterstützung von Familien iu den Dienst eingetretener Mannschaften, 6. eine weitere Bertrnntmachung des Reichs­kanzlers betreffend den Handel mit ausländischen Zahlungs­mitteln und betreffend den Umwechselungsverkehr, 7. eine Bekanntmachung betreffend die Erlaubnis zur Veröffent­lichung der Kurse, die gemäß der Verordnung über den Handel mit ausländischen Zahlungsmitteln für ausländische Geldsorten und Noten, sowie für Auszahlungen, Schecks und kurzfristige Wechsel auf das Ausland festgesetzt werden. DerReichs anzeig er" enthält ferner eine am 15. Februar in Kraft tretende Bekanntmachung der preußischen einschlä­gigen Ministerien, nach welcher zur Regelung der Be­schaffung, des Abscches und der Preise von lebendem Vieh für jede Provinz ein rechtsfähiger Verband gebildet wird. Dem Verbände gehören alle Viehhändler und landwirt­schaftlichen Genossenschaften, die Viehhandel betteiben, an.

Der Beirat für Volksernährung.

Berlin, £3. Jan. (WTB. Amtlich.) In der am Sams­tag im Reichsamt des Innern abgehaltenen Sitzung des Beirates für Volksernährung wurde zunächst die Höchstpreisfestsetzung für Gemüse besprochen; an zweiter Stelle standen die zur Steigerung des Zuckerrübenan­baus für notwendig erachteten Maßnahmen. Schließlich wurde die Versorgung der Bevölkerung mit Speisekar­toffeln sowie die Sicherstellung von Kartofseltrocken- erzeug nissen. für die Brotstreckung erörtert.

Rhein-Mainischer verein für vevötterungspolitik.

Mit Aufmerksamkeit wird fest einigen Jahren von bcn teilt* scheu Vvlkswirtschaftlern die langsam sinkende Geburtenziffer im deutschen Volke beobachtet, eine Erscheinung, die sich nicht nur im Verhältnis zur .Vollszahl, sondern neuerdings auch in absoluter Weise bemerkbar macht. Die Tatsache, daß durch den Krieg eine weitere nicht unbettächtliche Schwächung des Volksbestandes be­wirkt wird, hat Um das Bevökkerungsproblem zu einer der brennend­sten Fragen gemacht. Die dem deutschen Volke drohende Gefahr läßt sich nicht durch schwächliche Versuche und tastende Maßnahmen aüwenten. Hier gilt es ganze Arbeit zu machen. Zur Lösung dieser Fragen hat sich die Deutsche Gesellschaft für Be­völkerungspolitik gebildet.

Um die weitesten Kreise und Bevölkerungsschichten zur tätigen Mitarbeit zu gewinnen, ist die Bildung von Landesverbänden und Ortsgruppen geplant. Aus Anregung von Gießen aus fand am Sonntag imFrankstrtter Hof" yn Frankfurt eine ans dem Groß­herzogtum Hessen und den beuachbatten preußischen Gebietsteilen «Nckbesuchte Gründui^sversammlnng desRhein-Mainischen Vereins für Bevölkernngspvlitik statt. Unter den Anwesenden bemerkte man u. a. die Provinzialdirektoren Dr. U s i n g e r - Gießen und F e y - Darmstadt, Finanzminister a. D. Exz. B r a u n - Tarmstedt, den Präsidenten des Oberkonsistoriums v. N c b e l - Darmstadt, Geh. Oberkonsistvrialrat O. Petersen - Tarmftadt, Domkapitular Dr. Bend ix-Mainz, Oberbibliothekar Tr. Ebel- Gießen (als Vettreter des Öberbürgermeisters Keller), Frau Geh. Kommerzienrat Gail- Gießen, Frau Oberstleutnant

vorseldgrauen", moralingetränkten Stoffes, Frohsinn und Heiter­keit erweckte. Dann folgte ein Gastspiel des «D ü s s e l d 0 r f e r Schauspielhauses mit Hans Sachs; Kleist und Shakespeare! Die Hans-Sachsiade vom ,Fälberbrnten" bildete:: den Austakt der lustigen Abende. Hierauf gab es KleistsZerbrochener Krug" und Shakespeares ewig jungen FaschingsschwankWas ihr wollt". Nicht mit Unrecht bemerkte die Liller Kriegszeitung dazu:Das Stück eines englischen Schriftstellers, aus französischer Bühne, von Deutschen gespielt: wirklich,was ihr wollt", es ist alles da?" Und warum sollte Shakespeare auch letzt nicht von deutschen Künstlern gespielt werden? Gehört er doch uns Mit viel niehr Recht als den Engländern, denn wir haben uns ihn erobert. Und nur deutsche Künstler können ihn so geben, wie er gegeben werden soll. Unsere Feldgraue:: aber haben bei den verschiedenen Ko­mödien der Irrungen und Wirrungen herzlich gelacht und herzlich gekatscht. . . Währenddessen trösten sich die Liller in einem dem ThAlter gegenüberliegenden Gebäude, an dein in goldenen Buch­staben auf einem Schilde zu lesen ist: l'entr' acte". Hier gibt

es Cnracao und andere Liköre, und in den Dust der Zigaretten mischt sich leise das immer wieder gehörte Wortc'eft la guerre".

Ein Engländer über das Reiseleben nach dem Kriege. In Fortsetzung seiner Arttkel über die Zukunft nach dem Kriege veröffentlicht der englische Schriftsteller Twells Brex in derDaily Mall" die folgende pessimistische Zuknnsts- schilderung des Reiselebens:Viele Leute, Bürger der Krieg­führenden Und Neutrale, haben die Absicht geäußert, nach Frie­densschluß das Kriegsgebiet zu durchreisen, das heute mll Etappen und Lagern, mit Schützengräben und Erdbef-estigungen einen großen Teil Europas bedeckt. Doch diese Reiselustigen täten gut daran, ihre Reisen um zehn Jahre hinaus zu schieben. Denn nicht früher wird Europa imstande sein, die Gäste mit den stüher üblichen Be­quemlichkeiten zu empfangen. Europa wird im Gegenteil den Wunsch haben, daß währe:ch mehrerer Jahre nach dem Kriege jeder, der sonst reiste, möglichst daheim bleibt. Der Zustand, :n dem der Reiseverkehr in Europa sich nach Friedensschluß befinden wird, kann durch die Devise bezeichnet werten: Nur Geschäfts­reisende erwünscht. Sicherlich wollen viele Amerikaner gleich nach Friedensschluß , das vom Kriege heimgesuchtc Europa besichtigen. Doch wenn diese Leute ihre Reisen ungestört ausznführen ge­denken, sollten sie sich vor allem -eigene Schiffe mieten, denn nach dem Kriege wird jede Tonne Schiffsraum wertvoll sein zur Auf­nahme des 9Naterials zum Aufbau des Zerstörten und zur Be- fördernng von Lebensmitteln nach den leer gewordenen Spei- dyexn. Die Touristen sollten auch ihre eigenen Automobile und wenn möglich eigene Bahnwagen mitbrllrgen, denn das rollende Material Europas wird zum großen Teile zerstört oder beschädigt, ans jeden Fall aber sehr mivollkommen sein. Auch wird es schwer sein, die Vergnügungsreijenden unterzubringen, tvenn sie die­selben Ansprüche stellen wie vor dem Kriege. Besonders in ten direkt von den Kämpfen heimgesuchten Städten wird nran das

Hotelwesen erst allmählich neu organisieren können. In Eng­land, wo man an das freie Fremden- und Reiseleben gewöhnt war, wird man die neuen Uneguemlichkeiten wie einen starken Druck empfinden. Selbst wenn wir unsere Verbündeten besuchen und auch wenn wir nur im eigenen Lande reisen werden, wird dieser Druck einpfindlich zu verspüren sein. Nichts war in Eng­land unbeliebter als Paßvorschriften. Nun haben auch wir durch den Krieg ein strenges Paßsystein erhalten, und dies wird auch im Frieden nicht verschwinden, tz-leichwie die bei uns neueingeführte Meldepsticht auch im Frieden zu Recht bestehen wird. Darum wird selbst das Reisen in der Heimat längere Zeit hindurch nicht so selbstverständlich und einfach sein, wie vor dem Kriege. Auch werden die Reisekosten sich als :nerklich höher erweisen. Wie lange ivird es dauern, bis alle Vergnügungssonderzüge, alle inter­nationalen Luxusexpreßverbindungen wieder im alten Betrieb sein werden? Die Eisenbahngesellschasten werden hart zu arbeiten haben, um ten einstigen Friedenszustand rvieder voll und ganz herzustellen. Die Welt wird so ruhiger erscheinen, man wird mehr auf seinem Platze verbleiben und da arbeiten, um die Spuren des Krieges zu venvischen. das Entschwundene allmählich neu er­stehen zu lassen."

--- Frankfurt a. M, 23. Jan. Nach schmerzlichem Leiden verstarb gestern der Direktor des Hvchschen Konservatoriums, Iwan Knorr. Mit ihm scheitet aus dem musikalischen Leben der Stadt eine der bedeutendsten Persönlichkeiten. Knorr, ein Schüler Karl Reineckes und Richters, war 1853 in Westpreußen geboren. Seit 1883 wirkte er in Frankstirt am Hvchschen Konser­vatorium als Lehrer für Theorie und Komposition, 1908 über­nahm er die Lellung der Anstalt. Als Komponist und Musikschrift­steller hat er mit reichem Erfolge sich betätigt. Seine OperTan­ja", dieUkrainischen Liebeslieder", zahlreiche Klavierwerke und viele Liederkompositionen haben bleibenden Wett. Wertvoll ist auch Knorrs Biographie über Tschaikowsky.

Neue Pfahlbautenfunde. Aus Zürich ivird uns geschrieben: Im Zürichsee, der der wissenschaftlichen Welt schon so viele und reiche Aufklärung über die Zeit der Pfahlbauten ge­schenkt hat, sind schon rvieder einige Funde zutage gefördert worden, die von außerordentlichem Werte smd. Gegenüber der Ton­halle, dott, wo sich eine schöne Promenade hinzieht, wurden seit längerer Zeit Baggeningen für 'die Erbauung eines Bootssmuses für -einen Jüttcher Pachtklnb vorgenommen. Dabei stieß man u: den letzten Tagen aus einen Pfahlbau, ten man vorerst als aiü der Bronzezeit stammend erllärt und in dem man zahlreick-c Töpfer­arbeiten vorfand. Die weiteren Ausgrabungen lverden von der zu­ständigen ^tommnsivn des schweizerischen LaichesniüscumS ü: Zürich, das bereits über eine reiche Pfahlbautensammümg vecfügt, wei­ter geleitet.